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Full text of "Urkunden und Actenstücke zur Geschichte des Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg"

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ÜEKÜNDEN UND ACTENSTÜCKE 

ZUR GESCHICHTE 

DES 

KUEFÜR8TEN FRIEDRICH WILHELM 

VON BRANDENBÜRG. 



AUF VERANLASSUNG SEINER HOCHSEUGEN MAJESTÄT DES KAISERS 
FRIEDRICH ALS KRONPRINZEN VON PREUSSEN. 



ZWÖLFTER BAND. 



BERLIN. 

DRÜCK UND VERLAG VON GEORG REIMER. 
1892. 



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URKUNDEN UND ACTENSTÜCKE 
ZUR GESCHICHTE DES 

KÜRFÜRSTEN FRIEDRICH WILHELM 

VON BRANDENBÜRG. 



POLITISCHE VERHANDLUNGEN. 



ACHTER BAND. 



HERAUSGEGEBEN 



D«- FERDINAND HIRSCH, 

PROFESSOR AM KömOSTÄDTISCHEN REALGYMKASIUlf Zu BBRUN. 



BERLIN. 

DRUCK UND VERLAG VON GEORG REIMER. 
1892. 



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§ 



et' ^y/^i^"^ ' / 



HARVARD COM PHP LIBRARY 

JAN 6-1905 

HOHeN'.^0'..i.rr.N collpction 

C.!."'i' i^r' A 0. <,0OLij\J,ti 



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Vorwort. 



Mit dem vorliegenden Bande erhält die den politischen 
Verhandlungen der Jahre 1660 — 1672 gewidmete Abtheilung 
dieses Werkes ihren Abschluss. Entsprechend dem in dem 
9. und 11. Bande dargelegten Plane führt derselbe zunächst 
die auf die Unterwerfung Magdeburgs 1666 bezüglichen Akten 
vor und behandelt dann in dem zweiten Abschnitt den Antheil, 
welchen Kurfürst Friedrich Wilhelm an den durch den An- 
griff Schwedens gegen die Stadt Bremen veranlassten nord- 
deutschen Händeln während der Jahre 1665 — 1668 genommen 
hat. In dem umfangreichen dritten Abschnitt werden die Be- 
ziehangen Brandenburgs zu Polen in den letzten Jahren König 
Johann Kasimirs (1664 — 1668), während des Interregnums 
und während der Regierung König Michaels (1669 — 1673) 
dargelegt Der vierte behandelt die vergeblichen Versuche, 
welche der Kurfürst in den Jahren 1666 — 1668 gemacht hat, 
sich mit Oesterreich über ein gemeinsames Vorgehen in den 
polnischen Händeln und zugleich gegenüber den in .dem An- 
griffe Ludwigs XIV. gegen die spanischen Niederlande zu 
Tage getretenen ehrgeizigen Absichten des französischen 
Königs zu verständigen. Der fünfte und der sechste Abschnitt 
veranschaulichen die Haltung, welche der Kurfürst inmitten 
der unter den westeuropäischen Mächten 1669—1672 schwe- 
benden Conflicte, des englisch-holländischen Seekrieges, des 



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▼1 Vorwort. 

Devolutionskrieges und des seit dem Abschlnss der Tripel- 
allianz hervortretenden, sich mehr nnd mehr verschärfenden 
Gegensatzes zwischen Frankreich nnd Holland eingenommen 
hat, nnd zwar ist der erstere speziell den Verhandinngen mit 
England gewidmet, während in dem letzteren gleich die mit 
den verschiedenen anderen Mächten ausserhalb und innerhalb 
des Reiches geführten Verhandlungen, welche sich um den 
Devolutionskrieg und die Tripelallianz drehen, im Zusammen- 
hange vorgeführt sind. Da die von Ludwig XIV. in den 
Jahren 1670—1672 gemachten Versuche, den Kurfürsten zum 
Bundesgenossen für den damals vorbereiteten Krieg gegen 
Holland zu gewinnen, schon in dem 13. Bande dargelegt sind, 
so ist es hier nur nöthig gewesen, die Verhandlungen mit dem- 
selben bis zum Abschluss des Vertrages vom 31. December 
1669 zu fuhren. In dem letzten Abschnitte sind endlich wie- 
der die aus den Jahren 1668 — 1671 erhaltenen vertraulichen 
Schreiben des Kurfürsten an seinen vertrautesten Rathgeber, 
den Oberpräsidenten Otto v. Schwerin, in denen neben seinen 
persönlichen auch die verschiedenartigsten politischen Ange- 
legenheiten zur Sprache kommen und welche höchst inter- 
essante Einblicke in die Verhältnisse an seinem Hofe und in 
die Sinnesweise und die Anschauungen des Kurfürsten ge- 
währen, mitgetheilt. Seine ursprüngliche Absicht, ähnlich wie 
in dem 11. Bande in einem besonderen Abschnitte die Ver- 
handlungen des Regensburger Reichstages während der Jahre 
1665—1671 und die Haltung, welche der brandenburgische 
Kurfürst in den dort zur Sprache kommenden allgemein euro- 
päischen sowie in den speziell deutschen Fragen eingenommen 
hat, vorzuführen, hat der Herausgeber aus äusseren Gründen, 
um diesen schon ziemlich starken Band nicht noch mehr an- 
schwellen zu lassen, aufgeben und sich darauf beschränken 



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Vorwort. vii 

müssen, in einer Unterabtheilang des 6. Abschnittes die dnrch 
den Angriff Ludwigs XIV. auf die spanischen Niederlande ver- 
anlassten Verhandlungen des Reichstages über die burgundische 
Frage in den Jahren 1667 und 1668 darzulegen. 

Ausser den Akten des Königl. Geheimen Staatsarchivs 
zu Berlin, von denen nur die GeheimenrathsprotokoUe, deren 
Herausgabe inzwischen die Königl. Archivverwaltung selbst 
in Angriff genommen hat, ihm nicht zugänglich gewesen sind, 
hat der Herausgeber auch die Akten des Königl. Staats- und 
des Stadtarchivs zu Magdeburg sowie diejenigen des Danziger 
Stadtarchivs herangezogen. Erstere haben für den ersten, 
letztere für den dritten Abschnitt werthvoUe Ergänzungen ge- 
liefert. Zur Erläuterung einiger in den Briefen des Kurfürsten 
an O. V. Schwerin vorkommender Punkte haben auch die Akten 
des Kgl. Hausarchivs verwerthet werden können. Den Vor- 
stehern und Beamten dieser Archive, welche in liebenswür- 
digster und zuvorkommendster Weise ihn bei seinen Arbeiten 
unterstutzt haben, namentlich Herrn Archivar Dr. Meinardus 
hierselbst sowie den Stadtarchivaren Herrn Dr. Dittmar in 
Magdeburg und Herrn Archidiakonus Dr. Bertling in Danzig 
erlaubt sich der Herausgeber auch an dieser Stelle seinen 
herzlichsten Dank auszusprechen. 

Berlin im Juli 1892. 

Ferdinand Hirsch. 



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Inhalt. 



Seitt 

Vorwort V— VII 

Inhalt VIII-X 

I. Die Unterwerfun(2f von Magdehurf^ 1666. 

Einleitung 3 

Acten 8 

II. Der bremische Krieg, die Quadrupelallianz und die engere 
Vereinigung zu Braunschweig 1665 — 1668. 

Einleitung 59 

Acten 72 

a. Der bremische Krieg 72. b. Die Allianz mit Däne- 
mark 116. c. Die Quadrupelallianz 124. d. Die engere 
Vereinigung mit K.Coln, den braunschweigischen Her- 
zogen, Hessen - Cassel und Schweden 136. e. Gesandt- 
schaft V. Crockows in Stookholm 167. 

III. Brandenburg und Polen 1664—1673. 

Einleitung 217 

Acten 236 

a. Schriftwechsel mit König Johann Kasimir (September 
bis November 1664) 236. b. Gesandtschaft v. Hoverbecks 
und y. Bonins (December 1664— Mai 1665} 240. c. Ver- 
handlungen mit Lubomirski (August 1665 — Februar 
1666) 276. d. Gesandtschaft v. Hoverbecks (März 1666 
bis October 1668) 288. e. Verhandlungen während des 
Interregnums 384. f. Gesandtschaft v. Hoverbecks und 
V. Jena's zu dem Wahlreichstage (Mai — Juli 1669) 395. 
g. Eusebius v. Brandt in Warschau (Juli 1669— December 
1670) 422. h. Sendung Opacki's (Februar 1671) 496. 
i. Sendungen des Scultetus nach Polen. Verhandlungen 



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Inhalt. IX 

Seite 

wegen der Türkenbülfe (Februar —December 1671) 506. 
k. Gesandtschaft v. Hoverbecks und v. Tettau s (December 
1671 — März 1672) 522. 1. Der Türkenkrieg (Mai 1672 
bis November 1673) 534. 

IV. Brandenburg und Oesterreich 1666—1668. 

Einleitung 565 

Acten 569 

a. Allianz vom 10. Mai 1666 569. b. Erste Gesandtschaft 
V. Blumenthals nach Wien (December 1666 — Februar 

1667) 573. c. Zweite Gesandtschaft v. Blumenthals nach 
Wien (November 1667— April 1668) 585. 

V. Brandenburg und England 1664—1669. 

Einleitung 607 

Acten 614 

a. Erste Sendung Christoph v. Brandts (Juli 1664 — Juni 

1665) 614. b. Sendungen Lucas von Achens (März— Juli 

1666) 628. c. Zweite Sendung Christoph v. Brandts 
(August 1666 — August 1667) 633. d. Dritte Sendung 
Christoph v. Brandts (November 1667 — September 

1668) 657. e. Gesandtschaft des Gabriel Silvius zum 
Kurfürsten (Juni 1669) 672. 

VI. Brandenburg und Frankreich (Devolutionskrieg und Tripel- 
allianz) 1666—1669. 

Einleitung 677 

Acten 691 

a. Verhandlungen wegen der polnischen Angelegenheit. 
1. Anbringen des jüngeren v. Schwerin in Paris (März 
bis Mai 1667) 691. 2. Verhandlungen mit Millet in Berlin 
(Mai 1667) 696. 

b. Der Devolutionskrieg. 1. Verhandlungen mit Millet 
(Juni 1667) 698. 2. Verhandlungen mit den anderen 
Kurfürsten (Mai— Juli 1667) 699. 3. Verhandlungen mit 
den braunschweigiscben Herzogen (Juni 1667) 706. 
4. Verhandlungen mit dem Bischof von Münster (Juni 

1667) 707. 5. Verhandlungen mit Pfijz-Neuburg (April 
bis September 1667) 711. 6. Verhandlungen mit Hol- 
land (Mai 1667 — März 1668) 722. 7. Verhandlungen 
mit Castel Rodrigo (Juni 1667 — Februar 1668) 760. 
8. Verhandlungen mit Kur-Sachsen (August — November 
1667) 784. 9. Verhandlungen mit den braunschweigiscben 
Herzogen (October— December 1667) 797. 10. Verhand- 
lung mit Kur -Baiern (November 1667) 804. 11. Der 
Convent zu Coln. Gesandtschaft de Beyers nach Frank- 
reich (Juli 1667— Juni 1668) 806. 12. Der Reichstag zu 
Regensburg (Mai 1667 — Mai 1668) 830. 13. Gesandt- 



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X Inhalt. 

Seite 

Schaft y. Pölnitzs und Meinders' nach Paris (November 
1667— April 1668) 849. 

c. Gesandtschaft v. Blumenthals (August 1668— Decem- 
ber 1669) 865. 

d. Verhandlungen über den Eintritt des Kurfürsten in 
die Tripelallianz (November 1668— April 1670) 895. 

e. Gesandtschaft Vaubruns (April 1669— Februar 1670) 
906. 

YII. Eigenhändige Briefe des Kurfürsten an den Ob er Präsidenten 

Otto ▼. Schwerin 917 

Personenverzeichnis 953 



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I. 

Die Unterwerfimg von Magdeburg. 

1666. 



M«ter. c. Gesch. d. O. KarfurBten. XI] . 



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Einleitung. 



Durch den Westfiilischen Frieden war dem Kurfürsten von Brandenburg 
auch die Anwartschaft auf das Erzstift Magdeburg zugesprochen worden*), 
er sollte die Regierung dort erst nach dem Tode oder Zurücktreten des bis- 
herigen Administrators, des Herzogs August von Sachsen, antreten, aber die 
Huldigung sollte ihm sogleich von dem Domkapitel, den Ständen und den Un- 
terthanen des Erzstiftes geleistet werden. Demgemäss hatte der Kurfürst, 
welcher sich zu Anfang des Jahres 1650 nach den ihm ebenfalls durch den 
Frieden zuerkannten Stiftern Minden und Halberstadt begeben hatte, um 
von denselben Besitz zu ergreifen, beschlossen, im Anschluss daran auch die 
Huldigung des Erzstiftes entgegenzunehmen, und hatte durch die ihm beige- 
gebenen kaiserlichen Kommissare, die Freiherren v. Blumenthal und v. 
Plettenberg, das Domkapitel und die Stände desselben, unter diesen auch 
die Stadt Magdeburg, behufs Ableistung derselben zum 30. März nach Magde- 
burg selbst entbieten lassen. Die Stadt Magdeburg aber"), welcher durch 
das Friedensinstrument') der Genuss aller ihrer Rechte und Privilegien, darunter 
auch ausdrücklich des von dem Kaiser zu erneuernden angeblichen Privilegs 
Kaiser Otto's I. vom 7. Juni 940, aus welchem sie ihre Reichsfreiheit herleitete, 
zugesagt worden war, welche darauf hin gehofft hatte, jetzt das Ziel ihrer ehr- 



Instr. pacis Osnabr. Art. XL § 6. 7. 

^ S. F. Hirsch, Der Grosse Kurfürst und die Altstadt Magdeburg bis zum Jahre 
1666 (Forschungen zur brandenb. u. preussischen Geschichte. IV, 2). 

') Instr. pacis Osnabr. Art. XI. § 8 : Civitati vero Magdeburgensi pristina sua 
libertas et Privilegium Ottonis primi die septimo Junii anno 940, quod etiamsi tem* 
porum iniuria deperditum ad preces eiusdem humiliter porrigendas a Caesarea Maiestate 
renovabitur, tum etiam Privilegium muniendi et fortificandi ab imperatore Ferdinando 
secundo coneessum, quod cum omnimoda iurisdictione et proprietate ad quadrantem 
milliaris germanici extendatur, sicut et reliqua ilHus privilegia et iura in ecclesiasticis 
et politicis salva et inviolata maneant cum inserta clausula, quod in praeiudicium 
civitatis reaedificari non debeaut suburbia. 

1* 



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4 I- Die Unterwerfung von Magdeburg. 1666. 

geizigen Bestrebungen, die volle Reichsunmittelbarkeit, zu erlangen, und daher 
nach wie vor dem Administrator die Huldigung verweigert hatte, war nicht ge- 
neigt gewesen, sich dieser Forderung zu fugen, sie hatte*) unter Hinweis auf 
das Ottonische Privileg, auf das Friedensinstrument und darauf, dass die 
Verhandlungen über die zwischen ihr und dem Administrator sowie den Stän- 
den des Erzstiftes streitige Auslegung der Bestimmungen desselben noch am 
kaiserlichen Hofe schwebten, bestritten, dass sie überhaupt zu den Ständen und 
ünterthanen des Erzstifts gehöre, und die Huldigung abgelehnt. Verhandlungen, 
welche der Kurfürst damals durch seinen 'Oberkämmerer Conrad v. Burgs- 
dorf und den Geheimen Rath Johann Fromhold, welche sich zusammen 
mit dem einen kaiserlichen Kommissar v. Plettenberg in die Stadt begaben, 
mit dem Käthe hatte führen lassen, waren ganz erfolglos gewesen, auch die 
Drohung, welche seine Abgesandten äusserten, dass im Weigerungsfalle Ge- 
walt würde angewendet werden, hatte nichts gefruchtet, sondern nur dahin ge- 
führt, dass der Rath Vertheidigungsanstalten traf, die Hülfe der damals noch auf 
dem Friedensexecutionsconvent zu Nürnberg befindlichen kaiserlichen und 
schwedischen Bevollmächtigten anrief und sich schliesslich sogar weigerte, den 
Huldigungsakt überhaupt innerhalb ihrer Mauern zu gestatten. Der Kurfürst 
hatte diesen daher nach einem anderen Orte, nach Gr. Salze, verlegen müssen, 
wo er auch*) am 14. April, aber ohne dass die Stadt trotz wiederholter Auf- 
forderung daran theilgenommen hätte, stattgefunden hat. Der Kurfürst hat da- 
mals keine Gewaltmassregeln gegen die Stadt versucht, er hat sich nur darauf 
beschränkt, dem Kaiser von dem Vorgefallenen Anzeige zu machen und ihn 
zu ersuchen, er möchte den Magdeburgern befehlen, das zu leisten, was der 
Friedensschluss vorschreibe und was sie auch früher den Erzbischöfen geleistet 
hätte. Er hat sich auch in den nächstfolgenden Jahren damit begnügt, am 
kaiserlichen Hofe und auf dem 1653 — 1654 versammelten Reichstage den Be- 
mühungen der Magdeburger, die Anerkennung ihrer Reichsunmittelbarkeit durch- 
zusetzen, entgegenzuwirken. Erst zu Anfang des Jahres 1658') hat er, jeden- 
falls veranlasst durch die ihm damals von Schweden her drohende Gefahr, 
einen neuen Versuch gemacht, die Stadt zur Huldigung zu bewegen. Er Hess 
dieselbe zunächst Mitte Februar durch den damals in seinen Diensten stehen- 
den Generalwachtmeister v. Uff ein zur Ableistung derselben auffordern und 
schickte dann, obwohl der Rath nur unter gewissen, schon vorher dem Admi- 
nistrator gestellten, aber von diesem nicht bewilligten Bedingungen (Huldigung 
nicht nach der zum letzten Male 1579, sondern nach der bei der angeblichen 
ersten Huldigung der Stadt 1333 gebrauchten Eidesformel und Ausstellung von 
speziellen, der Stadt die Zusicherungen des Friedensinstrumentes gewährleisten- 
den Reversalen) sich dazu bereit erklärte und Verhandlungen, welche derselbe 

') S. flertel, Magdeburg und die Evenlualhuldigung des Erzstifts 1650 (Ge- 
schichtsblätter für Stadt und Land Magdeburg XV. S. 130 ff.); Hirsch a. a. 0. 

') S. V. Dreyhaupt, Ausführliche diplomatisch-historische Beschreibung des 
Saal-Rreyses I. S. 451 ff. 

*) S. Hirsch a. a. 0. 



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. Einleitung. 5 

darüber durch zwei Ende März nach Berlin geschickte Deputierte führen iiess, 
ohne Erfolg waren, doch Anfang April die beiden Geheimen Räthe v. Somnitz 
und Tornaw nach Magdeburg, um die Huldigung abzunehmen. Dieselben 
konnten aber nichts ausrichten, da der Rath hartnäckig auf jenen auch von dem 
Kurfürsten verworfenen Bedingungen bestand, und mussten schliesslich ohne Erfolg 
wieder abreisen. Der Rath aber, welcher jetzt wiederum von dem Kurfürsten Ge- 
waltmassregeln befürchtete und von denjenigen Reichsständen, an welche er sich 
bisher gewendet hatte, den Hansestädten, dem Herzog von Braunschweig- 
Wolffenbüttel und dem Kurfürsten von Sachsen, wenig Unterstützung 
durch die That erwarten konnte, rief die Verwendung und Hülfe des Schweden. 
konigs an und König Karl Gustav, welcher damals nach der glücklichen Be- 
endigung des Krieges gegen Dänemark sich eine Zeit lang mit dem Gedanken 
trug, den Krieg in Deutschland gegen Brandenburg und Oesterreich zu führen, 
ging wirklich') darauf ein und Iiess durch einen nach Magdeburg geschickten 
Gesandten Wolfsberg weitere Verhandlangen darüber führen. Der Kurfürst 
aber hat sich damals wohl gehütet, durch feindliche Schritte gegen Magdeburg 
demselben einen gewiss willkommenen Anlass zum Angriff gegen ihn zu geben. 
Die Wendung, die bald darauf der Krieg durch den neuen Angriff Karl 
Gustavs gegen Dänemark nahm, hat dann Magdeburg in den nächsten Jahren 
vor kriegerischen Verwickelungen bewahrt und der Kurfürst hat auch nach dem 
Olivaer Frieden noch mehrere Jahre aus Rücksicht auf die allgemeine gespannte 
Lage der Dinge im Reiche die Stadt unbehelligt gelassen. Er ist zwar wieder- 
holt*) in die weiteren Streitigkeiten derselben mit dem Administrator August 
hineingezogen worden, hat sich aber dabei darauf beschränkt, seine Rechte zu 
wahren, hat sogar, als der Administrator bei Gelegenheit der Erfurter Wirren 
1664 und dann auch im folgenden Jahre ihn zu gemeinschaftlichem Vorgehen 
gegen die Stadt aufforderte, denselben davon zurückgehalten. 

Erst im Frühjahr 1666 schien ihm die Zeit gekommen, gegen die Stadt 
einzuschreiten und dieselbe im Nothfall mit Waffengewalt zur Unterwerfung zu 
bringen. Der Münstersche Krieg hatte') ihm Veranlassung gegeben, eine 
grössere Armee zusammenzubringen und selbst an der Spitze derselben nach 
seinen rheinischen Gebieten zu ziehen; nachdem dieser Krieg durch den Frie- 
den zu Cleve (19. April) glücklich beendet war, schienen sowohl die eigenen 
Besitzungen des Kurfürsten als auch das übrige Reich vorläufig vor kriegeri- 
schen Verwickelungen gesichert und hatte der Kurfürst seine Armee zu seiner 
Verfügung. Mit Frankreich stand er damals in freundlichem Verhältnisse, 
aber auch mit Schweden hatte er sich inzwischen ausgesöhnt und eben diese 
Macht, auf deren Fürsprache und Unterstützung sich die Magdeburger bisher 
am meisten verlassen hatten, war damals in einen ähnlichen Streit mit der 
Stadt Bremen*) verwickelt, w^elche ihren Ansprüchen gegenüber die Reichs- 



') S. Hirsch a. a. 0. 

») S. Hirsch a. a. 0. 

3) S. Urk. u. Act. XI. S. 615ff.: Hirsch a. a. 0. 

*) S. unten Abschn. 2. 



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g I. Die ünterwerfunjB^ toxi Magdeburg. 1666. 

freiheit zu behaupten suchte, und schickte sich an, dieselbe mit Waffengewalt 
zu bezwingen, musste aber befürchten, bei einem Theile der deutschen Fürsten, 
namentlich bei den braunschweigischen Herzogen, und amch bei dem 
Kaiser auf Widerstand zu stossen, sie suchte sich daher der Bundesgenossen- 
schaft des Kurfürsten zu versichern und Hess diesem geradezu ^) em gemein- 
schaftliches Vorgehen sowohl gegen Bremen als auch gegen Magdeburg vor- 
schlagen. Auch von anderer Seite aber war Widerstand kaum zu fürchten, der 
Herzog von Braunschweig-Wolffenbüttel, bei dem die Stadt früher 
Schutz gesucht hatte, war, auch wenn er wirklich jetzt Neigung verspüren 
sollte, sich derselben anzunehmen, ebenso wie seine Vettern in Celle und 
Hannover durch die bremischen Händel behindert, der Administrator August 
hatte selbst neuerdings zu wiederholten Malen den Kurfürsten zu gemeinschaft- 
lichem Einschreiten gegen die widerspänstige Stadt aufgefordert, von dem Kur- 
fürsten von Sachsen aber, dem der Kurfürst selbst Absichten auf Magde- 
burg zutraute'), und von dem Kaiser war zwar vorauszusetzen, dass sie ihm 
einen Erfolg gegen Magdeburg wenig gönnen^ nicht aber, dass sie, zumal einer 
vollendeten Thatsache gegenüber, ihm Widerstand entgegensetzen würden. So 
erhielt denn der Feldmarschall v. Sparr, welcher Ende Mai mit dem grössten 
Theil der Armee nach den Marken zurückkehrte, den geheimen Befehl, sich unter- 
wegs gegen Magdeburg zu wenden, und es wurden zugleich die Geheimen Räthe 
V. Platen und v. Jena ausgesendet, um zunächst mit dem Administrator und 
dann, womöglich unter dessen Mitwirkung, mit der Stadt Unterhandlungen zu 
führen und diese zur Ableistung der Huldigung und Aufnahme einer kurfürst- 
lichen Besatzung zu vermögen, im Weigerungsfalle sollte die Armee mit Ge- 
walt gegen die Stadt und gegen solche, die etwa versuchen sollten, derselben 
Hülfe zu leisten, vorgehen. Der Plan zu dem Unternehmen scheint von dem 
Kurfürsten schon Ende März oder Anfang April 3), sobald sich die Aussicht auf 
eine friedliche Beendigung des Münsterschen Streites eröffnet hatte, gefasst zu 
sein, die Ausführung desselben wurde erst Ende April, nachdem der Friede 
zustande gekommen war, in Angriff genommen*), das Geheimnis ist nicht so 
streng gewahrt worden, wie der Kurfürst es wünschte, doch war die Ausführung 

^) S. unten v. Crockows Relation aus Stockholm vom 23. Mai 1666. Vgl. 
Droysen, Gesch. der preuss. Politik 111.3 S. 101. 

*) S. die Relation des kaiserlichen Gesandten de Goess vom 5. Juni 1666 (Urk. 
u. Act. XIV, 1. S. 275). 

') Der kaiserliche Gesandte de Goess meldet schon 14. April 1666: „Der Chur- 
fürst gestellt sich zwar, dass er facta pace disarmiren wolle, ich zweifle aber doch 
daran; videtur quod coquat aliquid, was es auch endlich sein mag; ich höre etwas 
susurriren, als wann er sich wohl an Magdeburg machen wollte. Er ist diesen Leuten 
sehr feind.« (S. 263.) 

*) Als erste Dokumente dafür liegen die Ordre des Kf. vom 7. April, durch 
welche v. Sparr nach Cleve entboten wird, und ein Schreiben des Oberpräsidenten 
V. Schwerin an den Archivar Görling in Berlin vom 20. April, in welchem diesem 
die üebersendung der auf die Magdeburger Angelegenheit bezüglichen Akten aufgetragen 
wird, vor. 



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Einleitung. 7 

eine so rasche and geschickte, dass die Voraussetzungen, von denen man aus- 
gegangen war, sich sämmtlich erfällt haben und das Unternehmen, ohne dass 
es zur Anwendung von Gewalt gekommen wäre, von einem vollständigen Er- 
folge gekrönt worden ist. 

Die im Folgenden zusammengestellten Actenstücke fuhren den Verlauf 
dieses Unternehmens vor Augen. kVusser den Materialien des Berliner Geh. 
Staatsarchivs haben auch diejenigen des Magdeburger Stadt- sowie die des dor- 
tigen Staatsarchivs verwerthet werden können. Die ersteren, die Rathsproto- 
colle und die Instruktionen für die Magdeburgischen Deputierten, lehren die Vor- 
gänge in der Stadt, das Verhalten des Raths und der Bürgerschaft kennen, von 
den letzteren ergänzen die Relationen der Bevollmächtigten des Administrators 
in sehr erwünschter Weise die Berichte der Gesandten des Kurfürsten über die 
mit der Stadt geführten Verhandlungen, während andere Dokumente das dop. 
pelte Nachspiel, welches der Unterwerfung Magdeburgs folgte, die langwierigen 
und unerquicklichen Verhandlungen mit dem Administrator und den Ständen 
des Erzstifts über den von diesen zum Unterhalt der Besatzung der Stadt zu 
zahlenden Beitrag, und den Streit über die Ernennung des Herzogs August 
von Holstein zum Gouverneur der Festung veranschaulichen. 



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I. Die Unterwerf img von Magdeburg. 1666. 



Des Herrn von Jena Bedenken auf einige von I. Churf. D. 

selbst geschriebene Fragen wegen der Stadt Magdeburg. 

D. Cleve 30. April 1666. 

[Beantwortung der yom Kf. gestellten Fragen in betreff des Unternehmens gegen 

Magdeburg.] 

30. April. Ew. Ch. D. gDädigstem Befehl zu gehorsamster Folge ist soviel ich 
verstehe mein — Bedenken auf die von Ew. Ch. D. selbst geschriebene 
und mir aufgegebene Fragen nachfolgendes: 

Und zwar bei der ersten Frage halte ich dafür ^ dass zwar die 
Stadt Magdeburg nochmals in der Gute zu der Huldigung und vas 
daran hanget durch Schickung zu erinnern, dass aber solches nicht ehe 
geschehe, als wann die Armee in der Nähe und wann Ew. Ch. D. albereit 
jenseits der Elbe Posto gefasset, auch sonsten alle Zubereitung — in 
Bereitschaft seie, dan ich halte ferner dafür, dass der Stadt nicht viel 
Zeit zu gönnen, damit sie die Sache durch Schickung und Sollicitiren 
nicht weitläufiger und schwerer mache. 

Bei der anderen Frage, da glaube ich Ew. Ch. D. Intention sei bei 
dieser Sache, zu dem Recht, so derselben an der Stadt Magdeburg ge- 
bühret, zu gelangen und dann auch derselben künftig auf alle Fälle ge- 
sichert zu sein, ich glaube auch femer, dass es mit Einnehmung der 
Guarnison schwer daher gehen werde, dabei aber gleichwohl glaube ich 
auch dieses, dass bei gegenwärtigen Conjuncturen Ew. Ch. D. ein mehres 
als sonsten bei der Stadt zu erhalten suchen müssten und könnten, und 
würden vielleicht Ew. Ch. D. bei diesem Punct einige temperamenta zu- 
lassen können, als dass der Stadt dabei auch einige Völker zu der 



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Gutachten v. Jena*s. 9 

Guarnison za geben verstattet, Ew. Ch. D. aber die BestelluDg des Com- 
mendanten allein gelassen werde; wollte Ew. Ch. D. noch etwas mehr 
nachgeben, so könnte der Commendant auf gewisse Maasse mit in der 
Stadt Pflicht stehen and die ganze Guarnison gleichfalls derselben mit 
schweren; vielleicht findeten sich bei Fortgang der Sache mehr Mittel, 
auf welche man ietzo nicht eben gedenken, aber Rechnung darauf 
machen kann. 

Zum dritten so bin ich der — Meinung, dass Ew. Ch. D. an des 
H. Administrators F. D. zu schicken, aber auch nicht ehender als 
wann die Armee nicht mehr weit von Magdeburg und wann von Ew. 
Ch. D. die Anstalt gemachet, dass keine fremde Völker in Magdeburg 
kommen können. — Des H. Administratoris F. D. könnte vorgestellet 
werden, dass ihre vorhin bekannt, wie .wiederich sich die Stadt Magde- 
burg nach geschlossem Frieden bezeuget — und sich fast embsig da- 
hin bearbeitet, damit, wann es ihr angehen wollte, sie sich gar aller 
Subjection entziehen könnte, dieweil nun Ew. Ch. D. nicht gemeinet 
wären, die Sache länger anstehen zu lassen, so wären Sie ietzo in Werk 
begriffen, die Huldigung und was davon dependiret in der Güte noch- 
mals zu begehren, bei fernerer Opposition aber in Gottes Namen resol- 
viret, dasjenige, was ihre aus dem Friedenschluss zukäme — durch ihre 
eigene Execution zu erhalten, — demnach aber auch Ew. Ch. D. sich 
dabei erinnerten, was I. F. D. an dem Herzogthumb Magdeburg, bis sich 
die Fälle, welche in dem Friedenschluss ausgedrücket, begeben, zu ge- 
niessen, so versicherten Ew. Ch. D. I. F. D., dass ihre daran durch Ew. 
Ch. D. oder die Ihrigen nicht das geringste sollte entzogen werden, 
zweifelten nicht, I. F. D. wurde zugleich ihro gefallen lassen, das Werk — 
zu befodern, auch gerne geschehen lassen, dass Ew. Ch. D. Armee die 
Magdeburgische Fürstliche Aempter berühre. Wollte Ew. Ch. D. nach- 
dem sich des H. Administratoris F. D. bezeugen ihro etwas mehres ein- 
räumen, so stünde es zu bedenken und müsste dergestalt beschaffen sein, 
dass es weiter nicht ginge als es einem usufructuario gebühret. 

4), Die Bürgerschaft zu sinceriren, das meine ich — sei wohl 
nöthig, ich halte aber dafür, dass solches nicht schriftlich zu thun. — 
Eine mündliche Sinceration würde zu wenig sein und keinen Glauben 
finden, es stünde aber zu Ew. Ch. D. gnädigsten Resolution, ob etwa 
demjenigen, welcher von Ew. Ch. D. an die Stadt geschicket wird, eine 
Bestätigung und Versicherung ihrer Privilegien und dass in Religions- 
sachen keine Enderung sollte gemachet werden, unter Ew. Ch. D. Hand 



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10 I. Die Unterwerfung von Magdeburg. 1666. 

und Siegel mitgegeben wurde, welche nicht allein vorzuzeigen, sondern 
auch, da es nöthig, zu OKtradiren, und müsste — das Werk wohl über- 
leget werden, damit auch Ew. Ch. D. damit nicht präjudiciret werde. 

Es würde auch — zum fünften nicht undienlich sein, dass Ew. Gh. 
D., wann es rechte Zeit, sowohl Ihrer Keys. M. als auch anderen Po- 
tentaten von dero Intention Apertur und Remonstration thun Hesse, ab- 
sonderlich — sich dahin zu bemühen, damit Sie H. Hertzog Georg 
Wilhelms und des H. Bischofs zu Ossnabrugg FF. DD. recht und wohl 
versichert, weil ich glauben muss^ das F. Haus Braunschweig möchte 
Ew. Ch. D. die Stadt Magdeburg nicht gerne gönnen, und habe ich mir 
wohl vor diesem sagen lassen, dass die Stadt Magdeburg von der Krön 
Schweden eine absonderliche Versicherung, dass die Krön die Stadt 
auf solchen Fall nicht lassen wollte, hätten aber Ew. Ch. D. das Haus 
Braunschweig, so würden auch der Schweden consilia desto schwächer 
werden. Es würde auch die Noturft der Gesandtschaft zu Regensburg 
zu befehlen sein, auch C.-Cöln, C.-Maintz, Newburg und Münster 
wo nicht gar zu gewinnen, doch dahin zu divertiren sein, dass sie wie- 
der Ew. Ch. D. Vorhaben weder zu Regensburg votiren noch auch sonst 
andere secundiren, und zu solchem Ende würde auch die Schickung an 
Cuhr-Sachsen zu thun sein. — Es würde auch — der Sache keinen 
geringen Vortheil bringen, wann Ew. Ch. D. dieselbe dem Könige in 
Franckreich dahin recommendiren könnten, dass sich derselbe solcher 
so weit mit annehme, damit nicht allein auf dem Reichstag und in dem 
Alliantzraht durch dem Gravelli^) dieselbe secundiret, sondern auch auf 
solche Art von dem Könige selbst an die Potentaten auch Reichs-Cuhr- 
försten und Fürsten geschrieben werde. 

Dieses — ist es, so auf Ew. Ch. D. gnädigsten Befehl ich — mit 
wenigen anzeigen soll, und weil ich zugleich daraus sehe, dass Ew. Ch. 
D. die Sache wieder die Stadt Magdeburg resolviret und festgestellet, 
80 wünsche ich, dass der Allmächtige gute Gott wie bis anhero noch 
ferner mit Ew. Ch. D. beständig sei. — 



^) Robert de Gravel, französischer Gesandter in Regensburg. 



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Gutachten v. Platens. 11 

Des Herrn von Platen Gutachten auf unterschiedene puncta 
wegen der Stadt Magdeburg. D. Cleve 1. Mai 1666. 

[Beantwortung der von dem Kf. inbetreff des Unternehmens gegen Magdeburg ge- 
stellten Fragen.] 

Demnach Ew. Ch. D. mir unterschiedene puncta bctreiFend die Stadt 1. Mai. 
Magdeburg zustellen lassen, darüber Ew. Ch. D. mein — Gutachten 
schriftlich zu ertheilen mir gnädigst anbefohlen, so habe ich solchem 
gn. Befehl schuldigstermassen nachleben wollen und mit Fleiss überleget, 
was vor jura Ew. Ch. D. an die Stadt haben und was Sie von der Stadt 
fodem und dieselbe zu leisten schuldig, als dem Fundament, daraus die 
mir zugestellte puncta ihre Erledigung erlangen müssen, und rühret 
solches aus dem Mönsterischen und Ossnabruggischen Friedenschluss her, 
da^) Ew. Ch. D. die Expectanz auf das Erzstift Magdeburg mit dieser 
Condition ertheilet, dass inmittelst und bei Lebzeiten des jetzigen H. 
Administratoris F. D. das Capitul sampt besagtes Erzstiftes Stauden und 
Unterthanen gleich nach beschlossenem Frieden Ew. Ch. D. und dero 
ganzen Churf. Hause die Unterthänigkeit, Pflicht und Huldigung ablegen 
sollen, dessen sich aber die Stadt Magdeburg bis dato verweigert und 
sich vielmehr zu ihrer Keys. M. und dero Reichshofrath gewendet und 
unter dem Schein, dass der Stadt ihre alte Freiheit wiedergegeben und 
das Privilegium Ottonianum renovirt werden soll, sich ihrer Schuldigkeit 
zu entziehen und sich gänzlich von dem Erzstift zu eximiren suchet, 
wodurch es dann auch dahin gelanget, dass es uffm offnen Reichstag^) 
zur Umfrage gestellet und I. Keys. M. der gesampten Stände Gutachten 
begehret, so auch erfolget, und ist die Stadt ihre Schuldigkeit abzulegen 
condemniret, in welchen terminis es denn noch beruhet, und stehet nun 
nurtt zu deliberiren, wie die Stadt zum Gehorsam zu bringen. Da ich 
dann der unvorgreiflichen Meinung sein muss, dass, ehe man ad arma 
greifen könne, man zufoderst die gütliche Handelung reassumiren und 
ob die Stadt in Güte ad praestanda zu prästiren gebracht werden könne, 
versuchen müsste, — es ist doch dabei billig zu bedenken, dass es eine 
wichtige Sache ist, daraus leicht Weiterung erfolgen kann, dass es ohne 
Blutvergiessen nicht geschehen kann, dass man nicht weiss, wie T.Keys. 
M., die Könige in Frankreich und Schweden als mitpaciscircnde 



Instr. pacis Osnabr. XI. § 6. 7. S. oben S. 3. 

^ 1654, 8. Hirsch, Der Grosse Kurfürst und die Altstadt Magdeburg bis 1666 
(Forsch, z. brand. u. preuss. Gesch. IV. 2). 



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12 I- Die Unterwerfung von Magdeburg. 1666. 

Theile und die beDachbarten Chur- und Fürsten dabei gesinnet sein, 
wobei ich mich erinnere, dass, wie in a. 1654 die Sache im Fürstenrath 
vorgetragen ward, die Schweden nicht votiren noch sich darüber in ihren 
votis herauslassen wollten*), — 

Und diesem zufolge befinde ich nicht, wenn die Stadt sich beque- 
met und das juramentum fidelitatis et subjectionis in Güte ableget, dass 
Ew. Ch. D. noch zur Zeit ein mehrers, so die andere Frage betrifft, wer- 
den federn können, angesehen das Instr. pacis Ew. Ch. D. ein mehreres 
nicht zueignet, wenn sich aber die Stadt opiniatriren und es zu den 
Waffen sollte kommen lassen^ so wird man auch wohl etwas weiter 
gehen und Versicherung, so nicht anders als das praesidium sein kann, 
welches sonst etlichermassen der Stadt selbst in dem Instr. pacis attri- 
buiret ist, fodern können. 

Was die dritte Frage anlanget, wird es allewege notig sein, dass 
man vorhero mit dem H. Administratore F.D. daraus communicire, 
angesehen Sie annoch rechter Landesherr sein, und kann mit der Stadt 
nichts angefangen werden ohne Ihr Zuthun, und dass das Land nicht 
etwas dabei leiden sollte, wenn man auch nurtt bloss das Stro zu den 
Baraquen und Fourage vor die Pferde consideriret, und wird sichs, wenn 
S. F. D. nur vorerst damit einig sein, dass man die Stadt mit Gewalt 
angreifen soll, wegen des praesidii wohl finden. 

Viertens ob hievon etwas an die Bürger zu bringen, und wie, sol- 
ches wird sich, wenn man die Handelung mit dem Rath nurtt erst an- 
tritt, wohl finden. Es kann die Sache so heimlich nicht tractiret wer- 
den, dass die Bürgerschaft davon nichts sollte in Erfahrung bringen, und 
concerniret die Sache vornemblich die Bürgerschaft selber, ohne deren 
Vorbewusst und Verwilligung in effectu nichts kann geschlossen werden. 

Fünftens wird man aus dieser Sache weder am Keys. Hofe noch 
bei andern Königen, ßepubliquen und Potentaten etwas handeln können, 
ehe man die Stadt wirklich investiret hat, denn, wo man vorhero davon 
viel sagen wollte, so wird man sich die Sache schwerer machen und der 
Stadt auf ihre Sicherheit zu gedenken Anlass geben, ja man wird mit 
der Gewalt nicht einmal der Stadt drewen müssen, ehe und bevor die 
Armee so nahe stehet, dass sie nurtt bloss vor die Stadt rücken darf. 

Wenn man aber die Stadt wirklichen berennet hat, alsdann wird es 
nicht allein I. Keys. M., sondern auch andern Königen, Chur- und Fürsten 



>) S. V. Meiern, Regenspurgische Reichstagshandlungen I. S. lIBOf. 



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Instruction für ▼. Sparr. 13 

ZU Dotificiren und die Ursach, so Ew. Ch. D. zu dieser Resolution be- 
wogen, zu wissen zu thun sein. 

Und eben uff diese Maasse wird auch mit S. Ch. D. zu Sachsen 
zu bandeln sein, dass man derselben von der endlichen Resolution nichts 
wissen lasse, ehe und bevor man wirklich vor der Stadt stehet. Aber 
ehe und bevor man hiezu schreitet, wird man die impedimenta, so da- 
zwischen kommen können, und welche den.progres hindern können, wohl 
überlegen und, wie dem zu begegnen und das Werk auszuführen, in reife 
Consideration ziehen müssen. — 



Instruction, woniach S. Ch. D. zu Brandenburg Geh. Kriegs- 

rath und General -Feldmarschalck Otto Chr. Freiherr v. Sparr 

sich zu achten. D. Cleff 9. Mai 1666. 

(Conc. 0. v. Schwerin.) 

[Gegen Magdeburg vorzunehmende Massregeln, Beschaffung der Kriegsbedürfnisse, Ab- 
wehr etwaiger Entsatzversuche, wie die in der Stadt befindliche Besatzung zu beban- 
deln sei.] 

Nachdem S. Ch. D. — die Stadt Magdeburg zu verschiedenen 9. Mai. 
Malen erinnern und ermahnen lassen, die schuldige Huldigung abzulegen, 
die Stadt sich aber darunter bishero immerhin unter allerhand gesuchten 
Prätexten ihrer Schuldigkeit entzogen, und dann S. Ch. D. nicht gemeinet 
sein, dieses Werk länger in suspenso zu lassen, sondern die Stadt ent- 
weder in der Güte, oder in Entstehung derselben mit dero Waffen zur 
raison zu bringen, als haben Sie dero Geh. Käthen, dem v. Platen und 
dem V. Jena, gnädigst anbefohlen, sich mit dem fiirderlichsten zu des 
H. Adroinistratoris F.D. zu begeben und deroselben Sentiment über 
dieses Fürhaben zu vernehmen, auch durch Fürstellung allerhand be- 
wegenden Motiven dieselbe dahin zu persuadiren, dass sie nicht aliein 
das Werk approbiren, sondern auch dero Wohlvermogenheit nach secun- 
diren und zur Execution befordern helfen mögen. Von Hall haben wir 
unsern Geh. Räthen in Befehl gegeben, nacher Magdeburg zu gehen 
und daselbst sowohl die Äblegung der Huldigung als dass die Stadt 
unsere Garnison einnehme zu urgiren und desfalls sowohl dem Magistrat 
als der Bürgerschaft alle dienliche persuasiones und fundamenta fürzu- 
stellen. Sollten sie nun zu beiden in der Güte nicht zu bewegen sein, 
solchenfalls hat unser Geh. Eriegsrath und G.-Feldmarschalck die Stadt 



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14 I* Die Unterwerfung Ton Magdeburg. 1666. 

mit denen in beigehender Specification ^) benannten Völkern, welche S. 
Ch. D. inmittelst nach dem Halberstattschen und nach der Alten Mark 
marchiren lassen wollen, es yerwillige des H. Administrators F. D. in 
dieses Dessein oder nicht, anzugreifen und seiner habenden Eriegsexpe- 
rienz nach dieselbe mit Gewalt zur raison zu bringen. — Auf was 
Weise er nun dieses für die Hand zu nehmen und welcher Gestalt er 
die Execution zu verrichten, . solches erachten S. Ch. D. unnöthig ihm 
weitläuftig furzuschreiben , sondern Sie lassen es seiner bekannten Dex- 
terität und Kriegsexperienz anheimbgestellet sein und wollen dero Geh. 
Räthen zu Colin an der Spree wie auch dero Pommerschen und Halber- 
stättischen Regierung gnädigst anbefehlen, alles, was dero G.-Feldmar- 
schalck von denselben erfordern und begehren wird, ihm — abfolgen zu 
lassen. 

Die Artillerey, welche hie gewesen, nimmt nicht allein der G.-Feld- 
marschalck wiederümb mit zurück, sondern er hat auch daneben alles 
aus denen Chur-Brandenburgischen Vestungen, es sei an Stücken, Mu- 
nition und wie es sonsten Namen haben mag, nach seinem Gutfinden — 
zu erfordern und sich dessen zu bedienen. 

Sollte die Stadt nun bei Fortstellung der Attaque dahin, wie' wir 
verhoifen, gebracht werden, dass sie sich accommodlren müsste, solchen- 
falls hat der G.-Feldmarschalck den Accord neben unseren Geh. Räthen, 
welche bei demselben die ihnen mitgegebene Instruction zu beobachten, 
zu machen und denselben hauptsächlich dahin einzurichten, dass die 
Stadt uns die schuldige Huldigung praestire und daneben unsere Garnison 
einnehme, wie und welchergestalt aber dieser Accord in andern Stücken 
einzurichten, desfalls haben S. Ch. D. theils dero Geh. Räthen bereits 
gemessenen Befehl gegeben, theils wird man sich hierinnen nach der 
Zeit Lauften und nachdem sich die Stadt bald oder spät accommodiret, 
richten müssen, zum Theil kann es auch auf S. Ch. D. — Ratification 
und Erklärung ausgesetzet werden. 

Was den Unterhalt der Armee betrifft, da ist S. Ch. D. G.-Com- 
missario ') bewusst, welchergestalt Sie solchen angewiesen, der dann auch 
fleissige Erinnerung thun und Sorge tragen wird, dass die assignirte 



') Eine solche liegt nicht bei, vgl. über die zu dieser Unternehmung gegen 
Magdeburg verwendeten Truppen (c. 10250 Mann) Hirsch, Die Armee des Grossen 
Kurfürsten und ihre Unterhaltung während der Jahre 1660—1666 (Hist. Zeitschrift 
N. F. XYII) S. 266. Der Kurfürst selbst hat dem kaiserlichen Gesandten die Zahl 
auf 14,000 angegeben (Urk. u. Act. XIV, 1. S. 275). 

*) Claus Ernst v. Platen. 



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Instruction für y. Span*. 15 

Gelder, soviel immer müglich, erfolgen mügen. Sollte daran einiger 
Mangel erscheinen, so wollen S. Ch. D. sonsten andere Mittel schaffen, 
wie Sie dann auch in eventum ein ansehnliches Magazin in dero Fürstenth. 
Halberstat und in der Nähe zusammenbringen lassen. Dahingegen wird 
auch der 6.-Feldmarschalck geflissen sein, gute und scharfe Ordre zu 
halten, alle Plünderung und Excessen, wie auch unnöthiges Ausreiten 
zu verbieten —- wie er dann nicht weiniger auf dem Marsch gute Disci- 
plin zu observiren. — 

Dafern die Stadt einigen auswärtigen Succurs bekommen und ihnen 
entweder einige Volker zu Verstärkung ihrer Garnison, oder gar zu ihrem 
Entsatz zugesandt werden wollten, solches hat der G.-Feldmarschalck aufs 
beste er kann, von wem auch solche Völker kommen sollten, anfanglich 
durch gütliche Fürstellungen, und wenn solche nicht verfangen wollen, 
mit Gewalt zu verhindern. 

VTas an Holz, Stroh, Fourrage und dergleichep vonnöthen, solches 
muss aus denen dem Lager am nächsten und bequemsten Orten genom- 
men werden, und weil solches das Erzstift Magdeburg und das Fürsten- 
thumb Anhalt sehr treffen wird, so muss darunter solche Anstalt ge- 
macht werden, dass alles mit guter Ordre geschehen und dasjenige, was 
weggenommen wird, entweder gezahlt oder doch liquidiret und die ün- 
terthanen der Zahlung halber versichert werden mögen. 

Weil auch über die Elbe eine Schiffbrücke vonnöthen sein wird, so 
wird der Feldmarschalck dazu alle und jede auf der Elbe, Havel und 
Spree befindliche Schiffe (allein die Schwedische Schiffe ausgenommen) 
gebrauchen, wegen Anschaffung der dazu benöthigten Bretter, Balken, 
Anker und Taue aber bei unserer Amtskammer zu Berlin wie auch bei 
andern unsem Bedienten, wo dergleichen vorhanden, Erinnerung thun, 
welche auf sein Gesinnen die Nothdurft von allem herzugeben befehliget 
sein. — Zu Verfertigung der Brücken kann der Feldmarschalck S. Ch. 
D. Hofbaumeister Michel Matthias Schmidt verschreiben. — 

Der Feldmarschall soll mit den Geh. Käthen alles jedesmal communicieren, 
damit sie mit einhelliger Cooperation des Kf. Interesse befördern; er soll femer 
zwischen hier und Halberstadt reitende Posten einrichten. 

Wenn die Stadt sich accommodiret, kann ihre Garnison und ge- 
worbene Soldaten abgedancket und was davon zu dienen Lust hat und 
zu Kriegsdiensten capabel ist, unter S. Ch. D. Armee gestecket werden, 
wie dann auch dem in der Stadt liegenden Obristwachtmeister^) wohl 



Befehlshaber der magdeburgiscben Stadt-Soldatesca war seit 1658 der Haupt- 



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16 I. Die Unterwerfung: von Magdeburg. 1666. 

Versicherung gegeben werden kann, dass, wenn er Belieben dazu hat, 
er von S. Ch. D. wieder accommodiret werden soll. 



Instruction, wonach sich unsere — Geh. Räthe — Claus Ernst 

von Platen und Friderich von Jena bei der ihnen nacher 

Halle zu des H. Administratoris Ld. und nacher Magdeburg 

aufgetragenen Schickung zu achten. D. Cleve 9. Mai 1666^). 

(Conc. 0. V. Schwerin). 

9. Mai. Kf. will der Widersetzlichkeit der Stadt Magdeburg nicht länger zu- 
sehen, sondern, da er mit einer ziemlichen Kriegsmacht versehen ist, sie mit 
gehörigem Nachdruck zum Gehorsam und Leistung ihrer Pflicht bringen; da er 
aber hierin ohne vorherige Communication mit dem Administrator nichts vor- 
nehmen will, so sollen sie demselben dieses vorstellen und ihn ersuchen, sich dieses 
Werkes mit anzunehmen, und in Erwägung, dass er es früher selbst so begehrt*) 
und dass alles zu seinem eigenen Nutzen und Interesse gereiche, die Stadt 
zur raison bringen zu helfen, namentlich mit allerhand Zuschub an Proviant, 
Fourage und dergl. aus dem Erzstift der Armee im Fall der Noth zu 
assistieren. Kf. wolle weder die Stadt in ihren Rechten und Befugnissen tur- 
bieren, noch viel weniger dürfe der Administrator befürchten, dass Kf. Eingriffe 
in seine Rechte zu thun gemeint sei. Damit Kf. aber seines Rechtes hiemächst 
desto mehr versichert sei, beabsichtige er nicht allein die Stadt zu Ablegung 
des juramenti fidelitatis et subjectionis anzuhalten, sondern auch dieselbe mit 
seinen Völkern zu besetzen und seine Garnison darein zu bringen. Wenn die 
Geh. Räthe den Administrator dazu disponiert vermerken, so sollen sie ihm allein 
davon Apertur thun und ihn versichern, dass dadurch auch an seinem Recht 
nichts derogiert, sondern vielmehr ihm in künftigen Fällen die Hand geboten, 
der Gouverneur auch zugleich in seine Pflicht genommen werden sollte, im Fall 
er sich damit noch nicht vergnügte, können sie weiter gehen und ihm ver- 
sprechen, dass die ganze Garnison ihm mitschwören solle, doch dass alsdann 
auch das Erzstift zu Verpflegung derselben mit contribuiere. Willigt der Ad- 
ministrator ein, dann haben die Geh. Räthe sofort die ihnen mitgegebenen 
Schreiben an den Kaiser, an K.-Mainz und nach Stockholm an v. Krockow 
abgehen zii lassen, auch die Schickungen an K.-Sachsen, die Herzoge zu 
Braunschweig und den Feldherrn Wrangel mit den ihnen zugestellten 
Creditiven durch die darin benannten Subjecta (nach Dresden v. Berleps, 
an den R.feldherm v. Podewils, an die Braunschweigischen Herzoge nach 



mann Gerbard Capauni. S. Hoffmann, Gesch. der Stadt Magdeburg (2. Aufl.) 
II. S. 255. 

») Vgl. Pufendorf IX. § 83 S. 628. 

») S. ürk. u. Act. XL S. 415. Hirsch, Der Grosse Kurfürst u. die Altstadt 
Magdeburg (Forsch. IV. 2). 



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Instruction far y. Platen und t. Jena. 17 

Wolffenbüttel, Zelle und Hannover v. Ledebaur) zu thun und sich darauf 
selbst nach Magdeburg zu erheben, den Magistrat nach Einschickung des 
Schreibens des Ef. zu sich zu erfordern, von demselben Abstattung der Hul- 
digung nach der beiliegenden Formul zu begehren und ihn dazu zu ermahnen. 
Wenn nun solche geschieht, so haben die Geh. R&the dieselbe in kraft der hie- 
beigehenden Vollmacht und gegen Ansantwortung der ihnen mitgegebenen Re- 
versalen aufzunehmen, dabei aber zugleich dem Magistrat anzudeuten, dass Kf. 
wegen der jetzigen geföhrlichen Laufte nach dem mit dem Administrator ge- 
machten Vergleich nothwendig Garnison in die Stadt legen müsste und hoffte, 
sie wurden dieselbe williglich einnehmen, zumal ihnen dadurch keine Beschwer 
zuwachsen sollte. Kf. will auch endlich, wenn es sonst in der Güte nicht an- 
ders zu erhalten, gestatten, dass der Gouverneur vermittelst eines Handschlags 
dem Magistrat verspreche, für der Stadt und der Bürgerschaft Bestes, Beför- 
derung der Gommercien, Aufnehmen und Wohlfahrt mit zu sorgen und dieselbe 
wider alle unbillige Gewalt aufs beste zu defendieren, sonst aber in das Stadt- 
wesen sich nicht zu mischen, sondern dessen Administration dem Magistrat und 
den dazu bestellten Personen unbeeinträchtigt zu lassen. Sollte aber die Stadt 
sich der Huldigung nach der ihnen mitgegebenen Formul, worin Kf. in sub- 
stantiis keine Aenderung gestatten kann, entbrechen, oder die Garnison nicht 
einnehmen wollen, so haben sie sofort den G.-Feldmarschall davon zu avertieren, 
welcher alsdann nach seiner in Händen habenden Ordre zu verfahren haben 
wird. Vor ihrer Abreise aber haben sie der Bürgerschaft nochmals vorzustellen, 
wie gut Kf. es mit ihnen gemeint, sie zu ermahnen, sich nicht wegen des 
Magistrats Opiniatrität in Gefahr zu setzen, und ihnen anzukündigen, dass es 
Kf. nicht an Mitteln ermangele und dass, wenn er mit Gewalt nach so vielen 
angewandten Kosten und Arbejit die Stadt würde zur raison gebracht haben, 
sie bei weitem nicht einen so guten Accord erlangen und Kf. wegen der ange- 
wandten Spesen sich an ihnen erholen würde. 

Die Instructionen derjenigen, welche an K.-Sachsen, an die braun- 
schweigischen Herzoge und an Wrangel geschickt werden, sollen die Geh. 
Räthe selbst nach dieser Instruction und nach Beschaffenheit der Sache, nament- 
lich nach des Administrators Erklärung abfassen, sie sollen die Abschrift der- 
jenigen für Podewils an Grockow mittheilen und überhaupt demselben und 
ebenso den Gesandten in Regensburg von allem Nachricht geben. Dem G.- 
Feldmarschall haben sie in allem, was zu Ausführung dieser Sache von nöthen, 
an die Hand zu gehen. ^ 

Sollte der Administrator das Werk nicht approbieren, so sollen sie ihm 
nochmals auf das beweglichste zusprechen und, wenn sie es nöthig finden, ihm 
eine und andere Offerte thun, um ihn dadurch in die Sache mit zu engagieren, 
nämlich: 

1) Dass Kf. seiner Gemahlin nach seinem Tode ein Amt von etwa 2000 
Rthlr. oder soviel gewisse Renten ad dies vitae verschreiben, 

2) seinem Sohne die Belehnung über Rosenberg ^) conferieren, 



') Nach dem Tode des letzten Grafen von Barby war ein Theil der Güter des- 

Mater. s. Gesch. d. O. Korforstou. XII. 2 



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18 I. Die Unterwerfung von Magdeburg. 1666. 

3) einem seiner Söhne ein Canonicat oder 

4) gar die Domprobstei geben wollte. 

Sie sollen ihm diese Offerten einzeln, auch endlich, wenn er auf andere 
Weise nicht zur Approbation zu bewegen, alle zusammen anpräsentieren. Sollte 
er sich dessen ungeachtet nicht resolvieren wollen, so haben sie ihm endlich zu 
erklären, dass Kf. die Sache nicht länger ansehen, sondern damit ein Ende 
machen müsste, dabei aber nochmals zu contestieren, dass Kf. ihm in seiner Re- 
gierung und Rechten in keinem zu nahe treten wollte, wie sie auch, wenn er 
es hegehren würde, bei Ablegung der Huldigung es dahin zu befordern hätten, 
dass, weil die Stadt ihm noch nicht gehuldigt, sie solches auch alsdann ver- 
richten möge. 

Wenn die Stadt sich mit Kf. accommodieren, aber mit dem Administrator 
sich nicht einlassen will, so spllen sie hemüht sein, die Sache und des Kf. In- 
teresse zur Richtigkeit zu hefördern, sie sollen aber den Administrator versichern, 
dass dadurch seinen Rechten nicht präjudiciert sein solle und Kf. ihm hiernächst 
zur Erlangung seiner Befugnis treulich beistehen wolle. Sollte aber die Stadt 
sich mit dem Administrator allein, unter Exclusion des Kf. abfinden wollen, so 
sollen sie dieses keineswegs gestatten, sondern alsdann nach ihrer Ordre gegen 
die Stadt verfahren. 

Sollte die Stadt sich zur Einnehmung der Garnison in der Güte hewegeu 
lassen, so können sie mit ihr desfalls einen Recess aufrichten und versprechen, 
dass Kf., wenn es nicht höher zu bringen, zufrieden sein wollte, wenn sie seinem 
Commendanten eine freie Wohnung und etwa auf ein paar hundert Mann den 
hehörigen Unterhalt oder was sie jetzt auf die Garnison wenden müssen, her- 
zugehen sich erklärten, im übrigen aber solle ihnen die Soldatesque nicht be- 
schwerlich sein, für ihr Geld zehren, ohne das Quartier nichts prätendieren und 
dabei gute und scharfe Ordre gehalten werden, auch wolle Kf. Baracquen hauen 
lassen, damit die Bürgerschaft von der Einquartierung desto weniger Beschwerde 
empfinden möge. Kf. ist bereit der Stadt und insonderheit der Kaufleute und 
Bürgerschaft Bestes und Nahrung zu befördern, auch ihnen die Stapelgerechtig- 
keit, doch dass sie es nicht zu seinem Nachtheil und Präjudiz gebrauchen, zu 
confirmieren. 

Bei Werkstellung der Huldigung sollen sie sowohl in modo et methodo als 
anderen dabei vorfallenden Sachen sich nach der früher üblich gewesenen Ob- 
servanz richten und sich danach in Hall erkundigen. 

Von dem, was etwa verglichen, wie von allem, was vorgehen wird, haben 
sie dem Gen.-Feldmarschall zu communicieren, welcher auch die verglichenen 
puncta mit ihnen zugleich unterschreiben kann. 



selben als Lehen an das Erzstift Magdeburg gefallen; der Administrator hatte die 
dazu gehörige Herrschaft Rosenberg seinem ältesten Sohne Johann Adolf über- 
tragen und (d. Halle 21./31. November 1659) den Kf. um Bestätigung dieser Schenkung 
ersucht, Kf. aber hatte damals (s. 1. et d.) dieselbe verweigert, da die Domänen des 
Erzstifts schon so sehr vermindert wären. 



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Instruction für v. Platen und v. Jena. 19 

Das beigefügte Schreiben des Kf. an das Domkapitel und die Landstande ^ 
sollen sie diesen überliefern und zugleich ihnen desselben gute Intention und 
was ihn zu dieser Resolution wider die Stadt bewogen, ausführlich vorstellen. 

Im übrigen sollen sie an beiden Orten ihre Handlung bestermassen be- 
schleunigen und sich nirgends über 3 oder 4 Tage aufhalten, sondern, wofern 
sie innerhalb solcher Zeit nicht einig würden, ihren Abschied nehmen und die 
Execution des Desseins befördern. 



Der Kurflirst an Kaiser Leopold. Dat. Cleff 2./12. Mai 1666'). 

[Anzeige der gegen Magdeburg beschlossenen Maassregeln.] 

Die Stadt Magdeburg hat sich bisher geweigert, ihm die durch das Instru- 12. Mai. 
mentum pacis vorgeschriebene Huldigung zu leisten. 

— Weil ich nun solcher ihrer Widersetzlichkeit, welche von Tag 
za Tag zugenommen, und endlich so weit kommen könnte, dass sie sich 
ganz and gar aller schuldigen Subjection entziehen möchten, länger 
nachzusehen desto weniger diensamb gefunden, weil ich auch von aller- 
hand nachdenklich und sowohl dem Reich als mir höchst präjudicirlichen 
Correspondenzen, welche die Stadt pflegen soll, Nachricht erlanget und 
dannenhero, dafern die Stadt sich nicht in der Güte accommodiren und 
praestanda praestiren würde, mit meiner auf den Beinen habenden Kriegs- 
macht dasjenige, was mir und des H. Administratoris Ld. von Rechts 
wegen competiret, sowohl zu unserer gemeinen, als zu Ew. E. M. und 
des h. Reichs selbsteigener Sicherheit zu erlangen und zu suchen ge- 
meinet bin, so werden Ew. K. M. verhoffentlich solches nicht allein gnä- 
digst approbiren, sondern auch geneigt sein, die Stadt, welche ich sonst in 
allen ihren juribus und privilegiis im geringsten nicht beeinträchtigen 
noch wider das Instr. pacis graviren lassen werde, zu ihrer Schuldigkeit 
ernstlich und nachdrücklich anzuweisen, im Fall derselben fernerer Oppo- 
sition auch mir gegen dieselbe zu besserer Erlangung meiner Gerecht- 
same und Befugniss kaiserlich und gnädigst zu assistiren, auch wofern die 



^) d. Cleff 2./12. Mai 1666, Ef. theilt ihnen darin mit, dass er beabsichtige, die 
Stadt Magdeburg, im Notbfall mit Gewalt, zum Gehorsam zu bringen, und fordert sie 
auf, ihm bei Ausföhruug dieses Desseins bebülflich zu sein. 

^ Kf. beauftragt (d. Cleve 12. Mai 1666) seineu Residenten in Wien A. Neu- 
mann, dieses beifolgende Schreiben an den Kaiser zu befördern und bei den dortigen 
ministris die Sache zu recommendieren, er beabsichtige auf N.'s neuliche Erinnerung 
den Reichshofrath „mit einiger Discretion zu regaliren'^ und werde nächstens dazu 
2000 Ducaten hinschicken, N. soll dieses an dienlichen Orten mittheilen und dabei 
diese und andere Angelegenheiten recommendieren. 

2* 



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20 I- I^Jö Unterwerfung von Magdeburg. 1666. 

Stadt bei Ew. K. M. oder dero Reichshofrath ihrer Gewohnheit nach ein 
und anders wider mich klagen und suchen möchte, sie damit ab und 
zum schuldigen Gehorsam und Submission an mich verweisen. — 



Zwischen des H. Administratoris F. D, und den KnrfQrstl. 
Abgesandten HH. Geheimen Käthen dem von Platen und dem 
von Jena zu Halle aufgerichtete Vergleichspuncta in puncto 
der Huldigung wie auch eventualer Belagerung und Besatzung 
der Alten Stadt Magdeburg. D. Hall 18./ [28.] Mai 1666 0- 

28 Mai. S. Ch. D. ZU Brandenburg haben des Postulirten Herrn Administra- 

toris des Primat- und Erzstifts Magdeburg Fürstl. Durchl. durch dero 
endesbenannte Herrn Abgesandten in freundvetterlichen Vertrauen eröflfnen 
lassen, dass Sie die alte Stadt Magdeburg bei fernerer Verweigerung 
ihrer Schuldigkeit anderer gestalt nicht als durch die Waffen zur Hul- 
digung und was davon dependiret bringen könnte, dannenhero Sie durch 
dero aus dem Westphalischen Creyse anmarchirende Armee auf solchen 
Fall gedachte Stadt zur Schuldigkeit anzuweisen gemeinet. 

2. Vorhero aber wollten S. Ch. D. Rath und Bürgerschaft nochmals 
zu gütlicher Accommodirung ermahnen, desgleichen des Herrn Admi- 
nistratoris Fürstl. Durchl. auch thun wollen, und sollten beider Chur- und 
Fürstl. Durchl.*®" Herren Deputirte den 22. Mai zu Wanzleben solche 
Handlung antreten, dabei sie doch nicht über 4 bis 5 Tage sich mit der 
Güte aufhalten wollten. 

3. Die Güte soll auf Leistung des Homagii, auf Einnehmung einer 
Guarnison und dass der Rath der alten Stadt Magdeburg mit demjenigen«, 
was in Ecciesiasticis und Politicis richtig hergebracht und dem Instru- 
mente pacis gemäss ist, zufrieden sein soll, bestehen. 

4. Das Homagium soll des Herrn Administratoris F. D., Sie nehmen 
solches nun selbst oder durch Ihre Abgeordnete ein, und hernach S'. Ch. 
D. zu Brandenburg, so solches durch dero Abgesandten verrichten lassen 
wollen, geleistet und zwar beiderlei actus in einem Tage und alsofort 
auf einander verrichtet und die hergebrachte Reversalen zuruckgestellet 
werden. 



^) Inhaltsangabe bei Pufendorf XL § 83, S. 628. Theatrum Europ. X. 
S. 162. Rathmann, Gesch. der Stadt Magdeburg: IV. 2 S. 260. Hoffmann, Gesch. 
der Stadt Magdeburg III. S. 284f., 2. Aufl. II. S. 280f. (irrthömlich als vom 9./ 19. Mai). 
V. Morner S. 280. 



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Vertrag mit dem Administrator. 21 

5. Die Gaarnison soll nach BefinduDg der Sachen bestehen und 
sowohl dieselbige, als auch der Commendant in S'. Ch. D. und Fürstl. D. 
Diensten, Bestallung und Pflichten sein und darinne stehen bleiben, auch 
der von S'. Ch. D. zu Brandenburg förschlagende Commendant eine dem 
Herrn Administrator! nicht unanständige Person sein. 

6. Was selbigen Commendanten hiernegst anbefohlen und aufge- 
tragen wird, das beschieht mit beider hohen Chur- und Fürstlichen Per- 
sonen Verordnung und durch jedesmalige vertrauliche Communication. 

7. Wie wegen Unterhaltung der Soldatesque in der Guarnison es 
zu halten und wovon selbige zu nehmen, auch wie hoch die Verpflegung 
zu setzen, desfalls wollen beide hohe Chur- und Fürstliche Personen sich, 
nachdem die Tractaten laufen, vereinigen. 

8. Wegen Munition und Magazin wollen sich beide hohe Chur- 
und Fürstliche Personen ebenfalls hiernegst vereinigen. 

9. Und weiln inzwischen die Churf. Armee heranrücket, so wird 
sowohl für Reuterei als Fussvolck ein und das andere Lager vor der 
alten Stadt Magdeburg abgestochen werden müssen. 

10. Zu welchem Ende und andern Behuf 200 Bauren von des 
Herrn Administratoris F. D. aus dem Erzstift gegeben und von S^ Ch. 
D. zu Brandenburg aus dem Halberstädtischen ebenfalls eine gute Zahl 
Bauersleute gesendet werden, die doch zu solcher Arbeit und an solchen 
Orten, da sie ihres Lebens halber keine Gefahr haben, gebrauchet wer- 
den sollen. 

11. Von denen Churbrandenburgischen Völckern soll überall gute 
Ordre und Disciplin gehalten und keine Insolentien gebrauchet, oder da 
sich deren begeben, sofort exemplarisch abgestrafet, auch denen Unter- 
thanen weder auf der Strassen, auch Städten und Dörfern nichts gewalt- 
thätiges oder sonsten abgenommen werden. 

12. Da die alte Stadt Magdeburg die Güte verwerfen und die oben- 
gedachte Conditiones nicht annehmen würde, wollen S^. Ch. D. sie mit 
den Waffen darzu anhalten. 

13. Es soll aber, es geschehe durch Güte oder Waffen, der Vertrag 
auch überall, wie der 3., 4., 5., 6. und 7. Punct besaget, verbleiben. 

14. S^ Ch. D. haben zu 200 Wispel Getreidich, Mehl zum Proviant 
und Magazin zu mahlen, Anstalt gemacht, des H. Administratoris F. D. 
wollen 100 Wispel ebenfalls unverlanget mahlen und gen Wanzleben an- 
schaffen lassen, als woselbst das Magazin sein soll. Sollten diese 300 
Wispel bei erlängernden Belagerung nicht zureichend sein, wollen beide 



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22 I- I>JO ünterwerfong von Magdeburg^. 1666. 

hohe Chur- und Fürstliche Personen nach obiger Proportion was nöthig 
nachschiessen. 

15. Den Sold vor die Armee geben I. Ch. D. ohne Zathun Ihrer 
Fürstl. D. 

16. Die Tractaten auf erfolgende Belagerung der alten Stadt Magde- 
burg werden von beider hohen Chur- und Fürstl. Personen Deputirten 
ebenfalls conjunctim bis zum Beschluss continuiret und seind zu diesem 
Behuf des H. Administratoris Deputirte in der Nähe. 

17. Des Herrn Administratoris F. D. verwilligen, dass dero Fähren 
von Acken, Barby und Tucheim zu dieser Belagerung gebrauchet werden, 
wollen wegen der Fähre zu Schönbeck auch bei dero Domcapitul es 
erinnern. 

18. Was ausser denen Militaribus bei der Guarnison und Ver- 
wahrung der alten Stadt Magdeburg, es sein Territorialia, Politica, Eccle- 
siastica oder anderlei, so zu der landesförstlichen Hoheit gehören, für- 
kommt, darbei lassen S*. Ch. D. auf die Uebergabe der Stadt des Herrn 
Administratoris F. D. alleine walten und nehmen sich desselben Re- 
gierung derer nicht an. Da auch dieselbe zu gefährlichen Zeiten dero 
Residenz dahin von Hall transferiren müssten, bleiben Sie dessen genug- 
sam befugt. 

19. An die Keys. May., die bei itzigem Reichstage versamblete 
Stände und Gesandten und an einige andere Könige, Chur- und Fürsten 
wollen beide hohe Chur- und Fürstl. D. dieser ihrer Entschliessung halber 
nothdürftige Apertur abgehen lassen. 

20. Auf erfolgten Vergleich oder Accord mit der Alten Stadt Mag- 
deburg und die geleistete Huldigung, so längstes acht Tage nach dem 
Vergleich oder Accord erfolgen kann und soll, wollen S*. Ch. D. dero 
sembtliche Völker zu Ross und Fuss sambt der Artillerie aus dem Erz- 
stift Magdeburg mit guter Ordre und ohne einige weitere Beschwer oder 
Bequartierung anders hin abführen. 

Dass dieses alles also abgehandelt und ihm fest nachgelebet werden 
soll, haben des Herrn Administratoris F. D. selbsthändig und die Churf. 
Brandenburg. Herren Abgesandten, die desfalls gnugsame Vollmacht zu 
haben bezeuget, es vollzogen. So geschehen zu Hall den 18. Maii 
Anno 1666. 

Augustus. Claus Ernst von Platen. 

Friedrich von Jena. 



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Verband luD gen mit dem Administrator. 23 

V. Platen und v. Jena an den Kurfürsten. 
D. Halle 19./[29.] Mai 1666. 

[VerbandliiDgen mit dem Administrator, Abscfaluss des Vertrages. Erscheinen eines 
k.-sächsischen Abgesandten.] 

Sie sind Mittwoch [den 16./26.] hier angelangt') und haben Donnerstag 29. Mai 
noch vor der Tafel Audienz gehabt. Dort haben sie den Vortrag in genere ge- 
halten und es dem Administrator anheimgestellt, ob er selbst mit ihnen ferner 
aus der Sache reden oder jemand seiner Räthe dazu deputieren wolle, derselbe 
hat darauf v. Alven sieben und v. Katte zu ihnen geschickt. Da sie diese 
gleich bei der ersten Gonferenz zu der Sache „halb dispost** gefunden und durch 
die gehabte Conferenz „mehr disposter** von ihnen gelassen, so haben sie mit 
den Offerten ganz an sich gehalten. Bei den anderen Conferenzen hat es zu- 
mal wegen der Garnison, wegen Zuschiessung einiges Proviants und Unterhalts 
der Garnison, Schwierigkeit gegeben. Sie hätten sich auch wohl bemühen 
wollen, ein mehreres zu erreichen, nachdem sie aber Nachricht erhalten, dass 
gestern spät per posta der Marschall von Dresden^) angekommen und eben 

') T. Sparr meldet dem Kf. am 17. Mai von Lönen an der Lippe aus, er sei 
mit V. Platen und v. Jena heute dort eingetroffen; letztere melden (d. Halberstadt 
15./['25.] Mai), sie seien dort gestern angelangt, wollten morgen nach Halle Weiterreisen. 
Unterwegs hätten die Leute an allen Orten von dem Vorhaben geredet und hier be- 
richte man auch, die Magdeburger hätten davon Nachricht und hätten beschlossen, sich 
auf allen Fall zur Gegenwehr zu setzen ; sie hätten 200 Deicl^gräber und andere Leute 
angenommen, um die Gräben in Stand zu setzen. Auch Ef. schreibt an v. Jena 
(d. Cleve 26. Mai 1666): „Sonsten will von ein und andern Orten verlauten, ob sollte 
unser £ucb bekanntes Dessein kundbar geworden sein, dafem Ihr nun solches ver- 
merken wurdet, so hättet Ihr die Vorsehung zu thun, dass die Cavailerie so viel 
immer möglich den Marsch beschleunigte und den Ort berennete, damit nichts ein 
oder auskommen könnte." Dagegen berichtet v. Sparr am 25. Mai von Lippstadt 
aus, so viel er vermerken könnte, hätten die Magdeburger von des Kf. Dessein keine 
Nachriebt gehabt, auch bisher nicht die geringste Verfassung gemacht, erst gestern 
hätten sie ihren bisherigen Commandanten wegen einiger Suspicion ab- und an dessen 
Stelle einen anderen gesetzt, neben ihm auch noch einen commandierenden Officier 
verordnet und sie stellten sich nunmehr an, als wollten sie eine Gegenwehr vornehmen. 

') Der K.-sächsische Hofmarschall v. Kanne; über seine Sendung ist aus den 
Acten, auch des Dresdener Archivs, nichts Näheres zu ersehen; der Administrator 
August bemerkt in einem Schreiben an Kurfürst Jobann Georg vom 28. Mai/[7. Juni] 
(Magd. St.- Archiv), in welchem er ihm von dem glücklichen Verlauf der Tractaten mit 
Magdeburg Anzeige macht: „wie wir uns annoch wohl erinnern, was E.Ld. — durch dero 
Hofmarschalck — von Cannen kurz verrückter Zeit bei uns wegen des Gerüchtes 
von einer unser alten Stadt Magdeburg besorgten Belagerung anbringen lassen". 
Kurfürst Johann Georg selbst tbeilt dem Herzoge von Sachsen- Altenburg mit 
(Dresd. A.), er habe Kanne zu dem Administrator geschickt, um demselben von dem 
Vorhaben des Kf. gegen Magdeburg Nachricht zu geben und, „wohin man Stifts wegen 
daselbst diesfalls zielen möchte, zu sondiren". 



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24 I- I^io Unterwerfung von Magdeburg. 1666. 

dieser Sache halber an den Administrator abgeschickt sei, haben sie es för das 
beste gehalten, die Zeit zn mesnagieren und zu verbaten, dass der Administrator 
nicht wieder irre gemacht würde, daher auf die Sache gedrungen und es dahin 
gebracht, dass beikommende puncta^) aufgesetzt und sowohl von dem Admi- 
nistrator als von ihnen unterschrieben worden sind. Wegen des Unterhalts der 
Garnison hat der Administrator sich erboten, dass die Stadt, Kf. und er selbst je 
eine tertiam geben sollten ; sie haben aber solches nicht nachgeben wollen, da- 
her steht es auf ferneren Vergleich, der aber, ehe die Garnison hineinzieht, ge- 
macht werden soll, der Administrator wird deshalb einige von den Landständen 
verschreiben. An den Rath und Innungsmeister der Stadt Magdeburg haben 
sie geschrieben') und dieselben auf den 23. nach Wansleben beschieden, auch 
in dem Schreiben etwas von der Materie gedacht, damit sie sich nicht mit der 
Unwissenheit zu entschuldigen und Zeit zu gewinnen Gelegenheit haben. Sie 
selbst wollen sich nunmehr an die Instructionen machen und die Schickungen 
an das Haus Braunschweig, an K.-Sachsen und an Wrangel befördern. 
Der Administrator hat nach Unterschrift der Punkte wegen Rosenberg*) An- 
suchung thun lassen, sie haben ihn aber damit an Kf. selbst verwiesen*). Sie 
erfahren von ihm, dass der K.-sächsische *) dieser Sache halber abgeschickt, 
dass sie deswegen in Dresden alarmiert seien und Nachricht begehrten, weil 
leicht daraus ein Feuer entstehen und der Kreis in Ungelegenheit gerathen 
konnte, er h&tte ihm aber von dem rechten Dessein nichts gesagt, sondern dass 
man wegen der Huldigung und was davon dependiret, mit der Stadt handeln 
würde und dass Kf. jemand an K.-Sachsen zu senden beabsichtige, der gewiss 
speciellere Nachricht bringen würde. 



*) Der vorstehend abgedrackte Vergleich vom 18./28. Mai. 

>) D. Halle 18./28. Mai 1666: «Ans beikommenden Ihrer Cb. D. — Schreiben 
haben die Herren zu ersehen, was gestalt jetzthoch gedachte I. Ch. D. uns gn&digst 
anbefohlen, eines und das andere mit Ihnen und gemeiner Bürgerschaft abzuthun. 
Wann dann unsere habende Commission die schuldige Erbhuldigung und was etwa 
mehr zu bochstgemelter Ihrer Ch. D. Sicherheit erfordert wird, betriflPt, und diese Sache 
nunmehro länger keinen Verzag leidet, als ersuchen wir die Herren, sie wollen je- 
mand aus ihren Mittel und gemeiner Bürgerschaft mit gnugsamer Instruction und 
Vollmacht abfertigen, dass dieselbe den 23. dieses gegen Mittag zu Wanssleben sein, 
dasjenige, was wir ihnen namens mehr hochstgedachter Ihr. Ch. D. vorzustellen, an- 
hören und sich darauf hauptsächlich und ohne langen Verzug erklären können." 

») S. oben S. 17. 

*) Der Administrator schreibt noch am 18./28. Mai deswegen an den Kf., dieser 
willigt jetzt ein und übersendet ihm (d. Cleve 6./16. Juli 1666) die deswegen ausge- 
fertigte Confirmationsurkunde. 

») S. oben S. 23. 



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Vorgänge in Magdeburg. 25 

Ans den Magdeburgischen Raths-Protocollen*). 

Den 16./[26.] Mai a. 1666. 
Weiln ietzo die Churbrandenb. Völcker') von Cleve aus im Rock- 26. Mai. 
march begriffen und gefahrliche Reden geführet werden, als ist vermeinet, 
dass täglich ein Viertel Bürger auf die Wache ziehen solle. 

Den 21./[31.] Mai a. 1666. 

Ist veranlasset, dass die Elbe oberhalb soll geschlossen werden, 31. Mai. 
welches den Fehram btsherren auffgetragen. 

Dessgleichen auch der Gral mit Pfälen verwahret werden soll, so 
dem Ziegelambt auffgetragen. 

Und ist für gut befunden, Herrn Obristleutenant Kochen auff ein 
Zeit zum Oberhaubtman über die Bürgerschafft zu bestellen, und ihm 
monatlich 10 Thlr. oder sonst eine Discretion zu reichen, demselben 
wäre auch ein Leutenant zu adjungiren. 

Herrn Haubtman Gerhard Capauni ist auch angedeutet, wie iezo 
der Stadt etwas zugomuthet würde, derowegen Er seines Orthes aller 
Orthen vermügsame Anstalt zu machen. 

Hierauff ist den Ständen des Erb. Ausschusses') die Bestallung des 
Oberhaubtmanns und Leutenants eröffnet. 

Ist den Ständen auch angezeigt, dass ein jeder selbst auffziehen 



>) Magdeb. Stadt-Archiv. Verg]. H. Hoff mann, Magdeburgs letztes Ringen um 
seine Reichsfreiheit (Blätter f. Handel, Gewerbe und sociales Leben [Beiblatt zur 
Magdeb. Zeitung] 1880 N. 21 S. 163ff.) 

^) Nach der Magdeburger Kämmereirechnung von 1666 erhält am 14./24. März 
Berend Beuteler, „wie er nacber Zieser laufen mässen und wegen der Churbrand. 
Artiglerey Nachricht einholen müssen" 20 Gr. (vergl. Dittmar, Neue Urkunden 
und Dokumente über Otto v. Guericke S. 10), am 16./26. Jörgen Hegerlingen, 
«dass er wegen der aus Cleve zurnckmarchirenden Brandenb. Volcker hin und wieder 
bei Halberstadt Kundschaft eingezogen'' 15 Gr. Botenlohn. Am 21./31. Mai erhält 
B. Beuteler „abermal, als derselbe umb Einholung Nachricht der aus Cleve an- 
marchirenden Brandenb. Armee zu Dardessen und der Oerter ausgesendet*', 1 Rthlr., 
am 26. Mai/5. Juni ein vom G.-Lieutenant Koch nach Brandenburg abgeschickter 
Bote, „umb Kundschaft einzuziehen, ob mehr Volcker und Gestnck von Berlin anhero- 
gescbicket wurden, und dass er deswegen etliche Tage daberumb recognosciret" 1 Rthlr. 
18 Gr., ein anderer auch deswegen nach Brandenburg geschickter Bote 15 Gr., ein 
nach Egeln geschickter Bote 9 Gr., am 2./12. Juni zwei Boten, welche nach Acken 
und Tangermnnde geschickt sind, „wegen Nachricht der Volcker und Gestncke, so be- 
sorglicben von Berlin gewesen **, 2 Rthlr. 14 Gr. 

') Der in 2 Stände gesonderte Ausschuss von 50 Personen, welcher als Vertreter 
der Bürgerschaft dem Ratbe von Magdeburg zur Seite stand, s. Hoff mann, Gesch. 
der Stadt Magdeburg (2. Aafl-) IL S. 122, 



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26 I. Die Unterwerfung von Magdeburg. 1666. 

müsse, weiln sich die Bürgerschafft vernehmen lassen, die Aussenblei- 
bende aus den Häussern zu holen. 

Es soll ein jeder Bürger auch eingeben, wie viel Mannschaflft Er in 
seinem Hausse. 

Die Steine vor beeden Thoren, so auswertig liegen, hereinzuführen, 
darzu diejenige, so Spanuwerk, zu gebrauchen. 

Auff dem Neuen Marck würde durch den H. Domdechand und den 
H. Möllenvoigt zu visitiren und Specification einzuschicken. 

In prima clasvse ist H. Oberstleutenant Koch beliebet und nebst 
ihm an statt Leutenant Müllers H. Haubtman Sonneman vorgeschlagen. 

Matthis Hellwig ist zum Adjutanten verordnet. 

Dass ein jeder Wasser ins Hauss und auff den Boden zu setzen. 

Den 21./[31.]Mai a. 1666. 

31. Mai. Der präsidierende Burgermeister H. Otto von Gu er icke berichtet, dass 

heute ein Trompeter von Halle mit drei Schreiben vom Kf., von dem Admi- 
nistrator und den Herren v. Platen und v. Jena angekommen, worin eine 
Abordnung nach Wansleben erfordert wird. Es wird beschlossen: 1) Die Ab- 
ordnung würde geschehen müssen, 2) es den Ständen vorzutragen, daneben 
ihnen mündlich zu proponieren, dass die Soldatesque soviel möglich zu ver- 
stärken'). 

Den 22. Mai/[1. Juni] a. 1666. 

1. Juni. Weil secunda classis erinnert, dass nicht so viele sondern nur 4 Personen 

abgeschickt werden sollen, so beschliesst der Rath, dass 'H. Bürgermeister Gott- 
fried Rosenstock, H. Consiliarius D. Dietrich Koch und H. Kämmerer Jo- 
hannes Schmid, dann ex prima classe H. Peter Kind und ex secunda H. 
Pascha Thomas abgeordnet werden sollen. Der Ausschuss stimmt dem zu 
und billigt auch die Instruction und die abgefassten Schreiben. 



>) Der erste Stand in seinem Votum vom 21./31. Hai conformiert sich ganz mit 
der Proposition des Raths, auch mit der Abordnung nach Wansleben, macht ver- 
schiedene Vorschläge wegen Sicherung der Stadt, empfiehlt auch die Diener der Kanf- 
leute und die Handwerksburschen in Pflicht zu nehmen, ferner die Sache durch Expresse 
an die Stadt Braunschweig und den Herzog von Wolffenbüttel gelangen zulassen 
und guten Rath einzuziehen; auch der zweite Stand erklärt sich mit der Abordnung 
einverstanden, meint aber, da dieselbe ohne völlige Instruction und bloss alles ad 
referendum anzunehmen abgeschickt werde, so würden 4 Personen, 2 vom Rath und 
2 vom Ausschuss, genügen. Auch er macht verschiedene Vorschläge inbetreff der 
Sicherung der Stadt und Verstärkung der Garnison und empflehit Sendung nach 
WolflFenböttel und Anweisung an den Bevollmächtigten der Stadt in Regensburg, Dr. 
P. Iden, fleissig zu vigilieren und an gehörigen Orten das Beste der Stadt zu beob- 
achten. 



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Vorgänge in der Stadt. Instruction für die Deputierten. 27 

Den 23. Mai/[2. Juni] a, 1666 
wird das Schreiben an den Herzog von Braunschweig verlesen und ange- 2. Juni, 
nommen. 



Instruction des Rathes von Magdeburg für die Deputierten. 
D. 22. Mai/[1. Juni] 1666'). 

Sie sollen sich am 23. früh nach Wantzleben erheben, sich dort entschul- 1. Juni, 
digen, dass sie nicht mit genügsamer Instruction und Vollmacht versehen, da 
die abgelassenen Schreiben gar generaliter abgefasst, dass daher nothwendig 
vollständige Relation geschehen müsste. Wegen der begehrten Huldigung sollen 
sie in antecessum kurz vorstellen 1) den klaren Buchstaben des Instr. pacis, kraft 
dessen die Stadt aller Huldigung entnommen und in ihre uralte Freiheit gesetzt 
wäre, 2) die vom Kaiser verordnete Commission, auch hernach gegen Kf.') 1658 
Schrift- und mundlich zu Ergänzung des Vertrauens und mit Begebung des 
hierunter zustehenden Rechts bereits gethanene Erklärung, 3) die beim Reichs- 
tage noch befindliche, vom Administrator selbst veranlasste Litispendenz. 

Sollte unter dem Verwände mehrerer Sicherheit des Kf. und Administrators 
der Besatzung im Vortrage erwähnt werden, so haben sie zu remonstrieren, dass 
das jus proprii praesidii der Stadt von Anbeginn zugestanden, nie bestritten, 
durch Kaiser Ferdinand II. 1628 und im Instr. pacis ihr auch die Erweiterung 
des Festungsrechts zugestanden, Rath und Bürgerschaft auch in unterthänigster 
Devotion verharren und nichts beginnen wurden, was der Sicherheit derselben 
und ihrer Treue und Reverenz entgegenstreben mochte. 

Sollten nun ober das die HH. Abgesandte einiger harten Bedrohungen, 
und wie man die Stadt bei entstehender gütlicher Accomodation so weil 
zuer Brbhuldigung als andern Praestationen armata manu zwingen und 
Döhtigen würde sich verlauten lassen, haben unsere Deputirte gar glimpff- 
lich zu regeriren, wie E. E. Rath und gemeine BürgerschafFt nicht hoffen 
wollte, dass Ihre Ch. D. als ein leutseliger und christlicher Potentat, 
gegen welchen die Stadt sich ja allemahl unterthänigst erwiesen, auch 
ferner also zue erweisen erbötig, zue solchen Extremitäten greiffen und 
das garaus machen würde. Vielmehr lebte man der unterthänigsten 
Confideutz, Ihre Chur- und Fürstl. Durchl. würden äusserst dahin trachten, 

') In demselben (d. 23. Mai/ [2. Juni] 1666) wird Herzog August von dem Vor- 
gefallenen Mittheilung gemacht, die Befürchtung ausgesprochen, dass die Stadt zur 
Huldigung, Eiunehmung einer kurfarstllcben Besatzung und anderen schweren praesta- 
tiones gezwungen werden solle, und die Bitte ausgesprochen, sich ihrer anzunehmen. 
Schreiben ganz ähnlichen Inhalts gehen unter demselben Datum auch an die Städte 
Lübeck, Hamburg und Braunschweig ab. 

») Magdeb. Stadt-Archiv. 

') Vgl. Hirsch, Der Grosse Kurfürst und die Altstadt Magdeburg a. a. 0. 



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28 !• Die Unterwerfung von Magdeburg. 1666. 

damit die grösseren theils annoch verödete Stadt dem gemeinen Wesen 
zuem besten dermahleins zue dero höchstem Vergnügen and unsterb- 
lichem Nachrahm refloresciren möchte. 

Was sonst vorkommen sollte, darauf haben die Deputierten nach ihrer Dex- 
teritat und pro re nata zu antworten und insonderheit zu bitten, dass ihnen 
Relation anhero zu thun und fernere Resolution einzuholen unter sicherem Ge- 
leit gestattet werde. 



Hans Eatte und Heinrich Dttrfelt') an den Administrator. 
D. Wanzleben 23. Mai/ [2. Juni] 1666^. 

[Bericht über die Verhandlungen zu Wanileben.] 

2. Juni. Sie sind am 22. Mittags, die K.brandenb. Deputierten Abends V« 8 Uhr hier an- 

gelangt. Mit denselben haben sie heute früh sich über die Proposition geeinigt, als 
dann die Magdeburgischen Deputierten erschienen, hat sogleich Jena diesen die 
von ihm schriftlich aufgesetzte Proposition eröffnet und darauf Dr. Koch dieselbe 
dahin beantwortet, da das, was von ihnen gefordert würde, ein ganz neues sei, 
auch solches aus dem Notificationsschreiben nicht wohl abzunehmen und sie sich 
daher darauf nicht hätten genügend informieren können, so bäten sie um Dilation, 
um solches der Bürgerschaft zu referieren und deren Erklärung darauf einzu- 
bringen, auch ihnen sicheres Geleit zu geben. Jena erwiderte nach Unter- 
redung mit uns: Man wollte ihnen bis morgen Frist verstatten, sie Hessen alle 
den Rath freundlich grüssen mit dem Ermahnen, alles wohl zu überlegen, man 
suche nichts mehr, als schuldigen Gehorsam und Sicherheit. Jene baten, da 
das Werk die Bürgerschaft anginge, 4 Tage um Dilation, Jena aber erwiderte, 

Administrator August beauftragt (d. Hall 20./[30.] Mai 1666) die Hofräthe 
Hans Katte und Dr. Heinrich Dürfeld, sich nach Wanzleben zu begeben und zu- 
sammen mit den k.brandenb. Abgesandten den Magdeburg! sehen Abgeordneten eindring- 
lich zuzusprechen, dass sie keine eztrema durch die Waffen abwarten, sondern sich zur 
Huldigung nach der Formol von 1579 und zur Einnehmung der Garnison verstehen 
sollten. Die Verpflegung der Garnison werde ein harter Punkt sein, sie sollen darauf 
sehen, dass dazu die Stadt vornehmlich herangezogen und die Landschaft nicht zu 
sehr graviert werde, fär diese konnte ohne einen allgemeinen Landtag nur eine In- 
terimsanstalt getroffen werden und habe er sämtlichen Landräthen befohlen, zu 
diesem Zwecke auch nach Wanzleben zu kommen. Sollten die gütlichen Tractaten 
abrumpieren und es, was sie aber nach äusserster Möglichkeit zu verhindern haben, 
zu Thätlichkeiten kommen, so sollen sie in Wanzleben bleiben, an den nachher er- 
folgenden Tractaten Theil nehmen und dabei namentlich darauf sehen, dass sobald 
wie möglich nach getroffenem Vergleich die Huldigung angesetzt werde. Beim Ein- 
zug der Garnison haben sie neben den K. brandenburgischen den Commandanten und 
die Garnison in Pflicht zu nehmen. Nach abgelegter Huldigung haben sie darauf zu 
dringen, dass die K.brandenb. Völker mit guter Ordnung und Disciplin das Erzstift 
verlassen. 

^ Magdeb. Staats-Archiv, 



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Verhandlungen zu Wanzleben. 29 

das wäre unmöglich, sie möchten fleissig beten, dass ihnen Gott ihre Herzen 
erleuchtete und alle widrigen impressiones aus ihren Gedanken nehme, dann 
würde sich alles leicht ergeben, und weil man vernehme, dass sie wenig an die 
Bürgerschaft brächten, sondern ihnen fürgebildet würde, als trachte man sie zu 
Bauern zu machen, so möchten sie alles, was vorgegangen, und dass dieses 
wider die Intention der Fürsten, referieren und ein anderes versichern. Jene 
erwiderten, die Bürgerschaft hätte einen Ausschuss von 30 Mann bestellt, denen 
würde alles vorgetragen, und sie beabsichtigten, noch mehr aus der Bürgerschaft 
zuzunehmen, beriefen sich dann auf das Instr. pacis und dass die Sache an den. 
Kaiser und nach Regensburg gezogen sei, der Punkt wegen der Garnison werde 
der Gemeine über die Maassen befremd vorkommen, es wäre ja genug, wenn 
sie huldigten. Sie erwiderten, die merita wären genugsam bekannt, sie hätten 
keinen Befehl sich einzulassen, diese zwei Punkte könnten unmöglich separiert 
werden, man wollte ihnen aufs längste bis Freitag Bedenkzeit geben, worauf 
Katte ihnen noch zu Gemüth führte, wie oft der Fürst sie zu ihrer Schuldigkeit 
angemahnt und gütlichen Vergleich vorgeschlagen, es hätte nichts gefruchtet, 
sie möchten nochmals in sich schlagen und das letzte Gnadenzeichen, das ihnen 
nochmals gewiesen würde, annehmen. Als jene dann von ihren Privilegien 
geredet und wie die vorige Huldigung ihnen abgenöthigt, auch sie ausser 
Reichs- und Kreissteuem exemt seien, haben sie ihnen alles, jedes absonderlich, 
widerlegt und erklärt, davon sollte nach geschehener Huldigung und Kinneh- 
mung der Garnison geredet werden. 

Darauf erschienen die Landräthe v. Katte, v. Asseburg und v. Schulen- 
burg und haben mit ihrer Zustimmung mit den Magdeburgischen verabredet, 
dass morgen die Landstände ihre Werbung, zu der sie durch ein Schreiben des 
Kf. *) veranlasst, bei sitzendem Rathe verrichten sollten, auch v. Borgs dorff 
wurde aufgefordert, wegen des Domcapitels dem mit beizuwohnen. 

Ratione homagii scheint nach dem Discurs der Magdeburger kein Bedenken 
zu sein, aber der Punkt wegen der Garnison dürfte die extrema veranlassen, 
wiewohl grosser Zwiespalt bereits sich mag spüren lassen und grosse Ver- 
bitterung wider 0. Goericke, welchem man jetzt nicht mehr traut und ihn 
für den Urheber des nicht geleisteten homagii hält. Der brandenb. Deputierten 
Intention geht dahin, den Rath in der Güte zur raison zu bringen, daher sie 
auch in die Proposition besonders mit einzurücken verlangt, dass die Last der 
Garnison nicht der Bürgerschaft allein verbleiben soll, mit dem Verstand, dass 
das übrige von des Raths Intraden erhoben werden sollte. Es ist gut, dass 
die Landräthe sich eingefunden haben, da man vor Rückkehr der Magdeburger 
von dem Unterhalt der Garnison zu reden hat, damit die Brandenburgischen auf 
deren Lamentation nicht bewogen werden, ihnen sofort ein gewisses, wie sie 



*) S. oben S. 19. Am 24. Mai/3. Juni erscheinen wirklich auf Aufforderung des 
Domcapitels und der Landstände Deputierte des Rathes und des Ausschusses vor den 
aus diesen beiden Körperschaften in der Stadt Anwesenden, denen letztere Mittbeilung 
von dem machen, was Kf. an sie geschrieben, und sie auffordern, es nicht auf extrema 
ankommen zu lassen. 



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30 I- Die Unterwerfung von Magdeburg. 1666. 

bereits auf 350 Mann zielen, zu determinieren und zu versprechen, und sodann 
das übrige dem Lande beizutragen überlassen. 



Instruction*) für die Magdeburgischen Deputierten. 
D. 25. Mai/ [4. Juni] 1666 0- 

4. Juni. 1. Siei sollen sich heute nach Wanzleben begeben und dort vortragen: 

2. Der Rath hätte mit höchster Consternation vernehmen müssen, dass 
ihnen beigemessen werden wollte, ob hätte derselbe aus privat Respect die 
Bürgerschaft von der schuldigen Submission bisher entzogen, und trachtete, 

Magdeb. Stadt-Archiv. 

^) Nachdem am 24. Mai/3. .luni die Magdeburger Abgesandten dem Rathe und 
dem Ausschusse, welche der präsidierende Bürgermeister 0. v. Guericke schon in 
aller Frühe zusammenberufen, Relation abgestattet hatten, wird beschlossen, die Sache 
der gemeinen Bürgerschaft viertheiisweise durch Deputierte des Rathes und Ausschusses 
vortragen zu lassen, und ergeht an die Viertheilsherren der Befehl, ihre Viertbeils- 
verwandten zu morgen, Freitag früh, um 5 Uhr zusammenzuberufen. Das Ergebnis 
der Berathung in den 9 Vierteln ist folgendes: 

25. Mai/[4. Juni] 1666. 

Hermann Cunoen Viertel: haben sich einhellig erklärt, den Eid von 1579, 
wenn er nicht zu mildern stunde, abzuleisten, in die Garnison aber könnten sie nicht 
willigen, der Rath hätte sich deswegen auf das äusserste zu bemühen; sie ersuchen, 
einen aus dem Viertel mit nach Wanzleben zu nehmen. 

Michael Oesterreichs Viertel: zur Huldigung konnten sie sich dergestalt ver- 
stehen, dass sie dieselbe ablegen wollten, treu, hold und gehorsam zu sein, die Gar- 
nison aber nicht bewilligen, zwei Personen von ihnen (Melchior Richter und Va- 
lentin Koch) möchten mit hinausgeschickt und von den Abgeordneten 6 Tage Di- 
lation gesucht werden. 

Conrad Bocks Viertel: zu angemutheter Huldigung wollten sie sich verstehen, 
die begehrte Garnison aber könnten sie nicht willigen, schlugen Hauptmann Sonne- 
mann und Niclaus Bülzingen vor, aus welchen einer nach Kloster Berge mitzunehmen. 

Jacob Boeseckens Viertel: 

1. Rotte. Die Huldigung könnte wie Joach. Friedrich geleistet werden, die 
Einnahme der Garnison bäten sie den Rath abzuwenden, oder, da es ja nicht anders 
sein könnte, dass es möchte auf eine geringe Anzahl, als etwa a. 46 begehrt worden, 
behandelt werden, im widrigen Fall wollten sie sich wehren. 

2. Rotte. Wegen der Huldigung Hessen sie es geschehen, dass man solche leistete, 
wie Joach. Friedrich geschehen, da aber eine schärfere begehrt wurde, liessen sie sich 
begnügen, wie es Rath und Ausschuss für gut erkennen würden, wegen der Garnison 
conformierten sie sich mit der ersten Rotte ausser der Gegenwehr, bis so lange sie 
noch einmal vernehmen würden, wie weit es unsre Abgeordnete gebracht hätten, je- 
doch dafern es nöthig, währender Tractaten sich zu wehren, wollten sie es thun. 

3. Rotte. Die Huldigung wollten sie leisten wie sie gelesen, wegen der Garnison 
stellten sie dem Rathe anbei m. 

4. Rotte. Die Huldigung wollten sie eingehen, in die Garuison könnten und 



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ßerathungen in Magdeburg. 31 

solche nnr in äusserste Gefahr und Unglück zu stürzen. Der Rath könnte 
contestieren, dass was bisher in der Huldigungssache vorgegangen, communicato 
consilio und mit einmüthiger Bewilligung der Stände des Ausschusses, welche 
der ganzen Bürgerschaft Stelle und Stimme vertreten, allemal geschehen, es 
wären auch wie vorhin so auch 1658 alle Viertel zur Deliberation pro communi 
salute gezogen worden. Der Rath glaube seinen Pflichten bisher conform zu 
sein, hätte auch nebst der Bürgerschaft nie des Kf. und Administrators Auto- 
rität und Respect unglimpflich zu berühren sich erkühnt, sondern der Kaiserl. 
Commission und darauf bei jetzigem allgemeinen Reichstage veranlassten Litis- 
pendenz die ganze Sache und deren Event anheimgegeben. 

3. Die Huldigung wären Rath und Bürgerschaft gesonnen, so wie sie 
1597 abgeleistet worden, dem Kf. und Administrator abzustatten, jedoch dass 



möchten sie nicht willigen, sondern sich lieber, da es der Rath für gut ansehe, wehren. 

Barthelmes Götlings Viertel: Consentit in hoinagium. Wegen der Besatzung, 
weil selbige bei letzterer Huldigung nicht begehret, so hätten sie das Vertrauen, Kf. 
werde auf bittliches Ansuchen die Bürgerschaft dabei lassen. Sie wollten jemand be- 
nennen, der mit nach Wanzleben reiste und anhörte, was da vorgetragen würde. 

Matthias Wredens Viertel: Die Huldigung soll abgelegt werden, dann hoffen 
sie, werden Kf. und Administrator gegen die Stadt so strenge und hart nicht ver- 
fahren und mit dem 1579 abgelegten Huldigungseide sich begnügen; im Notbfall 
kann in demselben auch das Wort „gewärtig'' mit abgelegt werden. 

Wegen der Besatzung soll auf das beste tractiert und dieselbe womöglich abge- 
wendet werden, wenn nicht, soll man sich bei den Tractaten aufs äusserste bemühen, 
dass es dabei, wie es a. 1646 von dem Administrator begehrt worden, verbleiben 
möchte. Betreffend die jetzige Garnison hoffen sie, Kf. und der Administrator wer- 
den die Stadt mit Herausgehung ihrer Soldatesca noch vor Ankunft ihrer Besatzung 
nicht so hart anstrengen, dieselbe könnte in deren Eid und Pflicht genommen, in der 
Stadt und des Raths Pflicht gelassen und soviel Völker, damit die a. 1646 begehrte 
Anzahl compliert würde, hinzugethan werden. 

Aus diesem Viertel soll eine Person, wozu Matthias He 11 w ig einhellig erkiest 
wird, mit nach Wanzleben geschickt werden. 

Joachim Wilkens Viertel: es könnte wohl nicht anders sein, denn die Hul- 
digung abzulegen, wegen Einnehmung der Besatzung aber, weil es eine weitaus- 
sehende Sache, könnten sie sich nicht categorisch erklären, indem ihnen nicht wissend, 
wie man desfalls fundieret, auch wie Wall und Mauern beschaffen, sonst wäre der Rath 
entschuldigt, dass er nicht mehr denn was zu gemeiner Stadt Besten angesehen, bis- 
her gethan. 

Adam Schröds Viertel: zur Huldigung, wie solche a. 1579 abgelegt, zumal 
darin nicht enthalten, gewärtig zu sein, wollten sie sich verstehen; das begehrte prae- 
sidium aber, weil es niemals gewesen, könnten sie nicht willigen, mit Bitte, aus ihrem 
Viertel zwei oder wenigstens eine Person mit nach Wanzleben zu nehmen, benannten 
Matthias Müllern und Heinrich Rudolphen, aus welchen Matthias Müller de- 
putieret. 

Heinrich Kölings Viertel bewilligt die Huldigung, der Einquartierung halber 
aber möchte man bitten, sie zu verschonen. (Magdeb. Stadt-Archiv. Vergl. H. Hoff- 
manu, Magdeburgs letztes Ringen a. a. 0. S. 169 ff.) 



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32 I- Die Unterwerfung von Magdeburg. 1666. 

zuvor zulängliche reversales von beiden Herrschaften in beständigster Form und 
mit Vorbehalt aller der Stadt sowohl ab antiquo als ex instrumento pacis zu- 
stehenden Rechte, Privilegien und Freiheiten ausgereicht würden. 

4. Betreffend die Einnehmung der Besatzung, so hätte kein Erzbischof je 
sich des juris praesidii angemaasst, dasselbe sei ihnen durch das kaiserl. Pri- 
vileg von 1628 und den Friedensschluss bestätigt und vergrössert worden, sie 
hofften also, Kf. werde sich mit geschehener Contestierung ihrer Devotion be- 
gnügen und nichts wider das uralte Herkommen der Garnison halber der Stadt 
zumuthen. 

5. Sollte aber dieses nicht wohl aufgenommen und die angedrohten Ex- 
tremitäten wieder vorgestellt werden, so haben sie an die Generosität des Kf. 
zu appellieren. 

6. Sollte aber dessen ungeachtet auf die Besatzung gedrungen und cate- 
gorische Resolution begehrt werden, haben sie sich höflichst zu entschuldigen, 
dass sie desfalls sich weiter zu erklären nicht beordert wären. 

7. Hiebei haben sie zu sondieren, ob die Chur- und Fürstl. Abgesandten 
nicht mit näherer Instruction versehen, dadurch das Werk etwas erträglicher 
einzurichten, sie haben sodann alles ad referendum zu nehmen und um fernere 
Dilation zu bitten, mit dem Versprechen, man wurde diesseits so viel nur mög- 
lich und gegen die Posterität verantwortlich sich zum Zweck legen, in der Zu- 
versicht, Kf. und Administrator würden hingegen die Stadt nicht aufs höchste 
treiben und derselben unerträgliche conditiones aufbürden, man hoffe auch, die 
Abgesandten würden alles hochgeneigt annehmen und es ad extrema nicht 
kommen lassen, Rath und Bürgerschaft wären solches gegen sie mit angenehmen 
Bezeigungen jederzeit zu verdienen so willigst als schuldigst. 

8. Was sonst vorkommen sollte, werden sie pro re nata glimpflich zu be- 
antworten und alles besorgliche Unheil durch wehmüthige Vorstellungen abzu- 
wenden wissen. 



Aus den Magdeburger Raths-ProtokoUen*). 

Den 26. Mai/[5. Juni] 1666. 
5. Juni. Thaten die Herrn Abgeordneten in Kegenwart der Stände des E. 

Ausschusses, auch derjenigen^ so aus denen Viertheilen deputiret und 
mit nacher Wansloben geschicket gewesen^ Relation und bestund dieselbe 
endlich darin, dass die Guarnisoun müsste eingenommen und morgen 
Resolution eingebracht werden. Wiewohl nun der Punct der Guarnisoun 
sehr beschwerlich und zu Niederdrückung der Stadt Privilegien gereichete, 
so stünde doch die Macht dar, welcher zu widerstehen man nicht be- 
stand, alldieweil die Bürgerschaft in Schrecken und sich nicht halten 



1) Magdeb. Stadt-Archiv. Vergl. H. Hoffmann, Magdeburgs letztes Ringen 
a. a. 0. S. 170. 



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Beraihungen in Magdeburg. 33 

würde, daramb der Zeit und Gewalt zu weichen, welches denen Ständen 
des E. Ausschusses proponiret. 

Den 26. Mai/[5. Juni] a. 1666. 

Adam Schröders Viertel, referirt Herr Cammerer Johann Schmid, 
H. R. Lüdecke, Ehr Christian Schröder und Matthies Krause, dass 
sie sich zu Adam Schröders Viertel auf das Seidenkramer Haus erhoben 
und den Vortrag gethan, sie wären aber unter einander nicht einig ge- 
wesen, darumb sie in Joachim Wilckens Viertel auf das Gewandschnei- 
der Haus gangen. Bald hernach seind von dem Viertel die reversales 
gefordert, ihnen auch solche von mir vorgelesen, und haben sie nachhero 
ihre Erklärung [sie!] 

Joachim Wilckens Viertel. H. Cam. Johann Schmid, H. R. 
Lüdecke, Ehr Christian Schröder und Matthies Krause bringen ein, 
dass sich Joachim Wilckens Viertel mit E. E. Rathes Meinung verglichen, 
bäten nur die Guarnison auf 500 oder 600 Mann wo müglich zu be- 
handien. 

Michael Oesterreichs Viertel. Stellen die Tractaten E. E. Rath 
und E. Ausschuss wie auch denen von der Bürgerschaft darzu geordneten 
auheim und übergeben ihre Erklärung schriftlich, davon copia genommen. 

Barthelmes Göttings Viertel. Stellet es E. E. Rath und E. Aus- 
schuss anheim und hätte das Vertrauen zu demselben, dass sie auf das 
beste für sie sorgen würden. 

Heinrich Kölings Viertel hat ebenergestalt E. E. Rath und E. 
Ausschuss die Vorsorge überlassen und dabei erinnert, dahin zu sehen, 
dass die Einquartierung abgewendet werde. 

Herman Cunoen Viertel. Bringet Herr Rathman Dieterich Nolte, 
Herr Rathman Martin Aleman, Ehr Sebastian Gericke und Ehr Hans 
Kram er in Gegenwart der vom Viertel Deputirten, Christoph Mum- 
mend und Matthias Schlüters ein, dass das Viertel E. E. Raths Vor- 
sorge alles anheim stellete, bäte nur die Einquartierung wo müglich ab- 
zuwenden, wo nicht, darhin zu sehen, dass die Soldatesque auf dem 
Wall so lang bleiben müsste, bis die Baraquen fertig, weil es Sommer, 
wenn es aber ja zur Einquartierung käme, dass dann die geringen für 
den grossen nicht beschweret würden. 

Conrad Bocks Viertel. H. D. Stieler, H. R. Berthold Linde- 
man. Ehr Johann Friederich Aleman, Ehm Moriz Schincke in Gegen- 
wart der vom Viertel Deputirten, Herrn Haubtman Ludwig Sonnemanns 
und Niclaus Bülkings referiren, dass sie sich im Viertel endlich resol- 

llater. x. Gesch. d. G. Kurfürsten. XII. 3 



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34 I- Hie Unterwerfung von Magdeburg. 1666. 

viret, E. E. Rath würde für sie sorgen und darhin trachten, dass keine 
Einquartirung geschehe, dann die Stadt bei ihren Privilegien und Nah- 
rung gelassen werden mögte. 

Jacob Böseckens Viertel. H. R. Martin Bartheis, H. R. Chi- 
lian Kühlewein, Ehr Sebastian Müller, Ehr Zacharias Schlüter 
bringen aus Böseckens Viertel ein, dass sie es zu E. E. Raths und des 
Ausschusses Vorsorge und Behandelung stelleten, nur dass die Bürger- 
schaft nicht gar unterdrückt würde. 

Matthias Wredens Viertel, bringen vorgenannte Herren eben der- 
gleichen Erklärung aus diesem Viertel. 



V. Platen und v. Jena an den Kurfilrsten. D. Wansleben 
26. Mai/ [5. Juni] 1666. 

[Verhandlungen mit den städtischen Deputierten.] 
5. Juni. Sie sind den 22. Abends hier angelangt. Als den 23. die Deputierten der 

Stadt zu ihnen herausgekommen, haben sie ihnen den Vortrag im Namen des 
Kf. und des Administrators im Beisein der Hallischen Räthe gethan, und nach- 
dem dieselben geantwortet, sich mit ihnen in Discurs eingelassen, ihnen so viel, 
als sie für nöthig und zuträglich gehalten, vorgestellt, auch befunden, dass, ob- 
wohl theils der härtesten dem eingelangten Bericht nach darunter, sie doch 
etwas „schmiediger" worden, sie nahmen aber dazumal alles ad referenduni, be- 
zeugten grossen Respect gegen Kf. und baten Dilation auf 4 Tage, damit sie 
die Sache recht überlegen und ihre Resolution zurückbringen könnten. Sie 
haben ihnen solclie endlich auch bis Freitag den 25. eingeräumt, mit dem aus- 
drücklichen Anhang, dass, wenn sie alsdann nicht zurückkommen und gewierige 
Erklärung nebst einigen aus der Bürgerschaft mit sich bringen würden, sie das 
nothwendig zu Werk richten müssten, was ihnen anbefohlen. 

Gestern Freitag stellten sich jene wieder ein, brachten 9 Personen aus der 
Bürgerschaft mit sich und erklärten, dass sie bereit wären, salvis privilegiis die 
Huldigung nach der Formul von a. 1579 abzulegen, weil aber das Anmuthen 
wegen der Garnison ausdrücklich wider ihre Privilegia und das Instrumentum 
wäre, auch Kf. sie vordem so fest sincerieren lassen, dass er ausser der Huldi- 
gung nichts prätendierte, so wollten sie hoffen und bitten, man würde mit Ein- 
nehmung der Garnison in sie nicht dringen. Sie haben sich darauf wegen der 
Huldigung nicht einlassen noch ihr Erbieten annehmen wollen, ehe der andere 
Punkt wegen der Garnison seine vollkommene Richtigkeit hätte; sie haben das, 
was der. Rath von ihren Rechten vorgebracht, widerlegt, dann die Bürger an- 
geredet, ihnen des Kf. Intention und des Rathes Gomportement dargelegt und 
dabei dergleichen Anführungen und Contestationen gebraucht, die, wie sie wissen, 
das Volk am meisten bewegen, und ob jene gleich im Anfang durch einen ihres 
Mittels anzeigen Hessen, dass, was der Rath vorgebracht, der ganzen Bürger- 
schaft Meinung wäre, so sind doch endlich und nach geschehener nachdrück- 



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Verhandlungen zu Wanzleben. 35 

lieber, doch ganz gütiger Remonstration*) die Gemüther Zusehens in etwas ge- 
ändert, einer und der andere zu ihnen getreten, von seiner Devotion gegen Kf. 
contestiert und gebeten. Sie haben ihnen darauf weiter ganz vertraulich zuge- 
sprochen, dabei deutlich angezeigt, dass die Huldigung und Einnehmung der 
Garnison nicht zu trennen, dass nicht die ganze Last des Unterhalts auf die 
Bürgerschaft kommen, ihre Nahrung nicht geschmälert werden, sondern Kf. für 
das Beste der Stadt sorgen werde. Denen von dem Rath haben sie auch zu- 
gesprochen und sie darauf hingewiesen, welche schwere Verantwortung sie auf 
dem Halse hätten. Sie haben mit ihnen bis Abends um 9 Uhr zu thun gehabt, 
so dass jene auch die Nacht hier bleiben mussten. Es ward ihnen ziemlich 
warm und sie baten Dilation bis auf Montag, damit sie wegen der Garnison 
rechte Resolution bringen könnten; sie hofften, Kf. werde dieselbe nicht so 
pure begehren, sondern einige conditiones dabei zulassen, zumal da er früher 
nie ihnen dergleichen Anmuthung gethan. Sie aber haben erwidert, das wäre 
ihre Schuld, da sie früher nicht gehuldigt hätten, die Garnison mussten sie an- 
nehmen, und könnten sie dieselbe nicht conditionieren lassen, Dilation könnte 
ihnen nicht mehr verstattet werden, weil die Armee in der Nähe und auf die 
Weise nicht länger stehen könnte. Darauf sagten jene, man müsste ja wissen, 
wie stark die Garnison und von wo die Unterhaltung derselben herzunehmen, 
was es für ein Commendant sein und wie es mit den Schlüsseln gehalten wer- 
den sollte, ob auch der Rath bei seiner Administration und Rechten und die 
Syndici und andere bei ihren Freiheiten bleiben sollten, an wen sie sich halten 
sollten, wenn sie zwei Herren bekämen, würde einer sie zum andern weisen 
und sie dergestalt trostlos bleiben, ob nicht die Garnison mixtum sein und die 
Stadt mit daran participieren könnte. Sie haben erwidert, wegen der Garnison 
wollten sie mit dem Feldmarschall reden, sie meinten, es würden 1000 Mann 
genug sein. Kf. würde schon einen Commendanten setzen, mit dem sie zufrie- 
den sein könnten; Kf. und der Administrator würden den Rath bei seiner Ad- 
ministration und dessen Consulenten und Diener bei ihrer Freiheit und Recht 
lassen ; die Besatzung könnte keineswegs von dem Rath dependieren, der Com- 
mendant aber sollte wohl dem Rathe in die Hand versprechen, für die Stadt 
und der Bürgerschaft Wohlfahrt mit zu sorgen und dieselbe gegen alle unbillige 
Gewalt zu defendieren, sonst aber sich in der Stadt Wesen nicht zu mischen. 
Sie hätten sich an Kf. sowohl als an den Administrator zu halten und sich zu 
Kf. alles Schutzes zu versehen, Kf. werde den Administrator bei dem exercitio 
der landesfiirstlichen Hoheit unbeeinträchtigt lassen. 

Sie hoffen soviel erreicht zu haben, dass die neun anwesenden Bürger da- 
hin disponiert worden sind, den übrigen in der Stadt gute Relation abzustatten. 
Auf ihr flehentliches Bitten haben sie denselben endlich bis morgen, Sonntag, 

*) Nach dem Bericht v. Kattes und Dürfeids an den Administrator vom 26. Mai/ 
O.Juni erklarte Jena, man Hesse ihre vorgebrachte Entschuldigung dahin gestellt 
sein, müsste aber glauben, dass der Rath wenn nicht directo, doch per indirectum 
sie von ihrer Pflicht abgehalten und sich mit allen Kräften bemüht, sich zu einer 
Heichsätadt auf zu werfen. 

3* 



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36 T. Die Unterwerfung: von Magdeburg. 1666. 

Nachmittag, Bedenkzeit gegeben und sie werden sich dann nach Kloster Bergen 
vor Magdeburg begeben, damit auf allen Fall die von der Stadt sobald wieder 
herein können und sie Gewissheit erlangen, ob die Sache in der Güte zu heben 
oder ob die Schärfe vorzunehmen. 



Instruction für die Magdeburgischen Abgeordneten^). 
D. 27. Mai/[6. Juni] 1666. 

G.Juni. Sie sollen sich noch heute nach Kloster Berge begeben und sich gegen 

die Abgesandten des Kf. und Administrators herauslassen, dass Rath und Bürger- 
schaft die angebotene Huld und Gnade mit nnterthänigstem Dank acceptierten 
und hofften, es würden die Reversalen, wie sie dieselben eingerichtet, beliebt 
werden, sie wären gewillt, die Besatzung einzunehmen, lebten aber des gehor- 
samen Vertrauens, Kf. würde, wann die Gefahr und Ursache, warum die Be- 
satzung etwa erfordert werden möchte, sich geleget und cessierte, dem Rathe 
nnd der Stadt wieder ihr eigenes praesidium gönnen und die Besatzung abführen 
lassen. Und weil der Garnison und anderer Punkte halber auf der Abgesandten 
Zulassen eine Punctation gemacht, so sollen sie diese überreichen, darauf ge- 
wierige Erkläning in versicherter Form verlangen und bitten, dass Rath und 
Bürgerschaft ihrer weiteren etwaigen Beschwerden halber, die wegen Enge der 
Zeit und in so geschwinder Eile nicht erinnert werden können, ffirders gehört 
würden. Was etwa bei dem einen oder anderen Punkt oder sonst vorkommen 
und etwa femer einzuwenden sein sollte, werden sie pro re nata mit gutem 
Glimpf beobachten. 



V. Platen und v. Jena an den Kurfürsten. D. Kloster Berge 
in höchster Eil den 17. Mai/[6. Juni] Abends um 11 Uhr 1666. 

[Abschluss des Vergleiches.] 
G. Juni. — Heute haben wir uns alhier wieder der genommenen Abrede nach 

mit ihnen zusammengethan und hat Gott der Allmächtige Ew. Ch. D. 
consilia dergestalt gnädigst gesegnet, dass wir morgen, geliebt es Gott, 
den Vergleich in das reine bringen und vollziehen, übermorgen aber 
darauf die Garnison einziehen wird. Gott hat auch dabei ferner die 
Gnade gegeben, dass die Devotion vor Ew. Ch. D. über die Maassen 
gross und dass wir Mühe gehabt ihnen zuzureden, die Huldigung auch 
an des H. Administratoris F. D. zu thun. Die Leute sollten mehr ver- 
gnüget sein, wann Ew. Ch. D. mit ihnen ohne Zuthun des H. Admi- 
nistratoris F. D. handeln lassen , gestalt wir dann auch mit denen Hal- 

1) Magdeb. Stadt-Archiv. 



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Verhandlung^en zu Kloster Berge. 37 

lischen wegen der Garnison und derselben Unterhalt halber viel zu thun 
gehabt, auch desshalb noch nicht mit ihnen richtig, gleichwohl dieser 
Ursachen wegen den Marsch nicht aufhalten wollen, die Huldigung hoffen 
wir soll, wills Gott, auf den Donnerstag über vierzehn Tage geschehen. 
— Ew. Ch. D. gratuliren wir zu dieser abermaligen glücklichsten Expe- 
dition und dass der Allerhöchste der Leute Herzen dergestalt regiret, 
ehe sie die Armee und Macht gesehen, von Grund unserer Seelen. — 
Die Stadt giebt zur Garnison monatlich 1200 Thaler und zu soviel haben 
namens Ew. Ch. D. wir uns auch erboten, die Hallischen aber können 
sich noch nicht finden'). 



Aus den Magdeburgischen Raths-Protokollen. 

28. Mai/[7. Juni] 1666. In Gegenwart des Ausschusses sowie der Viertelherren 7. Juni, 
und Deputierten aus den Vierteln wird die Relation erstattet, darauf ihnen an- 
gedeutet, dass die consilia nicht könnten so weitläufig tractiert werden, und würde 
demnach von dem Rath und den Ständen des Ausschusses die Sache zu be- 
handeln sein, und sind die Deputierte damit deputiert. Die Viertelherren er- 
innerten dabei, dass Johann Lente nomine der Bärgerschaft bei der Handlung 
bleiben möchte, es ist ihnen aber Remonstration gethan, dass solches nicht sein 
könnte, und waren die Stände damit einig. Ferner wird beliebt, die Abge- 
ordneten des Rathes und Ausschusses sollten wieder nach Kloster Berge reisen 

und die Behandlung thun, weil auch' der H. Feldmarschall Sparre herein- 
kommen würde, solle derselbe beneventiret werden. 

29. Mai/[8. Juni] 1666. Die Abgesandten thaten fernere Relation, und weil sie 8. Juni, 
um 9 wieder nach Kloster Berge beschieden, so ist beliebt, dass sie im Namen 
Gottes sich dahin verfügen und die Handlung zum Schluss befördern mögen. 

Eodem hora 12. Der präsidierende Bürgermeister 0. v. Guericke re- 
feriert, dass der Generalquartiermeister begehre 1) einen Ort, wo das Regiment 
sich stellen sollte, 2) wo er den Proviant empfangen würde, 3) Einräumung 
eines Thores begehrt, denn es müsste an Kf. heute geschrieben werden, darbel 

^) Nach dem Bericht v. Kattes und Dürfeids an den Administrator vom 
26. Mai/[5. Juni] haben dieselben schon an diesem Tage darüber einerseits mit den 
K. Brandenburgischen, andererseits mit den anwesenden Landständen verhandelt, erstere 
verlangten, die Stadt sollte monatlich LöOO, die Landschaft 2000 und Kf. 500 Rthlr. 
zum Unterhalt der Garnison geben, die Landstände wollten sich aber nur zu 1000 
Rthlr. verstehen, suchten auch mit v. Platen und Jena direct zu verhandeln, die 
ihnen aber erklärten, sie hätten mit den Ständen nichts zu thun, sondern nur mit 
dem »Administrator zu tractieren, derselbe würde deswegen schon Verordnung machen. 
— Am 27. Mai/[6. Juni] melden dieselben, die Stadt solle 1200 Rthlr. geben, die Bran- 
denburgischen wollten 1000 Rthlr. übernehmen, die Stände aber sich nicht zu mehr 
als 1000 erklären, die Brandenburgischen drängen hart auf sie, sich zulänglicher zu 
erklären, und sie hätten deswegen grosse Beschwerlichkeit. 



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38 I- t)ie Unterwerfang von Magdeburg. 1666. 

solches zu advertieren, H. Bürgermeister Rosen stock hätte aber sagen lassen, 
dass der Revers noch nicht unterschrieben, darum mit der Einräumung des 
Thores noch einzuhalten. Darauf aber kam Kämmerer Sclimid herein, be- 
richtete, H. V. Jena hätte den Vergleich ihnen zugeschickt, welchen sie durch- 
gelesen und richtig befunden, hätte auch versprochen, dass er mundiert, unter- 
schrieben und alles gehalten werden solle, inzwischen wären sie wieder herein- 
gekommen mit dem Verlass, um 1 Uhr wieder dranssen zu sein. Weil Obrist 
Schmid jetzt bei dem Regiment vor dem Thor, meinten sie, dass er herein- 
genöthigt werden möchte, damit sie mit ihm reden könnten, welches beliebet, 
ferner wird beliebet, 1) dass das Regiment in die Neustadt geführt, 2) daselbst 
2000 Pfund Brot und 7 Fass Bier geliefert werden sollen, 3) die Einräumung 
des Thors könnte auch geschehen, wenn der Recess vollzogen. 

Eod. circa horam sextam vespertinam kamen die Abgeordneten 
wieder anhero und berichteten, dass der Recess nunmehr expedieret und eine 
Versicherung von den K. brandenburgischen Abgesandten der Stapelgerechtigkeit 
halber ausgereicht, und ist hierauf beliebet worden, dass das Kröckentho^ ihnen 
eingeräumt werden solle, was auch geschehen. Und weil verlauten wollen, der 
Herzog von Holstein*) sollte dahin bedacht sein, Gouverneur in der Festung 
hier zu werden, solches aber der Stadt beschwerlich fallen möchte, wurde sol- 
ches durch eine Supplik zu declinieren sein, welche auch abzufassen befohlen. 



V. Sparr^) an den Kurfürsten. D. Ottersleben 
30. Mai/ [9. Juni] 1666. 

[Abschluss des Vergleichs. Einzug der Besatzung. Bitte um weitere Verhaltungs- 
befehle.] 

9. Juni. Ew. Ch. D. berichte hiermit unterthänigst, dass wir den 28. Mai st. v. 

uns mit der Stadt Magdeburg auf so^phe Weise in der Güte verglichen, 

*) Herzog August von Holstein-Plon, Generalwachtmeister und Oberst 
eines Infanterieregiments, vgl. über denselben ürk. u. Act. XI. S. 296, v. Mülver- 
stedt, Die brandenb. Kriegsmacht unter dem Gr. Kurfürsten S. 250, Liebe Id in 
Zeitschr. für Schleswig-Holstein-Lauenb. Gesch. XVIII. S. 269ff. — Kf. erwidert deta- 
selben (d. Cleve 6./ 16. Juni 1666) auf ein Schreiben vom 27. Mai, er entsinne sich 
seines ihm gegebenen Versprechens, wolle es erfüllen und habe deswegen an G.-Feldm. 
Sparr Ordre ertheilt. In der an v. Sparr sowie an v. Platen und Jena ertheilten 
Ordre (d. Cleve 12. Juni 1666) betreffs Reduction der Armee (s. Hirsch in Hist. Zeit- 
schr. N. F. XVII. S. 270) verfügt Kf., das Schmidsche Regiment solle wieder in die 
Mark in seine früheren Garnisonen zurückkehren, das Ilolsteinsche aber als Besatzung 
in Magdeburg bleiben, woselbst er dem Herzog von Holstein das Gouvernement ver- 
sprochen, Oberst Schmid solle daneben Commandant in der Stadt sein. 

2) V. Katte und Dürfeid melden (d. Magdeb. 29. Mai/[8. Juni] 1G66\ sie iiiitten 
mit V. Platen und Jena wegen des Abzuges der Armee gesprochen, hatten sich 
beute früh auch in das Hauptquartier nach Gr.-Ottersleben begeben und v. Sparr 



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Vergleich mit Magdeburg. 39 

wie es Ew. Ch. D. selbst begehret, und ist des Obristen Schmidts Re- 
giment den 29. zur Besatzung hineinmarschieret, allermaassen Ew. Ch. D. 
mir zu Cleve — anbefohlen. Ich wollte gerne alsofort die Lista über- 
schicket haben, was an Canons, auch Kraut und Loth darin vorhanden, 
es ist mir aber die Zeit zu kurz gefallen und soll demnach dieselbe mit 
nächster Post erfolgen. ■— Weil auch hier weiter nichts zu thun und 
des H. Administratoris F. D. uns nach geschehener Huldigung, welche 
etwan 14 Tage anstehen dürfte, keine weitere Quartiere verstatten wollen, 
ich aber ohne Ew. Ch. D. expressen Befehl mich nichts unterstehen darf, 
so wollen Ew. Ch. D. mir gnädigst anbefehlen, wie ich mich weiter zu 
verhalten. — 



V. Platen und v. Jena an den Kurfürsten. D. Kloster Berge 
vor Magdeburg 30. Mai/[9. Juni] 1666. 

[Der Vergleich mit Magdeburg. Einzug der Besatzung. Die Stapelgerechtigkeit.] 

Sie übersenden die Vergleichspuncta ') und bitten, dieselben zu ratificieren. 9. Juni. 
Die Garnison sollte schon gestern einziehen, weil aber unmöglich fiel wegen 
Enge der Zeit alles, was nöthig, einzurichten, so haben sie nur das eine 
.Thor und die dazugehörige Post mit zwei Fahnen Fussvolk besetzen, die übrigen 
aber in die Neustadt logieren lassen. Jetzt gehen sie hin, nm*^) den Comman- 



dazu zu bewegen gesucht, aber vergebens, derselbe hätte erklärt, keine Ordre dazu 
zu haben. Administrator August erwidert ihnen darauf (d. Halle 30. Mai/ [9. Juni] 
1666), er sei darüber sehr verwundert, da doch hier verabredet worden sei, dass nach 
Accommodierung der Stadt binnen 8 Tagen längstens der Abmarsch erfolgen solle, 
und weist sie an, dort zu bleiben und sich zu bemühen, dass das Land von der un- 
erträglichen Last der Einquartierung befreit werde: am l./ll. Juni schreibt er an 
Kf., beklagt sich, dass die Armee noch nicht abfgefGhrt sei, und bittet, sofort Ordre 
dazu zu ertheilen. (Magdeb. Staats-Archiv.) 

*) Der Vertrag von Kloster Berge vom 28. Mai /7. Juni 1G66, abgedruckt bei 
Hoff mann, Gesch. der Stadt Magdeburg III. S. 289if. (2. Aufl. II. 284 ff ). Inhalts- 
angabe bei Rathmann IV. S. 262ff., v. Mörner S. 283fr. 

-) V. Katte und Dürfeid melden dem Administrator («1. Kloster Berge 31. Mai/ 
[10. Juni 1666]), gestern habe die Vereidigung des Schmid'schen Regiments auf dem 
Neuen Markt und darauf des Obersten selbst in der Capitelstube stattgefunden, dann seien 
sie nach dem Rathhause gefahren, wo Obrist Schmid dem Bürgermeister Gericke 
die Hand gegeben und versichert habe, dass er die commercia der Stadt nicht hin- 
dern, sondern befördern wolle. Gegen ihren Vorschlag, die Huldigung auf den 
8./18. Juni anzusetzen, hätten v. Platen und Jena eingewendet, es wurde ihnen 
sowohl als auch der Stadt ungelegen fallen; da dieselben erklärten, die Abführung der 
Truppen könnte doch nicht vor Eintreffen der Ordre des Kf. erfolgen, und den 
14./24. Juni für die Hul(Jigung vorschlugen, und da auch der Rath darum bat, so 
hätten sie einwilligen müssen. Wegen der Verpflegung der Garnison hätten sie sich 



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40 I- I)ie Unterwerfung von Magdeburg. 1666. 

danten, welchen der Feldmarschall auf des Kf. Specialbefehl bestellt hat, und 
mit dem die Stadt und Bürgerschaft sehr wohl zufrieden sein soll, in des Kf. 
und des Administrators Eid und Pflicht zu nehmen und darauf sofort die völlige 
Garnison in die Stadt marschieren zu lassen. Die Huldigung wird wohl Donners- 
tag über 14 Tage vor sich gehen, die Magdeburger sind jetzt dazu jedesmal 
bereit und würden freudiger sein, wenn sie nur dem Kf. allein schwören sollten. 
Ueber ihre Niederlage oder Staffelgerechtigkeit haben sie ihnen beikommende 
Versicherung*) ausgestellt und zwar um so mehr, weil die Herren Hallischen 
die Magdeburgische Staffelgerechtigkeit aus dieser Ursach gerne zernichtet sehen, 
damit sie zu Burg eine anrichten und behaupten möchten, welches doch ohne 
Zweifel nicht allein der Stadt Magdeburg, sondern auch dem Kf. und dessen 
Landen zum höchsten präjudicieren würde. Sie bitten Kf., auch diese Ver- 
sicherung zu ratificieren, die Hallischen haben deswegen difficultiert, sonst wäre 
es zugleich mit unter die Accordspuncta gekommen. Die Landschaft des Her- 
zogthums Magdeburg hätte wohl lieber gesehen, dass die Stadt mit Gewalt 
bezwungen und zu Grunde gerichtet wäre, sie aber danken Gott, dass Kf. ohne 
Blut und Weiterung die Stadt zum Gehorsam gebracht hat. 



Gerhardt Jan v. Ledebiir an den Kurfürsten. D. Peters- 
hagen 31. Mai/[10. Juni] a. 1666. 

[Bericht über seine Reise zu den braunschweigischen Herzogen.] 

10. Juni. Er ist, nachdem er von des Kf. Käthen in Halberstadt seine Instruction 2) 

und die Creditive an die Herzoge zu Wolffenbüttel, Zelle und Hannover em- 
pfangen, am 23. Mai zunächst nach Wolffenbüttel gereist, hat dort am folgenden 
Tage, nachdem der Herzog sich wegen Krankheit entschuldigt, mit dessen Käthen 
Harenberg und Heimburg conferiert und am nächsten Tage von diesen 
die Kesolution erhalten, dass der Herzog dem Kf. wie sonst so auch diesfalls 
alle Dienste und Freundschaft zu erweisen willig wäre, da aber in dergleichen 
Fällen die consilia immer comfcunicato consilio von dem ganzen Hause gefasst 
würden und eben auf den 28. Mai eine Zusammenkunft zu Braunschweig ^) an- 
vorläufig dahin verglichen, dass die Landschaft 1200 Rthlr. monatlich dazu beitragen 
sollte. (Magdeb. Staats-Archiv.) 

1) d. Kloster Berge 29. Mai/[8. Juni] 1666, vgl. oben S. 38. Die Ratification des 
Kf. d. Gleve 16. Juni 1666. 

■) In derselben (d. Halberstadt 22. Mai /[l. Juni] 1666) wird er angewiesen, den 
braunschw. Herzogen anzuzeigen, Kf. und der Administrator hätten sich entschlossen, 
noch einmal die Stadt Magdeburg durch gütliche Mittel zur Submission anzumahnen 
und dieselbe ihrer Privilegien zu versichern, sollte dieselbe aber bei ihrer Widersetz- 
lichkeit verharren, Gewalt anzuwenden, Kf. bäte die Herzoge, sich davon keine widrige 
impressiones machen zu lassen, die Stadt zur Leistung der Schuldigkeit zu vermahnen 
und, im Falle es zu den Extremitäten kommen sollte, ihn zu unterstutzen, auch ihre 
Gesandten in Regensburg dem entsprechend zu instruieren. 

■■') S. Köcher, Gesch. von Hannover und Braunschweig I. S. 465 flf. 



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Sendung v. Ledeburs an die braunschweigischen Herzoge. 4 t 

gesetzt wäre, so sollte von dort aus die Erklärung im Namen des ganzen Hauses 
dem Kf. zugesandt werden. Unterdessen wollten sie nicht unterlassen, an die 
Stadt Magdeburg ernstliche Ermahnungsschreiben zum Accommodement und 
Submission abgehen zu lassen, sie wünschten, die kaiserliche Coramission wäre, 
bevor es zu dieser Execution gekommen, vorgenommen worden, da sie fürch- 
teten, dass die Krone Schweden dieses zum Exempel nehmen und der Stadt 
Bremen nicht ohne sonderlichen Nachtheil des Niedersächsischen und West- 
fölischen Kreises sich zu bemächtigen desto mehr Anlass bekommen würde. 
Der Schwedische Abgesandte Kley') sei vorigen Tages bei ihnen gewesen und 
hätte gesagt, Kf. hätte sich erklärt, dass er ihr Dessein mit Bremen nicht hin- 
dern wolle und der Meinung wäre, die Stadt müsste das praedicatura imme- 
dietatis fahren lassen, welches sie nicht glauben könnten. 

Nachdem er mit solcher dilatorischen Antwort abgefertigt, ist er nach Zelle 
gegangen, ist aber auch nicht vom Herzog Georg Wilhelm selbst, ebenfalls 
wegen Krankheit, sondern von dessen Präsident und Marschall*) angenommen, 
mit gleicher Resolution versehen und abgefertigt worden. Den Bischof von Osna- 
brück und Graf Wal deck hat er nicht dort angetroffen, letzterem aber des 
Kf. Schreiben nach seinem Quartier bei Nienburg zugesandt. Darauf ist er nach 
Hannover gereist und hat am 28. Mai bei Herzog Johann Friedrich Audienz 
gehabt, derselbe erwiderte auf seinen Vortrag, er freue sich, dass Kf. an ihn 
noch dächte und ihm seine Intention wegen Magdeburg habe notificieren lassen, 
er wolle die Stadt zur Submission ermahnen lassen, und weil zu Braunschweig 
jetzt wegen des Interesse des ganzen fürstl. Hauses conferiert würde, so solle 
diesfalls auch die communicatio geschehen und alsdann die resolutio dem Kf. 
zugesandt werden. Damit ist er abgefertigt worden, am folgenden Tage ist der 
Herzog zu seinem Bruder nach Osnabrück gereist'). 

*) S. unten Abschn. 2. 

") V. Bülow und v. Grapendorf. 

3) V. Ledebur meldet dem Kf. (d. Bielefeld 13 /23. Juni 1666), auf den ihm 
durch Meinders zugegangenen Befehl habe er sich zu dem Bischof von Osnabrück 
nach Pyrmont begeben und dort seinen Auftrag ausgerichtet, der Bischof habe sich 
für die Anzeige bedankt und seinen Glückwunsch, dass die Sache so glücklich ge- 
endet, ausgesprochen, ebenso die dort anwesenden Graf Waldeck und Herzog Ru- 
dolf August von Wolffenbüttel. Herzog Georg Wilhelm meldet in seinem Glück- 
wunschschreiben auf die Anzeige des Kf. von der Unterwerfung der Stadt (d. Cleve 
22. Juni 1666), die zu Braunschweig versammelten Räthe hätten schon Schreiben an 
die Stadt und an Kf. abgefasst gehabt, da aber gleich damals Nachricht von dem 
gütlichen Accommodement eingelaufen, so seien dieselben nicht abgeschickt worden. 



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42 !• I^ie Unterwerfung von Magdeburg. 1666. 

Der Kurfürst an den Feldmarschall v. Sparr. D. Cleff 
12. Juni 1666. 

[Verstärkung der Befestigungen von Magdeburg.] 
1*2. Juni. Weil wir dasjenige, was zu Conservation und Sicherheit des Orts 

von nöthen ist, Eurer Dexterität und Sorgfalt anheimgestellet sein lassen, 
als werdet Ihr darunter alles gebührend an/Aiordnen und insonderheit die 
Anstalt zu machen wissen, damit') die Fortification in guten Stand ge- 
setzet und was schadhaft oder zerfallen ist, nach Notturft repariret wer- 
den möge. Insonderheit hielten wir von nöthen, dass die Zollschanze 
wieder fortificiret, auch das dagegen über liegende Thor wohl verwahret 
würde, welches wir jedoch Eurem Gutfinden, auf was Weise Ihr solches 
zu verordnen,- anheira gestellet sein lassen, wie Ihr dann auch mit un- 
serm G.-Comm. Platen wegen Anrichtuug eines Magazins zu reden und 
desfalls benöthigte Anstalt zu machen, nicht weniger auch den Ort mit 
Notturft an Munition und Gewehr versehen zu lassen. — - 



Otto V. Guericke^) an den Kurfürsten. D. Hamburg 
2./12, Juni 1666. 

[Die Vorgänge in Magdeburg.] 
12. Juui. Glückwunsch zur Besetzung von Magdeburg. 

Betreffende hienechst die eigentliche Bewandnis, wie diese Sache 
succediret, so vernehme, dass Ew. Ch. D. an die Stadt gethane gnädigste 
Gesinnen der Magistrat alda nicht allein mit dem Ausschuss der Bur- 
gerey, sondern auch mit allen 9 Vierteln, worein die Bürgerschaft be- 
stehet, communiciret, reiflich überleget und tractiret hat, mein Vater hat 
im Senatu, als Director, das erste votum geführet, da er dann mit viel- 
fältige circumstantiis, manifestis rationibus, emergontiis und Motiven 
selbiges dergestalt unterbauen und das Werk also repraesentiren müssen, 
dass ihme nichts zu imputiren, darauf dann vollents der Magistrat und 
Ausschuss die Erbhuldigung in forma consueta zu thun sich rotunde 

') Ueber die damals in Magdeburg vorjjenommenen Befestigunpfsbauten s. Holz- 
apfel, Des Grossen Kurfürsten Festung.sbauten in Masfdeburg (Geschichtsblätter für 
Stadt und Land Magdeburg XV. (1880) S. 21,') ff.) 

*■') Der Sohn des Magdeburgisclien Bürgermeisters, seit 1663 Resident des Kf. 
beim Niodersächsischen Kreise in Hamburg. S. Hoff mann, Otto von Guericke, 
herausg. v. Opel S. 165. 



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Bericht 0. v. Guerickes jun. über die Vorgänge in Magdeburg. 43 

erkläret, hernachmals hat man mit den 9 Vierteln darüber sonderlich 
tractiret, als welche er uff die Innungshäuser und sonst zusammen kom- 
men lassen, in welches jedes ein Raths- und 2 Ausschussverwandte ge- 
schicket worden, die ihnen, was hierzu nöthig, vorgelesen, da dann die 
Burgerey sich mit dem ersten voto conformiret, aber die Besatzung, die 
Stadt damit gnädigst zu verschonen, uffs höchste vorzubitten begehret, 
welches also wiederumb an die höchst- und hochansehnliche Herrn Ge- 
sandten gebracht, auch aus jedem Viertel eine Persohn mit ihnen aus- 
geschicket worden, alleine dieselbe haben cathegoricam resolutionem, 
oder wieder davon ziehen und die Execution E. Ch. D. in der Nähe 
stehenden vortrefflichen milice übergeben wollen. Also seind der Stadt 
Abgefertigte wieder hineingezogen und hat sich der Rath und Ausschuss 
Dach langem Deliberiren und Überlegen auch zur Besatzung erkläret, 
sofort ihr conclusum den 5. Junii als am Tag Bonifacii st. n. an die 
ganze Burgerschaft uflFn Nachmittag umb 2 Uhr (nach vorigter Art) 
abgegeben, da zwart in vielen Vierteln gross Gemurmer entstanden, 
doch haben sie sich bedeuten lassen und endlich mit dem Rath und 
Ausschuss sich hierin auch conformiret, unter welcher Zeit man die 
Garnison im Gewehr stehende gehabt, dan man nicht wissen, was 
etwa vor innerliche motus und Tumult wider diesen oder jenen, nicht 
nach ihrem Willen votirenden, entstehen können, worauf sie in gesambt 
einige puncta aufgesetzet, so vorhero mit denen Herren Gesanten, ehe 
die Churfürstl. Garnison einzuziehen, abzuhandeln, mit welchen die De- 
putirten, nehmlich Burgermeister Rosenstock, der Stadt Consulent 
D. Koch und Kämmerer Schmidt (als vom Magistrat), dan Peter 
Kind und Pasche'Thomas (im Namen des Ausschusses) nebst andern 
Personen aus den Vierteln am Sonntage Exaudi umb 3 Uhr sich nach 
Kloster Berge zu die — Herrn Gesanten verfüget und die Punctation 
mit Ihnen überleget, welche erst in der Nacht umb 10 Uhr wieder in 
die Stadt zurücke gekommen. Solche ihre zurückbringende Relation nun 
zu vernehmen, hat man am 28. Maii st. vet. am Tage Wilhelmi den 
Rath, Ausschuss, Deputirte und Viertelspersonen umb 6 Uhr frühe wie- 
der zu Rathhause erfordern lassen, da sie über den halben Tag aber- 
mals beisahmen gewesen. Inzwischen die Leipziger Post von der abge- 
reiset, also dass davon, was ferner passiret ist, nicht weiter Nachricht 
bishero erhalten können. — 



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44 I. Die Unterwerfung von Magdeburg. 1666. 

Otto Wilhelm v. Berlepsch an den Kurfürsten. D. Magdeburg 

3./[13.]Juni 1666. 

[Bericht über seine Reise zu K.-Sachsen.] 

13. Juni. Nachdem ihm von des Kf. anhero abgeordneten Geheimen Käthen das 
Creditiv») an K.-Sachsen und seine Instruction übergeben worden, hat ersieh 
nach Torgau begeben, wo der Kurfürst an demselben Tage, 26. Mai, angekom- 
men, und ist er noch an demselben Abend zur Audienz aufgeholt worden. 
Nachdem er in seinem Vortrag demselben mitgetheilt, dass Kf. und der Ad- 
ministrator noch einmal in der Güte Magdeburg zu schuldiger Submission er- 
mahnen wollten, dass sie aber, wenn die Stadt auf ihrer Weigerung beharren 
würde, genöthigt sein würden, vermittelst der auf den Beinen habenden Miliz 
das Werk auf eine andere Art anzugreifen, Kf. bitte, der Kurfürst möchte dieses 
billige und rechtmässige Unternehmen secundiercn, hat der Kurfürst nach Dank- 
sagung auf die Curialien und Anerbieten zu aller freundnachbarlichen Will- 
fährigkeit sich auch in specie dahin erklärt, nicht allein bei diesem Werk mit 
seinem Rath, sondern auch mit seinen bei Händen habenden Völkern und mit 
einer guten Anzahl von schweren Stücken, wo es von nöthen sein sollte, zu 
assistieren. Allein w^ollte er erinnert haben, man möchte der Stadt nicht viel 
weitläuftige dilationes einräumen oder sich mit Tractaten amüsieren lassen, denn 
er könnte an dem kaiserlichen Gesandten v. Plettenberg wohl so viel merken, 
dass man sich am kaiserlichen Hofe gar bald mit mandatis würde vernehmen 
lassen, auch dabei nicht gar ungeme sehen, wenn sich die Herren Schweden 
der Stadt annehmen wollten. Als aber sofort hierauf von dem Administrator 
die Notification eingelaufen, dass man zu Kloster Bergen bereits zum völligen 
Schlüsse gekommen, ist der Kurfürst dessen nicht wejiig erfreut gewesen, wie 
sein eigenhändiges Recreditiv und Gratulationsschreiben'') solches mit mehrem 
contestieren wird. Auch aus der ihm erwiesenen Ehre hat er genugsam ver- 
spürt, dass die Notification sehr angenehm und das Dessein keineswegs zugegen 
gewesen. 

Andr. Neumann an den Kurfürsten. D. Wien 3./[13.] Juni 

1666. 

[Das Unternehmen gegen Magdeburg, Besorgnisse am kaiserlichen Hofe wegen einer 
Verständigung des Kf. mit Schweden] 

13. Juni. P. S. Auch — empfange ich — heute Ew. Ch. D. gnädigstes Re- 

script vom 12. Mali, sambt beigeschlossenem Original an Keyserl. 
May.'), die Intention wider die Stadt Magdeburg betreffend, und will ich 

d. Cleve 15./2r).Mai KiGG. 

'-') d. Torgau 30. Mai/ [9. Juni] 16GG. Kf. erwidert darauf in einem eigenhän- 
digen Dankschreiben (d. Cleve 23. Juni 1666). 

^) S. oben S. 19. Frühere Nachrichten über das Unternehmen des Kf. gegen 



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Berichte v. Berlepschs und Neumanns. 45 

dieses gebührend übergeben, auch bei den Keyserlichen Ministris Ew. 
Ch. D. hohe Befugnus aufs beste vorstellen und verhüten helfen, damit 
im Reichshofrath nichts widriges decretiret werde. Sonsten vernim 
ich so viel, dass einige diese Imprese nicht gern sehen und darvor 
halten wollen, es seie zwischen Ew. Ch. D. und der Cron Schweden 
ein gut Verstendnus wegen Bremen, diesen Ort hinübergehenzulassen, 
und dass man auch Magdeburg, als dem Böhmerland gelegen, wohl 
lieber der Zeit in statu quo sehen möchte. Wie nun was Bremen an- 
langt, man sich hier wohl abusiren möchte und nicht zu glauben, dass 
man im Niedersächsischen Kreise gern zugeben wolle, diesen vornehmen 
Ort, so vor ein alterum tantum des Herzogthumb Bremen zu halten, 
Frembden zu überlassen, also ist man gleichwol hier nicht wenig be- 
treten, was zu thun. Am verschienen Donnerstag ist der Courier Pan- 
cratz an den Herrn Baron de Geis spedirt, dass er alle officia ein- 
wenden solle, dieses dessein zu differiren. Im Reichshofrath ist noch 
nichts angebracht, auch ad protocollum rerum exhibitarum nichts kom- 
men, ist aber nicht zu zweifeln, die Magdeburger werden ihren recours 
hieher nehmen. Dass Ew. Ch. D. sich gnedigst entschlossen, den Reichs- 
hofrath mit einiger Discretion zu regaliren, solches will ich gehöriger 
Orten kundbar machen, und wird bei jetziger Conjunctur wohl zu statten 
kommen. — 



Andr. Neumann an den Kurfürsten. D. Wien 6./ 16. Juni 

1666. 

[Audienz beim Kaiser und dessen Ministern. Nachricht von der Unterwerfung Magde- 
burgs.] 

Er hat des Kf. Schreiben an den Kaiser diesem vorgestern in einer be- 16. Juni, 
sonderen Audienz überreicht, dabei zugleich die Nichtigkeit des erdichteten pri- 
vilegii Ottonis I. dargelegt und den Kaiser gegen Kf. wohl affectioniert gefun- 
den. Das Schreiben ist eben zur rechten Zeit gekommen, da die Magdeburger 
in höchster Stille praeveniendo sich angemeldet und auf ein protectorium ge- 
zielet, das man aber, bis Kf. auch Nacliricht geben würde, differiert hat. Er 
hat gleich nach der Audienz dem Fürsten Lobkowitz aufgewartet, der sehr 
gern vernahm, dass von Kf. Nachricht eingelangt, er hätte sich wohl einbilden 
können, dass man dieses Vorhaben ohne Notification nicht würde ins Werk 
setzen, der Kaiser würde sich durch keinen Respect von des Kf, Freundschaft 

Magdeburg hatte der Kaiser von Cleve her durch seinen Gesandten de Goess er- 
halten, s. dessen Relationen vom 14. April u. 15. Mai (ürk. u. Act. XIV. 1. S. 263. 270 f.) 



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46 I- t^Je Unterwerfung von Magdeburg. 1666. 

abwendig machen la><sen. Auch der R.-Vicekanzler hat sich sehr wohl er- 
wiesen, er sagte, er hätte sich wohl Rechnung machen können, dass es mit 
den Magdeburgern solche Endschaft nehmen würde, wobei zu verspüren war, 
dass nicht sowohl K.- Sachsen als dessen Minister diese Impresa nicht gerne 
sehen. Dem Grafen Nostiz hat Neumann remonstriert, das Interesse des 
Königreichs Böhmen erforderte mehr, dass dieser vornehme F^l])pass in befreun- 
deten Händen bliebe als quocnmque modo zu verhelfen, dass andere das Auge 
darauf richteten, welche ihr Intent, alle teutschc Seehäfen und vornehmste 
Flüsse direct oder indirect unter sich zu bringen, bisher nicht bergen können. 
Heute hat ihm bei Hofe der R.-Vicekanzler gesagt, dass die Magdeburger, 
wie er von dem K.-Sächsischen Residenten erfahren und auch Plettenberg 
gemeldet hätte, sich unterworfen hätten'). 



V. Sparr an den Kurfürsten. D. Ottersleben bei Magdeburg 
6./ [16.] Juni 1666. 

[Bielke's Anwesenheit in Maijdeburg.] 
Kl.Juni. — Ew. Ch. I). gn. Rescript vorn 10. Juni') st. n. habe ich well er- 

halten und daraus ersehen, was dieselbe mir wegen des Schwedischen Ab- 
gesandten gnädigst anbefohlen. Worauf deroselben ich berichte, dass der 
Herr Steen Bielke^) gestern incognito zu Magdeburg ankommen und 
der Obriste Schmid, sobald er dessen inne worden, sich zu demselben 
verfüget und ihme in Person aufgewartet und sofort eine Schildwache 
vor dessen Thür setzen lassen, da dann er, der Herr Bielke, dem 
Obristen Schmid einen Gruss vor mich aufgetragen und ihme zu er- 
kennen gegeben, dass er wünschte, mit mir bekannt zu werden. Sonsten 
hat gemeldter Steen Bielke seinen Wirth discursweise gefraget, wa- 
rumb die Stadt sich so leicht ergeben? und sich dabei vernehmen lassen, 
dass wenn sie sich nur etwas gehalten, sich bald würden Leute gefun- 
den haben, so sich ihrer angenommen, worauf der Wirth geantwortet, 
dass es nunmehr eine geschehene Sache, zu dem sei die Bürgerschaft 
froh, dass sie einmal einen beständigen Herrn bekommen. Dafern dieses 

*) Kf. weist (d. Cleve 16./26. Juni IGGG) Neu mann an, sich zu erkundigen, ob 
es wahr sei, dass der schwedische Gesandte Palbitzki in seinem Vortra^^e der Magde- 
burgischen Sache, als ob diis dort V'orireganjL^ene dem Instr. pacis sehr zuwider sei, 
erwähnt habe. N. berichtet darauf (d. Wien 4./ 14. August KUUJ), er habe davon nichts 
erfahren können, der R.-Vicekanzler wolle nichts davon wissen und Palbitzki 
selbst betheuere, seine Krone verlange mit Kf. in beständiger Freundschaft zu leben. 

'0 Fehlt in den Acten. 

3) Vgl. Mem. de Pomponne II. S. 106f. Auerbach, La diplomatie fran<^aise 
et la cour de Saxe S. 210 f. 



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ßielke in Magdeburg. 47 

nicht geschehen, würden sie noch allezoit in Furcht stehen und jederzeit 
grosser Anfechtung gewärtig sein. Gestern Nachmittage ist der Herr 
Steen Bielke von Magdeburg widerumb aufgebrochen, nimbt seinen 
Weg auf Halle, Dressden und dann ferner auf Wien. — 



G. V. Podewils an den Kurfürsten. D. Halberstadt 9./[19.] Juni 

1666. 

[Bericht über seine Reise zu Wrangel.] 

Nachdem er von des Kf. Abgesandten zu Wansleben 26. Mai/ 5. Juni an 19. Juni, 
den R.-Feldhemi Wrangel abgefertigt worden'), hat er sofort die Reise ange- 
treten und ist 30. Mai/ 9. Juni in Bremervörde angekommen. Wrangel erwi- 
derte auf seine Proposition, weil ihm bewusst. dass Kf. in seinen Actionen nichts 
anders als was billig und dem Instr. pacis gemäss, suchte, und das Magdebur- 
gische Wesen eine Sache wäre, die sie nichts anginge, wunsclite er dem Kf. 
einen glücklichen Ausgang zu allen seinen Vorhaben, er werde die Sache seinem 
Könige auf das beste recommendieren, auch an den Gesandten nach Reijensbarg 
schreiben, bat aber, Kf. möchte wiederum seinem Gesandten in Regensburg an- 
befehlen, ilnien in der Bremischen Sache behülflich zu sein, und bedankte sich 
für die gute Resolution, die Kf. dcsweL^en an den Präsidenten Kley ertheilt 
hätte*). Auch nach der Tafel sagte Wrangel, dass die procodure der Stadt 
Magdeburg ihnen zum guten Exempcl der Stadt Bremen dienen sollte, mit 
welcher sie nicht wolil könnten zur Richtigkeit kommen, doch hat er unter der 
Hand erfahren, dass die Tractaten schon auf friedlichem Schluss ständen, indem 
der Punkt Avegeu der Immedietät bis zum Regierungsantritt des Köni<^s ausge- 
stellt sei. 

Am anderen Tage hat er seine Abfertigung erhalten. 



V. SpaiT an den Kurfürsten. D. Hauptquartier bei Magdeburg 
13./[23.] Juni 1666. 

[Vorschläge für die Befestigung und Verproviantierung von Magdeburg. Anordnungen 
für den Einzug des Administrators und dessen Aufenthalt in der Stadt] 

Er hat mit seinem vorigen Schreiben ^) einen Abriss eingesendet , woraus 23. Juni. 
Kf. hat ersehen können, wie die Stadt inzwischen beschaffen und wie sie ins- 
künftige fortificiert werden könne. Jetzt schickt er einen anderen Abriss, der 

') Seine Instruction (d. Halberstadt 22. Mai /[I.Juni] 16G6) ist der für v. Le- 
debur ausgestellten (oben S. 40) ganz ähnlich. 

'0 S. unten Abschn. 2. 

') Fehlt in den Acten. Vgl. über diese Neubefestigungen in Magdeburg Holz- 
apfel a. a. 0. S. 222. 



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48 I- Die Unterwerfung von Magdeburg. 1666. 

Unterschied zwischen beiden besteht darin, dass in dem ersten die Werke ausser- 
halb der Stadt gelegt sind, zu solcher Arbeit aber wird lange Zeit gehören, 
und wenn die Stadt, ehe sie fertig, angegriffen werden sollte, so würden die 
unfertigen Werke nur schädlich sein. Nach dem zweiten Abriss sollen die Boll- 
werke an den alten Wall angeschlossen werden und könnte auf solche Weise, 
wenn nur alle Jahr ein Bollwerk verfertigt würde , die Stadt in 10 Jahren zu 
einer Realfestung gebracht werden. Kf. möge überlegen, ob die Citadelle zu- 
erst gebaut und ob dieselbe ober- oder unterhalb der Stadt gelegt und ob nicht 
sogleich zum Schutz der Brücke die viereckige Schanze über derselben angelegt 
werden solle'). Wenn ein paar halbe Carthaunen nebst ein paar 12 pfundigen 
Stücken und 16 — 24 eisernen Stücken, welche etwa 6 oder 8 Pfund schiessen, 
hineingeschafft würden, so würde die Stadt ziemlich versehen sein. Betreffend 
das Magazin würden für die gewöhnliche Garnison von 1200 Mann auf ein 
halbes Jahr 300 Wispel, für 4000 Mann aber, welche mindestens bei einer 
formalen Belagerung nötliig wären, 1000 Wispel erforderlich sein. An Munition 
würde für 4000 Mann und die Kanonen, die darin sind, wenigstens ein Vorrath 
von 2000 Centnern Pulver und ebensoviel Lunten nöthig sein. 

Heuren wird der H. Administrator von Halle seinen Einzug in Magde- 
burg halten niit 600 Pferden, Edelleuten und Edelleute Diener. Dagegen 
habe ich auch drei Regimenter — nebst dem H. G. -Wachtmeister 
Pfuehlen commendiret, unter dem Praetext, dass sie dem Fürsten zu 
Ehren den Einzug begleiten helfen sollen. So lange der Fürst drinnen 
bleibet, soll allemal ein Regiment ausserhalb am Thore die Wache 
haben. So werde ich auch die Thore also bewachen, dass wir derselben 
alzeit mächtig sein können, und verhoffe ich, dass Ew. Ch. D. auf solche 
Weise der Stadt woll versichert und ungefahret sein werden. — 



Fr. V. Jena an den Kurfürsten. D. Magdeburg 16. /[26.] Juni 

1666. 

[Verhandlungen wegen der Huldigung. Einzug des Administrators. Huldigung.] 

26. Juni. Am 12. und 13. Jnni hahen sie mit v. Katte wegen Einrichtung der Hul- 

digungsforrael conferiert. Obwohl sie demselben remonstrierten, dass nothwendig 
dem Administrator nach Anweisung dos Friedensschlusses bis einer von den 
darin enthaltenen Fällen entstünde, geschworen werden müsse, wollte er sich 
dazu doch nicht bequemen, sondern erklärte, sein Herr nehme sich dieses sehr 
zu Gemüthe und werde lieber zurückgehen als so die Huldigung einnehmen. 

') Kf. erwidert darauf (d. Cleff 23. Juni 1666), die Citadelle solle nach der Elbe 
wärts, wo die Stadt am schwächsten sei, angelegt werden. Womit anzufangen sei, über- 
lasse er Spans Ermessen, derselbe solle dafür sorgen, dass, was am nöthigsten sei, zu- 
erst gebaut, und im übrigen vorläufig die alten Festangswerke nur ausirebossert würden. 



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Der Einzug des Administrators in Magdeburg. 49 

Als sie aber bei ihrer Meinung bestanden und erklärten, sie würden nichts 
desto weniger des Kf. wegen die Huldigung vor sich gehen lassen, ist er am 
12. Abends spät zu dem Administrator gereist und am 13. zu rechter Zeit wie- 
der hierher zurückgekehrt, da dann die beiliegenden Eidesformeln^) abgefasst 
worden sind. 

Am 13. hielt der Administrator seinen Einzug-), sie nebst einem Theil der 
Generale des Kf. waren ihm entgegengefahren und geritten, G.-Major Pfuhl 
aber mit 1000 Pferden etwa auf eine Meile entgegengezogen. Da es sich etwas 
verspätete, so Hessen sie bei dem Administrator anfragen, wo sie demselben ihre 
Complimente ablegen sollten, worauf derselbe ihnen sagen Hess, es würde ihm 
lieber sein, wenn sie dies in der Stadt thäten. Darauf zog G.-Major Pfuhl 
mit seinen 1000 Pferden voran, dann folgten sie, darauf des Administrators 
Leibgarde z. Ross, darauf der Landadel, dann einige Cavaliere desselben, dann 
G.-Feldmarschall v. Sparr und G.-Lientenant Kannenberg, dann zwei Prinzen, 
dann Herzog Johann Georg von Mecklenburg und ein Prinz, darauf der 
Administrator in Begleitung von 12 Trabanten, dann dessen Hofcavalliere und die 
mit rothem Tuch bezogene Leibkutsche. Während des Einzuges wurden von 
den Wällen dreimal die Stücke gelöst und, nachdem der Administrator in das 
für ihn auf dem Domplatze bestellte Haus abgetreten, gaben die auf diesem 
Platz stehenden Truppen dreimal Salve. Sie machten dem Administrator vor 
dessen Gemach auf dem Saal ein kurzes Compliment und begaben sich dann 
sofort (es war fast 11 Uhr in der Nacht) in ihr Logement. 

Donnerstag den 14. begab sich der Administrator etwa um 10 Uhr in den 
Dom und Hess dort von seinem Hofprediger die Huldigungspredigt verrichten, 

^) Dieselben lauten: 

A. Wir Bürgermeistere, Rathmaone, wie auch Innungsmeister und alle Bürger 
gemein der Alten Stadt Magdeburg schworen dem Hochwürdigsten Durchlauchtigsten 
Hochgeborenen Fürsten und Herrn, Herrn Augusto, postulirten Administratori des 
Primat und Erzstifts Magdeburg, Herzogen 2u Sachsen — unseren gnädigsten lieben 
Herrn, bei Zeit dero dem Instrumento pacis nach führenden fürstlichen Regierung 
dieses Erzstiftes Magdeburg treu, hold und gehorsam zu sein, Seiner Fürstl. Durcbl. 
und deroselben Erzstifts Bestes zu thun und Schaden zu warnen, als getreue Unter- 
tbanen ihren rechten Herrn von Recht pflichtig sein. Als uns Gott helfe und sein 
beiliges Wort. 

B. Wir Bürgermeistere, Ratbmanne und alle Bürger gemein der Alten Stadt 
Magdeburg schwören nach Anweisung des Friedenschlusses in eventum dem Durch- 
lauchtigsten Fürsten und Herrn, Herrn Friederich Wilhelm, Markgrafen zu Bran- 
denburg, des heil. Rom. Reichs Ertz-Kämmerer und Churfürsten — unseren gnädigsten 
lieben Erbherrn und dessen Erben, Successoren und Nachkommen, Markgrafen und 
Churfürsten zu Brandenburg, treu, hold und gehorsam zu sein, Ihrer Churf. Durchl. 
und Deroselben Herzogthumb Magdeburg Bestes zu thun und Schaden zu warnen, als 
getreue Unterthanen ihren rechten natürlichen Erbherrn von Recht pflichtig seindt, 
als uns Gott helfe und sein heiliges Wort. 

»; Vergl. Theatr. Europ. X. S. 162f., Hoff mann, Gesch. der Stadt Magde- 
burg ni. S. 295 ff. (2. Aufl. II. S. 292). 

Mater, e. Gesch. d. ü. Kiirrürsieu. XII. 4 



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50 I- Diö Unterwerfung von Magdeburg. 1666. 

während sie nach der St Ulrichskirche fuhren, woD. Bötticher gleichfalls eine 
Huldigungspredigt hielt. Auf ihre Veranlassung hat der Rath Kf., dessen Gemahlin, 
Prinzen und ganzes Kurhaus in das Kirchengebet einschliessen lassen. Vor der 
Predigt waren dem Rath die Reversalen') und der von Kf. ratificierte Vergleich*) 
gegen Ausantwortung ihrer Reversalen zugestellt worden. Nach der Predigt um 
12 Uhr ritt der Administrator nach dem zur Huldigung bestimmten Platz, stieg auf 
die vor dem Wandschneiderhaus errichtete, mit rothem Tuch bekleidete Buhne 
und Hess sofort, ehe sie dazu kommen konnten, mit dem Vortrag den Anfang 
machen. Sie haben von den Fenstern des Wandschneiderhauses aus die Ab- 
leistung des £ides angehört, und nachdem der Administrator sich in dasselbe 
Haus begeben, haben sie sich auf die Bühne verfügt und haben für Kf. vom 
Rath und der ganzen Bürgerschaft die Erbhuldigung eingenommen. Auf dem 
Platz hielten 400 Reiter des Kf., welche mit dem Administrator zugleich dahin 
kamen, nach der Huldigung Hessen sich die Heerpauker und Trompeter so 
lange hören, bis sich (nach 3 Uhr) der Administrator von dem Wandschueider- 
haus nach seinem Quartier begab. Auf dem Wandschneiderhaus war von dem 
Rath eine lange Tafel mit köstlichem Confect zubereitet, an welcher sich der 
Administrator, die übrigen fürstlichen Personen und sie etwa eine halbe Stunde 
niederHessen. Der Administrator hatte Tags vorher sie und die Generale des 
Kf. nach der Huldigung zur Tafel einladen lassen, woselbst auch v. Platen, 
v. Sparr, Kannenberg und Pfuhl erschienen sind, während Jena sich 
entschuldigt hatte. Von des Kf. wegen waren auf dem Brauerhof zwei Tafeln 
zubereitet, an welchen des Kf. Christen, ObristHeutenants und andere Cavalliere 
nebst einigen aus dem Rath gespeist, wobei des Kf. Oberförster v. Mörner 
das Marschallamt versehen^). 

*) Darin versichert Kf.: „Dass wir sie (Rath und Bürgerschaft von Magdeburg) 
lassen sollen und wollen bei ihrem Rechte, bei ihrer Freiheit und bei ihrer Gerechtig- 
keit, die sie von alters gehabt haben bis an diesen Tag und nun noch darzu im 
Friedensschlüsse art. 11 § 9 Civitati vero Magdeburgensi sampt zugelegten territorio 
und was dem anhängig erlanget, und seilen ihnen halten ihre Handfeste und ihre 
Briefe, die sie von Ertzbiscbofen zu Magdeburg haben, und sollen sie auch verthetigen, 
beschirmen und ihnen bebüMich sein wider Fürsten und Herren und wider männig- 
lich zu ihren Rechten, wie ihnen das nöthig ist, als ein Herr seine liebe Manne und 
Untersassen verthetigen und ihnen helfen soll zu Recht.*' 

*) Die Ratification des Kf. ist datiert Cleve 6./[16.] Juni 1666. 
') In der Magdeburgischen Kämmerei-Rechnung von 166G findet sich folgender 
Titel : 

„Ausgabe von allerhand Verehrungen, so vor und bei der Huldijpfung aufgegangen : 
Dem Halliscben Fürstl. Trompeter, der zum allerersten mit Schreiben an 
£. E. lUith gesandt worden wegen der Huldigung, den 22. Mai .... 2 Rthlr. 

Sechs Brandenb. Constabeln 1 

Dem Ch.-brandenb. Kriegs-Secretario Gottfr. Preussen pro labore, so er 
bei den Huldigungstractaten und in Ausfertigung der desfals errich- 
teten Capitulation' gehabt, offeriret 30. Mai 100 

15. Junii 50 »- 



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Die Huldigung. 51 

Hans Katte an den Administrator. D. Cleve 26. Jnni/[6. Jnli] 

16660. 

[Beriebt über seine Verbandlungen mit dem Kf. und dessen Rätben.] 

Er ist am 16. von Halle abgereist and, nachdem er Tag und Nacht gereist, 6. Juli, 
am 23. früh in Cleve eingetroffen. Er hat gleich an demselben Vormittag 
Audienz bei Kf. gehabt; derselbe erwiderte auf seinen Vortrag, hetreffend den 
Herzog von Holstein wollte er eine Conferenz halten und zusehen, wie weit 
er dem Administrator willfahren konnte; wegen des Regiments erwähnte er, 
er hätte nicht gemeint, dass es demselben entgegen sein würde, dass das 
Holsteinische Regiment in die Stadt gelegt würde, worauf Katte antwortete, an- 
fanglich würde es dem Administrator wohl gefallen haben, nachdem es aber 
einmal mit dem Schmid'schen Regiment so weit gekommen, hielte er es nicht 
wohl für thunlich, es wäre ihm um die Consequenz zu thun. Kf. hehielt ihn 
dann zur Tafel bei sich, fing an von der Huldigung zu discurrieren , wie er 
schon vor 6 Jahren an diesem Werk gearheitet, sonderlich in Gewinnung der 
Burger, gedachte auch der Victorie der Holländer*). Nach der Tafel sprach 
Kf. dann noch mit ihm von dem Zustand des Landes, beim Abschied sagte er, 
er werde das bei der Audienz ihm überreichte Schreiben des Administrators 
durchsehen und überlegen. Am Sonntag Vormittag erschien H. v. Biumen- 
thal bei ihm, erklärte, es wäre dem Kf. leid, dass dem Administrator das dem 
Herzog von Holstein aufgetragene Gouvernement entgegen, er hätte solches 
nicht gemeint, sonst wäre er auf die Gedanken nicht gekommen, well er aber 



Des H. Feldmarscbalken Sparren Ezc. Trompetern verehret Sl.Maii . . 12 Rthlr. 
Dem H. Obristen u. Commendanten Schmieden zu Einrichtung seiner 

Hansbaltung. verehret 100 

Dem H. Feldmarschalken Sparren durch den H. Bürgermeister Rosen- 
stocken praesentiret 7. Junii alhier 500 

29. October p. M. Neuhausen 500 - 

Dem H. General- Auditeur Eberhard Hyöen offeriret 15. Junii .... 50 

Dem H. C. Ehr. v. J. 18. Junii 1000 - 

Dem H. C. L. v. P. eod 300 - 

Einem fiirnehmen Confidenten an den Churf. Brand. Hofe, der bei denen 
zu Cleve wegen gemeiner Stadt dieses Jahrs vorgewesenen Sollicita- 
tionen unsern Herrn Abgeordneten beirätig gewesen, offeriret den 

3. November 150 

und an späterer Stelle: „Einigem hohen Churf. Brandenb. ministro zu Er- 
langung dessen hohe Confidence wie auch Ihrer Churf. D. Hulde und 
Gnade gegen gemeine Stadt zu Grüningen überreichen lassen und 
offeriret den 1. November 400 

Magdeb. Staats-Archiv. 

') Die viertägige Seeschlacht zwischen den Engländern und Holländern an den 
Dünen IL— 14. Juni 1666. 

4* 



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62 I- I^Je Uüterwerfung von Magdeburg. 1666. 

noch nicht absehen könnte, was derselbe für Ursachen dazu hätte, so sollte er 
sich danach erkundigen. Katte setzte ihm nun die schon bei der Audienz 
vorgetragenen Grunde nochmals auseinander und, als Blumenthal dieselben 
nicht gelten lassen wollte, erklärte er, der Administrator wäre hierin anderer 
Gedanken, er möchte sich die Sache befohlen sein lassen. Nachmittags hatte 
er Audienz bei dem Fürsten von Anhalt und ersuchte diesen um Assistenz. 
Der Fürst sagte, Kf. hätte die Sache mit ihm besprochen und begehrt, mit ihm 
daraus zu reden. Kf. wünschte des Administrators Verlangen zu erfüllen, aber 
er hätte dem Herzog seine Parole gegeben, könnte daher nicht ohne Beschimpfung 
wieder zurück. Adm. möchte sich es doch gefallen lassen, der Herzog wäre 
ein Herr, der sich nach Wunsch accommodieren würde, die meiste Zeit würde 
er zu Hofe bei Kf. sein, er sollte sich auch mit einem Revers verwandt machen ; 
es geschehe nicht, um dem Administrator einen Eingriff zu thun ; wie würde es 
sich fugen, dass dessen Regiment in der Stadt liege und er davon gesondert, 
denn dieses müsste zur Garnison hinein. Im Vertrauen wollte er ihm sagen, 
es wäre von den Gesandten Verstössen worden, dieselben hätten alles vor ihrer 
Abreise wohl gewusst, der Kanzler Jena aber wäre dem Herrn entgegen, der 
Feldmarschall hätte es auch gewusst und in Zeiten Ordre gehabt, das Holstein- 
sche Regiment hineinzulegen, es wäre aber von anderen so gespielt worden, 
um dem Obristen Schmid ein Regiment zu Wege zu bringen, welches er doch 
sein Tag nicht erlangen würde. Administrator würde erkennen, dass nunmehr 
nichts weiter zu thun sei. Auf seine ferneren Remonstrationen erbot er sich 
nach Möglichkeit alles beizutragen, schlug vor, der Herzog möchte selbst nach 
Halle kommen, man könnte dann versuchen, ihn auf andere Gedanken zu 
bringen. Am 25. speiste H. v. Canstein mit ihm, mit dem er ausführlich 
über die Sache redete, derselbe erkannte zwar den Fehler und wie es endlich 
wohl zu ändern, gab aber schlechte Hoffnung, ebenso v. Blumen thal. Er 
will versuchen, noch eine Audienz bei Kf. zu erhalten, wiewohl er selbst mehr 
wünscht als hofft, weil der Herzog von Holstein alliier am Hofe einer Person 
versichert sein mag, bei der wohl das meiste besteht. 

Die Deputierten der Stände sind noch nicht angekommen. 



Hans Katte an den Administrator. D. Hall 5./[15.] Juli 

16660. 

[Weitere vergebliche Verhandlungen.] 

15. Juli. Er hat bei Kf. am 26. Juni eine neue Audienz gehabt. Auf seine Bitte um 

eine gewierige Antwort und nochmalige Vorstellungen erwiderte Kf., es wäre 
ihm nie in den Sinn gekommen, dem Administrator einen Eingriff zu thun, 
demselben schiene die Sache anders als sie wäre, er könnte sie daher wohl 
geschehen lassen, er wurde wohl zufrieden sein, wenn er seine Antwort und 
darin enthaltene rationes lesen würde, er meinte es in rechtem Ernst mit dem 

') Magdeb. Staats-Arcliiv. 



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Sendung v. Katte's zu Kf. 53 

Administrator, wollte es nicht allein gegen denselben, sondern auch gegen dessen 
Kinder in der That erweisen, er hätte neulich durch seine Gesandten den Ad- 
ministrator versichern lassen, wusste, dass es demselben Wohlgefallen, der Her- 
zog von Holstein sollte nicht den geringsten Eingriff thun und sich gegen den 
Administrator wie gegen ihn verreversieren, auch gar, wenn es begehrt würde, 
Pflicht ablegen, er wurde dahin nicht als ein Fürst, sondern als ein Gouverneur 
und Generallieutenant gesetzt. Als Katte trotzdem die Bitte erneuerte, Kf. 
möchte ihm willfahren, auch inzwischen die Ordre wegen des Herzogs und des 
Regimentes desselben nicht ergehen lassen, damit er vorher dem Administrator 
referieren könnte, meldete Kf.. er hätte die Völker an der Grenze wegen der 
Polen benöthigt, vertröstete dennoch auf weiteres Anhalten, solches in Acht zu 
haben. Weil eben der v. Asseburg mit dem Landsyndico angekommen, so 
that er gleich der Verpflegung Erwähnung, trug die Sache der Landschaft vor 
lind ersuchte um Ausmachung dieses Punktes. Kf. erklärte dieses auch für 
nöthig und forderte ihn auf zu bleiben, er wolle die Stände hören und mit 
ihnen eine Conferenz abhalten lassen, er gedachte dabei noch, welchen sonder- 
lichen Vortheil die Stadt jetzt erlangt, sie hätte früher für den Unterhalt der 
Garnison weit mehr thun müssen, kam dann auf die grosse Menge Getreides, 
welche in der Stadt jetzt sein sollte, und auf den Zoll. Auf Katte's Vor- 
stellung wegen der Instruction für den Commandanten erklärte er, seines Wissens 
wäre sie schon vollzogen und fortgesandt. Er wurde dann zur Tafel dort be- 
halten und erhielt nachher durch Ca n stein ein Schreiben des Kf. Am Abend 
kam Jena mit Bürgermeister Rosenstock und D. Koch an, letztere kamen 
am folgenden Tage, den 27., zu ihm und verlangten Nachricht wegen des 
Gouverneurs, worüber er ihnen aber noch keine Gewissheit berichten konnte. 
Diesen Morgen hatten die Deputierten der Landschaft bei Kf. und dem Fürsten 
von Anhalt Audienz, von welchen beiden sie gnädige Vertröstung erhielten. 
Um 8 Uhr Abends kam H. v. Schwerin mit den Prinzen wieder von Utrecht, 
dem er sein Creditiv zusandte, aber trotz vielfältigen Erinnems keine Antwort 
erhielt. Um 10 Uhr kam der Landsyndicus zu ihm und berichtete über eine 
Conferenz mit Jena, auf der sie aber wenig ausgerichtet. 

Da er weiter keine Hoffnung hatte, so suchte er diesen Morgen um eine 
Abschiedsaudienz bei Kf. nach, jedoch mit der Absicht, demselben noch einige 
Vorstellungen wegen des Gouvernements zu thun; nachdem er Mittags bei Fürst 
Moritz von Nassau gespeist, brachte ihm um halb 3 ein Laquai die Anzeige, 
dass die Kurfürstin eines jungen Prinzen genesen 0; auch Jena kam zu ihm, 
berichtete, er hätte mit Kf. über seine Sache geredet, der ihm geantwortet hätte, 
es hätte alles seine Richtigkeit. Als derselbe hörte, dass seine Expedition ganz 
fruchtlos abgegangen, temoignierte er einen sonderbaren regret und dass er sich 
dessen nicht versehen, er hätte heute nur wenig mit Kf. geredet und diesen 
dubieux gefunden, rieth ihm, beim Abschied noch eine Instanz zu thun. Ob- 
wohl ihm der Fürst von Anhalt melden Hess, dass keine Aenderung zu hoffen, 



1) Prinz Ludwig, geb. 8. Juli 1666, gest. 7. April 1687. 



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54 I* I^ie Unterwerfung von Magdeburg. 1666. 

hat er doch bei der Abschiedsaudienz bei Kf., zu der er um 9 Uhr geholt 
wurde, neue Vorstellungen gemacht, Kf. antwortete, er wollte bei Anwesenheit 
seiner R&the alles nochmals überlegen und ihm seine Resolution sofort werden 
lassen. Bald darauf Hess ihn Fürst Anhalt in sein Gemach rufen und theilte 
ihm mit, Kf. hätte sein Anbringen anderweit überlegt, könnte aber keine an- 
dere Resolution als vorher finden, seine parole wäre so oft engagiert, damit 
aber der Administrator sein frenndvetterliches Gemüth sehen sollte, so wäre er 
erbötig, sobald eine andere Occasion für den Herzog von Holstein sich er- 
eignete, denselben wieder fort zu nehmen, es würde dann aber ein anderer in 
die Stadt gesetzt werden müssen. 

Er ist noch an demselben Nachmittag abgereist und heute wieder hier an- 
gelangt. 



Der Kurfürst an den Administrator August. D. Cleve 5. Juli 

1666. 

[Rechtfertigung der Bestellung des Herzogs von Holstein zum Gouverneur von Magde- 
burg.] 

5. Juli. — I^^ ^^^^ sowohl aus Ew. Ld. an mich abgelassenen — Hand- 

schreiben als von dero an mich abgeschickten Hofrath Hanssen Ratten 
mit mehrem vernommen, welchergestalt Ew. Ld. etwas ungleich empfun- 
den, dass ich ohne fürhergegangene Communication mit deroselben des 
Herzogen von Holsteins Ld. das Gouvernement der Stadt Magdeburg 
conferiret und dieselbe dardurch gleichsamb Ew. Ld. an die Seite ge- 
setzet, mit angehängter freund vetterlicher Bitte, es bei dem angestellten 
Commendanten bewenden zu lassen und Ew. Ld. denen aufgerichteten 
Accordspunkten zuwider dergleichen Dinge nicht zuzumuthen. Nun 
können Ew. Ld. sich versichern, dass ich keine andere als diese bestän- 
dige Intention habe, mit derselben in aufrichtigem Vertrauen zu leben 
— Ew. Ld. werden auch aus meinen bisherigen Proceduren verhoffentlich 
nichts anders judiciren und mir 'das Zeugnuss geben, dass ich nicht 
weiniger für Ew. Ld. Respect und Interesse als mein eigenes gesorget, 
auch nichts in dieser Sache fürgenommen, welches nicht auch zu Ew. 
Ld. advantage und Nutzen mit gerichtet gewesen und woraus nicht vor- 
hero mit deroselben aufrichtig und offenherzig communiciret worden. 
Dannenhero mich dann nicht weinig befrembdet, dass meine Räthe und 
Bediente von dieser Sache Ew. Ld. nichts gemeldet haben sollen, welches 
ihnen doch in alle Wege obgelegen, anerwogen denselben meine desfalls 
gehabte Intention nicht unbekannt, worzu mich dann auch allerhand 
wichtige Ursachen bewogen. Dann anfanglich halte ich die Stadt Mag- 



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Rechtfertigung der Einsetzung des H. von Holstein zum Gouverneur von M. 55 

debarg von der Importanz, dass Dotbwendig das Gouvernement darin 
zwei Personen und hohen Officieren, deren einer als Gouverneur, der 
ander als Commendant den Ort beobachte, aufgetragen werden müsse, 
damit auf alles desto sorgfältigere Achtung gegeben — werden möge, 
wie dann dergleichen ins gemein bei allen fürnehmen und viel impor- 
tirenden Orten practizirt wird und ich es fast in allen meinen Festungen 
auch Selbsten also halte. Wie ich nun unter meinen hohen Officieren 
bei der Infanterie niemand mehr übrig hatte, der nicht bereits mit an- 
dern Chargen und Gouvemementen versehen ^ als eben des Herzogen zu 
Holstein Ld., welche sich bishero in denen von Ihr bedienten fümehmen 
Kriegschargen jedesmal woll und unverweislich comportiret und da- 
neben eine sonderbare Inclination allezeit gegen Mich und Mein Chur- 
fürstl. Haus bezeuget, so habe ich keine Ursach sehen können, warumb 
ich in diesem Fall Ihre Ld. zurücksetzen und deroselben andere fürziehen 
sollte, dannenhero ich dann Ihre Ld., die auch Ew. Ld. mit naher An- 
verwandtschaft zngehören und ich desfals desto weiniger vermuthen 
können, dass Ew. Ld. solches einigermassen zuwieder sein sollte, dieses 
Gouvernement aus eigener Bewegnuss und ohne einzige Ihre Bitte offe- 
riret und Meinem General-Feldmarschall anbefohlen, sich darnach bei 
glücklich erfolgter Reduction der Stadt zu achten. Wie ich nun nicht 
anders vermuthen können, als dass hieraus wie sonsten aus allen an- 
deren Sachen mit Ew. Ld. communiciret wäre, also gereichet Mir zu 
sonderbarem Missfallen, dass solches meinem Befehl gemäss nicht ge- 
schehen, Ew. Ld. werden aber Mir verhoffentlich hierunter nichts impu- 
tiren, weiniger von Mir die Gedanken oder Impression fassen, sambt 
gedächte ich deroselben in dero Regierung einen andern Reichsfürsten 
an die Seite zu setzen, dann des Herzogs Ld. mit Ew. Ld. und dero 
Regierungssachen sich im geringsten nicht zu bemengen^ weiniger dero- 
selben einigen Eintrag oder Schmälerung in dero jura territorialia und 
landesfurstliche Hochheit zu thun, sondern sich dessen allen zu enthalten 
und Ew. Ld. als zeitigem Landsherrn allen schuldigen Respect zu er- 
weisen, auch sich desfals mit einem unter fürstlichen Personen gebräuch- 
lichen Revers gegen Ew. Ld. an Eides statt zu verbinden von mir in- 
struiret ist. — Gestalt Ich auch, wenn Ich dessen nicht versichert ge- 
wesen und Ihr. Ld. so woll kennete, nimmermehr Ihre diese Charge 
würde conferiret haben, worzu Mich dann auch dieses bewogen, weil 
ich dero Regiment zu Fuss nothwendig in die Stadt zur Besatzung legen, 
das Schmiedtische aber wieder in Meine Churbrandenburgische Guarni- 



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56 I- I^ie Unterwerfung von Magdeburg. 1666. 

sonen und Festungen , als woraus solches genommen '), wieder gehen 
lassen müssen, da dann Ihrer Ld. doch obgelegen, als Obristen and 
Commendanten Ihres unterhabenden Regiments in der Stadt sich aufzu- 
halten. Und kann im übrigen Ihr Ld. fürstlicher Stand hierin der Sache 
nichts geben oder nehmen, allermassen Ihre Ld. nicht als ein Reichs- 
fürst in diesem Werk, sondern als ein Soldat und Mein 6eneral-Lieut> 
nandt consideriret werden müssen. Ich hoffe, Ew. Ld. werden diese 
Beschaffenheit der Sache weil erwägen, die Mich bewegenden Ursachen 
— erheblich achten und Ihro, zumahlen dieses Regiment alles dasjenige 
gegen Ew. Ld. praestiren soll, was das Schmiedtische gethan, solches 
alles mit gefallen lassen, auch nicht begehren, dass Ich Meine einmal 
des Herzogen Ld. gegebene Churfürstliche parole wiederrufen und die 
desfals gemachte Anstalt und ergangene Ordren ändern solle, welches 
Ich auch ohne die höchste confusion meines Militz-Estats nicht thun 
könnte'). — 

Vgl. Hirsch in Bist. Zeitschr. XVII. S. 250, 253; ▼. Mülverstedt S. 414. 

2) Administrator August schreibt darauf dem Kf. (d. Halle 14./[24.] Juli 1666), 
auf sein Schreiben vom 5. Juli und y. Katte's Bericht hin habe er in des Berzogs 
von Bol stein Gouvernement eingewilligt, auch auf dessen Versicherung bin, dass sein 
Regiment nachtraglich den Eid leisten werde, dasselbe einziehen lassen, beklagt sich 
aber dann bitter darüber, dass diese Eidesleistung „wegen gewisser Ordre nicht ange- 
stellt werden will". Kf. erwidert darauf (d. Cleve 25. Juli/ 4. August 1666), diese 
Eidesleistung und die Ausstellung des Reverses von selten des Gouverneurs solle so- 
fort erfolgen, sobald nur wegen der Verpflegung der Garnison beständige Richtigkeit 
gemacht sei. Die Streitigkeiten darüber haben dann bald darauf ein Ende gefunden. 
Der Administrator theilt (d. Balle 18./[2S.] August 1666) sowohl dem Kf. als auch 
V. Platen mit, die Landschaft habe auf dem Landtage ad Interim bis zu des Kf. 
Wiederkunft nach diesen Landen monatlich 2000 Thaler vom Juni an für die Magde- 
burgische Garnison zu zahlen eingewilligt, womit sich Kf. (d. Cleve 5./15. September 
1666) auf V. Platen 's Rath ebenfalls ad Interim zufrieden erklärt. 



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IL 

Der bremische Krieg, die Quadrupel- 

allianz und die engere Vereinigung 

zu Braunschweig. 1665—1668. 



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Einleitung. 



In ähnlichem Verhältnis wie Magdeburg zu dem Administrator Angost und 
dessen künftigem Nachfolger, dem brandenburgischen Kurfürsten, stand die 
Stadt Bremen zu der schwedischen Krone, seitdem diese durch den West- 
fälischen Frieden in den Besitz des ehemaligen bremer Erzstifts gekommen war. 
Auch Bremen war ursprunglich eine zu diesem gehörige Landstadt, hatte aber 
allmählich eine sehr selbständige, den freien Reichsstädten ähnliche Stellung er- 
rungen und hatte endlich durch kluge Benutzung der Umstände in der letzten 
Periode des dreissigjährigen Krieges die volle Reichsunmittelbarkeit erlangt. 
Nachdem sie schon 1640 ^ von Kaiser Ferdinand III. zu dem Regensburger 
Reichstage berufen worden war und unter den Reichsstädten an demselben Theil 
genommen hatte, war sie durch ein kaiserliches Diplom vom 1. Juni 1646 für 
eine von Alters her reichsunmittelbare, nicht zu dem Erzstift gehörige Stadt 
erklärt worden. Doch hatte dann Schweden bei den Friedensverhandlungen 
zu Osnabrück gegen die Anerkennung der Reichsunmittelbarkeit Widerspruch 
erhoben, in dem Friedensinstrument war diese Frage nicht entschieden worden, 
doch lautete dasselbe^) insofern für die Stadt günstig, als es bestimmte, dass 
diese sowie ihr Territorium und ihre ünterthanen in ihrem gegenwärtigen 
Rechtszustande unangefochten verbleiben und etwaige Streitigkeiten mit dem 
Bisthum, Herzogthum oder den Capiteln, d. h. eben mit der schwedischen Krone, 
entweder gütlich oder rechtlich zum Austrag gebracht werden sollten. Die 
schwedische Regierung aber hatte ^) bald nach dem Abschluss des Friedens den 



^) S. Duntze, Geschichte der freien Stadt Bremen IV. S. 4 ff. 

^ Instr. pacis Osnabr. Art. X. § 8: Civitati vero Bremensi eiusque territorio et 
subditis praesens suus Status, libertas, iura et privilegia in ecciesiasticis et politicis 
sine impetitione relinquantur ; si quae autem ipsi cum' Episcopatu seu Ducatu aut 
Capitulo sint aut imposterum enascaDtur controversiae, eae vel componantur amicabi- 
liter vel iure terminentur salva interim cuique parti sua, quam obtinet, possessione. 

•) S. Duntze IV. S. 40ff.; Kocher, Gescbichte von Hannover und Braun- 



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60 1I^> Der bremische Krieg, die Quadrupelallianz und die engere Vereinigung etc. 

Streit erneuert und von der Stadt die Huldigung gefordert, und sie hatte, da 
diese hartnäckig dieselbe verweigerte und kaiserlicher Einladung Folge leistend 
auch 1653 wieder den Reichstag beschickte, in demselben Jahre Feind- 
seligkeiten beginnen lassen, welche von der Stadt aus erwidert wurden. Der 
Kaiser und der Reichstag hatten sich letzterer angenommen, schliesslich war 
durch ein kaiserliches Mandat vom 6. Juli 1654^) dem Bischof von Munster 
und dem Herzog von Braunschweig-Celle die Kommission ertheiU worden, 
beide Parteien zur Einstellung der Feindseligkeiten und zum Vergleich zu ver- 
mögen, im Weigerungsfalle aber der Stadt Hülfe zu bringen. Dadurch hatte 
sich freilich der neue schwedische König Karl X. Gustav nicht abschrecken 
lassen, er schickte vielmehr "), gereizt durch die Keckheit, mit welcher die 
Bremer zum Angriff übergegangen waren, um die durch einige glückliche Unter- 
nehmungen derselben verletzte schwedische Waffenehre herzustellen, Verstärkungen 
und Hess die Bremer bis in die Stadt zurücktreiben, doch wünschte er selbst, 
damals schon mit seinen polnischen Plänen beschäftigt, eine baldige Beendigung 
dieses Streites. So war es dem Kurfürsten von Brandenburg'), welcher 
nebst den Hansastädten Hamburg und Lübeck seine Vermittlung anbot, 
gelungen, zunächst einen Waffenstillstand zustande zu bringen, und dann war 
unter Mithülfe auch noch anderer Reichsstände sowie Hollands und Englands 
8. December 1654 der Vertrag von Stade*) abgeschlossen worden, durch wel- 
chen die Erledigung der Hauptstreitfrage über die Reichsunmittel barkeit der 
Stadt wieder auf künftige Verhandlungen ausgesetzt wurde, diese aber im übrigen 
sich zu ziemlich ungünstigen Bedingungen, Leistung der Huldigung an Schwe- 
den in der Form, wie sie dem letzten Erzbischof abgestattet war, Uehemahme 
der Kriegskosten durch Zahlung einer Geldsumme und Abtretung eines Stückes 
ihres Landgebiets, und Veroflichtung die Hälfte der Einnahme aus ihrem übrigen 
Gebiet an die Landeskasse abzuliefern , verstehen musste; am 16. December 
hatte dann die Stadt wirklich die Huldigung geleistet. 

Allein bald kam es zu neuen Streitigkeiten^); beiderseits klagte man über 
Contraventionen und Uebergriffe, trotz des Protestes der schwedischen Regierung 
leistete Bremen als Reichsstadt dem neuen Kaiser Leopold 16. December 1661 
die Huldigung, verweigerte dagegen den von jener nach dem Tode Karls X. 
Gustav für dessen minderjährigen Sohn Karl XI. geforderten Unterthaneneid 
und nahm an dem 1663 zusammentretenden Reichstage Theil. Verhandlungen, 
welche im Frülyahr 1665 angeknüpft wurden, waren ohne Erfolg, da die Stadt, 
vom Kaiser ermuntert, an ihrer Reichsunmittelbarkeit festhielt und sich zur 

schweig L S. 84 ff. und für das Folgende überhaupt die zusammenfassende Darstellung 
von Köcher, Bremens Kampf mit Schweden um seine Reicbsfreiheit (Uans'sche Ge- 
schichtsblätter Jahrg. 1882 S. 87 ff.). 

S. Köcher L S. 170. 

») S. Carlson, Geschichte Schwedens IV. S. 37. Köcher L S. 175. 

*) S. ürk. u. Act. VL S. 618ff. 

*) Londorp VII. S. 963ff; vgl. Duntze IV. S. 94f.; Köcher L S. 183. 

5) S. Carlson IV. S. 481 ff.; Duntze IV. S. 111 ff; Köcher 1. S. 454 ff. 



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Einleitung^. 61 

Ableistung der Huldigung nur in der im Stadeschen Vertrage vorgeschriebenen 
Form und nach vorhergehender Abstellung ihrer Beschwerden verstehen wollte. 
So begann man schwedischerseits m Sommer 1665 wieder mit Feindseligkeiten, 
bedeutendere Truppenmassen wurden theils im Bremischen, theils in Pommern 
angesammelt, im October 1665 landete der Reichsfeldherr Graf Gustav Wrang el 
in Pommern und zog im Januar 1666 mit den dortigen Truppen nach dem 
Bremischen. Er verlangte jetzt von der Stadt Verzicht auf die Reichsunmittel- 
barkeit und Aufnahme einer schwedischen Besatzung und traf, während dar- 
über fruchtlos verhandelt wurde, weitere Rüstungen, obwohl Kaiser und Reich 
auf die Jlulfsgesuche der Stadt sich derselben annahmen und ein kaiserliches 
Decret^) im Mai 1666 der schwedischen Regierung das Vornehmen von Thät- 
lichkeiten als dem Friedensinstrument zuwiderlaufend untersagte. Allerdings 
hatte diese damals nicht die wirkliche Absicht, gegen Bremen und um Bremens 
willen in Deutschland Krieg zu führen, sondern sie verfolgte mit der Aufstel- 
lung dieses Heeres, zu welcher der Streit mit der Stadt nur den Vorwand bot, 
andere Ziele. 

Im Frühjahr 1665 hatte der englisch-holländische Seekrieg be- 
gonnen, an welchem seit dem Anfang des nächsten Jahres auch König Lud- 
w i g XIV. von Frankreich, nachdem die von ihm versuchte Friedensvermittlung 
gescheiten war, auf Grund des 1662 mit Holland abgeschlossenen Bündnisses 
auf Seite der letzteren Macht, freilich in sehr lauer Weise, Theil nahm. Mit 
England im Bunde war im Herbst 1665 der Bischof von Münster in die öst- 
lichen niederländischen Provinzen eingefallen und hatte dadurch dort solchen 
Schrecken erregt, dass die niederländische Regierung auch gegen ihn die Hülfe 
Ludwigs XIV. in Anspruch nahm und ausserdem in Deutschland den Kurfürsten 
von Brandenburg und die braunschweigischen Herzoge zu Bundesge- 
nossen zu gewinnen suchte. Von beiden kriegführenden Parteien wurden die 
nordischen Mächte, Schweden und Dänemark, umworben '). Anfangs schien 
England dort das Uebergewicht zu erlangen. Schweden, ungehalten auf 
die Holländer wegen verschieder üebergriffe, welche sich diese in den Colonieen 
gegen schwedische Schiffe erlaubt hatten, und begierig, die drückenden Vorrechte, 
welche dieselben durch den Elbinger Vertrag vom 11. September 1656 und die 
1660 zu demselben aufgestellten Elucidationen gewonnen hatten, zu beseitigen, 
ärgerlich auch auf Frankreich, welches, seitdem der zu Anfang des Jahres 1662 
vereinbarte Nachtragsartikel zu dem vorjährigen Vertrage von Fontainebleau von 
der schwedischen Regierung nicht ratificiert worden war, die Freundschaft der- 
selben vernachlässigt, ohne vorhergehende Verständigung mit derselben 1662 
mit Holland, 1663 mit Dänemark ein Bündnis geschlossen, 1664 den Kurfürsten 
von Mainz gegen Erfurt unterstützt hatte, schloss schon im März 1665, noch 
vor dem Ausbruch des Krieges, mit England ein Defensivbündnis und einen 
Handelsvertrag, und im October ging auch Dänemark mit England eine Allianz 



^) S. Pacbner v. Eggenstorff, Sammlung der Reichsschlüsse I. S. 220. 
^ S. Memoires du Marquis de Pomponne ed. Mavidal IL S. 14ff.; Re- 
cueil des instrnetions. IV. Suede par Geffroy S. Lllff. 32flr. 



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62 n. Der bremische Krieg, die Quadnipelallianz und die engere Vereinigung etc. 

ein, freilich anter dem Vorbehalte, dass auch Schweden derselben beitreten 
sollte. Nach dem Ausbruch des Krieges bemuhte sich dann England Schweden 
zum Beitritt zu diesem Vertrage mit Dänemark und zur Theilnahme an dem 
Kriege gegen Holland zu bewegen, dem gegenüber aber suchte nun Holland 
durch Zugeständnisse in jenen Handelsfragen Schweden zu versöhnen und auf 
seine Seite zu ziehen, und diese Bemühungen wurden auch von Frankreich 
unterstützt. Ludwig XIV. wünschte die alte enge Verbindung mit Schweden 
wiederherzustellen und dieses zur Unterstützung sowohl seiner Absichten auf 
die spanischen Niederlande als auch seines Planes, in Polen einen französischen 
Prinzen auf den Thron zu bringen, zu bewegen. Nachdem er darüber ohne 
Erfolg durch seinen bisherigen Gesandten Ter Ion in Stockholm unterhandelt 
hatte, schickte er Anfang 1666 einen seiner tüchtigsten Diplomaten, den Mar- 
quis de Pomponne dorthin, derselbe sollte die schwedische Regierung ent- 
weder zu directer oder wenigstens indirecter Unterstützung des beabsichtigten 
französischen Angriffs auf die Niederlande und zur Mitwirkung zu seinen pol- 
nischen Plänen durch Sendung eines Truppencorps dorthin zu bestimmen 
suchen, ausserdem die Aussöhnung Hollands mit Schweden befordern und letz- 
teres bewegen, entweder mit ihm und Holland vereint England zum Frieden 
zu zwingen oder sich wenigstens in diesem Seekriege neutral zu verhalten, als 
Preis dafür sollte er Schweden Subsidien, deren Höhe je nach den Leistungen, 
zu denen sich dieses verpflichten würde, bemessen werden sollte, anbieten. Die 
Regentschaft, welche damals in Schweden für den unmündigen König Karl XI. 
die Regierung führte, hat*) diese günstige Lage nicht zu benutzen verstanden, 
sie hat nicht eine kräftige, zielbewusste Politik verfolgt, sondern in sich uneinig, 
gespalten namentlich durch den Gegensatz zwischen dem französisch gesinnten 
Reichskanzler de laGardie und dem einer Verbindung mit England zuneigen- 
den Reichsrath Biörnklou, ist sie entscheidenden Entschlüssen ausgewichen 
und hat versucht, ohne für die eine oder die andere Partei wirklich Leistungen 
zu übernehmen, von beiden her Subsidien einzuernten, um so den zerrütteten 
Finanzen abzuhelfen und die Armee, auf welcher Schwedens Grossmachtstellung 
beruhte, zu erhalten. Daher wurden die Unterhandlungen sowohl mit England 
als auch mit Holland und Frankreich hingezogen, derweile aber jene Armee in 
Norddeutschland bei Bremen aufgestellt, um den Schein zu erwecken, als ob 
man sich zum Eingreifen in den Krieg anschicke, und namentlich Holland durch 
die Besorgnis vor einer etwaigen Verbindung der Truppen Wrangeis mit denen 
des Bischofs von Münster einzuschüchtern und zu weiteren Zugeständnissen zu 
drängen. Allein ein erster Strich durch diese Rechnung war, dass von Frank- 
reich befordert (Februar 1666) das Bündnis des Kurfürsten von Brandenburg 
mit Holland gegen den Bischof von Münster zustande kam und dass es dann 
dem Kurfürsten, ohne zum Schwerte greifen zu müssen, gelang, den Münster- 
schen Krieg durch den Frieden von Oleve (18. April 1666) zu beendigen. 
Noch ungünstiger für die schwedische Regierung war, dass es Holland mit 
Frankreichs Hülfe gelang, Dänemark von der Seite Englands abzuziehen 

1) S. Carlson IV. S. 481ff.; M^moires de Pomponne 11. S. 49ff. 



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Binleitang. 63 

and zu derselben Zeit, wo das Bändnis mit dem Kurfürsten zostande kam, zam 
Abschlass eines Defensiv- und Offen sivbündnisses zu bewegen, in welchem es 
sich verpflichtete, mit 40 Kriegsschiffen an dem Kampfe gegen £ngland theiiza- 
nehmen. Die Kunde davon erregte*) in Schweden die grösste Aufregung, die 
alte Eifersucht gegen Dfinemark erwachte, man fürchtete durch dasselbe in den 
Hintergrund gedrängt zu werden, der schwedische Grosskanzler erklärte, Schwe- 
den könne nicht dulden, dass Dänemark die Waffen ergreife, es sei verpflichtet, 
wenn dasselbe gegen England auftrete, dieser Macht beizustehen. Zugleich 
wurden kriegerische Maassregeln an der Grenze getroffen und Wränge 1 machte 
Miene, mit seiner Armee in Holstein einzufallen. Doch kühlte sich dieser krie- 
gerische Eifer, wenn er wirklich ernst gemeint gewesen war, bald wieder ab. 
Einerseits nämlich trafen Holland und Dänemark Anstalten, die ihnen von 
Schweden her drohende Gefahr auf dieselbe Weise abzuwehren wie vorher den 
Angriff des Bischofs von Münster, nämlich durch Verbindung mit dem Kur- 
fürsten von Brandenburg und den braunschweigischen Herzogen, Däne- 
mark bemühte sich mit dem ersteren ein Bündnis gegen Schweden abzuschliessen, 
und die holländische Regierung suchte zu derselben Zeit, gleich nach dem Ab- 
schluss des Cleveschen Friedens, durch das Anerbieten weiterer Subsidienzah- 
lung ebendenselben und auch die braunschweigischen Herzoge zum Abschluss 
eines neuen Bündnisses zugleich mit Holland und mit Dänemark, der soge- 
nannten Quadrupelallianz'), zu bewegen, welches sowohl diesen beiden 
Mächten Deckung gegen Schweden gewähren, als auch ein Gegengewicht gegen 
Frankreich, dessen Bundesgenossenschaft in Holland von vielen als eine druckende 
Fessel empfunden wurde, bilden sollte. Andererseits bot Ludwig XIV.'), 
welcher das Zustandekommen dieser Allianz zu vereiteln wünschte, seinen Ein- 
fluss sowohl in Schweden als auch in Dänemark und in Holland auf, um ersteres 
zur Ausstellung eines Neutralitätsversprechens und die beiden letzteren Mächte 
zur Annahme desselben zu bewegen, wirklich gab die schwedische Regierung 
am 17. Juli 1666^) eine solche Neutralitätserklärung ab, und wenn auch die 
Verhandlungen mit Holland sich in die Länge zogen, so war doch die Gefahr 
eines Krieges zwischen Schweden, Dänemark und Holland beseitigt. Jetzt aller- 
dings entschloss sich die schwedische Regierung, in den Hoffnungen, welche 
sie an die kriegerische Demonstration in Norddeutschland geknüpft hatte, be- 
trogen, um wenigstens jene Rüstungen nicht ganz umsonst gemacht zu haben 
nnd ihre dadurch compromittierte Ehre zu retten, ernstlich gegen Bremen vor- 
zugehen, Anfang September schloss^) Wrangel die Stadt von allen Seiten ein, 
bald darauf wurden die bisher noch immer fortgesetzten Unterhandlungen mit 
derselben abgebrochen und Anfang October die Beschiessung der Stadt begonnen, 



S. Carlson iV. S. 485ff.; M^m. de Pomponne IL S. 91ff. 
') S. Droysen, Geschichte der preussiseben Politik in.3 S. 96; Kocher L 
S. 459 ff. 

*) S. M^m. de Pomponne U. S. 131ff. 

*) S. Carlson IV. S. 488. Mem. de Pomponne IL S. 198ff. 

^) S. Duntze IV. S. 165ff.; Carlson IV. S.489f.; Köcher L S.483ff. 



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64 ^^' ^or bremische Krieg, die Quadrupelallianz und die engere Vereinigung etc. 

aber der Moth und die Ansdauer der Bremer wurde dadurch nicht gebrochen 
und ihre Hoffnung, Hülfe zu erlangen, ging in Erfüllung. Auf Grund eines 
Reichsgutachtens vom 18. September erliess der Kaiser neue Abmahnungs- 
schreiben an die schwedische Regierung und zugleich die Aufforderung an die 
schon früher zu Kommissaren in dieser Angelegenheit bestellten Reichsstande, diB 
Stadt zu schützen, und wenigstens die braunschweigischen Herzoge und der 
Kurfürst von Coln zeigten sich bereit, diesen Auftrag auszuführen. Dieselben 
concentrierten bei Nienburg an der Weser ein Heer, welches schon allein den 
Truppen Wrangeis bedeutend überlegen war, ebendamals kam jene Quadrupel- 
allianz wirklich zum Abschluss, Holland schickte als Rückhalt 6000 Mann nach 
Ostfriesland und auch der Kurfürst von Brandenburg traf Maassregeln, um im 
Nothfall schnell eine grössere Truppen zahl zusammenzubringen. Unter diesen 
Umständen musste W ran gel den auf Frieden drängenden Weisungen seiner 
Regierung Folge leisten, er verstand sich zu neuen Unterhandlungen und am 
25. November wurde in seinem Hauptquartier zu Habenhausen ein Vertrag 
abgeschlossen, durch welchen die Stadt sowohl die Landeshoheit in ihrem Gebiet 
als auch, so lange der damals zu Regensburg tagende Reichstag dauern würde, 
ihre Reichsstandschaft behauptete, während dieselbe nachher bis zu £nde des 
Jahrhunderts suspendiert bleiben sollte. 

Die nachfolgenden Acten veranschaulichen den Antheil, welchen der Kur- 
fürst von Brandenburg an diesen und den sich daran anschliessenden Ereig- 
nissen genommen hat. Dieselben zeigen, dass derselbe auch hier ebenso wie 
bei den vorangehenden Wirren im Reich eine sehr vorsichtige, durchaus fried- 
liche und versöhnliche Politik getrieben hat, dass er allerdings bestrebt gewesen 
ist, Uebergriffe von Seiten Schwedens zu verhindern, dass er aber dabei sich 
sorgsam bemüht hat, einen gewaltsamen Zusammenstoss zu verhüten und so 
einerseits den Frieden im Reiche, andererseits das freundschaftliche Verhältnis, 
welches er in den letzten Jahren mit Schweden angeknüpft und welches in 
dem Allianzvertrage vom 27. März/6. April 1666 seinen formellen Ausdruck er- 
halten hatte, aufrecht zu erhalten, um so Schweden, soviel an ihm It^, abzu- 
halten, sich zum Werkzeug der französischen Politik machen zu lassen, und vor 
allem sich dessen Mitwirkung in der polnischen Frage zu sichern. Eine erste 
Gruppe von Actenstücken beleuchtet das Verhalten des Kurfürsten im bremi- 
schen Kriege. Wie schon bemerkt, war der Kurfürst schon in dem früheren 
Kriege zwischen Bremen und Schweden 1654 als Vermittler aufgetreten, als 
nun infolge der neu ausgebrochenen Streitigkeiten grössere schwedische Truppen- 
massen sich im Herzogthum Bremen ansammelten und von schwedischer Seite 
mit Gewaltthätigkeiten gegen die Stadt begonnen wurde, sandte diese Anfang 
Juni 1665 ihren Syndicus Wachmann wie an andere benachbarte Reichsstände 
so auch an den Kurfürsten und Hess denselben ersuchen, sich ihrer auf dem 
Reichstage und bei den umliegenden Kreisen anzunehmen, damit das von dem 
Kaiser zu ihren Gunsten an die ausschreibenden Fürsten derselben erlassene 
Conservatorium zur Ausführung käme, und ihr im Nothfall einige Truppen zu 
überlassen. Der Kurfürst ging darauf nicht ein, sondern erbot sich nur, bei 
Wraugel sich dahin zu bemühen, dass gegen die Stadt keine Feindseligkeiten 



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Einleitung. 65 

vorgenommen wurden, sich auch bei den braunschweigischen Fürsten für 
dieselbe zu verwenden und dahin zu wirken, dass im Nothfall die vom Kaiser 
zum Schutz der Stadt angeordneten Maassregeln zur Ausführung kämen. Erst 
ziemlich spät, Ende August, hat der Kurfürst diese Versprechungen erfüllt, er 
hat an den damals noch in Schweden sich aufhaltenden W ran gel geschrie- 
ben und zugleich seinen damals auf der aus Veranlassung des lüneburgischen 
Erbfolgestreites zu Hildesheim abgehaltenen Versammlung befindlichen Ge- 
heimen Rath V. Jena beauftragt, mit den dort anwesenden Gesandten der 
braunschweigischen Herzoge über die bremische Sache zu verhandeln, aber 
letzterer fand die Braun Schweiger wenig geneigt, sich um der Sache der Stadt 
willen mit Schweden zu überwerfen, und von Schweden her scheint er damals 
garkeine Antwort erhalten zu haben. Doch erschien im October in Berlin als 
Abgesandter der schwedischen Regierung der Präsident K 1 e i h e , um dem Kur- 
fürsten anzuzeigen, dass dieselbe der drohenden Zeitumstände wegen Wrangel 
mit 4000 — 5000 Mann nach ihren deutschen Provinzen schicken werde, aber 
nur um diese zu sichern und um ihren Friedensbemühungen grosseren Nach- 
druck zu verleihen, Versicherungen, welche von dem Kurfürsten mit ähnlichen 
allgemein gehaltenen Erbietungen, zur Aufrechterhaltung des Friedens mitwirken 
zu wollen, erwidert wurden*). Im December wandte sich dann die durch die 
fortgesetzten schwedischen Rüstungen geängstigte Stadt aufs neue an den Kur- 
fürsten und ersuchte ihn, ihr einige hundert Mann zu überlassen, sich beim 
Kaiser und beim Reichstage ihrer anzunehmen und die Vermittlung ihrer Streitig- 
keiten mit der schwedischen Regierung in die Hand zu nehmen. Auf das 
erste liess sich der Kurfürst wieder nicht ein, dagegeu schickte er Ende Januar 
1666 seinen Kammerjunker v. Podewils zu dem inzwischen im Bremischen 
angelangten Wrangel, um demselben vertrauliche Eröffnungen über die da- 
malige durch den Münsterschen Krieg veranlasste politische Lage und sein 
eigenes Verhalten inmitten derselben zu machen und zugleich ihm seine Ver- 
mittlung zur gütlichen Beilegung der Streitigkeiten mit der Stadt anzutragen, 
zugleich aber richtete er an den Rath von Bremen die ernste Mahnung, sich 
seinerseits versöhnlich zu zeigen und sich aller Eingriffe in die Rechte der schwe- 
dischen Krone zu enthalten. Podewils' Sendung hatte keinen Erfolg, "Wrangel 
erklärte, über das Anerbieten des Kurfürsten erst an seine Regierung berichten 
zu müssen, doch erfuhr Podewils im Lager aus guter Quelle, dass Schweden 
keinen offenen Krieg beabsichtige. Als darauf aber der Streit sich verschärfte, 
schwedischerseits von der Stadt Verzicht auf die Reichsunmittelbarkeit gefordert 
und im Weigerungsfalle mit Gewalt gedroht wurde, schickte der Kurfürst Ende 
März Podewils zum zweiten Male an Wrangel, doch ohne einen günstigeren 
Erfolg zu erzielen, er erhielt den gleichen Bescheid wie eine cbendamals zu 
demselben Zwecke dort anwesende Gesandtschaft der braunschweigischen 
Herzoge, dass Wrangel erst nähere Weisungen seiner Regierung abwarten müsse. 



*) Creditiv der schwedischen Regentschaft für It leihe, d. Stockholm 12./22. Aug. 
1665; Recreditiv des Kf. d. Coloniae 2./12. October 16G5; Resolution des Kf. auf das 
undatierte Memorial Kl ei he 's d. Cöln a. d. Spree 7./17. October 16G5. 

Mater, z. Gesch. d. (i. Kurfürsten. XII. 



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66 H. Der bremische Krieg, die Quadrupelallianz und die engere Vereinigung etc. 

Bald darauf, Anfang Mai, erschien aufs neue der Präsident der schwedischen Re- 
gierung im Herzogthum Bremen, Klei he, in Cleve beim Kurfürsten, um demselben 
angesichts des damals sehr gespannten Verhältnisses Schwedens zu Holland und 
Dänemark ein enges Zusammengehen mit Schweden, eine Allianz, an der auch die 
braunschweigischen Herzoge und Hessen-Cassel Theil nehmen sollten, 
vorzuschlagen und auch in der bremischen Sache, in welcher, wie bemerkt, Schwe- 
den damals nicht zur Gewalt zu schreiten beabsichtigte, seine Unterstützung 
in Ansprach zu nehmen. Der Kurfürst hat das erstere Ansinnen in höflichster 
Form abgelehnt, in der bremischen Angelegenheit scheint seine Antwort (eine 
schriftliche Resolution darüber liegt nicht vor) sehr entgegenkommend gelautet, 
aber doch keine bindende Zusage enthalten zu haben. W ran gel hat dieselbe 
so gedeutet, als ob der Kurfürst sich erboten habe, der Stadt zu rathen, die 
Reichsunmittel barkeit aufzugeben, und falls dieselbe bei ihrer Weigerung ver- 
harren wurde, Schweden gegen sie Hülfe zu leisten, und hat daraufhin (Ende 
Juni) den Kurfürsten aufgefordert, ohne ihm geradezu die Vermittlung zuzu- 
gestehen, Gesandte an den aufs neue eröffneten Verhandlungen Theil nehmen 
zu lassen. Der Kurfürst hat dem zunächst noch nicht Folge geleistet, als aber 
Anfang Juli von seilen des Kaisers an ihn die Aufforderung gelangte, an der 
zum Schutze Bremens bestellten Reichscommission Theil zu nehmen, und auch die 
Stadt aufs neue seine Hülfe anrief, bot er in gleicher Weise wie die in derselben 
Lage befindlichen braunschweigischen Herzoge W ränge 1 und der schwe- 
dischen Regierung an, statt es auf die Reichscoramission ankommen zu lassen, 
seine Vermittlung anzunehmen. Dieselben gingen darauf ein, und so schickte 
der Kurfürst Ende Juli v. Ledebur und Beyer in Wrang eis Hauptquartier, 
welche dann zusammen mit den schon vorher angelangten braunschweigischen 
Gesandten an den bis Anfang October fortgesetzten Unterhandlungen Theil ge- 
nommen haben und deren Berichte über den Verlauf dieser Verhandlungen und 
über ihre eigene vermittelnde Thätigkeit Auskunft ertheilen. Während dieser Zeit 
versuchten die braunschweigischen Fürsten, von denen wenigstens Georg 
WMhelm von Celle und Ernst August von Osnabrück schon damals im 
Einverständnis mit dem Kurfürsten von Cöln entschlossen waren, falls die 
Unterhandlungen scheitern sollten, sich mit Waffengewalt der Stadt anzunehmen, 
sich seiner Mithülfe zu vergewissern, er wich dem aber vorsichtig aus, beschickte 
allerdings die von jenen vorgeschlagene Zusammenkunft in Bielefeld, liess 
aber seinen Gesandten v. Hey den nur weitere Vermittlung zusagen, weiter- 
gehende Schritte aber vorläufig unter Hinweis auf die Reichscommission und die 
übernommene Vermittlung ablehnen, und dieselbe Haltung hat er auch eingenom- 
men, als nach dem Scheitern der Verhandlungen und dem Beginn der wirklichen 
Belagerung von Bremen der Kurfürst von Cöln, die braunschweigischen 
Herzoge und auch der Kaiser ihn zum feindlichen Vorgehen gegen Schweden 
zu drängen suchten, er hat dieses verweigert, wieder vorläufig nur weitere Ver- 
mittlung zugesagt, aber allerdings sich erboten, wenn von Reichs wegen seine 
Hülfe in Anspruch genommen -werden sollte, sein Contingent zu stellen, und 
falls jene Fürsten von Schweden angegriffen würden, ihnen weitere Hülfe zu 
leisten. Er hat andererseits jetzt an Wrangel die ernste Mahnung gerichtet, die 



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Einleitung. 67 

Feindseligkeiten einzustellen und neue Unterhandlungen, an denen Theil zu 
nehmen er sich erbot, anzuknüpfen, und er hat auch Vorkehrungen getroffen, 
um im Nothfall mit Waffengewalt einschreiten zu können. Als Wrangel in 
seiner bedrängten Lage dieser auch von den schon zum Losschlagen bereiten 
braunschweigischeti Fürsten an ihn gerichteten Mahnung Folge leistete, hat der 
Kurfürst aufs neue v. Ledebur und Beyer zu ihm gesendet, welche an den 
folgenden Verhandlungen und dem Abschluss des Habenhausener Friedens 
Theil genommen haben. Auch bei den neuen durch Pöbelexcesse gegen den ehe- 
maligen Bremer Rathsherrn Speckhan, welcher in schwedische Dienste getreten 
war und durch sein Erscheinen in der Stadt den Zorn der Bürgerschaft reizte, 
hervorgerufenen Streitigkeiten, welche der schwedischen Regierung den Vor- 
wand boten, die Ratification und Ausführung des Friedens längere Zeit hinaus- 
zuziehen, und welche dadurch noch ein drohenderes Aussehen gewannen, dass 
sie Ludwig XIV. die vorher durch den schnellen Abschluss des Friedens ent- 
zogene Gelegenheit boten, sich in diese Händel mit einzumischen, hat der Kur- 
fürst nach allen Seiten liin zu begütigen und zu vermitteln gesucht. 

An zweiter Stelle ist der Allianzvertrag des Kurfürsten mit Dänemark 
vom 23. Mai 1666 abgedruckt worden, lieber die demselben vorausgehenden 
Verhandlungen sind im Berliner Staatsarchiv fast gar keine Aufzeichnungen 
erhalten, aus dem wenigen, was vorhanden ist, ergiebt sich, dass König Fried- 
rich in. den Eiltschluss, mit dem Kurfürsten in ein engeres Bündnis zu treten, 
schon zu Anfang des Jahres 1666 gefasst hat, zu der Zeit als die Spannung 
zwischen ihm und Schweden den höchsten Grad erreicht hatte und er fürch- 
tete, von diesem angegriffen zu werden, dass die Reise seines Gesandten v. Ale- 
feld aber sich verzögert hat und dass derselbe erst in der ersten Hälfte des 
April an dem damaligen Hoflager des Kurfürsten in Cleve eingetroffen ist. Es 
ergiebt sich ferner, dass dieser allerdings auf den Antrag des dänischen Königs 
eingegangen ist und sich bereit gezeigt hat, Dänemark im Nothfall gegen neue 
Vergewaltigungen von seiten Schwedens zu schützen, dass er aber keineswegs 
zu so weit gehenden Verpflichtungen sich hat verstehen wollen, als von däni- 
scher Seite gefordert wurde , dass die Verhandlungen sich daher längere Zeit 
hingezogen haben und zeitweise durch die Abreise v. Alefelds von Cleve 
unterbrochen worden sind. Die Hauptschwierigkeiten wurden dadurch bereitet, 
dass der Kurfürst sich nicht zu einem speciell gegen Schweden gerichteten 
Bündnis, sondern nur ebenso wie in dem kurz zuvor (6. April) endlich mit 
Schweden abgeschlossenen Vertrage zu einer ganz allgemein gehaltenen Defen- 
sivallianz verstehen wollte, und dass er verlangte, dass in diese ebenso wie aUe 
in Europa gelegenen Besitzungen des dänischen Königs so auch alle seine, und 
zwar speciell auch die Clevischen und zugehörigen Westfälischen Lande aufge- 
nommen würden, über welche letzteren er eben im Begriff stand, sich mit dem 
Pfalzgrafen von Neuburg definitiv zu verständigen, welche es aber auch gegen 
die Ansprüche der anderen Mitbewerber, darunter auch des Königs von Schwe- 
den als Mitglied des Pfalz-Zweibrückischen Hauses zu sichern galt. Ende Mai 
wurde endlich ein den Forderungen des Kurfürsten entsprechendes Vertrags- 
project vereinbart, dasselbe wurde aber noch nicht unterzeichnet, sondern Ale- 

5* 



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68 IJ- Der bremische Krieg, die Quadnipelallianz und die engere Vereinigung etc. 

feld reiste mit demselben zunächst nach Dänemark zunkk, erst nach einigen 
Monaten (Ende Juli) hat Köni^^ Friedrich sicli zur Annahme desselben bereit 
erklärt, wieder aber erst geraume Zeit später (im October) durch einen Secretär 
den jetzt von Ale feld unterschriebenen Vertrag nach Cleve geschickt und 
jedenfalls zugleich mit den unter dem gleichen Datum (23. September) ausge- 
stellten Ratificationen gegen das von den kurfürstlichen Kommissaren unter- 
zeichnete Exemplar auswechseln lassen, also zu einer Zeit, wo die Gefahr eines 
Krieges zwischen Schweden und Dänemark schon längst vorübergegangen war 
und damit die Bedeutung dieser Allianz sich wesentlich vermindert hatte. 

Eine dritte Gruppe von Actenstücken betrifft den Antheil, welchen der Kur- 
fürst an den Verhandlungen über die Quadrupelallianz genommen hat. 
"Wie oben bemerkt, wurde diese von der holländischen Regierung zu derselben 
Zeit angeregt, als sich Dänemark um die Bundesgenossenschaft des Kurfürsten 
bemühte; auch sie sollte denselben Zweck erfüllen; um Dänemark und Holland 
vor dem damals drohenden Angriff Schwedens zu sichern, sollten die braun- 
schweigischen Herzoge und der Kurfürst ähnlich wie im Münsterschen Kriege 
gegen Zahlung von Subsidien ihre Truppenmacht hergeben. Der Kurfürst, dem 
es aus den verschiedensten Gründen erwünscht sein musste, in engerer Verbin- 
dung mit Holland zu bleiben, ist auch auf diesen Antrag eingegangen, er hat 
gegenüber Beverning, welcher gleich nach dem Abschluss des Cleveschen 
Friedens ihm die ersten Eröffnungen darüber machte, und dann in einer Unter- 
redung, welche er gelegentlich eines kurzen Abstechers nach Holland im Mai 
1666 mit dem Rathspensionar de Witt hielt, seine Bereitwilligkeit zu einem 
solchen neuen Bündnisse ausgesprochen und dabei erklärt, dass er Schweden 
gegenüber freie Hand habe, und er hat dann durch den Oberpräsidenten v. 
Schwerin, welcher länger in Holland zurückblieb, V^erhandlungen darüber 
führen lassen, aber freilich war es durchaus nicht seine Absicht, ein Bündnis 
der Art zu schliessen, wie es de Witt im Sinne hatte, durch welches er eng 
an die holländische Politik gekettet und in Gefahr gebracht worden wäre, eher, 
als es seine eigenen Interessen erforderten, mit Schweden zu brechen. Er Hess 
daher trotz der Gegenbemühungen de Witts den Haupttheil seiner Armee aus 
dem Clevischen nach den Marken zurückkehren und sich zunächst gegen Magde- 
burg wenden und zog die Verhandlungen in die Länge, indem er einerseits 
jedenfalls (darüber sind wir nicht näher unterrichtet) Einwendungen gegen das 
holländischerseits vorgelegte Project machte, andererseits aber Gegenforderungen 
erhob, welche theils die Ausführung gewisser Versprechungen, welche ihm von 
der holländischen Regierung beim Abschluss des Bündnisses gegen den Bischof 
von Münster gemacht worden waren, andererseits den alten Streitpunkt, die 
Räumung seiner von holländischen Garnisonen besetzten clevischen Festungen, 
betrafen. Das war der holländischen Regierung natürlich sehr unangenehm, 
und da dieselbe auch bei den brau nschweigis oben Herzogen^), welche sich 
weder unter sich über eine gemeinsame Politik einigen konnten, noch sich in 
gewissen Streitpunkten, die sie mit ihnen hatte, gefügig zeigten, auf Schwierig- 

') S. Kocher I. S. 4«;^ff. 



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Einleitung. 69 

keiten stiess, ferner Frankreich') dem Abschluss dieser Allianz entgegen- 
arbeitete und sich zu diesem Zwecke bemühte, Schweden von feindlichen 
Schritten abzuhalten, ebenso auch der Kaiser*), welcher hinter dieser Allianz 
eine französische Intrigue witterte, dieselbe zu hintertreiben suchte, so brach 
man hollandischerseits die Unterhandlung ab und ertheilte auf jene Forderungen 
des Kurfürsten nicht einmal eine Antwort. Doch veranlasste 3) der weitere 
Verlauf der bremischen Angelegenheit, die Aussicht, dass die seit Ende Juli 
neu begonnenen Unterhandlungen zu keiner Verständigung führen und dass es 
bei Ausführung der vom Kaiser angeordneten Reichscommission zum Kriege 
mit Schweden kommen würde, die Herzoge von Celle und Osnabrück im 
August die Verhandlungen über die Allianz zunächst nur mit Holland und 
Dänemark wieder anzuknöpfen, ein neuer Vertragsentwurf wurde aufgestellt, 
aber man konnte sich nicht einigen, da unter dem Einfluss de Witts die hol- 
ländische Regierung Subsidien nur für den Fall, dass es wirklich zum Kriege 
käme, und auch dann nicht bis zur Beendigung desselben, sondern nur auf 
zwei Jahre bewilligen wollte, und der Kurfürst von Brandenburg, dessen 
Gesandt« im Haag, Romswinckel und Copes, erst nachträglich zur Theil- 
nahme an diesen Verhandlungen aufgefordert wurden, lehnte jetzt unter strenger 
Rüge der unfreundlichen Behandlung, welche er von holländischer Seite erfahren 
hatte, seine Betheiligung geradezu ab. So geriethen die Verhandlungen wieder 
ins Stocken. Erst als nach dem Scheitern der im schwedischen Hauptquartier 
geführten Verhandlungen W ran gel die Belagerung von Bremen begonnen, die 
braunschweigischen Fürsten aber im Einverständnis mit der holländischen 
Regierung sich entschlossen hatten, der Stadt Hülfe zu bringen, und so der Krieg 
wirklich vor der Thüre stand, kamen dieselben wieder in Fluss. Gerade*) die 
zudringlichen Gegenbemühungen von französischer Seite hatten zur Folge, dass 
innerhalb der holländischen Regierung die de Witt entgegengesetzte Strömung 
das Uebergewicht erhielt, dass diese jetzt auf das Zustandekommen der Allianz 
drängte und auch den Kurfürsten zu begütigen und heranzuziehen suchte. 
Durch eine Declaration der Generalstaaten vom 4. October wurde demselben 
Erfüllung der in der früheren Allianz «gemachten Zusagen und freundnachbar- 
liche Verhandlungen über seine anderen Forderungen versprochen und er zur 
Theilnahme an den Allianzverhandlungen eingeladen, jedenfalls auf Veranlassung 
der oranisch gesinnten Partei ^) begab sich Romswinckel zur Berichterstattung 
nach Cleve und nun entschloss sich der Kurfürst, an dieser Verbindung, welche, 
wenn er sich fem gehalten hätte, doch zu Stande gekommen wäre, dann aber 
eine seinen Interessen und denen jener ihm befreundeten Partei zuwiderlaufende 
Richtung erhalten hätte, zu betheiligen. Er schickte Romswinckel mit den 
nöthigen Instructionen nach dem Haag zurück, und dieser hat dann zusammen 

») S. Memoires d'Estrades IV. S. 387. 

3) S. Urk. u. Act. XIV. 1. S. 277f. 

3) S. Köcher I. S. 475fF. 

*) S. Köcher 1. S. 497flf. 

*) Vgl. Droysen, Gesch. der preussischen Politik III. 3. S. 110. 



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70 I^* I^er bremische Krieg, die Quadrupelallianz und die engere Vereinigung etc. 

mit Copes an den Schlussverhandlnngen Theil genommen und, nachdem bei 
diesen die von dem Kurfürsten zu dem früberen Vertragsentwurf gemachten 
Ausstellungen wenigstens theilweise berücksichtigt worden waren, die Qnadrnpel- 
allianz am 25. October mit unterzeichnet. 

Eine vierte Gnippe von Actenstücken beleuchtet den Antheil, welchen der 
Kurfürst an den von Ende 1666 bis Anfang 1668 über eine engere Ver- 
einigung einer Anzahl von norddeutschen Fürsten geführten Verhandlungen 
genommen hat. Dieselben wurden^) von den braunschweigischen Herzogen 
Georg Wilhelm und Ernst August angeregt, welche erschreckt durch die 
drohende Haltung, welche Schweden gleich nach dem Abschluss des Haben- 
hausener Friedens unter dem Vorwande jenes Speckhanschen Handels annahm, 
und besorgt gemacht durch die unfreundliche und verdächtige Haltung, zu 
welcher sich die holländische Regierung durch den jetzt um so mehr zu Frank- 
reich hinüberneigenden de Witt verleiten Hess, von der Quadrupelallianz wenig 
Sicherung erwarteten und statt dessen Schutz gegen die schwedischen Rache- 
gelüste durch ein Bündnis mit ihren norddeutschen Nachbaren, Kurcöln, Kur- 
brandenburg und Hessen-Cassel zu finden sachten. Der Kurfürst ist 
auch auf diese Verhandlungen eingegangen, aber wieder von vorneherein in der 
Absicht, nur dann in eine solche Verbindung zu treten, wenn derselben die 
von jenen beabsichtigte feindliche Tendenz gegen Schweden genommen werde, 
und in dem Wunsche, vielmehr Schweden selbst zur Theilnahme an der- 
selben heranzuziehen und so die infolge des bremischen Krieges zurückgeblie- 
bene feindliche Spannung in Norddeutschland zu lösen. Dem entsprechend hat 
er seinen Gesandten Butendach auf den zuerst Ende December 1666 und 
Anfang Januar 1667 und dann wieder Ende Januar und Anfang Februar 1667 
zu Hildesheim und darauf im März zu Braun schweig abgehaltenen Con- 
ferenzen wirken lassen und es durchgesetzt, dass das Bündnis, welches dort 
zwischen ihm, Kurcöln und den braunschweigischen Herzogen am 
15./25. März abgeschlossen wurde, nur einen ganz allgemein defensiven Charakter 
erhielt, er hat sich dann bemüht, die Schwierigkeiten, welche den Beitritt 
Hessen-Cassels verzögerten, zu beseitigen und nach der Veränderung, welche 
die politischen Verhältnisse ganz Europas durch das Vorgehen Frankreichs gegen 
die spanischen Niederlande erfahren hatte, durch die Absendung v. d. Goltzs 
und Reinhardts (Juli 1667) an die braunschweigischen Herzoge einer- 
seits eine Verständigung mit denselben inbetreff der Frankreich gegenüber einzu- 
nehmenden Haltung, andererseits eine Aussöhnung derselben mit Schweden an- 
zubahnen. Wenn auch jene Herzoge sich damals noch sehr zurückhaltend 
zeigten, so hat er doch erreicht, dass an den neuen Ende August zu Braun- 
schweig gehaltenen Conferenzen auch ein schwedischer Bevollmächtigter 
Theil nahm und dass in dem neuen dort am I.September abgeschlossenen Vertrage, 
dessen Wortlaut hier zum ersten Male publiciert worden ist, eine Stellungnahme 
zu dem spanisch-französischen Conflict vermieden wurde. Weiter hat er dahin 
gewirkt, dass die Bedingungen, von denen Schweden seinen Beitritt zu dieser 



^) S. Köcher I. S. 511ff. 



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Einleitung. 71 

Allianz abhängig machte, von den Verbündeten bewilligt worden und dass so 
Schweden wirklich (der darüber am 20. Februar/1. März aufgerichtete Recess 
ist hier auch abgedruckt) bei Gelegenheit einer neuen Ende Februar und An- 
fang März 1668 zu Braunschweig behufs Auswechslung der Ratificationen 
abgehaltenen Zusammenkunft dem Bündnis beigetreten ist. 

Endlich ist hier als Fortsetzung der im 9. Bande dieser Sammlung über 
die Gesandtschaft v. Crockows in Schweden aus der Zeit vom December 
1662 bis zum April 1666 publicierten Actenstücke eine Auswahl aus den wei- 
teren Relationen dieses Gesandten und den an ihn ergangenen Rescripten des 
Karfürsten (Mai 1666 — August 1668) mitgetheilt worden. In denselben kom- 
men alle in den früheren Theilen dieses Abschnittes behandelten Gegenstände 
zur Sprache, zugleich aber auch die anderen politischen Fragen jener Zeit, in 
denen sich die Interessen Brandenburgs und Schwedens begegneten, vor allem 
fortgesetzt die polnischen Verhältnisse und zuletzt auch der spanisch- fran- 
zösische Conflict und die an diesen sich anknüpfenden diplomatischen Actionen. 
Crockows Hauptaufgabe war es, dahin zu wirken, dass Schweden sich nicht zur 
Unterstützung der französischen Pläne, namentlich nicht zur Beförderung der Er- 
hebung eines französischen Prinzen auf den polnischen Thron bestimmen lasse, viel- 
mehr dasselbe zu engem Zusammengehen mit Brandenburg in Polen zu bewegen. 
Das erstere wenigstens hat er trotz aller Schwankungen der schwedischen Po- 
litik erreicht, mit der Unterzeichnung des Vertrages vom 6./16. Mai 1668 zwischen 
Schweden, Brandenburg und dem Pfalzgrafen von Neuburg, (derselbe 
ist hier auch abgedruckt), durch welchen sich die beiden ersten Mächte zur 
Beförderung der Throncandidatur des letzteren in Polen verpflichteten, über 
dessen wirkliche Bedeutung er sich selbst allerdings keineswegs trügerischen 
Illusionen hingegeben hat, findet seine dortige Negotiation ihren Abschlnss. 
Seine Relationen bilden so gewissermassen die Brücke, welche zu dem nächst- 
folgenden und auch zu den späteren Abschnitten dieses Bandes hinüberführt, 
zu denen allen dieselben werthvolle Ergänzungen darbieten. 



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II. Der bremische Krieg, die Quadrupel- 
allianz und die engere Vereinigung zu 
Braunschweig. 1665 — 1668. 

a. Der Bremische Krieg. 

Die vier Haabtpuncta des Stadtbrehmischen Abgeordneten') 
unterthänigst abgelegter Proposition bestehen hierinne s. 1. 

et. d. [Juni 1665]. 

[Proposition des bremischen Abgesandten Wachmann.] 

c.lO.Juni. 1. Kf. möchte dahin wirken, dass ein tapferes kurfürstliches Gutachten 
pro conservatione civitatis Bremensis an den Kaiser förderlichst erfolge und 
auch im Nothfall wirklich ausgeführt werde. 

2. Kf. möchte als Mitglied des Obersächsischen, Westfälischen 
und Niedersächsischen Kreises dahin wirken, dass in omnem necessitatis 
casum die vom Kaiser bei diesen Kreisen verordnete Reichshülfe '^) wirklich er- 
folge, falls dieselbe sich aber verzögere und die Stadt inzwischen ad sustinen- 
dum primum impetum mehr Völker als ihre eigene Garnison bedürfen sollte, 
derselben etwa oOO — 800 Mann oder mehr überlassen und deswegen sofort die 
nöthige Ordre ergehen lassen. 

^) Der Syndicus D. Johann Wachmann; das Creditiv des Bremer Rathes für 
denselben ist vom 24. Mai /[3. Juni] 1665, das Recreditiv des Kf. Cöln a. d. Spree 
6./[16.] Juni 1665 datiert; vergl. über denselben Duntze, Geschichte der freien Stadt 
Bremen IV. S. 65 ff. (irrig wird dort aber S. 68 diese Sendung Wachmanns an den 
Kf. und andere benachbarte Fürsten in den März 1665 gesetzt, s. dagegen schon 
Köcher, Gesch. von Hannover u. Braunschweig I. S. 456.) 

'0 Schreiben Kaiser Leopolds an die kreisausschreibenden Fürsten des ober-, 
niedersächsischen und westfälischen Kreises d. Wien 30. März 1665; s. Köcher I. 
S. 456. 



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Bremisches Hölfsgesuch. 73 

3. Kf. möchte seine Gesandtschaft für den nächstkommenden Nieder- 
sächsischen Kreistag dahin instruieren, dass den kaiserlichen Schreiben an 
die Kreisstände wegen Zulassung Bremens zu den Kreistagen wirklich nachge- 
kommen werde. 

4. Kf. mochte wegen des Oldenburger Zolls ^ zufolge seiner in Wien 
eingelegten Protestation darauf halten, dass dem Grafen von Oldenburg nicht 
gestattet werde, denselben an andere zu alienieren, dass derselbe vielmehr im 
Falle des Todes des Grafen für erloschen gehalten und gänzlich aufgehoben 
werde. 



Unterthänigstes Memorial [Wachmanns] s. 1. et d. [Juni 1665]. 

[Bitte um Erfüllung der Versprechungen des Kf.] 

1. S. Ch. D. haben dem Brehmischen Herrn Abgeordneten beic.l6.Juni. 
dessen Abfertigung gnädigst versprochen, an des K. Schwedischen Reichs- 
feldherrn Graf Wrangeis Exe. ein Schreiben ergehen zu lassen, damit 
wieder die Stadt Brehmen via facti nichts tentiret werde, umb dessen 
Ausfertigung ged. H. Abgeordneter unterth. Erinnerung zu thun be- 
gehret, fiat. 

2. Wie auch, dass S. Exe. der Herr von Jena instruiret werden 
möge, bei beiden Förstl. Braunschweigischen Lüneburgischen 
Häusern, insonderheit aber (aus bekannten Ursachen) zu Hannover bei 
Herzog George Wilhelms F.D. das beste zu thun, 

1) pro admissione civitatis Bremensis ad sessionem et votum in 
diaetis circularibus inferioris Saxoniae, 

2) pro eventuali assistentia in casum necessitatis, nach laut kaiser- 
licher Schreiben an die drei Kreise, aut saltem pro cooperatione 
ad amoliendam omnem vim armorum. fiat. 

3) Dass S. Ch. D. dergleichen Schreiben auch an hochged. Herzogen 
zu Hannover Fürstl. D. abgehen zu lassen geruhen wollten'). 



^) Vgl. ürk. u. Act. XI. S. 173; Kocher 1. S. 88 und über Bremens Antbeil 
an diesem Streite Duntze IV. S. 55ff. 

^ Erst am 14./24. August 1665 erlässt Kf. ein Schreiben an W ran gel, in 
weichem er denselben ersucht, bei seiner jetzigen Anwesenheit in Schweden dahin zu 
wirken, dass gegen die Stadt Bremen, welche sich zu aller Raison und Billigkeit er- 
biete, nichts via facti vorgenommen, sondern dieselbe bei ihrem statu praesenti nach 
dem Friedensschluss und Stadischen Vergleich gelassen und die Streitigkeiten via 
ordinaria abgemacht würden; gleichzeitig befiehlt er dem in Hildesheim (s. Urk. u. 
Act XI. S. 584) befindlichen Fr. v. Jena, bei den braunschweigischen Herzogen 
die Sache der Stadt zu recommendieren. 



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74 II« Der bremische Krieg, die Quadrupelallianz und die engere Vereinigung etc. 

Friedrich von Jena an den Kurfürsten. D. Hildesheim 
22. August /[l. September] 1665. 

[Aeusserungen des schwedischen und der braunschweigischen Gesandten inbetreflf der 

Bremer Angelegenheit.] 

1. Sept. Er hat nichts verrichten können, da Herzog Georg Wilhelm nach Oesen 

verreist ist. Der Schwedische*) zeigt sich gegen ihn sehr vertraulich, hat 
ihm alle Beschwerden der Krone gegen Bremen gezeigt, sie werden aber schwer- 
lich in der Sache Interponenten leiden und mit Bremen nicht als einer Imme- 
diatstadt zu thun haben wollen. Die braunschweigischen Minister, mit 
denen er wegen der bremischen Sache geredet, meinen, wegen Bremens Ad- 
mission sei auf künftigem Kreistage zu reden, sonst würde man Schweden oflfen- 
dieren, doch sehen dieselben sonst wohl ein, wieviel dem Kreise und nament- 
lich dem Hause Braunschweig daran gelegen ist, dass die Stadt nicht unterge- 
bracht werde, und sie wünschen gütliche Beilegung des Streites. Auch er hat 
dem bremischen Syndicus hier bei dessen Durchreise gerathen, die Stadt möchte 
suchen aus der Sache in der Güte zu kommen. Der Schwedische erklärt 
auch, die Krone möchte gern aus der Sache sein, sie wollte der Stadt in ihren 
commerciis aufhelfen, müsste derselben aber auf irgend eine Weise versichert 
sein. Eine Besatzung begehren sie nicht, aber die Stadt solle sich der Imme- 
dietät begeben. 

Der Kurfürst an den Kaiser. D. Cöln a. d. Spree 25. Sep- 
tember /[5. October] 1665'). 

[Die schwedischen Röstungen.] 
5. Oct. — Mir [ist] gleichergestajt von unterschiedenen Orten die Nach- 

richt zugekommen*), welchergestalt zwar die Chron Schweden eine 
ziembliche Anzahl Völker unter conduite des Reichsfeld herrn Graif 
Wrangel herausschicke, dass sie aber und wo selbige angelangt sein 
solle, habe ich bishero nicht erfahren können, viel weiniger zu was Ende 
und wohin etwa ihr dessein gerichtet sei, so bald ich davon einige Ge- 
wissheit erlange, will ich nicht unterlassen, meiner Schuldigkeit nach 

^) Der schwedische Regierungspräsident in Stade, Dietrich Schweder Klei he, 
s. Urk. u. Act. XI. S. 582 ff. 

') Antwort auf ein Schreiben Kaiser Leopolds (d. Salzburg 25. September 
1665), in welchem derselbe dem Kf. Mittheilung von den ihm wegen schwedischer 
Rüstungen gegen Bremen zugegangenen Nachrichten macht und ihn ersucht, ihm 
seine Meinung darüber und was zur Erhaltung der Ruhe im Reiche zu thun sei, zu 
eröffnen, sowie auch seine Gesandten in Regensburg darüber zu instruieren. 

') Vergl. die Relation v. Crockows aus Stockholm vom 2./12. August 1665 
(ürk. U.Act. IX. S. 804). 



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Die schwedischen Rüstungen. 75 

Ew. K. M. von allem gehorsambste Nachricht zu erstatten. Ich habe 
sonsten allemahl diese gewisse Nachricht gehabt, dass die Chron Schwe- 
den nicht gesonnen gewesen zu armiren, weiniger einige Völker auf des 
Reiches Boden zu schicken, sobald sie aber die starke Münsterische 
Armatur vernommen, haben sie zugleich die Resolution ergriffen, einige 
Völker herauszuschicken , und ist mir nicht wissend, ob sie einige Dif- 
ferentien mit des BischofTen zu Münster Ld. haben^ oder auch gar mit 
dessen dessein einig sein, viel weiniger habe ich einigen gewissen Grund 
erlangen können, dass sie wider die Stadt Brehmen etwas Thätliches 
vornehmen sollten, wiewohl desfals von langer Zeit her starke Gerüchte 
gegangen. Sonsten hat man auch darfnr gehalten, als wenn sie sich 
nacher Polen derends wenden würden. — 



Bürgermeister und Rath von Bremen an den Kurfürsten. 
D. 16./[26.] December 1665. 

[Bitte nm Ueberlassung von Truppen and um Vermittlung.] 

Sie erneuern das schon im Sommer durch ihren Abgesandten D. Wacb- 26. Dec. 
mann») dem Kf. vorgetragene Gesuch, da alles*) um die Stadt herum seitdem 
sich in Waffen gestellt hat und sie ihre Garnison zu verstärken wünschen, Kf. 
möchte aus seinen nächstgelegenen Garnisonen 300 oder 400 Mann auf etliche 
Monate in ihre Dienste treten lassen. Zugleich ersuchen sie Kf., beim Kaiser, 
den anderen Kurfürsten und deren Gesandten in Regensburg dahin zu wirken, 
dass die Stadt bei ihrer Reichsfreiheit geschützt werde, femer den Grafen 
Wränge 1 dahin zu disponieren, dass die Streitigkeiten in Güte geschlichtet 
würden, und selbst die Vermittlung dabei zu übernehmen^). 



Instruction, wornach sieh unser Cammerjuncker Georg Wil- 
helm von Podewilss — zu achten. D. Cleve 10./20, Januar 

1666, 

[Drohende Aussiebten durch den Mnnsterschen Krieg. Anerbieten des Kf. zur Ver- 
mittlung der Streitigkeiten mit Bremen. Stand der Tractaten mit Holland. Anhalten 

von Getreide in Verden.] 

Er soll sich förderlichst auf die Reise zu Graf Wränge 1 begeben, welchen 20. Jan. 



') S. oben S. 72. 

2) Vgl. Duntze IV. S. 151f.; Kochet I. S. 456f. 

^ In einem zweiten Schreiben von demselben Datum klagt der Bremer Rath 
über Sperrung der Schiffahrt auf der Weser durch den schwedischen Zöllner zu In- 
schede und den Licenteinnehmer zu Verden. 



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76 n. Der bremische Krieg, die Quadrupelallianz und die engere Vereinigung etc. 

er entweder im Bremischen oder in Vorpommern antreffen wird, demselben aus- 
führlich den Zustand dieser Quartiere*) entdecken, dass beide kriegführende 
Parteien jetzt in den Winterquartieren liegen und neuerdings nichts Hauptsäch- 
liches vorgegangen, da aber zu Frieden und gütlichen Tractaten noch wenig 
Apparenz, wäre zu fürchten, dass im nächsten Frühling die Sache zu grossen 
Extremitäten und höchst geföhrlichen Weiterungen ausschlagen und dass nicht 
nur der Westfälische, sondern auch der Niedersächsische Kreis und das ganze 
Römische Reich impliciert werden möchte, Kf. wünsche daher Wr.'s Meinung zu 
veniehmen, wie man die gegenwärtige Unruhe entweder durch gütliche Mittel 
und Tractaten dämpfen oder sich dagegen sichern könne, dass man nicht wider 
seinen Willen in diesen Krieg impliciert werde. 

Ferner habe Kf. vernommen, es sollte im Bremischen neue Unruhe zu 
besorgen und einige Desseins wider die Stadt obhanden sein. Sollte die Krone 
ein Mecontentement über die Stadt haben, so erbiete sich Kf. zur Interposition, 
er wolle sich dabei so betragen, dass die Stadt zu allen billigen und raison- 
nablen Conditionen disponiert werde. Sollte Wr. die Interposition damit ab- 
lehnen, dass die Krone die Stadt für mediat hielte, so soll er darauf erwidern, 
Kf. stelle solches an seinen Ort, es sei aber bekannt, dass auch in solchem 
Falle Benachbarte sich ins Mittel gelegt, und würde dieses der Krone jura nicht 
kränken. Sollte der Feldherr versichern, man beabsichtige nichts Thatsächliches 
wider die Stadt vorzunehmen, so hat er solches zu acceptieren; sollte, wie ge- 
rüchtweise verlautet, schon ein Vergleich zustande gebracht sein, so hat er 
deswegen zu gratulieren. 

Sollte der Feldherr sich nach des Kf. Zustand, insonderheit wie es mit 
dessen holländischen Tractaten-) stehe, erkundigen, so kann er antworten, 
dass diese noch zu keinem Schluss gebracht seien, Kf. hätte auch damit nicht 
sonderlich eilen wollen, da er keine gewisse Nachricht von der Krone Schwe- 
den Intention gehabt, er würde es als ein Zeichen sonderbarer Confidenz auf- 
nehmen, wenn der Feldherr ihm im Vertrauen etwas davon entdecken wollte, 
er wollte sich gern ihren consiliis conformieren, jedenfalls mit Schweden 
Freundschaft zu erhalten beflissen sein. Unter der Hand hat er sich auch zu 
erkundigen, in welcher Postur man sich schwedischerseits befinde, wie viel 
Völker aus Schweden dort angekommen seien oder noch erwartet wurden. 

Er soll auch suchen, des Feldherrn Judicium von dem braunschwei- 
gi sehen Werke, ob derselbe billige, dass Herzog Georg Wilhelm sich so- 
weit mit Holland engagiert'), zu erfahren. 

Da ünterthanen des Kf. wegen Anhaltung des Getreides in Verden Klage 
geführt haben, so soll er darauf dringen, dass dieses abgestellt und die Com- 
mercien nicht weiter behindert werden. 

^) lieber den damaligen Stand des Münsterschen Krieges s. ürk. u. Act. XL 
S. 682 ff. 

2) S. ürk. u. Act. XI. S. 678 ff. 

2) a. a. 0. S. 635ff ; Köcher I. S. 440ff. 



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Sendung t. Podewils' zu Wrangel. 77 

Der Kurfürst an die Stadt Bremen. D. Cleve 17./[27.] Januar 

1666. 

[auf das Schreiben vom 16. December. Abscbickimg an Wrangel. Ermahnung zu 

versöhnlichem Verhalten.] 

— So haben wir Jemand der Unsrigen^) an den Reichsfeldherrn Grafen 27. Jan. 
Wrangel abgeschickt, demselben die Gefahr, welche dergleichen Vor- 
haben nach sich ziehen würde, fürgestellet und unsere Mediation bei den 
zwischen der Eron Schweden und Euch etwan schwebenden Diiferentien 
wohlmeinend offerirt. Ob und welcher Gestalt dieselbe nun beliebet 
und angenommen werden möchte, solches stehet hiernächst zu vernehmen. 
Inmittelst aber verstehen wir uns auch zu Euch, wollen Euch auch des- 
falls in guter Intention ermahnet und erinnert haben, dass Ihr alles, 
was zu Beibehaltung des Glimpfes und Eintracht und Abwendung aller 
dergleichen besorglichen Anstalt immer gereichet, mit aller Sorgfalt und 
Fleiss beobachtet, der Krön Schweden in den ihr zustehenden iuribus 
und Befugnissen keinen Eintrag noch Schmälerung zufüget, noch un- 
nöthige Streitigkeiten und Disputaten erreget oder dazu Ursach gebet 
damit man auch am andern Theil dadurch zu glimpflichen consiliis und 
gelinden Wegen bewogen werden möge. Dieweil wir auch auf diese 
Manier uns Eure Sicherheit und Wohlfahrt, so viel an uns, zu befördern 
angelegen sein lassen, so könnet Ihr selbst urtheilen, dass wir Euch in 
den anderen petitis nicht deferiren oder uns anderer Gestalt als auf diese 
Weise des Werks annehmen können. Wegen beschehener Anhaltung des 
Getreides zu Verden haben sich auch unsere Unterthanen beschweret, 
und wollen wir bei dem Herrn Grafen Erinnerung thun lassen, dass 
solche abgestellet und den Commercien ihr freier Lauf gelassen werden 
möge. — 



G. V. Podewils an den Kurfürsten, [s. 1. et d. Praes. 24. Fe- 
bruar 1666.] 

[Antwort Wrangeis. Aeusserungen desselben und Dohna's über die schwedische 

Politik.] 

Er ist am 6. Februar zu Stade eingetroffen und hat am 7. bei Wrangel 24. Febr. 
Audienz gehabt. Derselbe erwiderte auf seine Proposition, Schweden bemühe 
sich, den Frieden im Römischen Reich zu erhalten und neutral zu bleiben, 
seiner Meinung nach sei hochstnöthig, Herzog Georg Wilhelm von der Allianz 



*) V. Podewils, s. oben S. 75f. 



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78 II' I^or bremische Krieg, die Quadrupelallianz und die engere Vereinigung etc. 

mit den Staaten wieder abzubringen, da sonst der Bischof genöthigt sein wurde, 
andere Hülfe an sich zu ziehen und so den Krieg auf den Reichsboden zu 
bringen, er wüsste, dass man auf lüneburgischer Seite sehr zur Trennung in- 
clinierte, es mangelte aber an guter Gelegenheit und Mitteln, es werkstellig zu 
machen, des Grafen Waldeck consilia wären auch an jenem Hofe nicht mehr 
so angenehm, als sie anfangs geschienen. 

Die vom Kf. angebotene Mediation wegen der Stadt Bremen nahm er ad 
referendum an seinen König und bat, Kf. mochte sich so lange gedulden, bis 
er deswegen Antwort erhalten. Er erhob grosse Klagen über die Stadt. 

Ihr angehaltenes Getreide sollten des Kf. Unterthanen richtig bezahlt er- 
halten, wenn sie sich nur zu Stade bei der Regierung angeben wollten; er hat 
wohl merken können, dass es blos geschehen, um der Stadt Bremen die Zu- 
fuhr zu benehmen, zu welchem Zwecke sie auch schon den Weserstrom ge- 
sperrt haben. 

Aus dem ihm nachgeschickten Schreiben des Kf. ') hat er mit dem Feld- 
herrn auch geredet, derselbe zeigte sich sehr surpreniert, dass dergleichen Dinge 
aus Schweden berichtet würden, versicherte, sein König setzte in Kf. keine 
DifPidenz, er wolle dieses alles demselben berichten, um soviel als möglich die 
Tractaten zum Schluss zu befördern. So lange er in Schweden gewesen, habe 
man auf des Kf. Person und Allianz mehr Reflexion gemacht als auf irgend einen 
anderen Potentaten. Wegen der Hildesheimer Zusammenkunft würde Kley*), 
der schon auf der Rückreise begriffen, Gewissheit mitbringen. Sonst hat er 
bei dem Feldherm und anderen wegen ihrer bekannten grossen Verschwiegen- 
heit nicht viel penetrieren können. Nur ergab sich aus Wrangeis Discursen, 
dass man schwedischerseits mehr auf die englische als holländische Partie in- 
cliniere. Als P. den Discurs auf die französische und dänische Allianz mit 
Holland') brachte, äusserte er, Frankreich musste grosse Desseins vorhaben, 
wenn man ihm nicht im Anfang widerstände, so dürfte der König wohl suchen 
den Rhein zur Grenze gegen Deutschland zu setzen, weil auch Dänemark 
sich in diese Allianz eingelassen, so würden sie sich wohl auf die Länge nicht 
neutral halten können. 

Vom Grafen von Donaw*), dessen aufrichtige Treue für Kf. er nur rühmen 
kann, hat er im Vertrauen erfahren, dass die schwedischen Reichsräthe bei der 
Minderjährigkeit des Königs nicht gern zum Öffentlichen Krieg sich fesolvieren 
wollten, sie hätten auch über diese Armatur zu Anfang im höchsten difficultiert, 
endlich aber auf des Feldherrn Versprechen, sich so lange als möglich aus dem 

d. Cleve 31. Januar 1666, durch welches ihm Kf. aus Schweden zugegangene 
Nachrichten, wahrscheinlich v. Crockows Relation vom 20./30. December 16G5 (ürk. 
u. Act. IX. S. 809 f.) zugesendet hatte. 

2) S. oben S. 74. 

^ Ueber diesen holländisch-dänischen Allianztractat vom 11. Februar 1666 und 
die dadurch in Schweden erregte Unzufriedenheit s. Mem. de Pomponnell. 
S. 91ff., Mem. d'Estrades IV. S. 107ff, oben S. 63. 

*) Graf Christoph Delphicus v. Dohna, s. Urk. u. Act. IX. S. 733. 



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Sendung v. Podewils' zu Wrangel. 79 

Kriege zu halten, darein gewilligt. Dass die Tractaten in Schweden mit 
Krockow') so langsam fortgingen, käme daher, dass derselbe auf die ulti- 
mata noch nicht habe Resolution geben können, welche Verzögerung bei der 
Krone einiges Nachdenken erregt habe. Ihre Allianzen betreffend, stünden sie 
mit niemand so fest, dass sie nicht mit anderen tractieren könnten. Mit Eng- 
land stünde man in guter Correspondenz, es möchten wohl einige kleine Dif- 
ferenzen mit Frankreich sein, die aber hoffentlich wieder würden gehoben 
werden *). 



Bürgermeister und Rath von Bremen an den Kurfürsten. 

D. 16./ [26.] Februar 1666. 

[auf das Schreiben vom 17. Januar. Neue Verhandlungen, ßitte um Vermittlung 

des Kf.] 

Versicherung ihrer friedlichen und versöhnlichen Absichten. Sie haben') 26. Febr. 
an Graf Wrangel eine Abschickung gethan und sich zu gütlichen Tractaten 
erboten, solche sollen Montag den 19. st. v. zu Stade angestellt werden. Als 
wegen einiger Mediatoren Erwähnung geschehen, hat Wrangel erklärt, 
darauf nicht instruiert zu sein, es erforderte fünf Wochen Zeit, bis er desfalls 
Antwort von Stockholm haben könnte, inmittels müsse es mit der Stadt Bremen 
schon abgethan sein. Sie haben sich darauf, zumal da die schwedischen Völker 
zunächst um die Stadt in das Herzogthum Bremen verlegt, die Reiterwachen 
auf ihrem Grund bis auf eine Viertelmeile von der Stadt ausgestellt sind und 
die Zufuhr zu Wasser und Lande bisher gesperrt worden, entschlossen, diese 

») S. ürk. u. Act. IX. S. 803 ff. 

^) Nach einem beiliegenden Verzeichnis der im Herzogthum Bremen stehenden 
Truppen befinden sich dort: 

Obrist Wrangeis Regiment z. Pf. 1000 M. 

Kochs - - - 800 - 

Des Feldherm Leibescadron Dragoner 400 - • 

Escadron des Feldherrn z. Pf. 150 - 

Obrist Delvigs Regiment z. F. 1000 - 

Grothauseus Regiment z. F. 800 - 

Obristlieutenants Horns Escadron z. F. 400 - 
ferner wirbt Obrist Gehl ein Regiment z. Pf. von 600 M. und Graf Otto Wilhelm 
Königsmarck eine Escadron z. Pf. von 150 M. Des Feldherrn Leibregiment 
(2500 M.) und Obrist Plantins Reg. z. Pf. (1000 M.) stehen in Pommern, sollen aber 
nächsten Monat nach Bremen kommen, 6000 Finnen stehen in Schonen marschbereit, 
Gen.-Adjutant Lattermann hat P. versichert, er hätte in Schweden auf dem Muster- 
platz gesehen 15 000 z. Pf.. 3000 Dragoner und 18 000 z. F., ob es sich aber so ver- 
balte, will P. an seinen Ort gestellt lassen. Die Garnisonen in Stade und anderen 
Festungen des Herzogthums sind alle von des Gen.-Majors Königsmarck Regiment, 
das 2000 Kopfe zählt. 

3) Vgl. Duntze IV. S. 154. 



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80 II- I^or bremische Krieg, die Quadnipelallianz und die engere Verein igung etc. 

Tractaten zunächst ohne Mediation anzutreten, doch sich die Adhibition von 
Mediatoren ausdrücklich reserviert und dadurch soviel erreicht, dass ad interim 
die commercia in etwas wieder freigegeben sind. Sie bitten Kf., seine Mediation 
von selbst und gleichsam proprio motu ferner poussieren zu lassen oder ihnen 
zu gestatten, dass sie dieselbe vorschlagen, falls dieselbe aber vom R.Feldherrn 
nicht angenommen werden sollte, Jemand seiner Räthe zu committieren , der 
sich ihrer bei den Tractaten mit annehmen möchte, und falls keine billigen 
Conditionen zu erhalten sein sollten, dieser des h. Reichs Frontierstadt beizu- 
springen. 

Bürgermeister und Rath von Bremen an den Kurfürsten. 
D. 23. Februar /[5. März] 1666. 

[Die schwedischen Forderungen. Bitte um Vermittlung des Kf.] 

5. März. Ihren Abgeordneten ist zu Stade *) die Proposition dahin eröffnet worden, 

dass sie sich einfach der Reichsimmedietät begeben müssten, wo nicht, würden 
die schwedischen Truppen hieher geführt werden und man sich nicht mehr 
schuldig erachten, vias armorum et facti anstehen zu lassen. Da daraus zu er- 
sehen, dass sie ohne kräftige hohe Mediation in der Güte nichts ausrichten 
werden, so bitten sie Kf., mit seiner Interposition, und zwar von selbst geschickt, 
sie zu soulagieren, auch eventualiter nachdrückliche Anstalt zu ihrer Conser- 
vation zu treffen und sich auch auf dem Reichstage ihrer anzunehmen. 



Dieselben an den Kurfürsten. D. 21./[31.] März 1666. 

[Die Wiederabreise des Gesandten des Kf.] 

31. März. Sie danken dem Kf., dass er einen Gesandten') an den schwedischen R.- 

Feldherrn geschickt. Die Wiederabreise desselben wollen sie nur so deuten, 
dass derselbe nöthig erachtet, dem Kf. mündlichen Bericht zu erstatten, nicht, 
wie verlauten will, dass er nicht admittiert worden sei. Sie bitten Kf. auf 
allen Fall seinen Gesandten wieder abzusenden und die gütliche Pflege mit be- 
fördern zu lassen. 



>) Vgl. über diese neuen Verhandlungen Diarium Europ. XIII. Append. 
S. Iff.; Londorp IX. S. 443 ff.; Duntze IV. S. 154f.; Köcher I. S. 457. 

*) Nach dem Geh. RathsprotocoU vom 15. März wird an diesem Tage nach Ver- 
lesung des Schreibens des Bremer Rathes [vom 5. März] beschlossen, jemand an 
Wrangel abzuschicken. Näheres über diese netie Sendung ist aus den Berliner 
Acten nicht zu ersehen, nach Köcher I. S. 458, welcher sich auf den Bericht des 
braunschweigischen Gesandten Spörcke stützt, ist wieder v. Podewils entsendet 
worden und hat dieselbe Antwort wie die gleichzeitig erschienenen braunschweigi- 
schen Gesandten erhalten, Wr. könne das Erbieten der Vermittlung nur ad referen- 
dum annehmen. Vgl. auch den Bericht des kaiserlichen Gesandten de Goess vom 
15. Mai 1666 (ürk. u. Act. XIV. 1. S. 267). 



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Neues Hulfsgesuch yon Selten Bremens. 81 

S\ Cliurf, DurchL auf des Königl. Schwedischen Präsidenten 
Kleihen Proposition Resolutio. Sign. Cleve 10. Mai 1666. 

[Oeneigtbeit zu einem Bündnis. Schwedische Vermittlung in England. Bündnis 
Dänemarks mit Holland. Die Zustände in Polen.] 

Kf. hat sowohl von Klei he mündlich als auch aus dessen schriftlicher 10. Hai. 
Proposition ') vernommen, was derselbe für Contestationen wegen des Vertrauens 
seines Königs zu Kf. und wegen dessen Begierde zur Erhaltung des allgemeinen 
Friedens gemacht, auch was er wegen Aufrichtung eines foederis zwischen 
seinem Konige, Kf., dem Hause Braunschweig-Lüneburg und Hessen- 
Gassei, ferner wegen Vermittlung zu Hinlegung des englischen Krieges, wegen 
des Königs von Dänemark und der Polnischen Unruhe vorgetragen hat. 

Kf. ist erfreut, dass der König ein so gutes Urtheil von seinen bei der 
Münsterschen Unruhe geführten consiliis fälle und dass derselbe sich die 
Erhaltung des westfölischen Friedens und der allgemeinen Ruhe angelegen sein 
lasse, er hofft, dass um so eher die vorgeschlagenen^) tractatus foederis unter 
ihnen beiden und den Häusern Braunschweig und Hessen-Cassel zu 
guter Richtigkeit gelangen können; Kf. will, nachdem die darüber mit den 
letzteren schon begonnenen Unterhandlungen durch die Münsterschen motns 
unterbrochen sind, sich darum weiter bemühen. Da die G.-Staaten auf gleiche 
Gedanken gerathen '), sich mit den Benachbarten in eine Defensivallianz einzu> 
lassen, auch die Krone Schweden gern darin begriffen wissen wollten, so wünscht 
Kf. des Feldherrn Gedanken darüber zu vernehmen. 

Kf. ist erfreut, dass der König eine Ambassade nach England^) geschickt 
hat und sich dort um Vermittlung des Friedens bemüht, Kf. erbietet sich auch, 
was in seinem Vermögen sein wird, dazu beizutragen. 

Das Engagement des Königs von Dänemark*) mit den Staaten der Ver- 
einigten Niederlande geht, soviel Kf. Nachricht hat und ihm, namentlich 
von dem Könige von Frankreich, versichert wird, zu niemandes, am wenig- 
sten der Krone Schweden Offension, sondern bezweckt nur den Gewaltsamkeiten 
in der See zn steuern und, soviel möglich, während des Seekrieges die Com- 
mercien zu salvieren, Kf. hofft daher, die Krone Schweden werde hiervon keine 



') Nach dem Geh. Rathsprotocoll vom 8. Mai wird an diesem Tage die von 
Kley eingereichte Proposition 1) wegen einer Allianz mit Schweden, Braunschweig 
und Cassel, 2) wegen des englischen und staatischen Krieges, verlesen. Vgl. Pufen- 
d rf IX. § 82 S. 625, der aber irrthümlich dieselbe vom 23. Juni datiert, und die 
Relation de Goess' vom 15. Mai 1666 (ürk. u. Act. XIV. 1. S. 270). 

*) Geber diese, durch die Erfurter Angelegenheit veranlassten, schon seit dem 
September 1664 geführten Allianzverhandlungen s. Kocher I. S. 337 ff.; Urk. u. 
Act. XL S. 397. 651. 

*) Ueber die damals von holländischer Seite gegebene erste Anregung zu der 
sogen. Quadrupelallianz s. unten. 

*) S. Mem. de Pomponne II. S. 161. 

*) S. oben S. 78. 

Iffttor. g. Gesch. d. O. Kurfürsten. XII. 6 



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82 n* ^cr bremische Krieg, die Quadrapelallianz und die engere Vereinigung etc. 

Ombrage nehmen. Sollte ihm aber dennoch etwas Speciales an die Hand ge- 
geben werden können, worin Dänemaric zu weit gegangen sein sollte, so will 
Kf. zu Unterhaltung fester Freundschaft zwischen den nordischen Kronen alle 
dienliche remonstrationes und officia anwenden. 

Das Polnische Unwesen betreffend bezieht sich Kf. auf dasjenige, was 
er hierüber mit Kl ei he mündlich geredet, woraus der Feldherr verspüren wird, 
dass Kf. gleichen Zweck mit der Krone Schweden führe und dabei nichts mehr 
wünsche, denn dass die Krone Polen eines ruhigen Zustands gemessen und 
bei ihren privilegiis und Libertät ungekrankt erhalten werden möge. 



Graf Wrangel an den Kurfürsten. D. Verden 16./[26.] Juni 

1666. 

[Die Quadrupelallianz. Des Kf. Erklärung wegen Bremens. Zulassung von Bevoll- 
mächtigten des Kf. und anderer Nachbaren zu den Verhandlungen.] 

26. Juni. Dank für die dem Präsidenten Kleihe ertheilte Resolution. Betreffend 
die von den G. -Staaten beabsichtigte Defensivallianz sowohl mit seinem Könige 
als auch mit Dänemark, Kf. und den Häusern Brauni^chweig und Hessen- 
Cassel, so glaubt er nicht, dass es den G.-Staaten mit Gomprehendierung 
seines Königs in dieselbe ein rechi«r Ernst sei, dass vielmehr es mit dieser 
Allianz ihrerseits mehr zu Erlangung einer scheinmässigen Befugnis, seinen 
König dabei zu praeterieren und im übrigen solche zu dessen Gefährde und zu 
Schwächung gutes Vernehmens mit anderen zu dirigieren als dessen und des 
gemeinen Besten Sicherheit und Frommen zu befördern gemeint sei, dass sein 
König daher diese Allianz lieber verhütet als befördert sehen möchte. 

Sonsten hat auch obgedachter H. Praesident Kleyhen mir zu hin- 
terbringen nicht vergessen, wessen E. Churf. D. gegen ihn wegen der 
Stadt Bremen sich vernehmen lassen'), indem Sie derselben in ihrer 
gepraetendirten Immedietät nicht allein keinen Beifall geben, sondern ihr 
vielmehr gegen Ihre Königl. M. sich darin zu accommodiren gerathen 
hätten, ja auch auf den Fall sie solches nicht thun und in ihrer Opinia- 
trität — verharren würde, zu deroselben würklichen Assistenz, wann sel- 
bige verlanget werden sollte, sich anerbietig gemachet. Wofür E. Churf. 
D. schuldiger Dank und eine besondere Obligation von meinem gnä- 
digsten Könige und Herrn billig gebühre. — So kann E. Churf. D. ich 
hiemit auch wo)l versichern, dass I. Königl. M. gleichergestalt gegen die 
Stadt so gütig und billig gesinnet sein, dass Sie wieder gute Befugnus 



^) Vgl. de Witts Schreiben an Beuningen vom 13. Mai 1666 (Lettres et ne- 
gociations entre M. Jean de Witt et MM. les plenipotentiaires des provinces unies 
des Pais-bas. III. S. 438) und unten v. Crockows Bericht vom 23. Mai/[2. Juni] 1666. 



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Verbandlangen mit Rieihe. 83 

derselben nichts werden zumuthen oder angesinnen, massen denn auch 
Ihr. Königl. M. nicht allein nicht zuwider, sondern vielmehr ganz lieb 
und angenehmb sein wird, wann sowohl E. Churf. D. als andere benach- 
barte Fürsten die mit der Stadt angefangene Tractaten durch dero Mi- 
nistros mit werden beiwohnen lassen wollen'). — 



Der KurfUrst an Graf Wrangel D. Cleve 3. Juli 1666. 

[Anerbieten zur Vermittlung.] 

Ihm nebst anderen Ständen ist eine Reichscommission ') zu gütlicher Bei- 3. Juli, 
legung der Bremischen Irrungen übertragen worden. Da er nichts mehr wünscht, 
als dass diese Sache ohne Weiterung und Thätlichkeit zur Richtigkeit gebracht 
werde, und die Stadt Bremen durch ihren hieher abgeordneten Syndicus D- 
Eden^) ihm hat vorstellen lassen, welche Leiden dieselbe bei diesen Streitig" 
keiten auszustehen habe und wie sehnlichst sie eine Beendigung derselben 
wünsche, so fragt er an, . in welchen terminis die Sache stehe und was er etwa 
dazu thun könne. Da er vernimmt, der König habe die Interposition des Hauses 
Braunschweig angenommen und dasselbe habe Gesandte nach Bremen ge- 
schickt*), und da er vermuthet, dergleichen Privatinterpositionen möchten dem- 
selben lieber sein, als dass die Reichscommission ihren £ffect erreiche, so fragt 
er an, ob Wr. lieber sehen wurde, wenn auch er für sich seine Mediation und 
Interposition anmeldete, er hat deswegen auch in Schweden angefragt^). Er . 
versichert, dass er sich dabei als treuer Alliierter und Freund betragen werde^ 
und schlägt zu Beförderung des gütlichen Vergleichs vor, dass die Stadt in 
ihrem statu quo gelassen, wider dieselbe zu keinen ferneren Thätlichkeiten ge- 
schritten, auch was etwa vorgenommen sei, abgestellt werde. 



') In ganz ähnlichem Sinne hatte Wr. auch (d. Bremervörde 30. Mai/ [9. Juni] 
1666) an die braunschweigiscben Herzoge geschrieben, s. Köcher I. S. 468. 

^ S. die Reichsgutachten vom 14. und 30. April 1666 und das Schreiben Kaiser 
Leopolds vom 4. Juli 1666 (Pachner v. Eggenstorff I. S. 203. 214. 230). Vgl. 
Köcher I. S. 468. 

>) Das Creditiv des Bremer Käthes für denselben ist vom I.Juni, das Recreditiv 
des Kf. Cleve 13./23. Juli 1666 datiert, in letzterem zeigt Rf. an, er habe zunächst 
die Wünsche der Stadt durch ein besonderes Schreiben Wrangel roitgetheilt, jetzt 
aber beschlossen, nochmals eine Schickung an denselben zu thun in der Hoffnung, 
es würden dadurch die Streitigkeiten in der Güte gehoben werden können. 

*) S. Köcher I. S. 470. 

*) S. unten v. Crockows Relation vom ll./[21.] Juli 1666. 



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84 II- I^^r bremische Krie;, die Qaadrupelallianz und die engere Vereinigung etc. 

Graf Wrangel an den Kurfürsten. D. Stade 10./[20.] Jnli 

1666. 

[auf das Schreiben vom 3. Juli. Annahme der Vermittlung des Kf.] 

20. Juli. Bisher sind') alle glimpfliche Remonstrationen bei der Stadt Bremen 

erfolglos gewesen und auch in den drei Wochen, seitdem die Lüneburgische 
Gesandtschaft erschienen, ist nichts ausgerichtet woiden. Dem Könige wird es 
lieb sein, wenn auch Kf. seine gaten officia bei der Sache anwenden wolle, 
zumal da derselbe versichert sein kann, dass Kf. in causa communi electorum 
et principum die Stadt zur raison anhalten werde, damit er nicht gemüssigt 
werde, zu anderen zulänglichen Mitteln zu greifen und die Stadt zu ihrer 
Schuldigkeit anzuweisen. 



Instruction^, wornach sich unsere — Geh, Cleff- and Märki- 
scher auch Mindischer Regierungsräthe und Director im Hof- 
gericht, Drost zum Petershagen, auch liebe getreue G. J. 
Ledebaur^) und Johan de Beier^) unterthänigst zu achten. 
D. Cleff 23. Juli 1666. 

[Anerbieten der Vermittlung in der bremischen Sache. VorschlSge inbetreflf des zu 

treffenden Vergleiches.] 

23. Juli. Sie sollen sich zu Graf Wrangel begeben und demselben salva imperii 
commissione des Kf. Interposition zur gütlichen Beilegung der Streitigkeiten 
mit Bremen anbieten. 

lieber die Sache selbst sollen sie sich von allen Parteien genauer infor- 
mieren lassen, namentlich mit den braunschweigischen Ministern, weiche 
sie dort finden werden, daraus vertraulich communicieren. Da Kf. Ledebaur 
bereits nach Celle zu Herzog Georg Wilhelm*) abgefertigt, so wird derselbe 
ohne Zweifel alle nöthige Nachricht mitbringen. 

Sie haben hauptsächlich dahin zu wirken, dass l) die Stadt der Krone 
gegenüber den schuldigen Respect erweise und keine Eingriffe in die königliche 
jura und Hoheit sich erlaube, 2) dass dieselbe in ihrem Stande und ihren 
Rechten verbleibe. Sie sollen sich daher bei dem Feldherrn erkundigen, worin 
die Stadt dem Instr. pacis und dem Stadischen Vergleich zuwidergehandelt 
hätte, und darüber der Stadt ernstlich zusprechen und sie von dergleichen 



') Vgl. über diese neuen vergeblichen Verhandlungen Duntze IV. S. 158 f.; 
Köcher I. S. 470f. 

») Vgl. Pufendorf IX. § 82. (S. 625f.) 

^ Ueber dessen Sendung nach Schweden im Jahre 1661 s. Urk. u. Act. IX. 
S. 733 ff. 

*) S. ürk. u. Act. XI. S. 706. 

5) S. Köcher I. 8.474. 



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Sendung v. Ledeburs und Beyers. 85 

Contraventionen abmahnen, andererseits aber auch dem Feldherm vorstellen, 
Kf. zweifle nicht, die Krone werde die Stadt vermöge des Instr. pacis und 
Stadischen Vergleichs in dem Zustand, worin sie sich ante hosce novissimos 
motas befunden, unbeeinträchtigt lassen, und da die Stadt sich hauptsächlich 
darüber beschwert, dass man in ihre unstreitigen Güter und sogenannte Gohen 
Kriegsvolker einquartiert und daraus Contributionen erhoben habe, so haben sie 
darauf zu dringen, dass solche Thätlichkeiten eingestellt und die Stadt mit 
solchen Beschwerden verschont werde. 

Sollte der Feldherr auf der bisher von der Stadt geforderten Renunciation 
des Status immediatus fest bestehen, so haben sie dagegen anzuführen, dass 
dieselbe auf einigen Reichstagen nach einander admittiert worden und votum 
et sessionem gleich anderen Reichsstädten gehabt, dass sie dem Kaiser gehul- 
digt, dagegen nach dem Stadischen Vergleich der Krone Schweden nur ein Ge- 
lübde zu Treu und Huld abgestattet, dass im Instr. pacis jedem Theile seine 
Possession bis zu gütlicher oder rechtlicher Entscheidung gelassen und dass im 
Stadischen Recess der Stadt einige possessio status immediati, der Krone aber 
nur ihre Rechte in genere vorbehalten und die Immedietät zu fernerer Hand- 
lung ausgesetzt sei. Kf. sei keineswegs gemeint, die Rechte der Krone Schwe- 
den in Disputat zu ziehen, und Hesse den Ausgang der rechtlichen Entscheidung 
dahingestellt sein, halte aber inzwischen für nöthig, einen billigmässigen Ver- 
gleich allerhand extremis vorzuziehen. Bei Einrichtung dieses Vergleichs raüsste 
das Instr. pacis und der Stadische Vergleich pro norma gesetzt, ein jeder in 
dem jetzigen Besitzstande gelassen, alle Thätlichkeiten abgestellt und womöglich 
punctus immediatis und andere im Stadischen Vergleich noch nicht entschiedene 
streitige Punkte ex aequo et bono verglichen werden, sollte dieses aber nicht 
zu erreichen sein, so sollen sie sich bemühen, dass wegen solcher übrig blei- 
benden Streitigkeiten man künftig nicht ad arma und anderen Thätlichkeiten 
schreiten, sondern dieselben salva cujusque partis possessione bis zu anderwei- 
tiger gütlicher oder rechtlicher Entscheidung ausgesetzt bleiben und die Inter- 
venienten Sorge tragen sollten, dass von keinem Theile etwas via facti atten- 
tiert werde. 

Sollten sie merken, dass sich die Sache in die Länge ziehe, so sollen sie 
es so einrichten, dass sie mit gutem Glimpf wieder von dannen ziehen mögen. 
Sie sollen fleissig berichten, wie die Sachen stehen und was sonst dort Neues 
vorgehe, wie stark die schwedische Armee sei, ob sie noch fernere Werbung 
vornehmen oder mehr Völker aus Schweden erwarten. 



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86 n. Der bremische Krieg:, die QuadrupelalHanz und die engere Vereinigung etc. 

V, Ledebur und Beyer*) an den Kurfürsten. D. Bremen 
2./ 12. August 1666. 

[Audienz bei Wrangel. Gonferenz mit den schwedischen Deputierten. Ankunft in 
Bremen. Die schwedische Armee. Gerächte über feindselige Absichten des Kf. gegen 

Schweden.] 

12. Aug. Sie sind, nachdem sie in Verden erfahren, dass zu Stade keine Tractaten 
mehr stattfinden'), sondern der Feldherr sich zu Bremervörde befinde, am 
30. Jnli/[9. August] dort angelangt, haben aber erst am l./[ll.] August bei 
Wrangel Audienz erhalten. Derselbe dankte dafür, dass Kf. sich des Werks 
annehmen wolle, erklärte aber, der Stadt Bremen wäre nun die Gütlichkeit 6 
Monate und länger offen gehalten, weil sie sich aber in keinerlei Wege an- 
schicken wollte, so hoffte er, es wurde niemand dem Könige verdenken, dass er 
sich dieser Stadt wegen nunmehr in bestmöglichste Sicherheit setze, Er er- 
klärte schliesslich, er wolle dem Kanzler Nicolai und dem Regierungsrath 
Marschalck, die er sofort nach ihrer Ankunft von Stade verschrieben, Ordre 
geben, mit ihnen zu conferieren, könnten sie die Stadt dazu disponieren, gut- 
willig der Immedietät zu entsagen, so geschehe dem Könige und der Krone ein 
grosser Dienst. Sie haben darauf ihrer Instruction gemäss repliciert und vorge- 
schlagen, da die Krone auf Renunciation der Immedietät bestehe, die Stadt hin- 
gegen davon nicht weichen wolle, ob dieser Punkt nicht ausgesetzt und über 
die beiden anderen Punkte, Assecu ration und prätendierte Satisfaction, verhandelt 
werden könnte. Wr. erklärte aber, bevor nicht die Immedietät, als der Stein 
des Anstosses aus dem Wege geräumt sei, wäre von den anderen nichts zu 
sagen. Sie haben nachher mit dem Kanzler und Regierungsrath eine Conferenz 
gehabt, diese deducierten ihnen aus zwei gedruckten Schriften die schwedischen 
Prätensionen, erklärten, man habe der Stadt zu Stade endlich das altemativum, 
dass sie entweder nudum titulum immedietatis doch absque effectibus, oder 
aber renunciata immedietate einige effectus derselben behalten möchte, vorge- 
tragen, ihre Abgesandten seien darauf nach Bremen zurückgekehrt, um nähere 
Instruction einzuholen, seien aber nicht wiedergekommen, darauf seien die 
Lüneburgischen Gesandten zum Feldherrn nach Bremervörde gekommen 
und hätten sich dann auch nach Bremen begeben, denen man aufgegeben, der 
Stadt dieselbe Alternative vorzustellen, da diese aber in einer durch die Lüne- 
burger dem Feldherm übersandten Modification (sie!) an der Immedietät fest- 
gehalten, so habe derselbe den Lüneburgem zurückgeschrieben, dass er bei 
solcher Beschaffenheit in der Sache nichts weiter thun und ohne die Renuncia- 
tion sich nicht weiter äussern könnte. Sie haben darauf vorgestellt, wenn auch 

') Dieselben hatten von Petershagen aus am 26. Juli/ [5. August] dem Kf. ge- 
meldet, sie gedächten morgen fortzureisen. Die schwedische Werbung gehe über die 
Maassen stark fort, täglich kämen Neugeworbene zu Lande oder zu Wasser hier vor- 
bei, nach zuverlässigen Nachrichten hätten die Schweden jetzt im Herzogthum Bremen 
12 000 Mann beisammen. 

-) S. über den Abbruch derselben Kocher L S. 471. 



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Verhandlnngfen mit Wränge]. 87 

dieser Streit wegen der Immedietät nicht in Gate zu lieben, so müsste man 
deswegen doch nicht via facti gegen die Stadt verfahren, sondern den Rechts- 
weg einschlagen, jene erwiderten, man beabsichtige keineswegs wegen der Im- 
medietät die Stadt mit Waffen anzugreifen, sondern wegen der Contraventionen 
müsste man endlich, da von der Güte nichts zu hoffen, zu den Waffen schreiten, 
und wäre die Renunciation der Immedietät das einzige Mittel, wodurch die 
Krone Sicherheit erlangen könnte. Schliesslich wurde beschlossen, dass die 
Gesandten sich nach Bremen begeben und versuchen sollten, wie weit sie es 
dort bringen könnten. Sie sind darauf heute nach Bremen gereist und dort 
feierlich empfangen worden. Sie haben auch aus den bei Tafel geführten Dis- 
cursen und sonst verspürt, dass vielleicht nicht mehr res integra, sondern dass 
nicht nur des Königs und der Krone , sondern auch der dazu gebrauchten Mi- 
nistrorum Reputation darunter engagiert sei, weshalb sie nicht von der Renun- 
ciation der Immedietät abzustehen intentioniert sein dürften. 

Die Schweden haben grossen Zulauf, es sollen auch 6000 Manu herunter 
zu marschieren in Pommern fertig stehen, auch in Schweden Anstalt zu weiteren 
Tmppensendungen gemacht werden, so dass in kurzer Zeit eine Armee von 
m/20 Mann zusammen gebracht werden könnte. W ran gel hat ihnen erzählt, 
in Holland sei durch H. Harschholt ^ Bericht eingekommen, dass Kf. durch 
Ledebur beim Lüneburgischen Hof hätte proponieren lassen, er gedächte die 
Stadt zu manutenieren ; sie haben ihn dagegen versichert, dass es nur, um der 
Tractaten jetzigen Zustand zu wissen, geschehen sei, Ledebur hat aber bei 
der Gelegenheit auch zur Sprache gebracht, was für fremde impressiones von 
Kf. bei den schwedischen Ministem in Schweden hätten gemacht werden wollen. 
Der Feldherr bejahte dies, es sei sogar in offenem Druck ausgegangen, dass Kf. 
der Krone Dänemark das Herzogthum Bremen, und dieselbe hinwiederum 
dem Kf. das Herzogthum Pommern hinc inde wollten recuperieren helfen; 
doch versicherte er, dass sowohl der König als auch er selbst von Kf. eines 
andern versichert wären. 

Da nicht zu hoffen ist, dass durch gütliche Tractaten etwas Fruchtbarliches 
werde ausgerichtet werden können, so fragen sie an, ob sie nicht mit Glimpf 
anter dem Vorgeben, erst dem Kf. Relation abstatten zu müssen, zurückkehren 
sollen. 



V. Ledebur und Beyer an den Kurfürsten. D. Bremen 
7./17, August 1666- 

[Wrangeis Erklärung. Stimmung in Bremen.] 

Nachdem Wrangel in seiner am 5./15. Aug. eingetroffenen Antwort in 17. Aug. 

die Abhaltung neuer Gonferenzen zu Vegesack gewilligt, zugleich aber erklärt 

hat, dass man schwedischerseits auf der Renunciation der Immedietät bestehen 

werde, haben sie der Stadt dieses und die ihr drohenden Gefahren vorgehalten 

^) Der holländische Oberst Haersolte, welcher als Gesandter zu den lüne- 
burgischen Herzogen geschickt war, s. Köcher L S. 462 ff. 



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88 n. Der bremische Krieg, die QuadrupelalliaDZ und die engere Vereinigung etc. 

und sie so super puncto iramedietatis sondiert. Jene bleiben jedoch beständig 
dabei, dass sie lieber Ehre, Leib, Gut und Blut daransetzen, ja alles verlieren 
wollten als der Immedietat renuntiieren, sich ex libro vitae exterminieren und 
sich zu schwedischen Unterthanen machen zu lassen. Sie wollen daher ver- 
suchen, ob nicht absque expressa et pura renuntiatione die Stadt in statu quo 
erhalten und von den drohenden extremis befreit werden könne. 

In Bremen ist man der Meinung, dass Ef. und andere benachbarte Fürsten 
und Stände sich, falls es zu Extremitäten kommen sollte, ihrer vermittelst wirk- 
licher Assistenz annehmen und nicht dulden werden, dass sie in schwedische 
Hände fallen, sie haben viel zu thun, ihnen solche eingebildete Hoffnung zu 
benehmen und sie dazu zu bringen, sich mehr zur Güte anzuschicken. 



Der Kurfürst an v. Ledebur und Beyer. D, Cleve 8./18. Aug. 

1666. 

[auf die Relation vom 2./12. August. Mahnung zu vorsichtigem Verhalten.] 

18. Aug. Den punctus immedietatis anbetreffend, sollen sie ihrer Instruction gemäss 
nur das, was ihnen vom Feldherm deswegen an die Hand gegeben wird, der 
Stadt hinterbringen und sich bemühen, dass diese Sache zu beider Theile gutem 
Contento beigelegt werde, sich aber hüten, dass die Schwedischen nicht auf den 
Gedanken gebracht werden, als wenn Rf. ihnen ihre prätendierten jura streiten 
oder missgönnen wollte, noch die Stadt sich beschweren möge, als wenn er sie 
wider ihren Willen zur Renuntiierung der Immedietät obligieren oder persua- 
dieren wolle. Sollten sie und die lüneburgischen Gesandten zu der üeber- 
zeugung kommen, dass nichts Fruchtbarliches auszurichten sei, so sollen sie mit 
guter Manier, ohne dass die Mediation abgebrochen werde, abreisen. 



V. Ledebur und Beyer an den Kurfürsten. D. Bremen 
11./21. August 1666. 

[Conferenz zu Vegesack.] 

21. Aug. Auf der gestern mit den schwedischen, lünebnrgischen und hamburgischen 
Deputierten zu Vegesack abgehaltenen Conferenz^) haben sie dem Wunsche 
der Bremischen entsprechend verlangt, dass die Schwedischen alle ihre desideria 
und postulata semel pro semper herausgeben möchten, und dabei rund heraus 
gesagt, die Stadt werde sich zu der puren Renunciation der Immedietat durch- 
aus nicht verstehen, es könnten aber die jura et effectus derselben durchgenom- 
men und gesehen werden, was der König ihnen lassen und sie dagegen nach- 
geben sollten. Die Schwedischen erklärten darauf, dass sie zunächst nur Ordre 



•) Vgl. Köcher I. 8.475. 



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Gonferenzen zu Vegesack. 89 

hätten, ihren Vortrag anzuhören, doch glaubten sie, dass der Feldherr den vor- 
geschlagenen modnm agendi wohl placidieren wörde, so dass die renunciatio 
immedietaüs nicht pura sondern qualificata et respectu certorum actuum re- 
stricta sein würde. Auch ihren weiteren Vorschlag, dass die quaestio imme- 
dietatis auch ferner ad certos annos ausgesetzt und unterdessen die jura und 
effectus immedietatis festgestellt, auch in puncto assecurationis solche media, 
durch welche die bisherige Diffidenz beseitigt würde, vorgeschlagen würden, 
nahmen die Schwedischen ad referendum und bemerkten nur discursweise, 
dass sie die Versicherung nicht in dem praesidio oder einer Citadelle suchen, 
sondern dass sich wohl andere media finden lassen würden. 



Dieselben an den Kurfttrsten. D. Bremen 16./ 26. Aognst 

1666. 

[Neue Gonferenz. Schwedische Zugeständnisse.] 

In einer gestern zu Vegesack abgehaltenen neuen Gonferenz^) haben 26. Aug. 
sich die Schwedischen zur vorläufigen Aussetzung der renunciatio immedietatis 
verstanden, doch ohne Determinierung einer bestimmten Zeit und unter der 
Bedingung, dass auch von bremischer Seite bis dahin alle seit 1646 angemaassten 
Rechte und deren exercitium in suspenso gelassen werde. In puncto assecu- 
rationis Hessen sie sich vorerst die eidliche Assecuration a senatu et civibus 
qua singulis gefallen, doch solle der Gommandant und die Soldatesque in der 
Stadt zwar von den Bremern eingesetzt, aber sowohl in des Königs als der 
Stadt Eid genommen werden. In betreff der Satisfaction werde der König nicht 
so genau Erstattung für alle Gontraventionen suchen, wenn nur die Stadt sich 
im übrigen gebührend anschickte. Auf ihr starkes Andringen haben die Schwe- 
dischen dann auch die von bremischer Seite übergebene Modification punktweise 
durchgelaufen und daraus die actus et effectus immedietatis examiniert, sie ver- 
langen, dass sessio et votum auf Reichs- und Kreistagen in futurum suspen- 
diert und dass bis zu anderweitigem Vergleich das homagium an den Kaiser 
nicht geleistet werde, wegen der Immediatcontribution im Reich werde sich 
wohl ein Mittel finden. 



O. V. Schwerin an den Kurfürsten. D. Benrabtt 22. Angust 

1666. 

[Die von den lüneburgischen Herzogen vorgeschlagene Zusammenkunft. Empfehlung 
vorsichtigen Verhaltens iu der Bremer Angelegenheit] 

Ich habe das von denen beiden Hertzogen von Lünenburg an 22. Aug. 
E. Ch. D. abgelassenes Schreiben') verlesen und ersehen, dass sie eine 



») Vgl, Köcher I. S. 480. 

*) Die Herzoge Georg Wilhelm und Ernst August von Braunschweig- 



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90 If' I^or bremische Krieg, die Quadrnpelallianz und die engere Vereinigung etc. 

ZasammenschickuQg der Rhäte wegen der Bremischen und anderen Sachen 
desideriren, dabei aber garnicht zu verstehen geben, wohin sie etwa 
zielen mögen. So viel nun die Abschickunge betrifft, können E. Ch. D. 
ihnen darin meines Ermessens gar wohl fügen, es würden aber E. Ch. D. 
Rhäte sehr behutsamb gehen müssen, denn das ist gewiss, dass sobald 
E. Ch. D. sich nur merken lassen werden, dass sie der Chron Schwe- 
den in der Bremischen Sache behinderlich sein wolle, so wird alles das- 
jenige, was E. Ch. D. bisher mit grosser Muhe an der Schwedischen 
Freundschaft gebauet, mit eins niederfallen und viele Inconvenientien 
nach sich ziehen. Sehe auch nicht, wie E. Ch. D. das bewusste Werk *) 
nebst der Chron würde ausfuhren können. Zu wünschen wäre es wohl, 
dass die Chron von dieser Intention divertiret werden könnte, aber dass 
sich E. Ch. D. allein in die Spitze setzen sollen, kann ich nicht rahten. 
Wer kann wissen, ob es den Hertzogen von Lünenburg ein sehr grosser 
Ernst sei, sich der Chron zu widersetzen, und beständig bei der Reso- 
lution verbleiben würden, ich kann mir nicht einbilden, dass der Herr 
Graf von Wal deck, welcher dem Schwedischen Interesse nimmer ent- 
gegen hält, es dazu werde kommen lassen. E. Ch. D. sehen, dass der 
Kaiser und die Staten, welchen nicht weniger als E. Ch. D. hieran 
gelegen, keinen Undanck verdienen wollen, denen doch an der Schweden 
Freundschaft weniger gelegen ist, halte also unmassgeblich davor, dass 
E. Ch. D. zwar zu schicken, sich aber zu thätliche Oppositionen nicht zu 
verstehen, besondern es damit zu decliniren hätten, dass, weil E. Ch. D. 
vom Kaiser und Reich unter andern zum Commissario in dieser Sache 
verordnet, dieselbe auch überdem mediatoris vices über sich genommen, 
es derselben nicht anstehen würde, dass sie sich parteilich in der Sache 
erwiesen, besondern wäre zu erwarten, wann die Schweden die Bela- 
gerung beginnen sollten, was der Kaiser und das Reich dazu sagen und 
hierin verordnen würden, und weil die Hertzogen der andern Sachen 
halber nichts gewisses erwähnen, so können E. Ch. D. Rhäte nicht an- 
ders dann solches zu vernehmen und zu referiren instruiret werden. — 



Lüneburg hatten (d. Alten Bruchausen 6./[16.] August 1666) dem Kf., da zu gütlicher 
Beilegung der Bremischen Sache wenig Aussicht sei, eine Conferenz zu Herford oder 
Bielefeld, zu welcher auch ihr Vetter Herzog August und ihr Bruder Herzog Jo- 
hann Friedrich hinzugezogen werden konnten, vorgeschlagen, um über diese und 
auch über andere Angelegenheiten zu verhandeln, vgl. Kocher I. S. 480. 

') Die Beförderung des Pfalzgrafen von Neu bürg zur polnischen Königskrone, 
s. unten v. Crockows Relationen und Abschnitt 3. 



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Sendung ▼. Heidens nach Bielefeld. 91 

Instraction, wonach sich Ihrer Ch. D. — Raht Friederich 

Freiherr v. Heyden auf der mit den F; Brannschweigisch 

Lünenhurgischen Rfithen zu Bielefeld vorseienden Conferenz 

zu achten. D. Cleve 23. August 1666. 

Er soll spätestens am 31. August sich in Bielefeld einfinden und, nachdem 23. Aug. 
es zur Conferenz gekommen ist, von den braunschweigischen Gesandten 
begehren, ihm die Meinung ihrer Herren inbetrefF der bremischen Sache mit- 
zutheilen ; wenn sie sich darauf herausgelassen, so soll er erklären, dass Kf. sich 
auch weiter bemühen wolle, dass die Sache in der Güte beigelegt werde. 
Hätten nun die Braunschweigischen in specie zugleich mit erwähnt, dass, wenn 
die Schweden ihr Dessein auf die Stadt Bremen mit Gewalt auszuführen ge- 
däcfiten, man dazu nicht stille sitzen und die Stadt nicht lassen müsste, so soll 
er erklären, da dem Kf. nebst anderen Ständen von Kaiser und Reich in dieser 
Sache eine Commission aufgetragen wäre und er. daneben die wirkliche Inter- 
Position übernommen hätte, so würde es sich für ihn nicht schicken, sich weiter 
zu implicieren und dadurch den Schweden Ursache zu geben, ihn hernachmals 
gleichsam als interessiert und partialisch von dem ganzen Werke zu excludieren. 
Die Schweden hätten zur Zeit noch nicht die Stadt feindlich attaqniert, sollten 
sie es wirklich thun, so müsste man zunächst abwarten, was hierunter Kaiser 
und Reich für Anstalt zu machen nöthig befinden würden, Kf. werde sich jedes- 
mal als ein getreuer Stand des Reiches bezeigen. 

Wenn auch die Braunschweigischen weitere Instanz thun sollten, hat 
er doch allezeit bei diesem zu verbleiben und alles übrige, was vorgebracht 
wird, es gehe die bremische oder eine andere Sache an, nur ad referendum 
anzunehmen. 



V. Ledebur und Beyer an den Kurfürsten. D. Bremen 
22. August/ 1. September 1666- 

[Weitere Conferenzen. Gefahr des Scheiterns derselben. Nachrichten über das Ver- 
balten der lüneburgischen Herzoge.] 

Obwohl die Schwedischen mit der am 18./28. August mitgetheilten 1. Sept. 
Erklärung der Bremer') übel zufrieden waren, sind die Unterhandlungen 
doch fortgesetzt worden. Schwedischer sei ts erklärte man sich bereit, snspen- 
sionem immedietatis usque ad finem seculi zu determinieren, verlangte aber, 
dass sich die Bremer über die 3 Punkte contraventionis, suspensionis, und zwar 
vornehmlich voti et sessionis, und assecurationis kategorisch erklären sollten. 
Da diese Erklärung, zumal in den beiden ersten Punkten, ziemlich widrig aus- 
fiel und in einer heute ihnen durch die bremischen Deputierten überbrachten 
Erklärung Magistrat und Bürgerschaft sich weigern, in die Suspension exercitii 



S. Köcher I. S. 481. 



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92 n. Der bremische Krieg, die Quadrupelallianz und die engere Vereinigung etc. 

sesslonis et voti in comitiis auch ad tempns determinatnm einzuwilligen, so 
fürchten sie, dass die Tractaten zn £nde gehen werden. 

P. S. Bei der vorgestrigen Conferenz haben ihnen die schwedischen Com- 
missare vertraulich im Namen des Feldherrn mitgetheilt ^), derselbe hätte durch 
den schwedischen Gesandten am kaiserlichen Hofe, Palbitzky, Nachricht von 
einem Schreiben Herzog Georg Wilhelms an den Kaiser erhalten, in wel- 
chem derselbe erklärt habe, im Fall der Kaiser ihm den Rucken halten wolle, 
sich der Stadt Bremen annehmen zu wollen. Sie haben mit dem lüneburgi- 
schen Gesandten davon gesprochen und dieser darauf den Schwedischen er- 
klärt, er wisse davon nichts und könne es nicht glauben, sondern er wäre da- 
hin instruiert, das Werk in Güte zu componieren. Sie vernehmen, dass hier 
unter dem Magistrat die Meinung herrsche, dass die Stadt vom Kf. im Falle 
der Noth sich wenig Hülfe zu getrosten hätte, das lüneburgische Haus aber 
Hesse sich ihrer etwas besser angelegen sein, sie hätten von ihrem in Celle an- 
wesenden Syndicus die Nachricht, die Stadt solle nur standhaft sein und von 
der Immedietät nicht weichen« 



Der Kurfürst an v. Ledebur und Beyer. D. Cleve 24. Aug./ 
3. September 1666. 

[auf die Relationen vom 16./26. und 18./28. August. Vorschlag einer Geldabfin- 
dung.] 

3. Sept. — So hättet Ihr, im Fall kein ander Temperament absque praeju- 

dicio imperii gefunden werden könnte, dahin zu sehen, ob die Sache bei 
beiden Theilen dahin zu bringen, dass die Bremer pro redimenda vexa 
der Cron Schweden entweder semel per semper oder alle Jahr eine 
gewisse Summe Geldes einwilligten, und woferne solches sowohl von 
ihnen gewilliget als von der Cron Schweden acceptirt werden und also 
der ganze Handel geschlichtet und alle praetensiones von schwedischer 
Seite aufgehoben werden sollten, so seind wir alsdann, weil solcher Ver- 
gleich dem Reich nicht präjudicirte, denselben zu guarantiren nicht un- 
geneigt. — 



V. Heiden an den Kurfürsten. D. Bielefeld 6. September 

1666. 

[Bericht über die Zusammenkunft in Bielefeld.] 

6. Sept. Er ist am 31. Aagust in Bielefeld angekommen, erst am Abend des 2. Sep- 

tember aber ist der Osnabrücksche Abgesandte, Hofmarschall v. Hammerstein 



') S. Kocher I. S. 482. 



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Conferenz in Bielefeld. 93 

angelangt nnd hat ihn am folgenden Tage besacht; sie haben abgemacht, dass 
die Conferenzen geheim gehalten werden sollten; derselbe empfahl ihm noch 
2 absonderliche Angelegenheiten : 1) die streitige Grenzsache zwischen Osnabrück 
und Minden bei dem Dorfe Löweren, 2) die K. pfälzische Sache ^), sein Herr 
hoffe, dass, nachdem die Lothringer in das Gebiet von K.Pfalz eingefallen, 
Kf. denselben securieren wurde. An demselben Abend war der Hannoversche 
Gesandte v. Eist angekommen; er hat denselben besucht, wobei jener ihm 
von dem ungünstigen Stand der bremischen Tractaten berichtete. Nachdem am 
3. Abends der Cellische Gesandte, Kammerrath und Hofmarschall v. Grobben- 
dorf f und am folgenden Morgen der Wolffenbüttelsche , Oberbergrath und 
Vicehofmeister v. Heimbruck angelangt, haben sie an diesem Tage, den 4. 
um 10 Uhr die erste Conferenz in seinem Logement gehalten. Die dort auf den 
Nachmittag verabredete Fortsetzung wurde auf Wunsch der Braunschweigischen 
auf den folgenden Tag verschoben. Am 5., Sonntag, fuhren sie alle nach der 
Predigt auf Einladung des Gen.-Majors El 1er nach Sparemberg, hielten dort 
eine neue Conferenz, verabschiedeten sich darauf und reisten am 6. jeder nach 
Hause. 



Aus den Protokollen^). 

1. Conferenz, 4. Sept. Im Namen der Braunschweigischen weist der 4. Sept. 
Wolffenbüttelsche Abgesandte darauf hin, wie nöthig es sei, sich zu 
bereden, was auf den Fall, dass die gütlichen Tractaten mit Schweden wegen 
Bremens erfolglos abliefen, zu thun sei, und schlägt drei Fragen ad delibe- 
randum vor: 

1) Was bei diesen Mediations-Tractaten femer vorzunehmen? 

2) Was zu Regensburg femer zur Hand zu nehmen? 

3) Wenn bei Schweden in der Gute nichts zu erhalten sei ui^ dieses 
Bremen härter angreifen sollte, was dann zu thun sei? 

Er begehrt darüber des Kf. Sentiment zu vernehmen; H. aber seiner In- 
stmction gemäss erklärt, dazu nicht instruiert zu sein. Die erste Frage anbe- 
treffend wünsche Kf. die Verhandlungen mit Schweden continuieren zu lassen, 
so lange einige Apparenz vorhanden; ihm sei von Kaiser und Reich gewisse 
Commission aufgetragen, ehe von diesen nicht ein weiteres in dieser Sache ver- 
ordnet, würde es für ihn sich nicht schicken, denselben vorzugreifen und den 
Schweden Anlass zu geben, ihn nachher als interessiert und partialisch von 
dem ganzen Handel zu excludieren. Auf die anderen beiden Fragen könnte er 
sich ob defectum instructionis gamicht herauslassen, er wolle aber der anderen 
Meinung und Vorschläge vernehmen. Auch auf weitere Aufforderung beharrt 
er bei dieser Erklärung, fragt zugleich an, da in dem Fürstl. Schreiben auch 
andere gemeinnützige Sachen erwähnt würden, ob sie ihm hierüber Eröffnungen 
machen wollten. 



Vgl. Häusser, Gesch. der rheinischen Pfalz IL S. 624. 
«) VgL Kocher L 8.480. 



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94 I^- I^cr bremische Kriepf, die Quadrupelallianz und die engere Vereinigung etc, 

2. Gonferenz, 5. Sept. Der Woifenbüttelsche erklärt yertranlich, 
was sie in commissione hätten eröffnen zu wollen. Wegen des Bremischen 
Wesens wünschten auch ihre Fürsten die Tractaten fortzusetzen; sollte Schwe- 
den auf seiner früheren Forderung wegen Renunciation der Immedietät bestehen, 
so zweifelten sie, ob es vor dem Reich verantwortlich sein würde, solches der 
Stadt einzurathen, sie wünschten daher des Kf. Meinung darüber zu vernehmen. 
Wenn Schweden aber, wie es ja jetzt scheine, auf die suspensio immedietatis 
einginge, so hielten sie für nöthig, der Stadt zuzureden, soviel möglich nachzu- 
geben, doch müsste dabei libertas commerciorum wohl beobachtet, das praesi- 
dium der Stadt verbleiben und auch sonst das Werk so abgefasst werden, dass 
man nicht über wenig Jahre neue Unruhe zu befahren habe. Wenn es nun 
auf solche Weise zu einem gütlichen Vergleich kommen sollte, wünschten sie 
zu vernehmen, was des Kf. Meinung inbetreff der von der Stadt verlangten 
Garantie sei; wenn Kf. und andere benachbarte Stände sich dazu bereit erklär- 
ten, wären auch sie nicht abgeneigt dieselbe zu übernehmen, wenn aber der 
Vergleich von Kaiser und Reich bestätigt werden sollte, ob dann noch diese 
Garantie nothig sei? 

Die Fürsten seien bereit, die ihnen von Kaiser und Reich übertragene Com- 
mission auszuführen, wünschten aber zu wissen, ob K.CÖln, dem der Vorsitz 
in dieser Commission übertragen worden, deswegen schon an Kf. etwas mitge- 
theilt habe und ob Hoffnung vorhanden, dass Schweden sich solcher Com- 
mission untergeben werde, ob Kf. meine, dass sonst zu Regensburg dieses 
negotii halber etwas nützliches konnte negotiiert werden, und was er inbetreff 
des von der Stadt gewünschten, vom Reich an die Kommissare zu übertragen- 
den Protectorii meine. 

Die Fürsten geben zu bedenken, ob nicht nothig, dass die benachbarten 
Fürsten sich bemühten, dass die Commercia nicht gehemmt und die beiden 
niederen Kreise in beständiger Ruhe erhalten würden, sie wollten ungern an 
ihnen etwas erwinden lassen, wenn nur Kf. sie wissen lassen wolle, wohin 
seine Intention ziele. 

Ausser der Bremischen Sache wünschten ihre Fürsteh mit Kf . auch aus 
dem jetzigen Zustande des Reiches vertraulich zu communicieren , da dann 
wohl zu beklagen, dass Zeit und Unkosten also vergeblich müssten angewendet 
werden. 

Sie hofften, Kf. werde nicht gemeint sein, jura principum zu schmälern, 
sie Hessen sich nicht in Gedanken kommen, dem Kurfürstlichen Gollegio in 
seinen wohlhergebrachten juribus Eintrag zu thun, es schiene, die Sache werde 
zu Regensburg von einigen zu hitzig getrieben und man werde durch den bis- 
herigen modum schwerlich zu einem guten Ende gelangen, es würde aber sehr 
hose Gonsequenzen nach sich ziehen, wenn man dort ohne einen gewissen 
Schluss und ohne Verfertigung eines Reichsabschiedes von einander gehen 
sollte, sie wünschten des Kf. Gedanken auch hierüber zu vernehmen und seien 
zu aller möglichsten Cooperation bereit. 

H. nimmt alles ad referendum an. 



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Scheitern der Verbandlan^en mit Schweden. 95 

V. Ledebar und Beyer an den Kurfürsten. D, Bremen 
30. Augn8t/9. September 1666. 

[Abbrach der Tractaten. Bremische Erklärung^. K.pfälzisches Hilfsgesuch. Die Qaa- 

drupeiallianz.] 

Ihre weiteren Vermittlungsversuche sind vergeblich gewesen*), W ran gel 9. Sept. 
hat ihnen erklärt, bis weitere Resolution aus Schweden einkäme, sich nicht 
weiter in Verhandlungen einlassen zu können, sie und die anderen Vermittler 
haben darauf ihren Abschied genommen und ihre Recredentialen ^) erhalten. 
Doch haben sie auf Wrangeis Wunsch die Stadt noch einmal zu einer näheren 
Erklärung in puncto suspensionis aufgefordert, welche sie auch gestern erhalten 
des Inhalts, dass, wenn das jus sessionis et voti in comitiis der Stadt dadurch 
gewahrt bleibe, dieselbe sich des facti comparitionis auf gewisse Jahre unter 
einigen näheren Bedingungen enthalten wolle. Sie haben dieselbe den schwe- 
dischen Kommissaren zugeschickt. 

P. S. Vorgestern hat sich bei ihnen der K. pfalzische Kammerdirector v. 
Wol zogen angemeldet und ihnen wegen des neulichen Einfalls der Lothringer 
in K.Pfalz*) vorgetragen. Wränge l hat zu Ledebur gesagt, er wolle, so- 
bald ihm die von Wolzogen allegierte Königliche Ordre zugestellt sei, die de- 
siderierte Assistenz thun, wenn nur auch andere Kur- und Fürsten ein gleiches 
thun wurden, da sonst die auf löOO Reiter und 500 Dragoner bestimmte schwe- 
dische Hülfe nicht viel werde nützen können. Appelbom hat aus dem 
Haag den Abschluss der Allianz*) zwischen Dänemark, Kf., den G.Staaten und 
den Häusern Braunschweig-Luneburg gemeldet. W ran gel meinte, Kf. und 
Hessen-Cassel trügen noch darunter einiges Bedenken, er scheint gegen das 
braunschweigische Haus wegen der bremischen Sache etwas ombrageus zu sein, 
namentlich gegen Celle und Graf Wal deck. 



V. Ledebur und Beyer an den Kurfürsten. D. Bremen 
6./ 16. September 1666. 

[Zurückweisung des Vorschlages der Gbidabfindung. Vorläufiger Abbruch der Ver- 
handlungen.] 

Den erst aus dem Rescript des Kf. vom l./ll. September*) ihnen bekannt 16. Sept. 
gewordenen Vorschlag desselben wegen einer Abfindungssumme haben sie vor- 
gestern dem Kanzler Nicolai mitgetheilt, aber dazu garkeine Apparenz noch 
Hoffnung verspüren können. Auf einer am 3./13. und 4./14. zu Grambke abge- 



») Vgl. Köcher I. S. 481. 

^ d. Vegesack 25. August/ [4. September] 1666. 

^ S. oben S. 93. 

*) S. unien. 

^) Gemeint ist das Rescript vom 24. August/ 3. September 1666 oben S. 92. 



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96 n. Der bremische Krieg, die Quadrupelallianz und die engere Vereinigung etc. 

haltenen Conferenz ') ist ihnen angezeigt worden, der Feldherr habe aus Schwe- 
den Nachricht, dass dort die bremische Sache in pleno vorgenommen und dar- 
auf der Präsident Klei he mit einer final- und kategorischen Erklärung hieher 
abgefertigt werden solle, derselbe werde etwa in 3 Wochen hier anlangen, vor 
seiner Ankunft könnte in den Tractaten nichts Beständiges geschlossen werden. 
Sie halten es daher für das rathsamste, mittlerweile die Tractaten zu differieren 
und abzureisen. Auf Grund der bremischen Erklärung haben sie gestern einen 
Waffenstillstand und Eröffnung zweier Pässe vorgeschlagen, fürchten aber, dass 
letzteres nicht zu erlangen sein wird. 



Dieselben an den Kurfürsten. D. Bremen 8./18. September 

1666. 

[Vergebliche Conferenzen. Drohende Aussichten.] 

18. Sept Die Conferenzen sind zwar fortgesetzt worden, aber ohne Erfolg, durch die 
vorgehenden Feindseligkeiten') wird das Werk immer schwerer gemacht, die 
Schwedischen lassen es selbst ungewiss, ob es wieder zu Tractaten kommen 
werde, haben auch bei den Discursen die Forderung renunciandae immedietatis 
wieder angeregt, den wieder vorgebrachten Vorschlag wegen einer Geldabfin- 
dung haben sie zurückgewiesen. Wränge 1 lässt eifrig graben und schanzen 
und namentlich die Pässe jenseit der Weser verstärken, zwei Schiffbrücken 
werden ober- und unterhalb der Stadt über die Weser geschlagen, es sollen 
auch 3 Regimenter aus Pommern im Anzug sein. 



Kurfürst Maximilian Heinrich von Cöln^) an den Knrfttrsten. 
D. Arnsperg 17. September 1666. 

[Vorschlag einer wegen der Bremischen Sache zu haltenden Zusammenkunft.] 

17. Sept. Nachdem er erfahren, dass W ran gel im Werk begriffen ist, BreuLeu mit 
Gewalt zu zwingen, auch das kaiserliche Protectorium und Conservatorium nicht 
angenommen und Notarium insinuantem fast schimpflich tractiert, bittet er Kf., 
ihm seine Gedanken mitzutheilen, wie man sich bei so gestalten Sachen zu 
comportieren, und ob er es nicht dienlich ermesse, vermittelst Zusammen- 
schickung ihrer beider, des Hauses Braunschweig und des Bischofs von 
Münster Deputierten zu Hildesheim oder sonst an einem Ort an der Weser 
eine Conferenz darüber zu halten, doch möge Kf. diesen Vorschlag so viel mög- 
lich geheim halten lassen. 



') Vgl. Köcher I. S. 483. 

») S. Duntze IV. S. 160. 165f.; Kocher a. a. 0. 

^ Ueber die durch Graf Wal deck bewirkte Verbindung desselben mit den 
braunschweigischen Herzogen s. Köcher I. S. 482. 




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Abbruch der Verhandlungen. 97 

P. S. Wrangel hat die Belagerang Bremens wirklich begonnen und ist 
dadurch das Instr. pacis verletzt worden. 



Kaiser Leopold an den Kurfürsten. D. Wien 2. Oct. 1666. 

[Die zugunsten Bremens getroffenen Maassregeln. Aufforderung, der Stadt Hülfe zu 

leisten.] 

Kf. wird das der Stadt Bremen auf ihr Ansuchen ertheilte Conservatori- 2. Oct. 
om empfangen, auch von seiner Gesandtschaft in Regensburg erfahren haben, 
was die daselbst versammelten Reichsstände wegen der feindlichen Action 
Schwedens gegen die Stadt am 18, September*) an den Kaiser gelangen lassen, 
dass nächst Auslassung kaiserlicher schärferer Avocatorien und Inhibitorien auch 
die wirklichen Mittel zu der Stadt Behuf ergriffen und Gewalt mit Gewalt 
hintertrieben werden solle. Er hat darauf) die Avocatoria und Cohibitoria und 
auch an die ausschreibenden Fürsten des Nieder- und Obersächsischen und des 
l^estphälischen Kreises die gewöhnlichen Auxiliatoria erlassen und ermahnt 
auch Kf. in kraft ergangenen Conservatorii, des Instrumenti pacis und der Reichs- 
satznngen, der Stadt in ihrer äossersten Bedrängnis mit aller Macht zu Hülfe 
zu kommen und nichts unversucht zu lassen, wodurch dieselbe von der feind- 
lichen Gewalt liberiert und dem Reich zum besten erhalten werden möchte'). 



V. Ledebnr und Beyer an den Kurfürsten. D, Petershagen 
26. September /6. October 1666. 

[Gefangennehmung y. Uffelns. Schwedische Resolution. Abbruch der Verhandlungen.] 

Donnerstag den 20./30. September ist es allerdings zur Conferenz gekom- 6. Oct. 
men, doch haben die schwedischen Deputierten nur mit Beyer (L. war durch 
Krankheit behindert) über das novum emergens, des Gen.-Feldzeugmeisters 
Ufflens^) Gefangenschaft, und die daher wider das Haus Braunschweig 
geschöpfte Ombrage verhandelt. Auf B.'s Vorschlag ist am folgenden Tage die 
Conferenz mit allen anwesenden Abgesandten fortgesetzt worden, da dort aber'^) 
auf Grund der von Kl eye mitgebrachten Königlichen Resolution von den Schwe- 
dischen wiederum renunciatio immedietatis pro securitate coronae Suecicae der 
Stadt zugemuthet wurde, die Stadt hingegen bei ihrer früheren Resolution ge- 
blieben, so hat man allerseits die Fruchtlosigkeit weiterer Tractaten erkannt 



^) S. das Reicbsgutachten vom 18. September (Pachner y. Eggenstorff 1. 
S. 239.) 

>) S. Pachner y. Eggenstorff I. S. 241ff. 

') In einem Schreiben vom 15. October wiederholt Kaiser Leopold diese Auf- 
forderung. 

*) Vgl. Köcher I. S. 487 ff. 

5) Vgl. Kocher I. S. 489. 

Mater. >. Geseh. d. 0. Kurfürsten. XIL 7 



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98 ^^' ^^^ bremische Krieg, die QuadrupelaHianz und die engere Vereinigung etc. 

and beschlossen, zu den Principalen zur Abstattun^ mündlicher Relation zurück- 
zureisen. Sonntag 23. September/ [3, October] hat die Stadt ihnen durch ihre 
Deputati feierlich die Abschiedsvisite geben lassen, darauf sind sie vorgestern 
abgereist, haben bei Wrangel die Abschiedsaudienz gehabt und sind auch von 
diesem höflich entlassen worden. B. will sich zum Kf. begeben, L., weil noch 
leidend, in Petershagen bleiben. 



Der Kurfürst an den Kurfürsten von Cöln. D. Cleve 
8. October 1666. 

[auf das Schreiben vom 17. September. Bereitwilligkeit zu einer Zusammenkunft. 
Vorschlag in betreff der zunächst zu ergreifenden Maassiegeln.] 

8. Oct. Er ist zu der vorgeschlagenen Zusammenkunft in Hildesheim bereit und wird, 

sobald ihm nähere Mittheilungen über die Zeit derselben zugehen werden, Ge- 
sandte dorthin abschicken. Zunächst möchte K.CÖln in seinem und der anderen 
vom Kaiser bestellten Kommissare Namen ein Schreiben an Wrangel und an 
die Bremische Regierung ergehen lassen, in welchem ihnen die kaiserliche Kom- 
mission mitgethellt und sie der Nothdurft nach erinnert würden, er will dasselbe 
mitvollziehen. 



Der Kurfürst an Kaiser Leopold. D. Cleff 12. October 1666. 

[Ablehnung der ihm übertragenen Kommission zum Schutze Bremens.] 

12. Oct. Dank für das vom Kaiser an ihn und die braunschweigischen Herzoge 

wegen der Stadt Bremen ausgegangene Conservatorium *), gebe aber in schal- 
digem Respect Ew. K. M. — zu bedenken anheimb, ob ich bei denen 
gegenwärtigen Conjuncturen und insonderheit bei denen noch währenden 
höchstgefahrlichcn Troublen im benachbarten Königreich Polen, welche 
fast täglich, wie zu besorgen, zu abermaligen extremis ausschlagen wer- 
den, mich in diese Sache soweit engagiren könne, und ob nicht Ew. K. 
M. am diensambsten erachten, dass ich meine meiste auf Beinen habende 
Kriegsmacht auf den Polnischen Grenzen einenweg als den andern stehen 
lassen und sorgfältige Achtung geben müsse, dass dem h. Rom. Reich 
von dannen nicht einige Gefahr zuwachse. Ich lebe der gehorsam bsten 
Zuversicht, Ew. K. M. werden diese angeführte Consideration erheblich 
finden und gnädigst geruhen, andern dem Herzogthumb Bremen näher 
gelegenen und mit gebührender Kriegsmacht — versehenen Reichsständen 
diese und dergleichen commissiones auftragen, mich aber in kaiserlichen 
Gnaden entschuldigt halten, dass ich mich so weit in diese Händel zu 



J) S. oben S. 97. 



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Die kaiserliche Kommission. 99 

vertiefen and dadurch mir und meinem Staat allerhand Ungelegeuheiten 
auf den Hals zu ziehen Bedenken tragen muss. Inmittelst werde ich 
wie bishero also auch ferner es an meinen schuldigen und möglichen 
officiis nicht ermangeln lassen, um diese Streitigkeiten vermittelst güt- 
licher Handlung beilegen zu helfen, zu welchem End ich dann meine 
Räthe nicht allein abermalen an den Schwedischen Reichsfeldherrn, son- 
dern auch nach der zu Hildesheimb zwischen denen Kur-, Fürsten und 
Ständen, an welche Ew. K. M. gnädigste Commission sub dato des 4. Julii 
jüngsthin ergangen, beraumten Zusammenkunft abzusenden und, so viel 
an mir ist, — Fried und Ruhe im h. Rom. Reich erhalten helfen 
werde. 



Der Kurfürst an Graf Wrangel. D. Cleve 13. October 1666. 

[Aufforderung zur Aufhebung der Belagerung von Bremen und Wiederaufnahme der 

Unterhandlungen.] 

Er hat mit grosser Bestürzung vernommen, dass die Tractaten abgebrochen 13. Oct. 
sind und die Feindseligkeiten begonnen haben. Da seine Gesandten wider Ver- 
hoffen schon zurückgekehrt sind, so will er das, was diese dem Feldherrn hatten 
mändlich hinterbringen sollen, demselben schriftlich mittheilen. Er hat es sich 
bisher auf das eifrigste angelegen sein lassen, diese Sache zu des Königs und 
der Krone Schweden contento in der Güte zu vermitteln, so dass ihm jetzt fast 
überall, sonderlich auf dem Reichstag zu Regensburg, vorgeworfen wird, als ob • 
er die Stadt zu intimidieren und zur Annahme unbilliger und dem Reich selbst 
nachtheiliger Gonditionen zu veranlassen getrachtet. Er will trotzdem gern 
darin fortfahren, da er aber vernimmt, dass nicht allein das Reich dieser Sache 
sich eifrig annehmen wolle und wegen der Assistenz bereits ein Conclusum zu 
Regensburg gemacht sei, sondern auch die Kreisstände fast sehr darauf dringen, 
dass man quovis modo verhüten solle, damit hierdurch das Reich nicht aufs 
neue beunruhigt, nichts wider das Instrumentum pacis vorgenommen, sondern 
die entstandenen Differentien demselben gemäss entweder in Güte oder durch 
den ordentlichen Weg Rechtens ausgeführt werden, zu geschweigen mit was 
für Augen die auswärtigen Kronen und Republiken dieses Vorhaben ansehen, 
so stellt Kf. dem Feldherm anheim, selbst zu urtheilen, ob er nicht Ursache 
habe, sich sorgfältig in Acht zu nehmen und sich so zu betragen, damit ihm 
nicht ferner vorgerückt werde, dass er allein sich den gemeinen Reichs- und 
Kreisconclusis zu entziehen gedächte. Er ersucht ihn daher, die Sache nicht 
auf Extremitäten ankommen zu lassen, sondern vielmehr durch Aufhebung der 
Belagerung dem ganzen Rom. Reiche zu zeigen, dass die Krone vielmehr über 
das Instrumentum pacis halten denn zu neuen motibus Anlass geben wolle, 
und die gütlichen Tractaten zu reassumieren, wobei er ferner alle guten officia 
anzuwenden bereit ist. 



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100 II> Der bremische Krieg, die QuadrupelalHanz und die engere Vereinigung etc. 

Kurfürst Maximilian Henrich von Cöhi an den Kurfürsten. 
D. Arnsperg 13. October 1666. 

[auf das Schreiben vom 8. October. Aufforderung zur Sendung von Bevollmächtigten 
nach Hildesheim und zur Bereithaltung von Truppen.] 

13. Oct. Auf Aafforderung des Herzogs Ernst August, Bischofs von Osnabrück, 

und der Brüder desselben hat er seinen Geh. Rath und Kanzler Buschmann 
nach Hildesheim gesandt, um zusammen mit seinem dortigen Vicekanzler 
Nicolartz dort der Conferenz beizuwohnen und auf Gutbefinden sich mit den 
braunschweigischen Bevollmächtigten zuWrangel zu begeben und denselben 
zu ermahnen, von den Thätlichkeiten abzustehen, auch der Stadt Bremen zu- 
zusprechen, ob nicht der Streit gütlich beigelegt werden könne. Er ersucht 
den Kf., auch mit ehestem jemand der Seinigen dorthin zu schicken, ferner, wie 
er selbst ^) auf Ersuchen der braunschweigischen Herzoge löOO Mann z. F. u. R. 
nach Hildesheim ziehen lässt, ebenso auch seinerseits einige Mannschaft in seine 
an der Weser gelegenen Plätze zu verlegen. 



Der Kurfürst an den Kurfürsten von Cöln. D. Cleff 20. Oct 

1666. 

[auf das Schreiben vom 13. October. Bereitwilligkeit zur Beschickung der Hildes- 
heimer Conferenz. Militärische Vorbereitungen.] 

20. Oct. Seine Räthe werden sich, sobald sie nochmals bei Wrangel ihr Bestes 

gethan und versucht, in Hildesheim einfinden. Er hat bereits sowohl am Weser- 
strom als auch im Halberstädtischen soviel Mannschaft stehen, dass er auf allen 
Fall sowohl sein Kreiscontingent beibringen als auch seinen Alliierten und Freun- 
den, falls sie feindlich angegriffen werden sollten, gebührende Assistenz leisten 
kann. 



Graf Wrangel an den Kurfürsten. D. Stade 11./21. October 

1666. 

[auf das Schreiben vom 3./13. October. Einwilligung in die Wiederaufnahme der 

Unterhandlungen.] 

21. Oct. K^' w^^^ ^ö° seinen zurückgekehrten Abgesandten erfahren haben, dass 

nicht von Seiten des Königs, sondern der Stadt Bremen die Tractaten abram- 
piert worden sind ; auch dass es zu Hostilitäten gekommen, hat die Stadt selbst 
verursacht, indem sie auf die königlichen Truppen zuerst Feuer gegeben. Dass 
nun diese Sache zu Regensburg so hoch getrieben wird, muss sein König dahin 
gestellt sein lassen und alles Gott befehlen, der zu seiner Zeit wird ausfindig 
machen, „was unter dem Prätext der Stadt Bremen Reichs wegen sich anzu- 



Vgl. Kocher I. S. 493. 



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Gorrenpondenz mit K.Coln und Wrangel. 101 

nehmen vor particnlieres Interesse lautieren und besorglich Niemand als die 
Evangelische Partei mit gar zu später Reu treffen durfte.^ Er ist ') nicht abge- 
neigt, auf Einrathen des Kf. die gütlichen Tractaten zu reassumieren, hat es 
auch den anwesenden K.Gölnischen und Braunschweigischen Abge- 
sandten'), nachdem des Kf. Schreiben eingelangt, zu verstehen gegeben; er stellt 
dem Kf. anheim, ob dieser jemand* seiner Räthe dazu wieder abordnen wolle. 
Er hat es gegen die anwesenden Gesandten ausdrücklich bedungen, dass er 
ohne Kf. und die Landgrafin von Hessen-Gassel für bedenklich halte darin 
fortzufahren, doch könnten dieselben ihm ihre Vorschläge immer eröffnen. Die 
Blokade kann er bis zu gänzlicher Vergleichung der Sache ohne expresse Ordre 
des Königs nicht aufheben. 



ProtocolP) der mit den Kaiserlichen Gesandten*) wegen der 

Bremischen Sache abgehaltenen Conferenzen. 

[Cleve 21.— 26. October.] 

1. Gonferenz 21. October 1666. 21. Oct. 
Legati Gaesaris proposuerunt me praes. et D. de Jena: Des Kaisers Ab- 
sehen bei der Schickung des Grafen Sinzendorf ginge dahin, dass derselbe 

Kf. disponieren sollte, sich nebst dem Hause Braunschweig der Stadt Bre- 
men anzunehmen, beziehen sich auf die schriftliche Proposition ^). 

2. Gonferenz 22. October 1666. 22. Oct. 
Den Gesandten wird des Kf. Bescheid mitgetheilt: derselbe habe erhebliche 



') Vgl. über die damalige Lage Wrangeis und die ihm Yon der schwedischen 
Regierung zugegangenen Befehle Carlson IV. S. 490. 

>) S. Köcher I. S. 502. 

') Von 0. Y. Blumenthals Hand. 

^) Als kaiserlicher Gesandter war Graf Sinzendorf bei dem Kf. erschienen, 
welcher zusammen mit dem schon seit längerer Zeit bei demselben befindlichen Baron 
de Goess an den Gonferenzen theilgenommen hat. Vgl. Urk. u Act. XIV. 1. 8.282. 

^) In derselben wird nach Auseinandersetzung der Rechtswidrigkeit des Ver- 
fahrens Schwedens in der bremischen Sache und der bisher von dem Kaiser in der- 
selben getroffenen Maassregeln darauf hingewiesen, bevor man sich auf dem Reichs- 
tage über die zur Rettung Bremens zu ergreifenden Maassregeln vergleiche und die 
Nothdurft beschaffe, könne die Stadt schon in die Hände der Schweden gerathen sein, 
und wird Kf. ersucht, da ein eilendes remedium nöthig sei, dem Kaiser seine Meinung 
über das, was in dieser Sache zu thun nöthig sei, zu eröffnen. Der Kaiser lasse ihm 
das auf ihn und andere Fürsten ausgestellte conservatorium (s. oben S. 97) einhän- 
digen und ihn ersuchen, sich desselben zusammen mit jenen anderen Fürsten zu 
unterfangen und sich dabei versichert zu halten, dass der Kaiser sich mit ihm und 
allen anderen, welche sich der Stadt annehmen würden, über eine Generalgarantie 
vergleichen und dafür sorgen werde, dass die Bxecutionskosten von den Reichsständen 
erstattet würden. 



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102 n* Der bremische Krie^, die Quadrnpelallianz und die engere Vereinigung etc. 

Ursachen sich in die Bremische Sache nicht einzumischen, welche er dem Kaiser 
schriftlich') eröffnet hat. £r wolle an Wrangel abermals schreiben und ihn 
zur Aufhebung der Blokade ermahnen, wenn dies nicht geschehe, so werde 
er Ledebur und Beyer nach Hildesheim schicken, um dort mit den versam- 
melten Käthen die Sache der Nothdurft nach zu überlegen. Unterdessen käme 
es zuförderst auf das Haus Braunschweig, als alternierenden ausschreiben- 
den Fürsten und Zugeordneten an, Kf. halte es also für rathsam, dass Sinzen- 
dorf zu K.Göln und Braun schweig, an die er auch Creditive habe, reise, 
im übrigen werde sich Kf. den Reichsconstitutionibus und Kreissachen nicht 
entziehen. 

Darauf erwidert de Goess eodem die, der Inhalt des Schreibens des Kf. 
an den Kaiser sei ihnen nicht bekannt, sie bäten um Abschrift desselben. Man 
hätte um so mehr gehofft, Kf. und das Haus Braunschweig würden die 
Commission nicht von sich abbringen, da der Kaiser sie für allen Schaden zu 
garantieren erbÖtig sei, die Commission auch auf Reichskosten geschehe. Sollte 
Kf. deswegen angefochten werden, so sei der Kaiser ihm auch zufolge der mit 
ihm abgeschlossenen Allianz^) zu helfen schuldig. Dass man sage, man wolle 
das Seinige pro rata beitragen, das heisse soviel, man wolle, dass Bremen ver- 
loren gehen solle. Kf. möchte sich etwas näher herauslassen, denn, wenn der 
Stadt sollte geholfen werden, müsste es schleunig geschehen. Der Kaiser werde 
auch die Hand mit Nachdruck ans Werk schlagen, dafern Sinzendorf nur 
mit guter Resolution zurückkäme und man nur gesonnen wäre, einige andere 
als die ordinari Mittel, mit denen es langsam daherginge, zu ergreifen. 
Die Brandenburgischen nehmen alles ad referendum. 

23. Oct. 3. Conferenz 23. October 1666, 

Kf. lässt erklären, er hielte davor, es würde dem Kaiser und dem Reiche 
schimpf- und despectierlich sein, Bremen zu abandonnieren. Er verspricht, noch- 
mals bei Wrangel die Güte zu versuchen und, wenn dieses nichts fruchte, 
seine Gesandten nach Hildesheim zu schicken, dieselben sollten so nachdrück- 
lich instruiert werden, dass der Kaiser leicht daraus abnehmen könnte, wie 
Kf. mit demselben in der Bremischen Sache einerlei Sentiment führe, zumal da 
der Kaiser nur des Reiches Freiheit und Reputation aufrecht erhalten wollte, 
indessen hielte Kf. für nöthig, einige Truppen in Schlesien beisammen zu halten, 
um allen besorglichen Inconvenientien fürzukommen. 

Die Kaiserlichen Gesandten fragen durch Goess eodem die an, ob Kf. 
seinen Gesandten nach Hildesheim bevollmächtigt, sich wegen der Auxiliar- 
truppen herauszulassen, sie hofften, Kf. werde vor Sinzendorfs Abreise sich 
etwas weiter herauslassen, zweifelten auch nicht, des v. II axthausen') Com- 
mission würde in einem und anderen grosses Licht geben. 

26. Oct. 16./26. October wurde den Kaiserlichen Gesandten durch mich und H. 

Jena eben die Antwort gegeben, so dem Lüneburgischen ertheilt worden, 



») S. oben S. 98 

=0 Vom 10. Mai 1666 unten Abschn. 4, vgl. ürk. u. Act. XIV. 1. S. 267 ff. 

3) S. S. 103. 



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Conferenzen mit den kaiserlichen und löneburgischen Gesandten. 103 

mit diesem Anhange, Kf. hoffe, der Kaiser wurde glgichermaassen die Hand mit 
Nachdruck an das Bremische Wesen schlagen. 



Propositio Legatorum Ducum Bransvicensium et Lüneburgen- 
siüm DD. Haxthausen et Moltken') 14./24. October 1666. 

Nachdem dem Gesandten des Kf. v. H e y d e n zu Bielefeld '^) in der Bre- 24. Oct. 
mischen Sache ein und anderes remonstriert worden und derselbe damals alles 
ad referendum angenommen, wollten die Herzoge nun vernehmen, was des Kf. 
Meinung bei dieser Sache und wie ihr zu rathen sei. Sie hätten gemeint, da 
periculum in mora, man müsse mit Zuziehung K.Cölns jemand an den Schwe- 
dischen R. Feldherrn abschicken, hätten auch von dieser Resolution dem Kf. 
part geben wollen, und weil man nicht versichert, dass durch die Abschickung 
der intendierte Zweck erreicht werden möchte, so hätten sie bei Kf. um Eröff- 
nung seines Sentiment« anhalten und sich erkundigen wollen, ob Kf. vigore des 
kaiserlichen conservatorii und ertheilten mandati ad exequendum das Werk mit 
embrassieren wolle. 

Nachfolgende Resolution ist den Lüneb. Gesandten durch H. 
Jena und mich') überbracht worden den 15./25. October 1666. 25. Oct. 

S. Ch. D. wollten die Kreishülfe schicken*), wenn sie requiriret 
würde, indessen, begehrte naan zu wissen, ob dasjenige, so die Gesandten 
von wegen der Hülfeleistung erwähnet, für ein Requisit[or]iam anzu- 
nehmen und in wie viel Mannschaft die Hülfe bestehen solle. 

2. Wollte S. Ch. D. ihren Herrn Principalen, wenn sie umb der 
Bremischen Sache halber angefochten würden, mit aller Macht assistiren, 
weil aber S. Ch. D. heute ausm Haag per expressum unvermuthet ad- 
vertiret worden*), sambt wollte Braunschw.-Celle S. Ch. D., dafern sie in 
Preussen attaquiret werden sollte, nicht assistiren, die Ursach aber sol- 



') Vergl. über diese Sendung Köcher I. S. 496; Instruction und Creditiv 
V. Moltcke's sind vom 6./16. October ausgestellt. Inzwischen hatte Herzog Georg 
Wilhelm (d. Nienburg 13./[23.] October) dem Kf. mitgetheilt, er, sowie sein Bruder, 
Herzog Johann Friedrich, und sein Vetter, Herzog Rudolf August, hätten 
ihre Völker an der Grenze ihrer Lande aufgestellt, um, falls von W ran gel eine 
widrige Resolution erfolge, der Stadt Bremen Hülfe zu leisten, und als Kreisoberster 
des Niedersächsischen Kreises Kf. als Mitglied desselben aufgefordert, seine Kriegs- 
völker nicht nur in guter Bereitschaft zu halten und in die Nähe zu stellen, sondern 
auch auf sein ferneres Ersuchen ihm zu Hülfe zu schicken. 

») S. oben S. 93 f. 

*) e.V. Blumenthal. 

*) üeber die damaligen militärischen Anordnungen des Kf. s. Hirsch, Die Armee 
des Grossen Kurf. (Hist. Zeitschr. N F. XVII.) S. 27.5. 

^) S. unten Romswinckels und Copes' Relation vom 19. Oetober 1666. 



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104 II> Der bremische Krieg, die Quadrupelallianz und die engere Vereinigung etc. 

eher genommen Resolution ihr unbewusst, so hofften S. Ch. D., man 
werde sich anders und zwart dem in S. F. 6n. zu Celle gesetzten Ver- 
trauen gemäss erklären. 



25. Oct. Der Ghar-Göliensche Gesandte, Landrost Landsberg*), ha^t 

den 15./25. October folgenden Vortrag gethan: 

K.Göln wünsche zu vernehmen, wie des Kaisers Respect und des Reiches 
Ruhestand und Sicherheit bei dieser Kaiserlichen Gommission in der Bremischen 
Sache zu beobachten sei, 

2) er desideriere des Kf. Gutachten in causa Bremensi auf den Fall die 
gütlichen Tractaten nichts verfangen wollten, würde sich selbigen conformieren. 

3) Nachdem in Hildesheim beschlossen worden sei, dass die Principalen 
ihre Soldatesque zusammenzogen, so Hesse K. Cöln 1200 z. F. und 300 zu Pferde 
künftigen Sonntag unter dem Christen Hell nach der Weser marschieren and 
bäte, dass des Kf. Trappen sich mit denselben conjungieren möchten, 

4) bäte er um Abschickung eines kfl. Ministri nach Hildesheim, 

5) um gute Correspondenz und vertrauliche Communication. 

Item dafern Bremen in der Schweden Hände gerathen und dieselbe sich 
an einem oder andern Stande des Reichs revangieren wollten, was alsdann zu 
thun, ob man nicht mit des Kaisers und der Benachbarten Hülfe dahin zu 
trachten hätte, die Stadt in vorigen Stand zu setzen. 

Diese Resolution ward selbigen Tag dem Ghur-Cölnischen 
durch mich') und H. Jena überbracht: 

S. Ch. D. bedanketen sich für die gethane Abschickung, rühmeten 
Chur-Cöllens Sorgfalt, würden die Kreishülfe schicken und S. Ch. D., da- 
fern sie des Bremischen Wesens halber sollte angefochten werden, mit 
aller Macht assistiren, einen dero Bedienten nacher Hildesheimb ab- 
schicken, auch aus den fürfallenden Sachen mit Chur-Cöllen allemal 
freund Vetter- und brüderlich communiciren. 



Instruction^), wonach sich unsere — Gerhard Jaen Ledebaur 
und Johann de Beyer unterthänigst zu achten. D. Cleve 

24. October 1666. 

[Aufträge an Wränge] und eventuell an die zu Hildesbeim Versammelten.] 
24. Oet. Beide oder, wenn Ledebur verhindert ist, Beyer allein sollen sich 



') Das Creditiv desselben ist Himmelport 22. October 1666 ausgestellt. 
^ C. T. Blumenthal. 

') S. Pufendorf IX. § 82 (S. 626 f.). Vgr]. de Goess' Bericht an den Kaiser 
Tom 3. Notember (ürk. u. Act. XIV. 1. S. 282fF.). 



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Neue Gesandtschaft y. Ledeburs und Beyers. 105 

schleunigst za Wrangel begeben und demselben die gefahrliche Lage der 
IMnge vorstellen. Der Kaiser habe durch den an ihn abgeschickten Grafen 
Sinzendorf^) Kf. ermahnt, sich der Bremer Sache mit Nachdruck anzunehmen 
und die Stadt quovis modo retten zu helfen, derselbe gehe mit gleicher Com- 
mission auch an die braunschweigi sehen Herzoge und andere Reichsstände, 
Ef. müsse furchten, Kaiser und Reich möchten endlich gar andere Resolution fassen 
und diese Commission solchen Ständen übertragen, welche die Execution der- 
selben nicht ablehnen und nicht so behutsam und glimpflich, wie er, darin 
procedieren wurden. 

Welchem negst wir dann den Feldherm nochmaln zun) fleissigsten 
ersuchten, von den extremis and der Blocquade abzustehen und raison- 
nable und dem iDStrumento pacis gemessene gütliche Temperamenta 
nicht aoszaschlagen , die renanciationem praetensae immedietatis bei 
Seite zu setzen und in suspenso zu lassen, auch die Tractaten in statu 
quo, wie sie vor des H. Präsidenten KI eye Rückkauft aus Schweden 
gewesen, weiter continuiren zu lassen. — 

Nun würde von den meisten Standen und fast an allen Orten dafür 
gehalten, dass man in Schweden selbsten') zu den extremis wider die 
Stadt nicht Belieben trüge — ja man hätte gar äusserliche Nachricht, 
dass dem Feldherm Ordre zugekommen wäre, mit den Hostilitäten gegen 
die Stadt einzuhalten und die gütliche Handlung zu admittiren, der 
Feldherr würde sich annoch erinnern, mit was Fürwand wir der Kronen 
zum besten die Reichscommission bishero aufgehalten, nunmehr aber 
stünde solches nicht mehr an unsern Kräften und könnten wir uns nicht 
entbrechen unsere Deputirte nacher Hildesheimb, woselbsten sich alle 
diejenige, welche von I. Kais. M. in der Commission ernannt wären, 
bereits versammelt hätten, — zu schicken. — 

Sollte sich nun der Feldherr hierauf bewegen lassen, mit den ex- 
tremis einzuhalten, die Blocquade aufzuheben und die gütliche Tractaten 
wieder für die Hand zu nehmen, so hätten unsere Räthe solches nacher 
Hildesheimb denen daselbst versammelten Deputirten zu notificiren und 
sie dahin zu veranlassen, dass sie sich auch' alle oder zum weinigsten 
die Braanschweigischen bei dem Feldherm zu Beförderung der Trac- 
taten einfinden möchten. Würden unsere Räthe aber nichts verrichten, 
80 haben sie nach abgelegter Commission sich selbst alle beide oder 
D. Beyer allein nacher Hildesheimb zu verfügen und denen daselbst 
anwesenden Räthen von K.Cöln, Paderborn, dem Fürstl. Hause 



<) S. oben S. 101. 

*) Vgl. Carl 8 on IV. S. 490. 



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lOß n. Der bremische Krieg, die Quadrupelallianz und die engere Vereinigung etc. 

Brauiischweig und den Deputirten der Städte Cöln und Lübeck — 
anzudeuten, dass, sobald wir von K.Cölns Ld. von dieser Zusammen- 
kunft wären advisiret worden, wir nicht hätten unterlassen wollen, auch 
die unseren darbei zu senden, gestalt sie dann befehliget wären, das- 
jenige, was darbei förkommen — bestes Fleisses zu befördern. Unseres 
Orts wären wir nicht allein erbietig unser Contingent an Volk wegen 
Halberstadt dem Kreise beizutragen, sondern dafem auch ein oder ander 
dieser Sachen halber feindlich angegriffen werden sollte, demselben treu- 
lich beizuspringen und mit Nachdruck zu assistiren, wohingegen wir uns 
auch auf allen Fall gebührender Hüifsleistupg von ihnen versehen thäten. 

Und^) weil die zu Hildesheimb versammelt gewesenen Kur- und 
Fürstlichen Räte -schon wieder von einander, so hat D. de Beyer nach 
abgelegter Verrichtung bei dem R. Feldherrn seine Rückreise dergestalt 
anzustellen, damit er entweder S. Churf. D. unterwegens entgegen kom- 
men und mündlich Relation, oder, da die Zeit zu kurz fallen möchte, 
schriftlichen Bericht abstatten könne. 

Ges. erhalten auch ein Credltiv an die Stadt Bremen, sie sollen dieselbe 
der guten Intention des Kf. und dass er alle mögliche officia zu ihrer Rettung 
anwenden würde, versichern, doch dabei gebührende Behutsamkeit gebrauchen, 
damit der Feldherr daraus nicht soup^on fasse *'^). 



Der Kurfürst an den Freiherrn v. Schwerin^) zu Paris. 
D. Cleve 26. October 1666. 

[Die bremische Angelegenheit.] 

26. Oct. Kr soll sich sogleich bei Lionne anmelden und demselben zu verstehen 

geben, Kf. hätte schon längst mit dem Könige wegen der Streitigkeiten zwischen 
Bremen und Schweden communicieren wollen, es aber bisher aufgeschoben, 
da er gehofft, diese Streitigkeiten würden durch seine und anderer Interponenten 
Mediation beigelegt werden. Nachdem aber die Tractaten sich neulich zer- 
schlagen und man bereits beiderseits zu Feindseligkeiten geschritten sei, könne 
er nicht länger unterlassen", dem Könige vorzustellen, was für präjudicierliche 
Weiterungen daraus zu befahren stünden. Kf. hätte sich bisher ungeachtet 
alier nachtheiligen Ausdeutungen bei der Sache so betragen, dass Schweden 
daraus seine Freundschaft und aufrichtige Intention habe verspüren können, 

*) Dieser letzte Passus ist nachträglich hinzugefügt. — Die Conferenzen zu 
Hildesheim hatten schon am 3./1 3. October ihr Ende erreicht, s. Köcher I. S. 491. 

-0 Die Creditive für die Gesandten sind Cleve 25. October 166f) ausgestellt. 

3) Otto V. Schwerin der jüngere, Sohn des Oberpräsidenten. S. ürk. u. 
Act. IL S. 421. 



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Anbringen t. Schwerins in Paris. 107 

was auch W ran gel erkannt and ihm dafür gedankt habe, er wünsche auch in 
gntem Vertrauen mit Schweden zu verbleiben und das durch die letzte Allianz 
aufgerichtete Band der Vertraulichkeit zu verstärken, es würde ihm daher herz- 
lich leid sein, wenn er durch das Bremische Wesen zu Actionen, welche zu 
widrigen Impressionen Anlass geben könnten, verursacht würde. Da aber das 
Reich sich der Sache nachdrücklich anzunehmen und die Stadt zu entsetzen 
beschlossen hat, auch der Kaiser diese in seine und des Reiches Protection 
genommen und zu dessen Effectuierung mandata conservatoria an K.CöIn, Kf. 
und die Herzoge zu Braunschweig-Lüneburg, ferner mandata excitatoria 
und nun vollends executorialia an den Niedersächsischen und benachbarte Kreise 
wegen der Assistenz ergehen lassen, und dabei durch einen extraordinären 
Envoye, den Grafen v. Sintzendorff, von ihm inständig begehrt hat, sich 
dieses Werkes nach Anleitung der Reichsconstitutionen anzunehmen und die 
bedrängte Stadt zu retten, so stelle er dem Könige zu bedenken anheim, wie 
unverantvtortlich es ihm gegen das Reich fallen werde, wenn er sich diesem 
allgemeinen Reichsconcluso zu entziehen und von den anderen Ständen des 
Reichs zu separieren gedächte, er verlangte daher von dem Könige in Confidenz 
zo vernehmen, wohin dessen Sentiment bei dieser Bewandnis der Sachen gehen 
möchte *). 



O. V. Schwerin der jüngere an den Kurfürsten. D. Paris 
5. November 1666. 

[auf das Schreiben vom 26. Oetober. Unterredung mit Lionne.] 

Er hat Lionne aufgesucht und demselben ausführlich alles, was Kf. ihm 5. Nov. 
befohlen, vorgetragen. Jener versprach, dem Könige davon Bericht abzustatten, 
und versicherte wiederholt, derselbe fühle sich durch das Verfahren des Kf. 
ihm gegenüber bei dieser Gelegenheit sehr verpflichtet, auch der König wünsche, 
dass der Frieden in Deutschland erhalten würde und dass dieser bremische 
Streit keine weitere Ausdehnung gewinne, da, wenn man einmal das Schwert 
gezogen habe, man es nicht so bald wieder einstecken würde. Der König wäre 
daher sehr erfreut darüber, dass Kf. die Vermittlung übernommen habe, man 
kenne hier sehr wohl seine Bemühungen, auch die Schweden hätten darüber 
ihre Befriedigung bezeugt. Lionne glaubte aber, dass der Vergleich schon 
getroffen oder wenigstens die Verhandlungen schon weit vorgeschritten wären, 
und unterliess es daher, näher auf die Sache einzugehen, versprach nur, wenn 
er dem Könige Bericht abgestattet hätte, demKf. zu antworten. Auch. auf 
seine Mittheilungen inbetreff des Vertrages des Kf. mit Dänemark, Holland 
und dem Hause Braunschweig antwortete L. nur, dass der König davon 
schon durch d'Estrades unterrichtet sei. 



') In einem zweiten Schreiben von demselben Datum beauftragt Kf. Otto v. 
Schwerin, Lionne den Abschluss der Quadrupel allianz (s. unten) anzuzeigen und 
zugleich zu versichern, dass „solches alles ohne einigen Abbruch der mit dem Konige 
gemachten Allianz wäre". 



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108 11. Der bremische Krieg, die Quadrupelallianz und die engere Yereinigang etc. 

Er hat heute auch Turenne gesprochen, dem er schon Mittheilnng von 
dem, was sich in der Bremer Sache zugetragen, gemacht hatte, derselbe ver- 
sprach, wenn er etwas über die Gedanken des Königs erfahren wurde, es ihm 
mitzutheilen ^). 



Joh. de Beyer an den Kurftirsten D. Bremen 
7. November/28. October 1666. 

[Ankunft im Hauptquartier. Verhandlungen; gunstiger Stand derselben.] 
7. Not. Wie wir hieher geeilet, auch der dunkelen Nächte nicht geschonet, 

beim RFeldherm ankommen sein, die Proposition gn. befohlener Maassen 
abgelegt, was wir zur Antwort auf unsere abermalige Instanz erhalten 
und Weichergestalt wir die K. Cölnische und Fürstl. Braunschweig- 
Luneburgischen Herren Abgesandten auf ihrer Reise nacher Hoya 
rescontriret , was mit ihnen verlassen, wie wir folgends in die Stadt 
kommen und bei ihnen auch den Fürtrag gethan haben, dasselbe ist in 
dem — Ledebur — mitgegebenen Protocollo') begriffen, dahin ich mich 



») Ludwig XIV. beglaubigt bei Kf. (d. St. Germain en Laye 10. Nov. 1666) 
den Marschall Hill et, welcher zur friedlichen Beilegung der bremer Angelegenheit 
mitwirken solle. Das Antwortschreiben des Kf. vom 15./25. December 1666 s. Urk. 
u. Act. II. S. 422f. 

') Danach sind sie am 23. October /2. November in Wrangeis Hauptquartier 
Habenhausen angekommen und haben sofort bei ihm Audienz erhalten. In seiner 
durch den Kanzler Nicolai ihnen mitgetheilten Antwort auf ihre Proposition pro- 
testiert derselbe dagegen, dass man in Schweden das, was er in dieser Angelegenheit 
tbäte, nicht beliebte, und theilt mit, dass er, nachdem er von Schweden her nähere Re- 
solution, namentlich in puncto renunciationis erhalten, auf das Drängen der bei ihm er- 
schienenen K Cölnischen und Braunschweigischen Gesandten die Tractaten habe 
reassumieren lassen, doch habe er vor Ankunft der Gesandten des Kf. dieselben nicht 
zum Schlüsse wollen kommen lassen. Man wäre jetzt so weit gekommen, dass, nach- 
dem der König die Renunciation der Immedietät in suspenso gelassen und die Stadt 
sich wegen der Session und des Votum auf Reichs- und Kreistagen tn des Königs 
contento erklärt, nur noch inbetreff des forum immediatum und des jus territoriale 
über die vier Gohen Differenz bestehe, auch über die Satisfactiön und Securität sei 
schon verhandelt worden. Die K. Cölnischen und Lüneburgischen Gesandten wären 
heute nach Hoya gereist, würden aber in ein bis zwei Tagen wiederkommen, er hoffe, 
es werde in wenigen Tagen zum Schluss kommen. Heute werde dieser Angelegenheit 
wegen eine vornehme schwedische Staatsperson an Kf. abgeschickt werden. Nach der 
Tafel verlassen v. Ledebur und Beyer, da im Hauptquartier keine Gelegenheit zu 
logieren ist, dasselbe, um sich nach Bremen zu begeben, treffen unweit des Haupt- 
quartiers mit den auf der Reise nach Hoya zu den dort anwesenden Lüneburgischen 
Herzogen begriffenen K.-Cölnischen und Braunschweig sehen Gesandten zusam- 
men, erhalten von diesen nähere Mittheilungen über die bisherigen Verhandlungen und 
treffen dann in Bremen ein, wo sie von den Deputierten der Stadt Wachmann und 



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Gesandtschaft t. Ledeburs und Beyers. 109 

referire. So bald nun erwähnte Kur- und Förstl. Herren Abgesandten 
hier wieder angelanget sein, haben wir nicht unterlassen mit denselben 
zuforderst und darauf gesamter Hand mit den Bremischen Deputirten 
in Conferenz zu treten, auch des folgenden Tags in aller Frühe uns nach 
dem Haubtquartier zu erheben, allda wir, falls die ultima Bremensische 
resolutio nicht angenommen und die Tractaten nicht de praesenti ge- 
schlossen werden könnten, zuforderst auf die Aufhebung der Blocquade 
gedrungen, und, der vorgangen, zu allen fernem guten oificiis uns aner- 
boten, endlich so weit es gebracht haben, dass man sich alsofort ans 
Werk gesetzt und Versuch gethan, ob man eadem opera aus den Trac- 
taten und zu der Bloquade Aufheben gelangen können, wie mein Collega 
Drost Ledebur verhoffentlich bereits — mündlich berichtet haben wird, 
der vom Feldherrn und uns seinen Abschied zu der Zeit nahm, als wir 
uns zur Conferenz wirklich niedersetzten. Wir haben uns auch so eifrig 
an dieses W*erk gehalten, dass wir vor Abends spät nicht wieder in die 
Stadt kommen sein. Des folgenden gestrigen Tages, nachdem wir zu- 
forderst mit der Stadt abermal commuuicirt hatten, daran weiter derge- 
stalt continuiret, dass durch Gottes Gnade mit dem Feldherrn wir gestern 
Abend quoad materialia et ingredientia tractatus ex membris renuncia- 
tionis, satisfactionis et assecurationis principaliora aus denen von Schwe- 
discher Seiten zu Stade gemachten Postulatis, welche der Aufhebung 
der Blocquade vorhergehen sollten, fertig worden sein und des Aufsatzes 
stündlich erwarten, mit dem an Kön. Schwed. Seiten gethanen Versichern, 
dass die berührten Articuli so bald nicht unterzeichnet sein würden, 
oder aber auch des nächstfolgenden Tages die Blocquade aufgehoben 
sein, die Völker abziehen, die occupirte Pässe geräumet und die Zufuhr 
zu Wasser und zu Lande hinwieder ungehindert gelassen werden sollte. 

Wann solche Articuli werden adjustiret sein, werden aus dem Sta- 
dischen Vergleich noch eine oder andre Nebenpuncta vorzunehmen sein, 
daran aber hänget das Haubtwerk zumalen nicht. 

B. wartet mit Verlangen auf Resolution des Kf. über die Ledebur mit- 
gegebenen Punkte, namentlich wegen der Garantie, weil die Stadt darauf sehr 
sehan wird. 



Hermes bewillkommt werden. Nachdem am 25, October/4. November die K.Cölnischen 
und Lüneburgiscben von Hoya zurückgekehrt sind, verabreden sie mit diesen, da 
▼. Ledebur zu dem Kf. nach Bielefeld eilt und gern umständlich Rapport tbun will, 
für den Nachmittag eine Zusammenkunft. Vgl. Duntze IV. S. 168f.; Köcher I. 
S. 502 ff. 



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110 n. Der bremische Krie^, die Quadnipelallianz und die engere Vereinigung etc. 

V. Ledebur und Beyer an den Kurfürsten. D. Bremen 
31. October/lO. November 1666. 

[Unzufriedenheit der Bremischen mit dem schwedischen Project. Verlangen der Auf- 
hebung der Blokade. Ledeburs Zusammentreffen mit Konigsmarck.] 

10. Nov. Sie haben ') das inzwischen von den Schwedischen Commissaren übergebene 

Project des Vergleiches insgesamt verlesen und darauf den Deputierten der 
Stadt mitgetheilt, welche darüber aber sehr perplex gewesen und gebeten haben, 
sich mit dem Wort Tractaten nicht länger amüsieren zu lassen, sondern pure 
die Aufhebung der Blocquade zu urgieren. Sie haben darauf ein neues Pro- 
ject entworfen und es der Stadt mitgetheilt, welche mit ihren monitis heut 
einkommen ward, sie wollen dann morgen darüber mit den Schwedischen za 
conferieren suchen und also gesamter Hand noch einmal darauf dringen, dass, 
des Kf. Befehl gemäss, die Tractaten entweder geschlossen, oder, wenn die- 
selben noch länger anstehen müssten, die Blocquade zuforderst aufgehoben 
werden möge, im Fall keines von beiden erhalten werde, wollen die Gesandten 
alle abreisen. 

Ledebur war mit deyi Grafen Königsmark, der dem Kf. zu Hameln 
aufgewartet, eben in Petershagen angekommen, als auch dessen Bruder, der bei 
dem König in Frankreich*) gewesen, dort ankam, beide sind nach dem Schwe- 
dischen Hauptquartier vorausgeritten und er ist ihnen gefolgt und hat bei dem 
Feldherm das angebracht, was Kf. ihm aufgetragen. Ks scheint, der Feldherr 
wäre auch gern bald aus der Sache. — - 



Kurfürst Maximilian Henrich von Cöln an den Kurfürsten. 
D. Schloss Liebenburg 16. November 1666. 

[Ungünstiger Stand der Verhandlungen mit Wrangel. Weitere vorzunehmende Schritte.] 
16. Nov. Der Bischof von Strassburg») hat ihm berichtet, dass Kf. sich bereiter- 

klärt habe, die kaiserliche Kommission wegen Rettung der Stadt Bremen voll- 
ziehen zu helfen. Wrangel hat sich allerdings aufs neue auf gütliche Trac- 
taten eingelassen, ist dann aber mit einem Project herausgekommen, welches 
der genommenen Abrede ganz zuwider ist, und es ist daher dahin gekommen, 
dass derselbe sich entweder eines anderen erklären oder dass der Entsatz werde 
vorgenommen werden müssen. Er hofft, Kf. werde mit Hand anlegen, auch 
mehr Völker nach dem Niedersächsischen Kreise verlegen, und fordert ihn auf, 
einen Abgesandten zu einer mit Münster, den braunschweigischen 
Fürsten und Hessen-Cassel zu Hildesheim oder anderswo abzuhaltenden 
Versammlung zu schicken. 



') S. über diese neuen Weiterungen Kocher I. S. 507 f. 
2) S. Memoires de Pomponne II. S. 89. 215; Köcher I. S. 507. 
') K.Cöln hatte durch diesen (Creditiv d. Winzenburg 8. November 1666) Kf. 
auf der Durchreise durch sein Gebiet begrussen lassen. 



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Weitere Verhandlungen. 111 

V. Ledebur und Beyer an den Kurfürsten. D. Bremen 
7./17. November 1666. 

[Weitere Verhandlungen. Bremens Wunsch in die Quadrupelallianz aufgenommen zu 
werden. Die E.Pfölziscbe Sache.] 

üeber das von den sämmtlichen Gesandten aufgestellte Project ist fleissig 17, Nor. 
bald im Hauptquartier, bald in der Stadt conferiert worden. Die Hauptschwie- 
rigkeit macht noch die Einrichtung des 5. Artikels, namentlich ratione posses- 
sionis juris territorial is in den 4 Gohen und der von der Stadt verlangten Ein- 
behaltung der sonst im 10. Artikel des Stadeschen Recesses der Konigl. Rent- 
kamraer bewilligten halben Contribntion und der anch von der Stadt präten- 
dierten Demolition der Burgschanze sowie, dass sie erst, nachdem diese erfolgt 
sei, den Recess zu beschwören habe. Die K.Colnischen und Luneburgi- 
schen Abgesandten sind vorgestern nach Nienburg gereist und heute zurückge- 
kehrt. Die dort anwesenden Fürsten und Gesandten, auch der kaiserliche, Graf 
Zinzendorf, haben das Vertragsconcept gebilligt und die Gesandten instruiert, 
inbetreff der Forderungen der Stadt wegen der Contribntion und der Rasierung 
der Burg sich nochmals bei Wrangel zu bemühen, wenn dieser dieselben 
aber verweigere, so seien diese zwei Postulata nicht von der Wichtigkeit, dass 
man darum im Teutschen Reich einen blutigen Krieg sich anspinnen lassen 
sollte, vielmehr würde die Stadt sich zu diesem Project zu resolvieren haben. 
Auch sie haben sich damit ganz conformieren können. 

Die städtischen Deputierten haben bei ihnen angefragt, ob sich die Stadt 
im Haag durch ihren mit Zustimmung des Rf. dorthin geschickten Syndicns 
Eden wegen Einschliessung in die neu gemachte Allianz*) anmelden oder da- 
mit noch einige Zeit warten solle, sie sowie die anderen Gesandten haben 
dieses aber nur ad referendum angenommen, ebenso den von den K.Colni- 
schen in der K. pfälzischen Sache gemachten Vorschlag, Wrangel zu er- 
suchen, dass keine schwedischen Völker dorthin geschickt wurden. 



V. Ledebur und Beyer an den Kurfürsten. D. Bremen 
14./24. November 1666. 

[Abschluss der Verhandlungen. Bevorstehende Unterzeichnung.] 

Nachdem sie in realibus soweit avanciert, dass sie der Stadt zu gute noch 24. Nov. 
erhalten haben, was dieselbe wegen Einbehaltung der halben Contribution in 
den 4 Gohen gefordert und dass sie den Art. 11 verglichenen Eid nicht eher 
schwören solle, bis die vom Könige desiderierte willfahrige Erklärung wegen 
Demolition und Restitution der Burg eingekommen sei, haben die übrigen Dif- 
ficultäten meist nur in Worten bestanden, indem zwischen beiden Theilen wenig 
Vertrauens und daher alles für gefährlich gehalten wird, was von einem oder 



') Die Quadrupelallianz. 



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112 n. Der bremische Krieg, die QaadnipelalliaQZ und die engere Vereinigung etc. 

andern erinnert oder corrigiert werden wollen, endlich gestern Abend ist das 
Concept vereinbart und zwei Exemplare davon angefertigt worden, das eine ist 
heute früh der Stadt zugestellt worden, die Deputierten derselben haben noch 
heute Abend erklärt, dass sie dieses Project prent jacet annähmen, doch ober 
einige Punkte Attestation begehrt, sie erwarten demnach nur noch, wann und 
wo es dem Feldherm belieben wird, dass die Unterzeichnung stattfinde. Der 
Feldherr wünschte wohl (so viel die Discurse es vermerken lassen), dass er 
den vorigen Tractaten hätte ihren Fortgang gewinnen lassen, in Meinung, da- 
mals wohl ein mehrers als itzo von der Stadt erhalten zu haben. 

P. S. Soeben haben sie durch einen schwedischen Trompeter Nachricht 
erhalten, dass der Feldherr morgen Vormittag zur Subscription der Tractaten 
im Hauptquartier zu Habenhausen bestimmt habe, auch dass zugleich morgen 
mit der Demolition am Katten- und Wartthurm der Anfang gemacht werden 
könne. 



V. Ledebur und Beyer an den Kurfürsten. D. Bremen 
17./27. November 1666. 

[Unterzeichnung des Vergleichs. Verabschiedung von Wrangel und den Bremern.] 

27. Nov. Sie sind am 15./25. in das Hauptquartier herausgefahren, dort ist der bei- 

folgende Recess ^} allerseits unterschrieben und perfectiert worden , und sie 
haben noch selbigen Tages vom Feldherm ihren Abschied genommen. Derselbe 
hat über diesen Vergleich keine sonderliche Freude erwiesen, auch weder über 
Mahlzeit, noch auch bei ihrem Abzüge keine Freudenzeichen hören, die Stadt 
aber hat bei der auf dem Rathhause gestern angestellten Mahlzeit mit Cano- 
nieren und sonst dieselbe desto mehr merken lassen. Der Feldherr nahm 
Ledebur bei Seite und fragte, ob des Kf. Völker, wie er berichtet wäre, be- 
reits im Marsch begriffen wären, worauf er aber geantwortet hat, nichts davon 
zu wissen. Diesen Morgen haben die Stadtdeputierten bei ihnen ihren Dank 
gegen Kf. bezeugt und gebeten, dass Kf. wegen der Garantie bei seiner einmal 
gegebenen willfahrigen Erklärung bleiben und sich mit den anderen Kur- und 
Fürsten super forma et modo verständigen möchte. Sie gedenken morgen ab- 
zureisen. 



Dieselben an den Kurfürsten. D. Peterahagen 20. /30. No- 
vember 1666. 

[Abreise von Bremen. Der französische und die holländischen Oesandten.] 

30. Nov. Sie sind Sonntag den 18./28. von Bremen abgereist; an der Demolierung 

des Katzenthurms wurde schon durch von der Stadt dazu commandierte Sol- 



Der Vertrag von Haben hausen vom 15./25. November 1666, s. Diar. Europ. 
XIV. Append. S. 181ff.; Londorp IX. S. 459ff.; Roller, Geschichte von Bremen 
m. S.339ff. 



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Der Frieden von Habenbausen. 113 

daten eifrig gearbeitet; das Rendezvous der schwedischen Truppen sollte 
Dienstag zu Hamelingen stattfinden und sie von dort nach den verschiedenen 
ihnen angewiesenen Quartieren ziehen, es scheint, als ob die meisten Völker 
vorerst noch in den Herzogthümern Bremen und Verden sollen stehen bleiben. 
Der französische Gesandte Millet') und die Holländischen sollen unter- 
wegs sein. Wahrscheinlich wurden die Tractaten mehr Zeit erfordert haben 
und weitläufiger gewesen sein, wenn diese Gesandten vor deren Schluss dazu- 
gekommen wären. 

Bürgermeister und Rath von Bremen an den Kurflirsten. 
D. l./[ll.]Deeember 1666. 

[Die Speckhahnsche Angelegenheit. Bitte um Verwendung.] 

Sie wiederholen ihren Dank dafür, dass Kf. ihre Stadt aus den Widerwärtig- U- Dec. 
keiten und der schwedischerseits gegen dieselbe vorgenommenen Blocquierung 
mittelst seiner Interposition durch einen gütlichen Vergleich errettet hat. Da 
aber in diesen Tagen in der Stadt etwas wider ihren Willen vorgegangen*), 
welches leichtlich bei dem schwedischen Könige und dessen Ministern übel ge- 
nommen, auch ganz ungleich ausgeschrieen oder ausgeschrieben werden dürfte, 
so haben sie einen Bericht des wahren Verlaufes ihrem an den R. Feldherrn 
W ran gel abgeschickten Obristlieutenant v. Bendie ben nach Stade nachge- 
sandt, haben denselben dann drucken lassen und übersenden an Kf. ein Exem- 
plar') mit der Bitte, keinem widrigen Bericht Beifall zu geben und bei dem 
Könige und dem R. Feldherrn das Werk dahin zu recommendieren, dass ihnen 
und ihrer unschuldigen Bürgerschaft deshalb keine Beschwerung geschehe, viel 
weniger der jüngst gemachte Friede choquiert werde. 

P.S. 3./[13.] December 1666. Da sie hören, dass Speckhau sich auf das 
äusserste bemüht, den König und den R. Feldherrn zur Ungnade und neuem 
Unwillen zu commovieren, so sind sie bewogen worden, demselben die Larve 
abzuziehen und an den R. Feldherrn ein abschriftlich beigelegtes Schreiben ab- 
gehen zu lassen. 



') Derselbe meldet dem Kf. von Bielefeld aus 2. December 16G6 seine Ankunft. 
Kf. dankt (d. Berlin 15./[25.] December 1666) Ludwig XIV. für seine Bemühungen in 
dieser Sache und für die Absendung Millets und bedauert, dass derselbe zu spät 
gekommen ist (Urk. u. Act. IL S. 422 f.). 

^) Ueber diese neuen, durch den gegen den ehemaligen Bürgermeister, jetzigen 
schwedischen Staatsrath Statins Speckhahn 7. December 1666 ausgebrochenen Volks- 
tumult veranlassten Händel s. Duntze IV. S. 171 ff.; Kocher L S. 512. 

') „Kurzer Bericht, was wegen des Königl. Schwed. Estats-Raths Herrn Statu 
Speckhanen — — in der Stadt Bremen, sonderiich in der Nacht vom 27. auf den 
28. November a. 1666 sich hat zugetragen'' (Diar. Europ. XIV. Append. S. 169.) 

Mater, c. Gesch. d. G. Kurfürsteu. XII. 8 



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114 n. Der bremische Krieg, die Quadrupelallianz und die engere Vereinigung etc. 

Der Kurfürst an den Magistrat zu Bremen. D. Cöln 
8./[18.] December 1666. 

[auf das Schreiben vom 11. Dec. Mahnung zur Bestrafung der Cebelthäter.] 

18. Oec. Er hat nicht gern ersehen, was mit Plünderung des K. Schwedischen Raths 
Speckhan dort vorgegangen, räth ihnen, dass sie ihre Displicenz über diese 
böse und ärgerliche That nicht allein mit Worten und schriftlich, sondern für- 
nehmlich in der That und mit scharfer Inquisition gegen diejenigen, welche an 
den verübten Insolentien Theil haben, bezeigen, auch er will nicht unterlassen, 
was zu Beibehaltung des Glimpfs und Friedens gereichen kann. 



Der Kurfürst an Graf Wrangel. D. Cöln 8./[18.] December 

1666. 

[Die Speckhahnsche Sache. Hoffnung auf Erhaltung des Friedens.] 

18. Dec. Er hat sowohl aus den gemeinen Gerüchten als auch ans einem ausführ- 

lichen Schreiben der Stadt Bremen von den Insolentien erfahren, welche dort 
mit Plünderung des Hauses Speckhans voi'gegangen. Er zweifelt nicht, die 
Stadt, welche darüber eine sonderliche Displicenz bezeuge, werde scharfe In- 
quisition anstellen und die Thäter exemplarisch bestrafen, und hofft, es werde 
der mit so grosser Mühe jüngsthin aufgerichtete Vergleich dadurch nicht alte- 
riert werden, sondern die Stadt dem Könige und der Krone solche Satisfaction 
geben, dass dieselben damit zufrieden sein können'). 



Graf Wrangel an den Kurfürsten. D. Stade 19./[29.] December 

1666. 

[Mitschuld des Raths von Bremen an den Excessen.] 

29. Dec. Der Rath von Bremen hat sich damit entschuldigen lassen, dass er den 
am 27. November begangenen Excess nicht habe verhindern können. Er schenkt 
dem aber keinen Glauben, denn der Rath ist an jenem Abeiid beisammen ge- 
wesen und hätte viel leichter dem Anfang steuern können als am folgenden 
Tage, wo der Pöbel, als er den Ernst gesehen, sich zurückgezogen hat. Dass 
eine Connivenz des Raths dabei stattgefunden, erhellt auch daraus, dass der- 
selbe in einem ausführlichen Schreiben des Speckhan Persqn invahiert und 
dadurch hat bezeugen wollen, dass derselbe ein solches um die Stadt wohl 
verdient hätte. Er kann sich in einer so wichtigen und dem Könige nach- 
theiligen Sache nicht erklären, sondern muss abwarten, wie sie von diesem 
werde aufgenommen werden. 



^) Vgl. das Rescript des Kf. an v, Crockow vom 8./ 18. December 1666 unten. 



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Der Speckhahnsche Handel. 115 

de Jeure Millet^) an den Kurftirsten. D. Arsfeld 25. Jan vier 

1667. 

[Mahnung, Bremen zur Satisfaction wegen des Speckhabnschen Handels zu bestimmen.] 

Nachdem infolge des Speckhabnschen Zwischenfalles sein König von 25. Jan. 
den braunschweigischen Herzogen ersucht worden ist, seine Vermittlung fort- 
zusetzen, um die Auswechslung der Ratificationen des Vertrages zwischen der 
Krone Schweden und der Stadt Bremen zu befördern, und der König ihn dar- 
auf beauftragt hat, zu diesem Zwecke hin zu vermitteln, ersucht er den Kf., 
seinen Bevollmächtigten auf der Versammlung zu Hildes heim') zu befehlen, 
die Stadt Bremen dazu zu bestimmen, dass sie der Krone Schweden alle billige 
Genugthuung leiste und so die Auswechslung jener Ratificationen erleichtere^). 



de Jenre Millet an den Kurfürsten. D. Arsfeld 2. Avril 1667. 

[Mahnung zur Einwirkung auf Bremen.] 

Die Bremer haben noch vor 14 Tagen Deputierte zu Wrangel geschickt 2. April, 
nnd erklärt, Speckhahn nur das wenige, was von seinen Sachen sich bei einigen 
bei der Plünderung betheiligten Privatleuten wiedergefunden hat, nicht aber 
Ersatz für seinen übrigen Schaden erstatten zu wollen, während sie früher sich 
dazu, sowie zur Bestrafung der Schuldigen und zur Entschuldigung gegen den 
König erboten hatten; er ersucht daher den Kf., sich bei der Stadt dahin zu be- 
mühen, dass dieselbe pünktlich dem, was Kf. selbst als billig befunden. Genüge 
leiste, er selbst will sich bemühen, bei Wrangel und den anderen schwedischen 
Ministem die Sache zu erleichtern*). 



Der Kurfürst an den Rath von Bremen. D. Cöln a. d. Spree 

2./[12.] April 1667. 

[Neue Mahnung, in der Speckbahnschen Sache Genugthuung zu leisten.] 

Die Krone Schweden beschwert sich immerhin über sie, auch andere 12. April. 
Potentaten, die sich des Werkes annehmen, verdenken ihnen nicht wenig, dass 
sie durch Verweigerung der Speckhahn gebührenden Satisfaction die schliess- 
liche Execution des jüngst getroffenen Vergleichs hindern. Er räth ihnen, lieber 
wegen des dem Speckhahn zugefügten Schadens raisonnable Satisfaction zu 

^) S. über dessen Thätigkeit in dieser Angelegenheit Mem. de Pomponne II. 
8.311 ff.; Köcher I. S. 520. 525. 

^ S. darüber imten. 

») Kf. erwidert (d. Berlin 23. Januar/[2. Eebniar] 1667), er habe den Rath von 
Bremen ermahnt, Schweden gebührende Satisfaction zu leisten, und auch seine Be- 
vollmächtigten in Uildesheim angewiesen, sich um Beilegung der Sache zu bemühen. 

*) Kf. sagt (d. Berlin 2./[12.] April 1667) dieses zu. 

8* 



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116 n. Der bremische Krieg, die Quadrupelallianz und die engere Vereinigung etc. 

geben, als es auf die extrema ankommen zu lassen, damit der mit so vieler 
Mühe soweit gebrachte Vergleich ohne ferneren Verzug seine völlige Endschaft 
erreiche. 



Bürgermeister und Rath von Bremen an den Kurfürsten. 
D. 23. Mai/ [2. Juni] 1667. 

[Beendigung der Streitigkeiten mit Schweden.] 

2. Juni. Sie theilen mit, dass sie nunmehr mit dem R. Feldherrn und der Konigl. 

Regierung der Herzogthümer Bremen und Verden nicht allein das Speckhahn- 
sche Werk völlig gehoben und verglichen*), sondern auch das Abbittschreiben an 
den König expediert, dagegen die königliche Ratification über den Habenhausen- 
schen Vergleich durch ihre Abgeordneten zu Stade am 15. in originali erhalten 
und ihre Ratification nach Stade geschickt haben. Sie danken dem Kf. für 
seinen Schutz und die ihnen erwiesene Gnade. 



b. Die Allianz mit Dänemark. 

Defensivallianz zwischen dem Könige Friedrich III. von Däne- 
mark und dem Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandeu- 
denburg. D. Cleve 23. Mai 1666'). 

23. Mai. Nachdem der Durchleuchtigste Grossmächtigste Fürst und Herr, Herr 

Friederich des Namens der Dritte zue Dennemarck, Norwegen, der 
Wenden und Gothen König — und dann der Durchleuchtigste Fürst und 
Herr, Herr Friederich Wilhelm, Marggraflf zue Brandenburg, des 
Heil. Rom. Reichs Ertz-Cämmerer und Churfürst — sowohl wegen der 
bisanhero zwischen beiderseits König- uud Churfürstlichen Häusern ge- 
pflogenen Freundschaft und guten Vertrauens, als auch der besorgenden 
Leufften halber, dero Stat, Erbreichen und Landen verträglich zue sein 
ermessen, dass vorgemelte Freundschaft und Corrospondentz durch eine 

In diesem Vergleich (d. Stade 15./[25.] Mai 1667) verpflichtet sich der Rath 
von Bremen, unparteiische Justiz wider die schuldig befundenen Personen mittelst 
Verschickung der Acten an eine Juristenfakultät zu administrieren und deren Urtheil- 
spruch zu exequieren, ferner dem Speckhaho die recuperierte Baarschaft, Bücher und 
sonstige Mobilien auszuliefern und 8000 Thaler Schadenersatz in drei Terminen zu 
zahlen, womit alle Forderungen desselben abgethan sein sollen. 

Inhaltsangabe: Pufendorf X. § 26 (S. 662f.); v. Mörner S. 281ff. 



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Allianz mit Dänemark. 117 

nähere Zusammensetzung und defensive Bündnus je mehr und mehr be- 
festiget und dergestalt dero Erbreiche, Lande, Rechte und Gerechtigkeiten 
soviel müglich auf alle unverhoffende Fälle in nötige Sicherheit gesetzet 
werden, zue Abhandlung solcher defensive Alliantz auch uns dero Ple- 
nipotentiarien, und zwar Ihre Königl. May. zue Dennemarck, Norwegen 
p. mich dero Landrath und Amptmann auf Flensburg, Detleffen von 
Ahlefeld ^), auf Haselaw Rittern, Ihre Churförstl. Durchl. zue Branden- 
burg p. aber uns Dero geheime Rähte und Cämraerer Christoff 
Casparn Freiherrn von Bluhmenthall, des Johanniterordens Rittern 
und Cnmptureu zu Supplingenb., und Friderich von Jena gnädigst 
verordnet, so haben wir uns in Höchstgedachter Ihrer Churfürstl. Durchl. 
zue Brandenburg Residentz Statt Cleve zusammengethan und bis auf 
Ihrer Eönigl. May. und Ihrer Churförstl. Durchl. gnädigste Ratification 
folgende Puncta mit einander abgehandelt und geschlossen. 

1. Solchem nach so soll zwischen Ihrer Königl. May. zue Denne- 
marck, Norwegen p. und Ihrer Churförstl. Durchl. zue Brandenburg, wie 
nicht weniger dero beiderseits Erben und Successoren an dero Reiche 
und Chur eine nähere Vertraulichkeit und Freundschaft und defensive 
Bundnus zue Erhaltung Friedens, beider Theile Sicherheit und dero er- 
langten und habenden Rechten wieder alle und jede, wer die auch sein 
möchten, so einen oder den andern paciscirenden Theil, dessen Erbreiche 
und Lande feindlich überziehen und angreifen würden, hiermit und kraft 
dieses sein und von beiden hohen Bundesverwandten mit gutem Glauben 
und aufrichtig gehalten werden. 

2. Dieweil aber diese Bündnus zue keines Oflfension oder Belei- 
digung, sondern einzig und allein dahin angesehen,, damit Ruhe und 
Friede erhalten, beide Bundesverwandten, dero Successoren und Erben, 
auch alle dero Erbreiche, Lande und Leute in Sicherheit und ausser 
Vergewaltigung sein und bleiben mögen, also, dafern es sich wieder 
Verhoffen begeben und zutragen sollte, dass eines von beiden Bundes- 
verwandten Erbreiche, Lande, erhaltene oder habende Rechte von jeman- 
den feindlich angefallen und mit Gewalt turbiret würden, so soll das 
andere dem beleidigten Theile auf geschehene und vorhergegangene 



') Crediliv und Vollmacht König Friedrich III. für v. Ahlefeldt sind Kopen- 
hagen 26. Februar /[8. März] 1666 datiert, die Vollmacht des Kf. für v. Blumenthal 
und Jena Cleve 12. April 1666. Vgl. über die Verhandlungen mit v. Ahlefeldt die 
Berichte de Goess* an den Kaiser vom 29. Mai und 5. Juni 1666 (Urk. u. Act. 
XIV. 1, S. 272f. 277). 



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118 11. Der bremische Krieg, die Quadrupelalliane und die engere Vereinigung etc. 

Notification schnldig sein, wie in nachfolgenden Articuln deutlich ge- 
meldet wird. 

3. In dieser defensive AUiantz seind ausdrücklich eingeschlossen 
und begriffen an Seiten Ihrer Königl. May. zue Dennemarck, Nor- 
wegen, die Fürstenthömer Schleswig Holstein Königl. Antheils wie 
auch die Grafschaften Oldenburg und Delmenhorst und Pinnen- 
berg nebst allen und jeden vorgedachter Erbkönigreiche und Fürsten- 
thömer incorporierten Landen und Herrschaften mit allen deren juribus, 
Regalien, Höh- und Gerechtigkeiten und was Ihre Königl. May. bei denen 
im Römischen Reiche besitzenden und erwartenden Fürstenthumbern, 
Graf- und Herrschaften und Ländern vor Recht und Gerechtigkeit nach 
Ausweisung der Reichsconstitutionen und Gesetze und des Westphälischen 
Friedenschlusses bereits jetzo innehaben und besitzen, oder durch recht- 
liche Succession und sonsten erwarten. 

An Seiten Ihrer Churf. Durchl. zue Brandenburg die Chur und 
Marck Brandenburg, das Herzogthumb Preussen Churfürstl. Antheils, 
die Clevische und zugehörige Westphälische Lande, das Herzog- 
thumb Hinterpommern, die Fürstenthumber Halberstatt, Minden, 
und C am min nebst denen in ebbemelten Chur- und Fürstenthumbern 
incorporierten Landen, Graf- und Herrschaften, mit allen deren juribus, 
Regalien, Höh- und Gerechtigkeiten, und was Ihre Churf. Durchl. bei 
denen im Römischen Reich besitzenden oder erwartenden Fürsten- 
thumbern, Graf-, Herrschaften und Landen nach Ausweisung der Reichs- 
constitutionen und Gesetze und des Westphälischen Friedenschlusses be- 
reits jetzo innehaben oder besitzen, oder durch rechtliche Succession und 
sonsten erwarten. Gestalt dann so viel die Lande betrifft, welche im 
Heil. Rom. Reich gelegen, wie nicht weniger die Befugnuss, Recht und 
Gerechtigkeiten, so einem oder dem andern Theil aus denen Reichs- 
constitutionibus oder dem Westphälischen Frieden zustehen und compe- 
tiren, dieses gegenwärtige Bundnus ausdrücklich auf mehrgemelten West- 
phälischen Frieden mitgegründet und gesetzet ist. 

4. Wann es sich nun Zeit wehrenden dieses Bundes begebe, dass 
Ihre Churf. Durchl. zue Brandenburg, dero Erben und Successoren im 
vorhergehendem Articul benannte Lande, Rechte und Gerechtigkeiten von 
Jemand, wer der auch sein möchte, feindlich angefallen, überzogen, oder 
sie sonsten darinnen mit Gewalt turbiert und beeinträchtiget würden, 
auf solchen Fall geloben und versprechen Ihre Königl. May. zu Denne- 
marck, Norwegen p. für sich, dero Erben und Successoren. dass sie 



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Allianz mit D&nemark. 119 

innerhalb dreien Monaten von der Zeit an zu rechnen, da deroselben 
von Ihrer Churf. Durchl., dero Erben und Successoren die Notification 
gebührlich geschiehet und Sie requiriret werden, deroselben viertausend 
Mann zue Fuess (oder da Ihrer Churf. Durchl. mehr mit Reuterei ge- 
dienet wäre, anstatt eintausend Mann zue Fuss vierhundert Reuter) guter, 
tüchtiger und bewehrter Mannschafft ohne Seumnus und unfehlbar zu 
schicken gehalten sein wollen. Und haben Ihre Churf. Durchl., dero 
Erben und Successoren, wann es ihnen also gefallen möchte, dieser Hülfe 
bis zue Ende des Krieges sich zu gebrauchen. Es versprechen auch zu- 
gleich Ihre Königl. May. für sich, dero Erben und Successoren, dass^ 
wenn die Hülfe der viertausend Mann, nachdem sie bei dem Herren Re- 
quirenten ein Jahr gewesen und gestanden, in Abgang gerathen sollte, 
sie dieselbe nach Verfliessung des Jahres hinwiederumb gebührlich re- 
cinitiren wollen. 

5. Gleichergestalt geloben und versprechen Ihre Churf. Durchl. zue 
Brandenburg für sich, dero Erben und Successoren, dass sie ihrer 
König]. May. zue Dennemarck, Norwegen p. dero Erben und Successoren 
nach geschehener gebührlicher Notification und Requisition innerhalb 
dreien Monaten viertausend Mann zue Fuesse (oder da Ihrer Königl. 
May. mehr mit Reuterei gedient wäre, anstatt eintausend Mann zue Fuess 
vierhundert Reuter) guter, kräftiger und bewehrter Mannschaft, ohne 
Seumnus und unfehlbar zu schicken gehalten sein wollen, dafern Ihre 
Königl. May., dero Erbed und Successoren im dritten Articul benannte 
Erbreiche, Lande, Rechte und Gerechtigkeiten von Jemanden, wer der 
auch sein möchte, feindlich angefallen, überzogen, oder sie sonsten dar- 
innen mit Gewalt turbieret und beeinträchtiget würden. Und haben 
sich Ihre Königl. May., dero Erben und Successoren, wann es ihnen 
also gefallen möchte, dieser Hülfe bis zue Ende des Krieges zu ge- 
brauchen. Es versprechen auch zugleich Ihre Churf. Durchl. für sich, 
dero Erben und Successoren, dass, wann die Hülfe der viertausend Mann, 
nachdem sie bei dem Herren Requirenten ein Jahr gewesen und ge- 
standen, in Abgang gerathen sollte, sie dieselbe nach Verfliessung des 
Jahres hinwiederumb gebührlich recruitiren wollen. 

6. Dieweil aber, ehe zum Kriege würcklich geschritten wird, billig 
alle gütliche Mittel zuvorhero zu versuchen, als soll auch demjenigen 
Theile, welches von dem beleidigten auf gegenwärtige Alliantz und der 
daraus schuldigen Hülffe requiriret wird, frei stehen und zugelassen sein, 
durch Schickung, oder wie es sonsten vermeinen möchte, allen Fleiss 



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120 H- I>ör bremische Krieg, die Quadrupelallianz und die engere Vereinigung etc. 

anzuwenden, damit der Beleidiger und Invadent von der Gewalt abstehe 
und man nicht nötig habe, demselbigen die Waflfen entgegenzusetzen 
und dem beleidigten Theile die versprochene und schuldige Hülfe wörck- 
lieh zu leisten. Wann sich aber gleichwohl der Beleidiger und Invadent 
nicht weisen lassen wollte, und durch gütliche Mittel zue keiner billigen 
und annehmlichen Satisfaction^ welches in des beleidigten Theils Be- 
lieben stehet, zu bringen wäre, auf solchen Fall soll ungeachtet der 
gütlichen Handlung, sobald die drei Monat verflossen, die versprochene 
tlülfe an den bestimbten Ort würcklich gcstellct und damit zugleich so- 
lange operieret werden, bis der beleidigte Theil billige Satisfaction er- 
halten. 

7. Was dann die Hülfleistung an sich selbst betrifft, soll das Theil, 
welches requiriret ist, die Auxiliarvölker bis an des Requirenten Grenzen 
mit Unterhalt zu versehen schuldig sein. Sobald sie aber an des Re- 
quirenten Grenzen kommen, sollen sie von dessen Commissarien ange- 
nommen und von der Zeit an, solange sie bei dem Requirenten bleiben, 
ihnen gleicher Unterhalt in allen Stücken wie des Requirenten Truppen 
gegeben werden. Nächst diesem so soll der Requirent Macht haben und 
befuget sein, die Auxiliarvölker sowohl bei ihrer Ankunft als auch nach- 
gehends durch seine Commissarien mustern zu lassen, auch bei ihme 
und dessen darzue bestellten Generalen Commissarien oder denjenigen, 
so der Requirent dazu verordnen wird, die Disposition der Quartieren 
einzig und allein verbleiben und die Auxiliarvölker dergleichen Dispo- 
sition ihnen gefallen zu lassen gehalten sein, des Soldes aber hat sich 
ein jedes Theil mit denen Seinigen nach Belieben zu vergleichen. 

8. Im übrigen behält derjenige, welcher die Auxiliarvölker com- 
mandiret, auch die Jurisdiction über dieselbe, wann er sich gleich mit 
des Requirenten Truppen conjungieret, und soll von ihme gute Justitz 
gehalten und wieder die Delinquenten nach Anweisung des Kriegesrechts 
verfahren werden. In den Kriegesactionibus aber hat er des Requirenten 
oder dessen Generals Ordre, jedoch dass er zue allen Eriegsdeliberatio- 
nibus mitgezogen werde, zu folgen. Sonsten seind die Auxiliarvölker in 
allen und jeden Kriegsdiensten und Actionen, es sei zue W^asser oder 
zue Lande, conjunctim oder separatim (welches sie allemahl gleich des 
Requirenten Völkern, wie es der Requirent oder dessen General gut be- 
finden wird, zu leisten schuldig) sowohl als Quartieren jederzeit gleich 
zu tractiren. 

9. Ferner, wann gleich derjenige, welcher Hulffe schicket, in blossen 



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Allianz mit Dänemark. 121 

terminis der Hfilffeleistung verbleibot und über dem nicht weiter in den 
Krieg implicieret würd, so soll doch derjenige, welchem die Hfilffe ge- 
schicket wird, mit dem Beleidiger und Invadenteu keinen Tractat, Friede 
oder Stillstand der Waffen machen können, es sei dann, dass der Hölf- 
schickende nicht allein in solche Handlung ausdrücklich eingeschlossen 
werde, sondern auch seine vollkommene Sicherheit darbei, ohne eintzigen 
Anhang erlange. Da aber der Hülfleistende darumb, dass er die Huire 
geschicket, mit dem Beleidiger und Invadenten oder jemand anders in 
öffentlichen Krieg geriethe, so soll kein Theil ohne des anderen Rath 
und ausdrücklicher Einwilligung mit dem Feinde in einige, auch nur 
praeliminar Tractaten sich einlassen, sondern alles, was dessfalls nöthig, 
mit beider Theile Gutbefinden und Consens dergestalt negotiieret und 
tradieret werden, damit beide Theile zugleich dabei ihre gnugsame 
Sicherheit finden und haben mögen. 

10. Auf die Fälle nun, da die Hülfe wurklich zu schicken und 
das Werk zum Krieg ausschlagen müsse, oder aber auch wann nach ge« 
führetem Kriege die Sache endlich durch einen Frieden gehoben und 
beigeleget würde, hat derjenige, welcher vermöge gegenwärtiger defen- 
siven Bündnuss die Hülfe leistet, an denjenigen, dem er zue Hülfe ge- 
kommen, noch auch an desselben Landen wegen aufgewendeter Unkosten 
oder erlittenen Schadens das geringste nicht zu praetendiren, oder von 
demselbigen zu begehren, ausser dass derjenige, deme die Hülfe zuge- 
schicket, auf den entstehenden Fall, kraft dieser Bündnus zue gleich- 
massiger versprochener Hälfleistung, auf eben diese conditiones gehalten 
und verbunden. 

11. Als es sich auch begeben und zutragen könnte, dass die in 
gegenwärtiger defensiv Alliantz verschriebene und ausgedrückte Hülfe 
nicht zureichend sein möchte, so versprechen zwar beide Theile hiermit 
einander mit mehrer Macht zue assistieren, doch dass bei solcher Be- 
gebenheit beide Theile zuvorhero dieser mehrern und stärkeren Hülfe 
halber deswegen absonderlich handeln und sich desshalb deutlich ver- 
gleichen. 

12. Ferner ist auch verglichen, dass alle und jede Länder, Plätze 
und Vestungen, welche der Requirent mit Zuziehung der ihme zuge- 
schickten auxiliar Völker wider einnehmen und occupieren, oder von dem 
Invadenten gewinnen und acquirieren möchte, ihme allein pleiben sollen^ 
ohne dass der assistierende Theil an den assistierten deswegen das ge- 
ringste praetendieren möge. 



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122 II- Der bremische Krieg, die Qoadrupelallianz und die engere Vereinigung etc. 

13. Und damit beider hohen Confoederiertea wohlmeinende Intention 
bei Aufrichtung dieser Bündnus desto mehr herfürblicke, also soll beider- 
seits Alliierten, dem Kayser, Königen, Fürsten und Republiquen frei- 
stehen, innerhalb vier Monaten mit darein zu treten, auf solche con- 
ditioncs, wie man sich deswegen würd am besten vergleichen können, 
gestalt dann gegenwärtige defensive Bündnus denen mit ihnen vorhero 
aufgerichteten Pacten, Bündnussen und andern Vergleichen keineswegs 
praejudicieren oder nachtheilig sein, sondern dieselbe in ihrer Kraft un- 
geschmälert verbleiben sollen, jedoch dass gegenwärtiger Bündnus, da 
in vorgemelten deroselben etwas entgegengesetzet wäre, dadurch der 
Effect nicht benommen, sondern dieselbe verglichenermaassen unge- 
krencket verbleibe. 

14. Diese Bündnus soll von Dato auf acht nach einander folgende 
Jahre bestehen und von beiden Theilen treulich und aufrichtig gehalten 
werden, nach Verfliessung dieser acht Jahre oder auch ehe dieselbe 
verfliessen, bleibet es in beider Theile Gefallen gestellet, ob sie diese 
Alliantz erlängern und prolongieren wollen. 

15. Die Ratificationes dieser obbeschriebenen und verglichenen Ar- 
ticul sollen von Ihrer Königl. May. zue Dennemarck, Norwegen p. und 
von Ihrer Churf. Durchl. zue Brandenburg p. innerhalb vier Monaten 
von Dato an zu rechnen eingeschicket und ausgewechselt werden. 

Dessen zuo mehrcr Urkund haben wir Eingangs benannte von 
unsern hohen Herren Principalen zue diesem Tractat gevollmächtigte 
Commissarii dieses eigenhändig unterschrieben und mit unsem gewöhn- 
lichen Pittschaften besiegelt. So geschehen zue Cleve den 23. Maii 
Anno 1666'). 

Detleff von Alfeldt. Christoff Caspar Freiherr von Blumenthal. 
Frid. von Jena. 

Vermerk in den Acten: „Loco Protocolli NB. Die Allianz zwischen Denne- 
marck und Chur-Brandenburg ist zwar den 23. Maii 1666 datiret, als umb welche Zeit 
der Herr von Ahiefeld von Cleve abgereiset, dieselbe aber damals nicht unter- 
schrieben, sondern es ist der Köu. Dennemärkische Secretarius Hugo Lente mit 
dem von H. Ahlefeld unterschriebenen Exemplar lange hernach nach Cleve kommen 
und dasselbe gegen Empfahung des von den Chur-Brandenb. IIH. Pienipotenz ariis 
vollenzogenen Exemplars ausgewechselt zu Cleve den 12. Octobris 1666." — Das Re- 
creditiv des Kf. für v. Ahlefeld ist Cleve "22. Mai/1. Juni 1666 datiert. König Frie- 
drich III. schreibt dem Kf. (d. Kopenhagen 20./[30.] Juli 1666), Ahiefeld habe ihm 
von seiner Negociation Bericht erstattet, das ihm zugestellte Project überreicht und 
berichtet, Kf. beharre noch auf seinen vorigen Gedanken und begehre, dass das pro- 
jectierte Bündnis wider alle und jede aggressores insgemein eingerichtet, auch seine 



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Allianz mit Dänemark. 123 

Zu wissen^), dass, obwohl in dem 8. Art. der heut dato zwischen 
Ihrer Königl. May. zu Dennemarck, Norwegen und Ihrer Churförstl. 
Durchl. zu Brandenburg durch dero respective darzu verordnete Pleni- 
potentiarius und Commissarien aufgerichteten näheren Alliance enthalten, 
dass das Commando über die auxiliar Völcker jederzeit bei dem Requi- 
renten oder dessen General sein soll, jedoch beiderseits verglichen und 
verabschiedet worden, dass im Fall derjenige, welcher bei des Requi- 
renten Trouppen ist, mit welchem sich die auxiliar Völcker conjungiren 
müssen, geringere Charge bedienete als der, welcher die auxiliar Völcker 
commandiret, dieser unter jenem zu stehen oder von demselbigen einzige 
Ordre anzunehmen nicht schuldig oder gehalten sein soll. Urkund dessen 
haben wir in obgedachter Alliance benannte Plenipotentiarius und Com- 
missarien diesen Nebenarticul gleichfalls unterschrieben, also dass der- 
selbe eben so gältig und kräftig sein soll, als wäre er dem Haupttractat 
Selbsten eingerücket worden. So geschehen zu Cleve den 23. Maii 
Ao. 1666. 

DetlefF von Alfeldt. ChristoflF Caspar Freiherr von Blumenthal. 
Fridr. von Jena. 



Clevischen Länder mit darein begrifTen würden. Er habe trotz vieler erheblicher Ur- 
sachen, welche ihn davon abhalten konnten, dem deferiert, jenes Project in etwas, doch 
in keinen Substantialibus geändert und schicke es durch seinen Sekretär Hugo 
Leute zurück, nicht zweifelnd, dass auch Kf. es vollziehen werde. Kf. erkhirt sich 
(d. Cleve 12. October 1666) dazu bereit. Seine Ratification ist Cleve 23. September 
16G6, die König Friedrich^ Copenhagen 23. September 1666 ausgestellt. 

») Actennotiz: „Cleve d. 28. September/8. October 1666. Ad art. 8 declarabatur, 
dass zwar derselbe also bleiben möchte, dass der Königliche, wenn er mit dem Cuhr- 
förstl. in einer Charge, ungeachtet er die Charge nicht so lange als der Cuhrf. be- 
dienet, dem Cuhrf. commandiren, Ihre Mt. in Dennemarck aber würde auf den Fall 
der Conjunction auch einen solchen Befehlshaber bestellen, unter welchem der Cuhrf. 
zu stehen kein rechtmässiges Bedenken haben könnte. Und diese Declaration nahm 
auch der König). Dennemarkische Secretarius Linte ad protocollum.'' 



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124 II- Der bremische Krieg, die Quadrupelaliianz und die engere Vereinigung etc. 

c. Die Quadrupelallianz. 

Der Kurfürst an Herzog Georg Wilhelm von Braunschweig 
und Lüneburg. D. Cleff 4. Mai 1660. 

[Vorschlag eines abzuscb liessenden Bündnisses.] 
4. Mai. — Dieweil — die Sachen dieserends nunmehr zu völliger Richtig- 

keit gebracht') und dazu die einmutige Conformität Ew. Ld. und unserer 
consiliorum und conduite nicht weinig geholfen, so zweifeln wir zwar 
nicht, Ew. Ld. werden ferner in guter vertraulicher Freundschaft mit 
uns zu beharren gemeinet sein. — Aldieweil wir aber zu deren — Be- 
festigung auch zu Erhaltung ruhigen Zustandes im Reich, bevorab in 
dem Niedersächsischen und Westphälischen Kreise kein bequemeres 
Mittel erachten, als dass zwischen Ew. Ld. und uns eine engere und 
nähere Vereinigung aufgerichtet würde, wozu Ew. Ld. für diesem selbst 
Anlass gegeben, so haben wir hiemit Ew. Ld. Gutachten und Gedanken 
davon vernehmen — wollen. — 

Er stellt anheim, ob auch die Landgräfin von Hessen und der Bischof 
von Osnabrück mit zu diesem Werk invitiert werden sollen. 



Romsv^^inckel und Copes an den Kurfürsten. D. Hage 

4. Mai 1666. 

[Mittheilungen Müllers, v. Bevernings Eröffnungen wegen einer zwischen den Staaten, 
Dänemark, Kf. und den braunschweigischen Flerzogen abzuschliessenden Allianz.] 

4. Mai. Der Lüneburgische Gesandte Müller hat sie am Freitag besucht, ihnen 

ein offenes Schreiben seines Herrn an Kf., das ihm erst nach seiner Abreise 
von Cleve zugestellt worden, übergeben und sie gebeten, ihn zu entschuldigen, 
dass er dasselbe nicht habe persönlich überreichen und die Ursachen anführen 
können, weshalb sein Herr bei den jetzigen gefährlichen Conjuncturen nicht 
die Abdankung und Reducierung seiner Völker verfügen könnte*). 

Ferner hat er uns dieses des Herrn Wrangeis copejiiches Schrei- 
ben') communicirt und dabei angezeigt, dass, weilen von den 1. Decemb. 
des abgewichenen Jahrs (da der angeregte conventus beschrieben) der 
Zustand vieler Sachen und sonderlich zwischen den nortschen Cronen 
und der Stadt Bremen sich sehr geändert und dieser Stat anitzo son- 

') Gemeint ist der am 18. April 1666 erfolgte Abschluss des Clevischen Friedens. 

') S. Urk. u. Act. XI. S. 719 Anm. 1. 

^ d. Bremervörde 29. März /[8. April] 1666 s. Köcher I. S. 461 Anm. 4. 



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EroffDUugen Müllers und Bevernings. 125 

derliche Zuneigung hätte, mit den Herren Hertzogen zu Braunschweig 
und Lünenburg und andern benachbarten Potentaten und Fürsten, 
sonderlich aber auch mit Ew. Churf. Dchl. in einer nähern Verbintnuss 
zu treten, worüber höchstgemelte Hertzogen sich vorhin beständig würden 
besprechen und vereinigen müssen, wozu dann auch Ew. Churf. Dchl. 
viel wurden contribuiren können, so wollte Ew. Churf. Dchl. er unter- 
thänigst anheimbstellen, ob dieselbe nicht gnädigst gutfinden mogten, 
die bei den Herrn Wran gel vorgeschlagene anderwerthe Conferentz (wie 
sein gnadigster Herr gleichfalls zu thun entschlossen) bono modo zu 
decliniren, bis dass man sehen mogte, wie sich eine und andere Sachen 
ausschlagen und anschicken würden, inmaassen der Wolffenbüttelsche 
Abgesandter Herr Heimeburgh, welcher gestern von hiernach Wolffen- 
büttel ist verreist, dieses also gänzlich approbiret. — 

P.S. Der Herr vonBeverning hat uns gestern — Visite und 
secrete Ouvertüre gegeben, was massen er seine Gedanken darüber hätte 
gehen lassen, wie diese Provintzien sich gegen alle auswendige machi- 
nationes durch eine nähere uniirte defensive Alliance^) beständiglich 
ivürden versichern können, als mit der Cron Dännemarcke, Ew. Churf. 
Dchl. und den sämptlichen Fürsten von Braunschweig und Lünen- 
burg, dass er aus sich selbst wohl einige generale Discursen darüber 
mit Ew. Churf. Dchl. von weitem geführet — mit den Wolffenbüttel- 
schen und Lünenburgischen Abgesandten, Herrn von Heime bürg und 
Herrn Müllern das Werk etwas näher überlegt und es endlich so weit 
gebracht, dass er ohne einige Maassgebung unter der Hand davon ein 



Graf d'Estrades schreibt an Ludwig XIV. schon 22. April 1666 (Me- 
moires d'Estrades IV. S. 239), de Witt habe ihm erklärt, man dürfe sich durch 
Schwedens Drohungen nicht einschüchtern lassen, sondern müsse Dänemark gegen 
dasselbe mit aller Macht unterstützen, que pour cet effet il proposera ä MM. les 
Etats d'entretenir encore pour quatre mois les troupes de TElecteur deBrandebourg 
et des Ducs deBrunswic, qu'il travaillera k faire entrer ces princes dans une ligue 
contre l.i Su^rfe, qu'on tächera d'en engager d'auires pour Tattaquer dans la Pome- 
ranie etc. De Witt selbst schreibt an den holländischen Gesandten in Paris Beu- 
ni ngen 29. April 1666 (Lettres et negociations entre M. Jean de Witt et MM. 
les plenipotentiaires des provinces unies des Pais bas III. S. 420) : Je crois quMl est 
de Tinteret de l'Estat d'engager s'il est possible TEIecteur de Brandebourg et les 
Princes de Lunebourg dans une plus etroite alliance, qui tende ä se defendre et 
se garantir Tun Pautre et le roi de Danemark contre toutes les attaques auxquelles 
ils pourroient etre exposös ä preseut et ä Tavenir; je tacherai d'y preparer les esprits 
et je sonhaite que vous me marquiez ce que vous en pensez. Vgl. Köcher I. S. 459, 
aber in der dort citierten, S. 673 ff. abgedruckten Relation Müllers vom 4./14. April 
ist von dieser Allianz noch nicht die Rede. 



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126 n. Der bremische Krieg, die Quadrupelallianz und die engere Vereinigung etc. 

Project gemachet und gemelten Herrn von Heime bürg, gestalt seinem 
gnädigsten Herrn zu hinterbringen, zugestellt hätte, begehrend, wir 
möchten nicht allein einliegendes gleichlautendes Project'), welches er 
uns folgends geschickt hat, Ew. Churf. Dchl. gleichfalls unterthänigst 
hinterbringen und vernehmen, ob £w. Churf. Dchl. gnädigst würden gut- 
finden können, darauf an diesem oder andern Orte durch einige Gevoll- 
mächtigte tractiren zu lassen, sondern auch bestergestalt entschuldigen, 
dass er die Freiheit gebraucht hätte, dieses Concept ohne anderen vor- 
hergehenden Cereraonien — zu entwerfen. — 



Der Kurfürst an Romawinckel und Copes. D. Cleve 
25. April/ 6. Mai 1666. 

[auf die Relation vom 4. Mai. Geneigtheit zum Abscbluss einer Allianz. Schwerins 

Reise nach Holland.] 

0. Mai. Das Schreiben Herzog Georg Wilhems wird er von hier aus beant- 

worten, eine Abschrift seiner Antwort an W ran gel, der auch an ihn wegen 
der am 1. Mai abzuhaltenden Zusammenkunft geschrieben, schickt er zur Mit- 
theilung an Müller mit 2), sie sollen denselben versichern, er werde in dieser 
Sache nichts ohne vorherige Coramunication mit dem braunschweigischen Hause 
schliessen. 

P.S. Auch — belangend die secrete Ouvertüre, so Euch der v. Be- 
verning wegen einer engeren Verbindung gegeben, könnet Ihr demselben 
hinwiederumb hinterbringen, dass wir noch bei der Intention, die wir 
ihm bei seiner Anwesenheit mündlich selbst angedeutet, beständig zu 
verbleiben gesonnen wären, dass wir uns nämlich mit dem Staat und 
andern Benachbarten zu allerseits Lande Sicherheit enger zu verbinden 
geneigt, jedoch also daferne die H. Staaten ihrerseits sich auch derge- 
stalt hierunter bezeugen wollen, damit wir ihnen bei aller Begebenheit 
beispringen könnten. Und weil unser Oberpräsident, der Freiherr 
V. Schwerin ehestes Tages mit unsern Prinzen nacher Iselstein kom- 
men würde, so würde er sich dieser Sache halber mit ihm an einem 
oder andern Ort weitläufiger besprechen und von ihm unsre Meinung 
näher vernehmen können. — 



') Vgl. Köcher I. S. 4G2f. 

^ Vgl. Kocher 1. S. 4C1 Anm. 5. 



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Holländisches Allianzproject. 127 

Herzog Georg Wilhelm von Braunschweig und Lüneburg an 
den Kurfürsten. D. Zell 5./[15.] Mai 1666. 

[auf das Schreiben vom 4. Mai. Die von Kf. und von den Holhindern beantragten 

Allianzen.] 

Er zweifelt nicht, des Kf. Absehen bei der vorgeschlagenen näheren Ver- 15. Mai. 
einigung werde auch auf seinen Vetter und Bruder, die Herzoge August und 
Johann Friedrich, gerichtet sein, er wird daher deswegen und wegen des 
inzwischen von den Staaten gemachten Vorschlages einer mit ihnen und an- 
deren benachbarten Potentaten aufzurichtenden Defensiv allianz mit ehestem, 
dem Herkommen nach, in seinem fürstlichen Hause eine Communication an- 
stellen *) und darauf dem Kf. ihre Gedanken darüber mittheilen, fragt inzwischen 
an, ob Kf. meine, wenn das Bündnis mit den Staaten und anderen seinen Fort- 
gang nehme, dass dennoch die nähere Vereinigung zwischen ihm und dem 
Braanschweigischen Hause zu befestigen wäre. 



Der Kurfürst an den Freiherrn v. Schwerin. D. Amsterdam 
Mittwochs den 19. Mai 1666^. 

[Berufung v. Schwerins.] 
— Wir lassen Euch hiemit gnädigst wissen, was gestalt wir gestern 19. Mai. 
Abend alhie angelanget und bis übermorgen alhio zu verbleiben, alsdann 
früh von hie auf Vianen zu gehen und daselbst Mittag zu halten ent- 

Vgl. über die am 9. Juni und den folgenden Tagen zu ßraunscbweig abge- 
haltene Conferenz des Gesamthauses Kocher I. S. 465 if. 

') Dieses einzige von dem Kf. aus der Zeit seines damaligen Aufenthaltes in 
Holland herrührende Schriftstück befindet sich im Kriegsarchiv des Gr. Generalstabes. 
Nach de Goess' Bericht an den Kaiser aus Cleve vom 29. Mai 1666 (ürk. u. Act. 
XIV. 1, S. 271) istKf. schon am 22. Mai aus Holland dorthin zurückgekehrt. Ueber seine 
Unterredung mit Job. de Witt berichtet dieser selbst an Beuningen 19. Mai löfUJ 
(Lettres III. S. 438 irrthümlich als vom 13. Mai): Mr. l'Electeur de Brandebourg 
est arrive ici hier incognito, j'ai eu aujourd'hui une longne Conference avec son Al- 
tesse Electorale sur TAlliance proposee entre le Dannemark, son Alt. Electorale et los 
Princes de Lunebourg suivant le projet que je vous ai envoye, j'y ai trouve cc 
Prince tres-dispose, et il me declara, qu'il etoit deja engage par un traite avec le 
Dannemark k assister cette couronne au cas que la Suede Tattaquät, ce qu'il avoit 
d^clare k Mr. Cley Envoye de Suede, et corarae Mr. d'Estrades m'avoit dit hier, qu'il 
^toit informe, que Mr. TElecteur etoit Obligo par un traite avec la Suede de l'assister 
contre Bremen, j'en ai parle k son Alt. Elect. qui m'a assure, qu'il n'y etoit engage 
ni directement ni indirectement et qu'il ne s'y engageroit pas, quoiqu'il jugeät que 
la ville de Bremen s'en faisoit un peu trop acroire et qu'elle portoit trop loin ses 
pretendus droits d'exemption qui n'etoient pas fondez, et qu'il faudroit faire ensorte 
que Bremen relächät quelque chose de ses pretentions k condition qu'on ne Tobligeät 



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128 n. Der bremische Krieg, die Quadrupel allianz und die engere Vereinigung etc. 

schlössen sein. Wan wir dan mit Euch ein und anders zu sprechen, 
als wollet Ihr Euch gegen solche Zeit mit unsern Kindern daselbst eiu- 
finden und was Ihr etwan bei der Post an Briefen und neuen Zeitungen 
empfangen, mitbringen, weil wir von der letzten Berlinischen Post noch 
nichts erhalten. — 



Der Kurftlrst an Herzog Georg Wilhelm von Braunschweig 
und Lüneburg. D. Cleff 16./26. Mai 1666. 

[auf das Schreiben vom 15. Mai. Trotz der projectierten Quadrupelallianz Wunsch 
einer näheren Verbindung mit dem braunschweigi sehen Hause.] 

26. Mai. Es ist ihm lieb, dass der Herzog mit seinen Brüdern und Vettern coui- 

municieren will, sobald er ihre Erklärung erhalten, wird er seinen Geheimen 
Rath V. Jena an den Herzog abfertigen und es an nichts ermangeln lassen, 
was zu Beförderung dieses heilsamen Werkes gereichen kann. 

Es ist uns zwar das Project, dessen Ew. Ld. Meldung thun, auch 
von den Herrn General Staaten der Vereinigten Niederlanden communi- 
ciret worden, wir halten aber dafür, es werde noch etwas Zeit erfordern, 
ehe solches zum Stand und völliger Richtigkeit gebracht werden könne 
und dass inmittelst beiden Theilen nützlich — sein werde sich derge- 

pas ä recevoir garnison suedoise. J'ai allegue sur cela quelques considerations qu'il 
n'est pas ,nece8saire de vous repeter ici, ce detail n'etant que pour vous aprendre, 
que Son Alt. Elect. m^a certifi^ plus d^une fois, qu'eile n^avoit meme jamais pense k 
aucun engagemeut avec la Suede qui Tobligeat ä Tassister directoment ni indirecte- 
ment contre Bremen, ce dont j^ai sur le champ fait un üdele rapport ä Mr. d'Kstrades. 
Son Alt. Elect. a dessein d'aller demain ou apres-demain voir la flotte de Leurs 
HH. PP. au Texel et ensuite de s'en retourner k Cleves. Graf d* Estrades schreibt 
an Ludwig XIV. 27. Mai 1666 (Memoires IV. S. 297f.): Je ne svaurois pas bien 
juger k qui des deux, ou du Sieur van Beuningen ou de moi, le Sieur de Wit a 
deguise ses sentimens; mais il est bien sur, quMI a fait tout son possible aupres de 
TElecteur de Brandebourg pour faire rester son armee sur les frontieres jusques k 
ce qu'on ait vu clair aux affaires de Suede, ce qu'il a refuse, et il envoya ses ordres 
ä son general de marcher en Prusse le meme jour qu^il partit de la Haye. II est 
aussi vrai que depuis sept jours le dit Sieur de Witt a fait donner commission des 
Etats au Sieur de Beverning pour se trouver k Utrecht k son retour du Tessel 
pour lui proposer de nouveau cette ligue. Le dit de Beverning a ecrit que M. TEIec- 
teur y consentoit et avoit donne pouvoir au Sieur Schwerin de la conclure; il tra- 
vaille k present avec le dit Schwerin pour en dresser les articles. 11 est vrai aussi 
que M. TElecteur a dit au Sieur de Wit, lorsquMl le pressoit k la Haye de conclure 
la ligue proposee et de retenir ses troupes, que si le Roi de Suede rompoit contre 
le Roi de Dannemarc, il etoit engage par un traite de secourir le Dannemarc 
et qu'il le feroit. Vgl. auch de Witt's Schreiben an Beuningen vom 27. Mai 
(S. 453). 



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VerbandluDgen über die Allianz mit den Braunscbw. u. über die Quadrupelallianz. 129 

stalt mit einander zu verbinden, dass die übel Intentionirte Ursach 
haben möchten, darauf Reflection zu nehmen. — 



O. V. Schwerin an den Kurfürsten. D. Amsterdam 18. Juni 

1666. 

[Die Verbandlungen über die Quadrupelallianz.] 
Weil ich mich zur Ruckreise fertig mache, habe ich nicht Zeit aus- 18. Juni, 
führlich zu schreiben, berichte nur unt., dass wir*) unsere conditiones 
über das Project der vorgeschlagenen Allianz dergestalt eingerichtet, dass 
E. Ch. D. zu aller Zeit fort oder zurückgehen können, glaube ohne das 
nicht, dass aus der Sache etwas werden wird. Es ist hie eine treffliche 
allgemeine Freude über die grosse Victoria, die die Staaten erhalten 
haben'), sie wenden jetzt allen Fleiss an, die Flotte geschwinde wieder 
in See zu bringen. Meine Frau schreibt mir, dass die Prinzen sich 
Gott lob sehr wohl befinden. — 



Romswinckel und Copes an den Kurfürsten. D. Hage 
10. August 1666. 

[Wunscb in Holland, dass Kf. den Frieden mit England vermitteln möge. Be- 
mühungen des däniscben Gesandten um die Quadrupelallianz. Erklärung de Witfs 

wegen der Subsidien.] 

Der Rathspensionar de Witt') ist Sonnabend Abend mit einigen Depu- 10. Aug. 
tierten nach Seeland gereist, um die Flotte allerförderlichst wieder in See und 
die Ostindischen Schiffe, welche unterwegs sein sollen, in Sicherheit zu bringen. 

Sie verspüren unter der Hand bei den meisten Regenten und anderen Par- 
ticulieren eine sonderbare Inclination und Confidenz, dass der Friede mit Eng- 
land durch des Kf. Interposition am besten und schleunigsten befördert werden 
sollte, auch die dänischen Minister haben ihnen dieses sinceriert und als 
Ort der Composition Gleve vorgeschlagen; da die Engländer sieb bei dem letzten 



*) Romswinckel meldet (d. Hage 15. Juni 166G), die von den Gen.-Staaten 
bestellten Kommissare, Job. de Witt und Amerongen, reisten heute nach Amster- 
dam, um sich dort mit dem Freiherrn v. Schwerin zu besprechen, auch er werde 
sich heute dorthin begeben. Vgl. de Goess' Berichte vom 5., 12. Juni und 24. Juli 
1666 (ürk. u. Act. XIV. 1. S. 276fr.). 

*) Die Seeschlacht an den Dünen vom 11.— 14. Juni 1666, s. Aitzema V. 
S. 698ff.; Lefevre Pontalis, Jean de Witt I. S. 377 ff. 

») S. Lefivre-Pontalis I. S. 387. 

Mater, x. Qesch. d. G. Karfursten. XII. 9 



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130 '^* ^^^ bremische Krieg, die Quadnipelallianz und die engere Vereinigung etc. 

Rencontre') etwas revanchiert, so konnte bei dem Könige jetzt wohl einige 
nähere Disposition zum Frieden gefunden und zu dessen Vermittelung des Kf. 
Interposition vor allen anderen acceptiert werden. Die dänischen Minister haben 
ihnen auch berichtet, dass sie bei dem Staat zu Fortsetzung der Allianz und 
Einwilligung nöthiger Subsidien alle mögliche Devoiren angewendet, der Raths- 
pensionär aber sich hätte vernehmen lassen, dass die Gasse dergestalt erschöpft, 
dalSs der Staat jetzt keine Subsidien würde aufbringen können. Damit gleichwohl 
das angefangene gute Werk fortgesetzt werden möchte, habe er sich erboten, den 
Staat zu disponieren, dass die Subsidien, wenn es zur Ruptur kommen sollte, 
auf den Fuss wie vor diesem entrichtet und, damit Kf. inzwischen nicht mehr 
Kriegsvölker, als er für sich brauchte, desfalls zu unterhalten nöthig hätte, ihm 
von dem Staat in casum rupturae einige Kriegsvölker überlassen werden möchten. 
Sie haben geantwortet, dass dieser Vorschlag nicht mit dem, was ihnen münd- 
und schriftlich communiciert, übereinstimmte und dass sie keine Instruction 
hätten, auf solche Weise zu tractieren. Soviel sie haben penetrieren können, 
hat de Witt angefangen, diese Allianz oder wenigstens die Subsidien zu decli- 
nieren, seitdem der König von Frankreich ein Versicherungsschreiben an 
d'Estrades gethan'), dass Schweden während dieses Krieges gegen Däne- 
mark nichts Feindliches anfangen, sondern neutral bleiben solle; die dänischen 
Minister aber sagen, mit solchem Schreiben könnten ihre Grenzen nicht defen- 
diert werden, und poussieren die Allianz. 

Der Lüneburgische Gesandte Müller dringt') vornehmlich darauf, dass die 
Subsidien wenigstens auf zwei Monate fortgezahlt und seines Herren Völker 
noch etwas in Ostfriesland gelassen werden. Dienstag hat^) de Witt mit Graf 
Waldeck und Müller in Wicqueforts Haus in der Stille conferiert, Graf 
Waldeck ist darauf sofort verreist, auch Müller ist Freitag nach einer Con- 
ferenz mit einigen aus dem Staat nach Amsterdam zu dem Fürsten von Osna- 
brück gefahren*). 



>) Die Seeschlacht vom 4. August 1666, s. Aitzema V. S. 729; Lefevre- 
Pontalis I. S.382ff. 

*) S. das Schreiben Ludwigs XIV. an Estrades vom 16. Juli und dessen 
Schreiben vom 17. Juli (Mem. IV. S. 358 ff.). 

») S. Köcher L S. 473. 

*) S. Köcher L S. 475. 

*) Dieselben melden 13. August, durch Klingenberg hätten sie erfahren, 
Müller, der ihnen noch keine Visite noch die allergeringste Com munication gegeben, 
hätte erklärt, er wäre jetzt capabel mit dem Staat auf den vorgeschlagenen Fuss, dass 
die Werbe- und Subsidiengelder erst, wenn es zur Ruptur kommen sollte, von dem 
Staat gezahlt würden, zu tractieren. 



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Stocken der Allianzverhandlungen. 131 

Der Karfürst au Romswinckel und Copes. D. Cleve 
14. August 1666. 

[auf die Relation vom 10. August. Zurückweisung der holländischen Vorschläge.] 

— Nun können "»ir uns aber auf solche Art, wann uns nicht als- 14. Aug. 
bald Subsidiengelder zum Unterhalt unserer Völker gereichet werden, 
in keinen Tractat einlassen. Dana, was die Lüneburger betrifft;, weil 
dieselbe bis auf diese Zeit und also ein ganzes Jahr hero die Subsidien 
genossen, darbei auch ohne Zweifel ferneren Unterhalt vor ihre Völker 
aus Ostfriesland ziehen werden, und es also zwischen uns und ihnen in 
diesem Stück gar eine andere Bewandnis hat, so können wir uns nach 
denselben nicht reguliren lassen, sehen auch nichts warum wir bei so 
gestalten Sachen so eben auf diese Allianz dringen sollen. — 



Ronaswinckel und Copes an den Kurfürsten. D. Hage 
17. August 1666. 

[de Witt's Erklärung wegen der Subsidien.] 

Nachdem de Witt Sonnabend aas Seeland hieber zurückgekehrt ist, haben 17. Aug. 
sie denselben am folgenden Tage aufgesucht und hat er betreffend des Kf. Ab- 
schickung nach England zur Vermittlung des Friedens erklärt, dass dem Staate 
solche ganz lieb sein und derselbe unter gewissen Bedingungen darauf eingehen 
würde. Darauf fing er selbst von der engeren Allianz und, wie zuträglich die- 
selbe allen Theilen sein würde, an zu reden, und da sie erwiderten, sie hätten 
auf die von Kf. gemachten Vorschläge noch keine nähere Erklärung erhalten, 
nur von Müller und Klingenberg erfahren, er habe diesen gesagt, dass der 
Staat die Subsidiengelder nicht eher, als wenn es in den beiden Jahren zur 
wirklichen Ruptur kommen sollte, hergeben würde, dieses sei aber discrepant 
von dem ihnen Mitgetheilten und Kf. hätte ihnen befohlen, sich auf solche Art 
in keine Tractaten einzulassen, so erklärte er, was jene Herren berichtet, sei 
seine eigene und endliche Meinung, er würde noch Mühe haben, die Approbation 
des Staats dazu zu erhalten, wenn Kf. darauf die Tractaten einzugehen Be- 
denken trüge, so würde es besser sein davon nichts mehr zureden. Klingen- 
berg, dem sie davon Mittheilung gemacht, war sehr unzufrieden damit und bat 
sie, sich zu bemühen, dass diese Tractaten nicht abrumpiert würden. Müller 
hat ihnen nicht mitgetheilt, dass er befehligt sei, auf jene Bedingungen hin 
mit dem Staat abzuscbliessen, er scheint überhaupt nicht mit ihnen in allem 
de concert gehen zu wollen. 



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132 H- l^cr bremische Krieg, die Quadnipelallianz und die engere Vereinigung etc. 

Der Kurfürst an Romswinckel und Copes. D. Cleve 
2. September 1666. 

[Weigerung, falls ihm nicht bessere Bedingungen be« illigt werden, die engere Allianz 

mit abzuschliessen.] 

2. Sept. Er hat sich allerdings in die früheren Verhandlungen wegen der engeren 

Allianz mit eingelassen, da er aber bisher nicht vernommen, dass die Staaten 
anf seine verschiedenen allerbilligsten Forderungen irgend etwas beschlossen 
haben, iiberdies ebenso wie zu Anfang auch jetzt ohne seine Zuziehung das Pro- 
ject zu der Allianz mit den dänischen und luneburgischen Ministern con- 
certiert und erst nachträglich ihm zugestellt ist, ohne dass ihm angewiesen sei, 
was eigentlich der Zweck dieser näheren Allianz und worin sein Interesse be- 
stehe, so sieht er nicht ein, weshalb er sich in ein so weitgehendes Bündnis 
so schlechter Dinge engagieren und bei seinen Freunden nicht weniger als bei 
Fremden ins Auge stecken soll. Wenn der Staat wünscht, dass er mit eintrete, 
so wird er ihm anders als bisher begegnen und ihm die Sache so vorlegen 
müssen, dass er sich darauf einzulassen und auch die Frau Landgräfin von 
Hessen dazu disponieren zu helfen Ursache haben möge. Sie sollen dieses 
dem Staat auf das glimpflichste bedeuten, auch mit den dänischen und lüne- 
burgischen Ministem so davon reden, dass diese verspüren, dass er nur aus 
diesen Gründen sich nicht in die Sache einlassen könnte, sonst aber gern bereit 
sei, mit ihren Principalen in dieser und anderen vorfallenden Sachen zu con- 
currieren, auch mit dem schwedischen Minister Appelbom in generalibus doch 
so davon reden, dass ihm gleichwohl künftig in diese Allianz mit einzutreten 
unbenommen bleibe^). 



Instructio fUr Herrn Romswinckel wegen der Allianzsache. 
D. [Gleve] 13. October 1666. 

[Bevollmächtigung zum Abschluss der Allianz.] 

13. Oct Nachdem Kf. sich von Romswinckel hat referieren lassen, was die Gen. 

Staaten am 4. geschrieben*), worin sie ihm namentlich die Vorsetzung der 



>) Romswinckel und Copes berichten am T.September, auf ihre Anzeige, 
dass sie wegen der Allianzsacbe Ordre erbalten, seien de Witt und zwei andere De- 
putierte zu ihnen gekommen, hätten aber alles nur ad referendum genommen. Sie 
hätten auch mit Appelbom und mit Klingenberg von der Sache geredet, ersterer 
hätte ihnen mitgetheilt, ihm sei durch Amerongen eine generale Notification von 
der Allianz gemacht und er gefragt worden, ob er Vollmacht habe zu tractieren, was 
er verneint habe, letzterer sei über ihre Mittheilung etwas alteriert gewesen und hätte 
sie gebeten, sich zu bemühen, dass der Tractat zustande komme, auch seinerseits ver- 
sprochen, sich zu bemühen, dass dem Kf. gebührende Satisfaction gegeben werde. 

») S. die Declaration der G.Staaten vom 4. October 1666 (Aitzema V. S. 1017). 
Schon am 28. September hatten Romswinckel und Copes berichtet, ihnen sei 
baldige Resolution wegen der Reglemente sowie eine freundnachbarliche Erklärung 



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Neue Verhandlungen. 133 

engeren Allianz recommendiort, erklärt er sich mit dessen bisheriger Negotiierung 
im Haag zufrieden und befiehlt ihm, wieder dorthin zurückzukehren und zu- 
sammen mit Copes die angefangene Negotiierung fortzusetzen. Die Allianz 
betreffend hat er den Gen.-Staaten oder deren Deputierten sowie nach Befinden 
auch den dänischen und lüneburgischen Ministris vorzustellen, dass Kf. 
zwar nicht ungeneigt sei, auf gewisse Maass und Weise darin zu condescendieren, 
er wolle aber zuforderst von den Staaten zufolge der in diesem Jahre aufgerich- 
teten Allianz *) und ihrer Erklärung vom 4. October in puncto der Reglementen, 
der Spoykribben und Rang gebührende Satisfaction und dann wegen Evacuation 
der Clevischen Städte eine nähere freundnachbarliche und begnügliche Erklärung 
des aufgerichteten Secretartikels ') erwarten, damit er nicht veranlasst werde, 
die von dem R5m. Reiche vorgeschlagenen rechtmässigen Mittel an die Hand 
zu nehmen. Unterdessen aber soll R. nichts desto weniger die Allianz auf des 
Kf. Ratification und mit Beobachtung der zu den einzelnen Artikeln hier ge- 
machten Considerationen *) concertieren. 



Romswinckel nnd Copes an den Karfttrsten. D. Hage 
19. October 1666. 

[Abschluss der Quadrupelallianz.] 

Nachdem sie gestern Nacht hier angekommen, haben sie sofort des Vor- 19. Oct 
mittags mit Klingenberg und darauf den ganzen Nachmittag mit ebendem- 
selben nnd Job. de Witt, dem Rathspensionar de Witt und Müller über die 

wegen der gesuchten Evacuation der Clevischen Städte, sodann über die Ajustierung 
der Quadrupelallianz zugesagt worden. Die Gen.-Staaten hätten beschlossen, der Krone 
Schweden ihre Mediation inbetreff der Differenzen mit Bremen anzubieten und des- 
falts den Kf. und andere Reichsfürsten zu begnissen. Vgl. Aitzema V. S. 988 f. 

») Defensiv-Allianz vom 6./1 6. Februar 1666 Art. XIV. (Aitzema V. S. 999). 

^ Secretartikel zu ebendieser Allianz ebendaselbst S. 1006. 

*) Die wichtigeren unter denselben sind: ad Art. III.: Die Verpflichtung zur 
gegenseitigen Vertheidigung soll s^ii die in Kuropa belegenen Besitzungen beschränkt 
und wegen der mit staatischen Garnisonen besetzten Städte ein dem Separatartikel 
der Allianz vom 6./1 6. Februar entsprechender Separatartikel beigefügt werden; ad 
Art. IV.: Von den Staaten könnten statt 1800 Reiter 3000 und statt 3600 Fussknechte 
6000, jedoch endlich 6000 insgesamt (davon '/a ^-^ Ross, Vs zu Fuss) gefordert werden. 
Nachher soll dann in Art. IX. gesetzt werden, dass Kf und die Lüneburgfischen Fürsten 
jeder 12000 Mann nach Anleitung der Verträge vom 6./ 16. Februar 1666 und 21. Sep- 
tember 1665 stellen sollen und dass statt des Bischofs zu Münster der künftige aggressor 
oder aggressores verstanden werden, dieselben aber während dieser Assistenz zu 
Leistung weiterer Hülfe vermöge anderer Traktaten nicht gehalten sein sollen; ad 
Art. VI.: Das dort Bestimmte soll nur angenommen werden, insoweit es nach Inhalt 
der zwischen Kf. und dem Hause Braunschweig vorangeregten Tractaten, welche 
ihre Kraft behalten sollen, sich auf die künftigen Fälle applicieren lässt; ad Art. XII.: 



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134 U. Der bremische Krieg, die Quadrupelallianz und die engere Vereinigung etc. 

Allianz conferiert') und sich provisionaliter verglichen; hätten sie sich nicht 
eingestellt, so wäre die Allianz ohne sie geschlossen worden. Im übrigen sind 
die Bemerkungen des Kf. berücksichtigt worden , auch Art. 3 ist danach re- 
dressiert und soll demzufolge ein Separatartikel darüber ausgefertigt werden, 
da aber Müller sich namens der Herzoge Georg Wilhelm und Ernst 
August geweigert, die Defension über des Kf. Preassen anzunehmen, so er- 
warten sie darüber des Kf. Ordre und stünde zu bedenken, ob Kf. in diesem 
Fall wollte fordern lassen, dass die G.Staaten die Anreitz- und Subsidlengelder, 
welche sie sonst für andere zwölftausend Mann den braunschweigischen Fürsten 
geben sollen, ihm versprechen und existente casu geben sollen. Art. 4 haben 
sie nicht anders bekommen können, Art. 9 ist nach vielen Debatten zufolge 
ihrer Nebeninstruction eingerichtet worden, der Rathspensionar will aber namens 
der Provinz Holland die Wörter geduyrende den tyt hier boven gemelt nicht 
passieren lassen, und soll dem Kf. von dem Staat ein separater Artikel betreffend 
die Anreitzgelder gegeben werden. 

Ad Art. 12 ist zugestanden, dass Pfalz-Neuburg mit benannt werde, 
gegen den Bischof von Münster aber ist sowohl vonseiten der Staaten als 
auch Müllers widersprochen worden. 

Sie bitten Kf., ihnen bis Donnerstag seine Befehle zukommen zu lasssen, 
da, wenn sie die Schliessung der Allianz länger ausstellen oder darin einige 
substantielle Veränderung machen sollten, die anderen Parteien daraus Anlass 
nehmen würden, dieselbe unter sich allein zu unterschreiben. 

So viel sie abnehmen können, werden die Lüneburg ischen, sobald 
diese Allianz geschlossen sein wird, sich den Schweden widersetzen und die 
Stadt Bremen zu assistieren suchen. 

Man hat ihnen versprochen, dass die Reglementen förderlichst abgethan 
und wegen der Speukribbe und des Rangs gebührende Satisfaction gegeben 
werden solle, die gesuchte Evacuation der Clevischen Städte aber wird nach 
wie vor decliniert und excusiert. 



Der Kurfürst an Romswinckel und Copes. D. Cleve 
20. October 1^66. 

[auf die Relation vom 19. October. Bemerkungen zu dem AUianztractat.] 
20. Oct. — So viel nun den vierten Articul betrifft, lassen wir solchen endlich 

dem Aufsatz gemäss passiren, jedoch hättet Ihr bei dem 3. Art. zu be- 

Neben der Krone Schweden und K.Cöln sollen auch Münster, Pfalz-Neuburg 
und Hessen-Cassel benannt werden. In einer Nebeninstruction (d. Cleve 6./16. Oc- 
tober 1666) erklärt sich Kf. zufrieden, falls das bei Art. IV. wegen Zahl des hollän- 
dischen Auxiliarcorps gemachte Notatum nicht durchzubringen wäre, dass Art. IX. 
wie projectiert adjustiert werde, doch so, dass die Worte „von vollkommener Ruptur" 
entweder ganz ausgelassen oder doch gemildert werden. 
») S. Köcher I. S.499f. 



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Weitere Verhandlangen und Abscbluss der Quadrupelallianz. 135 

dingen, dass, weil die Herzoge zu Braunschweig uns in Preussen 
zu assistiren sich verweigern, die solchenfalls denselben von dem Staat 
zu zahlen schuldigen Anreitz- und Subsidiengelder Eurem Fürschlag ge- 
mäss uns erlegt werden. Bei dem 9. Art. lassen wir uns gnädigst ge- 
fallen, dass die Anreitzgelder uns vom Staat per separatum articulum 
versprochen und verschrieben werden, jedoch habt Ihr Euch zu bemühen^ 
dass solche auf die Weise als im neulich gemachten Vergleich mit 
Munster uns promittiret werden. So habt Ihr es auch dahin zu beför- 
dern^ dass bei dem Schwedischen Residenten Appelbaum communi 
nomine die Notification dieses Werks geschehe und die Eron Schweden 
nochmals dazu invitiret werde. — 



Romswinckel an den Kurfürsten. D. Hage 23. October 1666. 

[Vorschlag zur Beseitigung der noch den Abschluss der Allianz verzögernden Schwierig- 
keiten.] 
Da der Rathspensionar de Witt sich zu dem von ihm gemachten Vorschlage 23. Oct. 
wegen der statt an die braunschweigischen Fürsten an Kf. zu zahlenden An- 
reitz- nnd Subsidiengelder nicht verstehen will und Müller behauptet, aus- 
drückliche Ordre von seinen Principalen zu haben, die Defension von Preussen 
nicht anzunehmen, so hat er, obwohl sonst alles fertig ist und alle ihn drängen, 
die Unterschreibung der Tractaten bis auf das Eintreffen weiterer Ordre des Kf. 
ausgesetzt. Er schlägt vor, die Tractaten mochten prout jacent von ihm und 
Muller unter dem Beding unterschrieben werden, dass Kf. und die braunschwei- 
gischen Herzoge sich wegen der Defension von Preussen absonderlich zu ver- 
gleichen hätten, ebenso wie Klingenberg sowohl wegen Norwegens, 
dessen Defension Müller ebenfalls verweigert, als auch wegen Gleichheit des 
Succurses, mit dem sein König und Kf. sich gegenseitig zu assistieren haben 
würden, einen näheren Vergleich vorbehalten hat. 



Der Kurfilrst an Roraswinckel. I). Cleve 25. October 1666» 

[Ermächtigung zum Abscbluss der Allianz.] 
Er soll wegen Einschliessung Preussens in die Defension sich weiter 25. Oct. 
bemühen und versuchen, wenigstens zu erreichen, dass sich die Braunschwei- 
gischen, im Falle des Kf. preussische Lande attaquiert werden, wenn sie dort- 
hin ihre Auxiliartruppen zu schicken anstehen sollten, verpflichten, eine Diver- 
sion am anderen Orte in Teutschland damit zu machen. Wenn sie sich auch 
dazu nicht verstehen w^ollen, so lässt Kf. geschehen, dass unter solchem Reser- 
vat, wie es Klingenberg gethan, die Tractaten geschlossen und subscribiert 
werden *). 



An demselben Tage war schon die Allianz im Haag unterzeichnet worden, 



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136 n. Der bremische Krieg, die Qnadrupelalliftiiz und die engere Vereinigung etc. 

d. Die engere Vereinigung mit K.Cöln, den braun- 
schweigischen Herzogen, Hessen-Cassel und Schweden. 

Der Kurfürst an den Vicekanzler Budendach*). D. Cöln 
3./[13.] December 1666. 

[Instruction für die Zusammenkunft in Hildesbeim.] 

13. Dec. Nachdem K.Cöln and die Herzoge von Braunschweig*) ihn zu einer 

auf den 13. December nach Hildesheim angesetzten Zusammenschickung ein- 
geladen und er Badendach dorthin zu deputieren beschlossen, soll sich dieser 
dorthin begeben. Wenn die Proposition dahin zielen sollte, wie im Nieder- 
sächsischen und Westfälischen Kreise und den benachbarten Orten Friede und 



Ygl. Kocher I. S. 500f. S. die Quadrupelallianz vom 15./25. Oetober 1666 mit zwei 
Separatartikeln bei Aitzema V. S. 905ff; Londorp IX. S. 483ff.; Dumont VI.3. 
S. 122ff.; Inhaltsangaben bei Pufendorf X. §27(8.663); v. Mörner S. 307 ff. 
Die Ratification des Kf. d. Sparenberg 6. November 1666. Die weiteren Verband- 
lungen des Kf. mit den braunschweigiscben Herzogen Georg Wilhelm und Ernst 
August hatten zur Folge, dass sich diese (d. Nienburg 29. Oetober/ [8. November] 1666) 
erboten: „dass, wenn Ew. Ld. innerhalb den nächsten zwei Jahren von der Gron 
Schweden in dero Herzogtburob Preussen occasione des jetzigen Bremischen Un- 
wesens angegriffen werden sollten, wir alsdann derselben die Hulffe, wozu wir sonsten 
vermöge obgemeldter Alliance verpflichtet, zu schicken, wann aber nach Beilegung 
jetziger Bremischen Unruhe innerhalb obbesagten zweien Jahren Ew. Ld. von der 
Gron Schweden oder auch andern in dero Herzogthumb Preussen angegriffen 
wurden, alsdann deroselben auf Erfordern mit 40CX) zu Fuss und 2000 zu Boss zu 
Hülfe kommen und wegen des modi bei nächster Gelegenheit mit Ew. Ld. uns weiter 
vernehmen, auch unsern im Haag habenden Käthen diese unsere Erklärung förder- 
lichst notificieren lassen wollen**, womit Kf. (d. Berlin 9./[19.] November 1666) sich zu- 
friedengestellt erklärt und nur anheimstellt, darüber einen föroiJichen Recess abzu- 
fassen, was aber nicht geschehen zu sein scheint. 

') Johann Budendach, Halberstädtischer Vicekanzler; seine Gesandtschaft 
zu dem Obersächsischen Kreistage zu Leipzig im Juni 1664 s. Urk. u. Act. XI. 
S. 276 ff. 

*) Kurfürst Maximilian Henrich von Goln hatte (d. Hildesheim 3. December 
1666) Kf. zu Beschickung der mit den braunschweigiscben Herzogen nach Hildesheim 
verabredeten Zusammenkunft aufgefordert, wo berathen werden solle, wie für die Zu- 
kunft weitere Geföhrlicbkeiten in der bremischen Sache, nachdem diese jetzt glück- 
lich beigelegt sei, verhütet werden könnten. Die braunschweigiscben Herzoge 
Georg Wilhelm, Johann Friedrich und Ernst August hatten (d. Nienburg 
22. November /[2. December] 1666) eine ähnliche Einladung au ihn ergehen lassen, in 
der als Zweck der Zusammenkunft angegeben war zu überlegen, wie, nachdem 
zwischen Schweden und der Stadt Bremen der Friede geschlossen sei, in dem 
Niedersächsischen und Westfälischen Kreise und benachbarten Orten Friede und Ruhe 
erhalten werden und man wider alle schleunigen Anfälle sich in Sicherheit setzen 
könne. Vgl. Köcher I. S. 515. 



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Zusammenkunft in Hildesheim. 137 

Ruhe erhalten werden und man wider alle schleunige Fälle sich nothdarftig ver- 
wahren könne, so soll er erklären, wofern sich einige gefährliche Extremitäten 
äussern sollten, welche zu Thätlichkeiten ausschlagen könnten, so müssten nicht 
allein beide Theile zu gutlicher Composition ernstlich ermahnt, sondern auch dem 
Angegriffenen wirkliche Hülfe geleistet werden. Die Determination der Hülfe 
mnsste auf die Reichsmatricul und nach Proportion der Gefahr genommen wer- 
den, auch jeder Fürst in der nöthigen Verfassung verbleiben; es wäre billig, 
dass zu den dadurch verursachten Kosten auch die übrigen und geringeren 
Kreisstände nach Proportion beitrügen, und könnte fiberlegt werden, wie es da- 
hin zu bringen sei. Einen darüber aufgesetzten Recess darf er mitunterschreiben. 

Sollte aber sonst von anderen Sachen etwas proponiert werden, solches hat 
er ad referendum anzunehmen und nur im allgemeinen zu versichern, dass Kf. 
zu allem, was zu der beiden Kreise Wohlfahrt gereichen könne, gern mit bei- 
tragen wolle. 

Er soll sich auch erkundigen, ob man den Schweden') von dieser Zu- 
sammenkunft Nachricht gegeben, und erklären, Kf. zweifelte nicht, man würde 
dieselben auch mit dazu einladen, um ihnen nicht Anlass zum Misstrauen zu 
geben. 

Johann Budendach an den Kurfürsten. D. Hildesheim 
21./[31.] Deeember 1666. 

[Bericht über die Zusammenkunft in Hildesbeim.] 

Der bösen Wege und des heftigen Schneefalls wegen ist er erst vorgestern, 31. Dec. 
am 19., hier angelangt und hat als Deputierte von K.Cöln den Kanzler Peter 
Buschmann und Vicekanzler Heirich Franz Nicolars, von Osnabrück 
und Zelle den v. Bülau und Vicekanzler Heymann, wegen Hannoverden 
Kanzler Langenbeck und Hofrath Hugo, wegen Wolfenbüttel den Statt- 
halter Hardenberg und Rath Sohlen und wegen Hessen-Cassel den 
Geh. Rath Badenhausen vorgefunden. Nachdem ihn gestern früh Nicolars 
von dem in den zwei inzwischen abgehaltenen Zusammenkünften Vorgefallenen 
unterrichtet, fand um 8 Uhr eine Zusammenkunft auf dem Rathhause statt, 
dort legte Buschmann an ihn die Proposition ab: erster Zweck der Zusam- 
menkunft sei Befestigung des zwischen dem R. Feldherrn und der Stadt Bremen 
geschlossenen Friedens, ob dazu die perpetuatio oder continuatio seu extensio 
des Kaiserlichen Conservatorii dienlich erachtet werden möchte. Da nun gestern 
Bremische Deputierte') erschienen und gebeten hätten, 1) es möchte ihnen 
von den Interponenten die versprochene Garantie des Vergleichs schriftlich er- 
tfaeilt werden, 2) dieselben möchten sich dafür verwenden, dass der 14. Theil 
der Reichssteuern, den sie nach dem 3. Artikel jenes Vergleichs vorläufig hätten 



Kf. theilt Wrangel (d. Göln 5./[ 15.] Deeember 1066) mit, dass er die Zu- 
sammenkunft beschicken werde, und spricht die Hoffnung aus, dass auch wegen des 
Herzogthums Bremen sich jemand dort einfinden werde. 

*) Syndikus Wachmann und Ratbsberr Hermes. 



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138 n. Der bremische Krieg, die Quadrupelallianz und die engere Vereioigung etc. 

übernehmen müssen, von Kaiser und Reich erlassen werde, 3) dieselben mochten 
sich in der Speckhanschen Sache verwenden, dass diese vom R.Feldherrn 
nicht so arg ausgelegt und neue motus erregt würden, 4) die Mediation in den 
aus dem Stadischen Vergleich noch rückstandigen Punkten übernehmen und 
5) ihnen rathen, ob sie die von den Niederländern ihnen angebotene Mitgarantie 
annehmen sollten, so sei mit Vorbehalt des voti des Kf. beschlossen worden '), 
die Stadt Bremen sollte die Ratificationen des Vei^leichs und die Garantie 
der Kur- und Fürsten und deren Indemnisation bei dem Kaiser und dem Reiche 
suchen, würden sie nun dieses alles erhalten und der Kaiser ihnen oder anderen 
Kur- und Fürsten die Continnation oder Prorogation des Conservatorii com- 
mittieren, würde hoffentlich keiner sich dessen entziehen, 2) wegen Abschrei- 
bung des sonst zweifach von der Stadt zu tragenden onus wolle man sich ver- 
wenden, 3) in der Speckhanschen Sache wäre wünschenswerth gewesen, 
dass der Rath das Feuer in der Asche gedämpft und dass er in dem Schreiben 
an Wrangel glimpflicher gegangen und nicht so sehr die vorigen actiones 
Speckhans perstringiert hätte, doch wollte man, falls die Rädelsführer ernst- 
lich bestraft, das Geraubte wieder herbeigeschafft und die Schuldigen zu Resti- 
tution alles Schadens angehalten würden, ihnen gern aller Möglichkeit nach be- 
hülflich sein, 4) wolle man, wenn die Ratification aus Schweden erfolgt und 
die Speckhansche Sache beigelegt sei, die Mediation übernehmen, 5) die 
Stadt solle sich erkundigen, ob das holländische Anerbieten vom Kaiser und 
Reiche wohl oder übel werde genommen werden. Er bat ihn darauf, sich 
namens des Kf. herauszulassen, ob derselbe mit diesem Beschluss einig wäre. 
Er hat darauf erwidert, er sei, da das luvitationsschreiben in terminis generali- 
bus bestünde, nicht auf dergleichen specielle Fälle, sondern nur im allgemeinen 
dahin instruiert worden, dass Kf. zu allem dem, was zu Versicherung von Frie- 
den und Ruhe dienen könnte, beizutragen erbötig wäre, er könnte sich daher 
nicht kategorisch erklären, aber sub spe rati mit den gefassten Beschlüssen 
conformieren. 

Darauf wurde ihm das andere membrum propositionis eröffnet: Weil die 
Interponenten sich in Acht zu nehmen hätten, dass die auf des Kaisers und 
Reichs Befehl bezeigte Willfährigkeit ihnen keine Ungelegenheit zu Wege bringe, 
zumal Schweden noch immer mehr rüste, so wäre in Deliberation gebracht, 
wie diesem vorzukommen ? Von der Rheinischen Allianz habe man abgesehen 
da Schweden und Frankreich auch mit darin begriffen wären und da die 
Erfahrung lehre, dass man bereits angefangen nachzufragen, ob dieses oder 
jenes auch zur Allianz gehörte und casus foederis wäre, und nöthig erachtet, 
näher zusammenzutreten und zu Abwendung aller Gefahr etwa m/10 zu Fuss 
und m/5 zu Ross auf den Beinen zu haben, womit alle anwesenden Gesandten 
einig, nur dass der Hessen-Casselsche sich ratione quanti nicht habe her- 
auslassen können. Er hat erwidert, Kf. hätte ihn auch • in dieser Beziehung 
nur in genere instruiert, dass, falls es zu Extremitäten kommen sollte, man dem 
Angegriffenen helfen sollte, die Determination der Hülfe müsste nach der Reichs- 



Vgl Köcher I. S. 516. 



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Zusammenkunft in Hildesheim. 139 

matrikol und der Grösse der Gefahr genommen werden, auch jeder Stand sich 
zur Leistung der Hälfe parat halten, er glauhe aber, dass es dem Kf. gleich 
sein werde, wenn für diese mutuelle Assistenz die vorgeschlagene Mannschaft 
zum Fundament gelegt würde. 

Die übrigen Gesandten conformierten sich darauf mit diesem votum, die 
K.Cölnischen aber protestierten, dass nach der Reichsmatrikul sie zu hoch 
belegt wären, und verlangten denselben Nachlass wie in der Allianz, was aber 
auch heute ausgestellt wurde. 

Id summa — soviel ich — absehen kann, zielet diese Zusammen- 
kunft nirgend anders hin, als dass die Braunscbweigischen sich be- 
fahren, es dürften die Schweden sich an ihnen wegen der der Stadt 
Bremen geleisteten Assistenz zu rächen suchen und sie von denen 
correspondirenden Cuhr- und Fürsten ohne Assistenz — gelassen werden. 

P. S. Die Versammlung ist auf den 13. Januar vertagt worden, inzwischen 
sollen die einzelnen Gesandten nähere Instruction von ihren Principalen einholen. 



Johann Badendach an den Kurfürsten. D. Halberätadt 
23. December 1666 /[2. Januar 1667]. 

[Vertagung der Conferenz. Weitere Berathungsgegenstände.] 

Am 21. December hat, nachdem der Kanzler Langenbeck von seinem 2. Jun. 
Herrn nähere Instruction geholt, doch noch eine neue Conferenz stattgefunden, 
doch ist dort auf seine Erklärung hin, dass er ohne nähere Instruction Kf. zu 
nichts obligieren, am wenigsten dazu condescendieren könne, dass gleichsam ein 
Potentat ausgekippet und zum Feinde vor der Zeit erwählt werden sollte, zumal 
Kf. dafür gehalten, es werde auch Schweden zu dieser Versammlung invitiert 
worden sein, die früher beschlossene Vertagung der Zusammenkunft bestätigt 
worden. Er erbittet nun nähere Instruction auch über einige in Frage gekom- 
mene Nebenpunkte: 

1) Inhibierung der fremden Werbungen im Reiche, 

2) des Weserzolles, ob nicht, um das Uebergehen desselben an Schwe- 
den zu verhüten, jemand der anderen Kreisstände zusammen mit der 
Stadt Bremen denselben zu erhandeln suchen solle, die Braunschweiger 
scheinen ihn dem Herzog Georg Wilhelm vor anderen zu gönnen, 

3) der Postsache, wie am besten die Reichs- und Taxische mit der Kur- 
und Fürsten Postmeistern zu vergleichen sein möchten. 



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140 H- I^er bremische Krieg, die Quadrapelallianz und die engere Vereinigang etc. 

Der Kurfürst an Job. Budendach. D. Colin a. d. Spree 
l./[ll.] Januar 1667. 

[Instruction für die neue Zusammenkunft.] 

11. Jan. B. soll sich gegen den 13. Januar wieder in Hildesheim einfinden und 

den Conferenzen beiwohnen. Kf. ist mit der vorgeschlagenen näheren Zusam- 
mensetzung einverstanden, doch ist dabei des Bremischen Wesens nicht aus- 
drücklich zu gedenken, sondern dieselbe allgemein auf alle Fälle, wenn einer 
der Interessierten sollte feindlich überzogen werden, einzurichten. Die vorge- 
schlagenen 15 000 Mann werden als Fundament dieser Verfassung zulänglich 
sein, doch muss jeder die ihm zukommende Mannschaft immer wirklich parat 
halten und mit zunehmender Gefahr dieselbe nach Proportion zu erhohen schul- 
dig sein. Die Eintheilung der Quoten hat nach der Reichs matricul und nicht 
nach einer anderen Particularallianz zu geschehen, B. soll sich bemühen, die 
K.Cölnischen dahin zu disponieren, dass sie für diesmal der Moderation nicht 
gedenken, sollte dieses aber nicht gelingen und die übrigen E.Göln dieselbe 
gönnen wollen, so soll er, doch auf des Kf. speciale Genehmhaltung und ohne 
Präjudiz, einwilligen. 

Fremde Werbungen hat ein jeder Herr in seinem Lande zu verhindern. 
Den Oldenburgischen Weserzoll zu erhandeln hält Kf. für sehr wunschenswerth 
lind er ist erbötig, zu der Kaufsumme beizutragen. Wegen der Postangelegen- 
heit ist Kf. bisher nicht genügend informiert. 



Johann Budendach an den KurfUrsten. D. Hildesheim 
18./[28.] Januar 1667. 

[Bericht über die neue Zusammenkunft.] 

28. Jan. Er ist am 13. Januar hier angekommen und am 15. sind die Berathungen 

wieder eröffnet worden »). Die quaestio an und das Quantum der m/15 Mann 
wurde von allen angenommen, nur Baden hausen erklärte, die Landgräün von 
Hessen vermöchte während der Minorennität ihres Sohnes, zumal ohne Con- 
currenz Hessen-Darmstadts denselben nicht in neue Bündnisse zu impli- 
cieren, sollten aber die Schweden wegen des übernommenen Conservatorii je- 
mand von den Correspondierenden angreifen, so werde sie solches pro casu 
foederis der Rheinischen Allianz ansehen und Assistenz leisten. Da aber wegen 
des Quanti, nachdem ein nach der Reichsmatrikul eingerichtetes Project zur 
Deliberation gekommen, der K. Cölnische starkauf Moderation gedrungen und 
nur sub spe rati sich statt der K.Cöln zustehenden 1861 z. R. und 3442 z. F. 
zu 1400 z. R. und 2600 z. F. hat verstehen wollen, auch er selbst angestanden 
hat, das auf Kf. fallende Quantum, da dasselbe höher als alle braunschweigi- 
schen Häuser, anzunehmen und den Befehl des Kf. einzuholen sich vorbehalten 



Vgl. Köcher I. S. 518f. 



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Neue Zusammenkunft zu Hildesheim. 141 

hat, so hat man beschlossen, K.Cölns und des Kf. Entscheidung darüber ab- 
zuwarten, and ist inzwischen zu anderen Punkten geschritten. 

B. bittet daher Kf. um nähere Instruction wegen des von demselben zu 
übernehmenden Quantum, ferner wegen einiger bei Ausarbeitung der particu- 
iaria aufgestellter Fragen, 3) ob Kf., wenn die von der Stadt Bremen gesuchte 
extensio conservatorii vom Kaiser erfolgen sollte, sich ferner damit belegen 
lassen wolle, und 4) da K.Cöln und die braunschweigischen Häuser 
neben dem auf alle casus zu richtenden Hauptrecess ein besonderes ProtocoU 
wünschen, in welchem die Zusammensetzung auf den besonderen Fall, wenn 
jemand der Correspondierenden wegen des übernommenen Conservatorii der 
Stadt Bremen angegriffen werden sollte, verfertigt würde, ob er dasselbe auch 
in des Kf. Namen unterschreiben dürfe. 



Der Kurfürst an Johann Budendach. D. Cöln a. d. Spree 
22. Januar/[1. Februar] 1667. 

[Die vom Kf. zu übernehmende Truppenzabl. Das Bündnis darf nicht speciell gegen 
Schweden gerichtet werden.] 

— Ob wir nun wohl uns gefallen lassen, dass man den Anschlag i. Febr. 
auf 15 000 Mann machen wollen, so ist') euch doch vorhin wissend, 
dass, soviel das uns zugeschriebene Contingent an Mannschaft betriift, 
wir schon in anderen Alliancen, die auf eben denselben Zweck abzielen, 
begriffen sein, daher wir dafür halten, dass bei dieser so eigentlich auf 
die Reichsmatrikul das Absehen nicht könne genommen werden, sondern 
vielmehr überhaupt Vergleichung zu treffen sei, inmaassen wir uns dann, 
gleich der Chur-Cöllnische sub spe rati gethan, zue 1400 zue Ross und 
2600 zue Fuss erbieten, und diese Anzahl werden wir allezeit parat 
halten. — 

Im übrigen befehlen wir euch hiermit gnädigst, bei Einrichtung 
dieser Alliance wohl zu beobachten und zu erinnern, dass darinnen^) 
niemand in specie oder mit Namen möge genennet werden, wider welchen 
es angesehen, sondern dass er (sie!) bloss zur Defension wider alle und 
jede, so Unruhe und Feindseligkeit wider der Alliirten Lande, sie sein 
in dem Westphälischen, Niedersächsischen oder Obersächsischen Greise 
gelegen, verüben und anstiften würde, gemeinet, damit die Cron Schwe- 
den nicht irritiret werde noch eine ombrage daher nehmen könne, ge- 



') Vgl. den Bericht de Goess' an den Kaiser vom 18. Februar 1667 (Urk. u. 
Act. XIV. 1, S. 294). 

>) S. ebendas. S. 288 (7. Februar). 



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142 11* I^er bremische Krieg, die Quadmpelallianz und die engere Vereinigung etc. 

stalt wir dann bald anfangs erinnert, dass die Cron Schweden zu die- 
sem Convent mit invitiret werden möchte, und eben darumb hielten wir 
dafür, dass des Conservatorii weder in der Allianznotul noch in einem 
Nebenrecess oder Protocoll zu gedenken, viel weniger von dem transitas 
etwas abzuhandeln, dergleichen ihr nichts zu unterschreiben habet, denn 
wir nicht gern etwas vorgehen lassen wollten, welches die Cron Schwe- 
den dahin aufnehmen könnte, als wenn es wider sie angesehen wäre. 
Wir können uns auch voritzo darauf nicht resolviren, ob wir angeregtes 
Conservatorium ferner über uns nehmen wollten. — 



Jobann Budendach an den Kurfürsten. D. Hildesheim 
l./[ll.] Februar 1667. 

[Bericht über die Verhandlungen. Weitere Vertagung der Conferenr.] 

11. Febr. Er hat^) nach Empfang der gewünschten weiteren Instruction am 26. Jan. 

den sämtlichen anwesenden Gesandten des Kf. Meinung auf Grund derselben 
mitgetheilt. Da darauf der K.Colnische Gesandte sich mit noch nicht einge- 
troffener Instruction entschuldigte, die Osnabrückschen und Lüneburgi- 
schen Gesandten aber erklärten, über des Kf. Erklärung referieren zu müssen, 
und Nicolars zu Herzog Johann Friedrich nach Hannover gereist ist, so 
wurde in den folgenden Tagen nichts weiter vorgenommen; auf Grund eines 
inzwischen angekommenen Rescriptes des Kf. vom 22. Januar hat er den Bre- 
mischen Gesandten eifrig zugesprochen, die gebührende Satisfaction in der 
Speckbanschen Angelegenheit zu leisten. Von dem am 29. aus Hannover zu- 
rückgekehrten Nicolars hat er erfahren, dass dieser auf K.Cölns Befehl von 
Herzog Johann Friedrich zu vernehmen gesucht, ob derselbe damit zufrie- 
den wäre, dass die beabsichtigte Zusammensetzung auf alle casus ohne beson- 
dere Erwähnung Schwedens und des Bremischen Conservatorii eingerichtet 
würde, dass derselbe aber wegen Reflexion auf die vom Reich erwartete Ver- 
längerung des Conservatorii und die holländische Allianz solches annoch diffi- 
cultiert hätte. Bei einer neuen Zusammenkunft am 30. erklärte der K.Col- 
nische, noch immer ohne Instruction zu sein und jetzt nach der k. branden- 
burgischen Erklärung sein früheres Erbieten zu 1400 z. R. und 2600 z. F. zu- 
rückziehen zu müssen, und schlug eine weitere Vertagung der Zusammenkunft 
auf 4 Wochen vor, womit die Braunschweigischen, welche erklärten, un- 
möglich ihrerseits, da Cassel ganz abginge, Kf. nur 4000, K.Cöln nur 2000 
Mann stellen wolle, das ganze übrige Contingent übernehmen zu können, über- 
einstimmten, aber beantragten, dass vermittelst eines Schlusses ad protocollum 
man sich inzwischen mutuelle Assistenz versprechen solle, was, nachdem er 
sub spe rati eingewilligt, auch geschehen ist. Darauf wurden noch die Depu- 



J) Vgl. Kocher I. S. 519f. 



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Verhandlungen zu Hildesheim. 143 

tierten der Stadt Bremen vorgefordert, denselben vorgestellt, sie seien zum 
guten Theil schuld daran, dass die Ratification des Habenhaasischen Vergleichs 
noch nicht erfolgt sei, sie sollten nochmals eine Abschickung an W ran gel 
thun, um Extradierung der Ratification nachsuchen und sich dagegen zur Leistung 
des homagii erbieten, zugleich dieselbe bevollmächtigen, die Speckhansche 
Sache abzuhandeln. 



Der Kurflirst an Budendach. D. Cöln 27. Februai7[9. März] 

1667^). 

[Vorzuschlagendes Auskunftsmittel.] 
— Dieweil wir dann besorgen müssen, raan werde sich über solche 9. März. 
Proportion der Hülfe bei diesem neuen foedere nicht vereinigen können, 
wir auch dafür halten, dass wohl noch andere Difficultäten mehr vor- 
gehen dürften, so habet ihr euch mit den Hessen-Casselschen Ge- 
sandten desfaUs zu bereden, und weil der Frau Landgräfin Ld. ohne das 
nicht grosse Lust zu solchem foedere tragen und lieber wollen, dass die- 
selben casus, worauf man in diesem foedere zielet, auch auf die Rei- 
nische Alliantz gerichtet werden, so könnet Ihr es mit demselben dahin 
zu vermitteln Euch angelegen sein lassen, damit es von denen anderen 
auch also beliebet und alles in die Reinische Alliance gezogen werde. 
Im Fall Ihr es aber dahin nicht zu bringen vermöchtet, so lassen wir 
es zwar'dabei, was wir Euch albereits rescribiret, dass in Chur-CöUn 
wegen vorhin angeführter Ursache nicht weiter gedrungen werde, allein, 
weil das Fürstl. Haus Braunschweig diese Sache am allermeisten 
urgii'et und es auch dasselbe am meisten touchiret, so können wir nicht 
absehen, warumb dasselbe in so schlechter Proportion gegen unsere Hülfe 
stehen sollte, dahero Ihr es zu remonstriren habet, damit es auch weiter 
hinangehe. — 



Schon am 9./ 19, Februar hatte Kf. Budendach beauftragt, sich zu der 
neuen Conferenz nach Braunschweig zu begeben, und seine früheren Verhaltungs- 
befeble wiederholt, namentlich dass er nicht mehr als 4000 Mann zu stellen habe und 
dass das Bündnis allgemein contra quoscunque gerichtet werde. Sollte man zu der 
Zahl von 15000 Mann nicht gelangen, so könnte auch ein geringeres Quantum zum 
Fundament genommen werden. 



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144 n. Der bremische Krieg, die Quadrupelallianz und die engere Vereinigung etc. 

Johann Budendach an den Kurfürsten. D. Brannschweig 
9./[19.]März 1667. 

[Bericht über die Conferenzen.] 

19. März. Er hat sichi) am 5. hier eingestellt und die übrigen Gesandten auch vor- 
gefunden. Der Hessen-Oasselsche kam vor der Zusammenkunft am 7. zu 
ihm und theilte ihm mit, die Landgräfin wollte zu den m/15 Mann beitragen, 
was ihr zukäme, wenn alle Mitglieder der Rheinischen Allianz dabei concur- 
rierten, ausser solcher Allianz aber könnte und wollte sie sich nicht begeben, 
zumal durch diese nähere Zusammensetzung etwas Neues an Braunschweig-, 
sonderlich Calenberg- und Cellischer Seite gesucht zu werden scheine, und 
durfte man, wenn dieselbe festgestellt sein sollte, der anderen Prorogation nicht 
belieben oder wenigstens Frankreich neue conditiones vorschreiben wollen. 
Auf der Zusammenkunft an demselben Tage erklärte der E. Cölnische, sein 
Herr conformiere sich mit Kf. darin, dass diese nähere Verbindung nicht auf 
gewisse casus zu definieren sei, er blieb bei den zu Hildesheim beliebten 15 000 
Mann und offerierte dazu 1000 z. R. und 3000 z. F. B. hat darauf erklärt, Kf. 
stelle als conditio sine qua non, dass das Bündnis nur im allgemeinen auf 
alle casus einiger Thätlichkeiten zu richten, er könne sich zu mehr als 1400 
z. R. und 2600 z. F. nicht obligieren. Osnabrück, Zell und Woiffen- 
büttei waren ratione determinationis casuum indifferent, der Galenbergische 
Kanzler Langenbeck aber liess durch langes Gerede erkennen, wie ungern 
sein Herr sehen würde, dass man von dem speciali casu abwiche, liess aber 
endlich diese Frage in suspenso und begehrte, man sollte sich wegen Einthei- 
lung des quanti vergleichen. Hessen-Gas sei conformierte sich ratione de- 
terminationis casuum mit Kf. und inhaerierte der Rheinischen Allianz, auf welche 
Maas er mit Eintheilung des quanti ferner nicht zu thun hätte. 

Als dann die Braunschweiger erklärten, die übrigen 7000 Mann nicht 
übernehmen zu können, und B. darauf bemerkte, es könnte ja das quantum zu- 
nächst geringer als 15 000 Mann gesetzt werden, erbaten jene Frist bis zum 
folgenden Tage. Am 8. erklärte im Namen der Braunschweigischen v. Bülau, 
von den 15000 Mann könne, zumal das Gerächt davon schon allenthalben er- 
schallt, nicht abgegangen werden, Kf. möchte sich besser herauslassen. Der 
K. Cölnische erwiderte, er wurde lieber sehen, wenn das quantum auf m/12 
oder m/13 angesetzt werde, als dass diese ganze nähere Zusammensetzung sich 
zerschlüge, B. setzte nochmals auseinander, Kf. könne sich zu mehr als 4000 
nicht verstehen, er hoffe, die Braunschweiger würden näher herbeitreten 
und sich so erklären, dass ohne weitere Difficultät, wenn auch nicht zu dem 
toto der m/15, doch zu einem zureichenden quanto zu gelangen wäre. Geschehe 
dieses nicht und könne man sich also nicht ohne Difficultät über die Einthei- 
lung der Hülfe vergleichen, so habe er Befehl, mit Hessen-Cassel umzutreten 
und zu votieren, dass dieselben casus, worauf man in diesem foedere ziele, auf 
die Rheinische Allianz gerichtet und alles in dieselbe gezogen werden möchte. 

») Vgl. Kocher I. S. 521. 



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Verhandlungen zu Braanscbweig. 145 

Darauf begehrten sie Zeit zur Ueberlegung bis Nachmittag und erklärten 
dann, die Sache erst ihren Herren berichten zu müssen, von denen sie Montag 
Resolution zu erhalten hoffen. 



Johann Budendach an den Kurfürsten. D. Braunschweig 
16./[26.] März 1667. 

[Abschluss der Verhandlungen.] 

Am 12. erklärte*) v. Bülau namens der Braunschweigischen Häuser, 26. März. 
eine Verminderung der Zahl von 15000 und ein Vergleich ratione quanti per 
specialem conventionem ohne einen gewissen Fuss würde Schwierigkeiten ver- 
anlassen, dem Vorschlag wegen der Rheinischen Allianz aber wolle man sich 
gern accommodieren und geschehen lassen, dass sowohl wegen des darin ent- 
haltenen Simpli als auch sonst es lediglich dabei sein Bewenden habe bis in 
den August, da dieses foedus zu Ende liefe, gegen solche Zeit würde sich dann 
ergeben, ob und wie dessen Prorogation eingerichtet würde. Da aber inmittelst 
das Simplum nicht zureichen würde, so könnte mau sich vergleichen, einander 
auf den begebenden Fall mit dem Duplo zu assistieren. Darauf wurde der 
K.Cölnische, der sich auch damit einverstanden erklärte, ersucht, ein 
Project zu fernerer Ueberlegung abzufassen, das derselbe auch am folgen- 
den Tage dictierte. Anstatt einzelner monita reichten die Braunschwei- 
gischen einen anderen Entwurf ein, B. erhob gegen denselben einige Ein- 
w^endungen, namentlich dass in § 5 die Hülfe auf das Triplum gerichtet und bei 
der Eintheilung das Simplum des Kf. auf 600 z. R. und 1200 z. F. angesetzt 
sei, diese Punkte wurden geändert und der darauf gemachte neue Aufsatz all- 
seitig angenommen^). 

Badenhausen, der wegen Krankheit an diesen Conferenzen nicht theil- 
genommen. erklärte sich zwar damit einverstanden, verlangte aber Ausstellung 
eines Reverses, dass von der Landgräfin nicht ein Höheres als sie vermöge der 
Rheinischen Allianz verpflichtet wäre, gefordert werde. Als darauf die Braun- 
schweigischen erklärten, sie könnten sich darauf ohne Specialbefehl nicht 
einlassen, fühlte sich derselbe dadurch sehr beleidigt, es kam zwischen ihnen 
zu heftigen Auseinandersetzungen und B. weigerte sich^) trotz seiner und des K.- 
Cölnischen Vermittlungsversuchen den Recess zu unterschreiben, der dann von 
den anderen sämmtlich unterschrieben wurde. 



>) Vgl. Köcher I. S. 522. 

') Die „engere Vereinigung*' d. Braunschweig 15./25. März 1667; Inhaltsangabe 
bei V. Mörner S. 3I3f. 

*) Im Vertrauen theilte er Budendach mit, dass der Landgräfin der modus zwar 
verdriesslich fallen, es ihr sonst aber nicht unlieb sein wurde, dass es sieb so ge- 
schickt hätte, dass er sich der Unterschreibung hätte entziehen können, sie würde auf 
anderem Wege vielleicht mehr profitieren. 

Mater, z. Gesch. d. G. Kurfürsten. XII. 10 



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146 n* Der bremische Krieg, die Quadrupelallianz und die engere Vereinigung etc. 

Der Kurftirst*) an die gesammten Herzoge von Braunschweig. 
D. Berlin 30. März/[9. April] 1667. 

[Verwendung für die Berücksichtigung der Wünsche Hessen-Cassels.] 

9. April. Durch Badendach hat er erfahren, dass man zwar zum Schluss und 

ünterschreibung eines Recesses gekommen ist, der Hessen- Casselsche Ab- 
gesandte denselben aber nicht mitunterschrieben hat, da man demselben mit 
dem desiderierten Nebenrecess nicht willfahren wollen. Kf. hätte gewünscht, 
dass dieses nachbarliche considerabie fürstliche Haus beibehalten worden wäre, 
denn wenn auch die Landgräfin die Mannschaft, so nach Proportion der übrigen 
Contrahenton ihr zukommt, nicht auf sich nehmen will, so ist doch kein Zweifel, 
dass, wenn die Noth es erforderte, dieses fürstliche Haus noch mit einem mehreren 
gern beitreten würde, wenn es sich schon dazu schriftlich nicht verpflichtet 
und die Landgräfin vielleicht dessen wegen der vormundschaftlichen Regierung 
Bedenken gehabt. Sollte dasselbe aber, nachdem es bei allen Zusammenkünften 
bisher die Seinigen gehabt, dahinten gelassen werden, so hätte er solche Se- 
paration mehr in Consideration zu nehmen als den Verlust der wenigen Mann- 
schaft. Er bittet die Herzoge, ihm ihre Meinung zu eröffnen, wie das Werk so 
einzurichten, dass gutes Vernehmen erhalten und der intendierte Zweck erreicht 
werde. 



Herzog Georg Wilhelm von Braunschweig und Lüneburg an 
den Kurfürsten. D. Zelle 15./[25.] April 1667. 

[auf das Schreiben vom 30. März. Verständigung mit Hessen-Cassel. Franzosische 

Anträge.] 

25. April. I^ass seine und seiner Brüder Gesandte das im Namen der Landgräfin von 
Hessen angebotene, etwas geringe quantum der Mannschaft nicht sofort accep- 
tiert und den begehrten Nebenrecess nicht haben ausfertigen wollen, sondern 
diesen Punkt ad referendum genommen, kann ihnen nicht verdacht werden. 
Doch haben er und seine Brüder 2) sofort, nachdem sie sich darüber unterein- 
ander verständigt, der Landgräfin eine zustimmende Erklärung zukommen lassen. 
Wenn der zu erwartende Aufsatz des Nebenrecesses wird angelangt und ad- 
justiert sein, wird man sich leicht wegen Auswechslung der Ratificationen ver- 
einbaren können. 

P. S. Der König von Frankreich hat **) durch seinen Envoye M i 1 1 e t 

1) Landgräfin Hedwig Sophie hatte (d. Cassel 21./[31.] März 1667) dem Kf. 
ihr Bedauern über die letzten Vorgänge in Braunschweig zu erkennen gegeben und 
ihn gebeten, sich beiden braunschweigischen Herzogen zu verwenden, dass diese 
in den von ihr geforderten Nebenrecess einwilligten, und seinerseits vorläufig den Kecess 
nicht zu ratificieren. Auch diese letztere Bitte hat Kf. erfüllt, seine Ratification ist 
erst am 25. Juli 1667 ausgestellt. 

2) S. K Geher L S. 523. 
») S. Kocher I. S. 527f. 



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Beitritt Hessen-Cassels. Franzosische Anträge. 147 

bei ihnen Ansuchung thun lassen, sie sollten 1) der Stadt Bremen rathen, 
Schweden wegen der gegen Speckhahn verübten Insolentien Satisfaction zu 
geben, 2) die Rheinische Allianz weiterhin prorogieren, 3) zu Behuf des Königs 
von Polen wider die Türken, Tataren und Cosacken einige ihrer Truppen 
überlassen. Sie haben darauf erwidert, das erste sei von ihnen schon geschehen, 
die Prorogation der Allianz haben sie nach Regensburg an die gesammten 
Alliierten verwiesen, wegen des dritten Punktes wären sie nicht abgeneigt, dem 
Könige einige Truppen leihweise, sofern es die Securität dieses und des West- 
fölischen Kreises zuliesse, und nur um sie gegen die Türken, Tataren und Co- 
sacken zu gebrauchen, zu überlassen, wesfalls es aber dem Gesandten vorläufig 
an Instruction ermangelt. Der König von Frankreich soll zugleich die Ab- 
sicht haben '), einige Völker aus Frankreich durch das Römische Reich nach 
Polen zu führen und von einigen Ständen des Reichs Durchzug für dieselben 
zu begehren, etliche sollen beabsichtigen, denselben zu verweigern. Er bittet, 
Kf. ihm mitzutheilen, was derselbe darüber wüsste und dächte'^). 



Kürfürst Maximilian Henrich von Cöln an den Kurfürsten. 
D. Bonn 22. Juni 1667. 

[AuiTorderung zur Beschickung der Zusammenkunft in Cöln.] 

Er hat unlängst *) dem Kf. Mittheilung gemacht von einer zwischen einigen 22. Juni. 
Kur- und Fürsten verabredeten Zusammenkunft, für w^elche Hameln als Ort 
vorgeschlagen, um sich zu vergleichen, wie man sich bei gegenwärtigen Conjunc- 
turen, da fast aller Orten gar starke Armaturen in Schwung gehen, zu verhalten, 
insonderheit, wohin man sich gegen die Krone Frankreich wegen der von der- 
selben bei verschiedenen Kur-: und Fürsten begehrten Verstattung eines Durch- 
zuges und der Anfrage, was man, falls andere Succurs nach den Spanischen 
Niederlanden sollten schicken wollen, zu thun beabsichtige, zu erklären habe. 
Er, K.Mainz, K.Trier und Pfalz-Neuburg hätten verabredet, zu diesem 
Z\veck gegen den 26. dieses Bevollmächtigte nach Cöln zu schicken, er stellt 



*) S. darüber unten Abschnitt 3. 

^ Kf. erwidert darauf (d. 24. April/[4. Mai] 1667), die Auswechslung der Ratifi- 
cationen des Braunscbwciger Vertrages werde nun bald erfolgen können; Millet sei 
am 21. bei ihm angelangt und hätte auch an ihn ein ähnliches Ansinnen gestellt. 
Er hätte darauf an Bremen geschrieben und von dort solche Antwort erhalten^ dass 
er hoffe, die Sache werde beigelegt werden, wegen Prorogation der Allianz werde er 
sich in Regensburg durch seiue Gesandten herauslassen (s. Urk. u. Act. XI. S. 409 ff.), 
inbetreff des Durchzugs der Truppen könne er ohne vorhenge Communication mit 
den Benachbarten und Interessierten noch nichts resolvieren. 

') In einem Schreiben vom 10. Juni. — Kf. erwidert (d. Schönbeck 27. Juni/[7. Juli] 
1667), uro die Versammlung in Cöln zu beschicken, sei die Zeit viel zu enge, und 
fordert K.Cöln auf, gegen den 20./30. Juli Gesandte nach Braunschweig zu 
schicken. 

10* 



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148 I^- ^^r bremische Krieg, die Quadrupelallianz und die engere Vereinigung etc. 

dem Kf. anheim, ob derselbe nicht anch Jemand dorthin abordnen wolle, ohne 
Zweifel würden auch der Bischof von Munster, die Herzoge von Braun- 
schweig und die Landgräfin von Hessen solcher Zusammenkunft gern bei- 
wohnen. Sollte Kf. aber dafürhalten, dass anderswo eine Zusammenkunft 
zwischen ihnen beiden, den Herzogen von Braunschweig und der Landgräfin 
von Hessen anzustellen sei, so ist er ebenfalls dazu bereit. 



Instruction, wornach sich unsere — Geheime-, Kriegs-, Hof-, 
Kammergerichts - und Consistorialräthe , G eneral-Lieuteuant, 
Kammerer, Gouverneur unserer beiden Residentien und Haubt- 
mann zu Zossen, auch liebe getreue Joachim Rudiger von 
der Golze und Johann Georg Reinhardt gehorsambst zu 
achten^). D. Colin an der Spree 17./[27.] Juni 1667. 

[Aufträge an die Herzoge Rudolf August und Georg Wilhelm von Braunschweig.] 

27. Juni. Sie sollen zuerst nach Wolffenbüttel gehen und praemissis curialibus 

den Herzog ersuchen, dem Kf. seine und seines Hauses Sentimenten zu ent- 
decken: 1) wegen des von dem französis chen Könige durch Milet begehrten 
Durchzuges für seine Armee. Kf., dessen Antwort darauf^) sie mitzutheilen 
haben, hätte zwar von einigen Seiten die Nachricht, das Fürstl. Haus Braun - 
schweig sollte nicht allein den Durchzug zugestanden, sondern auch dem 
Könige von Frankreich daneben 4000 Mann von ihrer Armee zu überlassen 
versprochen haben, er könnte dieses aber um so weniger glauben, da die Her- 
zoge Georg Wilhelm und Ernst August ihn ohnlängst durch den Christen 
Wachtmeister Iselstein^) des contrarii hätten versichern lassen, es hätte dieses 
aber bei den Benachbarten, namentlich hei der Krone Schweden bereits einige 
ombrage verursacht. Kf. merkte auch sonst mit Leidwesen, dass zwischen 
dieser und dem Fürstl. Hause einige froideur und mesintelligence sich eine Zeit 
her ereignet, er hoffte, es würde jetzt, nachdem die Bremische Sache zu völliger 
Richtigkeit gekommen, die vorige gute Freundschaft wieder erneuert werrfen, 
er hiete seine guten officia dazu an, habe auch solches schon Schweden 
gegenüber gethan und von diesem zustimmende Antwort erhalten. 

2) wegen des französischen Einfalls in die Niederlande. Kf. hielte 
dafür, die Benachbarten, besonders die Eingesessenen des Westfälischen und 
Niedersächsischen Kreises hätten grosse Ursache, dieses Feuer zu apprehendieren 
und auf Mittel zu dessen Dämpfung und auf ihre Sicherheit bedacht zu sein, zu- 
mal da er Nachricht erhalten, der Bischof von Münster''') wolle sich aufs neue 

') Ueber diese Gesandtschaft s. Köcher I. S. 528. 

2) S. unten Abschn. 6. 

3) S. Kocher 1. S. 528; ürk. u. Act. XIV. 1, S. 308; unten Äbscbn. 6.. 

•*) S. Töcking, Geschichte des Stifts Mfin^^ter unter Christoph Bernard von 
Galen S. 161 und uuten Abschn. G. 



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Gesandtschaft t. d. Goltzs und Reinhardts. 149 

in dieses Werk mischen und sei im Begriff, Werbungen für Frankreich anzu- 
stellen. Die Gen. Staaten hätten deswegen an Kf. geschrieben, er hielte für 
höchstnothig, dass auch der Herzog als Garant den Bischof von einem solchen 
Vorhaben, das direct wider den letzten Tractat liefe und wodurch der West- 
fälische Kreis oder gar das ganze Reich mit in das Niederländische Wesen hin- 
eingezogen werden könne, abmahnte und, falls der Bischof solcher Erinnerung 
nicht Platz geben sollte, andere nachdrückliche Mittel in Aussicht stellte. Sehr 
diensam wurde auch sein, wenn das Fürstl. Haus einige von seinen Kriegs- 
völkern gegen die Grenze des Stifts einquartieren und mit ihm zusammen ein 
gesammtes Abmahnungsschreiben an den Bischof und das Domcapitel erlassen 
möchte ; 

3) wegen der von den Staaten beschlossenen*) Mediation und Interpo- 
sition zwischen Spanien und Frankreich; 

4) wegen dessen, was K.Cöln und Herzog fernst zu Sachsen an ihn ge- 
langen lassen. 

Kf. wünsche auch Beilegung der Grenzirrungen und bitte um Vorschläge 
dazu, ferner sollen sie empfehlen Befriedigung der Forderungen der Erben des 
seligen Oberkämmerers Burgsdorf, Beförderung der Angelegenheit des Ad- 
ministrators von Magdeburg ratione voti und sessionis auf den Reichstagen 
und Erfüllung der Bitten des Freih. v. Blumenthal wegen der Komthurei 
Supplinburg. 

Nachher sollen sie auch zu Herzog Georg Wilhelm sich begeben, ihm 
wegen Frankreich, Niederland und Münster ebendasselbe referieren und dessen 
Meinung darüber vernehmen. 



Nebeninstruction. D. Cöln an der Spree 20./[30.] Juni 1667. 

Nachdem Kf. durch Ledebaur vernommen^), wie weit der Bischof zu 30. Juni. 
Münster die Rheinische Allianz deute, dass nämlich kraft derselben die Alli- 
ierten schuldig seien, sich dem Kaiser, wenn dieser sich in die Niederländi- 
schen Händel mischen und Kriegsvölker dahin senden wollte, zu widersetzen 
und sogar dem Könige in Frankreich zur Ausführung dieser und dergleichen 
weit aussehender Desseine zu assistieren, so sollen sie auch hieraus mit dem 
Herzoge communicieren. Kf. meine, dass dieses alles dem Bischöfe von Frank- 
reich suggeriert werde und dass man daher grosse Ursache hätte, bei der von 
Frankreich eifrig betriebenen Prorogation der Allianz behutsam zu gehen oder, 
was das beste wäre, dieselbe gar zu unterlassen; auch Schweden habe wenig 
Lust, diese Allianz weiter zu extendieren oder zu continuieren. 



') S. unten Abschn. 6. 
') S. unten Abschn. 6. 



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150 n. Der bremische Krieg, die Quadrupelallianz und die engere Vereinigung etc. 

V. d. Goltz und Reinhardt an den Kurfürsten. I). beim. Pir- 
montischen Sauerbrunnen im Dorfe Löbensen 27. Juni/[7. Juli] 

1667. 

[Bericht über ihre Verbandlungen mit den braunscbweigischen Herzogen.] 

7. Juli. In "Wolffenbü ttel, wo sie am 22. angelangt, haben sie erfahren, dass 

das ganze fürstliche Haus mit einem Theil ihrer Geheimen Räthe eine geraume 
Zeit zu Pirmondt versammelt gewesen. Sie sind sofort dorthin weiter gereist, 
haben aber am 24. in Hildesheim erfahren, dass Herzog Johann Friedrich 
schon abgereist sei, die anderen Herzoge aber noch bei einander wären. Sie 
sind am 25. Abends in Löbensen angekommen, wo ihnen Quartier angewiesen 
worden, am folgenden Tage haben sie Vormittag bei Herzog Georg Wilhelm 
und Nachmittag bei dem Hause Wolffenbüttel Audienz gehabt. Ersterer 
erwiderte auf ihre Proposition, die ausgesprengte Rede vom Durchzuge sei 
nichtig, Milet hätte dergleichen bei ihnen nie gesucht. Von Ueberlassung der 
4000 Mann ') hätte derselbe etwas erwähnt, da er aber keine Instruction gehabt, 
wäre alles unerörtert und unresolviert geblieben. Dass bei Schweden sich 
eine mesintelligence erblicken lassen wolle, komme ihm gar wunderlich vor, 
sie hätten dazu keine Ursach gegeben, er bat, Kf, möchte, wenn derselbe etwas 
in Erfahrung bringen könnte, es ihm mittheilen, sein Haus würde sich so be- 
zeigen, dass auf demselben keine Ursache zur mesintelligence haften bleiben 
sollte. Betreffend den französischen Einfall in die Niederlande, darin 
musste sehr behutsam verfahren werden. Dass Münster für Frankreich werbe, 
wäre wohlbewusst, dem miisste mit Güte und endlich mit Nachdruck Hinderung 
geschehen, er glaube, der Bischof würde leicht den französischen Werbungen, 
wenn das Reich sich ihm widersetzte, renuntiieren und das Geld für sich be- 
halten. Die von den Staaten vorgeschlagene Mediation zwischen Spanien 
und Frankreich sei ihm keineswegs zuwider. Herzog Rudolf August er- 
widerte in ganz ähnlicher Weise, der Bischof von Osnabrück, Ernst August, 
den sie auch besuchten, erwies sich in allem, was das allgemeine Beste concer- 
niert, ganz willig und bereit, eiferte höchlichst, dass der Bischof von Münster 
im Reich die ersten motus verursacht, man sollte ohne viele Umschweife mit 
zureichenden Mitteln ihn dahin bringen, dass er sich in seinen Grenzen hielte. 
Am 27. kamen der Cellische Präsident v. Bülau, der Wolffenbuttelsche 
Marschall v. Heimbruch und der Geheime Rath des Bischofs von Osnabrück, 
V. Platow, zu ihnen und erklärten sich auf die einzelnen Punkte ihrer Pro- 
position in ähnlicher Weise. 



') S. Köcher 1. S. .V27f. 



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Gesandtschaft v. d. Gohzs und Reinhardts. 151 

Resolution der Herzoge Ernst August, Georg Wilhelm und 

Rudolf August von Braunschweig. D. bei dem Pirmontischen 

Sauerbrunnen 27. Juni/[7. Juli] 1667. 

— Die proponirte Puncta betreiffeDd, bedanken I. Fürstl. Durchl. 7. Juli, 
sich zufoderst freund vetterlich, dass S. Churförstl. Durchl. wohin dieselbe 
wegen des begehrten Durchzuges der französischen Armee sich erklärt, 
auch wohin des Herrn Churfürsten zu Maintz Gnd. Gedanken desfalls 
gerichtet, in hergebrachtem Vertrauen communiciren wollen, vernehmen 
aber dabei ganz ohngerne, dass von I. Furstl. Durchl. dem frantzösischen 
Abgeordneten Milet hiebevor gegebene Resolution ein ganz ungleicher 
Bericht hat wollen ausgesprenget werden, zumahlen jetztgedachter Milet 
in seinen für einiger Zeit abgelegten Propositionen den Durchzug einiger 
frantzösischen Völcker nicht gesuchet und deswegen auch die geringste 
Versprechung nicht erhalten, mit S. Churf. Durchl. sein I. Fürstl. Durchl- 
auch darunter ganz einig, dass die polnische Respublica zumahlen bei 
gegenwärtigen dessen Zustande schwerlich einige frembde Hülfe begehren 
werde. Ohn ists zwar nicht, dass gedachter Milet wegen Ueberlass- 
oder Herleihunge einiger Völcker Ansuchunge gethan, weil er aber dabei 
angeführet, dass er deswegen Handlunge zu pflegen oder auch super con- 
ditionibus einen Schluss zu machen nicht instruiret, sondern dass dero 
behueif innerhalb weinig Wochen er oder ein ander Köuigl. Frantzösi- 
scher Minister mit völliger Instruction sich wieder anfinden würde, hat 
auch dieserwegen keine categorische Resolution abgegeben werden können, 
sondern ist ged. Milet nur die V^ertröstung geschehen, wann innerhalb 
der daroaln benannten zimblich kurzen Zeit von Ihr. König!. Majestät 
in Franckreich jemand mit mehrer Instruction ankommen, die Ueberlass- 
oder Herleihung der Völker ferner urgiren, dieselbe auch bloss wieder 
Türken, Tartarn und dergleichen barbarischen Völker gebrauchet werden 
sollten, und man der übrigen zum Theil bloss per discursum erwähnten 
Conditionen halber sich würde vergleichen können, wären die gesambte 
Herrn Herzogen zu Braunschweig und Lüneburg nicht abgeneigt, einiger 
Völker Anleihunge halber sich in fernere Tractaten einzulassen. Alldie- 
weil aber obbedeutete Zeit fürlängst vorbei und dasieder keine weitere 
Anregung von seilen der Cron Franckreich geschehen, sich auch inmittelst 
der Status Regni Poloniae bekanntermaassen und zwar dergestalt, wie 
S. Churf. Durchl. in dero gedachtem Milet hiebevor abgegebenen und 
I. Fürstl. Durchl. communicirten Resolution mit mehrerm angeführet, 



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152 n. Der bremische Krieg, die Quadrupelallianz und die engere Vereinigung etc 

merklich geändert, sonsten auch bei sothanom Werke, wie bereits er- 
wähnet, lediglich das Absehen auf Befoderunge der Hülfe wieder die 
Türken gerichtet gewesen, das ganze Werk auch in meris terminis einiger 
praeliminar Tractaten bestanden und dadurch niemand weder in- noch 
ausserhalb des Reichs praejudiciret worden, so sehen I. Fürstl. Durchl. 
auch nicht, wie dieses bei der Cron Schweden oder auch sonst je- 
mandn einige Ombrage habe verursachen können. 

Als negst diesem S. Churf. Uurchl. durch dero Gesandten einiger 
froideur und mesintelligence, die sich zwischen der Cron Schweden 
und dem Fürstl. Hause Braunschweig Lüneburg eine Zeit hero ereuget 
hätte, Erwähnung thun und zu Aufhebung derselben dero Interposition 
und gute ofTicia oiferiren lassen wollen, so erkennen I. Fürstl. Durchl. 
solches nicht minder mit freundvetterlichem Danke, sein aber woll ver- 
sichert, dass sie an ihrem Orte an beständiger Conservir- und Brhaltunge 
des aufrechten Vertrauens mit der Cron Schweden niemahln ichtwas 
haben erwinden lassen, wollen auch nicht hoffen, dass dasjenige, so in 
dem abgewichenen Jahre aus Ihr. Keyserl. Mayt. und des ganzen Reichs 
special Commission nebst S. Churf. Durchl. auch anderer Chur- und 
Fürsten des Reichs das Fürstl. Haus Braunschweig Lüneburg der Stadt 
Bremen halber übernehmen müssen, zu einiger mesintelligence Anlass 
und Ursache werde gegeben haben, so weinig als S. Churf. Durchl. und 
die übrige zu der Bremischen Sache mit committiret gewesene Reichs- 
stände dadurch in Missverstandnisse mit obgedachter Cron Schweden 
gerathen. Würde sonst S. Churf. Durchl. Nachricht erlanget haben, wes- 
halben die Cron Schweden kegen dieses Fürstl. Haus sich mochte zu 
beschweren vermeinen oder einige mesintelligence bei deroselben veran- 
lasset wäre, so sollte L Fürstl. Durchl. gar lieb sein solches mit ehistem 
zu vernehmen, damit also sothaner Missverstand durch dienliche Mittel 
mit ehistem beiseit geräumet und die zwischen hochermelter Cron und 
dem Fürstl. Hause Braunschweig Lüneburg zimblich viel Jahr hero zu 
beider Theile Nutzen gepflogene freundnachbarliche Correspoudenz re- 
dressiret und aufrecht erhalten werden müge. L Fürstl. Durchl. werden 
auch die gute Nachbarschaft und Correspondentz mit derselben zu er- 
halten Ihnen jederseits angelegen sein lassen. 

Dass wegen des Frantzösischen Eingangs in die Spanische Nie- 
derlande die benachbarte und sonderlich des Westpfiilischen und Nieder- 
sächsischen Creises Eingesessene sorgfältig zu sein hohe Ursach haben, 
solches halten L F. D. zumahl billig und höchstnötig. Weiln nun S. Ch. D. 



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Resolution der braunscbweigischen Herzoge. 153 

zu Colin*) für weiniger Zeit von der in der Stadt Colin von einigen 
Chur- und Fürsten beliebeten Zusammenkunft Eröffnung gethan und zu- 
gleich dieses Fürstl. Haus dahin invitiret, auch die gewisse Nachricht 
erlanget, dass S. Churf. Durchl. zu Brandenburg ebenmässige Notifi- 
cation zugekommen, so haben I. Fürstl. Durchl. hierunter dem gemeinen 
Wesen sich nicht entziehen wollen, sondern sofort etliche von deren Ge- 
heimbten Räthen dahin abgeordnet, umb mit denen übrigen daselbst 
anwesenden Chur- und Fürstlichen Gesandten reiflich zu überlegen, wie 
und welchergestalt vorberürte Unruhe zufoders per pacißca media, als 
wozu beide kriegende Theile nicht ungeneigt zu sein sich vernehmen 
lassen, je ehender je besser wieder gestillet und also dem, dem Heil. 
Römischen Reiche daraus besorgenden Unheil bei Zeiten vorgebauet 
werden könne, und würde I. Fürstl. Durchl. sonderlich lieb sein, müssten 
sie es auch zu Erhaltung des intendirenden Zwecks sehr dienlich halten, 
da Sr. Churf. Durchl. belieben möchte, die Ihrige dahin gleichfalls ab- 
zuordnen. I. Fürstl. Durchl. geben hiebei auch zu bedenken, weil bei 
dieser Diaet des Herrn Bischofs zu Münster Gesandten sich mit an- 
finden werden, ob nicht daselbst dessen bei den neuen angestellten Wer- 
bungen führende Intention am besten alda zu sondiren und zu überlegen 
sein wolle, wie derselbe dahin mit Nachdruck zu erinnern und zu er- 
mahnen, dass er für sich die benachbarte Creyse auf keinerlei W^eise 
in einige Unruhe impliciren möge, gestalt dann insonderheit mit Ihr. 
Churfürstl. Durchl. zu Colin daraus würde zu communiciren und zu ver- 
nehmen sein, ob nicht, und zwar aus denen mündlich angeführten Con- 
siderationen ein solches Gesamtschreiben, wie in der Herren Abgesandten 
ihrer schriftlich übergebenen Proposition erwähnet ist, an S. Fürstl. Gn. 
zu Münster abgehen zu lassen. Auf allen Fall sein sonsten I. Fürstl. 
Durchl. erbötig, wann nur Ihr. Churf. Durchl. zu Brandenburg werden 
belieben, angeregte Dehortation aufsetzen zu lassen, dass sie alsdann 
selbiges mit voUenziehen, auch was sonsten zu zeitiger Verhütunge alles 
besorgenden Unwesens dienlich wird erachtet werden, gerne beitragen 
helfen wollen. — 

») S. Köcher I. S. 528. 530f. oben S. 147. 



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154 n. Der bremische Krieg, die Quadrupelallianz und die engere Vereinigung etc. 

V. d. Goltz und Reinhardt an den Kurfürsten. D. Magdeburg 

7./[17.] Juli 1667. 

[Weitere Verhandlungen mit den braunschweigiscben Herzogen.] 

17. Juli. Am 30. früh brachen die Herzoge Georg Wilhelm und Ernst August 

nach Walkenried auf, am Abend vorher wurde ihnen die vom 27. Juni da- 
tierte Resolution ertheilt, sie ist der Conferenz zwar nicht in allen Punkten 
gleich, da bei der Eilfertigkeit, da die Räthe meist in procinctu waren, einiges 
übergangen worden ist, es kommt aber eigentlich «auf die Cölnische Tagefahrt 
an, wohin, wie die braunschweigiscben Herzoge glauben, auch Kf. Abgeordnete 
schicken und das übrige vollends verhandeln lassen wird. Sollte es aber dem 
Kf. und der Landgräfin von Hessen-Cassel wegen Enge der Zeit unmöglich 
fallen, diese Tagefahrt besuchen zu lassen, so wünschen die Braunschweiger 
einen bequemeren Ort und sind ihre Deputierten befehligt, bei K.Cöln Braun- 
schweig vorzuschlagen und, wenn dieses verweigert werden sollte, sich mit 
Kf., der Landgräfin und anderen Benachbarten zu verständigen. Auch über die 
Rheinische Allianz und die Münstersche Sache wird in Cöln debattiert 
werden. 

Wegen der von dem Administrator von Magdeburg gesuchten Session 
machten weniger die Fürsten als die Räthe Schwierigkeiten »)» doch glauben sie, 
dass, wenn Kf. die Sache ferner urgieren wird, der Administrator doch wohl 
zu seiner Intention gelangen wird. 

Nach Abreise der beiden anderen Herzoge haben sie mit Herzog Rudolph 
August wegen der anderen ihnen aufgetragenen Punkte verhandelt. Das pro- 
jectierte Schreiben an den Bischof von Münster mit zu vollziehen, weigerte 
sich derselbe, da Kf. darin assertive setzte, der Bischof hätte mit der starken 
Verfassung der Observanz des Vergleichs zuwider gehandelt, worüber vielleicht 
andere Garanten ein ander Sentiment haben würden, doch wollte er, wenn Kf. 
ein anderweitiges Abmahnungsschreiben abfassen lassen und dasselbe nebst dem 
Hanse Braunschweig vollziehen wollte, sich solches nicht zuwider sein lassen. 

Wegen der Grenzirrungen erklärte er sich zu gütlicher Handlung bereit, 
wünschte aber, dass die Zusammenschickung erst nach einigen Wochen erfolgte, 
da er jetzt bei Antritt seiner Regierung so vielfach beschäftigt sei. Wegen der 
Burgsdorfschen Sache ist v. d. Goltz einen leidlichen Accord eingegangen, 
auch die Erfüllung der Wünsche v. Blumenthals haben sie wenigstens theil- 
weise erlangt. 



') In einer darüber ausgestellten Resolution erklären die Herzoge ihre Entschei- 
dung vorläufig aussetzen zu müssen, da sie sich erst über die Sache aus den Aoien 
näher informieren und mit Herzog Johann Friedrich ijarüber communiciereu 
müssten- 



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G esandtschaft y. d. Goltzs u. Reinhardts. Zusammenkunft in Braunschweig. 155 

Instruction, wornach sich unser — Geheimer Rath Friedrich 
von Jena bei der ihm nach Braunschweig aufgetragenen 
Schickung zu achten. D. CUstrin 28. Juli/ [7. August] 1667. 

Er soll am 12. August in Braunschweig sein und dort erklären, 1) er 7. Aug. 
wäre befehligt, die Ratification des neulich in Braunschweig aufgerichteten Recesses 
zu extradieren, 2) da dieser Vergleich im August expiriert sei und auch die 
Conjuncturcn sich inzwischen sehr geändert hätten, so sei Kf. zufrieden, dass 
entweder dieser Vergleich prorogiert und, was nothig, hineingerückt, oder dass 
etwas neues nach Anweisung der gegenwärtigen Conjuncturen aufgerichtet würde. 
Sollte 3) von dem K. CÖlnischen oder auch von den übrigen etwas wegen 
des neulich zu C öl n zwischen K.Mainz, Trier, Co In, Münster und Pfalz- 
Neu barg abgeschlossenen Tractats vorgebracht und begehrt werden, dass auch 
Kf. denselben annehmen möchte, so soll er sowohl in Privatdiscursen als auch 
in den öffentlichen Zusammenkünften erklären, Kf. habe ihn darauf nicht in- 
struiert, da ihm von K.Cöln nur ein Project des Tractats mitgetheilt, er aber 
nicht zum Beitritt zu demselben aufgefordert sei, ausserdem sei man in diesem 
Project des zwischen Frankreich und Spanien entstandenen Krieges, 
Scbickung der Hülfe und Verweigerung des Durchzugs halber ziemlich weit 
gegangen. 4) Wenn etwas Gutes und Sicheres sowohl für die Paciscenten als 
auch für das Reich abgeredet werden sollte, so müsste freilich auch auf diesen 
Krieg Reflexion genommen werden. Das Instr. pacis sagte nun ausdrücklich^), 
falls künftig zwischen Frankreich und Spanien ein Krieg entstehen sollte, so 
dürfte der Kaiser und das Reich sich in einen solchen nicht einmischen oder 
Hülfe schicken, einem jeden einzelnen Stande aber sei es freigestellt, diesem 
oder jenem zu Hülfe zu kommen, diese Freiheit dürfe Niemand zu gefallen re- 
stringiert werden, Kf. könne daher nicht sehen, mit was für Schein Rechtens 
man keinem den Durchzug verstatten wollte*-'). Sollten die übrigen nun zu 

^) Instr. pacis Monasteriensis, vgl. Meineke, Der Regensburger Reichstag und 
der Devolutionskrieg (Hist. Zeitschr. N. F. XXIV. S. 194). 

'0 Kf. schreibt (d. Potsdam 10./[m] August 1667) an Fr. v. Jena: „Ihr werdet 
Euch annoch — erinnern, was wegen der Burgundischen Sache und ob, auch 
vi'ie weit das Reich sich derselben anzunehmen befugt oder schuldig sei, zu C östrin 
geredet worden. Wie nun über dem rechten und eigentlichen Verstand des instru- 
menti pacis allerhand Disputen und Zweifel entstanden, und zwar die formalia des- 
selben primo intuitu fast dahin zu gehen scheinen, ob sollte das Reich und Ihre Key. 
M. nicht befugt sein, sich dieses Kreises anzunehmen, gleichwohl aber auch viele 
rationes in contrarium vorhanden, woraus zu schliessen, dass der Burgundische Kreis 
ein Glied des Reichs und dessen Garaptie sich billig zu erfreuen haben solle, so 
wollet Ihr Euch i^ohl fiirseben, dass man aldorten nicht etwas statuire oder decidire, 
wodurch dieser Sache einig Präjudiz zuwachsen oder der Decision des ganzen Reichs 
fürgegriffen werden könne, gestalt Ihr darin für Euch zu. erwähnen, dass Ihr salva 
imperii decisione nicht anders vermeinen und schliessen könnet, als dass das Reich 
gnugsam befugt, sich dieses Creises bei so beschaffenen Urabständen und in dem 
jetzigen casu anzunehmen.*' 



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156 n. Der bremische Krieg, die Quadrupelallianz und die engere Vereinigung etc. 

einer näheren Zusammensetzung auf Grund des Instr. pacis bereit sein, so soll 
er, wenn auch etwa der K.Cölnische dabei Bedenken haben sollte, es mit- 
placitieren und vor allem dahin sehen, dass in dem von dem Burgundischen 
Kreise handelnden Artikel nichts Präjudicierliches oder dem Münsterschen 
Friedensschlüsse Zuwiderlaufendes eingerückt werde. 5) Wegen des quanti 
kann es so wie in dem jetzt expirierenden braunschweigischen Vergleich ver- 
bleiben. 6) Nachdem K.Mainz*) für sich und andere die Interposition in dem 
zwischen Frankreich und Spanien entstandenen Kriege angeboten, Frankreich 
dieselbe angenommen hat, and ohne Zweifel auch Spanien sich eine solche ge- 
fallen lassen wird, so ist in Regensburg und sonst, wo es nöthig, dahin zq 
wirken, dass je eher je lieber von beiden kriegenden Theilen eine bestandige 
Resolution der Mediation, der subjectorum, der Zeit und des Orts halber erfolgen 
möge. 7) Wegen Prorogatioq der Rheinischen Allianz hat Kf. schon in Regens- 
burg erklären lassen, dass, weil in derselben ihm präjudicierliche Dinge ent- 
halten, weil ferner Schweden sich darüber noch nicht herausgelassen und auch 
bei dem quanto keine rechte Proportion gehalten, er sich vorläufig darüber 
nicht erklären könnte; bevor dieses alles abgethan und die übrigen sich deut- 
lich herausgelassen, kann Kf. sich auch nicht weiter extendieren. 

8) Betreffend die von der Stadt Bremen gesuchte Garantie, so hat die 
Stadt diese in Regensburg bei dem gesammten Reiche zu suchen, die begehrte 
Particulargarantie hält Kf. nicht für nöthig. 

9) Wegen der Münsterschen Werbungen*), wegen deren ihn der Staat 
auf Grund der von ihm mit übernommenen Garantie des Clevischen Friedens 
angelangt, müsse Kf. sich zu dem in demselben Enthaltenen erbieten, er stelle 
daher dahin, ob die Anwesenden ein gesammtes Abmahnungsschreiben oder aber 
ein mehreres beliebten. 



Friedrich v. Jena an den Kurfürsten. D. Braunschweig 
15./[25.] August 1667. 

[Eröffnung der Conferenzen.] 

25. Aug. Er ist den 12. August hier angekommen, am 14. fand eine Zusammenkunft 

auf dem Rathhause statt, doch hat man sich wegen des seit einem Jahre 
zwischen Osnabrück und Calenberg entstandenen Präcedenzstreites '*) nicht 
gesetzt, sondern ist stehen geblieben. Der K.Cölnische*) eröffnete die Punkte, 
welche er in Deiiberation zu bringen befehligt sei: 

1) ob die ratificationes der nun expirierten näheren Zusammensetzung zu 
extradieren ? 

2) wie diese Zusammensetzung nunmehr zu extendieren? 

^) S. unten Abschn. 6. 

*) S. oben S. 148 und unten Abschn. 6. 

») S. Köcher I. S. 523. 

*) Der Vicekanzler H. F. Nicolartz. 



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Zusammenkunft in Braunschweig. 157 

3) wie der Friede im Reich zu erhalten? 

4) wie die Mediation zwischen Frankreich und Spanien zu befördern? 

5) ob die Rheinische Allianz zu prorogieren? 

6) was der Stadt Bremen der gesuchten Garantie halber für Resolution 
zu geben? 

Da die Versuche, den Präcedenzstreit zu suspendieren, vergeblich waren, 
und die Calenbergischen Räthe noch einmal nach Hause gereist sind, so sind 
bis zu ihrer Rückkehr die solennen Zusammenkünfte eingestellt worden. 

Er hofft, man werde sich, wenn man nur erst zur rechten Conferenz ge- 
kommen, bald vergleichen. Zwar hat der K.Cölnische im Discurs gedacht, 
man möchte das neulich zu Cöln beliebte Project ') hier zum Fundament setzen, 
es wird aber wohl keiner darauf eingehen. 



Engere Vereinigung zwischen K.Cöln, K.Brandenburg, den 
braunschweigischen Herzogen und Hessen-Cassel. D. Braun- 
schweig 22. August/[1. September] 1667^). 

Als der Herren Cuhrfürsten zu Colin und Brandenburg Cuhrf. 1. Sept. 
Durchl. sodann des Herrn Bischoffen zu Ossnabrug und Herrn Georg 
Wilhelms wie auch Herrn Rudolphs Augusti, Herzogen zu Braun- 
schweig und Lüneburg, imgleichen der Frau Landgräfin und Regentin 
zu Hessen- Gasse 11 Fürstl. Dchl. wie vor diesem also auch absonder- 
lich bei gegenwertigen Leuften und Conjuncturen ihre Rathschläge und 
Sorgfaltigkeit vornemlich mit dahin gerichtet sein lassen, wie dero von 
Gott anvertraute Land und Leute in beständiger Ruhe und Friede regieret 
und erhalten, von denenselben alle Gefahr und Ungelegenheit abgewendet 
und wieder alle unbillige Gewalt mit Gottes Hülfe in zusammengesetzter 
Vereinigung geschützet und manuteniret werden könnten, und sie nun 
dabei durch die Erfahrung selbst wahrgenommen, dass die im Heil. Rö- 
mischen Reiche mit grosser Mühe und vorbedächtlich gemachte consti- 
tutiones, Executionsordnung und andere dergleichen Mittel fast geringen 
Effect gehabt. So haben sie dahero aus landesfürst- und väterlicher 
Vorsorge hochnötig erachtet, wann sie nicht allein in der bisanhero mit 
einander aufrichtig gepflogenen treuen Freund- und Nachbarschaft conti- 
nuirten, sondern auch sich in eine nähere und vestere Defensivbündnus 
begeben und setzten. Dahero dann Ihre Cuhr- und Fürstliche Durchl. 



*) S. Kocher I. S. 534. 619f.; unten Abschn. 6. 

^) HolläDdiscbe Uebersetzung Aitzema VI. S. 35lf., französische Dumont 
VII. 1. S. 57. Inhaltsangabe v. Morner S. 318f. 



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158 II- I^cr bremische Krieg, die Quadrupelallianz und die engere Vereinigung etc. 

dero Räthe allerseits alhier in BrauDschweig zusammen geschicket, welche 
sich bis auf vorgedachter Ihrer gnädigster Principalen erfolgenden gDä- 
digsten Ratification und Genehmhaltung folgendermaassen mit einander 
verglichen und eine Defensivallianz geschlossen: 

1. Erstlich: Soll zwischen allerseits Bundsverwandten eine auf- 
richtige treugemeinte Freund- und Nachbarschaft dergestalt sein und 
bleiben, dass einer des andern Nutzen und Bestes befordern und do er 
etwas, was demselben entgegen, in Erfahrung brächte, dasselbe dem- 
jenigen,^ welchen es angehet, in Zeiten eröffnen und zu wissen machen, 
auch aus allen Begebenheiten, woraus einige Weiterung entstehen möchte 
und die hierin versprochene Hülfe begehret werden könnte, vorhero zeitig 
mit einander communiciren. 

2. Zum andern: Ist diese V'ertheidigungs Allianz zu keines Offension 
am allerwenigsten aber wieder Ihre Keyserl. May. und das Reich, son- 
dern blos zu Beibehalt- und Schützung der paciscirenden Lande, Leute, 
Recht und Gerechtigkeit angesehen und gemeinet. 

3. Für das Dritte: Seind aller und jeder Bunds verwandten Lande, 
welche sie gegenwärtig innehaben und besitzen und im Heil. Römischen 
Reiche belegen, in gegenwärtiger Bündnus begriffen, also und dergestalt, 
dass da eines oder des andern Confoederirten Land und Leute überzogen 
oder aber mit einigen andern Gewaltthätigkeiten, sie haben Namen wie 
sie wollen, und geschehen auch von wem sie wollen, imgleichen mit 
eigenmächtiger Einquartierung oder denen Reichsconstitutionibus und in- 
strumento pacis zuwiederlaufenden Durchzügen beschweret und dergestalt 
wieder die Reichssatzungen, Executionsordnung, Instrumentum pacis (als 
auf welche alle gegenwärtiges foedus gegründet) und diese Bündnus ver- 
gewaltiget und beschweret werden sollte, alle und jede übrige Pacis- 
cirende, welche eben zu der Zeit dergleichen Gewalt nicht leiden, auf 
des beleidigten geschehene Notification mit soviel Mannschaft zu Ross 
und Fuss und in der Zeit, wie in folgenden Articuln mit mehrem deut- 
lich verglichen, ohne Seumnus zu Hülfe zu kommen und die versprochene 
Assistenz würcklich zu leisten, kraft dieses schuldig und gehalten sein 
sollen. 

4. Damit man aber auch wissen möge, was jedwedes Theil an 
Mannschaft zu Ross und Fuss dem beleidigten Requirenten zu Hülfe 
zu schicken habe, so ist für das vierte verglichen, dass 

Ihre Cuhrf. Durchl. zu Colin 840 zu Ross, 1600 zu Fuss 

V 7> » » Brandenburg 1000 „ „ 2000 „ „ 



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Engere Vereinigung zu Braunschweig. 159 

Ihr. Fürst). Durchl. zu Ossnabrug 100 zu Ross, 200 zu Fuss 

ji „ „ Herzog Georg Wilhelm 240 „ „ 644 „ „ 

ji n 7i n Rudolff Augustus 230 ^ „ 500 „ „ 

„ „ „zu Hessen-Cassell 200 „ „ 400 „ „ 

in Bereitschaft habe und auf den bedürfenden Fall ohne Saumnus, wie 
obgemeU, schicken. Es wollen auch die Bundsverwandten über diesem 
quanto noch die Hälfte desselben parat halten, auch solches dem Be- 
finden nach verhöhn. 

5. Diese versprochene und verglichene Hülfe nun soll, für das fünfte, 
jedweder Paciscirender, nachdem der Beleidigte die Gefahr und würck- 
liehe Beschwerde einem jeden absonderlich notificiret und derselbe dar- 
auf a part requiriret, innerhalb 14 Tagen von Zeit der geschehenen Re- 
quisition anzurechnen, ohne Abgang und Saumnus an tüchtiger gewor- 
bener Mannschaft zu Ross und zu Fuss schicken und dieselbe nicht 
ehender wieder zurückziehen oder abfordern, es bedörffe dann der Re- 
quirent dieselbe nicht mehr oder aber der Schickende und zu Hülfe 
Kommende würde selbst überzogen und, wie vorgedacht, vergewaltiget 
und beleidiget. 

6. Sollte nun aber zum Sechsten mehr als einer von den Confoe- 
derirten überzogen werden und Gefahr leiden, auf solchen Fall soll die 
übrige Bundshülfe von den unbeleidigten halb dem einen und die andere 
Hälfte dem andern beleidigten auf Maass und Weise wie vorgemelt zu- 
geschicket werden. Dieweil es sich aber begeben könnte, dass eine der- 
gleichen Hülfe nicht zureichend, auf solchen Fall sollen die Bundsver- 
wandten schuldig sein, wenn sie vorhero von dergleichen casu und dop- 
pelter Gefahr Nachricht erlanget, auch sobald ohne Aufenthalt davon zu 
consultiren und sich einer solchen Anstalt und Hülfe zu vergleichen, 
welche zulänglich und womit denen Nothleidenden in der That und 
würcklich geholfen werden könne. 

7. Wann nun zum Siebenden die Hülfe würcklich geschickt wird 
und in des Requirenten Land oder bei dessen Troupen anlangen und 
sich conjungiren, von selber Zeit an hat und behält derjenige, dem die 
Hülfe zugeschickt wird, das Obercommando und Direction in denen 
Kriegsactionen, es würde in seinem oder in einem andern ausser der 
Bundsverwandten Landen agiret, doch hat er gleich wol jedesmal, wann 
etwas vorzunehmen, darüber gebührend Kriegsrath zu halten. 

8. Zum Achten: Giebt ein jedweder Hülfschickender soviel Feld- 
artillerie nebst der Zubehör seinen Troupen mit, als es die Notturft und 



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160 n. Der bremische Krieg, die Quadrupelallianz und die engere Vereinigung etc. 

Kriegsraison erfordert. So oft man aber schwerer Stück benötigt, giebt 
dieselbe nebst der Zubehör der Reqairent, als in dessen Land agiret 
wird, und in loco tertio derjenige, welcher unter denen Burdsverwandten 
der negste, jedoch beides auf gemeine Unkosten, Schaden und ungewei- 
gerte Wiedererstatt- oder Bezahlung der Vereinigten. 

9. Die Jurisdiction behält zum Neunden eines jedweden Bundsver- 
wandten Officier über die Troupen, welche er dem Requirenten zu Hülfe 
führet. Sollte aber ein Fall sich begeben, welcher ein Generalkriegsrecht 
erforderte, so seind auch zu demselben alle diejenigen zuzuziehen, welche 
zu einem Generalkriegsrecht gehören, und ist derjenige in demselben 
Praeses, welcher vermöge des 7. articuli das Directorium führet, oder 
wann derjenige, so das Directorium hat, nicht darbei sein wollte oder 
könnte, der, welcher die höchste Charge bedienet. 

10. Zum Zehnden unterhält zwar ein jedweder Bundsverwandter 
seine Trouppen, es ist aber der Requirent schuldig, die Auxiliarvölker, 
wann sie in seinem Lande oder bei seinen Trouppen kommen, solange 
sie unter seiner Direction conjungiret stehen, im einquartieren und sonsten 
denen seinigen allerdings gleich und nicht anders zu tractiren. 

11. Damit es auch zum Elften bei erfolgter Conjunction unter denen 
Troupen keine Irrung oder sonsten Confusion verursache, wollen die 
Bundsverwandten sich allerseits einer gewissen Verpflegungsordonnance 
vergleichen, nach welcher bei währender Conjunction alle Trouppen 
durchgehends gleich tractiret werden sollen. Dieweil auch die Auxiliar- 
völcker das Proviant nicht zugleich mit sich führen können, soll der 
Requirent schuldig sein selbige, solange sie in seinen Landen stehen, 
mit nötigem Proviant zu versehen, welches ihme doch hernachmals von 
jedem der Hölfschickenden nach Proportion in billigem Preis zu be- 
zahlen und wieder zu ersetzen. 

12. Für das Zwölfte soll diese Defensivbüudnus von dato anzu- 
rechnen drei nacheinanderfolgende Jahre unverbrüchlich gehalten werden 
und bestehen, dabei dann in der Confoederirten freien Willen und Be- 
lieben bleibt, ob sie vor Ablauf der dreien Jahre sich wieder zusammen- 
thun oder die Ihrigen zusammenschicken wollen, diese Bündnus dem 
Befinden nach zu prorogiren. 

13. Wann auch vor das Dreizehnde einige Bundsverwandten ausser- 
halb diesem noch in einem andern foedere begriffen, kraft welchen sie 
gleichfalls einander die Hülfe zu leisten schuldig, so soll doch kein Theil 
aus beiden foederibus, sondern nur aus einem die Assistenz zu schicken 



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Engere Vereinigung zu Braunschweig. 161 

gehalten sein und dem Requirenten freistehen, auf welchen Bund er 
seinen Confoederirten requiriren wolle. Da auch etwa eine Kreis- oder 
Reichshulfe geschickt, soll auch diese von dem quanto der Bundshülfe 
abgezogen werden. 

14. Und nachdem sich für das Vierzehnde in der Nachbarschaft 
ein oder andere gefahrliche motus ereuget, woraus dem Heil. Römischen 
Reiche gar leicht Ungelegenheit und Nachtheil zuwachsen könnte, so 
wollen die Bundsverwandte allerseits auf dem annoch währenden Reichs- 
tage, so viel an ihnen ist, mit allem Fleiss und Sorgfalt befordern helfen, 
damit der punctus securitatis imperii bestermaassen beobachtet und da- 
bei nichts verabsäumet werde. 

15. Und weiln auch zum Funfzehnden der Handlung über diesen 
engeren Verein Herrn Herzog Johann Friederichs zu Braunschweig 
Lüneburg Fürstl. Durchl. Gesandten mit beigewohnet, diesen aufgerich- 
teten Recess aber anzunehmen und mit zu unterschreiben aus Mangel 
Specialbefehls wegen Sr. Fürstl. Durchl. Abwesenheit sich entschuldiget 
und begehret, dass ihren gnädigsten Herrn der Platz offen gelassen wer- 
den möchte, als ist solches geschehen und Ihrer Fürstl. Durchl. die 
Accession vorbehalten worden, gestalt dero Erklärung darüber vor Ab- 
lauf der Zeit, welche in negstfolgenden Articul zu Einbringung der Rati- 
ficationen gesetzet, soviel möglich zu befordern dero Abgesandten sich 
anheissig gemachet. 

16. Für das Sechzehnde ist verglichen und verabredet, der gnädigsten 
Principalen Belieben nach, die ratificationes über diesen Defensivbund 
alhie in Braunschweig den 4./14. Oetober negstkünftig gegen einander 
auszuwechseln. Dessen zu Uhrkund ist dieser Recess von anfangs Höchst- 
gedachter Ihrer Cuhrfürst- und Fürstlichen Durchleuchtigkeiten zusammen- 
geschickten Räthen unterschrieben und besiegelt, auch jedwedem Theil 
ein gleichlautendes Exemplar zugestellet worden. So geschehen Braun- 
schweig den 22. Augusti Ao. 1667. 

Heinrich Franz Friderich von Georg Christopf 

Nicolars. Jena. von Hammerstein. 

Paul Joachim Hieronymus von Joachim Friderich Regnerus Baden- 
von Bülau. Grapendorff. Sohlen. hausen. 



Mater, x. Gesch. d. Q. Karfürsten. XII. 11 



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162 II* Der bremische Krieg, die Quadrupelallianz und die engere Vereinigung etc. 

Friedrich y. Jena an den Kurfürsten. D. Brannschweig 
23. Augu8t/[2. September] 1667. 

[Abscbluss der neuen Allianz. Mittheilungen des schwedischen Gesandten.] 

2. Sept. Nachdem der Pracedenzstreit gestillet, haben sie die engere Zusammen- 

setzung und Defensivallianz vorgenommen und beschlossen, nicht den früheren 
Recess zu prorogieren, sondern etwas neues aufzurichten, und sie haben sich 
endlich des beiliegenden defensiven Bündnis verglichen, Kf. wird finden, dass 
darin dem Burgundischen Werk und den Durchzügen nichts präjndiciert ist. 
Herzog Johann Friedrich wird diese Allianz wohl annehmen, die Wolffen- 
büttelschen haben durchaus Moderation ihres Contingents wollen und deswegen 
nicht unterschrieben, er hoflft aber, Herzog Rudolf August werde sich an 
ihre Minutien nicht kehren und den Recess mit belieben ^). 

Nachdem heute die Nachricht angelangt, Pomponne habe aus Stockholm 
geschrieben, Schweden habe sich zur Prorogation der Rheinischen Allianz pure 
erklärt, hat er deswegen mit BöckelP) geredet, derselbe meinte, wenn sie 
gleich die quaestio an pure resolviert hätten, so würden sie doch die Allianz 
so, wie sie jetzt abgefasst, vermuthlich nicht pure prorogieren, sondern zufor- 
derst wegen des quomodo sich vergleichen und würde wohl Schnolski mit 
auf des Kf. Gesandte gewiesen werden. Bock eil versicherte, zu Hamburg 
lägen m/500 Rthl. bereit, die Krone kehrte sich aber an nichts und wurde so 
leicht keine Partei nehmen, nach seinen Discursen schien er auch nicht zu im- 
probieren, wenn von dem Kaiser die Niederlande sollten secundiert werden. 



Instruction vor H. Budendach nacher Braunschweig. 

D. Cöln a. d. Spree 30. Januar/[9. Februar] 1668. 

(Conc. F. V. Jena.) 

[Eintritt Schwedens in die Allianz. Die Burgundische Sache. Die Rhetnisebe Allianz.] 

Febr. Er soll die Ratificationen der am 22. August 1667 abgeschlossenen Defen- 

sivallianz auswechseln, vorher aber vernehmen, auf welche Weise Schweden 
für seine Reichslande beizutreten wünsche, ob ein absonderlich Exemplar des- 
halb zu machen, oder ob es durch einen aparten Recess eintreten wolle. Be- 

1) Derselbe hat in der Tbat (d. Blankenburg 29. Februar/[10. März] 1668} den 
Recess ratificiert 

*) Hofrath D. Martin Bo eck eil, der früher in der Wildfangssache (s. ürk. u. 
Act. XI. S. 594) schwedischer Compromissarius gewesen war. Jena hatte 19./29. Aug. 
gemeldet, derselbe habe sich als Abgesandter wegen des Herzogtbums Bremen ein- 
gestellt, sei aber nur ad audiendum et referendum bevollmächtigt, soviel er aus einer 
Unterredung mit demselben habe penetrieren können, sei Schweden mehr französisch 
als es gegen v. Crockow merken lasse. 



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Instruction Budendachs. 163 

treffend die 4 schwedischen Monita*), will Kf. ad 1 geschehen lassen, dass das 
quantnm auf eine geringere Proportion des Anschlags als in der Rheinischen 
Allianz gesetzt werde, da aber auch Herzog Rudolf August dasselbe begehrt, 
so wäre billig, dass auch von des Kf. quanto etwas nach Proportion abgenom- 
men werde, sollten aber Cöln, Zelle und Calenberg keine Ermässigung 
begehren, so hat er es bei dem des Kf. bleiben zu lassen, mit 2 und 3 ist er 
einverstanden, ad 4 hätten K.Cöln und Schweden sich unter sich zu ver- 
einigen. 

Nachdem Herzog Johann Friedrich sich ausdrücklich den Eintritt in 
dieses Bündnis vorbehalten, so hat er zu vernehmen, auf welche Weise derselbe 
einzutreten gedenke, und in dieser Angelegenheit ebensowenig wie in der vorigen 
Schwierigkeiten zu machen. 

Sollte etwas von der Burgundischen Sache vorkommen, kann er sich 
mit Mangel der Instruction entschuldigen, doch anzeigen, dass Kf. die zu Cöln 
beliebte Mediation *) nach Möglichkeit beförderte, dass sein dort gewesener Rath ^) 
jetzt wohl in Paris angelangt sein und dass Kf. dem, was etwa von dem Reiche 
beschlossen werden würde, sich nicht entziehen würde. 

Sollte der Rheinischen Allianz und dass Kf. sich zur Prorogierung der- 
selben bereit erklärt*), gedacht werden, so kann er gleichfalls berichten, dass 
er dieses Punktes halber keinen Befehl habe; Kf. hat, nachdem er gesehen, 
dass ein Theil der Kur- und Fürsten sich dafür erklärt, dann auch Schweden 
die quaestio an placidiert, dass das Werk also nicht zu hintertreiben und dass 
auf allen Fall in dem Reich mehr Trennungen zu befahren, sich auch wegen der 
Prorogation herausgelassen, doch dass man über die puncta und Artikel sich 
zuvor unterrede und dass nichts pacisciert werde, was dem Reich nachtheilig 
und präjudicierlich sein konnte. 



») Kf. hatte an Wrangel (d. Cöln a. d. Spr. 23. October/[2. November] 1667) ge- 
schrieben, da er von dem an seinem Hofe befindlichen schwedischen Residenten er- 
fahren, dass Schweden geneigt sei, in die zu Braunschweig abgeschlossene Defensiv- 
allianz einzutreten, wenn nur zuvor eine anderweitige Zusammenkunft gehalten und 
die schwedischen Erinnerungen vernommen würden, so habe er die Abhaltung einer 
neuen Zusammenkunft zu Braunscbweig am 28. November vorgeschlagen, und ihn er- 
sucht zu bewirken, dass dieselbe sebwediseberseits beschickt werde. Nachdem Wrangel 
(d. Hamburg 7./[17.] November 1667) dieses zugesagt und die schwedischen Erinner- 
ungen eingeschickt, aber gebeten hatte, den Termin später anzusetzen, hatte Kf. des- 
wegen an K.Coln und die anderen Theiluehmer geschrieben und war auf seinen Vor- 
schlag der 10./20. Februar 1668 festgesetzt worden. Die schwedischen Erinnerungen 
s. bei Kocher I. S. 583f. 

^ S. unten Abschn. 6. 

*) Job. de Beyer. 

*) S. ürk. u. Act. XI. S.478f. 



IV 



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164 I^- ^^^ bremische Krieg, die Quadrupelallianz und die engere Vereinigung etc. 

Johann Budendach an den Karfttrsten. D. Braonschweig 
14. /[24.] Februar 1668. 

[Pr&cedenzstreit. Erklärung des schwedischen Gesandten.] 

24. Febr. Er ist am 9. Abends hier angekommen, da aber der Cölnische') erst 

am 10. und der Schwedische^) am 11. angekommen, so ist man erst am 
12. Morgens 9 Uhr auf dem Rathhause zusammengekommen. Dort h&tte^ weil 
der Präcedenzstreit zwischen Osnabrück und Calenberg in perpetuum ver- 
glichen, der Anfang zur Conferenz gemacht werden können, wenn nicht der 
Cellische Grossvogt v. Grapendorf, als diesmaliger Osnabrückscher Gesandter, 
dem Schwedischen die Präcedenz streitig gemacht und so einen Streit verur- 
sacht hätte, der bis jetzt nicht geschlichtet ist. Die Braunschweigischen 
haben alle nach Hofe referiert und erwarten Resolution, der Schwedische 
erklärt, noch bis Montag warten zu wollen, ob ein Temperament beliebt würde, 
sonst sich mit dem K.Cölnischen über die beiden letzten Punkte vollends 
zu vergleichen, solches denen, die sich bereits zu diesem Verbündnis obligat 
gemacht, zu notificieren, sie zu ersuchen, über die beiden ersten Punkte ohne 
seine Gegenwart zu conferieren und ihn mit Resolution zu versehen. 



Recess ttber den Beitritt Schwedens zu der engeren Ver- 
einigung zwischen K. Cöln, K. Brandenburg, den braunachwei- 
gischen Herzogen und Hessen - Cassel. D. Braunschweig 
20. Februar/ 1. März 1668. 

I.März. Zu wissen sei hiermit, dass, als einige Guhr- und Fürsten des Heiligen 

Römischen Reichs, benanntlich der Herren Cuhrfursten zu Colin und Bran- 
denburg Churf. Durchl., sodann des Herrn Bischoffen zu Oss nabrüg und 
Herrn Georg Wilhelm wie auch Herrn Rudolph Augusti Herzogen zu 
Braunschweig und Lüneburg imgleichen der Frau Landgräfin und Regentin zu 
Hessen -Cassell Fürstl. Durchl. die jetzigen gefährlichen Conjuncturen be- 
herziget und ihre sorgsame Gedanken dahin gerichtet, welchergestalt sie ihre 
ihnen von Gott anvertraute Land und Leute für unbilliger Gewalt schützen und 
bei Fried und Ruh erhalten könnten, und zu tahnem Ende durch ihre gevoU- 
mächtigte Räthe und Gesandten am 22. Augusti des negstabgelaufenen 1667 teu 
Jahres sich einer Defensionsvereinigung und engern Verbündnus verglichen, die- 
selbe auch in einem beständigen Recess verfasset, so von Wort zu Wort lautet 
wie folget : 

Als der Herren etc.») 



') Der Vicekanzler Nicolars. 

') Der bremische Regierungsrath v. Marschall. 

») S. oben S. 157 ff. 



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Recess über den Beitritt Schwedens. 165 

Und dann Ihre Königl. May. in Schweden, als Herzog zu Bremen, 
Vehrden, Stetin and Pommern, Fürst za Rügen und Herr zu Wissmar 
auf beschehene Veranlassung sich durch dero anhero abgesandten Jürgen Mar- 
schalck erkl&ret, dass Sie zu Bezeugung dero zu Beforder- und Erhaltung be- 
standiger Ruhe, Fried und Wohlstand im Heil. Rom. Reiche, absonderlich aber 
dieser benachbarten Landen gerichteten Intention wegen dero Tentschen Pro- 
vincen in diese engere Verein mit einzutreten geneigt wären und wegen aller 
dero im Romischen Reich belegenen Herzog-, Fürstenthümer und Lande vierhun- 
dert zu Ross und achthundert zu Fuss offeriret, solches auch von denen sämt- 
lichen AUiirten acceptiret und angenommen, dabei auch ferner verabscheidet 
worden, dass hinfüro ohne expressen Consens aller und jeder Confoederirten 
and in specie auch Ihrer Eönigl. May. in Schweden niemand in dieses foedus 
gezogen und aufgenommen werden solle, so sind darauf Ihra Eönigl. May. 
wegen aller dero im Heil. Römischen Reich belegenen Herzog-, Fürstenthümer 
und Landen in obbenannte Verfassung und Allianz mitgetreten und gebührend 
eingenommen, und haben sich allerseits dahin verbunden, wie sie auch kraft 
dieses sich verbinden und anheissig machen, dass sie einander nicht anders, als 
wären Ihre Königl. May. von Anfang in solche Verein und Verbündnus mit be- 
griffen gewesen, von nun an assistiren und, wie es in oberwähntem Recess 
enthalten, die mutuelle Hülfe treulich leisten wollen, gestalt sie dann auch aller- 
seits versprochen, Ihrer gnädigsten Herren Principalen Ratification über diesen 
Accessionsrecess innerhalb zween Monaten beizuschaffen. Alles getreulich ohne 
Gefährde, ührkundlich dero anwesenden Abgesandten Unterschrift und aufge- 
trnckten Petschaften. Geschehen Braunschweig den 20. Februar/1. Martii 1668. 

Henrich Franss Nicolartz. Jürgen Marschallck. 

Johan Butendach. 

Hieronymus von Grapendorf. 

Heinrich Dieterichs. 

Joachim Friedrich Sohlen. 

Regnerus Badenhausen. 



Nebenrecess. 

Zu wissen sei hiermit, dass, als Ihr Königl. May. zu Schweden wegen 
dero im Heil. Römischen Reich belegenen Herzogthümer und Landen der im 
Jahr 1667 den 22. Augusti hierselbst errichteter Defensivallianz zugetreten, da- 
bei aber einige reservationes Ihre Cuhrf. Durchl. zu CÖlln betreffende vorhero 
anzeigen lassen, welche darin bestehen, dass Se. May. die Eventualfeindschaft 
zwischen Ihr Cuhrf. DurchL zu Colin und des Herrn Bischoffen zu Münster 
Fr. Gnd. ratione der Coadjutorwahl zu Münster excipiret, auch wegen dero Län- 
der Lüttich, Stablo und Berchtesgaden Ihr Königl. May. zu keiner 
Assistenz obligiret werden möchten, und dann selbige dahin vereinbaret, dass 
zwam Ihr Königl. May. sich deme nicht zu entziehen begehren, worzu sie ver- 
möge dieses foederis sonsten verbunden. Wann aber dieselbe Bedenken ge- 



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166 n. Der bremische Krieg, die Quadrupelallianz und die engere Vereinigung etc. 

tragen, im fall wegen berührter Coadjutoreywahl eine unverhoffte Feindschaft 
zwischen Ihrer Cuhrf. Durclil. zu Colin und Ihr Fürstl. Gud. zu Münster 
entstehen sollte, sich einigermaassen diesertheilen Streits theilhaftig zu machen, 
als ist der casus davon excipiret und ausgenommen worden, Ihrer Cuhrf. Durchl. 
Lande Lüttich, Stablo und Berchtesgaden halber vorgebrachte Reser- 
vation betreffende, auch dahin verabredet, dass Ihr Königl. May. zu deren De- 
fension nicht verbunden, hergegen auch Ihre Cuhrf. Durchl. wegen deroselben 
im Heil. Römischen Reich situirter Länder ferner nicht als die im Westpfälischen 
und Niedersächsischen Craysen belegen zu assistiren obligirt sein sollen. Der 
Craysen Hülfe bleibt aber vermöge deren Schlüsse in ihren Kräften. Welches 
allerseits auf gnädigste Ratification der hohen Herren Principalen, so innerhalb 
zween Monaten einzubringen, acceptiret und genehm gehalten worden. — 
Geschehen Braunschweig den 20. Febr. / 1. Martii 1668. 



Johann Budendach an den Kurfürsten. D. Braunschweig 
21. Februar/[2. März] 1668. 

[Auswechslung der Ratificationen. Beitritt Schwedens.] 

2. März. Gestern Abend gar spät sind*) die Ratificationen ausgewechselt, Schwe- 

den wegen seiner im Reich gelegenen Lande in dieses foedus gegen 400 z. R. 
und 800 z. F. miteingenommen und betreffend die beiden letzten Monita ein 
absonderlicher Nebenrecess zwischen den E.Gölnischen und Bremischen aufge- 
richtet, aber von allen Anwesenden unterschrieben worden; um diese Endschaft 
zu befördern, ist das bei der vorigen Conferenz gutgefundene Temperament 
zwischen Osnabrück und Calenberg adhibiert worden. 

Caienberg begehrte, K.Mainz in dieses Bündnis mit einzunehmen, worin 
demselben K.Cöln und Hessen-Cassel assistierten, von den übrigen aber 
wurde es wegen mangelnder Instruction nur ad referendum angenommen, von 
denselben, namentlich den Calenbergischen, wurde hierunter fernere, wie 
auch von Schweden die Erklärung bedungen, ob dasselbe nicht in dieses 
foedus ohne Exception einiger Lande mit eintreten möchte ; bis solches erfolget, 
haben die Calenbergischen Gesandten, welche sich sonst auf die quaestio an 
pure erklärt, ihrem Fürsten die freie Hand, sich in diese Allianz mit einzulassen 
oder daraus zu bleiben, reserviert'). 



•) Vgl. Köcher I. S. 586f. 

^ Ueber das Zurücktreten desselben s. Köcber I. S. 587. 



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Zusammenkunft zu Braunschweig. Relationen v. Crockows. t67 

e. Gesandtschaft v. Crockows in Stockholm 
1666—1668. 

L. G. V. Crockow an den Kurfürsten. D. Stockholm 
9./[19.]Mai 1666. 

[Der Friede mit Münster. Rautenslein. Ankunft eines Abgesandten Lubomirski's.] 

An den Abschluss des Münsterschen Friedens^) hat man hier bis znr 19. Mai. 
letzten Stande nicht glauben wollen, man bezeugt grosse Freude darüber, dass 
Kf. die Ehre gehabt, dieses Werk zu heben, kann aber den Widerwillen 2) nicht 
verbergen, welchen dieser Frieden hier erregt, da man glaubt, dass Holland 
dadurch muthiger und difFiciler gemacht werde, ihnen Satisfaction zu geben. 
Der Pfalz-Neuburgiscbe Gesandte Rautenstein') ist abgereist, er ist die 
ganze Zeit hier so krank gewesen, dass er weder beim Könige noch bei sonst 
jemand von der Regierung, ausser dem R. Vicekanzler , Audienz gehabt hat. 
Neulich ist ein polnischer Edelmann*) hier angelangt, welcher auch draussen 
bei dem R.Feldherra gewesen ist, ohne Zweifel um für Lubomirski zu ne- 
gotiieren. Näheres hat er noch nicht erfahren können, da man hier, nachdem 
auf die wegen der polnischen Sache gemachten Eröfbungen^) noch keine Ant- 
wort erfolgt ist, sich auch gegen ihn nicht herauslässt. 



V. Crockow an den Kurfürsten. D. Stockholm 23. Mai/[2. Juni] 

1666. 

[Der Abgesandte Lubomirski's. Argwohn Schwedens wegen der Quadrupelailianz. 
Wunsch mit Kf. zusammenzugeben.] 

Wladislaus Los, der Abgesandte L u b m i r s k i 's *) , ist noch hier, seine 2. Juni. 



Der zu Cleve am 8./18. April 1666 abgeschlossene Friede, s. Urk. u. Act. 
XI. S. 720. 

^ Vgl. Mem. de Pomponne IL S. 127. 

^ Die Ankunft desselben hatte er schon am 31. März (Urk. u. Act. IX. S. 818) 
gemeldet. Am 25. April berichtet er, R. scheine nur beauftragt zu sein, ein foedus 
pro securitate domus Palatinae vorzuschlagen, woraus aber nichts geworden sei, da 
Schweden sich scheue in Deutschland den Argwohn res novas moliendi zu erregen. 
R. habe auch einen Anwurf wegen Erbandlung der Praetension des schwedischen 
Königs auf die Jnlichscben Lande gemacht, worauf man sich aber bei des Königs 
Minderjährigkeit nicht einlassen wolle; auch de rebus polonicis werde er wohl etwas 
erwähnt haben, doch werde Schweden dabei nur per amicabilia officia etwas thun. 

*) Wladislaus Los, s. unten. 

*) S. ürk, U.Act. IX. S. 819. 

^) Vgl. M^m. de Pomponne IL S. 141 ff. und unten Abschn. III. Hacke- 
bergs Relation vom 20. Juli 1666. 



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168 n. Der bremische Krieg, die Quadrapelallianz und die engere Vereinigung etc. 

vornehmste Verrichtung soll sein zu sondieren, ob Schweden, wie der polnische 
Hof aussprengt, eine Allianz mit Frankreich habe, durch welche es verpflichtet 
sei, dem polnischen Hof zu Erreichung seiner Intention zu assistieren, was far 
Sentimente Schweden des polnischen Wesens halber führe und ob es sowohl 
freie Hände als auch Zuneigung habe, libertatem Poloniae maintenieren za 
helfen. Er hat nur von Lubomirski ein Creditiv, doch wird gar fleissig mit 
ihm conferiert, obwohl er selbst und auch die schwedischen Ministri vorgeben, 
dass er nur als privatus hier sei, um die französischen Gesandten nicht zu sehr 
zu irritieren. Die schwedischen Ministri wünschen des Kf. Sentimente in der 
polnischen Sache zu erfahren und bei den gleichen Interessen mit ihm de con- 
cert zu gehen. 

SoDsten hat man alhie nicht ohne Jalousie — vernommeD die 
Alliance, welche ^) zwischen E. Ch. D., der Krön Dänemark, Holland. 
Lüneburg und Hessen-Cassel obhanden, sie halten dafür, dass selbige 
Allianz blos und allein getroffen werde en faveur des Königs in Däne- 
mark und der Stadt Bremen wider Schweden und wegen der un- 
nöthigen Ombrage, die man gefasset hätte, als wann Schweden Desseins 
hätte, selbige mit Krieg anzugreifen. H. Kley') bat anhero referieret, 
dass E. Ch. D. wegen der Stadt Bremen ihm zur Antwort gegeben, dass 
die Reichsimmedietät betreffend I. K. M. Praetensiones allerdings fun- 
diret wären, das jus praesidii anlangend hoffeten E. Ch. D., dass I. K. M. 
darauf nicht bestehen würden, könnten auch I. K. M. darin nicht assistireo, 
die übrige Torte, die I. K. M. von der Stadt Bremen gelitten, wollten 
E. Ch. D. sich selber dahin bemühen, dass I. K. M. deshalben Satis- 
faction bekommen möchten, womit man hier ganz und gar satisfait ist. 
Man hat mir zum öftern, jedoch en forme de discours gesaget, dass, 
wann E. Ch. D. der Krön Schweden assistiren wollten, Bremen zu 
zwingen, Schweden E. Ch. D. hinwiederumb helfen wollte, Magdeburg 
zum Gehorsam zu bringen. — 



Der Kurfürst an v. Crockow. D. Cleff 29. Mai/8. Juni 1666. 

[Die polnische Angelegenheit. Kf. wünscht sieb mit Schweden zur Unterstätzung 

Pfalz- Neu burgs zu vereinigen. Der bevorstehende V^ergleich mit Pfalz-Neuburg. Das 

Unternehmen gegen Magdeburg.] 

8. Juni. — Nachdem die Sachen in Polen sich je länger je gefahrlicher 

anlassen und der Hof das Wahlnegotium quavis modo zu befördern und 
die Krön auf einen französischen Prinzen zu bringen — sich äusserst be- 



Die Qnadrupelallianz, s. oben S. 124 ff.; Mem. de Pomponne 11. S. 157. 
«) S. oben S. 81. 



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Quadrupelallianz: Beriebt Kleibes. Die polnische Angelegenheit. 169 

muhet, za Erreichung solchen Zwecks auch den Kronmarschall Lubo- 
mirsky aufs heftigste verfolget und sowohl denselben als alle andere 
Patrioten, welche für die Freiheit der Republik sprechen und diese 
Proceduren nicht approbiren — wollen, zu ruiniren und zu unterdrücken 
suchet, und wir uns dann hiebei zurück erinnern, dass man von dieser 
Sache — mit euch ein und anders geredet*), auch sich zu vertraulicher 
Communication gegen uns erboten und dabei zu wissen begehret, wohin 
etwa unsere Gedanken zielen und wem mir hernächst die Krön am 
liebsten gönnen möchten, mit fernerm Anhang, dass man daselbsten auf 
des H. Pfalzgrafen zu Neu bürg Ld. grosse Reflection machte — als 
befehlen wir euch gn., dass ihr euch zuvorderst fleissig und sorgfaltig 
erkundiget, ob man in solcher Intention annoch beständig verharre. 
Wofern ihr nun dessen genugsam versichert sein werdet, so hättet ihr 
ihnen zu vernehmen zu geben, dass — wir der Sache fleissig nachge- 
dacht und, wofern es der Krön ein Ernst wäre, uns darin mit derselben 
gänzlich zu conformiren gedächten, und weil man für Augen siehet, dass 
der Hof und Frankreich keinen andern Zweck hat, als obgedachter- 
maassen einen zur Krön contra statuta et libertatem regni zu befordern 
und solches zu höchstem der Krön Schweden und unserm Nachtheil, 
anerwogen man sich beiderseits leichtlich die Rechnung machen könnte, 
was die Nachbarn von einem König, der auf solche Weise zur Krön ge- 
kommen und ein so mächtiges Reich unter seine absolute Gewalt ge- 
bracht, zu gewarten haben würden, desswegen man sich allerseits äusserst 
dahin zu bearbeiten, dass die Republik bei ihrer Freiheit conserviret 
werden müge, gleichwohl aber die Sache nicht länger in dem jetzigen 
Stande verbleiben und, wenn man länger dabei still sitzen sollte, in mora 
periculum sein mochte, zumahlen es anitzo nach zerschlagenem Reichs- 
tage alles auf die Extremitäten anzukommen schiene. Solchem nach 
verlangten wir von der Krön zu vernehmen, was sie bei so gestalteten 
Sachen am — diensambsten erachteten und ob sie nicht dafür hielten, 
dass man zu Abschneidung aller Machinationen — besser thun werde, 
die Wahl zu befordern und des H. Pfalzgrafen Person dabei zu recom- 
mendiren, auch wenn die ordentliche Wahl auf dieselbe gefallen, solche 
zum Effect und endlicher Vollenziehung bringen zu helfen, und auf was 
Weise und Wege dieses alles zu concertiren, ob und was etwan von 
diesem negotio mit I. Kais. M. (welche gleichmässiges Interesse bei 
dieser Sache hätten) zu communiciren, wie man mit Lubomirsky zu 

S. ürk. u. Act. IX. S. 819, vgl. oben S. 167. 



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170 n. Der bremische Krieg, die Quadrupelallianz und die engere Vereinigung etc. 

handeln und welchergestalt derselbe dahin zu disponiren, dass er 
dieses Dessein approbire und befordern helfe, auch ob und wie man 
demselben zu assistiren, damit er vom Hof neben den andern, welche 
für die Freiheit der Republik annoch arbeiten, nicht gar unterdrücket 
werde? Wann uns nun von allen diesen Sachen der Krön Intention 
und Consilia im Vertrauen eröfihet wurden, wollten wir uns nicht allein 
denselben gern conformiren, sondern auch, wann es gut gefunden werden 
sollte, darüber uns in einen Tractat mit derselben einlassen und unseres 
Orts alles nach Müglichkeit befordern und zum Effect bringen helfen. Wir 
wären anitzo im Werk begriffen^), mit des H. Pfalzgrafen Ld. wegen 
der Jülischen Sache und insonderheit wegen des Religionwesens in diesen 
Landen und des Westphälischen Kreisdirectorii halber uns in der Gute, 
jedoch absque praejudicio tertii, zu vergleichen, damit diese Differentien 
bei dem andern Werk kein obstaculum sein oder solches einigermaassen 
hindern möchten, wir hofften auch hierin innerhalb weinig Tagen zur 
Richtigkeit zu gelangen, und wollten alsdann die Krön niemand lieber 
als diesem aus dem Hause Pfalz entsprossenen Herrn gönnen, und zu- 
gleich mit der Krön Schweden alle dienliche officia bei der Republicq an- 
wenden, umb die Wahl auf seine Person zu bringen. 

Ihr müsset aber dieses alles mit höchster Behutsamkeit menagiren, 
— wie ihr dann auch dasjenige, was wir vom Vergleich mit des H. 
Pfalzgrafen Ld. erwähnet, wohl zu menagiren, weil es vielleicht aldorten, 
wegen ihrer auf die Jülische Succession habender Prätension nicht an- 
genehm sein und sie diesen Vergleich nicht gern sehen mochten. — 
9. Juui. P. S. D. Cleff 9. Juni 1666. Auch werdet ihr aus unserer Geh. 

Räthe, des von Platen und Jena Schreiben') mit mehrerm ersehen 
haben, was wir wegen der Stadt Magdeburg für Resolution genommen 
und warumb wir unsere Armee derends hin marschiren lassen, wornach 
ihr euch dann gehorsambst zu achten. 



L. G. V. Crockow an den Kurfürsten. D. 2./[12.] Juni 1666. 

[Verhandlungen Schwedens mit Frankreich und Holland. Unzufriedenheit über die 
Quadrupelallianz. K. mainzische Gesandtschaft.] 

12. Juni. I^ie Verhandlungen der Schweden mit den holländischen und französischen 

Ministris sind noch nicht zum Ziele gekommen, doch scheint es, dass Schweden, 

') S. ürk. u. Act, XL S. 731 ff. 
^ S. oben S. 16 f. 



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Friedliche Erklärungen des Reichskanzlers. 171 

weil es einsieht, gegen Holland und Dänemark nichts tentieren zu können, 
suchen wird, sich von der englischen Allianz abzuziehen und, um dazu einen 
Prätext zu haben und zugleich um mit Reputation aus dem Bremischen Handel 
zu kommen, Miene machen wird, mit Moscau^ etwas anzufangen\ Die 
projectierte Allianz des Kf. mit Dänemark, Holland und dem Hause Lüne- 
burg macht hier so grosse Ombrage, dass sie es weder gegen ihn noch gegen 
den Lüneburgischen Abgesandten dissimulieren können, sie glauben, dass das 
ganze Werk direct gegen Schweden gerichtet sei, beschweren sich sehr, dass 
dadurch Holland und Bremen in ihrer Opiniatretät, ihnen Satisfaction zu 
geben, gestärkt werden. Es ergiebt sich ganz klar aus ihren Discursen, dass 
es ihnen missfällt, dass die evangelischen Stände im Reich ein Verbündnis 
machen, von welchem sie die Direction -nicht haben, und in solche Postur sich 
setzen, dass sie sich selber schützen können. Eine K. mainzische Gesandt- 
schaft, der Baron v. Schönborn und Truchsess v. Wetzhausen, ist hier 
angelangt, sie haben ihm gesagt, ihr Anbringen bestände nur darin, den König 
zu ersuchen, dass er das Compromiss') wegen des Streites mit K.Pfalz auf 
sich nehme. 



L. G. V. Crockow an den Kurfürsten. D. Stockholm 
10./[20.] Juni 1666. 

[Auswechslung der Ratificationen. Friedliche Erklärungen des Reichskanzlers. Die 
Resolution an den Abgesandten Lubomirski's.] 

Die Auswechslung der Ratificationen des Allianztractats ^) wird in den 20. Juni, 
nächsten Tagen erfolgen. Der Reichskanzler bezeugt wegen des nunmehr 
gänzlich vollendeten Tractats ein sonderbares Vergnügen, wegen des hollän- 
dischen und dänischen Wesens hat sich derselbe ihm gegenüber ganz ähn- 
lich erklärt, wie er schon neulich herichtet*), dass der drohende Krieg mit 
Moscau sie der Nothwendigkeit überheben werde, sich in das Werk zwischen 
Holland und England einzumischen, von dem Bremischen Wesen redete er 
so, dass der König zum höchsten wünsche, amicabili via das Werk zu heben, 
und zu solchem Ende des Kf. gute ofRcia sich promittiere, er bat ihn, express 
zu referieren, dass der König zwar keine formelle Mediation admittieren könne, 
dennoch aber gern sehen wollte, dass Kf. durch seine Ministros oder quavis alia 
ratione seine OfRcia interponierte , damit der König sine strepitu armorum die 
Sache heben könnte. Wegen der Pfälzischen und Mainzischen Streitig- 
keit sagte er, der König werde zwar von K.Pfalz angereizt, das Interesse des 
Hauses armis maintenieren zu helfen, er werde sich aber bemühen, die Sache 
in der Güte beizulegen. Lubomirski's Abgesandter*) ist wieder abgereist; 



S. Mem. de Pomponne 11. S. 149ir. 

») S. Urk. u. Act. XI. S. 593. 

*) Der Allianz vom 27. März 1666 s. ürk. u. Act. IX. 8. 819. 

*) S. oben. 

A) S. oben S. 167. 



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172 n. Der bremische Krieg, die QaadrupelalHanz und die engere Vereinigung etc. 

er hat eine Resolution aus der Kanzlei bekommen, welche, wie man ihm be- 
richtet, nur generale Contestationen enthält, der König wolle sich bemühen, 
salutem et quietem Poloniae zu befordern. 



L G. V. Crockow an den Kurfürsten. D. Stockholm 
23. Juni/[3. Juli] 1666- 

[auf das Rescript vom 29. Mai/8. Juni. Verbandlungen wegen der polnischen Ange- 
legenheit. Gunstige Erklärungen des Reichskanzlers. Die Bremische Angelegenheit.] 

3. Juli. — Ob ich gleich versichert war sowohl aus der Schwedischen 

Mioistren als der Französischen Ambassadeurs Discursen, dass man all- 
hie noch stets in der vorigen Intention beruhet, habe ich jedennoch zu 
mehrer Precaution diesen modum agendi gebrauchet, dass ich in den Cod- 
ferenzen, welche ich bereits mit dem H. R.Kanzler und H. Biören- 
klow darüber gehabt, nicht mehr als dieses vorgebracht, dass Ew. Ch. 
D. mit grossem Vergnügen aus meinen Relationen ersehen, dass I. Kon. 
M. die Sachen in Polen so wohl erwogen und so heilsame consilia da- 
bei führen. Und da sio darauf alsofort — erweisen wollten, dass solche 
ihre Intention dem gemeinen Besten gemäss, fuhr ich weiter fort und 
declanrte, dass Ew. Ch. D. eben dieselbe Sentimente hätte, that auch 
diese Ursach dazu, dass, wenn ein König durch Oesterreichische oder 
Französische Faveur zu der Krone käme, wie es den Evangelischen in 
Polen gehen würde — contestirte dabei, dass Ew. Ch. D. pro communi 
causa ihre consilia mit der Krön Schweden Ämbassade consocüren 
wollten. Da dann — der R.Kanzler — weitergegangen und selber vor- 
geschlagen remedium malorum praesentium electionem novi regis, und 
da ich darauf gesaget, dass Ew. Ch. D. auch dieselbe Meinung hätten^ 
fragten alsofort Ihre Exe, wie E. Ch. D. mit Pfalz -Neu bürg stunden 
und ob nicht der vorhabende Tractat seine Endschaft gewonnen und ob 
nicht Ew. Ch. D. die Krön Polen Pfalz-Neuburg gönnen wollten. Das 
erste und andere betreffend sagte ich, E. Ch. D. stünden mit Pfalz- 
Neu bürg in guter Correspondenz und wären die Differenzen leicht bei- 
zulegen, wobei ich dann ebensowenig als sonst aus anderen Umständen 
und Discursen observiren können, dass die Krön das Interesse, welches 
I. Kön. M. Haus bei dem Vergleich hat, sich, sehr hoch angelegen sein 
lassen, und als ich sowohl dieses letztere als auch weiter bloss dis- 
cursive gedachte, dass Pfalz-Neuburg sowohl wegen seinei* Meriten 
die Krön meritiret, als auch sonst weder den Ständen in Polen noch 
den Nachbarn solche considerationes gebe, als die andern Candidati, 



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Verhandlungen wegen der Wahl Pfalz- Neu burgs in Polen. 173 

aotworteten I. Exe: Je souhaitterois fort, que vous puissiez dire cela 
par ordre, und fügten noch dieses dabei, dass Pfalz- Neu bürg würde 
wohl bei Antretung als Continuation dero Regierung dankbar sein, ver- 
sprachen dabei, dass, nachdem sie solches I. E. M. vorgetragen, weiter 
mit mir daraus zu reden, dabei ichs also für das erste Mal bewenden 
Hess. Dem H. R.Truchsess und dem H. R.Admiral^) habe ich auch 
einige Ouvertüre davon gethan, welche, gleichwohl sie alle zu selbem 
Werk incliniren, also sagen sie hingegen einmüthig, dass I. K. M. sich 
in nichts engagiren können, ehe sie mit Bremen richtig wären, sie be- 
gehrten nichts als die Aufhebung der Immedietät, Ew. Ch. D. könnten 
ihr gar leicht mit der Stadt zu rechte helfen und würden I. K. M. da- 
durch freie Hände machen, das gemeine Interesse desto kräftiger in Acht 
zu nehmen. Es gehen bei heutiger Post desswegen Schreiben ab an 
Ew. Ch. D. ') und das ganze Haus Lüneburg'), und sagte mir def H. 
R.Kanzler, dass der H. R.Feldherr der Stadt mit mehrerm Ernst 
zusprechen würde. Ich habe ihnen darauf geantwortet, es wäre solches 
eine Sache, die dem ganzen Reiche anginge, Ew. Ch. D. könnten für 
sich selber nichts dabei statuiren, auch nicht mehr als gute officia bei- 
tragen. — 



L. G. V. Crockow an den Kurfürsten. D. Stockholm 
27. Juni/[7. Juli] 1666. 

[Der Reichskanzler wünscht Abscbluss eines Vertrages wegen der Wahl Pfalz-Neu- 
burgs. Der glückliche Ausgang des Unternehmens gegen Magdeburg.] 

Graf de la Gardie wünscht, dass Kf. mit dem Könige wegen der Wahl 7. Juli. 
Pfalz-Neuburgs einen Tractat aufrichte und dass Cr. sich dazu Vollmacht 
verschaffe, zum Commissar ist Berenklau allein ernannt worden, welches bei 
geheimen, importanten und angenehmen Sachen zu geschehen pflegt. Doch 
scheint der Reichskanzler zu fürchten, dass es dem Kf. nicht ein rechter Ernst 
sei und dass derselbe vielleicht später die Partei des Hofes nehmen möchte, es 
wäre daher gut, wenn Kf. deswegen generaliter an Wrangel schriebe und 
denselben ersuchte, dieses negotium hier zu recommendieren. 



') Gustav B'onde und G. 0. Stenbock. 

') d. Stockholm 23. Juni 1666, darin zeigt die schwedische Regentschaft an, dass 
sie wegen der fortgesetzten Insolenz Bremens sich genöthigt sehe, der Stadt etwas 
näher zu treten und sie zunächst in ihren Mauern einzusperren, und ersucht den Kf., 
nachdem er oft seine Cooperation angeboten, um die Stadt zur Gebühr zu vermögen, 
sich deswegen zu bemühen und darüber mit Wrangel vertraulich zu correspondieren. 

») S. Köcher I. S. 471. 



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174 n. Der bremische Krieg, die Quadrupelallianz und die engere Vereinigung etc. 

Die Magdeburgische Sache betreffend, habe ich Ew. Ch. Durcbl. 
gnädigsten Befehl in einem Rescripto vom 9. Juni und des H. von Plate 
und H. von Jehna Schreiben und Instruction de dato Halberstadt vom 
22. MaJL den 20. Juni und zugleich auch bei selbiger Post von Hamburg 
die Nachricht erhalten, dass die Sache gänzlich gehoben. — Ich habe 
demnach an gebührenden Orten angebracht, dass E. Ch. D. nicht hätten 
unterlassen wollen, I. K. Maj. der guten Freundschaft und Vertraulichkeit 
nach solches dessein und alle dabei führende Intentionen zu notificiren, 
welches ich dann nicht würde unterlassen haben, wann das Schreiben 
zu rechte kommen wäre, gebührend abzulegen. Der höchste Gott ver- 
leihe Ew. Ch. D. ferner solches Gluck, dass man den Anfang und glück- 
liche Vollziehung dero desseine zugleich bei einer Post erfahre. Ich 
kann nicht anders von hier berichten, als dass sie sowohl wie das Ge- 
rüchte lief, dass E. Ch. D. solches entrepreniren wollten, als auch nach- 
mals, da man den Ausschlag der Sachen erfahren und ich solches — 
notificiret, Ew. Ch. D. dazu viel Glücks gewünschet, sie haben gar hoch 
contestiret, dass Ihre Kön. Maj. solches nicht anders als gern hören 
könnten, als eine Sache, welche Ihrer Kön. Maj. zu keinem Schaden, 
Ew. Ch. D. aber zum Vortheil gereichete. Zwar da [sie!] leicht zu er- 
messen, dass sie gerne, dass dergleichen Städte, als welche in Kriegs- 
zeiten ihnen nützlich sein können, ohne Garnison blieben, aber gleich- 
wohl haben sie sich nicht das geringste merken lassen, da sie doch noch 
anizo wegen Erfurt übel zufrieden sein, solches auch gegen die Chur- 
Maintzische Abgesandte nicht verborgen. — 



L. G. V. Crockow an den Kurfürsten. D. Stockholm 
ll./[21.] Juli 1666. 

[Schweden nimmt die Vermittlung des Rf. und der braunschweigiscben Herzoge an, 
ist bereit, der Quadrupelallianz beizutreten.] 

21. Juli. Der Reichscommission ^) will man sich hier zwar nicht entziehen, lässt 

aber wohl merken, dass man dieselbe nicht gern sieht, dagegen ist man über 
den Vorschlag des Kf.^) sehr erfreut, der R.Kanzler bekannte selbst, dass Kf. 

1) S. oben S. 83. Kf. hatte v. Cr. (d. Cleve 9./19. Juni 1666) beauftragt an- 
zuzeigen, dass ihm diese Commission mit übertragen sei. 

^) Kf. hatte 3. Juli v. Crockow die dem bremischen Abgesandten Eden er- 
theilte Resolution (sie liegt den Acten nicht bei, ihr Inhalt aber ergiebt sich aus dem 
Schreiben von demselben Tage an V^rangel oben S. 83) zugeschickt und ihn be- 
auftragt, dieselbe der schwedischen Regierung mitzutheilen und sich zu bemühen. 



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Die magdeburglsche, bremer und polnische Angelegenheit. 175 

in der That der Krone Bestes suche. Doch hat er auf seine Bitten wegen 
Einstellung der Thätlichkeiten nur die Zusage erhalten, dass Wränge 1 die 
Stadt nicht attaquieren würde, die Blokade könnte nicht aufgehoben werden, 
der König werde aber bei den Tractaten zeigen, dass er eine gütliche Compo- 
sition wünsche, Kf. und das Haus Lüneburg möchten die Mediation antreten. 
Gestern hat ihm der R.Kanzler gesagt, sein König wolle in die neulich 
von Holland projectierte Allianz eintreten, wenn nur dieselbe nicht direct gegen 
England gerichtet und Schweden gegen Dänemark garantiert würde. Als 
Cr. seine Veiwunderung über diese schleunige Mutation zu erkennen gab, 
äusserte er, der König wisse zwar, dass das Absehen dieser Allianz ursprüng- 
lich vornehmlich gegen Schweden gerichtet gewesen sei, njichdem er aber mit 
Bremen durch des Kf. Zuthun in der Güte zurecht zu kommen hoffe, anderer- 
seits auch der Welt genugsam zu erkennen gegeben habe, dass er nichts Feind- 
liches gegen Dänemark vorhabe, so meine er, dass auch die sämmtlichen Contra- 
henten nur noch rationem pacis et quietis publicae suchen würden, wozu er 
sich gern mit verbinden wolle. Cr. glaubt aber, dass die holländische Victoria *) 
zu dieser Resolution viel contribuiert habe. 



L. G. V. Crockow an den KurfUrsten. D. Stockholm 
18./[28.] Juli 1666. 

[Auswechslung der Ratificationen. Project eines Traetats wegen der polnischen Wahl.] 

Gestern sind die Ratificationen ausgewechselt worden, alle schwedischen 28. Juli. 
Minister bezeugen über die Vollziehung dieses Traetats grosse Freude. 

Die polnische Sache hat sich hisher daran gestossen, dass man noch immer 
gegen Kf. Verdacht hegte und dass de la Gardie im Gegensatz zu BiÖrnklou 
und Cr. meinte, das Dessein musste auch Frankreich mitgetheilt, und ver- 
sucht werden, dasselbe dafür zu gewinnen. Doch ist er endlich selbst anderer 
Meinung geworden, Cr. hat darauf fleissig auf das Project gedrungen und, nach- 
dem die von Pfalz-Neuburg eingekommenen Nachrichten alle suspiciones 
benommen, ist ihm ein solches zugestellt worden, welches aber nur dazu dienen 
soll, vor aller Welt die Intention zu rechtfertigen. Das Dessein selbst soll in 
einem Articulo oder Tractatu secreto weiter concertiert werden, darin soll ge- 
handelt werden: 1) de certa candidati persona, 2) de modo recommendandi 
illam sowohl bei dem Könige und den Ständen cujusque factionis in Polen 
als auch bei dem Kaiser und dem Könige von Frankreich, 3) de modo 
promovendi et manutenendi illam, si legitime a republica eligatur repugnantibus 
tantum aliquibus factiosis et alicui illegitime procedenti candidato adhaerentibus 
idque 1) officiis amicabilibus et reconciliatoriis, 2) auxiliis mittendis pro legitime 
electo, 3) wann 'es nöthig und die Republik es begehrte, efficaciore succurrere 



dass seine Vermittlung angenommen und inzwischen die Stadt mit Thätlichkeiten 
verschont werde. 

*) Die Seeschlacht vom IL— 14. Juni 1666, s. oben S. 129. 



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176 II- I^er bremische Krieg, die Quadrupelallianz und die engere Vereinigung etc. 

ei modo. Wenn Cr. Vollmacht und Instruction hierzu erhielte 0, würde man 
sich darüber gar bald und leicht vergleichen. 



Der Kurfürst an v. Crockow, D. Cleff 8. September 1666. 

[auf die Relation vom 18./[28.] Juli. Hedenken gegen den schwedischen Vorschlag, 
Pfalz-Neuburgs Wahl offen dem Könige von Polen und der Republik, sowie dem 
Kaiser zu recommendieren. Dem Konig von Frankreich zu machende Eröffnungen. 

Bericht v. Hoverbecks.] 

8. Sept. — Nun haben wir zwar bei dem entworfenen Project kein Be- 

denken, weil »ich aber inmittelst die Conjuncturen und der Zustand in 
Polen sehr geändert, so müsste unsres Ermessens auch der Vergleich in 
etwas geändert und dergestalt eingerichtet werden, dass er auf die 
jetzigen Zeiten zu appliciren stände. Was den Tractatum secretum be- 
trifft, da ist euch aber alle puncta unsere Intention — bekannt, gestalt 
euch dann anfänglich nicht unbewusst, wohin unsere Gedanken ratione 
personae zielen. Ob und welchergestalt dieselbe bei dem Könige zu 
recommendiren, darin müssen wir noch zur Zeit sehr anstehen und 
zweifeln, ob dergleichen Recommendation ihm einigen Nutzen oder Vor- 
theil schaffen würde, jedoch könnte der König auch wohl endlich des 
Handels müde werden oder sonsten durch einige Veränderung auf die 
Gedanken gerathen, dass er von Beförderung eines französischen Subjecti 
zur Krön abstünde, welchenfalls ihm wohl verschiedene Ursachen fürge- 
stellet werden könnten, warurob er billig des H. Pfalzgrafen Person für 
andern zur Succession zu recommendiren. Jedoch wollen wir Ihr. K. M. 
Meinung hierin vernehmen und uns damit gern vereinigen. Bei der 
Republik und denen Ständen öffentlich die Person zu recommendiren 
möchte sich bei den jetzigen Conjuncturen und da man wider die Wahl 
ein so hartes Gesetz') vom neuen bei dem jüngsten Vergleich gemacht, 
auch nicht allerdings schicken, inmittels haben wir unserm Hoverbeck 
gnädigst befohlen^), unter der Hand dieses negotium ein und andern 
Orts zu befördern, welches I. K. M. dero Abgesandten in Polen auch 
ausser Zweifel befohlen. Sollte es aber, wie wohl zu vermuthen, bald 



^) Kf. übersendet an Cr. (d. CJeve 30. Juli 1666) eine Vollmacht zu Unterhand- 
lungen; mit weiterer Instruction werde er ihn versehen, sobald er des Königs Senti- 
mente über jene Punkte erfahren haben werde, Cr. solle sich nicht zu weit engagieren, 
bis Kf. mit Pfalz-Neuburg, der in puncto religionis sich sehr hart zeige, (s. Urk. 
u. Act. XI. S. 734) einig sei. 

S. Kochowski, Annales Poloniae III. S. 246. 

^ S. das Rescript an denselben vom 16. Juni 1666 unten Abschn. III. 



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Bedenken gegen offene Empfehlung Pfalz-Nenburgs. 177 

wiederum b zu einer Ruptur gerathen, solchenfalls könnte man wohl etwas 
mehr bei der Sache thun und alsdann solche öffentlich der guten Parthey 
recommendiren und sie in ihrer bereits habenden guten Intention stärken, 
die dissentientes aber mit Fürstellung dienlicher Motiven und Persua- 
sionen zu gleicher Meinung zu bringen bemuhet sein, auch sich alsdann 
des Werks weiter mit einigem ferneren Nachdruck annehmen, aller- 
maassen solches auch in dem projectirten Tractat mit mehrerm bereits 
angeführet ist. 

Ob das negotium, wie man aldorten glauben will, beim Kaiser so 
leicht durchzutreiben, daran müssen wir desswegen zweifeln, weil Pfalz* 
Neu bürg selbst desshalben noch keine beständige Versicherung hat. 
Zwar hat der Kaiser für diesem mündlich dem H. Pfalzgrafen desshalber 
einige Promessen gethan, hernachgehends auch durch particular Schreiben 
demselben Vertröstung geben lassen, dass er noch in derselben guten 
Intention continuirte, es ist aber noch zur Zeit unseres Wissens niemand 
von denen furnembsten kaiserlichen ministris oder Räthen, worauf man 
sich zu verlassen. Mit dem bei unserm Hof sich aufhaltenden Baron 
de Goes haben wir zwar obiter per discursum aus dem Werk reden 
und, wohin I. Kais. M. Gedanken zieleten, sondiren lassen 0, er hat aber 
sehr grosse Diffidenz und froideur gegen den Pfalzgrafen behauptet — 
hat auch zwar über sich genommen, desswegen an den kaiserlichen Hof 
zu schreiben, bis dato aber haben wir nichts weiter erfahren noch einige 
Antwort erhalten, welches uns dann billig gross Nachdenken verursachet 
und Anlass gegeben, mit etwas Behutsambkeit in der Sache zu proce- 
diren; zumahlen wir auch von gewisser Hand die Nachricht erlanget'), 
dass der Grossmarschalck Lubomirsky ohngeachtet aller gehabten Ad- 
vantagen — durch den kaiserlichen bei ihm gewesenen Abgeordneten 
zum gütlichen Vergleich, Submission und Abbitt gegen den König dis- 
poniret und persuadiret worden, wodurch wir fast auf die Gedanken ge- 
bracht worden, als suche man am Kais. Hofe nur Zeit zu gewinnen und 
hab das Absehen entweder auf Baiern oder Lothringen gerichtet. — 
Weil nun wegen I. K. M. ohnlängst der Palbitzky am kaiserlichen Hof 
gewesen, so verlanget uns zu vernehmen, was derselbe etwan ausgerichtet 
und in Erfahrung gebracht. — 

Was Frankreich betrifft, da halten wir nicht für dieusamb, dass 
man dieses Uessein eben so gar heimlich für selbige Krön halte und da- 

1) S. üjk. u. Act. Xr. S. 747 f.; XIV. 1, S. 274f. 

*) S. Hackebergs Bericht vom 20. Juli IGGO unten Abschn. III. 

Mater, t. Gesch. d. O. Karfürsten. XII. 12 



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178 n. Der bremische Krieg, die Quadrupelallianz und die engere Vereinigrun^ etc. 

von nichts communicire, dann der König es doch ausser allen Zweifel 
erfahren und sich alsdann wohl allerhand und widrige impressiones da- 
von einbilden lassen möchte. Dannenhero wir ohnfürgrei flieh für dien- 
samb ermessen, dass sowohl Schweden als wir dem Könige gleichsam 
im Vertrauen zu vernehmen geben, wie grosse Ungelegenheit und Gefahr 
wir beiderseits als die nächsten Nachbarn von Polen wegen der darin 
immerhin sich ereugenden und fast täglich zunehmenden gefahrlichen 
Conjuncturen stünden. — Weil nun alle diese Ungelegenheiten daher 
rühreten, dass der Hof, oder vielmehr die Königin, ihren Vetter zur Krön 
befordern wollte, die Republiq aber dazu ganz nicht incliniret wäre, so 
gebe man dem König in Frankreich zu bedenken anheimb, ob er nicht 
besser thun würde, dass, weil doch die Königin sich einzig auf seine 
Assistenz verlasset und dadurch das Werk durchzutreiben vermeinet, er 
von dieser Intention, im Fall er selbige gehabt, zu Beruhigung der 
Christenheit und zu Conservation sowohl des Königreichs Polen als der 
Benachbarten abstehen und, wo nicht befördern, doch geschehen lassen 
möge, dass ein anderer ihm anständiger Fürst und in specie Pfaltz- 
Neu bürg — zur Krön befordert werden möchte. — 

Dieses wären unsere unvorgreifliche Gedanken, wir verlangten aber 
Ihr. K. M. hochvernünftige Sentimenten von der Sache auch zu ver- 
nehmen, mit denen wir uns gern conformiren würden. Im übrigen wird 
man sich leicht vereinigen können, wenn es so weit gebracht sein wird, 
dass die Wahl auf den H. Pfaltzgrafen gefallen ist, wie und welcherge- 
stalt derselbe zu mainteniren, unserstheils sein wir erbietig, alsdann dem- 
selben mit einem considerablen corpo zu assistiren, welches die Krön 
Schweden verhoffentlich auch thun wird, und stellen wir in I. K. M. 
Belieben, ob man sich solcher Assistenz halber anitzo nur in genero 
verbinden, die specialia aber, wie stark dieselbe sein und welchergestalt 
man die operationes anzustellen, bis dahin ausgesetzet lassen wolle. 

P. S. Hoverbeck berichtet aus Polen, dass der Hof sich sehr bemühe, 
sein Desseio durchzuführen und auch Lubomirsky auf seine Seite zu bringen, 
dass der schwedische Gesandte LiiiehÖck vom Hofe sehr caressiert werde, 
dass Lubomirsky und seine Partei mit den Schweden nicht wohl zufrieden 
seien, dass der Abgesandte zweierlei Instructionen habe, sowohl auf den Fall, 
wann die Sache nach des Hofs Intent ausschlagen, als auch wann es nach der 
Woiwodschaften Wunsch und Willen ablaufen sollte. Cr. soll fleissig Acht 
geben, ob man auch in Schweden beständig bei dem bekannten Vorhaben zu 
verbleiben gesonnen. 



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Die polnische und bremische Angelegenheit. 179 

L. G. V. Crockow an den Kurfürsten. D. Stockholm 
5./[15.] September 1666. 

[Stand der bremischen Angelegenheit. Befürchtungen wegen Polen.] 

Man besteht hier in der Bremischen Sache auf der Abolition der Im- 15. Sept. 
medietät; Cr. hat nur discursweise seine Vorstellungen dagegen erhoben, der 
Lüneburgische Abgesandte Plate aber hat deutlicher gesprochen und eine Re- 
solution begehrt, dieselbe aber noch nicht erhalten. Man ist hier dieser Sache 
halber mit Kf. viel besser zufrieden als mit den Lüneburgern, man hat Nach- 
richt vom kaiserlichen Hofe, Herzog Georg Wilhelm habe an den Kaiser 
geschrieben, ihm salutem civitatis Bremensis recommendiert und sich offeriert, 
die Stadt zu secundieren, Kf. hätte auch dahin geschriehen, aber mit mehr 
Moderation, sie sind auch mit des Kf. Gesandten, welche in Bremen gewesen, 
wohl content. Gr. erwartet mit grossem Verlangen nähere Ordre wegen des 
anbefohlenen negotium, zumal er zum öfteren darum befragt wird. Man glaubt 
hier, der Friede in Polen werde nicht lange Bestand haben, sie haben Nach- 
richt, die Königin werde von ihrem proposito nicht nachlassen, sie fürchten 
auf dem nächsten Reichstage eine gefährliche Recidive, beschuldigen Lubo- 
mirsky des Verrathes. 



L. G. V. Crockow an den Kurfürsten. D. Stockholm 
17./[27.] September 1666. 

[Stand der bremischen Angelegenheit. Nachrichten über die Pläne des polnischen 

Hofes.] 

Er hat fleissig den regierenden Herren und anderen vornehmen Ministris 27. Sept. 
wegen gütlicher Beilegung der Bremischen Sache Vorstellungen gemacht, 
sie haben darauf geantwortet, der König sei dazu bereit, aber die Im medietät 
müsse gehoben werden. Sie haben lange nicht gestehen wollen, dass der R.- 
Feldherr in suspensionem renuntiationis immedietatis usque ad finem hujus se- 
culi consentiert'), und es hat fast geschienen, dass sie solche nicht allerdings 
approbieren, wiewohl sie jetzt sich nicht anders merken lassen, als damit zufrie- 
den zu sein, und sagen, der R.-Feldherr habe nicht Ordre, die Stadt mit Gewalt 
anzugreifen, sondern nur zu blocquieren. Vor einigen Tagen ist ein Courier von 
K.Pfalz angekommen und hat'-') um schleunigen Succurs angehalten, der Pfäl- 
zische Minister ist schon abgereist, er macht grosses Fundament auf die schwe- 
dische Assistenz, aber schwedische Ministri haben Cr. gesagt, er habe keinen 
Tractat gemacht, sondern nur eine schriftliche Resolution erhalten, in welcher ihm, 
aber sehr beschränkt, Hülfe gegen unrechtmässige Gewalt versprochen ist. Man 
wünscht hier lieber, dass K.Pfalz Friedens halber etwas nachgebe als durch 

') S. oben S. 91. 

*) 8. Häusser, Geschichte der rheinischen Pfalz IL S. 624, oben S. 93. 95. 

12* 



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180 If- l^cr bremische Krieg, die Qiiadrupelallianz und die engere Vereinigung etc. 

garza grosse fermete sich ein Unglück von den herumliegenden Katholischen 
verursache. 

Sie vermeinen gewisse Nachricht zu haben, dass der polnische 
Hof, sehend, dass die Polen sich nitsht wollen bewegen lassen, den Duc 
d'Anguin zum Könige zu nehmen, suchet, die Littauer apart zu ge- 
winnen, und gänzliche Hoffnung hat, dass selbige Stände ihn zum Gross- 
forsten erklären und die Polen endlich nachfolgen werden, zu welchem 
Ende gemeldeter Duc künftigen Frühling in einem oder anderen Hafen 
in Curland anlanden würde. Berenk lau hat von mir expres begehret, 
dass ich solches referiren möchte, damit E. Ch. D. solches mit denen Re- 
lationen, welche sie von selbigen Orten haben, conferiren und die Wahr- 
heit also erforschen und bei Zeiten de remediis prospiciren könnten. Sie 
haben mir gesagt, dass Graf Königsmarck von Paris geschrieben, dass 
der Prince de Conde noch neulich dem Könige in Frankreich gerathen, 
quavis ratione Schweden wegen der Polnischen Sache zu gewinnen, da- 
bei aber auch versichert, dass solches nicht geschehen würde, sondern 
sie würden fest bei ihrer Resolution verbleiben, und weil selbige Gefahr 
picht eben so nahe vor der Thür, sondern erstlich künftigen Frühling 
zu besorgen, als hätten sie mittlerweile Zeit conjunctim mit E. Ch. 1). 
Mittel und Woge zu ergreifen, um die Gefahr abzuwenden. — 



L. G. V. Crockow an den KnrfÜrsten. D. Stockholm 
22. Septeraber/[2. Oetober] 1666. 

[auf das Rescript vom 8. September. Günstiger Stand der bremischen Angelegenheit. 
Schweden will eventuell K.Pfalz unterstützen, Graf Dohna nach Holland schicken.] 

2. Oct. ' Er hat erst heute früh mit dem R.Kanzler conferiert, kann darüber erst 
mit nächster Post Bericht erstatten, versichert aber, dass man hier beständig 
bei der vorigen Intention verbleibt. Das bremische Wesen anlangend, hat 
der R. Kanzler gesagt, er könnte nicht exprimieren, wie satisfait der König mit 
des Kf. officiis wäre, sie hielten die Sache für gethan, mit heutiger Post ginge 
an den R. Feldherrn Ordre ab, mit den Hostilitäten einzuhalten. K.Pfalz wollte 
der König ermahnen, das Compromiss fortgehen zu lassen und einen Waffen- 
stillstand zu treffen, wenn er diesem Wege folgte, die Gegner sich dazu aber 
nicht verstehen würden, so sei er entschlossen, ihn nicht zu verlassen, der R.- 
Feldherr hätte Ordre, 1500 Reiter und 500 Dragoner zu solchem Ende parat zu 
halten. Da die Verhandlungen mit Isbrand nicht zur Einigung geführt haben, 
so gedenkt Schweden') einen letzten Versuch zu machen und Graf Dohua 
nach Holland zu schicken, um die Differenzen abzuthun, der R.Kanzler hat ihn 

') Vgl. Mem. de Pomponne IL S. 299f. 



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Die polnische und bremische Angelegenheit. 181 

beauftragt, Kf. zu ersuchen, dieses zu befördern und schon vorher unterbauen 
zu helfen. 

L. G. V. Crockow an den Kurfürsten. I). Stot^kholm 
3./[13.] October 1666. 

[MittheiluDg des Erb Vergleiches mit Pfalz-Neuburg. Bedenkliche Nachrichten in der 

bremischen Angelegenheit.] 

Er hat noch keine Resolution erhalten können. Er bat den mit Pfalz- 13. Oct. 
Neuburg geschlossenen Tractat*) dem R.Kanzler mitgetheilt und zugleich re- 
monstriert, dass Kf. darin den Prätentionen des Königs kein Präjudiz zugefügt 
habe, es ist dies auch, soviel er hat merken können, wohl aufgenommen und 
nichts dabei desideriert worden. 

Ihn wie viele andere hat sehr verwundert, dass, obwohl Zeitung einge- 
kommen, dass der R.Feldherr sub spe rati mit Bremen geschlossen, und man 
auch resolviert, dasselbe zu ratiiicieren, dennoch die dahin bestimmten 2000 Mann 
in See gegangen sind; die schwedischen Ministri haben ihm auf seine Anfrage 
deswegen geantwortet, es wäre mit Bremen noch nicht gänzlich geschlossen, 
man wisse auch nicht, ob die Stadt dabei bleiben wurde, müsste auch auf 
Mittel sinnen, im Fall der Noth K.Pfalz zu secondieren, und sie wüssten auch 
nicht, wie sie es mit Holland hätten. 

Hier über Hamburg eingelaufene Zeitungen von der Gefangennahme des 
Gen.-Feldz. Uffeln'*'), ferner, dass die Inneburgische Armee ein Lager unweit 
Bremen formiert, und dass Kf. und K.Cöln^) in der Sache auch etwas thun 
wollten, haben hier grosse Alteration verursacht. Cr. hat letzteres bestmöglichst 
abgelehnt. 



Der Kurfürst an v. Crockow. D. Cleff 13. October 1666. 

[Neue ßemnhungen, den Streit mit Bremen gütlich beizulegen. Die Quadrupelallianz.] 

Nachdem Kf. durch die gestrige Post unvermnthlich vernommen, dass die 13. Oct. 
Handlung zu Bremen fast ganz abgebrochen und seine Gesandten von dort 
weggegangen seien, hat er in dem Wunsche, dass dieser Streit endlich durch 
gütliche Mittel gehoben werde, dieselben aufs neue an den R. Feldherrn gesen- 
det*). Auch Crockow soll die nöthigen Vorstellungen machen, dass der Streit 
beigelegt und nicht durch Continuation der Blocquade und andere Thätlichkeiten 
Anlass zu höchstgefährlichen Troublen gegeben werde. Kf. verhandelt schon 
seit geraumer Zeit im Haag über eine Defensivallianz mit Dänemark, den 
Herzogen zu Braunschweig, Hessen-Cassel und dem Staat*), auf sein 



•) 


S. ürk. u. Act. XI. S.762. 


") 


S. oben S. 97. 


•) 


S. oben S. 96. 98. 100. 


*) 


S. oben S. 104 ff. 


») 


S. oben S. 124 ff. 



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182 n. Der bremische Krieg, die QiiftdrupelalHanz und die engere Vereinigung etc. 

Verlangen ist auch Schweden znm Beitritt aufgefordert worden, er hofft, dass 
dasselbe sich dazu entschliessen werde. Cr. soll dieses dort remonstrieren und 
allen etw^aigen Verdacht zu beseitigen sich bemühen. 



L. Gr. V. Crockow an den Kurfürsten. D. Stockholm 
6./[16.] October 1666. 

[Aufregung über die Nachrichten von Bremen her. Gefahr, dass Schweden sich ganz 
Frankreich in die Armee werfen dürfte.] 

16. Oct. — Nachdem die Zeitungen, derer ich in meinem letzten d.d. 3. Oct. 

gedacht, continuiret, kann ich nicht beschreiben die Alteration, welche 
dieselben verursacht'). Man hat niemalen hier glauben wollen, dass 
der Kaiser und das Reich sich des Werks so sehr annehmen würden. 
Wann ich solches und die daraus besorgende Inconvenientien remon- 
striret, haben sie mir geantwortet, sie sehen nicht, dass man weder zu 
Regensburg noch zu Wien die Sache so hoch nehme, der Fürst von 
Lobkowitz hätte H. Palbitzky geantwortet: capienti dabitur. Sie 
geben aber anitzo die Schuld gänzlich an Frankreich, sagen, dass 
Frankreich das Rom. Reich und den Kaiser dadurch wider Schweden 
aufgehetzet, dass Frankreich überall vorgegeben, Schweden hätte mit 
Frankreich eine sehr feste Allianz geschlossen, sowohl wegen Polen als 
wegen des Burgundischen Kreises, und dass Graf Königsmarck daher 
alle Monat zu Paris fünfzigtausend Reichsthaler empfinge, welches alles, 
um Schweden überall verhasst zu machen, von Frankreich ausgesprenget 
würde. Die Krön Schweden hätte es so gut mit dem Römischen Reich 
vorgehabt, hätte sich in keine Allianz einlassen wollen, welche des 
Reiches Wohlfahrt zuwider, sie wüssten gar wohl des Königs in Frank- 
reich vaste Desseine, das Rom. Reich würde der Krön Schweden gewiss 
vielleicht im kurzen vonnöthen haben. Nun sie aber merketen, dass 
man sich von Frankreich so verleiten Hesse und der Krön Schweden 
dergestalt begegnete, würden sie auch endlich andere Mittel nehmen 
müssen. — 

Ich befinde, dass') man alhie gar wohl wäre damit zufrieden ge- 
wesen (maassen man auch noch verhoffet, dass solches geschehen werde), 
dass die Sache auf die Manier, wie es der H. R. Feldherr sub spe rati 
angenommen, beigelegt werde. — Ja ich befinde, dass man alhie be- 

') Vgl. Mem. de Eomponne II. S. 267ff. 

») Vgl. Carlson, Geschichte Schwedens IV. S. 489f. 



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Aufregung wegen der bremischen Angelegenheit. 183 

fiirchtet, dass der Graf Wrangel möchte, ehe er selbige Ordre bekom- 
men, in einige Hostilitnteu, nicht allein mit Bremen, sondern auch mit 
dem Hause Lüneburg sich eingelassen haben, dann viel alhie so wenig 
die Continuation der Hostilitäten wider Bremen als auch, was er auf 
der Elbe wider Holland gethan*), approbiren. Gott gebe, dass es noch 
in der Güte möge gehoben werden, ich befürchte sonst, dass, wann es 
zu einer Ruptur kommen und Schweden in angustias gerathen und de 
ditionibus germanicis periclitiren sollte, wie es wohl geschehen dürfte, 
wann das Rom. Reich einig, weil Frankreich (sie!) keine Alliirte hat, 
dass sie alsdann mit Frankreich binden und alle andere considerationes 
an die Seite setzen und mit Frankreich in allen desseins sich verbinden 
möchten. Noch zur Zeit finde ich keine Inclination dazu, wie ich dann 
vorgestern mit Graf de la Garde weitläufig davon geredet, aber eine 
Gefahr könnte sie dazu bewegen. Sonsten muss ich gleichwohl bezeugen, 
dass sie mit E. Ch. I). viel besser zufrieden sein als mit dem Hause 
Lüneburg, wiewohl der H. G.Feldz. von üffeln soll gesaget [haben], 
dass E. Ch. D. auch einige Truppen zu der Kreisarmee, welche zum 
Succurs der Stadt Bremen sollte zusammengeführet werden, hinzuthun 
würde. E. Ch. D. Offerten wegen Vergleichung der Krön und der H. 
Gen. Staaten hat man alhie sehr wohl aufgenommen. — Die nach Deutsch- 
land destinirten Völker haben noch vor wenig Tagen in den Dahlem 
gelegen und hat der H. Marschall Lutzow, nachdem er alhie wieder 
angelanget, seine Reise eingestellet. — 



L. G. V. Crockow an den Kurfürsten. D. Stockholm 
17./[27.] October 1666. 

[Ursachen der Verzögerung der Verhandlungen, Schweden wünscht zugleich wegen 
der Jülichschen Succession und der polnischen Angelegenheit Verträge zu schliessen.] 

In der ihm aufgetragenen Sache ist trotz seiner Bemühungen bisher nichts 27. Oct. 
weiter geschehen, theils wegen der gewöhnlichen Langsamkeit dieses Hofes, 
theils wegen der Besorgnisse, welche die Nachrichten aus Deutschland erregt, 
dass man dort mehr wider Schweden im Sinne habe, als nur die Conservation 
der Stadt Bremen. Man schreibt alles den französischen artificiis zu, durch 
Graf Wilhelm Fürsten bergs persuasiones und französisches Geld gewonnen, 
suche Graf Waldeck die Herzoge von Lüneburg gegen Schweden aufzu- 
hetzen, auch Fürstenbergs Reise nach Hildesheim geschehe aus keiner 

») S. Mem. de Pomponne II. S. 24of. 



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184 n. Der bremische Krieg, die Quadrupelallianz und die engere Vereinigung etc. 

anderen Ursache, Frankreich hoffe, dass Schweden durch dergleichen Diflfi- 
cultäten werde dahin gebracht werden, seine Freundschaft quovis modo zu 
suchen. Ferner verlangen der Reichskanzler und Biörenklau, dass ent- 
weder vor oder zugleich mit dieser Angelegenheit auch Verträge einerseits mit 
Kf. und dem Pfalzgrafen wegen der Jülich sehen Succession, da ihr Konig 
in dem abgeschlossenen Erbvergleich nicht so obligeant wäre berücksichtigt 
worden, wie sie hätten erwarten dürfen, andererseits mit dem Pfalzgrafen wegen 
ihrer Interessen in Polen für den Fall, dass derselbe zur polnischen Krone 
kommen sollte, abgeschlossen würden. Man ist hier nicht wohl damit zufrieden, 
dass Pfaz-Neuburg diesen Hof so negligiert und niemand hieher schickt, 
erwartet aber, dass in kurzem jemand kommen werde, und findet gut, den 
Schluss des Tractats wegen der Assistenz bis dahin zu verschieben. An Stelle 
Biörnklaus sind der Hofkanzler Guldenstern und der Secretär Oerestet für 
die Verhandlungen mit Cr. zu Kommissaren bestellt worden, er hat auf Wunsch 
ein neues praesenti rerum statui entsprechendes Project entworfen. 



L. G. V. Crockow an den Kurfürsten. L). Stockholm 
27. October/[6. November] 1666. 

[Uebereinstimmuug der schwedischen Absichten mit denen des Kf. Krste Conferenz.] 

6. Nov. Aus des R.Kanzlers und BiÖrenklaus Discursen hat er des Königs 

Sentimente vernommen, welche denen des Kf. durchaus entsprechen. Was mo- 
dum recommendandi bei dem Könige und der Republik betrifft, will der König 
Liliehoeck') befehlen, sich wieder nach Warschau zu begeben und solches 
an gebührenden Orten, nämlich den Wohlintentionierten unter der Hand, bei 
begebendem Fall aber der Republik öffentlich und aufs beste zu recommen- 
diercn. Was Frankreich anlangt, so ist auch der König wie Kf. der Mei- 
nung, man müsste die Sache eben so geheim nicht halten, vielmehr wollte man 
durch den Secretär Pnfendorff, welcher in Paris geblieben, und durch den 
hier anwesenden Ambassadeur M. de Pomponne dem Könige alles gebührend 
vor Augen stellen. Der R.Kanzler meinte, dass derselbe damit übereinstimmen 
werde, an hiesigem Ambassadeur aber ist solches nicht zu merken, welchen so- 
wohl Graf de la Gardie und Biörnklau als auch auf deren Antrieb er 
selbst fleissig doch so sondiert haben, dass er von dem vorhabenden Dessein 
nichts penetricren können, vielmehr durch einige Briefe persuadiert das contra- 
rium glaubt. Dem Kaiser traut man jetzt hier auch nicht; ein vornehmer kai- 
serlicher Minister soll gesagt haben, dass derselbe lieber sehen würde, dass ein 
französischer Prinz zu der Krön käme, als dass er zwei benachbarte Könige 
aus dem Hause Pfalz hätte. Heute hat die erste Conferenz stattgefunden, die 
schwedischen Kommissare haben ihre Vollmacht produciert und Cr.'s Project 
ad referendum angenommen*). 



*) Der frühere schwedische Gesandte in Warschau. 

2) Kf. in seiner Erwiderung auf diese Relation (d. Cleve 25. November 1666) 



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Die polnische und bremische Angelegenheit. 185 

L. G. V. Crockow an den Kurfürsten. D. Stockholm 
3./[13.] November 1666. 

[Beruhigende Erklärungen Schwedens in der bremischen Angelegenheit. Ahschliiss 

der Quadrupelallianz.] 

Wegen des Bremischen Wesens bezeugen alle Ministri ein sonderbares 13. Nov. 
Vergnügen sowohl über des Kf. dranssen in Deutschland bei diesem Werk ge- 
führte Conduite als auch über die wohlmeinenden Vorstellungen, welche er bei 
dem R. Feldherrn und hier habe thun lassen, sie hielten auch dafür, dass, wenn 
nur die Stadt bei demjenigen bleiben wollte, was sie einmal placitiert, die 
Sache bereits abgethan sei, der R. Feldherr hätte deswegen gnugsame reiterierte 
Ordre. Als Cr. dem Reichskanzler vorstellte, dass man noch immer Praepa- 
ratoria mache, Truppen nach Deutschland herüberzuschaffen, hat ihm dieser er- 
widert, sie könnten jetzt nicht anders thun, da nicht allein ungewiss sei, ob 
die Stadt Bremen, nachdem sie so grossen Support vermerkt, bei den vorigen 
Offerten bleiben würde, sondern auch weil der König grosse Ursache hätte, so- 
wohl vor dem Kaiser als auch vor den Herzogen von Lüneburg sich vor- 
zusehen, doch beabsichtige man nicht, gegen Jemand etwas Feindliches zu ten- 
tieren, sondern man werde, sobald die Bremische Unruhe gestillt, die Völker 
wieder hereinkommen lassen. Die Nachricht von dem Abschluss der Allianz') 
im Haag hat die hiesigen Ministri um desto mehr surprenieret, weil sie ver- 
meint Nachricht zu haben, dass Kf. einige Disguste wider Holland hätte, die 
Allianz deswegen aufhielte und mit dem Bischof von Münster geheime Corre- 
spondenz pflege, so dass sie sogar gegen Cr. gedacht, sie wünschten des Kf. 
Sentimente zu wissen. Gleichwohl haben sie eben so grosses Mescontentement 
deshalb noch nicht gezeigt, mit dem R.Kanzler, der wieder aufs Land gereist, 
hat Cr. darüber noch nicht gesprochen. 



Iheilt Cr. die Antwort mit, welche er dem bei ihm erschienenen Abgesandten Lubo- 
mirski's ertheilt hat (s. unten Abschn. HI.) und beauftragt ihn, da er es für nöthig 
halte, das Werk ohne Zeitverlust mit Nachdruck zu treiben, sich zu bemühen, dass 
nicht nur der projectierte Vergleich abgeschlossen, sondern auch wegen der Special- 
artikel ein Uebereinkommen getroffen werde. Die pfalzneuburgische Gesandtschaft 
werde wohl nicht sobald in Schweden eintreffen, da der Pfalzgraf zunächst jemand 
an Wrangel schicken wolle, Kf. wünsche, dass der Tractat zwischen ihm und Schwe- 
den vorher zum Abschluss komme, halte es aber für gut, dass, wenn man in der 
Hauptsache einig sei, Wrangel die nöthige Vollmacht und Instruction erhalte^ da 
es vielleicht nothwendig sein würde, schnelle Resolution zu fassen. 
') S. oben S. 135. 



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186 JI- I^pr bremische Krieji^, die QuadnipelalHanz und die engere Vereinigung etc. 

L. G. V. Crockow an den KurfUrsten. D. Stockholm 
7./[17.] November 1666. 

[Mittbeilungcn des R.Kan/.lers ober die Conferenz mit dem französischen Gesandten. 
Unzufriedenheit Schwedens mit Pfalz-Neuburg. Forderungen in der Jülicber Ange- 
legenheit.] 

17. Nov. Der R.Kanzler hat ihm mi^etheilt, was in einer Conferenz zwischen ihm 
und dem französischen Ambassadeur vorgefallen*), in welcher dieser sich 
so weit herausgelassen, dass sein König wegen der polnischen Krone kein ander 
Absehen haben wurde als auf den Duc d'Angaien, dass auch der König von 
Polen anf diesem Reichstag abdiciercn und sonder Zweifel die Election auf 
den französischen Prinzen fallen würde, da aber vielleicht eine österreichische 
oder andere Faction sich darwider opponieren würde, so hat er inständig und 
mit grossen Promessen begehrt, dass Schweden nicht allein denselben vorher 
recommendieren, sondern auch raaintenieren helfen möchte, zu welchem Ende er 
siebentausend Mann begehrt, zu denen der König von Frankreich noch drei- 
tausend wollte werben lassen. Wider Pfalz-Neuburg hat er insonderheit 
eingewandt, dass Kf. niemals in dessen Wahl willigen werde, wobei er trotz 
seiner Einwendungen fest geblieben. Da also hieraus erhelle, dass alle bis- 
herigen remonstrationes bei Frankreich nichts operiert, unterdessen aber die 
P^xtremitäten in Polen vor der Thür, halte er für höchstnöthig, dass der König 
und Kf. conjunctim solches dem Könige von Frankreich auf die Weise, wie 
Kf. vorgeschlagen, nochmal repräsentierten, Kf. möchte daher je eher je lieber 
eine Abschickung nach Frankreich thun, der König würde dergleichen thun oder 
dem Secretar Pufendorff die Sache committieren, mittlerweile aber dem fran- 
zösischen Ambassadeur eine ausführliche Deduction zustellen. Als Cr. sich 
darüber beklagte, dass dieses nicht schon vor acht Wochen geschehen sei, er- 
klärte jener, man hätte nicht geglaubt, dass die Ruptur in Polen so nahe wäre, 
und beschwerte sich darüber, dass Pfalz-Neuburg den König so negligiere 
und niemand geschickt habe, um denselben zu informieren, was für Appuy er 
sich in Polen zu versichern habe, und die Sache zu concertieren. Betreffend 
die Jülichsche Successionssache erklärte er, man würde sich damit conten- 
tieren, wenn nur Kf. und der Pfalzgraf des Königs Prätention agnoscieren und 
versprechen wollten, demselben bei seiner Majorennität pro quota billigmässige 
Satisfaction zu geben. Kf. brauchte dann wenig oder nichts dabei zu thun, son- 
dern der Pfalzgraf hatte es über sich zu nehmen. 



») Vgl. Mem. de Poinponne II. S. 2ü4ff. 



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Verbandlungen mit Frankreich wegen der polnischen Sache. ]S7 

Der KarfUrst an v. Crockow. D. Cöln 28. Nov./[8. Dec] 

1666. 

[auf die Relation vom 7. November. Kf. will in Paris die nuthigen EröfTnungen 
machen lassen, sich mit Schweden wegen der Jiilicbschen Sache vergleichen. Sendung 

V. Brandts nach London.] 

Kf. hat mit Freuden vernommen, dass Schweden mit Frankreich über 8. Dec. 
die polnische Sache offenherzig communicieren will, er will desgleichen thun 
und damit den in Paris sich aufhaltenden Sohn des Oberpräsidenten v. Schwe- 
rin*) beauftragen. Cr. soll erinnern, dass der Feldherr dieser Sache halber 
ausführliche Ordre erhalte, damit Kf. mit demselben sich bereden und auf einen 
oder anderen Fall die erforderliche Resolution fassen könne. In dem Jülich- 
sehen Vergleich sind des Königs und aller anderen Prätendenten Rechte so 
reserviert, dass ihm desfalls nicht das geringste zu reprochieren ist, doch ist 
Kf. wegen Erhaltung und Befestigung der Freundschaft nicht abgeneigt, sich 
deswegen mit dem Könige nach der Billigkeit zu vergleichen. Cr. soll sich er- 
kundigen, wohin man dort ziele und wie man meine, dass der Vergleich so zu 
machen stünde, dass Kf. dabei wenig oder nichts thäte und Pfalz-Neuburg 
alles über sich nehme. 

P. S. Cr. soll im Vertrauen mittheilen, Kf. sei zu Ohren gekommen 3), die 
zu London anwesenden schwedischen Minister suchten von ihm und seinen con- 
siliis allerhand ungleiche impressiones dem Könige und den englischen Ministern 
beizubringen; Kf. hätte v. Brandt nur zu dem Zweck dorthin abgeschickt, 
um den Frieden zwischen England und den Staaten zu befordern, es möchte 
den dortigen schwedischen Ministern anbefohlen werden, denselben in seiner 
Negotiation zu unterstützen. 

L. G. V. Crockow an den Kurfürsten. D. Stockholm 
12./[22.] December 1666. 

[Erbitterung in Schweden über den Frieden mit Bremen.] 

— Und ist zwar an dem, dass sie selbigen Frieden'), nachdem sie 22. Dec. 
die gefährliche Conjunctur und das Ungewitter, welches sich wider sie 
zusammenzog, gesehen, gar sehr gewünschet und verlanget, anitzo aber 
lassen sie gnugsam spüren, dass sie damit nicht sehr satisfait, sondern 
mehr intendiret, als sie erhalten, auch den Frieden gemachet coacti ne- 
cessitate et injuria temporum, welches man keine Difficultät machet^ klar 
heraus zu sagen. Die mir anbefohlene Gratulation ist an denen Orten, 
an welchen ich dieselbe habe ablegen können, zwar mit aller Civilität, 

') S. unten Abschn. VL 

*) S. unten Abschn. V. 

•) Der Friede von Habenhausen vom 15./25. November 1666 8. oben S. 112. 



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188 II- I^^r brenuscbe Krieg, die Quadmpelaliianz und die engere Vereinigung etc. 

aber dennoch gar kaUsinnig aufgenommen. Der Luneburgische Abge- 
sandter, welcher seine Ordre eher als ich bekommen und also die Gluck- 
wünschung überall abgoleget, hat solches ebenmässig befunden, wie er 
dann mit dem U. R. Kanzler eine Conferenz gehabt, bei welcher gar harte 
Worte und Menacen (ich weiss nicht cui bono) fürgefallen. Weil ich 
aber die Leute alhie einigermaassen kenne und aus der Erfahrung, son- 
derlich aber dem Exempel des dänischen Residenten erlernet, dass der- 
gleichen emportements nur ex fervore animi herrühren, mache ich so 
grosse Reflexion nicht darauf. Gott erhalte nur im Reich, sonderlich in 
der Nachbarschaft gute Einigkeit, sollte aber, da Gott vor bewahre, im 
R. Reich eine Zerrüttung geschehen und die Nachbaren sonst occupiret 
werden, würden sie gcwisslich nicht allein mit Bremen wieder anfangen, 
besondern auch an dem Hause Lüneburg sich zu rächen suchen, dann 
die Animosität ist überaus gross. Ew. Ch. Ü. hiebe! geführte Conduite 
haben sie noch bisanhero sowohl gegen mich als andere fremde Ministros 
und jedermänniglich so hoch gerühmet, als sie sich über Hessen-Cassel 
und das Haus Lüneburg beschweret. — 

P. S. Die Ratification des Vergleichs mit Bremen wird verfertiget 
und soll mit ehistem hinausgeschicket werden, die neulich daselbst von 
dem Pövel verübte Insolenzen ') werden zwar in Consideration gezogen, 
aber doch nicht dergestalt, dass dieselbe die Ratification einigermaassen 
hindern könnten. 



Der Kurfürst an v. Crockow. 1). Cöln 15./[25.] December 

1666. 

[Crockows Unterredung mit dem französischen Gesandten. Absendung v. Blumen- 
thals nach Wien. Pfalzncuburgische Gesandtschaft nach Schweden.] 

25. Dec. Wir haben aus Eurer Relation vom 28. Nov. *) mit mehrem ersehen, 

was zwischen euch und dem Französischen Ambassadeur der polni- 
schen Sache halber für Discursen fürgangen. Nun können wir nicht 
wissen, was für Ursach oder auch nur scheinbare Prätexten denen Fran- 
zosen Anlass sollten gegeben haben, in die Gedancken zu gerathen, ob 
sollten wir und Pfaltz- Neuburg mit Ihrer Keys. M. des Polnischen 
negotii halber auch das allergeringste geschlossen, ja nur concertiret 

') Ueber den Speck hanschen Handel s. oben S. 114if. 
^ Dieselbe ist fast ganz in unaufgolösten Ghiffern geschrieben. S. ijber diese 
Unterredung Mem. de Pomponne II S. 297 f. 



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Unzufriedenheit mit dem Habenhausener Frieden. 189 

haben, dann wir mit Bestand der Wahrheit asseriren können, dass wir 
noch bis auf diese Stunde nicht wissen, wohin Ihrer Key. M. Scnti- 
menten in dieser Sache zielen, zu geschweigen, dass wir uns bereits mit 
deroselben eines gewissen scopi halber verglichen haben sollten; der 
Schwedische zu Wien annoch subsistirender Abgeordneter wird nicht 
sagen noch berichten können, dass er das geringste iemahln von solcher 
Handlung vernommen, und ob zwar die Krön Schweden selbst gut ge- 
funden, dass wir uns bemühen sollten, Ihre Key. M. dahin zu bewegen, 
damit sie das bekannte Dessein amplectiren und befordern helfen möchte, 
so haben wir dennoch bis dato angestanden an Ihre Key. M. desfalls 
etwas directo zu bringen, damit wir dadurch zu keinen ungleichen suspi- 
cionibus Anlass geben möchten, bis wir nunmehr einen plausiblen Prä- 
text erlanget, dass wir nacher Wien schicken können — und sein dem- 
nach im Werk begriffen unsern Freih. v. BlumenthaP) erster Tagen 
dorthin abzufertigen, damit er nicht allein Ihrer Key. M. zu dero jüngst 
vollbrachtem Beilager gratuliren, sondern auch, wohin dero Intention in 
dem bekannten Werk gehe, pcnetriren und dadurch dasselbe desto mehr 
befördern möge. 

Cr. soll sich bemühen, solchen Verdacht sowohl dem französischen Am- 
bassadeur al3 auch den schwedischen ministris, im Fall dieselben auch der- 
gleichen Impressiones hätten, zu benehmen; er soll dem ersteren mittheilen, 
dass Kf. seinem Konige dvirch einen seiner Räthe seine Meinung in der polni- 
schen Sache werde offenherzig vorstellen lassen, doch soll er vorher mit dem 
R.Kanzler communicieren und seinen Discnrs so einrichten, wie dieser es gut- 
finden und ihm rathen wird. Der Abgesandte Pfalz-Neuburgs nach Schwe- 
den, G.Wachtmeister Veltbrinken ist schon unterwegs. 



L. G. V. Crockow an den Kurfürsten. D. Stockholm 
23. December 1666/[2. Januar 1667]. 

[Veränderte Haltung der schwedischen Regierung in der polnischen Angelegenheit.] 

Seitdem er hier in der polnischen Sache ein changement, oder vielmehr 2. Jan. 
eine Kaltsinnigkeit verspürt, hat er sich bemüht, die Ursachen dieser Verän- 
derung und die wahre Beschaffenheit ihrer jetzigen Sentimenten zu ergründen. 
Nach Empfang der Rescripte des Kf. vom 25. und 28. November hat er sich 
daher sofort zum R.Kanzler begeben und demselben gesagt, er hätte nun 
vollkommene Ordre, dasjenige zu vollziehen, was vor einiger Zeit von schwedi- 
scher Seite dem Kf. vorgeschlagen worden. Darauf antwortete derselbe, es 

') S. über derisen Gesandtschaft unten Abschn. IV. 



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190 n. Der breroisebe Krieg, die QuadnipelalHanz und die engere Vereiniguiig etc. 

wäre jetzt alia facies rerum, denn 1) Schweden hätte jetzt aus der Sache mit 
Bremen ersehen, wessen es sich von dem Kaiser und dem Reich zu ver- 
lassen. Von Holland und auch von Dänemark hätten sie keine Freundschaft 
zu vermuthen, ebensowenig bezeugte die Respublica in Polen solche, weil alle 
Landboten Ordre gehabt, der Allianz mit Schweden zu widersprechen. Da 
Schweden fast zu keinem seiner Nachbarn sich etwas gutes zu versehen, konnte 
der König Frankreich nicht choquieren, sondern müsste auf seine Sicherheit 
gedenken. 

2) Pfalz-Neuburg negligierte den König und auch Frankreich derge- 
stalt, dass man daraus leicht abnehmen könnte, dass er schon mit dem Kaiser 
geschlossen, und zwar unter Conditioneii, welche Schweden zum Präjudiz ge- 
reichen. 3) Was die Rempublicam in Polen anginge, dürfte vielleicht maxima 
et potior pars dem Hofe adhaerieren, so dass der König nicht Recht und Fug 
haben könnte, die Partei zu nehmen, welche nicht die Rempublicam, sondern 
Secessionem von der Respublica constitnierte. "Wenn also ein französischer König 
debito modo, nämlich durch Election des grössten und vornehmsten Theils zur 
Krone käme, könnte der König sich nicht opponieren. Zudem hätte die Res- 
publica einen so grossen Hass wider Schweden, dass ihre officia daselbst nicht 
viel gelten würden. ^ 

Cr.'s Remonstrationen dagegen (er beklagte sich namentlich darüber, dass 
man jetzt gegenüber allen früheren Versicherungen die Partei des Hofes für 
die Respublica ausgebe) waren vergeblich. Ob er nun wohl aus solchen Dis- 
cursen des Grafen de la Gardie eine gänzliche Veränderung hätte praesa- 
mieren sollen, so ist er doch der Meinung nicht gewesen (da er weiss, dass 
derselbe solche Impetus bisweilen hat, dass er mehr redet als gedenket), er hat 
sich aber gegen BiÖrenklau, seine Kommissarien und andere so gestellt, als 
wenn er es glaubte und deshalb überzeugt wäre, dass man mit dem französi- 
schen Ambassadeur geschlossen. Da sie nun solches leugneten und baten, es 
nicht zu glauben, verlangte er von ihnen Beweise, nämlich dadurch, dass man 
den projectierten Tractat vollzöge und, da sie dem Wort Respublica aequivo- 
cierten, dass man solches in dem Secretartikel clarissimis verbis explicierte und 
zugleich de modo der Assistenz sich vergliche. In einer Conferenz haben sie 
ihm darauf jene Meinung zu benehmen gesucht und ihm nebst sehr hohen 
Contestationen die schriftliche, dem französischen Gesandten übergebene Decla- 
ration*) vorgelesen, welche allerdings ein höflicher refus der französischen 
Forderung ist. Als er dann weiter fragte, ob sie den Tractat mit Kf. vollziehen 
wollten, refusierten sie solches zwar nicht, fragten aber, ob er nicht zufrieden 
wäre, dass man das Project dem französischen Gesandten communiciere, stimm- 
ten auf seine Einwendungen allerdings darin ein, dass der Secretartikel nicht 
mit communiciert werde, und erklärten, so bald sie des französischen Gesandten 
Meinung vernommen, sollte man wieder zusammenkommen. Graf de la Gardie 
hat ihn bei einer zweiten Zusammenkunft versichert, dass mit Frankreich 
nichts geschlossen wäre, wenn Cr. wüsste, was für eine harte Conferenz er am 

I) Vgl. Mem. de Pomponne II. S. 311ff. 



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Veränderte Haltung^ der schwedischen Regierung. 191 

selben Morgen mit dem Ambassadeur gehabt, würde er ganz andere Opinion 
haben, und da er auf das frühere Gespräch verwies, antwortete jener, qu'il 
avoit pris plaisir ä me tourmenter un peu. 

Aus diesem ihrem Comportement und andern Discursen und Con- 
juncturen kann ich anders nicht judiciren, als dass sie zwar sich sehr 
hiiten werden, Frankreich zu choquiren, und also, wo man Frank- 
reich nicht gewinnt, sich auf sie nicht zu verlassen hat, gleichwoll 
glaube ich ganz nicht, dass sie jemaln einen französischen König gern 
in Polen sehen werden, weniger sich, umb denselben zu establiren, in 
einen gerährlichen Krieg engagiren — sondern auf beiden Schultern 
tragen, den König in Frankreich unterdessen flattiren, umb dessen faveur 
und guarantie wieder Holland und Dännemark zu haben, den Ausschlag 
des Reichstages zu Warschau und das Anbringen des Pfalz-Neuburgi- 
sehen Ministri abwarten werden. — Wie weit sich nun auf diese Leute 
bei solcher ihrer Irresolution zu verlassen, stehet dahin, und wäre wohl 
zu wünschen, dass das Rom. Reich, dessen Interesse so hoch dabei ver- 
siret, sich der Sache annehme und durch eine Legation der Republicq 
commendirte, nicht certum quoddam Individuum, sondern welcher ihnen 
von allen teutscher Nation Fürsten am besten anstünde, mit der Ver- 
sicherung, die Rempublicam dabei zu guarantiren. — 



Der Kurfürst an v. Crockow. D. Cöln 6./[16.] Februar 

1667. 

[Unterstützung der Neuburgiscben Anerbietungen.] 

Er ist darüber erfreut, dass noch kein Schluss in der bewussten Ange- IG. Febr. 
legenheit mit Frankreich gemacht ist. Nach Ankunft der Neuburgischen 
Gesandten wird hoffentlich alles besser von statten gehen. Sollten sie merken, 
dass die Handlung durch Offerierung vortheilhafter Conditionen werde befördert 
werden können, und sollte Schweden mehr als 400000 Rthlr., worauf seines 
Wissens die Neuburgischen instruiert sind, fordern, so ist er im Nothfall zu- 
frieden'), dass dieselben noch dazu von den ihm als Aequivalent für Raven- 
stein versprochenen ') 400 000 Rthlrn. die Hälfte oder noch mehr den Schweden 
versprechen, worauf er dann verzichten will. 



') S. Urk. u. Act. XIV. 1, S. 30G. 
=0 S. Urk. u. Act. XI. S. 773. 



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192 II- r)er bremische Krieg, die Quadrupelallianz und die engere Vereinigung etc. 

L. G. V. Crockow an den Kurfürsten. D. Stockholm 
6./[16.] April 1667. 

[Verdächtiges Verhalten der Pfalz-Neuburgischen und Schwedischen. Die verschiedenen 
Mitglieder der schwedischen Regierung.] 

Iß. April. Er hat seit dem 20. März*) eines bösartigen Fiebers wegen nicht berichten 
können. Inzwischen hat Berenklau ihm ein neues von ihm verfasstes Pro- 
ject des Vertrages übergeben und haben die Pfalz-Neuburgischen*), ob- 
wohl er es widerrathen, den schwedischen Kommissaren den zwischen dem Pfalz- 
grafen und Kf. abgeschlossenen Vertrag ') mitgetheilt. Obwohl ihm dieses Ver- 
fahren der Schweden, die ihm davon keine Apertur gethan, befremdlich vor- 
kommt, thut er doch so, als wenn er ganz zufrieden damit wäre. Er fürchtet 
aber, Schweden wird versuchen, den zwischen Pfalz-Neuburg und Kf. aufge- 
richteten Erbvergleich, dessentwegen sie über den Pfalzgrafen sehr ungehalten 
sind, zu durchlöchern. 

Ausser*) dem R.Kanzler und Berenklau communiciert er auch viel 
mit Brahe, der nicht französisch gesinnt ist und grosse Autorität hat. Bonde 
hat ähnliche Maximen, kümmert sich aber nur um seine Kammersachen, ist 
seiner Krankheit wegen an 6 Monate nicht im Rath gewesen und wird seiner 
grossen ünhöflichkeit wegen, und weil man keinen Discurs mit ihm haben kann, 
von fremden Gesandten fast garnicht besucht. Auch der R.Admiral lässt 
sich in keinen Discurs ein und dependiert ganz von seinem Schwager, dem 
R.Kanzler. Dieser hat mehr Autorität als die anderen alle und man wird von 
allen, wenn man mit ihnen redet, an denselben gewiesen, seine Autorität nimmt 
noch immer zu, er ist aber sonst adeo lubricae fidei, dass man sich auf ihn 
garnicht verlassen kann, sein Hochmath nimmt auch mit seinem Glück sehr zu, 
er incliniert sehr und noch mehr als früher zur französischen Partei, der fran- 
zösische Gesandte besucht fast niemand als ihn und hat einen grossen Ascendenten 
über ihn gewonnen. Berenklau ist nichts minder als französisch und hält 
den R.Kanzler zurück. Steno Bielke, welcher grosse Autorität hat, ist 
nun wieder hieher zurückgekehrt, er ist nicht sehr französisch. Bent Hörn 
und Graf Tott haben auch sehr grosse Autorität, dieser ist ganz und gar fran- 
zösisch und hat, wie man sagt, Pension von Frankreich, der R.Kanzler aber 
hat sie propter alias rationes ecartiert. Die meisten unter den anderen sind Pe- 
danei, ausser noch einigen, welche von ihren eigenen Sentimenten dependieren, 
man kann aber auch von jenen, wenn man Occasion hat, sie zu sondieren, 
etwas erfahren. 



') Die vorhergehenden Relationen haben, weil nicht dechiffriert, nicht mitgetheilt 
werden können. 

*) Als Gesandte des Pfalzgrafen waren Anfang März 1667 der Gen. Wachtmeister 
V. Velbrück und der Hofrath D. Ehrmans in Stockholm eingetroffen. 

') Den Vertrag vom 10. .Juni 1666 (Urk. u. Act. XI. S. 748 ff.). 

*) Vgl. die Schilderung Pomponne's in seinen Memoiren (H. S. 62ff.). 



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Verhandl. Schwedens mit Frankreich und den Pfalz-Neuburgischen Gesandten. 193 

L. G. V. Crockow an den Kurfürsten. D. Stockholm 
13./[23.] April 1667. 

[Mittheilnngen ßiomklou^s über die Entschlüsse der schwedischen Re^ernng.] 

Berenk lau hat ihm mitgetheilt, dass*) vor Weihnachten, ehe sich die 23. April. 
Regierung separiert, über die französische Allianz stark deliberiert worden, dass 
die franzosische Partei sehr stark und die Sache in summa crisi gewesen, die 
Gegenpartei aber hätte es dahin gebracht, dass das negotium, hls die Reichs- 
Täthe nach dem Fest sich wieder versammelten, verschoben worden; da wäre 
die Sache reassumiert worden magna contentione und wäre er selbst desshalb 
so perplex und retire gegen ihn gewesen. Es wäre aber nun resolviert, zwar 
zu Erhaltung des Instr. pacis und des Friedens im Rom. Reich mit Frank- 
reich ein näheres Bündnis einzugehen, aber weder wegen des Burgundischen 
Kreises (dazu sonst viele incliniert) und noch weniger wegen Polens mit Frank- 
reich in Allianz zu treten, noch dessen Desseins zu favorisieren. Es wäre zwar 
wegen des ersten Frankreich Hoffnung gegeben worden, so lange die Sache mit 
Bremen gewährt, nun aber werde nichts darin geschehen. Wegen Polen 
gieht er noch grosse Hoffnung für Pfalz-Neuburg, wenn man nur in der 
Jülichschen Sache einig werden konnte, doch wollen sie nicht damit heraus, 
was sie deswegen begehren; die Neubargischen Gesandten haben erklärt, 
dass Schw^eden an Land und Leuten keine Satisfaction zu hoffen habe, dass aber 
Kf. und der Pfalzgraf dem Könige bei seiner Majorennität eine Satisfaction an 
Geld wollten widerfahren lassen. 



L. G. V. Crockow an den Kurfürsten. D. Stockholm 
18. /[28.] Mai 1667. 

[Gninski. Mittheilungen des Reichskanzlers.] 

In der Neuburgischen Angelegenheit') ist noch nichts weiter geschehen, 28. Mai. 
in der Jülichschen verlangen die Schweden Erneuerung der 1610') zu Hall 
in Schwaben dem Hause Zweibrücken angebotenen Reversalen. Am 11. ist 
Basserode*) und am 13. Gninsky*) hier angelangt, letzterer communiciert 



») Vgl. Mem. de Pomponne IL S. 311ff. 

^ Cr. hatte i./ll. Mai den ihm von Biornklou übergebenen, dem früher mit- 
getheilten ganz ähnlichen Vertragsentwurf und die Geheimartikel eingesandt und be- 
richtet, B. sowie der R. Kanzler hätten, letzterer als conditio sine qua non, Erklärung 
wegen der Satisfaction für Jülich gefordert. 

») S. V. Morner S. 46f. 

*) Kaiserlicher Gesandter, s. Mem. de Pomponne II. S. 379; Urk. u. Act. 
XIV. I, S. 302. Kf. beauftragt v. Cr. 16./26. Juli sich, doch behutsam, damit Frank- 
reich keine Jalousie gegeben werde, zu bemühen, dass zwischen dem Kaiser und 
Schweden Freundschaft gestiftet werde. 

*) Polnischer Gesandter, s. Mem. de Pomponne II. S. 390 ff. 

Ilat«r. s. Qesch. d. Q. Kurfürsten. XII. 13 



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194 n. Der bremische Krie^, die Quadrupelallianz und die engere Vereinigang ete. 

fleissig mit dem franzosischeD Gesandten. Cr. gegenüber, der ihn besucht, hat 
er sehr die ihm am Hofe des Kf. widerfahrene Ehre gerühmt, mit seiner Ne- 
gotiation aber scheint er nicht zufrieden zu sein. Nach seinen Aeusseningen 
über das polnische Wahlnegotium zu schliessen, hat der franzosische Gesandte 
ihm das Vertragsproject mitgetheilt und auf das übelste ausgedeutet, und ver- 
sucht durch ihn dieses negotium möglichst zu verhindern. Nach Angabe des 
dänischen Gesandten hat man in Copeuhagen dem Gninsky eine dilatorische 
Antwort gegeben und sich mit dem englischen Kriege entschuldigt. 

P. S. Der R.Kanzler hat ihm heute erzählt, der französische Gesandte 
hätte gestern in einer langen Conferenz sich bemüht, unser negotium zu hinter- 
treiben, und versichert, dass Frankreich jetzt nicht mehr daran dächte, was er 
aber nicht glaubte, femer dass W ränge 1 Ordre erhalten hätte, das Schreiben 
des Kf. wegen des Anbringens Milets') zu beantworten. Er fragte, ob es 
wahr sei, dass die Herzoge von Lüneburg*) sich demselben gegenüber erboten, 
Frankreich nicht nur den Durchzug zu gestatten, sondern auch 4000 Mann zu 
überlassen. 



L. G. V. Crockow an den Kurfürsten. D. Stockholm 
28. Mai/[7. Juni] 1667. 

[Verdächtige Haltung Schwedens.] 

7. Juni. Seit December hat er wenig Hoffiiung gehabt und geglaubt, dass Schweden 

mit den Neuburgischen Gesandten nur tractiere um 1) von denselben die Pacta 
zu erhalten, welche der Pfalzgraf mit Kf. wegen Polens aufgerichtet, 2) von 
Pfalz-Neuburg einen Vergleich in der Jülichschen Sache zu erhalten, durch 
welchen der mit Kf. abgeschlossene durchlöchert würde. Nachdem sie nun in 
dem 1. ihrer Meinung nach ihre Intention erreicht, in dem 2. aber alle Hoff- 
nung verloren, schienen sie es recht zu meinen, ihr jetziges Hinschleppen aber 
ist sehr verdächtig, sie haben keine weitere Conferenz erhalten, auch keinen 
von den Commissarien sprechen können; Berenklau versichert, dass man bei 
der vorigen Intention bleibe, man müsse aber jetzt die Sache anders hantieren, 
nachdem dieselbe in einen anderen Stand gerathen per ultimam constitutiouem 
contra electionem vivente rege. Dieses Tergiversieren wundert ihn um so mehr, 
da jetzt nach dem Tode der polnischen Königin die Schweden selbst glauben, 
dass die französische Faction von sich selbst fallen werde, so dass sie nicht 
mehr zu fürchten brauchen, Frankreich zu offendieren. 



S. unten Abschn. VI. 
2) S. oben S, 150 ff. 



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Verdächtige Haltung Schwedens. 195 

L. G. V. Crockow an den Kurfürsten. D. Stockholm 
30. Mai/[9. Juni] 1667. 

[Gninski. Schwedens Verhältnis zu Frankreich. Schwedens Absichten bei den Ver- 
handlungen wegen der polnischen Sache.] 

Gninsky, dessen Proposition in petitione auxilii gegen die Türken be- 9. Juni, 
standen, hat schon Resolution empfangen und wird heute seine Abschieds- 
aodienz haben. Es verlautet, dass schwedische Völker (2000 zu Fuss und eben- 
soviel zu Pferde) nach Deutschland sollen hinubergeschickt werden. Die Allianz 
mit Frankreich wegen des burgundischen Kreises ist bisher durch Berenklau 
verhindert worden, sollte Frankreich und England sich aber einigen, so 
ist sehr zu fürchten, dass Schweden Partei nehmen wird. 

P.S. Den Pf alz- Neuburgi sehen gegenüber haben die schwedischen 
Kommissare dieselben dubia wie früher gegen ihn wegen des veränderten Za- 
standes in Polen angeführt. Ihre Intention geht nur dahin, einen Tractat mit 
Kf. und Pfalz-Neuburg abzuschliessen pro manutenenda constitutione ultima 
et übertäte electionis contingente legitime casu, daneben wollen sie eine De- 
claration an Pfalz-Neuburg geben, dass sie existente casu electionis niemand als 
den Pfalzgrafen recommendieren wollten; über die Assistenz und den modus 
procedendi wird also nichts näher bestimmt werden. Sie hoffen so existente 
casu neue Tractaten mit Pfalz-Neuburg und alsdann sowohl in der Jüiichschen 
Sache als ratione Poloniae das zu erhalten, was sie jetzt nicht bekommen können. 



Der Kurfürst an v. Crockow. D. Cöln 5./[15.] Juni 1667. 

[ungünstige Nachrichten über die Absichten Schwedens, Ef. verlangt Gewissheit dar- 
über.] 

Von verschiedenen Seiten her wird ihm mitgetheilt, dass Schweden es 15. Juni, 
nicht recht mit ihm meine, sondern ihn nur zu amüsieren und Zeit zu gewinnen 
suche, sonst aber die französischen Desseins zu befördern oder wenigstens nicht 
zu verhindern beabsichtige, namentlich behaupten Millet und Morste in') 
dass es nur in des französischen Königs Macht stehe, Schweden mit in dieses 
Werk zu engagieren. Er hofft, diese Spargimente werden ohne Grund sein, 
Cr. soll aber auf einen Schluss dringen und ausdrücklich erklären, Kf. wolle 
wissen, wonach er seine consilia und mesures in dieser Sache zu nehmen habe. 
Verdächtig kommt ihm auch vor, dass Schweden ohne seinen Vorbewusst den 
ersten Tractat an Frankreich mitgetheilt hat, wodurch auch andere Nachricht 
davon erhalten und Anlass genommen haben, von diesem negotio allerhand 
sinistra jndicia zu fällen. Vor allem soll er sich erkundigen, was man von 
dem Vorhaben des französischen Königs, eine Flotte mit einer Armee in die 
Ostsee zu schicken, meine und ob man derselben den Pass verstatten wolle. 



») S. ürk. u. Act. II. S.441ff.; Mem. de Pomponne II. S. 428f.; unten 
Abscbn. III des Ef. Schreiben an v. Hoverbeck vom 20. Mai/9. Juni 1667. 

13* 



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196 n. Der bremische Krieg, die QuadrupelaUianz und die engere Vereinigung etc. 

L. G. V. Crockow an den Kurfürsten. D. Stockholm 
22. Juni/[2. Juli] 1667. 

[Verwunderung der Schweden über Morsteins Anbringen. Abscbluss des Vertrages.] 

2. Juli. Morsteins Anbringen ist hier am so unvermuthlicher vorgekommen, da 

man fest glaubte, dass die französischen Desseins mit dem Tode der Königin 
gefallen seien, und auch der französische Gesandte versichert hatte, sein König 
werde nisi post mortem regis an Polen nicht mehr denken. Auch die Nach- 
richten des schwedischen Agenten in Warschan lauten durchaus übereinstim- 
mend, so dass man sich hat überzeugen müssen, dass Frankreich trotz der Con- 
stitution, des Todes der Königin und seiner Versicherungen das Werk mit Macht 
poussiere. Auf Aufforderung der Schweden hat er mit den Neuburgischen zu- 
sammen ein Concept des letzten Artikels auf Grundlage der Reversalen von 
1610 abgefasst und auf Vollziehung des Tractats gedrungen, schlies.slich haben 
sie, auch durch den englischen Gesandten ^) gedrängt, ihn gebeten, den Tractat 
aufzusetzen, er hat dieses gethan, sein Concept ist paucissimis mutatis gestern 
angenommen worden und heute soll die Unterschreibuug und Auswechslung des 
Tractats') erfolgen. Weder er noch die Neuburgischen haben gemeint, dass 
es so bald und auf die Manier geschehen würde. 



Der Kurfürst an v. Crockow. D. Cöln 10./[20.] Juli 1667. 

[Genehmigung des Tractats. Bemühungen Frankreichs bei Kf. und Pfalz-Neuburg.] 

20. Juli. Er wird seine Ratification*) des abgeschlossenen Vertrages bald einsenden, 
hofft, auch der andere Tractat mit Pfalz-Neuburg werde zum Abschluss 
kommen. 

Sonsten lassen wir euch gnädigst wissen, dass Frankreich sich 
sehr bemühet, sowoll uns als Pfaltz Neuburgs Ld. an sich zu ziehen, 
wir werden uns woU bestmüglichst fürseheu, dass wir uns nicht zu weit 
engagiren, haben aber ein und ander Ursach, von Pfaltz Neuburg das 
contrarium zu fürchten, wir unterlassen nicht*) Ihre Ld. — zu warnen 
und Ihr zu rathen, dass Sie darin behutsamb gehen und sich weil für- 

») Thin, s. Mem. de Pomponne II. S. 339. 406. 

') Der Vertrag zwischen König Karl XI. von Schweden und Kf. wegeu gemein- 
samen Vorgehens bei der bevorstehenden Erledigung des polnischen Thrones d. Hol- 
miae 22. Juni/[2. JuliJ 1667: Diar. Eur. XVI, Append. S. 3ff.; Londorp IX. 
S. 494f. Inhaltsangabe: Pufendorf X. § 56 (S. 694 f.); v. Mörner S. 314f. Vgl. 
Mem. de Pomponne II. S. 407. 432. 

») Dieselbe ist Cöln 16./[26.] Juli 1667 ausgestellt. 

^) Vgl. das Schreiben des Kf. an den Pfalzgrafen vom 10./20. Juli 1667 unten 
Abschn. III. 



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Vertrag mit Schweden wegen der polnischen Wahl. 197 

sehen möge — es würde aber auch nicht undiensarob sein, wenn Ihr 
ein und anders hievon dem englischen ministro desfalls an die Hand 
gebet, damit derselbe die Neuburgische Gesandten darunter etwas zu- 
reden möchte, weil wir wissen, dass Pfaltz-Neuburg Ld. darauf sonder- 
bare Reflection machen werde; konnte von schwedischen ministris des- 
gleichen geschehen, so wäre es desto besser, jedoch müsstc alles ohn- 
vermerket geschehen, und dass es von euch herkomme, nicht soup9on- 
niret werden. — 



L. G. V. Crockow an den Kurfürsten. D. Stockholm 
20./[30.] Juli 1667. 

[Verhandlungen über die Jälichscbe Angelegenheit.] 

Auf einer Conferenz, welche er samt den nachher dazugekommenen Neu- 30. Juli, 
bnrgischen Gesandten am 10. ipit dem R.Kanzler gehalten, verlangte 
dieser agnitionem juris des Königs auf die Jnlichschen Lande, und als sie dieses 
verweigerten, verlangte er von ihnen einen Revers, dass Kf. und Pfalz-Neu- 
bnrg sich mit dem Könige, nachdem derselbe zur Majorennitat gekommen, auf 
billige Weise vergleichen wollten, brachte aber, als er explicieren wollte, wie 
solche Promesse geschehen sollte, es so confus hervor, dass sie ihn nicht ver- 
stehen konnten, versprach, dann es ihnen schriftlich durch Hir schönstem auf- 
setzen und zukommen zu lassen. Nachher aber hat er im Senat behauptet, 
sie hätten in seinen Vorschlag eingewilligt; er scheint auf diese Weise die wohl 
Intentionierten zu verwirren, die Sache embrouillieren und in Börenklau's 
Abwesenheit abrumpieren zu wollen. Der inzwischep zurückgekehrte Bö ren- 
klau hat vorgestern eine neue Conferenz veranlasst und ihnen die Behauptung 
des Reichskanzlers mitgetheilt, sie haben sich darauf liberrime verantwortet. 
Die Kommissare schlugen darauf vor, die Artikel der Reihe nach zu ajustieren, 
den letzten aber auszusetzen, bis von Habbaeus^) und Wolf frath*) Antwort 
angekommen, sie hofften, Kf. und Ffalz-Neuburg würden hierin dem Könige 
fugen; sie haben ihnen aber geantwortet, das wäre ein ganz vergeblicher Auf- 
enthalt. Heute in einer neuen Conferenz sind sie die Artikel durchgegangen, 
doch ist des letzten nicht gedacht worden. 



') Christian Habbaeus, schwedischer Resident am oberen Rheinstrom. 
*) Schwedischer Resident in Berlin. 



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198 I^< ^61* bremische Krieg, die Quadrupelallianz und die engere Vereinigung etc. 

L. G. V. Crockow an den Kurfürsten. D. Stockholm 
14./[24.] August 1667. 

[Bereitwilligkeit Schwedens zur Prorogierung der Rheinischen Allianz. Verbalten 

Pomponne's.] 

24. Ang. Der kaiserliche Gesandte hat sich sehr bemüht zu verhindern, dass 

Schweden Ordre gebe, die Rheinische Allianz zu prorogieren, trotzdem ist ^ die 
Ordre dazu abgegangen, doch behaupten die schwedischen Minister, nur quoad 
quaestionem an, wegen der quaestio quomodo müsste man sich vergleichen und 
könnte dabei was dem Reich präjudicierlich und dem Instr. pacis zuwider aus- 
gelassen werden. Sie behaupten dazu dadurch veranlasst zu sein, dass des Kf. 
Bevollmächtigter im Allianzrath loco voti erklärt, Kf. wolle sich mit Schweden 
conformieren, da doch sein votum dem Bremischen voranginge, es schiene also, 
als ob man allen ünglimpf non prorogati foederis auf Schweden schieben wolle, 
dem hätten sie zuvorkommen müssen, doch könnte alles bei der quaestio quo- 
modo redressiert werden. 

Der französische Gesandte ist^), nachdem er von dem Abschluss des 
ersten foedns erfahren, damit sehr übel zuMeden gewesen, er behauptet jetzt, 
sein König wolle weder zu Wasser noch zu Lande einen Mann nach Polen 
schicken, er wolle dem polnischen Könige von der Abdication ab- und zur 
Heirath mit der ältesten Tochter Pfalz-Neuburgs zurathen. Der Gesandte pous- 
siert jetzt das vorige Dessein nicht mehr, sondern ist zufrieden, dass er das 
foedus de conjunctione armorum gehindert, wie er ihm haud obscure zu ver- 
stehen gegeben. 



L. G. V. Crockow an den Kurfürsten. D. Stockholm 
28. August/ [7. September] 1667. 

[K. Sächsische Gesandtschaft. Verlängerung der Rheinischen Allianz. Muthmaassliche 

schwedische Absichten.] 

7. Sept. Die Ratification des ersten Tractats ist am 24. ausgewechselt worden. Dass 

der zweite sich zerschlagen'), ist sehr gut, da, wenn er geschlossen, derselbe 

») Vgl. ürk. u. Act. XL S. 474f. Kf. hatte (d. Coln 20./[30.] Juni 1667) v. Cr. 
angewiesen, da Frankreich die Rheinische Allianz auch dahin deuten wolle, dass die 
Alliierten die franzosischen Desseins in den Niederlanden und an anderen Orten zu 
befördern und etwaige kaiserliche Hülfssendungen dorthin zu verhindern schuldig 
seien, sich unter der Hand zu erkundigen, was man in Schweden davon halte, und 
vorzustellen, wie bedenklich es sei, die Allianz zu prorogieren, wozu auch Schweden 
wenig Lust gezeigt habe. 

») S. Mem. de Pomponne IL S. 454ff. 

*) V. Cr. hatte 27. Juli/ [6. August] gemeldet, da Schweden inbetreff des letzten 
Artikels sich nicht eher hätte erklären wollen, bis nähere Nachrichten vonUabbaeus 
und Wolffrath eingelaufen wären, die Pfalz- Neuburgischen aber nicht länger 
hatten warten wollen, so sei man übereingekommen, dass dieser Artikel und der 



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Prorogation der Rheia. Allianz. Abbruch der Verhandl. mit Pfalz-Neuburg. 199 

sicher Frankreich mitgetheilt worden wäre und man, wenn die Sache sich ge- 
fährlich anlassen und es zu einem Kriege kommen sollte, doch ihrer Assistenz 
nicht sicher wäre. Ein Fürst von Holstein*) ist hier in Commission von 
E.Sachsen angelangt, derselbe hat ihm versichert, dass K.Sachsen omnibus 
modis suchen würde, von Frankreich sich zu detachieren und mit dem Kaiser 
and Kf. in fester Freundschaft zu hieiben. Baerenklau meint, wenn auch 
das foedus Rhenanum prorogiert würde, so wurde doch dadurch dem Reich kein 
Präjudiz geschehen, wenn nur die Clausel hineingebracht würde: salvo per om- 
nia Instrumente pacis Westphalicae omnibusque ejusdem articulis et clausulis. 
Sie beschweren sich sehr, dass des Kf. Gesandte in Regensburg alle Schuld 
non prorogati foederis Rhenani auf Schweden haben schieben wollen, geben 
vor, dies sei die einzige Ursache, warum sie in die Prorogation gewilligt hätten. 
Der englische Gesandte bemüht sich auch, Schweden von Frankreich ab 
and auf die Seite Spaniens zu ziehen. Wahrscheinlich wird Schweden die 
günstige Gelegenheit benutzen und vom Kaiser die Stadt Bremen fordern. 
Man hat hier Ombrage von der Sendung Platens*), den die lüneburgi- 
schen Herzoge nach Paris geschickt, und glaubt, dass diese Herzoge die fran- 
zosische Partei nehmen werden. 



L. G. V. Crockow an den Kurfttrsten. D. Stockholm 
14./[24.] September 1667. 

[Bereitwilligkeit Schwedens zum Beitritt zu der Braunschweiger Allianz. Gerücht 
über Annahme des Generalats der Reichsarmee durch Kf.] 

Nach Aussage der schwedischen Minister will Schweden mit in die zu 24. Sept. 
Braunschweig abgeschlossene Allianz') treten und erhält Snoilsky Ordre, 
wegen Prorogierung der Rheinischen Allianz sich mit des Kf. Gesandten zu 
conformieren. Doch hat hier neue Ombrage das Gerücht verursacht, Kf. habe 
das Generalat der Reichsarmee acceptiert, der kaiserliche Gesandte hat ihm 
berichtet, dass sie sich seitdem in den Tractaten sehr kaltsinnig erweisen. 



ganze Tractat bei Wrangel ajustiert werden sollte; 21./[31.] August hatte er dann 
berichtet, man sei übereingekommen, die Articuli secreti sollten vollzogen werden, 
wenn Kf. und der Pfalzgraf sich der Julichschen Succession halber erklärt und man 
darüber einig geworden wäre, Wrangel sollte Ordre erhalten, wenn dieses geschehen, 
super quantitate auxiliorum et modo succurrendi Pacta aufzurichten. Darauf seien 
am 20./30. August die Pfalzneuburgischen abgereist. 

') V.Cr, meldet 9./19. October 1667, der Fürst von Holstein habe ihm die 
Allianz zwischen Schweden und K.Sachsen zugestellt und ihm mitgetheilt, Schwe- 
den sei unzufrieden damit, dass zwischen Kf. und K.Sachsen zu Zinna (s. unten 
Abschn. VI) etwas praeliminäriter verabredet sei, Bielke sollte hingeschickt werden, 
um den etwaigen Tractaten beizuwohnen. Vgl. Auerbach S. 293f. 

») S. Kocher I. S. 545. 

») S. oben S. 157 ff. 



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200 II. Der bremische Krieg, die Quadrupelallianz und die engere Vereinigun«: «tc. 

Der Kurfürst an v. Crockow. D. Cöln an der Spree 
l./[ll.] October 1667. 

[auf die Relation vom 14./24. September. Beitritt Schwedens zur Allianz. Wider- 
legung des Gerüchtes.] 

11. Oct. Schwedens Eintritt in die Braunschwciger Allianz wird ihm sehr lieb sein, 

doch müsste von ihrer Seite deswegen Ouvertüre geschehen. Schweden scheint 
diese Allianz für verdächtig zu halten, als wäre sie ihm zuwider, doch hat der 
schwedische Bevollmächtigte*) an den Verhandlungen Theil genommen. 

Was wegen des kaiserlichen Generalats dort gespreuget ist, solches 
hat ganz keinen Grund und könnet Ihr diejenigen, so hievon Meldung 
thun, deswegen mit Bestände desabusiron. — 



Der Kurfürst an v. Crockow. D. Cöln 23. October/[2. Nov.] 

1667. 

[Verhandlungen mit Holland. Befehl zum Abschluss eines neuen Tractats wegen der 

polnischen Sache.] 

23. Oct. Kf. hat mit den Staaten der Vereinigten Niederlande^) wegen Bei- 

legung der Kriegsunruhe zwischen Frankreich und Spanien unterhandelt 
und es sind im Haag Artikel darüber entworfen und den dortigen schwedi- 
schen und braunschweigischen Gesandten davon Mittheilung gemacht wor- 
den, welche auch erklärt haben, dass ihre Principalen mit dazu zu treten ge- 
neigt sein würden. Er soll mit den Gesandten des Kf. im Haag deswegen 
communicieren und zu penetrieren suchen, was für Sentimente man in Schwe- 
den von diesen Tractaten habe. 

P.S. Er soll heiliegende Schreiben Pfalz-Neuburgs an den König und 
einige Minister übergeben und sich bemühen, dass auch der andere Tractat zur 
Richtigkeit gebracht werde, Kf. hofft, man werde nun mit seiner und des Pfalz- 
grafen Erklärung in der Jülichschen Sache zufrieden sein. Die Adjustierung 
des Tractats ist um so nöthiger, da bei den Einfällen der Tataren und Kosackeu 
die in den pactis angeführte Gefahr täglich eintreten kann. 



L. G. V. Crockow an den Kurfürsten. D. Stockholm 
6./ [16.] November 1667. 

[Der Tractat Schwedens mit K.Sachsen.] 

16. Not. I^^s Project des Tractats zwischen K.Sachsen und Schweden hat er 

durch den kaiserlichen Gesandten, dem der Herzog von Holstein dasselbe 



D. Martin Böckell s. oben S. 162. 
2) S. unten Abschn. VI. 



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Schwedens Beitritt zur Braunschw. Allianz. Mittheil. d. Herzogs v. Holstein. 201 

mitgetheilt, erhalten, derselbe hat ihnen beiden versprochen, nichts ohne ihre 
Billigung zu schliessen. Die Schweden suchen dadurch den Tractat zwischen 
K. Sachsen und Kf. zu hindern und sich beim Kaiser desto considcrabler zu 
machen, sie rühmen sich, das ganze Haus Sachsen mit sich zu bringen. Was 
K.Sachsen dabei gewinnen will, kann er nicht absehen, falls ihm nicht in einem 
Separatartikel Antheil an den Subsidien versprochen sein sollte. 

Die schwedischen Minister fragen ihn auch sehr fleissig, ob Kf. das Gene- 
ralat acceptiert, und ob Kf. mit dem Kaiser geschlossen. 

Der französische Gesandte ^ ist mit Schweden wenig zufrieden, er 
scheint überzeugt, dass man von der jetzigen Regierung keine mascula consilia 
noch vigoureuse Resolutionen zu erwarten habe. 



L. G. V. Crockow an den Kurfürsten. D. Stockholm 
9./[19.] November 1667. 

Auf seine Aufforderung hat der Herzog von Holstein auch ihm das Ver- 19- Nov. 
tragsproject mitgetheilt und ihm zugleich vertraulich eröffnet, Schweden hätte 
versprochen, K.Sachsen von den Subsidien jährlich 100000 Rthlr. abzugeben. 
Er hat ihm darauf freimüthig dargelegt, wie unvortheilhaft und demüthigend 
dieser Vertrag für K.Sachsen sei, das sich dadurch ganz in die Hände von 
Schweden gebe, jener schob die Schuld auf den kaiserlichen Hof, der K. Sachsen 
so gar ausser aller Consideration gelassen und vielfältig degustiert habe, beklagte 
sich auch, dass ihm in der Oldenburgischen Sache') keine Justiz wider- 
fahren sei, erklärte aber endlich, nachdem C. ihm auseinandergesetzt, wie 
wenig Unterstützung er von schw^edischer Seite zu erwarten habe und wie viel 
mehr er durch den Kaiser und dessen Alliierte werde erreichen können, nicht 
schliessen, sondern einen Courier heraussenden und unter diesem Prätext die 
Sache so lange aufhalten zu wollen, bis Kf. die Tractaten mit K.Sachsen vollziehen 
und demselben eine gleiche oder grössere Avantage von dem Kaiser offerieren 
könnte und durch Bas serode 's Negotiation der Schweden Intent mehr zu 
Tage trete. Er rieth, Kf. möchte v. Burckersrode') omni meliori modo ca- 
ressieren, dem K.Sachsen am meisten deferierte, und bat um des Kf. Unter- 
stützung in der Oldenburger Sache. 



') Vgl. Mem. de Pomponne II. S.407. 

2) Vgl. darüber ebendaselbst S. 501 ff., Waitz, Kurze Schleswig- Holsteinscbe 
Landesgescbicbte S. 121 ff. 

*) K. Sächsischer Geheimerrath, s. Heibig, Die diplomatischen Beziehungen Jo- 
hann Georgs II. von Sachsen zu Frankreich (Archiv für die Sächsische Gesch. I. 
S. 294. 298.); Auerbach S. 145. 180. 



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202 n. Der bremische Krieg, die Quadrupelallianz und die engere Vereinigung etc. 

L. G. V. Crockow an den Kurfürsten. D. Stockholm 
16./[26.] November 1667. 

[auf das Rescript Yom 33. October. Unzufriedenheit Schwedens mit den Verhand- 
lungen in Holland. Verhandlungen mit dem Kaiser.] 

26. Nov. Mit den in Holland gepflogenen Tractaten sind die Schweden sehr wenig 

zufrieden, sie glauben, Kf. werde mit Holland, den Herzogen von Lüne- 
burg, Hesen-Cassel und anderen Alliierten eine starke Armee aufstellen 
und das Generalat darüber führen, femer ist ihre Animosität gegen Holland 
auch nach geschlossenem Tractat noch sehr gross. An England, welches 
ihnen 500000 Rthlr. zu zahlen sich verpflichtet hat, sind sie auf das engste 
gebunden, es ist also nur nöthig, auf England zu reflectieren. 

Die Verhandlungen Schwedens mit dem Kaiser verheissen keinen guten 
Ausgang; auch wenn der letztere ihnen Geld zahlt, werden die Schweden nichts 
reelles leisten, sondern suchen neutralitatem et spem mediationis pro beneficio 
zu imputieren et ea ratione Geld zur Subsistenz der Armee zu erhalten, ihre 
Armee zu verstärken und dadurch, wenn Spanien, das Reich und Frankreich 
in Krieg verwickelt, specie mediationis das arbitrium rernm neben England zu 
behalten. 



Der Kurfürst an v. Crockow. D. Cöln a. d. Spree 
29. November /[9. December] 1667. 

[Verhandlungen mit Millet und mit K. Sachsen.] 

9. Dec. Er soll sich bemühen in Erfahrung zu bringen, was in der Verhandlung 

Schwedens mit dem Kaiser und mit K.Sachsen') vorgeht. In der bur- 
gundischen Sache hat Kf. früher mit dem Kaiser und Spanien das Werk 
weiter zu bedenken sich vorgenommen, da er aber von dort her keine bestän- 
dige und wirkliche Erklärung hat erlangen können, vielmehr gesehen, dass man 
auf kaiserlicher und spanischer Seite gleichsam still gesessen und andere dazu 
zu ziehen sich mit grosser Kälte angelegen sein lassen, Holland zu den ver- 
trösteten Subsidien sich nicht verstehen wollen, Spanien aber solche aufzu- 
bringen nicht im Stande oder nicht gewillt, angeblich auch zwischen Frank- 
reich und Holland ein Vertrag zu Frankreichs gunsten abgeschlossen ist 
und auch zwischen Frankreich und Spanien unter der Hand Friedensver- 
handlungen stattfinden, so hat er sich bewogen gefunden, mit dem franzosischen 
Gesandten Millet einen Tractat') verhandeln zu lassen, dass, wenn der König 
von Frankreich seine bi.sherige Negotiatiou in Polen quittieren und seine 
ofFicia für Pfalz-Neuburg anwenden würde, Kf. dagegen sich aus der bur- 



>) Cr. berichtet 12./22. Febr. 1668, der Herzog von Holstein sei gestern, nach- 
dem der Vertrag zwischen Schweden und K. Sachsen geschlossen, abgereist. 

^ S. Mignet, Negociations relatives k la succession d'Espagne II. S. 296 ff. 
und unten Abschn. III und VI. 



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Der Vertrag des Kurforsten mit Frankreich. 203 

gandischen Sache halten und die Rheinische Allianz nach Vergleichung ober 
die Punkte auf 3 Jahre prorogieren wolle. Er hat W ränge 1 und dem schwe- 
dischen Residenten Mittheilung davon gemacht und will auch weiter die ver- 
trauliche Correspondenz mit Schweden unterhalten; auch Cr. soll sich demge- 
mäss dort betragen, auch mit Pomponne in guter Confidenz reden und ver- 
suchen, von ihm Näheres über den Traetat zwischen Frankreich und dem Staat 
zu erfahren. Wegen Absendung der Schreiben an den Konig und an den Senat 
in Polen soll er erinnern und zu erfahren suchen, wesshalb man schwedischer- 
seits damit zurückhalte. Die zwischen Kf. und K. Sachsen angefangene und 
nochmals continuierte Punctation ist nur auf Defension ihrer beiderseitigen 
Lande angesehen, ist aber noch nicht zum Schluss gekommen. 

P. S. Bei der jetzigen Anwesenheit K.Sachsens hat Kf. durch die Sei- 
nigen mit den K. Sächsischen Geh. Käthen auch wegen des Bündnisses, über 
welches der Herzog von Holstein negotiiert haben soll, reden lassen, dieselben 
haben aber davon nicht das geringste wissen wollen und versichert, dass der 
Herzog deswegen nicht beordert sei. 



L. G. V. Crockow an den Kurfürsten. D. Stockholm 
4./[14.] December 1667. 

[Zurückhaltende Aeusserungen des R. Kanzlers über den mit Millet abgeschlossenen 
Vertrag. Mittheilungen des Herzogs von Holstein.] 

Auf seine Bitte, ihm die Sentimente des Königs inbetreff der Verband- 14. Dec. 
lungen des Kf. mit Milet mitzutheilen, hat der R.Kanzler endlich nur er- 
widert, der König billige die Forderung des Kf. wegen Räumung der proussi- 
schen Städte ; weitere Versicherung von Frankreich zu fordern, sei nicht nöthig, 
Bemühungen Frankreichs für Pfalz-Neuburg würden demselben bei den Polen 
nur schädlich sein; betreffend die Prorogation der Rheinischen Allianz könnte 
quaestio an nicht präjudicieren, über die quaestio quomodo könnte er nicht eher 
sich resolvieren, bis er sich mit anderen dabei Interessierten darüber berathen; 
auch über die von Frankreich geforderte Neutralität wollte er sich nicht weiter 
herauslassen. Diese retenue scheint aus dem Milet übergebenen, aber hier 
nicht communicierten Project herzurühren. 

Er hat das schwedische dem kaiserlichen Gesandten übergebene Allianz- 
project durch einen schwedischen Reichsrath zu sehen bekommen, nach dem 
Inhalt desselben und nach den Discursen des R.Kanzlers ist wenig Hoffnung 
auf schwedische Assistenz. 

Nach Mittheilung des Herzogs von Holstein versprechen die Schweden, 
K.Sachsen alle mögliche Avantagen bei dem Kaiser zu verschaffen, dem 
Herzoge selbst, in dem Vertrage mit dem Kaiser diesen zu verpflichten, dem- 
selben zu seinem Rechte wegen der Oldenburgischen Succession zu verhelfen. 



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204 n. Der bremische Krieg, die Quadrupelallianz und die engere Vereinigung etc. 

L. G. V. Crockow an den Kurfürsten. D. Stockholm 
15./[25.] Januar 1668. 

[Erklärungen Pomponne's.] 

25. Jun. Der französische Gesandte hat*) der Konigin vor ihrer Abreise aufs 
Land mitgetheilt, sein König stehe von seinen früheren Intentionen in betreff 
des polnischen Werkes ab und wolle alle möglichen officia für P falz- Neu - 
bürg anwenden, die schwedischen Minister aber glauben nicht, dass er es ernst 
damit meine, sondern dass er nur dieses semblant mache, um Kf. und Pfalz- 
Neu bürg durch diese Hoffnung in sein Interesse zu ziehen. Ihm hat der 
französische Gesandte gesagt, der Kaiser und Spanien hätten von Schweden für 
die nächste Campagne keine Assistenz zu erwarten, womit auch die Aussagen 
der Reichsräthe, mit denen er gesprochen, übereinstimmen. 



L. G. V. Crockow an den Kurfürsten. D. Stockholm 
5./[15.] Februar 1668. 

[Sendung £hrman's zu neuen Verhandlungen. Abschätziges Urtheil über den Nutzen 

eines neuen Vertrages.] 

15. Febr. Graf D oh na') hat den im Haag geschlossenen Tractat nicht mit unter- 

schrieben, sondern nur Schweden einen Platz miteinzutreten vorbehalten. Hier 
ist H. E h r m a n s wegen Pfalz-Neuburg angekommen, um den hier projectierten 
Vertrag, falls Schweden mit dem von Habbaeus gemachten Project des letzten 
Artikels zufrieden sei, zu vollziehen. Der Tractat wird nicht viel nützen, da 
Schweden sich der Sache nicht mit Ernst annnehmen und das negotium abdicationis 
eher hindern als befördern wird, da, falls die Sache succediert, es keinen Theil 
an dem merito haben würde. Er fürchtet, wenn der Tractat in Polen bekannt 
werden sollte, dass er dann wieder grosse suspiciones erregen würde, Ehr- 
mans scheint auch mehr zu dem Zweck hieher geschickt zu sein, um diesen 
Hof bei Glimpf zu erhalten, damit derselbe sich nicht beschweren könne, ne- 
gligiert zu sein, als dass Pfalz-Neu bürg ein grosses Vertrauen auf Schwe- 
den setzen sollte. 

L. G. V. Crockow an den Kurfürsten. D. Stockholm 
4./ [14] März 1668. 

[Bericht über eine abgehaltene Conferenz.] 

14. März. Am 2. hat eine Conferenz mit Ehr maus und ihm stattgefunden, auf die 

Erklärung der schwedischen Kommissare hin, dass der König entschlossen sei, 
den Tractat zu vollziehen, und es nur an dem letzten Artikel hafte, über- 

S. Mem. de Pomponne II. S. 493. 

2) S. Carlson, Gesch. Schwedens IV. S. 506f.; Mem. de Pomponne IL S.514f. 



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Neue Verbandlungen mit Kf. u. Pfalz-Neuburg. 205 

gaben sie das zwischen Kf. und Pfalz-Neuburg vereinbarte Project. Als er dar- 
auf bat, die schwedischen Kommissare möchten sich herauslassen über die 
Mittel, welche man in Polen zur Durchführung des Werks anzuwenden habe, 
erklärten jene, darüber Hesse sich nichts gewisses statuieren, bevor man sehe, 
wie es mit dem Reichstag abgelaufen, der sich dem Verlaut nach zerschlagen 
haben solle, Beziers müsse abgerufen werden, das wäre unicum medium pa- 
cificandae Poloniae, femer müsste man vorläufig das Werk ruhen lassen und 
nicht den Polen durch eine Recommendation Ombrage geben. 



L. G. V. Crockow an den Kurfürsten. D. Stockholm 
ll./[21.]März 1668. 

[Bemühungen Pomponne's. Neue schwedische Absichten auf Bremen.} 

Der R. Kanzler wird heute hier erwartet, es wird nun also wohP) eine 21. Mürz. 
EntSchliessung über die Miteintretung in die Haagische Allianz gefasst werden. 
Der französische Gesandte ist sehr thätig, er sagt, er werde Explication des 
Haagischen Tractats fordern, und glaubt, Schweden werde nicht so bald völlig 
in denselben eintreten, sondern abwarten, was die Gesandten von Holland und 
England in Frankreich ausrichten werden, und, wenn Friede zu hoffen, Frank- 
reich nicht choquieren. Aus dem Discurs des englischen Gesandten ist zu 
ersehen, dass Graf Dohna bei dem Könige von England um Intercession 
beim Kaiser, dass derselbe Schweden wegen Bremen favorisieren möge, an- 
gehalten und dass derselbe dieses versprochen, weshalb Bremen auf seiner 
Hut zu sein hat und die Herzoge von Lüneburg in ihren Tractaten mit dem 
Kaiser es zu praecavieren haben. Die Schweden bilden dem kaiserlichen und 
englischen Gesandten ein, dass Kf. ganz mit Frankreich verknüpft sei und 
secretos articulos gemacht habe, nach denen er Geld von Frankreich erhalte. 



L. G. V. Crockow an den Kurfürsten. D. Stockholm 

17./ [27.] März 1668. 

[Günstiger Stand der Verhandlungen über die polnische Sache. Französischer Vor- 
schlag zur Verhinderung der Wahl des Moskowiters.] 

Der R.Kanzler, bei dem er und die Neuburgischen Audienz gehabt, zeigt 27. März, 
sich in der polnischen Sache sehr günstig gestimmt, eine Conferenz ist in der- 
selben gehalten worden, in welcher die schwedischen Kommissare von ihrer 
früheren Forderung abgestanden sind, aber andere erhoben, welche sie nur ad 
referendum angenommen haben. Wegen des Haagischen Tractats ist noch 
keine Resolution gefasst worden, der R.Kanzler aber hat sich mit grosser 

') Ueber die damaligen Zerwürfnisse innerhalb der schwedischen Regentschaft, 
über welche auch v. Crockows Berichte zahlreiche Mittheilungen enthalten, s. Carl- 
son IV. S. 495ff.; M^m. de Pomponne II. S. 474ff. 



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206 H. Der bremische Krieg, die Qoadrupelallianz und die engere Vereinigung etc. 

Verachtung über die Ligue geäussert und des Kf. consilia gebilligt. Der fran- 
zosische Gesandte hat ihm mitgetheilt, Milet hätte ihm geschrieben, sein 
König wäre geneigt, mit Kf., Schweden und selbst dem Kaiser ad exclu- 
dendum Moscum in eine Ligue zu treten'), doch wäre es rathsam, die Sache 
so zu menagieren, dass Schweden, dem am meisten daran gelegen, damit den 
Anfang mache. 



L. G. V. Crockow an den Kurfürsten. D. Stockholm 

18. /[2a] April 1668. 

[Beitritt Schwedens zur Tripelallianz. Misstrauen gegen des Kf. Vertrag mit Frank- 
reich.] , 

28. April. Am 14. ist nach vielen Delibcrationen im Reichsrath beschlossen worden, 

in die Haagische Allianz miteinzutreten*), der R.Kanzler hat zwar etwas 
opponiert, es aber doch geschehen lassen, man scheint auch den Tractat mit 
dem Kaiser vollziehen zu wollen. Mit des Kf. Vertrag mit Frankreich') 
sind sie noch übler zufrieden, seitdem sie kürzlich eine Copie desselben aus 
England erhalten, sie meinen, Kf. habe sich nicht nur in geheimen Artikeln 
Gelder von Frankreich, sondern auch grosse Vortheile in Preussen stipuliert, 
und habe nebst England secrete Intelligenz mit Frankreich gegen Schweden. 
Auch haben sie Nachricht, dass Kf. von Pfalz-Neuburg Ravenstein bekommen, 
welches ebenfalls nicht angenehm ist. Viele behaupten, Frankreich meine 
es mit Pfalz-Neu bürg nicht ehrlich. 



L. G. V. Crockow an den Kurfürsten. D. Stockholm 
25. April/ [5. Mai] 1668. 

[Abwartende Haltung Schwedens. Voraussichtlich baldiger Abscbluss des Tractats.] 

5. Mai. Es werden hier noch keine Anstalten gemacht, die Truppen überzuschiffen, 

man scheint auf den Reichstag, den Schluss der Tractaten und die Auszahlung der 
Geider zu warten, so dass die schwedischen Truppen in dieser Campagne nicht 
grossen Effect werden thun können. Schweden soll 12 000 M. (7000 z. F., 
5000 z. R.) stellen und dafür monatlich 60000 Rthlr. erhalten. Es ist aber 
zu fürchten, dass ihre Absicht mehr sei, im Reich gegen die Anhänger Frank- 
reichs als in Nioderland zu agieren, wozu die Zwistigkeiten des Bischofs von 

') Kf. hatte schon (d. Coln a. d. Spree 19./[29.] Januar 1668) v. Cr. angewiesen, 
in Schweden zu versichern, dass er angesichts der eifrigen Bemühungen des Zaren, 
seinem Sohne die polnische Krone zu verschaffen (s. unten Abschn. III), dem nach 
Möglichkeit entgegenwirken werde, und Schweden aufzufordern, ihn dabei zu unter- 
stützen. 

2) S. Carlson IV. S. 508; Mem. de Pomponne II. S. 535ff. 

3 S. oben S. 202. 



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Schweden o. die Tripelallianz. Abschluss d. Vertrages mit Kf. u. Pfalz-Neuburg. 207 

Münster^) mit den Lfinebargischen Herzogen und K.C 51 n Occasion geben 
könnten, wenn diese nicht zeitig beigelegt und im Westfölischen Kreise eine gute 
Verfassung gemacht wird. Des Reichskanzlers Decadence ist offenbar, Steno 
Bielke und Biörenklau regieren die Krone und von ihnen sind festere Ent- 
schlüsse zu erwarten. Von den Schweden und den Pfalz-Neuburgischen Gesandten 
wird der polnische Tractat sehr poussiert, so dass vermuthlich künftige Woche 
derselbe zum Abschluss kommen wird. 



L. G. V. Crockow an den Kurfllrsten. D. Stockholm 
5./ [15.] Mai 1668. 

[Unzufriedenheit Schwedens mit dem Abschluss des Aachener Friedens.] 

Die unerwartete Nachricht vom Frieden') hat hier wenig Freude verur- 15. Mai. 
sacht, da man durch die Resolution, in das Bündnis gegen Frankreich mit ein- 
zutreten, den König von Frankreich sehr choquiert hat und, wenn nun durch 
den Frieden die Ligue aufgehoben würde, auf der anderen Seite keinen festen 
Rücken hat Man spricht hier von neuen kriegerischen Absichten Frankreichs 
gegen das Reich oder Holland, behauptet auch gegen ihn und den Pfalz-Neu- 
burgischen Gesandten, dasselbe wolle nun seine Absichten in Polen und zwar 
im Einverständnis mit Kf. durchführen. Um so mehr dringen die Schweden in 
den kaiserlichen Gesandten, um diesen zum Abschluss zu bewegen. 



L. G. V. Crockow an den Kurfllrsten. D. Stockholm 
6./[16.] Mai 1668. 

[Abschluss det Vertrages.] 

Auf das Drängen der schwedischen Kommissare und des Pfalz-Neuburgi- 16. Mai. 
sehen Gesandten hat er nicht länger zögern können, so ist heute der Vertrag') 
abgeschlossen worden; der Artikel wegen der Jülichschen Sache ist nach des 
Kf. Befehl eingerichtet, die Form des foedus ist beibehalten, aber alles, was 
die Polen choquieren könnte, ausgelassen oder geändert worden. 



S. Tficking, Geschichte des Stifts Münster unter Christoph Bemard von 
Galen S. 152 f. 

*) Der Friede zu Aachen vom 2. Mai 1668. 

') Cr. übersendet denselben am 9./19. und meldet zugleich, dass am 8./18. auch 
der Vertrag Schwedens mit dem Kaiser (s. Carl so n IV. S. 509; Mem. de Pom- 
pe nne II. S. 547 ff.) zustande gekommen sei. 



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208 II* I^^r bremische Krieg, die Quadrnpelallianz und die engere Vereinigung etc. 

Vertrag zwischen König Karl XI. von Schweden, Knrfürst 

Friedrich Wilhelm von Brandenburg und Pfalzgraf Philipp 

Wilhelm von Nenburg. D. Holmiae 6./[16.] Mai 16680- 

IG. Mai. Notum testatumque sit omnibus et singulis, qaorum interest aut quomodo- 

libet interesse poterit, quod cum Serenissimus et Potentissimus Rex Sueciae 
et Serenissimus Elector Brandenburg! cus die 22. Junii Anno praeterito inter 
sc foedns iniverint de communicandis consiliis et praestandis mutuis officiis pro 
quiete et tranquillitate Reipubl. Polonae, cum primis ut, si Serenissimus et Po- 
tentissimus modernus Rex Poloniae sustineat, vel eventualem Successorem sibi 
eligi, vel alias Sceptro se plane abdicare, aut S.« Reg.™ Maj.*«™ per voluntatem 
Dei inevitabilem in fata concedere contingat, tum S.» Reg.» Maj.**8 Sueciae et Ser. 
S.» Electoralis consilia invicem et operam sociarent, quo eligi possit talis Prin- 
ceps in Poloniae Regem, qui cum ipsis Polonis et Lithuanis, tum vicinis Po- 
testatibus sit gratus et acceptus, et utrique foederato negotio hoc feliciter con- 
cluso Serenissimus Princeps ac Dominus Dn. Philippus Wilhelmus, Coraos 
Palatinus ad Rhenum, Bavariae, Juliae, Cliviae ac Montium Dux, per Deputatam 
suum Ministrum pluribus ostenderit, Serenitatem S.«™ cum per gratissimam 
Jagellonicae domus, utpote cni per affinitatem ex Matrimonio cum Regis Poloniae 
dudum defuncti Sigismundi III«> filia contractam Ser.t«« S.* innexa fuit, me- 
moriam generosis Polonorum pectoribus tam alte infixam, tum etiam per re- 
commendationem eam, quam testamento suo Rex üladislaus IV. pro alteme- 
morato Principe Palatino Neoburgico sibi in Regem surrogando inseruisse dici- 
tur, nee non per biennalem suam in Polonia praesentiam ingentem apud Polonos 
adeptum esse favorem et benevolentiam spemque exinde Seren.** S.«« affulgere 
de perquam multonim ex Nobilium ordine inclinatione ad Ser.™ Suam in Thro- 
num Regium evehendam, si modo Rex modernus adhuc vivus vel Successorem 
eventualem sibi eligi pateretur vel plane Sceptrum deponere constitueret, vel, 
quod Dens longo adhuc tempore avertat, in fata concederet, decenter a S.* Reg.* 
M.te et SerM S.» Elect.* simul requirens, ut quovis ex praememoratis tribus 
casibus emergente Procorum et Nobilitatis Poloniae et Lithuaniae propensioni 
jungerentur Regius et Electoralis favor, benevolentia et commendatio, quo prae- 
primis apud Polonos et Lithuanos tum et alios Christianos Principes, Poloniae 
et Lithuaniae sive vicinos sive alia ratione utrique genti propitios, major Ser,**» 
S.»e intentioni concilietur successus, ideo S.* Reg.» Maj.*»« et Ser.*»» S.» Elect^»» 
impensius considerantes tam foederis inter se erecti conditiones quam requisita 
ejus, qui illo Sceptro digne et cum gentis utriusque Polonae et Lithuanae suf- 
fragiis potiri potest, in omnibus quadrare personae, conditioni et qualitatibus 
Ser. S.»« Neoburgicae, in desiderium dictae Ser."« S.»« (quod scilicet ab utroque 
foederato in Candidatum Coronae Polonicae commendari velit) consenserunt, 
constitueruntque utrinque Commissarios plenipotentiarios , Nimirum S.» Reg.» 
Maj.ta« Sueciae Nos suos Commissarios utpote Me Suae Reg.»« Maj.*»« Regniquc 

») Inhaltsangabe: Pufendorf X. § 57 (S. 695), v. Morner S. 328ff. 



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Vertrag zwischen Schweden, Kf. u. Pfalz-Neuburg wegen d. poln. Konigswahl. 209 

Saeciae Senatoren! et Cancellariae Consiliarium Steno Bielcken, Liberum 
Baronem in Korpo, Dominam in Gerdeholm, Grösoen et Tänga, et Me S.*« 
Reg.*« Maj.ä« Regnique Sneciae Senatorem et Cancellariae Consiliarium Mat- 
thiam Biorneklon, Haereditarium Dominum in Elmahoif, Wannestad et 
Kungshambn, ut et Me S.»« Reg.»« Maj.«» Cancellarium Aulicum Joannem Gyl- 
lenstierna, Liberum Baronem in Lundholm, Dominum in Steckö et Biorrke- 
sund, et Me S.»™« Reg.«™» Maj.*»™ Serenissimi Regis et Serenissimae Reginae 
a consiliis Aulicis et secretioribus Stephanum Gambrotium Hirschen- 
stierna nee non Me S.*« Rm Maj.^* Secretarium Status Franciscnm Joel 
Örnsted, Haereditarium in Schottorp et Hoffgarden, et Ser.»«« S.* Electw« snum 
Consiliarium Status, Generosum et Nobilissimnm Dominum Laurent! um Ge- 
orgium de Krockou, Haeredit-arium in Peest, Palow et Poltzin, et Ser.^ 
S.« Palatina-Neoburgica suum secretioris Consilii, Cancellariae et Camerae ratio- 
nnm Consiliarium Generosum ac Clarissimum Dominum Tilmannam Ehr- 
mans J. U. Doct. plena potestate ad calcem hujus Tractatus adjecta munitos 
deputarnnt, qui congressi post habitas diversas consnltationes tandem in sequentes 
convenimns Articulos: 

I. Qnemadmodum S.» Reg.* Maj.»" Sveciae et Ser.**» S.« Elect."« Branden- 
burgica in foedere inter se die 22. Junii anni elapsi erecto Art.« 5^ requisita 
quidem Candidati a se in Polonia proponendi enumerarnnt, non tamen nomen 
ejus expresserunt, ita ex quo jam mutuo consensu Ser.n> Principem Palatino- 
Neoburgicum pro Candidato ad Coronam Polonlae decenter commendando ac- 
ceptarunt, vigore hujus conventiouis declarant et se iilvicem mutua obligatione 
obstringunt, quod scilicet pro dicta S.« Ser.t« Neoburgica in Regem Poloniae 
eligenda omnia, quae huic fini promovendo excogitari et effectni dari possint, 
libertati Reipubl. convenientia officia utrinque impenderc, quodque nulli alit 
Candidato ullo modo operam suam addicere aut pro illo in Regem evehendo 
laborare, sed hoc unum apud Senatores et Cives Reipubl. Polonae agere velint, 
ut Ser.™n« Princeps Palatino-Neoburgicus intentione et voto suo potiatur. 

II. Vicissim Ser. S.* Palatino -Neoburgica promittit et spendet, quod, 
com focdus inter S.™ Reg."» Maj.« Sveciae et Suam Ser.™ Elect. Brandenb. die 
22. Junii A« 1667 hie Stockholmiae erectum in authentica forma et integrum 
Ser.t*« S." Palatino -Neoburgicae Deputate Plenipotentiario sit communicatnm 
facnltasque id perpendendi etiam sit data, ideo vigore hujus conventionis omnes 
dicti foederis articulos, tam quo ad scopum illi propositum, nempe salutem et 
qaietem Poloniae promovendam, quam quo ad Reipubl. antiquum et genuinum 
statnm, ut et Ordinum Poloniae et Lithnaniae jura, libertates et consuetudines 
aiiaque cumprimis in hoc electionis negotio observanda acceptet et consequenter 
velit in eodem per omnia ita se gerere, ac si una cum S.» Reg.* Maj> et Ser.t« 
S.* Elect.M Brandenburgica saepe dicto foederi ipsa subscripsisset, et idem pro- 
pria manu et ratificatione roborasset. 

III. Et licet Foederati nullatenus in animo habeant, vivente modemo Rege 
negotium Electionis invito Rege et Repuhlica ullo modo movere, si tamen di- 
ctum negotium Electionis aut in praesens aut deinceps quovis tempore et quidem 
cum Ser. Regis Poloniae et Reipubl. voluntate et assensu succedat, foederati 

Mater, s. Geteh. d. G. Kurfürsten. XII. 14 



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210 II- I^or bremieche Krieg, die Quadrupelallianz und die engere Vereinigung etc. 

etiam saluti Poloniae dictaeque soae intentioni omni meliori modo invigilabant 
et quidem hoc casa sive nunc sive imposterom existente S.» Reg. Mig. Sveciae 
et Ser. Elect. Brandenb. praehabito inter se commani consilio per Ablegatos et 
Ministros saos conjancta opera cumprimis S.»« Reg. Maj.^ tum etiam Reipubl. 
Ordinibus et Statibus Regni sive in Comitiis sive extra Comitia personam Ser.t*« 
Suae Palatino-Neobai^cae omnibus idoneis officiis commendare et gratam acce- 
ptabilemque reddere allaborabunt. 

IV. Comprimis vero curae cordique erit Ser."»® Principi Neoburgico, ut 
dum S.» Reg. Maj.*« Sveciae et Ser.**« S.» Elect."« Brandenburgica juxta foederis 
inter se initi praescriptnm et proxime praecedentem Articulum causam Principis 
Neoburgici commendant, ipse non solum apud Imperatorem, Regem Christianissi« 
mum, Regem Poloniae et Imperii Electores et Principes Regno Poloniae vici- 
niores, sed in ipsa etiam Polonia et Lithuania apud Senatores et Nobilitatem 
rernm suarum satagat, animosque Interessatorum quorumcunque in sui et Domus 
Suae respective favorem et amorem quoad fieri potest disponere aliaboret. 

y. Et cum multum facere possit ad scopum Ser.mi Principis Palatino-Neo- 
burgici facilins obtinendum, ut libera fiat electio et Ordines Regni Poloniae se- 
curitate Eligendi gaudeant, ideo S.« Reg.» Maj>« Sveciae, Ser.*" S.« Elect. et 
Ser.*«» S.» Neoburgica, quantum in ipsis erit, in tempore conjunctim cum Re- 
publica laborabnnt, ut omnia impedimenta, quae ab exteris in praejudicium li- 
berae electionis injici poterunt, e medio tollantur. 

VI. Quod si in futura Regis Poloniae electione Ser."«» Palatino-Neobur- 
gicus secundum leges et Regni constitutiones legitime a potiori Reipubl. parte ^ 
eligatur et tum externa aliqua potestas in praejudicium liberae et secundum 
constitutiones Regni legitime factae Electionis contra Ser." Principem Neoburgi- 
cum arma consiliaque sociaverit, in eum casum S.« Reg. May. Sveciae et Ser.*» 
S.« Elect.iis Brandenburgica promittunt se volle dictae Reipubl. parti, quae pro 
Principe Neoburgico stat, et auxilia simul a S.« Reg.« M.*« et Ser.*« S.« Elect» 
decenter requirit, suppetias ferro, eo modo et ratione, prout imposterum con- 
venietur. 

VII. Quod si Ser.mot Princeps Palatino -Neoburgicus Dei Providentia ad 
Regiam in Polonia dignitatem evehatnr, tum vigore hujns conventionis promittit, 
se velle sancte et religiöse primum servare pacta, quae inter S."^ Reg.™ Maj.*«°> 
Sveciae, Ser.««™ modernum Poloniae Regem et Rempublicam et Ser.«™ S.«™ 

Elector. Brandenburgicam Olivis die 23/3 M. J^ ./ erecta sunt quaeque inde 

dependent, deinde protectione sua complecti cum integres Coetus, tum omnes 
et singulos Nobiles Cives, incolas et Snbditos, qui in Regno Poloniae et Magno 
Ducatn Lithuaniae iisqne annexis quibuscumque Provinciis et terris dissidentes 
a Catholica Romana Religione, et in bis qui Augustanae Confessioni addicti re- 
periuntur, quantumqne in ipso erit curaturus, ut dictl Augustanae Confessionis 
Consortes suis sacris et quibuscunque personis et rebus ad sacra pertinentibus 
secundum leges et Constitutiones Regni Poloniae et cujusque loci privilegia, ut 
et secundum supradicta pacta pacificatoria Olivensia sine iilla impetitione quiete 
et omni meliori modo, quo hactenus gavisi sunt aut jure gaudere debent, im- 



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Vertrag zwischen Schweden, Kf. u. Pfalz-Nenburg wegen d. poln. Konigswahl. 211 

posternm gaadere possint, non admissis nee attentis contra hnjns Articali clan- 
sulas et earam yaliditatem ullis sive dispensationibus sive absolutionibas sive 
aliis, qaae unquam sob qnocunqne praetextu excogitari poternnt, qaibuscanque 
£cclesiasiici8 et saecularibus exemptionibus et protestationibns. 

VIII. Cum etiam evenire posset, ut non ipsa S.» Ser.«« Palatino-Neobnr- 
gica sed unas ex ejnsdem filiis in Regem vel Snccessorem Regni Poloniae eli- 
geretur, conventüm est, qnod ea, qnae de S." Ser.**« Palatino-Neoburgicae recom- 
mendatione in praemissis articnlis disposita sunt, etiam hoc casu, si talis Electio 
fieret, qnoad omnia et singula pnncta obtinere et firmiter servari debeant. 

IX. Et cum nomine S.« Reg." M.«« variis vicibus postulatum fuerit, ut 
eidem ratione praetensionis suae iu terras Juliacenses et Clivenses, quam 
S.« Reg.« Maj.tM legitimam esse praetendit, hoc tractatu condigne satisfieret, 
Sereniss.ornm Principum Electoris Brandenburgici et Palatino-Neoburgici Depu- 
tati Plenipotentiarii hac in re ad demonstrandam Principum Suornm promptitu- 
dinem et singularem propensionem eorundem nomine hoc articulo non modo 
expresse declarant, quod per transactionem inter Ser.«» Principes Electorem Bran- 
denburgicnm et Palatino-Neoburgicnm ratione terrarum Juliacensium Nona Sep- 
tembris 1666 initam Juribus Domus Bipontinae (exceptis üs, qui ex Domo 
Bipontina per particularem transactionem juri suo renunciarunt) et consequenter 
S.»« Reg.»« M{y."«Sveciae Eiusdemque patrui Seren."* Principis Adolphi Jo- 
annis, uti ex domo Bipontina descendentium, tam in possessorio quam in pe- 
titorio, aliove quovis excogitabili modo, vel in minimo praejudicatum non sit, 
sed etiam quod praedictae S.»« Ser.*«« S.*^ Reg.»« Maj.'»« ejusdemque Domini Pa- 
trui Jus praetensum in praedictas Juliacenses eisdemque cohaerentes terras, talo 
scilicet, quäle hactenus et a primis hujus controversiae initiis id vel fuit, vel 
imposterum esse poterit, uti ab una parte, in aliquod jurium, sive Brandenbur- 
gensium sive Neoburgicorum praejudicium non adanctum neque alteratam, ita 
neqne ab altera in dispendium Juris Domus Bipontinae (exceptis iis qui ex 
Domo Bipontina per particularem transactionem juri suo renuntiarunt) et conse- 
quenter S.«« Reg.«» M.ti«Sveciae Ejusdemque Patrui Sereniss.* Principis Adolphi 
Joannis, uti ex Domo Bipontina descendentium, nlla sui parte diminutam aut 
infirmatum, eo quo par est modo, vigore hujus declarationis robori suo, cui 
illud inititur, intemeratum plane relinquant, ea etiam mente, ut cum ipsamet 
S. Reg. Maj.*« Sveciae ad maturiores aniios perveniente de aequa S.»« Maj.**« 
satisfactione et tractare et, si fieri potest, convenire velint; Quamsi cum bono 
Deo eo res tunc dedacta fuerit, amicam transactionem non modo S» Reg. Maj.«« 
sed et saepius dictae S.»' Ser.*«« aequis et juri Suae Maj.t*» Ejusdemque Domini 
Patrui congruis conditionibus terminari atque adimpleri utrinque curabunt. 
Qnodsi vero istiusmodi transactio cum S.» Reg.» Maj.V» tum temporis praeter 
spem et opinionem perfici non poterit, praesens declaratio Seren." Principibas 
Electori Brandenburgico et Palatino -Neoburgico nuUo erit praejudicio, sicuti et 
tali casu S. Reg. Maj.^ ejusdemque Dn. Patruo vigore Reversalium A.o 1610 
Hallae Svevoram Domui Bipontinae datarnm salvum et integrum relinquetur, 
non obstante praedicta transactione nuper inter praefatos Ser.«* Principes facta 
jus sunm omnemque in terras Juliacenses et Clivenses praetensionem et actio- 

14» 



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212 n. Der bremische Kriege, die Quadnipelalltanz und die engere Vereinigung etc. 

nem tanquam omnino intactam et intcmeratam non secius ae si saepius dicta 
Transactio nunquam intercessisset, secandum tenorem Instrumenti pacis West- 
phalicae, vel ordinario processu coram Caes. M.*« vel alio legitime modo prosequi, 
quo casu Ser.™«« Princeps Elector Brandenburgicus et Ser.™»« Princeps Palatiiio- 
Neobargicus sub fide et verbo Principum tenebuntur Domui Bipontinae et con- 
sequenter S.»« Reg.« Maj.«» et ejusdem Domino Patnio omne illud, quod eisdem 
secundam unnm ex sapra allegatis modis terminandi nanc controversiam com- 
petere poterit, sine ulla prorsus contradictione praestare. 

X. Durabit hoc foedus usque ad proximum vacantis Regni Poloniae casum 
et tum per iegitimam Electionem constitutum et finnatum Poloniae Regem, et 
higus foederis Ratificationes intra trium Mensium spatium hie Stockholmiae seu 
apud Regni Sveciae Marschum Dominum Gomitem Wrangelium commuta- 
buntur. 



L. G. V. Crockow an den Kurfürsten. D. Stockholm 
16./[26.] Mai 1668. 

[Geringe Aussichten auf wirkliche Unterstätzung Pfalz>Neuburgs durch Schweden. 
Der Vertrag Schwedens mit dem Kaiser.] 

26. Mai. Die Schweden haben dem Pfalzgrafen Hoffnung gemacht, ihn armis zu 

maintenieren , Cr. glaubt aber nicht, dass es ihnen damit wirklich Ernst sei. 
Sie haben den Tractat nur geschlossen , weil sie von der Abdication und der 
dem Pfalzgrafen günstigen Stimmung in Polen Nachricht erhalten haben. Um 
den Pfalzgrafen gegen etwaigen gewaltsamen Widerstand von Moskau her zu 
sichern, müssten sie sich verpflichten, in Liefland ein Heer parat zu halten, 
das werden sie aber nie thun, so lange sie hoffen können, dass es im Rom. 
Reich Unruhe setzen möchte, durch welche sie Geld von Spanien und Hol- 
land, die Stadt Bremen und Quartier in Deutschland bekommen können. 

In dem Vertrag mit dem Kaiser haben die Schweden entgegen ihrer 
früheren Zusage den die polnische Angelegenheit betreffenden Artikel ausge- 
lassen, sonst hat er von den Bedingungen desselben noch erfahren, dass der 
kaiserliche Gesandte in ipso tractatu 100000 und in den Geheimartikeln noch 
50000 Rthlr. zugesagt hat, Bremen soll nicht erwähnt sein, doch meinen 
einige, dass es in den Geheimartikeln begriffen sei und dass Schweden dafür 
Garantie der noch übrigen spanischen Niederlande übernommen habe. 
Schweden soll zu dem auf 5 Jahre abgeschlossenen Defensivbündnis 5000, der 
Kaiser 10000 Mann stellen'). 

') Gr. meldet 5./[15.] Juli 1668, die kaiserliche Ratification des Tractates sei an- 
gekommen, enthalte aber mehrere Veränderungen, Biornklou habe ihm vorgeworfen, 
er hätte hinausgeschrieben, Schweden hätte durch diesen Tractat Bremen zu ge- 
winnen gesucht, und dadurch im Reiche grosses Aufsehen erregt, doch habe derselbe 
zugestehen müssen, dass darüber verbandelt worden sei und der kaiserliche Gesandte 
sub spe rati sich zu der Zusage verstanden habe, dass während der 30 Jahre, in 
denen die Iromedietät Bremens in suspenso bleiben sollte, der Kaiser sich bemuhen 



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Vertrag Schwedens mit dem Kaiser. 213 

Der kaiserliche Minister hätte sich nicht zu übereilen nöthig gehabt, da 
Bielke, Biörnklou und ihre Partei, nachdem ihnen durch den unvermutheten 
Frieden das Concept verrückt ist, für Schweden eine anderweitige Allianz und 
Sicherheit suchen müssen, um sich auf dem Reichstage rechtfertigen zu können. 

Cr. bittet um seine Ruckberufung*). 



solle, dass die Sache für Schweden günstig entschieden werde; 22. Juli/[1. August] 
übersendet er eine Copie des Tractats, wie ihn Basse rode unterschrieben, und be- 
richtet, was er über den Inhalt der zwei secreten Artikel erfahren; die Schweden 
wären über die Aenderungen, welche die Ratification des Kaisers enthielte, sehr un- 
zufrieden, würden aber wohl, wenn der kaiserliche Gesandte fest bliebe, nachgeben. — 
S. diesen Tractet vom 6./16. Mai 1668 Diar. Europ. XVIII, Appond. S. 97ff. und 
über die weiteren, schliesslich fruchtlosen Verhandlungen darüber Carlson IV. 
S. 551, Hern, de Pomponne II. S. 565, Esalas Pufendorfs Bericht über Kaiser 
Leopold herausg. von Heibig S. Uff. 

1} Kf. erwidert (d. Grüningen 11. /[2I.] Juni 1668), da die Ratificationen des 
abgeschlossenen Vertrages in Deutschland bei Wrangel ausgewechselt werden sollten, 
so würde er dort seine Erinnerungen zu demselben anbringen lassen, Cr. wird auf 
seine Bitte abgerufen, soll aber beim Abschied versichern, Kf. würde zu Unterhaltung 
guten Vertrauens entweder ihn oder jemand anders wieder hinschicken. — Cr. ist noch 
bis Anfang August in Stockholm geblieben, am l./H- August hatte er seine Abschieds- 
audienz beim Könige und der Königin und erhielt deren Porträts als Geschenk so- 
wie sein Recreditiv (d. in arce* nostra Holmensi 18./[28.] Juli 1668), wenige Tage 
darauf ist er abgereist. — Zu Wrangel beabsichtigte Kf. den Schlosshauptmann 
0. W. V. Berlepsch zu schicken, welchen er in seiner Instruction (d. Marienwerder 
25. August /4. September 1668) beauftragte, dort die Ratificationen des Tractats (die 
des Kf. ist ausgestellt Coloniae ad Spream die 20./[30.] Julii 1668) auszuwechseln 
und mit W. weitere Verabredungen zu treffen, wie das Werk, namentlich gegen- 
über der von dem moskowitischen Zaren drohenden Gefahr durchzufahren sei, 
auf die Anzeige Wrangeis aber, dass die schwedische Ratification bei ihm noch 
nicht eingetroffen sei, wurde die Sendung aufgeschoben. Ende November erhielt 
v. Berlepsch aufs neue Befehl, sich zu Wrangel zu begeben, doch wurde derselbe 
(d. Königsberg 8./18. December 1668) widerrufen. Zu Anfang des nächsten Jahres 
schlug Kf. Wrangel (d. Königsberg 12./22. Januar 1669), da der in Stockholm ab- 
geschlossene Vertrag in Polen grosse Jalousie und Ombrage veranlasst habe, eine ge- 
heime Zusammenkunft zwischen beiderseitigen Bevollmächtigten in Stettin oder Pase- 
walk vor, wo auch die Ratificationen ausgewechselt werden könnten, und bevollmäch- 
tigte Chr. V. Brandt mit dieser Sendung, als aber Wrangel nach vorheriger An- 
frage in Stockholm meldete (d. Wolgast 8./[18.] April 16G9), sein König wünsche, 
dass eine solche Unterredung zu Warschau zwischen ihren und dem Pfalz-Neuburgi- 
schen Gesandten stattfinde, beauftragte er v. Brandt (d. Königsberg 16./26. April 
1669), nur die Auswechslung der Ratificationen zustande zu bringen, was auch, nach- 
dem dieser sich incognito nach Stettin begeben hatte, dort Anfang Mai geschehen ist. 



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III. 

Brandenburg und Polen. 
1664-1673. 



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Einleitung. 



Die Actenstäcke, welche in dem 9. Bande dieser Sammlung zur Veran- 
schaulichung der Beziehungen zwischen Brandenburg und Polen während 
der Jahre 1660 — 1663 mitgetheilt sind, haben gezeigt, dass in dieser Zeit das 
Verhältnis zwischen den beiden vorher eng verbundenen Mächten allmählich 
ein immer kühleres und gespannteres geworden war. Um den Widerstand zu 
brechen, welchen der Kurfürst >) von Anfang an der von der Königin Marie 
Louise und von deren Anhängern betriebeneu Wahl eines französischen Prin- 
zen zum Nachfolger König Johann Kasimirs entgegensetzte, hatte der 
polnische Hof die Bemühungen desselben, in den Genuss der ihm in den Ver- 
trägen von Wehlau und Bromberg gemachten Zugeständnisse zu kommen, nach 
Möglichkeit zu vereiteln gesacht. Allerdings hatte der Kurfürst es schliess- 
lich doch durchgesetzt, dass polnische Kommissare zur Theilnahme an dem 
Acte der feierlichen Huldigung der preussischen Stände in Königsberg erschienen 
und dass so die langwierigen Streitigkeiten über die Anerkenung seiner Sou- 
veränität in Preussen einen seinen Wünschen entsprechenden Abschluss fanden, 
aber nur durch die äusserste Nachgiebigkeit in den übrigen Streitfragen hatte 
er diesen Erfolg erreicht, den, wie er wohl wusste, die Königin bis zuletzt zu 
hintertreiben sich bemüht hatte. Auch in der nächstfolgenden Zeit, aus welcher 
die ersten in diesem Abschnitt publicierten Documente stammen, hat diese 
Spannung fortgedauert. Voll Besorgnis verfolgte der Kurfürst die Pläne und 
Versuche der Hofpartei, trotz des Widerstandes, den sie bisher bei der Mehr- 
zahl des polnischen Adels gefunden, jetzt die unmittelbare Erhebung des Her- 
zogs von Enghien, des Gemahls der Nichte der Königin, auf den polnischen 
Thron, welcher durch die Abdankung Johann Kasimirs erledigt werden sollte, 
zu erreichen, und die zur Durchführung dieses Unternehmens mit Frankreich 
und auch mit Schweden geführten Unterhandlungen. Mit nicht geringerem 



') Ueber die Politik des Kurfürsten in dieser polnischen Thronfolgefrage s. 
Hirsch, Zur Geschichte der polnischen Konigswabl von 1669 (Zeitschrift des West- 
preussischen Geschichtsvereins, Heft 25) S. 5 IT. 



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218 ni. Brandenburg und Polen. 1664—1673. 

Argwohn aber betrachtete der polnische Hof die Verhandlungen, welche auch 
der Kurfürst seit Anfang 1663 mit Schweden angeknüpft hatte, femer dessen 
neutrale Stellung in dem noch fortdauernden Kriege mit Russland und die 
Verbindungen, welche er mit den Häuptern der jener französischen Throncan- 
didatur entgegenwirkenden Partei in Polen, namentlich mit dem Krongrossmar- 
schall und Unterfeldherrn Georg Lubomirski und dem Kronunterkanzler 
Johann Leszynski unterhielt. Dieser misstrauischen und feindlichen Stim- 
mung wurde dort um so unverhohlener und schärfer Ausdruck gegeben, als es 
dem Hof inzwischen 1663 gelungen war *), das rebellische Heer zum Gehorsam zu- 
rückzuführen, der Konig dann auf dem von ihm selbst geleiteten Feldzug 
in der Ukraine einige Erfolge davongetragen hatte und man jetzt hoffte, durch 
einen gegen jenen Fürsten Lubomirski angestrengten Hochverrathsprocess mit 
diesem Führer auch die ganze Gegenpartei niederzuwerfen. 

Die zur Veranschaulichung der Beziehungen zwischen Brandenburg und 
Polen in den nächsten 9 Jahren (1664 — 1673) aus dem reichhaltigen Acten- 
materiale des Berliner Geh. Staatsarchivs ausgewählten und im Folgenden zu- 
sammengestellten Documente zerfallen in zwei Hauptabtheilungen, von denen 
die erste die letzten Regierungsjahre König Johann Kasimirs und das fol 
gende Interregnum bis zur Wahl König Michaels (1664—1669), die zweite 
die Regierungszeit dieses Königs (1669—1673) umfasst. Innerhalb der ersteren 
bilden eine erste kleine Gruppe die zwischen dem Kurfürsten und dem Könige 
Johann Kasimir gewechselten Schreiben aus dem September bis November 
1664, in welchen jene argwöhnische Stimmung und jene Gereiztheit, mit der 
man sich gegenübersteht, einen sehr deutlichen Ausdruck findet. Es folgen dann 
die Acten der Gesandtschaft v. Hoverbecks und v. Benins, welche im De- 
cember 1664 von dem Kurfürsten nach Warschau geschickt werden, um auf 
dem dort versammelten Reichstage dessen Verhalten zu rechtfertigen, aufs neue 
auf Erfüllung der Forderungen desselben zu dringen und daneben den Stand 
der Dinge in Polen, namentlich der Wahlangelegenheit zu beobachten. Obwohl 
der Reichstag, nachdem es dem Hofe zu Anfang gelungen ist, die Verurtheilung 
und Aechtung Lubomirskis durchzusetzen, schon Anfang Januar 1665 zer- 
rissen wird, bleiben die Gesandten des Kurfürsten doch noch längere Zeit in 
Warschau, v. Bonin bis Ende Februar, v. Hoverbeck auch den neuen, Anfang 
März zusammentretenden Reichstag über und dann noch bis Anfang Mai desselben 
Jahres, und wenn man sich auch polnischerseits jetzt ebensowenig wie vorher 
zur Befriedigung der Ansprüche des Kurfürsten verstehen will, so erreichen sie 
durch ihre Bemühungen doch wenigstens, dass die feindliche Spannung, welche 
zeitweise gedroht hat, bis zum offenen Bruche zu führen, wesentlich nachlässt. 
Zwischen den Acten dieser Gesandtschaft sind eingereiht einige Documente, be- 
treffend die gleichzeitigen Verhandlungen mit Lubomirski, welcher von seinem 
Zufluchtsorte in Schlesien aus sich wiederholt durch Briefe und Botschaften 
an den Kurfürsten wendet und dessen Hülfe anruft, aber zunächst nichts weiter 



*) S. Kochowski, Annales Poloniae 111. S. TOff. 



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Einleitung. 219 

erlangt, als dass dieser sich für ihn bei dem Könige verwendet, femer solche 
betreffend die mit dem kaiserlichen Gesandten de Goe«s (Ende März 1665) 
aber die polnischen Angelegenheiten gehaltenen Besprechungen. 

Im Mai 1665, nachdem^) infolge von Lubomirski's Rückkehr nach Polen 
dort der Bürgerkrieg ausgebrochen und der König zur Armee abgegangen ist, 
verlSsst v. Hoverbeck Warschau, und so bleibt der diplomatische Verkehr 
mit dem polnischen Hofe bis zum März des folgenden Jahres unterbrochen, 
dagegen versucht Lubomirski in dieser Zeit wieder mit dem Kurfürsten an- 
zuknüpfen. Unter den davon handelnden Actenstücken sind von besonderem 
Interesse die Aufeeichnungen über die im Februar 1666 mit dessen Abgesandten 
Colalto geführten Verhandlungen, welcher den Kurfürsten näher über die Lage 
der Dinge in Polen nach dem im November 1665 abgeschlossenen Frieden, 
aber die neuen Bemühungen des Hofes, die Wahl des Herzogs von Enghien 
durchzusetzen, und die Versuche desselben, auch Lubomirski dafür zu ge- 
winnen, unterrichtet und von ihm eine Erklärung darüber, ob der Fürst bei 
dem beabsichtigten weiteren Widerstände dagegen auf seine Unterstützung werde 
rechnen können, zu erhalten sucht. Der Kurfürst, in dem Wunsche alles 
zu vermeiden, was einen offenen Bruch mit der polnischen Regierung herbei- 
fahren und das wiederhergestellte gute Verhältnis zu Frankreich erschüttern 
könnte, zeigt sich wieder sehr zurückhaltend, er sagt Lubomirski nur seine 
Fürsprache auf dem bevorstehenden Reichstage zu und vertröstet ihn im übrigen 
auf eine demnächst an ihn abzufertigende Gesandtschaft. 

Der zum April 1666 berufene polnische Reichstag giebt dem Kurfürsten 
Gelegenheit, aufs neue v. Hoverbeck nach Warschau za senden. Dieser ist 
dann von dieser Zeit an, nur mit einer kurzen Unterbrechung im Sommer 1667, 
bis in die Zeit des Interregnums hinein, bis Ende October 1668, dort verblieben, 
und seine von dort aus mit dem Kurfürsten geführte Correspondenz bildet den 
Haupttheil der aus dieser Zeit mitgetheilten Actenstficke. Auf dem Reichstage 
selbst, welcher wieder bald, da der König sich nicht zu der von der Mehrheit 
des Adels geforderten Begnadigung Lubomirski 's verstehen will, zerrissen 
wird, kann v. Hoverbeck nichts ausrichten, die Verwendung, welche er im 
Auftrage des Kurfürsten für Lubomirski einlegt, ist auch erfolglos, nachher 
lässt die Königin, in der Hoffnung, dass der Kurfürst sich durch den damals bei 
ihm befindlichen französischen Gesandten Golbert-Groissi für die Unter- 
stützung ihrer Pläne in der Wahlangelegenheit werde gewinnen lassen, ihm 
Aussichten auf Befriedigung der Ansprüche des Kurfürsten eröffnen, allein der 
Kurfürst ist jetzt um so weniger geneigt, auf solche Anträge einzugehen, als er 
sich inzwischen entschlossen hat^), auf einem ganz anderen Wege, durch Unter- 
stützung der Thron candidatur des Pfalzgrafen von Neuburg, eine seinen In- 
teressen entsprechende Lösung der polnischen Thronfolgefrage zu versuchen. 
Die Verhandlungen, welche er schon seit dem Herbst des Jahres 1663 mit 
diesem früher ihm bitter verfeindeten Fürsten wegen einer Verständigung über 

») S. Kochowski IIL S. 174ff. 

^ S. Hirsch, Zur Geschiebte der polnischen Konigswahl von 1669 S. 8flp. 



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220 in. Brandenburg und Polen. 1664—1673. 

die zwischen ihnen streitigen Fragen angeknüpft und, nachdem dieselben im 
Jahre 1665 eine Unterbrechung erlitten hatten, zu Anfang des Jahres 1666 
wieder erneuert hat, sind im 11. Bande dieser Sammlung dargelegt worden. 
Mit Begierde war der Pfalzgraf auf das Anerbieten des Kurfürsten, gegen Zu- 
geständnisse in den anderen Streitfragen seine auf die £rlangung der polnischen 
Königskrone gerichteten Bemühungen zu unterstützen, eingegangen, schon bevor 
man sich über die anderen Punkte vollständig geeinigt hatte, war am 10. Juni 
1666 zu Cleve ein Vertrag unterzeichnet worden, in welchem sich der Kurfürst 
gegen gewisse Zugeständnisse in der territorialen Frage verpflichtete, dem PfaJz- 
grafen nach Kräften zur £rlangung der polnischen Krone behülflich zu sein, 
namentlich sich zu bemühen, auch Lubomirski und dessen Anhänger für den- 
selben zu gewinnen, im Fall, dass der Pfalzgraf gewählt werden, aber Wider- 
stand finden sollte, demselben durch Sendung von Hülfstruppen beizustehen, 
und auch den Kaiser sowie Schweden zur Unterstützung seiner Throncan- 
didatur zu bestimmen, und hinfort zeigt sich der Kurfürst mit dem grössten Eifer 
nach den verschiedensten Seiten hin thätig, um wirklich die Erhebung desselben 
auf den polnischen Thron durchzusetzen. Die Verhandlungen, welche er durch 
V. Crockow in Schweden darüber sogleich hat anknüpfen und bis in den 
Sommer 1668 hinein fortführen lassen, sind in dem vorhergehenden Abschnitte . 
vorgeführt worden, die erst später, seit dem December 1666, gemachten An- 
strengungen, den Kaiser für die Sache des Pfalzgrafen zu gewinnen, und der 
erste, im März 1667 durch den jüngeren v. Schwerin gemachte Versuch, den 
König von Frankreich auf dessen Seite hinüberzuziehen, werden in dem 
4. und 6. Abschnitte dieses Bandes behandelt werden, hier, in diesem Abschnitte, 
sind diejenigen Actenstücke zusammengestellt, welche die von dem Kurfürsten 
in Polen selbst zur Erreichung jenes Zweckes aufgewandten Bemühungen ver- 
anschaulichen, nämlich einerseits die Verhandlungen mit Lubomirski (die 
Sendung Hackebergs an denselben, Juli bis August 1666, und die mit dessen 
Abgesandten Pcejazecky in Berlin im December 1666 geführten Unterhand- 
lungen) und andererseits die Thätigkeit, welche v. Hoverbeck in Warschau 
entfaltet hat. Schon am 16. Juni macht der Kurfürst demselben Anzeige von 
dem mit dem Pfalzgrafen getroffenen Vergleiche und beauftragt ihn, für den- 
selben zu wirken. Hoverbeck ist damals gerade nach Preussen gereist, kehrt 
aber, nachdem der aufs neue zwischen Lubomirski und dem Könige ausge- 
brochene Krieg *) durch den Frieden von Legonice beendigt ist, im August nach 
Warschau zurück und findet anfangs den Hof in freundlicherer Stimmung. 
Aber schon, als er Ende October demselben oificielle Anzeige von dem inzwischen 
am 9. September zu Cleve zwischen dem Kurfürsten und dem Pfalzgrafen ab- 
geschlossenen Erbvergleiclie macht, verursacht er dadurch lebhaften Argwohn, 
und als er dann im Januar 1667, nur widerwillig dem Befehle des Kurfürsten 
Folge leistend, welcher auf die günstig lautenden Nachrichten v. Crockows 
aus Schweden her sich entschlossen hat, offen in Polen für den Pfalzgrafen 
aufzutreten, der Königin und dem Könige die Aussichtslosigkeit ihrer bisherigen 



') S. Koebowski HI. S. 2l9ff. 



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Einleitung. 221 

Bemühungen za gnnsten der französischen Thron candidatur vorstellt und direct 
den Pfalzgrafen als den sowohl von dem Kurfürsten als auch von der schwe- 
dischen Regierung gewünschten Nachfolger des Königs bezeichnet, erregt er 
damit einen Sturm des Unwillens. Die Konigin und deren Anhänger suchen 
jetzt den Kurfürsten zu verdächtigen, als wenn er im Verein mit anderen 
Mächten den Polen einen König aufzwingen wolle, und der Kurfürst, der sich 
inzwischen überzeugt hat, dass er Schwedens keineswegs so sicher ist, wie er 
geglaubt hat, hält es doch für gerathen, etwas zurückzuziehen, er desavouiert 
Hoverbeck und lässt durch denselben erklären, dass er keineswegs beabsich- 
tige, die Wahlfreiheit der Polen zu beeinträchtigen, und dass er selbst in dieser 
Sache noch freie Hände habe. Trotzdem zeigen die folgenden Actenstücke 
den Kurfürsten wieder während des ganzen Jahres 1667 in den gespann- 
testen Beziehungen zu dem polnischen Hofe. Dieser betreibt jetzt, zumal 
nach dem im Februar erfolgten Tode Lubomirski's, die französische Wahl 
mit erneutem Eifer und hofft, da Lubomirski's Anhänger in ihrem Wider- 
stände dagegen verharren, dieselbe mit Gewalt, vermittelst eines unter dem Ver- 
wände der Hnlfeleistung gegen die in Polen eingefallenen Tataren herbeigerufenen 
französischen Heeres, durchzusetzen. Der Kurfürst aber, der ebenso wie andere 
Reichsfürsten zum Schein auch um Hülfe angegangen ist, vereitelt diesen An- 
schlag dadurch, dass er sich zur Stellung eines ganz unerwartet hohen Truppen- 
contingents erbietet und auch den Pfalzgrafen von Neu bürg veranlasst, Hülfe 
zuzusagen, zugleich auch dadurch, dass er was ihm näheres über diese Pläne 
des polnischen und französischen Hofes bekannt wird, seinen Freunden in Polen 
mittheilt und so deren Argwohn und Eifer anspornt. König Johann Kasimir 
wiederum lässt den Kurfürsten seine Feindschjift dadurch empfinden, dass er 
nach dem im März erfolgten Tode des alten Kongrossfeldherm Potocki die 
bisher in dessen Besitz befindliche Starostei Draheim nicht gemäss den Be- 
stimmungen des Bromberger Vertrages und früheren Zusagen ihm überlädst, 
sondern dieselbe an den Kronunterfeldherren Demetrius Wiszniowiecki 
vergiebt, und der Kurfürst, der anfangs Anstalten getroffen hat, sich in den 
Besitz der Starostei zu setzen, steht davon doch vorläufig ab, um nicht durch 
einen solchen Gewaltact dem Hofe Gelegenheit zu geben, ihn bei dem polnischen 
Adel zu verdächtigen. Auch der am 10. Mai dieses Jahres erfolgte Tod der 
Königin Marie Louise hat zunächst keine Besserung in den Beziehungen 
beider Höfe zur Folge, denn die Anhänger der Königin setzen ihre Bemühungen 
zu Gunsten des Prinzen Cond6, den man jetzt statt seines Sohnes zum Thron- 
candidaten ausersehen hat, fort, und ausserdem gestalten sich bei der Neube- 
setzung der vacant gewordenen hohen Kronämter die Verhältnisse am Hofe für 
den Kurfürsten noch ungünstiger als zuvor. Nachfolger Potocki^s als Kron- 
grossfeldherr und zugleich Krongrossmarschall ist Johann Sobieski gewor- 
den, welcher durch seine französische Gemahlin gänzlich in die französischen 
Interessen hineingezogen ist, dessen Nachfolger als Kronunterfeldherr jener Fürst 
Demetrius Wiszniowiecki, dessen frühere freundliche Beziehungen zu dem 
Kurfürsten der König gerade absichtlich durch die Verleihung von Draheim zu 
trüben versucht hat, nach dem Tode Wenzel Leszynski's ist der bisherige 



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222 ni. Brandenburg und Polen. 1664—1673. 

Krongrosskanzler Nicolaus Prasmowski in die einflussreiche Stelle als Erz- 
bischof von Gnesen und Primas des Reiches eiogerfickt, der sich voo je her 
dem Kurfürsten wenig freundlich gesinnt gezeigt hatte und jetzt auch für die 
französische Partei gewonnen war, dessen Nachfolger als Krongrosskanzler ist 
der bisherige Unterkanzler Johann Leszynski geworden, der allerdings 
nach wie vor in den engsten freundlichen Beziehungen zu dem Kurfürsten 
bleibt, aber alt, kr&nklich und wenig th&tig am Hofe nur geringen Einflnss aus- 
übt und zurückgedrängt wird durch den neuen Unterkanzler, den Bischof von 
Cnlm, Andreas Olszowski, einen Mann, zwar ebenso eigennützig, habgierig 
und bestechlich wie die meisten anderen polnischen Grossen jener Zeit, aber 
von bedeutenden Fähigkeiten, grosser Thätigkeit und Gewandtheit, dessen Ehi^ 
geiz darauf gerichtet ist, die Macht und die Gerechtsame der Krone nach allen 
Seiten hin wiederherzustellen und womöglich zu erweitem, und der daher von 
vorne herein dem Knrfürsten auf das feindlichste gegenübertritt. Gleich nach 
seinem Amtsantritte macht er demselben den Titel eines Herrn von Lauen- 
bürg und Bütow, welchen jener, nachdem diese Lande auf Grund der Brom- 
berger Verträge als Lehen in seinen Besitz gekommen waren, angenommen und 
den ihm auch der polnische Hof bisher zugestanden hatte, streitig und bewirkt da- 
durch einen vollständigen Abbruch der diplomatischen Beziehungen. Da der 
Kurfürst einige Schreiben des Königs, in deren Aufschrift ihm jener Titel nicht 
gegeben ist, zurückweist, so verweigert der König unter dem Verwände, erst 
die Beantwortung derselben durch den Kurfürsten abzuwarten, v. Hoverbeck 
Ende Juli die nachgesuchte Audienz und verharrt bei dieser Weigerung bis zu 
Ende des Jahres. Um so enger sucht der Kurfürst die dem Hofe feindliche 
Partei, welche namentlich in Grosspolen zahlreich uud mächtig ist, mit sich zu 
verbinden. Als diese jetzt in ihrer Besorgnis vor den französischen Anschlägen 
sich an ihn wendet und ihm selbst, ähnlich wie dieses schon früher Lubo- 
mirski*) gethan hatte, die polnische Krone anbietet, lehnt er diese aller- 
dings ab, benutzt aber die Gelegenheit, um ihr den Pfalzgrafen von Neu bürg 
zu empfehlen und schickt an sie, zuerst im August, und dann wieder im Novem- 
ber den in den polnischen Angelegenheiten wohl erfahrenen früheren Secretär 
Hoverbecks Joachim Scultetus, um bei ihr weiter für den P&lzgrafen zu 
wirken, Klage über das feindliche Verhalten des Hofes zu führen und zugleich 
Streitigkeiten, welche unter ihren Häuptern, dem Grosskanzler Leszynski 
und dem Castellan von Posen, Grzymultowski ausgebrochen sind, zu schlichten, 
das zweite Mal auch, um ihnen Mittheilungen von den inzwischen mit Frank- 
reich begonnenen Verhandlungen zu machen. 

Eine Aenderung') in den Beziehungen zwischen dem Kurfürsten und dem 
polnischen Hofe ist erst zu Beginn des folgenden Jahres 1668 eingetreten, ver- 
anlasst durch den inzwischen erfolgten Wechsel in der französischen Politik. 
Derselbe steht im Zusammenhange mit dem damals von König Ludwig XIV. 

') S. Urk. u. Act. IX. S. 221. 824ff.; II. S. 263. Vgl. Hirsch, Zur Geschichte 
der polnischen Konigswahl von 1669 S. 95. 
») Vgl. Hirsch a. a. 0. S. 12ff. 



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Einleitung. 223 

gemachten Versuche, sich der spanischen Niederlande zu bemächtigen, und wird 
in diesem Zusammenhange in dem 6. Abschnitte dieses Bandes besprochen wer- 
den, hier genügt es zu erwähnen, dass Ludwig, um sowohl den Pfalzgrafen 
von Neuburg ganz auf seine Seite zu ziehen, als auch den Kurfürsten von 
Brandenburg abzuhalten, ihm bei diesem Unternehmen feindlich entgegenzu- 
treten, den Schein angenommen hat, als ob er auf seine früheren Pläne in 
Polen verzichte und bereit sei, jene beiden Fürsten bei der Durchführung der 
dort von ihnen verfolgten Absichten zu unterstützen. Er hat zuerst, als bald 
nach dem Tode der Königin Marie Louise von verschiedenen Seiten, nament- 
lich von Oesterreich, Versuche gemacht wurden, König Johann Kasimir zu 
einer zweiten Vermählung zu bewegen, durch seinen Gesandten in Warschau, 
den Bischof von Beziers, demselben die Heirath mit der ältesten Tochter des 
Pfalzgrafen empfehlen lassen, hat dann aber, da der polnische König sich zu 
einer solchen neuen Heirath nicht verstehen wollte, zugesagt, seinen Einfluss 
in Polen aufzubieten, um den König zur Abdankung zu bewegen und die Wahl 
des Pfalzgrafen zu dessen Nachfolger durchzusetzen, und er hat am 15. December 
1667 durch seinen Gesandten Mill et zu Berlin mit dem Kurfürsten einen Ver- 
trag dieses Inhaltes abschliessen lassen. Die vertraulichen Eröffnungen, welche 
der Kurfürst sowohl dem Pfalzgrafen als auch v. Hoverbeck und seinen An- 
hängern in Polen über diese Verhandlungen macht, zeigen, dass er von vorne 
herein trotz aller Versicherungen des französischen Königs von grossem Miss- 
trauen gegen die Aufrichtigkeit der Zusagen desselben erfüllt gewesen ist, and 
auch nachher haben ebensowenig er wie seine Gesandten in Polen diese Besorg- 
nisse aufgegeben, welche, wie dann nachher der Ausgang der Sache gezeigt 
hat, nur zu berechtigt gewesen sind>). 

Zunächst allerdings hat der Kurfürst günstige Wirkungen von der an- 
scheinenden Freundschaft Frankreichs zu verspüren gehabt. Durch den 
französischen Gesandten lässt sich Johann Kasimir bewegen, nachdem der 
Kurfürst ihm durch einen freundlich gehaltenen Brief einen Schritt entgegen 
gekommen ist, am Bl. December 1667 v. Hoverbeck die so lange verweigerte 
Audienz zu ertheilen und wieder in ein freundliches Verhältnis zu demselben 
zu treten, im Verein mit dem französischen Gesandten verhandeln dann v. Ho ver- 
beck und der Gesandte des Pfaizgrafen v. Giese einerseits mit dem Könige, 
der sich jetzt zur Abdankung bereit zeigt, andererseits fangen sie an, bei den 
polnischen Grossen für die Wahl des Pfalzgrafen zu wirken. Als dann auf 
dem im Februar und Anfang März zu Warschau versammelten Reichstage der 
König wieder in heftige Streitigkeiten mit den Ständen geräth, sucht derselbe 
sogar Beistand bei dem Kurfürsten, und derselbe schliesst wirklich mit ihm in 
Form einer Erneuerung des Wehlauer Vertrages einen Schutzvertrag ab, an- 
dererseits aber genehmigt Johann Kasimir jetzt, dass der Kurfürst sich mit 
dem Fürsten Wiszniowiecki wegen Ueberlassung von Draheim gegen eine 
Abfindungssumme einigt, und dass derselbe Anfang September sich wirklich 

*) Vgl. Recueil des instractions donnees aux ambassadeurs et ministres de France 
IV. S. 85 fF. 



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224 in. Brandenburg und Polen. 1664—1673. 

in den Besitz der Starostoi setzt. Auf dem im August und September abge- 
haltenen Reichstage erfolgt dann am 16. September die feierliche Abdankung 
Johann Kasimirs und es beginnt das Interregnum. Obwohl während des- 
selben fremden Gesandten der Aufenthalt im Königreich nicht gestattet war, 
weiss V. Hoverbeck doch seine Abreise bis Ende October zu verzögern und 
inzwischen seine Thfitigkeit zu Gunsten des Pfalzgrafen fortzusetzen. Ergän- 
zungen zu seinen Berichten haben hier aus den Materialien des Danziger Stadt- 
archivs, auf deren Wichtigkeit für die damalige polnische Geschichte der Her- 
ausgeber schon an einem anderen Orte ') hingewiesen hat, in den Anmerkungen 
hinzugefügt werden können. 

Die folgenden Actenstücke Teranschaulichen dann die eifrige Thätigkeit, welche 
der Kurfürst, der sich selbst schon im September 1668, um den polnischen 
Ereignissen näher zu sein, nach Königsberg begeben hat, in den letzten Monaten 
dieses und während der ersten Hälfte des folgenden Jahres zu Gunsten seines 
Bundesgenossen, des Pfalzgrafen von Ne üb nrg, aufgewendet hat. Verschiedene 
Abgesandte, v. Crockow, Niemerycz, v. Borstell, v. Lehndorf, Scul- 
tetus werden von ihm nach Polen geschickt, um theils die schon früher durch 
Geldzahlungen und Versprechungen für denselben gewonnenen Magnaten auf 
dessen Seite festzuhalten, theils weitere Anhänger, namentlich die Häupter der 
früheren französischen Partei, den Primas, Sobieski und den Kronschatzmeister 
Mo r stein, ferner auch den Adel und die Städte in dem Königlichen Prenssen 
für denselben zu gewinnen. Unter den Berichten derselben, von denen ein Theil 
schon an anderer Stelle*) veröffentlicht worden ist, sind von besonderer Wich- 
tigkeit diejenigen des Scultetus, welcher zunächst Ende November 1668 nach 
Warschau geschickt wird, um auf dem dort tagenden Convocationsreichstage den 
ans Veranlassung der Besitzergreifung von Draheim gegen den Kurfürsten ver- 
breiteten Verdächtigungen entgegenzuwirken, und welcher Gelegenheit findet, bis 
Mitte December sich dort aufzuhalten und auch in der Wahlangelegenheit 
thätig zu sein, welcher dann wieder im Januar 1669 zu den Anhängern des 
Kurfürsten in Grosspolen geschickt wird, endlich aber, Ende April, beim Heran- 
nahen des Wahlreichstages aufs neue nach Warschau geht und dort bis zum 
Eintroffen der Gesandten des Kurfürsten dessen Interessen wahrnimmt. 

Den letzten Theil dieses ersten Hauptabschnittes bilden die aus der Corre- 
spondenz des Kurfürsten mit den von ihm auf den Wahlreichstag geschickten 
Gesandten v. Hoverbeck und Fr. v. Jena und auch mit dem Pfalzgrafen 
von Neuburg ausgewählten Stücke. Dieselben zeigen, dass. so eifrig auch 
jene Gesandten für die Wahl des Pfalzgrafen thätig gewesen sind, sie sich doch 
keineswegs allzu sicheren Hoffnungen über das Gelingen ihrer Bemühungen hin- 
gegeben haben, ferner, dass auch sie durch den Ausgang der Sache, die Wahl 
Michael Wiszniowiecki's, vollständig überrascht worden sind, dieselbe aber 
doch als keineswegs ungünstig für die Interessen des Kurfürsten angesehen 
haben, und dass auch dieser selbst, so schmerzlich er auch anfangs durch das 



*) Hirsch, Zur Geschichte der polnischen König^swahl von 1669, S. 22ff. 
>) a. a,0. S. 137ff. 



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Einleitung. 225 

Scheitern seiner Pläne and namentlich durch die Ursachen, welchen er dasselbe 
hauptsächlich zugeschrieben hat, die Treulosigkeit der kaiserlichen und der 
französischen Politik, betroffen worden ist, doch gute Miene zum bösen Spiel 
gemacht und sich sofort bemüht hat, zu dem neuen Könige in ein freundliches 
Verhältnis zu treten. Für die Vorgänge auf diesem Reichstage und unmittelbar 
nach demselben hat der Herausgeber an anderer, schon mehrfach genannter 
Stelle in den von den Abgesandten des Danziger Rathes angefertigten Reichs- 
tagsprotocoUen und den Berichten derselben eine neue reichhaltige Quelle ^) publi- 
eiert, auf welche hier in den Anmerkungen verwiesen worden ist. 

Der zweite Haupttheil dieses Abschnittes umfasst die Regierungszeit 
König Michaeis (Juni 1669 bis November 1673). Zu Anfang dieser Periode 
hat der Kurfürst in der Form des diplomatischen Verkehrs mit dem polnischen 
Hofe eine Veränderung eintreten lassen. Bisher hatte er immer nur aus be- 
sonderer Veranlassung einzelne Gesandtschaften an denselben geschickt, welche 
allerdings manchmal, wie es z. B. bei der vorletzten Sendung v. Hoverbecks 
der Fall gewesen war, längere Zeit, als der ursprüngliche Zweck ihrer Sendung 
erfordert hätte, sich dort aufgehalten, immer aber den Charakter ausserordent- 
licher Gesandtschaften getragen haben. In der Zwischenzeit, wo solche nicht 
am Hofe anwesend waren, hat er durch Beamte niederen Ranges, Sekretäre, 
welche in Warschau zurückgelassen wurden, sich Bericht über die dortigen 
Vorgänge erstatten lassen. Jetzt dagegen hat er hier ähnlich, wie er dieses 
schon seit längerer Zeit in den Niederlanden eingeführt hatte, einen ständigen 
Vertreter höheren Ranges bestellt, welcher nicht nur fortlaufend solche Berichte 
einzusenden, sondern auch die diplomatischen Geschäfte am Hofe zu besorgen 
hatte. Er bestimmte dazu einen jungen Diplomaten, den er schon vorher dafür 
ausersehen und dem er eine besondere Ausbildung dazu hatte geben lassen, Euse- 
bius v. Brandt. Dieser, der jüngere Bruder des Geheimen Rathes und Neu- 
märkischen Kanzlers Christoph v. Brandt, geboren 1642, hatte die Univer- 
sität Frankfurt a. 0. besucht''^) und dort neben juristischen auch theologische 
Studien getrieben. In einer 1664 abgehaltenen theologischen Disputation hatte 
er mit solcher Schärfe den calvinischen Standpunkt verfochten, dass der Kurfürst, 
darüber ungehalten, gegen die dortige theologische Fakultät eingeschritten war'). 
Trotzdem nahm ihn der Kurfürst bald darauf in seinen Dienst, er schickte ihn 
zunächst nach Polen, um die polnische Sprache zu erlernen, und liess ihn dann 
seinen Bruder Christoph auf dessen Gesandtschaft nach England (September 
1666 — Mai 1667) und nachher (Juni — August 1667) zu dem Friedcnscongress 
von Breda begleiten. Er ernannte ihn darauf zu seinem Kammerjunker und 
schickte ihn im August 1668 wiederum, um sich weiter in der Kenntnis der 
polnischen Sprache und der polnischen Zustände zu vervollkommnen, nach 

^) Ueber die sonstigen Quellen und die Litteratur s. ebendaselbst S. 20 f. 

') Schon 1647 war er zusammen mit drei älteren Brüdern dort iramatriculiert 
worden, im April 1659 hatte er die Universität wirklich bezogen (Friedländer, 
Aeltere Üniversitäts-Matrikeln I. S. 787, II. S. 97). 

') S. [Schultze], Preussiscber Todestempel S. 13. 

Haler, z. Gesch. d. G. Kurfürsten. XII. 15 



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226 ni. Brandenburg und Polen. 1664—1673. 

Polen, wo er zuerst dem damals noch in Warschau befindlichen Gesandten 
V. Ho verbeck beigehen wurde, auch nach dessen Abreise aber, anscheinend 
als Privatmann, zurückblieh und von Posen aus dem Kurfürsten Berichte über 
die dortigen Vorgänge einsandte. Auf Befehl des Kurfürsten begab er sich dann 
noch vor dem Beginn des Wahlreichstages, im April 1G69, wieder nach Warschau, 
wo er auch während dieses ganzen Reichstages, anscheinend als Privatmann, 
sich aufgehalten und es möglich gemacht hat, sowohl den Keichstagssitzungen 
beizuwohnen als auch mit den ausserhalb der Stadt in Jablona residierenden 
Gesandten des Kurfürsten in Verkehr zu treten, von wo aus er dann ferner 
dem Kurfürsten und auch dessen damaligem Statthalter in der Mark, dem Fürsten 
JohannGeorg von Anhalt, Berichte zugesendet hat ^). Nach der Abreise v. H o - 
verbecks und v. Jena's von Warschau (Mitte Juli 1669) blieb er auf Befehl des 
Kurfürsten dort zurück, um dessen Geschäfte zu besorgen-), zunächst aber noch ohne 
officiellen Charakter. Er ist im September dem neuen Könige, als sich derselbe 
zur Krönung und dem sich an diese anschliessenden Reichstag nach Cracau be- 
gab, dorthin gefolgt und ist von dort aus, statt, wie ihm befohlen war, wieder 
nach Warschau zu gehen, zu dem Kurfürsten zurückgekehrt, jedenfalls um dem- 
selben von den feindlichen Anschlägen, welche damals in Polen gegen ihn ge- 
plant wurden, Bericht zu erstatten. Im Februar 1670 kehrte er nach Warschau 
zurück, mit einem Creditiv des Kurfürsten versehen, in welchem er als dessen 
Geschäftsträger am polnischen Hofe beglaubigt wurde •^), König Michael hat ihn 
als solchen ofiiciell anerkannt^), und er hat dann Gelegenheit gehabt, inmitten 
der schwierigen Verhältnisse, welche er vorfand, Geschicklichkeit und Gewandt- 
heit und zuletzt gegenüber dem dort gegen den Kurfürsten auftretenden 
v. Kalckstein Verschlagenheit und kecke Entschlossenheit zu beweisen. Seine 
Theilnahme an der Entführung desselben hat dann freilich den polnischen Hof 
so gegen ihn aufgebracht, dass er, um der ihm drohenden Verhaftung zu ent- 
gehen, sich entschliessen musste (Anfang December 1670), sich aus Polen zu 
entfernen. 

Die Relationen v. Brandts von Ende Juli 1669 bis Anfang December 1670 
sowie die Rescripte des Kurfürsten an ihn und die in derselben Zeit zwischen 
diesem und dem Könige Michael gewechselten Schreiben bilden eine erste 
Gruppe innerhalb dieser zweiten Uauptabtheilung. Benutzt konnten für diese 

') S. V. Orlich 11. S. 20flf. 

2) Eus. V. Brandt an den Kf. (d. Warschau 18. Juli 1669): „Dass Ew. Chf. D. 
aus Gnaden entschlossen sein, mich zu dero Affaiien alhier in Polen zu gebrauchen, 
und desshalben an Deroselbcn Gesandten gnadigsten Befehl ergfehen lassen, mich bei 
ihrer Abreise alhier zu lassen, erkenne ich in unterthänigster Dankbarkeit.** 

3) Kf. an Konig Michael (d. Coloniae ad Spreain 4./[14.] Januar 1670): Er hat 
V.Brandt beauftragt, ut R. M. Vestrae aulain sequatur atque ea, quae in rebus 
nostris ad Eandero subinde deferendis impoäterum occurrant, R. M. Vestrae decen- 
ter exponat. 

*) König Michael an den Kf. (d. Varsaviae 8. März 1670): non solum Nos illi 
benignos praestabimus aures, verum quicquid nomine eius postulaverit, libeoter 
excipiemus. 



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Einleitung. 227 

Zeit auch die Materialien des Danziger Stadtarchivs werden und es sind in den 
Anmerkungen Auszüge aus denselben zur Ergänzung mitgetheilt worden. Auch 
in dieser Zeit ist das Verhältnis des Kurfürsten zu dem polnischen Hofe ein 
sehr gespanntes. Die Veranlassung hierzu hat nicht der neue König selbst ge- 
geben, derselbe hat vielmehr oft genug seine Geneigtheit zur Unterhaltung 
freundschaftlicher Beziehungen und seine Hochachtung vor der Person des Kur- 
fürsten und der Regententhätigkeit desselben kund gegeben, aber dieser König 
war ein junger unbedeutender Mensch und daher gänzlich von anderen abhängig, 
und die Verhältnisse haben es dahin geführt, dass von Anfang an gerade die 
schlimmsten Feinde, welche der Kurfürst in Polen hatte, jener Unterkanzler 
Olszowski, der schon in der letzten Zeit König Johann Kasimirs ihm immer 
entgegengewirkt hatte, daneben auch der jüngere Rode, der Sohn des von dem 
Kurfürsten gefangen gehaltenen Königsberger Schöppenmeisters, welcher schon 
vor Michaels Thronerhebung in dessen Dienst gestanden hatte, jetzt als dessen 
Kammerherr an den Hof kam und dort, freilich nur kurze Zeit, auch eine poli- 
tische Rolle gespielt hat, ferner der Littauische Grosskanzler Pac, den leiten- 
den Einfluss auf ihn ausgeübt haben. Auf Veranlassung der beiden ersteren 
hatte der König schon in der Abschiedsaudienz v. Hoverbecks undv. Jena's 
verschiedene alte Streitpunkte vorgebracht und dem Kurfürsten in dem für die- 
selben ausgestellten Recreditiv wiederum nicht den Titel: Herr von Lauenburg 
und Bütow gegeben, von ebendenselben, die auch mit den Unzufriedenen 
im Herzogthum Preussen in enger Verbindung stehen, weiter aufgereizt, beharrt 
er bei der Verweigerung dieses Titels und verlangt das Zusammentreten einer 
Kommission behufs Erledigung jener Streitpunkte. Der Kurfürst hat sich durch 
dieses unfreundliche, herausfordernde Benehmen nicht beirren lassen, sondern 
demselben gegenüber jetzt wie in der Folge eine ebenso ruhige wie feste Hal- 
tung eingenommen. Für ihn kam es vor allem darauf an, dass auch durch die 
neue polnische Regierung das staatsrechtliche Verhältnis anerkannt würde, wel- 
ches durch die Wehlau-Bromberger Verträge zwischen ihm, als dem jetzt sou- 
veränen Herzoge von Preussen, und der polnischen Krone begründet worden 
war, und auf die Erreichung dieses Zieles hat er consequent alle seine Anstren- 
gungen gerichtet. In jenen Verträgen selbst war') für den Fall eines Thron- 
wechsels in Polen die Erledigung zweier Akte vorgeschrieben worden, der Kur- 
fürst hatte die Lehen von Lauenburg und Bütow zu recognoscieren und 
darauf hin aufs neue die Belehnung mit denselben zu empfangen, beide Theile 



') Hauptvertrag § 21 : Atque hoc foedus perpetuum, quotiescunque novus rex Po- 
loniae electus fuerit aut dux Prussiae in ducatu saccesserit, ab utraque parte reno- 
vabitur confirmabiturque juramento desuper praestito per deputatos in animam princi- 
palium jurantes. — Brom berger Ratification : Tenebitur autem et obligatus esse debebit 
praefectus ser. Elector ejusque successores, ad singulas successorum nostrorum Regum 
Poloniae coronationes consiliarios aut officiales suos mittere, qui hoc ipsum jus feu- 
dale de praefatis arcibus et oppidis ad regnum nostrum pertinens recognoscent et 
literas ejus recognitionis et renovationis feudi, quae gratis illis debent dari, a novis 
Regibus acoipient. 

lö* 



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228 Brandenburg und Polen. 1604—1673. 

aber hatten jene Wehlaii-Bromberger Verträge neu zu bestätigen und zu be- 
schwören. Der erste Akt hätte eigentlich bei Gelegenheit der Krönung des 
neuen Königs erfolgen müssen, da der Kurfürst aber zu dieser wegen des Streites 
um die Titelfrage keine officielle Einladung erhielt, so schickte er keine Ge- 
sandtschaft dazu nach Cracau, sondern Hess nur v. Brandt als Privatmann 
sich dorthin begehen, kündigte aber schon im voraus dem Könige an, dass er, 
da diesmal die Lehnsrecognition bei der Krönung nicht erfolgen könne, nach 
derselben einen Bevollmächtigten zu diesem Zwecke nach Warschau senden 
werde. Schon die Vorgänge auf dem an die Krönung sich anschliessenden 
Reichstage, auf welchem sowohl die über ihre Zurücksetzung erbitterten hohen 
Würdenträger und Magnaten als auch ein Theil der Landboten heftige Opposition 
gegen die den Ilof beherrschende Clique und auch schon gegen den König selbst 
erhoben und welcher schliesslich gesprengt wurde, Hessen erkennen, dass der 
Kurfürst die Feindschaft des polnischen Hofes wenig zu furchten brauchte. In- 
folge des üblen Ausganges dieses Reichstages und der schon damals herauf- 
ziehenden Gefahr eines Türkenkrieges lenkt dieser auch zunächst ein und 
gieht in der Titelfrage nach. Darauf richtet der Kurfürst') ein freundliches 
Schreiben an den König, in welchem er denselben zu seiner Krönung beglück- 
wünscht und anfragt, wann und wo derselbe wünsche, dass sowohl die Lehnserneue- 
rung als auch die Bestätigung der Verträge vorgenommen werden solle. König 
Michael erwidert-) darauf in einem sehr wenig freundlich gehaltenen Schrei- 
ben, in welchem er sich zwar zur Erfüllung der vertragsmässigen Verpflichtungen 
bereit erklärt, aber verlangt, dass zunächst die von beiden Seiten erhobenen 
Ansprüche und Beschwerden erledigt würden und dass zunächst zu diesem 
Zwecke Verhandlungen geführt würden. Davon aber will der Kurfürst nichts 
wissen, und über diesen Punkt von hoher principieller Bedeutung kommt es nun 
zu einem langwierigen Streite, in welchem der Kurfürst mit der grössten Zähig- 
keit seinen einmal eingenommenen Standpunkt behauptet hat, während der pol- 
nische Hof, je nachdem sich die inneren und äusseren Verhältnisse günstiger 
oder ungünstiger für ihn gestalteten, eine wechselnde Haltung eingenommen hat 
und sich doch endlich zur Nachgiebigkeit hat entschliessen müssen. Die durch 
diesen Streit herbeigeführte Spannung ist danu noch verstärkt worden durch 
die Kalcksteinschc Angelegenheit-^). Im März 1670 kommt der preussische 
Edelmann und ehemalige polnische Oberst C hristian Ludwig v. Kalckstein, 
welcher infolge von Angebereien seiner eigenen Geschwister in Preussen in einen 
Hochverrathsproce*«s verwickelt, zu lebenslänglichem Gefängnis verurtheilt, aber 
von dem Kurfürsten gegen die Verpflichtung, eine Strafsumme zu bezahlen und 
sich nicht von seinen Gütern zu entfernen, begnadigt worden war, unter Ver- 

S. unten das Schreiben des Kf. an den König vom 10./20. November 1669. 

-) D. Cracoviae ;U. November \CA\d (Zaluski, Epistolae bist, familiäres I. 
S. 218f.). 

3) Vgl. darüber jetzt Paczkowski, Der grosse Kurfürst und Christian Ludwig 
von Kalckstein (Forsch, zur brandenh. und prcussischen Geschichte 11,2 S. 103 ff.) 
und Hirsch, Zur Geschichte Christian Ludwigs v. Kalckstein (ebendas. lli, 1 S. 248 ff.). 



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Einleitung. 229 

letzuDg dieser Verpflichtung nach Warschau, sucht aufs neue Anstellung im 
polnischen Dienste, erhebt dort aber zugleich laute Klagen sowohl über das 
eigene erlittene Unrecht, als auch über das tyrannische Regiment, welches der 
Kurfürst in Preussen führe, er gebehrdet sich als der Wortführer der unter 
diesem Joche seufzenden Preussen und sucht den König und den polnischen 
Adel gegen den Kurfürsten aufzureizen. Der ünterkanzler, welcher in ihm ein 
nützliches Werkzeug zu finden glaubt, um dem Kurfürsten in Polen wie in 
Preussen Schwierigkeiten zu bereiten, gewährt ihm seinen Schutz, dagegen wir- 
ken ihm sowohl v. Brandt als auch einige in polnischem Dienste stehende 
preussische Edelleute entgegen und weisen auf seine wenig rühmliche Vergan- 
genheit hin, der König, so von zwei Seiten her in entgegengesetzter Weise beein- 
flusst, zugleich geängstigt durch die Umtriebe der ihm feindlichen, auf seinen 
Sturz sinnenden Partei unter den polnischen Grossen und voll Furcht, dass 
diese, die schon mit Frankreich in Verbindung stehen, auch bei dem Kurfürsten 
Unterstützung finden könnten, zeigt sich schwankend, er will sich zwar zu der 
von dem Kurfürsten verlangten Auslieferung Kalcksteins nicht verstehen, aber 
er gewährt diesem auch weder die gewünschte Anstellung noch Zutritt bei Hofe, 
er äussert sich sogar (Anfang Mai 1670) gegen v. Brandt so, als wenn er doch 
geneigt sei, dem Verlangen des Kurfürsten sowohl in dieser Angelegenheit als 
auch in der Frage der Confirmation der Pacten zu willfahren, er setzt dann 
bald darauf einen bestimmten Termin für die Lehnsrecognition fest und kündigt 
die Abschickung eines Gesandten an den Kurfürsten an. Wirklich kommt auch, 
nachdem ein durch das falsche Gerücht von einem feindlichen Anzüge des Kur- 
fürsten gegen Polen verursachter Zwischenfall erledigt ist, im Juni der dem 
Kurfürsten wohlgesinnte littauische Unterstallmeister Morstein nach Berlin 
und wenn derselbe auch infolge eines ihm nachträglich auf Anstiften des Unter- 
kanzlers zugegangenen Auftrages für Kalck stein Verwendung einlegen muss, 
diese aber vom Kurfürsten kurz zurückgewiesen wird, so bringt er doch gün- 
stige Eindrücke von der Gesinnung und den Absichten des Kurfürsten nach 
Warschau zurück, und auch dieser hält jetzt die Gelegenheit für günstig, um 
am polnischen Hofe die Bestätigung der Verträge durchzusetzen. Er sendet 
daher Ende Juni v. Ho verbeck begleitet von dem preussischen Hofrichter 
Albrecht v. Ostau nach Warschau, um die Lehnserneuerung vorzunehmen 
und die Bestätigung der Verträge zu betreiben. Die im Auszuge mitgetheilteu 
Akten dieser Gesandtschaft zeigen, dass die Hoffnung des Kurfürsten sich nicht 
erfüllt hat. Inzwischen hat nämlich der Unterkanzler seinen alten Einfluss am Hofe 
wiedererlangt, auf sein Betreiben werden den Gesandten, schon ehe es wirklich 
zur Lehnserneuerung kommt, alle möglichen Schwierigkeiten in den Weg gelegt, 
als sie dann aber versuchen, auch die Erneuerung der Verträge durchzusetzen, 
wird wieder die Forderung erhoben, dass erst die beiderseitigen Ansprüche und 
Beschwerden erledigt werden müssten, und sie müssen schliesslich nach langen 
A^erhandlungen, nachdem die zwischenein sich eröffnende Aussicht, den Unter- 
kanzler durch Bestechung zu gewinnen, nicht in Erfüllung gegangen ist, Mitte 
August unverrichteter Sache wieder abreisen. 

In den letzten Monaten des Jahres 1670 spielt in der hier weiter mitge- 



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230 III- Brandenburg und Polen. 1664-1673. 

theilten Corrcspondcnz v. Brandts mit dem Kiirfürsteo wieder die Kalck- 
steinsche Angelegenheit die Hauptrolle. Kalckstein hat sich im Mai infolge 
der damaligen ungünstigen Aussichten aus Warschau entfernt, kehrt aber im 
September dorthin zurück, erneuert auf dem damals dort versammelten Reichs- 
tage seine aufreizende Thätigkeit, giebt sich geradezu für den Bevollmächtigten 
der preussischen Stände aus und überreicht angeblich in deren Namen dem 
Könige und den Landboten Schriften voll von Schmähungen und Beschwerden 
über den Kurfürsten. Dieser bemüht sich aufs neue, von dem polnischen Könige 
die Auslieferung des Flüchtlings zu erwirken, ermächtigt aber zugleich v. Brandt, 
den er schon früher aufgefordert hat, denselben heimlich nach Preussen fort- 
schaffen zu lassen, zur Ausführung eines von jenem mit zwei polnischen Offi- 
cieren zu diesem Zwecke verabredeten Gewaltstreiches. König Michael zeigt 
wieder dieselbe schwankende Haltung wie sonst, er äussert sich anfangs gegen 
Brandt günstig, lasst sich dann aber doch wieder von dem ünterkanzler be- 
stimmen, in einem im hochmüthigsten Tone gehaltenen Schreiben *) die Auslieferung 
Kalcksteins geradezu zu verweigern. Wenige Tage darauf benutzt Brandt, 
welcher jenen früheren, mit den polnischen Officieren verabredeten Anschlag 
nicht haJt ausführen können, die Sorglosigkeit, in welche sich Kalckstein 
durch seine arglistigen Vorspiegelungen hat wiegen lassen, um (28. November) 
denselben, allerdings eigenmächtig 2) und ohne Befehl, in seiner Wohnung bei 
hellem lichten Tage mit Hülfe des Rittmeisters Montgommeri und einiger 
brandenburgischer Dragoner, welche er zu diesem Zwecke schon mehrere Wochen 
in seinem Hause verborgen gehalten hatte, zu überfallen und nach Preussen 
fortführen zu lassen. Seine Versuche, die Sache zu vertuschen, wenigstens 
seinen Antheil an der That zu verheimlichen, gelingen aber nicht und er muss, 
um der ihm drohenden Verhaftung zu entgehen, am 4. December Warschau ver- 
lassen und sich nach Preussen begeben. 

Mit seinem Fortgange hört die Art des diplomatischen Verkehrs, welche 
zuletzt zwischen dem brandenburgischen und dem polnischen Hofe bestanden 
hatte, auf. Der über Brandts Benehmen auf das höchste aufgebrachte pol- 
nische König will weder diesen noch überhaupt einen ständigen Residenten des 
Kurfürsten weiter an seinem Hofe dulden, hebt sogar den bisher von branden- 
burgischen Reitern versehenen directen Postverkehr zwischen Warschau und 
Königsberg auf. Der Kurfürst muss so wieder einer Persönlichkeit untergeord- 
neten Ranges, Christoph Wiehert, die Erledigung der nothwendigsten Ge- 
schäfte, die Beförderung der Postsachen und die Berichterstattung über die dor- 
tigen Vorgänge, übertragen, sein Verkehr mit dem polnischen Hofe aber wird 
hinfort nur durch Schreiben oder durch besondere Gesandtschaften vermittelt. 

Gegenstand desselben ist zunächst weiter die Kalcksteinsche Angelegenheit. 

') D. Varsaviae 24. November 1670 (Zaluski I. S. 275 ff). Gegen die irrige 
Behauptung Paczkowski 's, dass dieses Schreiben gar nicht abgegangen sei, s. Hirsch 
(Forsch, z. brand. und preuss. Gesch. III, 1 S. 2G7). 

^ S. Hirsch a.a.O. S. 266; was Paczkowski S. 271) dagegen anführt, ist 
nicht stichhaltig. 



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Einleitung. 231 

In der ersten Aufwallnng nach dem Bekanntwerden der Gewaltthat hat man*) 
im Rathe des Königs daran .gedacht, Brandt gefangen zu setzen und mit ge- 
waffneter Hand den dem Könige und der Republik angethanenen Schimpf zu 
rächen, allein bei ruhigerer üeberlegung ist man sehr bald zu der Erkenntnis 
gekommen^), dass angesichts der feindlichen Haltung der Gegner, welche der 
Hof in Polen selbst hatte, und der drohenden Gefalir eines Krieges mit den 
Tataren und Türken es wenig gerathen sei, sich noch einen mächtigen Feind auf 
den Hals zu ziehen, man lässt daher Brandt abziehen und versucht auf diplo- 
matischem Wege Genugthuung zu erlangen. Der König schreibt zunächst an 
die Prenssische Regierung^) und fordert von dieser unter dem Ausdruck der 
lebhaftesten Entrüstung über die an Kalckstein verübte Gewaltthat die Zurück- 
lieferung desselben und die Auslieferung oder gebührende Bestrafung der Thäter, 
und als diese darauf ausweichend antwortet, ihr sei über jene That nichts 
Näheres bekannt, sie werde aber eine Untersuchung anstellen und an den Kur- 
fürsten berichten, wird beschlossen*), an diesen selbst einen Gesandten, den 
Unterkämmerer von Warschau Albert Opacki, eine Creatur des Unterkanzlers, 
zu senden. Als derselbe eben im Begriff ist abzureisen, kommt ein Schreiben 
des Kurfürsten in Warschau an, in welchem dieser sich bitter darüber beklagt, 
dass seine Bemühungen, Kalcksteins Auslieferung zu erlangen, vergeblich 
gewesen seien, die Fortführung desselben, über deren nähere Umstände er frei- 
Hch erklärt noch nicht unterrichtet zu sein, als eine von ihm wohl verdiente 
Strafe rechtfertigt und nähere Mittheilungen durch Brandt, dem er gleichzeitig, 
in der That noch ohne Kenntnis von der Art', wie sich derselbe an der That 
betheiligt hat, nach Warschau zurückzukehren befiehlt, in Aussicht stellt. Dieses 
Schreiben erregt am Hofe die grösste Bestürzung, man besorgt, dass der Kur- 
fürst feindliche Absichten hege, selbst nach Preussen kommen, gegen Elbing 
vorgehen wolle, man behält daher Opacki zurück, lässt in Elbing und auch 
sonst im Königlichen Preussen V^ertheidigungsanstalten treffen, schickt dann aber 
doch Opacki nach Berlin. Jene Befürchtungen erweisen sich jedoch als unbe- 
gründet, bald darauf treffen zwei neue Schreiben des Kurfürsten an den König, 
darunter ein eigenhändiges ein, in welchen derselbe allerdings erklärt, dass er 
Kalckstein nicht herausgeben könne, aber auf das feierlichste versichert, dass 
dessen Fortführung ohne sein Wissen und Willen erfolgt sei, dass er noch im- 
mer keine nähere Nachricht von dem Hergange erhalten habe, aber bereit sei, 
falls die Seinigen, namentlich Brandt, dabei etwas „Unverantwortliches" gethan 
hätten, dieselben in gebührender Weise zu bestrafen. Diesen Standpunkt be- 
hauptet der Kurfürst auch in den folgenden im Februar mit Opacki geführten 
A^'erhandlungen, deren Akten unten abgedruckt sind. Er erwidert auf dessen 



') S. unten Scultetus' Relation vom 11. Februar 1671. 

'^) S. den Bericht des Danziger Sekretars Wider vom 5. üecember 1670 bei 
Hirsch, a. a. 0. S. 271. 

«) D. Varsaviae 5. December 1670 (Zaluski I. S.278f.). 

*) S. die Berichte des Danziger Subsyndicus Stodert bei Hirsch S. 271. 



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232 in. Brandenburg und Polen. 1664—1673. 

Beschwerden und Forderungen '), dass der König verpflichtet gewesen sei, wegen 
des verbrecherischen Treibens Kaicksteins denselben ihm auszuliefern, dass 
aber — und dieses zu versichern, war er in der That formell berechtigt') — 
die gewaltsame Fortführung desselben nicht auf seinen Befehl erfolgt sei, und 
dass er die Thäter vor Gericht stellen und bestrafen lassen werde. Inbetreff 
der verlangten Zurück lief erang Kaicksteins giebt er keine bestimmte Antwort 
sondern er erklärt, darüber durch einen demnächst nach Warschau zu schicken- 
den Gesandten weiter verhandeln zu wollen. Diese Zusagen hat er allerdings 
nachher nicht gehalten, gegen Brandt und Montgommeri hat er') nur, 
nachdem ihnen Zeit und Gelegenheit gelassen w^ar, sich in Sicherheit zu brin- 
gen, einen Scheinprocess führen lassen und jene angekündigte Gesandtschaft, 
welche er ursprünglich wirklich beabsichtigt hat abgehen zu lassen, hat er zu- 
nächst, da der König Warschau verlassen und sich zur Armee begeben hatte, 
aufgeschoben und nachher gänzlich unterlassen, inzwischen aber dem in Memel in 
strengster Haft gehaltenen Kalckstein den Process machen lassen, so dass 
König Michael in der That Grund gehabt hat, sich nachher immer dariiber 
zu beklagen, dass ihm die versprochene Genugthunng nicht geleistet sei. Das 
Verhältnis des Kurfürsten zu dem polnischen Hofe bleibt daher, wenn auch der 
letztere bei den inneren und äusseren Gefahren, die ihn fortgesetzt bedrohen, 
sich hütet, es zu einem offenen Bruche kommen zu lassen, ein sehr gespanntes. 
Eben desshalb sucht der Kurfürst, freilich in sehr behutsamer Weise, eine Ver- 
bindung mit den Gegnern des Hofes in Polen selbst zu unterhalten, namentlich 
um sich über die Absichten und die Machtmittel derselben zu unterrichten und 
um den Bemühungen des Hofes, den niederen Adel gegen ihn einzunehmen und 
aufzureizen, entgegenzuwirken. Diesem Zwecke dienen die wiederholten Sen- 
dungen des Scultetus, zuerst im Februar, dann im Juni, dann wieder im 
August und endlich im December 1671, nach Grosspolen, dessen Relationen in 
chronologischer Folge den übrigen Aktenstücken aus dieser Zeit eingereiht sind. 
Diese letzteren betreffen ausser der Kalcksteinschen Angelegenheit, welche fort- 
gesetzt weiter zur Sprache kommt, hauptsächlich zwei Punkte, die Bestätigung 
der Wehlau-Bromberger Verträge und die Türkenhülfe. Der Streit über den 
ersten Gegenstand, welchen König Michael dadurch erneuert hatte, dass er 
bei Gelegenheit jener Sendung Opacki's durch diesen wieder die Forderung 
hatte stellen lassen, dass zunächst durch eine Kommission die beiderseitigen 
Ansprüche und Beschwerden erledigt werden sollten, ist längere Zeit ergebnis- 
los, ohne dass einer von beiden Theilen von seiner Forderung zurückgetreten 
wäre, fortgesetzt worden, bis endlich die Türkengefahr den polnischen Hof zur 
Nachgiebigkeit genöthigt hat. Schon seit vielen Jahren kämpfte man polnischer- 
seits gegen die aufständischen Kosacken in der Ukraine, diese hatten früher an 

^) Dafür, dass der Kurfürst anfangs Opacki in so echroffer Weise entgegen- 
getreten wäre, wie dieses Pufendorf XI. § 1(H S. 863 erzählt, haben sich in den 
Akten keine Beläge finden lassen. 

J) S. Hirsch a.a.O. S. 26(3 

') S. Paczkowski (Forsoh. III. 2). S. 109ff. 



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Einleitung. 233 

Russland eine Stütze gehabt, hatten diese aber, nachdem der polnisch-russisChe 
Krieg 1667 durch den Frieden von Andrussow beendigt und in demselben der 
westlich vom Dniepr gelegene Theil der Ukraine Polen zugesprochen worden war, 
verloren und sich nun an die Türkei gewendet, der Hetman Doroszenko 
hatte die Oberherrlichkeit des Sultans anerkannt und war dafür von diesem in 
seinen Schutz aufgenommen worden. König Michael aber wollte ebensowenig 
wie sein Vorgänger die Ansprüche auf die Ukraine aufgeben, sondern setzte, 
nachdem Unterhandlungen, welche er mit den Kosacken angeknüpft hatte, ge- 
scheitert waren, den Krieg gegen dieselben fort, obwohl er befürchten mnsste, 
dadurch auch den türkischen Sultan, von dessen Rüstungen sich schon längst 
beunruhigende Gerächte verbreitet hatten, zu Feindseligkeiten zu reizen. 
Er nahm daher schon im Juni 1670 unter Hinweis auf den Aufstand der Ko- 
sacken und die weitere vom Orient her drohende Kriegsgefahr die vertrags- 
mässige Hülfe des Kurfürsten in Anspruch. In der That war dieser, als Herzog 
von Preusseii, durch die Wehlau-Bromberger Verträge verpflichtet, dem Konige 
und der Republik Polen in allen Kriegen, welche dieselben zu führen hätten, 
ein Hülfscorps von 1500 Mann Fussvolk zu stellen ^), welches aber, sobald es die 
Grenze überschritten hatte, von Polen zu unterhalten war. Der Kurfürst er- 
widerte darauf, dass es ver^vunderlich erscheine, wenn von polnischer Seite die 
Bestätigung der Verträge unter nichtigen Vorwänden verzögert, andererseits aber 
doch auf Grund derselben seine Bundeshülfe in Anspruch genommen werde, 
dass er indessen doch bereit sei, falls es wirklich zum Kriege kommen sollte, 
seine Truppen zu schicken, er sprach zugleich das Vertrauen aus, dass wegen 
des diesen Truppen von Polen zu leistenden Unterhaltes eine Vereinbarung ge- 
troffen und dass endlich an die vollständige Erfüllung der Verträge, namentlich 
an die Bestätigung derselben, die letzte Hand werde angelegt werden. Der pol- 
nische Hof glaubte damals wirklich den Türkenkrieg so nahe bevorstehend, dass 
er auf eine erneute Aufforderung, welche der Kurfürst durch seinen preussischen 
Statthalter, den Herzog von Croy, an ihn ergehen Hess, zuvörderst wegen einer 
Vereinbarung über den seinen Hülfstruppen zu liefernden Unterhalt Kommissare 
an die Grenze zu schicken, Ende August jenen pack i nach Königsberg sandte. 
Der Recess über die zwischen diesem und den Bevollmächtigten des Kurfürsten 
geführten Unterhandlungen ist unten mitgetheilt, zu einer wirklichen Ueberein- 
kunft kam es damals nicht, da Opacki auf die von den brandenburgischen 
Kommissaren gestellten Forderungen und Bedingungen erklärte, soweit nicht 
instruiert zu sein und daher zunächst dem Könige darüber berichten zu müssen. 
Trotzdem lässt der Kurfürst sofort die nöthigen Vorbereitungen treffen, damit 

') In dem 12. Artikel des Hauptvertrages (P uf endo rf VI. §78 8.384) war fest 
gesetzt worden: Quoties autem finito hoc belle novuni aliquod aliud bellum contra Ser. 
Regem ac Reinpublicam Poloniae orietur, Sua Serenitas Electoralis ejusque Descendentes 
tenebuntur mille quingentos pedites et quingentos equites Ser. Regi ac Regne Poloniae 
subministrare; quibus postquam ex Ducatu, Pmssia Ducalis, ediicti fuerint. Res Reg- 
numque Poloniae sustentationem subministrabunt. Durch die Specialconvention wegen 
Elbing aber (§81 S. 389) war diese Zahl um 500 Reiter vermindert worden. 



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234 ni. Brandenburg und Polen. 1664 — 1673. 

1500 Mann, 1000 zu Fuss, 100 Reiter und 400 Dragoner, zum Abmarsch bereit 
ständen. Die erwartete Antwort des Königs auf jene Forderungen aber trifft 
nicht ein, am polnischen Hofe ist man, nachdem es sich herausgestellt hat, dass 
der türkische Angriff noch nicht so unmittelbar bevorstehe, und nachdem man 
gegen die Kosacken glückliche Erfolge errungen hat, wieder anderen Sinnes 
geworden, man ist jetzt sehr wenig erfreut über die von dem Kurfürsten be- 
kundete Bereitwilligkeit und über den günstigen Kindnick, welchen dieselbe 
bei dem polnischen Adel machen muss, und erklärt daher schliesslich, dass in 
diesem Jahre die Hülfeleistung noch nicht nöthig sei. Dem Kurfürsten aber sind 
doch die damaligen Zeitumstände günstig genug erschienen, um einen neuen 
Versuch zu machen, die Bestätigung der Verträge durchzusetzen, und er sendet 
zu diesem Zwecke zu Beginn des neuen Jahres 1672 v. Hoverbeck, dem 
einige Wochen später auch der Hauptmann von Lötzen v. Tettau folgt, 
nach Warschau. Die Akten dieser Gesandtschaft, welche die aus dem Jahre 
1672 mitgetheilten Schriftstacke eröffnen, zeigen, wie sehr man sich auch jetzt 
am polnischen Hofe gesträubt hat, dem Begehren des Kurfürsten zu willfahren, 
wie man daher die Verhandlungen so lange als möglich hingezogen, schliesslich 
aber sich doch durch die immer dringenderen Gefahren von aussen und innen 
her, den jetzt wirklich bevorstehenden Ausbruch des Türkenkrieges und die 
Umtriebe der Malcontenten, welche aufs neue im Einvernehmen mit Frankreich 
den Sturz des Königs und die Erhebung eines französischen Prinzen, des Her- 
zogs von Longueville, auf den polnischen Thron betreiben, zur Nachgiebigkeit 
genöthigt gesehen hat. Am 24. März erfolgt die Beschwörung der Verträge, 
V. Hoverbeck bleibt darauf noch in Warschau, um, dem Erbieten des Kurfürsten 
gemäss, nun, nachdem jene Bedingung erfüllt ist, über die beiderseitigen An- 
sprüche und Beschwerden in V^erhandlung zu treten. Seine Relationen aus 
dieser späteren Zeit sind nicht erhalten, wie es scheint ist es damals, da jetzt 
der Türkenkrieg alle anderen Interessen in den Hintergrund drängt, zu solchen 
Verhandlungen garnicht gekommen. Die weiteren Aktenstücke aus diesem Jahre 
beziehen sich zunächst auf eine neue Sendung des Scultetus im April 1672 
nach Grosspolen an den Grosskanzler, deren Zweck wieder ist, die Pläne der 
Malcontenten kennen zu lernen, sodann aber auf die weiteren Verhandlungen 
über die Türkenhülfe. Dieselben werden anfangs sowohl von polnischer Seite 
als auch von dem Kurfürsten, welcher jetzt im Begriff steht gegen Frankreich 
zu Felde zu ziehen, daher einen Theil seiner bisher in Preussen stehenden 
Truppen von dort abgerufen hat und Bedenken trägt, dieses Land ganz von 
Truppen zu entblössen, hingezogen, endlich aber veranlasst die schwere Bedräng- 
nis Polens durch das gewaltige türkische Heer, welches nach der Einnahme von 
Kaminiec bis Lemberg vorgedrungen ist, den Kurfürsten doch, im September 
ein Corps von 1000 Mann zu Fuss und 500 Dragonern unter dem Grafen 
Friedrich v. Dönhoff dem Könige zu Hülfe zu senden. Obwohl dasselbe wegen 
des Friedensschlusses, zu dem sich dieser im November versteht, zu keiner 
Verwendung im Felde kommt, sondern nur in Folge der mangelhaften Ver- 
pflegung schwer zu leiden hat, so sind doch die im Auszuge mitgetheilten 
Relationen Dönhoffs wegen der Nachrichten, welche sie über die da- 



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Einleitung. 235 

maligen Zustände in Polen und über die Vorgänge im polnischen Lager ent- 
halten, von grossem Interesse, ebenso die Berichte des wiederum Ende September 
üud dann noch einmal im November zu dem Grosskanzler geschickten Scul- 
tetus, aus denen man erkennt, welche Verzweiflung sich damals in Polen der 
Gemüther bemächtigt hat, wie man schon eine vollständige Auflösung und Theilung 
des Reiches furchtet, wie der Kurfürst aufgefordert wird, an derselben Theil 
zu nehmen, und wie derselbe, obwohl er damals durch den französischen Krieg 
vollauf beschäftigt ist, sich doch keineswegs ganz ablehnend gegen diese An- 
erbietungen verhalten, sondern sein Augenmerk auf die Erwerbung des polnischen 
Preussens gerichtet hat. 

Von den aus dem Jahre 1673 mitgetheilten Aktenstücken betreffen die ersten 
die Sendungen des Scultetus zu dem Grosskanzler Lesczynski im Januar 
und des Grafen Dönhoff zu dem Grossfeld herrn Sobieski im Mai. Beide sind 
dazu bestimmt, die polnischen Malcontenten , welche sich inzwischen zum 
Schein mit dem Hofe ausgesöhnt haben, aber auf den Kurfürsten wegen der 
dem letzteren geleisteten Hülfe argwöhnisch sind, von feindlichen Schritten 
gegen denselben abzuhalten und zugleich deren jetzige Absichten zu erkunden. 
Die übrigen betreffen die weiteren Verhandlungen über die Türkenhülfe. König 
Michael hat sich entschlossen, den ungünstigen im vorigen Jahre abgeschlosse- 
nen Frieden nicht zu halten, er nimmt daher schon im Juni aufs neue die 
Bundeshülfe des Kurfürsten in Anspruch, und dieser, der inzwischen mit Frank- 
reich den Frieden zu Vossem abgeschlossen hat, erklärt sich nicht nur bereit, 
die vertragsmässige Zahl von Hülfstruppen, sondern, nachdem vom Kaiser die 
Zahlung von Subsidien in Aussicht gestellt ist, noch ein grösseres Hülfscorps 
zu senden. Verhandlungen darüber werden zuerst Ende Juli und dann wieder 
im September mit dem als Gesandter an den Hof des Kurfürsten geschickten 
Morste in geführt, wiederum aber zögert der polnische Hof, sich auf die von 
dem Kurfürsten gestellten Bedingungen zu entscheiden, und lehnt schliesslich, 
obwohl erst im Spätherbst der anstelle des totkranken Königs von Sobieski 
geleitete Feldzug begonnen wird, die Hülfe des Kurfürsten ab. 



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III. Brandenburg und Polen. 1664— 16T3. 



a. Schriftwechsel mit König Johann Kasimir. Sep- 
tember — November 1664. 

Der Kurfürst an den König von Polen. D. in arce nostra 

Colonia ad Spream 16./[26.] September 1664. 

(Conc. J. V. Ho verbeck.) 

[Beschwerde darüber, dass der König verleumderischen Gerächten Glauben schenke.] 

26. Sept. Cum saepius Ser.™"« Reg." Maj.** V." sincerum nostrum aiFectum 

factis probariraus inaniumque rumorum nubes evidentibus toties discusse- 
rimus expcrimentis, securiores utique conscientia ejusdem facti viximus, 
quam ut dubitare vel opinari quidem contigerit, Reg.*™ Maj.*®" V.*"» eis, 
qui inter nos dissidium quaerunt, aures praebituram nedum fidem daturam 
esse. Tanto itaque magis aegrcscit animus, ubi haud incertis ad nos 
defertur authorlbus, Reg.»™ Maj.*®"» V.*™ publice subinde de nobis queri, quasi 
cum suis in perniciem Reipublicae consilia conferamus hostibus, quod vel 
infimae sortis homo equidera de se dici aegre aequo ferat animo, nos 
vero non possumus, quin dolorem hisce nostrum exaremus, quod Reg.* 
Maj.*** V.* inimicorum nostrorum dolis eousque se circumduci patiatur. 
Speramus autem, Reg.*™ Maj.'*™ V.*™ tranquillandis utrinque animis novorura 
nobis authores detecturam rumorum nee imposterum de nobis quicquam 
sibi persuaderi passuram, quod a probata a nobis amicitia alienum no- 
bisque indignum sit. — 



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Gegenseitige Beschwerden. 237 

König Joliaiin Kasimir an den Kurfürsten. D. Warsauiae 

17. October 1664 

[Die beiderseitigen Verhandlungen mit Schweden. Beschwerde über den Verdacht 
wegen Gestattung des Durchzuges der Tataren. Des Kf. Verbindung mit ünterthanen 

des Königs.] 

Duarum litterarum amico commercio potiri dos fecit Serenitas Vestra, 17. Oct. 
quarum prima*) id postulare placuit, ut in nouo hoc cum Ser. rege 
Sueciae — foedere, quod contra oommunem hostem nostnim magnum 
videlicet ducem Moschorum Inire constituimus'), Ser.*** quoque V.'~* 
ciusque dominiorum condignam rationem haberemus, eidemque foederi 
Ser.'*" V/»»n una cum prouinciis et dominus suis insereremus. Quod 
ipsum non illibenter (quantum in nobis erit) praestare parati sumus, ubi 
8er.'" V.« ipsa quoque nouo huic foederi accedere et obligationem in so 
.suscipere uoluerit, belle praedictuni hostem una nobiscum prosequendi 
armisque mutuis eundem ad aequas pacis conditiones adigendi. Caeterum 
pacta haec foederaque ista noua futura nihil antlquis et recentibus prae- 
iudicare debere certo sibi Ser.*" V." persuadeat. Et si in animum suum 
talia passa est Ser.*" V." induci, fidei potius publicae ut insistat Ser.*" 
V." (cuius nunquam naufragrium fecimus) oramus, quam maleuolorum 
apocryphis insimulationibus, qui nuper etiam falsis delatis rumoribus, 
quasi transitum liberum Tartaris in prouincias uicinas easque amicas 
concessissemus, cum Ser.'«"» V."" tum totum Imperium insulso turbauerant. 
Quanto iustius pulsare animum nostrum potuit immo debuit huiusmodi 
suspicio, dum nuper et forsitan ad hunc usque diem per generosum 
Crocouium') Ser.'*' V.™« Ablegatum Aula Suecica solicitatur ad uouanda 
secum foedera, de his tamen studiose reticuimus, libertati cuiusvis id 
relinqui debere statuentes, ut cuique jure suo uti integrum sit tam nouos 
facere amicos quam firmare antiquos, tanto vero magis confisi Ser." V.«*"« 
cum publice tum priuatim datae ac religionis sacramento firmatae fidei, 
quod in ulium eiusdem praeiudicium coalescere debebant eiusmodi infecta 
in huc usque foedera. Quod attinet contenta secundae*) Ser.'** V.™« 

1) Vom \-{- — —-r— 1664, in den Akten nicht erhalten, 
y. September 

^) S. über die kurz vorher mit dem nach Warschau geschickten schwedischen 
Gesandten Palbitzki geführten Unterhandlungen, welche schliesslich erfolglos geen- 
digt hatten, Carlson, Gesch. Schwedens IV. S. 445; Urk. u. Act. IX. S. 783flf. 

») S. ürk. u. Act. IX. S. 733ir. 

*) Vom IG /-iG. September 1664, s. oben S. 286. 



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238 ni. Brandenburg und Polen. 1664—1673. 

epistolae, diffiteri non possumus, multa de alieno a nobis Ser.*»* V."« animo 
circumferri^ id vero plus quam notum nobis esse^ nonnullos subditorum 
nostrorum eo dementiae venire, ut iacta fiducia in praesumpta Ser.*" V/»« 
protectione non civiles gerere et sumere animos audeant. Verum ut hac- 
tenus foris domique rebus perturbatis diuinam fauentem nobis t^m eui- 
dentibus documentis exporti sumus Prouidentiam, eidem plane confisi 
quosuis insultus constanti animo ferne paramus. — 



Der Kurfürst an den König von Polen. D. Coloniae ad 

Spream 18. /[28.] November 1664. 

(Conc. 0. V. Schwerin.) 

[auf das Schreiben vom 17. Oct. Rechtfertigung gegen die in demselben enthaltenen 
Anklagen und Verdächtigungen.] 

28. Nov. Responsoriae Reg. Maj.*'» V."® ad nos Varsaviae die 17°»® Octobris 

datae literae, cum initio de syncero ejusdem in nos affectu et amicitia 
securos nos esse jubeant, gratissimae nobis fuerunt, nee minus tarnen 
easdem summopere nos affecisse et commovisse diffiteri possumus, ubi 
iniquos iuxta ac falsos antehac de nobis vulgatos rumores non omnino 
nullam apud Reg.*"» Maj.*««" V.'"» invenisse fidem ex iisdem percepimus. 
Amoris et affectus Reg." Maj.*»" V.'" erga nos testimonium satis amplum 
praebet, quod inclusionem nostram in novum, quod cum Sueciae rege 
agitatur, foedus non omnino rejecerit, de quo negotio uberius mentem 
nostram declarabimus, ubi de eodem in proximis regni comitiis, in quibus 
absque dubio de hoc negotio tractabitur, certiores facti fuerimus. Unicus 
quoque hie fuit literarum, quas die 30"*<^ Augusti ad Reg.*™ Maj.*«"* V.*™ 
dedimus, scopus, nee unquam nobis in mentem venit, quicquam a Reg.* 
Maj.*« V." tractatum vel actum, quod nobis praejudicio esse possit, eoque 
gravius tulimus, non defuisse malevolos, qui alienum prorsus literis nostris 
affingerent sensum. 

Quod de Tartarorum per provincias Reg.*« Maj.**» V."* in Imperii 
terras soliicitato vel obtento iibero transitu haud ita pridem divulgatum 
nunciavimus, in eo nihil omnino a nobis Reg.*«Maj.** V."« imputatum 
est iniquius. Ut autem nostris propterea Reg.*" Maj.*«" V."™ compella- 
remus literis, plures erant nobis causae. Nee enim fas nobis erat officium 
hoc flagitantibus illud a nobis S. Rom. Imperii Electoribus et Principibus 
denegare impositaeque nobis pro salute et securitate Imperii curae deesse. 
Opinabaraur praeterea, Reg."'" V/*"* Maj.'«'" Tartaris transitum hunc propter 



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Rechtfertigung gegen die polnischen Verdächtigungen. 239 

foedus, quod contra Moscum Reg.*«Maj.** V."« et Reipublicae cum illis 
intercedit, postulantibus eo facilius majorique specie et gratia denegare 
potuisse, quod Sac." Caeaareae Maj.*»» et Imperii statuum oppositionem 
et offcDsionem exinde Respublica timeret. 

Factam a nobis aute biennium et quod excurrit iu Sueciam able- 
gatiooem quod attinet, nihil certe causae est, quod ulla ratione aDimum 
Reg.»« Maj.**« V"« illa pulsare nobisque alieDiorem reddere debeat. Nihil 
hactenus ibidem arcani, nihil Reg." Maj.** V."« et Reipublicae exitiosi, 
vel quod ullo modo fraudi esse queat actum est. Omnia potius in hunc 
usque diem eo fine gesta, ut publica tranquill itas tantaque mole stabilita 
pax illibata conservaretur. — Quam vero et hie non defuerimus officio 
nostro et quam solicita cura id semper egerimus, ne quid esset, quod 
vel umbram saltem mutati in nobis vel alienati anirai praebere posset, 
testari poterunt literae nostrae'), quas eodem tempore, quo de hoc negotio 
restaurandaque cum Ser.™^ Sueciae rege amicitia agi primum coeptum 
est, ad Reg.»" Maj.*«"» V.""> dedimus quibusque nihil aliud intendimus, 
quam ut eidem constaret, quam nihil nos eorum, quae cum exteris et 
vicinis utrique parti statibus agimus, ignorare Reg.»" Maj.'«" V.'»™, quo 
etiaro affectu dignitatem et amicitiam ejusdem colere statuerimus. Gra- 
tum quoque Reg."«Maj.** V."« tum fuisse hoc nostri -cultus et synceri 
animi officium testatur amica plane propensique in nos affectus plena ex 
arce Mohilowiensi die 11°»^ Aprilis ad nos exarata respousio. — Eo magis 
inexpectatum nobis accidit, quod ex fine literarum Reg.»'» Maj.*" V.™« per- 
spexerimus, superesse adhuc, qui cultam hactenus syncero a nobis affectu 
— amicitiam sinistris divellere rumoribus, suspicionumque imo dissi- 
diorum fomitem excitare inter nos satagant. Non possumus non ini- 
quissimo ferre animo, famam nostram ab hujusmodi criminibus hactenus 
immunem a male feriatis calumniatoribus tam diris dilacerari modis. 
Illud autem omnium nobis gravissime accidit, quod Reg.» Maj.*»* V.'» , cui 
plurimis documentis synceritas nostra quam perspectissima esse debebat, 
et quae callidas juxta ac falsas inimicorum nostrorum technas toties ex- 
perta est, non omnem omnino illis jam fidem detrahere vidcatur, nee a 
vero eandem multum abesse putare, contumaces regni subditos fiducia 
nostrae protectionis parum civiles gerere et sumere animos. Verbis certe 
exprimere non possumus, quem nobis dolorem graves hae germanoque 
nostro candore et infucata mente penitus indignao accusationcs fuerint 

^ Dieses Schreiben ist ebensowenig wie die Antwort des Königs darauf in den 
Akirn erhalten. 



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240 ni. Brandenburg und Polen. 1064—1673. 

caasatae. Cum itaque hujusmodi contra nos adinventas artes nostramque 
juxta innoccntiam Orbi exponi tum nostra tum Reg." Maj.*** V^estrae et 
Reipublicae intersit, etiam atque etiam Reg."" V."" Maj.*«" quo possu- 
mu8 studio rogatam volumus, velit uostrae die 16^ mensis Septembris 
factae requisitioni locum relinquere authoremque et iuventorem hujusmodi 
rumorum nobis denominare, ut integritati illibatae hactenus famac et ho- 
noris nostri consulere possimus. — 

b. Gesandtschaft v. Hoverbecks .und v. Bonins. De- 

cember 1664— Mai 1665. 
Instraction, wonach sich unsere — Geh. Käthe [Joh. v. Ho ver- 
beck und Georg v. Bonin')] bei der Gesandtschaft auf den 
gegen den 26./16. Noverabris dieses Jahres in Polen ange- 
setzten Reichstag zu achten und ihre Negociation allenthalben 
zu richten haben werden. D. Cöln. a. d. Spree 2./[12.] De- 

cember 1664. 
(Conc. J. V- Hoverbeck.) 
12. Dec. Sie sollen ihre Reise nach Warschau dergestalt beschleunigen, dass sie 

gegen Anfang des Reichstages') daselbst anlangen. 

Sie sollen vor allem das zwischen dem Konige und Kf. durch dessen Feinde 
gestiftete Misstrauen zu beseitigen sich bemühen, zu dem Zwecke bei der Privat- 
audienz sowohl den König als auch die Königin daran erinnern, wie getreu Kf. 
stets den Verträgen nachgekommen und das Wohl der Republik befördert, wie 
er auch das Subsidium ') mit grosser Beschwer seiner Lande und Leute auf den 
Beinen gehalten, bis er aus des G.Kanzlers Schreiben an den V.Kanzler 
ersehen, dass es für diesmal wohl nicht wurde begehrt werden. Daher hätte 
ihn das letzte königliche Schreiben*) sehr betrübt. Sie können dasselbe punc- 
tatim dergestalt durchgehen, dass sie: 

1) aus dem vom Kf. an den König occasione des von dem Tatarischen 
Khan durch Grosspolen nach Schlesien gesuchten Durchzuges abgelassenen Schrei- 

Georg V. Bon in, kurfürsll. Geb. Rath, Knde 1655 zu einer Gesandtschaft 
nach Wien (s. ürk, u. Akt. VII. S. 423 ff.), Anfang 1656 zu einer solchen nach 
Holland (ebenda?. S. 29f.) verwendet. — Vgl. über diese Gesandtschaft Pufendorf 
IX. c. 86. S. 631f. 

''') S. über diesen am 26. November 1664 eröffneten Reichstag Kocbowski, 
Annales Poloniae IIL S. 153 ff. 

') Polen hatte in dem noch fortwährenden Kriege gegen Russland auf Grund 
des Artikels 12 des Wehlauer Vertrages und des vom Kf. am 6. November 16.57 zu 
Bromberg ausgestellten Reverses die dort festgesetzte Bundesbülfe desselben in An- 
spruch genommen. 

*) S. oben S. 238. 



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Instruction für ▼. HoYerbeck und t. Bonin. 241 

ben dem Eonige bedeuten, dass dem Ef. niemals in den Sinn gekommen, der 
König sollte einem solchen Zumuthen statt geben wollen. 

2) Kf. hätte bei v. Crockows Negotiation in Schweden nicht weniger auf 
seiner Alliierten wie auf sein eigenes Interesse gesehen. Dass er, um seine Ga- 
rantie der schwedischen zu proportionieren, sich verpflichtet ^), Schweden in Lief- 
land nur gegen die Paciscentes Olivae zu vertreten, könne um so weniger An- 
stoss erregen, da er dazu schon durch die Olivaische General garantie verpflich- 
tet sei. 

3) Dass Kf. jemals Unterthanen des Königs in seinen Schutz genommen 
oder jemand durch Schreiben auf seine Protection vertröstet und dadurch zu 
gefahrlicher Neuerung veranlasst haben sollte, werde sich niemals befinden, und 
geschehe ihm sehr ungütlich, dass der König ihren beiderseitigen Feinden soviel 
Gehör gegeben hätte. Wenn Kf. den König nicht schonen wollte, so würde er 
vielmehr Ursache haben sich zu beschweren, dass'^ seine Unterthanen zur 
Widersetzlichkeit veranlasst, den nach Preussen zur Abnehmung der Eventual- 
buldigung geschickten Kommissaren solche Dinge in Instruktion mitgegeben 
worden, welche den Actum homagialem eher stutzig machen als das Werk 
hätten befördern sollen, und dass, obwohl die gegen ihn eingegangenen Ver- 
pflichtungen noch nicht erfüllt wären, man ihm solche Dinge abzudringen ge- 
sucht, dazu er nur reciproce verbunden sei. Kf. habe dieses aber bisher ver- 
schmerzt und hoffe, der König werde es dahin bringen, dass ihm El hing über- 
geben und der Gemahlin des K. G. Feldherrn die in den Reichsconstitutionen ver- 
schriebene Satisfaction wegen Draheim angewiesen werde. Auf den zu er- 
wartenden Einwand, dass es nicht an dem Könige sondern an den Ständen 
gemangelt, dass Kf. noch nicht völlige Satisfaction erhalten, sollen sie antworten, 
der König sei supremus custos et executor pactorum legumque publicarum und 
hätte Kf. sich besonders über die zu beschweren, welche den König verleitet 
hätten, dass er, da Zeit zu exequieren gewesen, die Sache in Proposition gebracht 
und abermal zur Umfrage gestellt habe, bis sich endlich^) einige Widersprecher 
gefunden. Sollte der König darauf erwidern, dass er sich bemüht habe, Kf. 
für El hing einen Abtrag an Geld zuwege zu bringen, und dass wirklich zu 
diesem Zwecke eine Steuer eingeführt sei, so sollen sie erwidern, dass auch 
biebei genugsam zu erkennen gegeben sei, wie geringschätzig man Kf. hielte, 
da das von diesem Zoll gefallene Geld anderswohin verwandt sei. 

Wenn es zur öffentlichen Proposition in consessu aller kommen wird, sollen 
sie ausführen, wie hoch sich Kf. um die Republik verdient gemacht und wie 
er dagegen so schlecht wäre tractiert worden, und versichern, dass Kf. nach er- 
folgter Satisfaction seine Freundschaft für die Republik bei allen Gelegenheiten 
bethätigen werde. Daneben aber sollen sie privatim die Wohlaffectionierten zu 
nachdrücklicher Cooperation zu bestimmen, die Widerwärtigen aber durch dien- 
liche Information auf andere Meinung zu bringen sich bemühen. Da auch der 



') S. Urk. U.Act. IX. 8.796 f. 
'O S. ebendas. S. 388 ff. 
5) S. ebendas. S. 287. 

Mater, t. Oesch. d. O. Kurfürsten. XII. 16 



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242 in. Brandenburg und Polen. 1 664-- 1673. 

franz 5s is che König ^) dem Kf. versprochen hat, sich für Befriedigung desselben 
in der Elbinger Sache zu bemühen, so sollen sie sich der Assistenz des fran- 
zosischen Gesandten'), aber nur bei dem Hofe, bedienen. 

Nach diesem Hauptwerk kann das übrige in folgende Klassen abgetheilt 
werden : 

I. Was directo wegen unser zu suchen und zu negociieren: 

1) Bestellung einer Grenzkommission oder wenigstens einer Interims- 
kommission. 

2) Der Markgrafen von Culmbach und Anspach Versammlung am Her- 
zogthum Preussen. 

3) Ausantwortung der nach Polen oder dem Königlichen Preussen geflohenen 
märkischen oder pommerschen Unterthanen. 

4) Abolition der den Evangelischen zugefugten gravaminum nach Anleitung 
dessen, was ihnen Fürst Radzivill und andere Evangelische an die 
Hand geben werden. 

5) Beilegung der zwischen beiden evangelischen Religionsverwandten in 
Danzig entstandenen Misshelligkeiten. 

6) Unterstützung der Stadt Thorn') in dem mit den Nonnen daselbst 
schwebenden Processe. 

7) Sicherung der Marienwerderschen Niederung gegen die drohende üeber- 
schwemmung. 

II. Was occasione des Königl. Ausschreibens und der Reichs- 
tagsproposition zu erinnern und zu beobachten: 

1) Sie sollen sich um Beschleunigung der Friedenstractaten mit Mose au 
bemühen, auch, wenn sie merken wurden, dass des Kf. Mediation ac- 
ceptiert werden möchte, dieselbe in seinem Namen anbieten, wenigstens 
aber es dahin zu richten suchen, dass Kf. in die Friedenstractaten mit 
eingeschlossen werde. 

2) Wenn es zu einer Kommission wegen des Münzwesens kommen sollte, 
haben sie sich des hergebrachten Directorii dabei zu gebrauchen und 
nicht zuzugeben, dass Kf. wegen erlangter Souverainität davon ausge- 
schlossen werde. 

3) Sollte occasione der neuen vorstehenden Werbung und Recrutierung der 
durch die letzte Campagne ruinierten Armee des Kf. Landen etwas be- 
schwerliches zngemuthet werden, so sollen sie erklären, dass, bevor von 
polnischer Seite praestanda präatiert seien, Kf. sich zu dergleichen nicht 
verstehen könne. 

III. Was sonsten zu präcavieren: 

1) Dass die preussischen Stände nicht occasione der bei dem actu homa- 
giali versprochenen Reversalen etwas auswirken, was den Verträgen zu- 



») S. ebendas. S. 667f. 
*) de Lumbres. 

') S. Lengnicb, Gesch. der Preussischen Lande Kgl. Polnischen Antheils VII. 
S. 267. 271. 



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Instniction ftir v. Hoverbeck und y. Bonin. 243 

wider sei oder zu Schm&lerung des supremi directiqoe dominii dienen 
konnte. 

2) Dass des gewesenen Königsberger Schoppenmeisters Rohde wegen auf 
Anhalten seines Sohnes nichts nachtheiliges oder verdriessliches verordnet 
werde, vielmehr sollen sie sich beschweren, dass dieser Mensch in seiner 
Widersetzlichkeit gestärkt werde. 

3) Dass nichts wider die hergebrachte freie Flossung der Holzwaaren*) 
verordnet werde. 

4) Dass nicht etwa einige beschwerliche Commission zur Grenzziehung mit 
Grosspolen in die Constitution komme. 

IV. zu hintertreiben: 

1) dass wegen unsers Pillauschen, Elbingschen oder Labiauschen Zolles, 
der Littauer prätendierten freien Durchfahrt nach Danzig noch auch des 

Stromgelds auf der Weichsel, das wir von den nach Danzig gehenden 
Waaren nehmen lassen, etwas in die Constitution gebracht werde. 

2) Dass der Stadt Danzig das vor drei Jahren gesuchte Privileg, dass in 
Polen und Littauen nur mit dem Danziger Siegel bedruckte fremde 
Tücher dürften eingeführt werden, gegeben werde. 

3) etwaige Klagen über das von des Kf. Beamten zu Marienwerder erhobene 
Fährgeld. 

4) Erneuerung des der Konigsberger Niederlagsgerechtigkeit zuwiderlaufenden 
vor dem Kriege der Stadt Cauen gegebenen Niederlagsrechts. 

5) Neuerungen in dem Danziger Postwesen. 

6) Alles, was zu der Evangelischen Nachtheil oder Beschwer gereichen konnte. 

7) Insgemein alles, was zu Schmälerung der hergebrachten Freiheit der 
Republik ausschlagen oder einige Aenderung des jetzigen Standes und 
der Reichsverfassung nach sich ziehen mochte. 

V. zu sondieren oder sich unter der Hand zu erkundigen: 

1) Was des Moscowi tischen an uns lautenden, vom Könige intercipierten 
und uns bisher vorenthaltenen Schreibens Inhalt sei. 

2) Wovon die ad archivum deponierte Scripta, deren Publication die Stände 
so stark nrgieren, handeln. 

3) Ob eine Protestation wegen der Lande Lauenburg und Bütow bei 
dem Lublinschen Tribunal eingegeben sei. 

4) Wie weit es Grund habe, was von der Alliance zwischen Frankreich 
und Schweden die polnische Wahl betreffend ausgebracht worden. 

5) Ob der polnische Hof mit dem schwedischen Envoye Balbitzky ins- 
geheim etwas geschlossen habe, wie weit und wohin solches gehe. 

6) Welche Subjecta zur künftigen Wahl vornehmlich in Consideration kom- 
men und was ein jedweder für Anhang oder Behinderung finden möchte, 
insonderheit welche von den Ständen ihr Absehen auf Pfalz-Neu- 
burg gerichtet. 

') S. ürk. u. Act. IX. S. 4f. 

16* 



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244 ni- Brandenburg und Polen. 1664—1678. 

7) Ob und was daran sei, so von des Königs vorhabender Resignation des 
Reichs bei diesem vorstehenden Reichstage geredet wird. 

8) Da es zur Aussöhnung mit dem K. Grossmarsch alck käme, ob der Wahl 
halber dabei etwas bedungen worden. 

9) Ob des G.Feldherni Gemahlin nicht dahin zu disponieren sein möchte, 
Kf. vermittelst eines Recompenses Draheim abzutreten. 

VI. zu unterbauen per indirectum: 
Abfährung der Besatzung aus El hing. 

VII. einige Particularsachen. 



Der Kurfürst an Fürst Lubomirski. D. ColoDiae ad Spream 

21./[31.] December 1664. 

(Conc. 0. V. Schwerin.) 

[HoffDung, da.HS die Anklagen gegen L. verleumderisch seien. Mahnung, durch Unter- 
werfung den König zu besänftigen.] 

31. Dec. Ex variis hactenus rumoribus saepias ad Nos varia delata sunt, quae 

contra Dil.*"* V/»" tentata actaque fuerunt, sed nomine nostrorum per 
aliquod tempus in aula Reg.** Maj.^» praesente, dubii haesimus, quid 
quantumve fiidei famae huic tribuere possemus, eoque gratius Nobis fuit 
veram rei aeriem ex literis Dil.*» V."« Nissa die 24^ Decembris ad Nos 
exaratis^) perspicere: Equidem fatemur, quantum Nobis de Dil.*» V."« 
actionibus rebusque gostis constat, non aliter Nos judicare posse, quam 
Eaodem sacram Reg." Maj.**» dignitatem, Reique publicae utilitatem su- 
premam sibi semper legem habuisse, eoque magis persuasum habemus, 
iniquis calumniatorum artibus et insidiia circumventam Reg.*"» Maj.**", 
quam alioquin justitiae studiosam novimus, durius quod in Dil.«" V."™ 
statuisse, quae interea de constanti nosträ in Eandem aflfectu et officiis 
quam maxime secura esse potest, dummodo nuUo, ceu non dubitamus^ 
fundamento nixa sit accusatio, quae in Reg-^Maj.*** personam Sacrumque 
ejus Caput structas a Dil.* \J* insidias nee famae hoaorique praeterea 
Regio parcitum, asserit. Speramus, haec et alia ejusdem, quae feruntur, 
farinae a malevolis famaeque et dignitatis Dil.*» V."« invidis conficta esse, 
alias enim, et si quid ejusmodi actum ab Kadern fucrit, vitio Nobis verti 
haud posset, fidam et infucatam semper cum Reg.» Maj.^* cultam amici- 

In demselben (d. Nissa 24. December 1664) zeigt L. dem Kf. an, dass er un- 
gerechter Weise veruriheilt und dadurch gezwungen worden sei, auf kaiserliches Gebiet 
zu flöchten, und bittet um dessen Schutz, lieber diese Lubomirskische Angelegenheit 
ist neuerdings eine polnische Monographie von Czermak (Sprawa Lubomirskiego 
w. r. 1664. Warschau 1886) erschienen. 



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Schreiben des Kf. an Lubomirski. 245 

tiam foederisque cum Eadem et Republica pacti religionem aliis quibus- 
cnmque Nos anteponere rationibus. Optimum itaque, quod rebus ita 
comparatis dare possemus Dil.* V/" consilium, hoc est, ut generosi Regis 
animam ea, qua par est, submissione ad mitiora flectere, iramque Ejus 
demulcere studeat, sin vero Reg.*™ Maj.**»" per nefarias callidasque inimi- 
corum artes ad haec consilia perductam appareat et Respublica in peri- 
cnlum libertatis et tranquillitatis publicae delapsura videatur, id semper 
agemus, ut pactis foederibusque juramenti fide a Nobis firmatis sua in- 
tegritas et ratio constet, eoque omuibus modis annitemur, ut fidelibus 
patriae civibus luimicorum fraudibus oppressis subveniatur et publica 
Reipublicae tranquillitas illibata cooservetur, quemadmodum de intentiooe 
hac nostra missum ad Nos a Dil.® V.'» officialem prolixius certiorem 
fecimus'). — 

V. Hoverbeck und v. Bonin an den Kurfürsten. D. Warschau 
31, December 1664. 

[Ankunft, nachgesuchte Audienz. Das Urtheil gegen Lubomirski. Aussicht, dass sich 
der Reichstag zerschlagen wird.] 

Sie sind wegen des tiefen Schnees erst gestern hier angelangt, haben heute 31.Dec. 
durch den K.O. Kämmerer'-^) um eine Privataudienz bei dem Könige nachge- 
sucht, dieselbe aber wegen eines Banquets nicht erlangen können. Es hat sie 
befremdet, dass der König sie durch den O.Kämmerer hat fragen lassen, ob sie 
bereits bei dem K.G. Kanzler'^) gewesen wären, wenn nicht, so würde derselbe 
bei ihrer Audienz zugegen sein müssen. Sie schliessen daraus, dass entweder 
dem Könige ihre Ankunft nicht angenehm ist, oder aber, dass derselbe befürchtet, 
sie wollten für den K.G.Marschall sprechen, worauf er ohne grosse Alteration 
nicht antworten könne, und dass er daher wohl lieber durch den Kanzler als in 
eigenem Namen mit ihnen sprechen will. Statthalter Fürst Radzi will ist auch 
erst gestern wieder hierhergekommen. 

Auf dem Reichstage^) ist bisher die Zeit fast nur mit dem zugebracht wor- 



I) Unter demselben Datum erlässt Kf. ein Schreiben an y. Hoverbeck und 
V. Bonin, in welchem er diesen von dem Anbringen Lubomirski's und der dem- 
selben ertheilten Antwort Mittheilung macht und sie beauftragt, dem Könige und der 
Königin die Bitte und den Rath auszusprechen, L. zu verzeihen, zugleich auch dem 
Erzbischof und anderen patriotischen Senatoren und Landboten davon Kenntnis 
zu geben und L.'s Widersachern vorzustellen, in welches Unglück sie ihr Vaterland 
stürzen wurden, da jener jedenfalls fremde Hülfe suchen und sich nicht so werde 
iinterdrücken lassen. 

«) Qrai Theodor Dönhoff. 

*) Nicolaus Prazmowski. 

*) Vgl. Kochowski, Annales Poloniae III. S. 153 ff. 



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246 ni. Brandenburg und Polen. 1664—1673. 

den, was den E.G.Marschall und dann die an des Littauischen Unterfeldherrn 
Gosiewski Tode schuldigen Personen angeht. Am 29. hat der Konig trotz 
aller Vorstellungen wider den G. Marschall ein Decret *) publicieren lassen, dass 
derselbe als perpetuo infamis aller seiner Chargen entsetzt und vogelfrei sein 
und seine Güter dem Königl. Fisco heimfallen sollen. Man hat auch sofort 
zur Vergebung seiner Chargen und Beneficien schreiten wollen, den Marschall- 
stab haben der Hofmarschall Branicki und der K. Fähndrich Sobieski aus- 
geschlagen, man vermuthet aber, dass der K. Schwertträger Zebrzydowski'), 
der selbst mächtig und mit dem G.Marschall in steter Feindschaft gelebt, ihn 
annehmen und die Starostei Crackau dazu erhalten wird. Das Vicegeneralat wird 
ohne Zweifel Czarnecki erhalten und annehmen. Die an dem Tode 
Gosiewski 's Schuldigen sollen mit dem Schwert hingerichtet und nachher ge- 
vierteilt werden, doch bemühen sich viele, dass der gewesene Präsident der 
conföderierten Littauischen Armee Niewiarowski zur Verbannung nach der 
Ukraine begnadigt werde. 

Der Reichstag steht jetzt in crisi und es wird sich übermorgen zeigen, ob 
einige Apparenz sei, zum Schluss zu gelangen, worum sich der Landboten- 
marschall ') sehr bemüht, viele Landboten aber bestehen darauf, es wäre besser, 
denselben zerschlagen zu lassen, als gegen das Herkommen nach eingelegten 
Protestationen von zehn Landboten in den Konsultationen fortzufahren. 



V. Hoverbeck und v. Bonin an den Kurfltrsten. D. WarBchau 

8. Januar 1665. 

[Audienz beim Konige und der Konigin.] 

8. Jan. Nachdem sich der König etliche Male der Audienz halber entschuldigen 

lassen und v. Bonin inzwischen durch einen Podagraanfall bettlägerig gewor- 
den, ist Hoverbeck am 4. Januar allein zur Audienz abgeholt worden. £r 
hat dem König des Kf. Glückwunsch zu der ruhmvollen Beendigung des letzten 
Feidzuges abgestattet und dessen Hoffnung ausgesprochen, der König würde ihn 
seine Freundschaft bei dieser Negotiation wirklich geniessen lassen, er fordere 
nur, dass den beschworenen Pactis völliges Genügen geschehe. 

Der König bedankte sich darauf für den Glückwunsch und dass Kf. Brauns- 
berg herausgegeben habe, erklärte auch, ihm gegenüber sich wie ein Bruder 
bezeigen zu wollen, bei dem verworrenen Zustande der Republik aber könne 
er, zumal wenn der Reichstag sich zerschlagen sollte, für sich selbst nichts 



') S. Processus iudiciarius in causa ill. et magn. Georgio comiti in 
Wisnicz et Jaroslav Lubomierski etc., nebst der Gegenschrift desselben: Publicae 
innocentiae manifestum etc. und anderen auf die Lubomirskische Sache bezüg- 
lichen Flugschriften im Appendix des D iarium Europaeum XIH. wiederabgedruckt. 

2) S. Kochowski IlL S. 164. 274. 

") Johann Gninski, U.Kämmerer von Pommerellen und Regens der Gross- 
kanzlei, später Hof Schatzmeister, seit 1668 Woiwode von Culm. 



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Vorgänge auf dem Reichstage. Audienz beim Konige. 247 

schaffen, sie müssien es demnach bei der Eepablik suchen, und würde er sein 
Bestes dabei thun. 

Auf H.'s Einwand, das wäre eben des Kf. Betrübnis, dass der König, wenn 
es seine Interessen betreffe, sich nicht seiner Hoheit und Gewalt gebrauchen 
wollte, sondern längst beschlossene Dinge aufs neue in Deliberation stellte, auf 
Grund des Reichstagsschlusses von 1658 könnte er Elbing dem Kf. tradieren, 
erwiderte der König, so Hesse sich wohl von einem reden, der die Sachen von 
aussen ansehe, weil er aber bei seinen Polen so unglücklich wäre, dass er ihnen 
fast nichts könne zu Dank machen, so müsste er viel behutsamer gehen. Kf. 
dürfe sich keine Hoffnung auf die Stadt machen, die Stände würden in die 
Tradition nie willigen, die verschriebene Summe aber oder doch einen grossen 
Theil derselben würde Kf. wohl bekommen haben, wenn die unselige Confödera- 
tion nicht entstanden wäre, welche das meiste mit Gewalt weggenommen. 
Sollte der Reichstag zum glücklichen Schlüsse kommen, würden gewiss zur 
Bezahlung der Schuld die Wasserzölle aufs neue bewilligt werden, sonst müssten 
sie bis zum künftigen Reichstage warten, wollten sie bei den Ständen etwas 
suchen, so müsste es bald geschehen, da nur noch drei Tage bis zum Schluss 
oder Ruptur übrig wären. 

Als H, erwidert, Kf. könne von den Pactis nicht abgehen oder von seinem Recht 
auf Elbing abstehen, sondern würde sich an den König halten, bis der Effect 
dessen, was ausbedungen, erfolge, erklärt der König, auch auf den FalJ, dass der 
Reichstag sich zerschlage, des Kf. Satisfaction nach Möglichkeit befördern zu 
wollen, und schlägt vor, sie möchten ihm ein Memorial übergeben, das er in 
consilio postcomitiali den Senatoren proponieren wolle, die Wasserzölle seien 
einmal zur Bezahlung des Kf. gewilligt worden, da diese nicht erfolgt, müsste 
man weiter damit continuieren. Doch könnte auch von den Senatoren dem Kf. 
vorgeworfen werden, dass er den Pactis kein Genüge gethan, indem er nicht 
das Subsidium geschickt. 

H. sucht dieses durch Hinweis darauf, dass das Subsidium nach den Pactis 
erst nach beendigtem jetzigen Kriege zu leisten sei, und auf das Schreiben des 
G.Kanzlers an den U.Kanzler ^) zu widerlegen. Der König aber antwortet, 
in dergleichen Fällen hätte man sich nicht nach der Ministrorum Status sondern 
nach der Herren eigenen Schreiben zu richten, die Deutung des Passus der 
Pacta: finito hoc hello sei eine Calvinische, da man subtilisierte, er bliebe schlecht 
bei den Pactis und der einfaltigen Catholischen Meinung, doch wollte er sich 
jetzt darauf nicht weitläufig einlassen. 

H. bringt darauf die Sache wegen Draheim vor und bittet, der König 
möchte dem G. Feldherrn oder dessen Gemahlin anderweitige Satisfaction schaffen, 
der König erbietet sich dazu, macht aber schlechte Hoffnung auf Success, weil 
man es mit einem eigensinnigen Weibe, die dazu noch grosse Factionen bei der 
Armee hätte, zu thun habe. Beim Abschiede endlich erklärt H., Kf. sei sehr 
betrübt, dass der Königsich beschwert hätte, er correspondierte mit seinen Fein- 
den und veranlasse seine Unterthanen zum Aufstande, nachdem Kf. sich immer 



») S. oben S. 240. 



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248 Ilf- Brandenburg und Polen. 1664—1673. 

so freundschaftlich gegen ihn bezeugt habe. Der König erklärt darauf, Kf. 
könne es nicht übel deuten, dass ihm verschiedene von Kf. mit seinen Dienern 
und Unterthanen gepflogene Unterredungen und Correspondenzen Nachdenken 
gemacht, er wolle bei anderer Gelegenheit ausführlich davon reden, doch glaube 
er, dass sich manche, namentlich Lubomirsky, mehr gerühmt, als in Wirk, 
lichkeit gewesen. H. erwidert, dergleichen würde sich gewiss nicht befinden 
und könnte der König dem Kf. keine grössere Freundschaft erweisen, als wenn 
er ihm die Ansager solcher Dinge namhaft machte. Zuletzt bezeugte der König 
grosse Freude über den gedoppelten Ehesegen, den Gott dem Kf. neulich ver- 
liehen *), beklagte aber zugleich, dass er dergleichen nicht mehr zu hoffen habe. 
Nach beendigter Audienz wird H. von dem K.Vicekanzler^), als der 
Königin Oberhofmeister und Marschall, zu dieser eingeholt. Nach den Curialien 
stellt er derselben den Hauptpunkt ihrer Negotiation vor mit dem Anhange, 
dass Kf. sowohl wegen der Versicherung, welche sie bei H.'s letzter Abreise 
gethan, als auch wegen der Zusage des Königs von Frankreich, des Kf. 
Interessen an diesem Hof zu secundieren, hoffe, sie würden ohne Satisfaction 
nicht von hinnen gehen. Die Königin erwidert, der König von Frankreich 
hätte keine Autorität bei den Ständen dieser Republik, bei ihr hingegen sehr 
viel, Kf. könnte aber in dem, was er verlange, nicht ohne die Republik Satis- 
faction erhalten ; es würde dieses wohl accommodiert werden können, nachdem Kf. 
das vornehmste, die Souverainitat und was zu deren Bestätigung erforderlich, 
erhalten hätte, und sie war in diesem Punkt nicht weiter zu bringen, als dass 
sie erklärte, bei nächster Gelegenheit wieder darüber mit ihnen conferieren zu 
wollen. Sie bezeugte ihre Freude über H.'s Ankunft und ihre Verwunderung, 
dass dieselbe so spät erfolgt sei, und möchte sie es wohl dahin deuten, als wenn 
solches etwa um des Grossmarschalls Sache willen gesehen. Sie behauptete, 
alle erkennten, dass Lubomirsky das ürtheil durch seinen Hochmath und seine 
stetigen Traductionen wohl verdient hätte. H. stellte dann auch ihr vor, wie 
tief Kf. durch die königlichen Discurse und Schreiben, als wenn er des Königs 
Unterthanen zur Widersetzlichkeit veranlasst, betrübt sei. Sie erwiderte, das 
habe nicht soviel auf sich, dass Kf. es dergestalt zu beeifern Ursache habe. 
Als der König erfahren, dass Niemerycz*) bei Anwesenheit des Kurfürsten zu 
Sachsen*) den nächsten Zutritt bei beiden Kurfürsten gehabt, hätte er nichts 



') Am 19. November 1664 waren dem Kf. Zwillinge geboren worden, welche 
aber beide schon nach kurzer Zeit gestorben sind. 

-) Johann Leszynski. 

3) Stephan Niemirycz, ü. Kämmerer von Kiew; derselbe hatte wegen Glau- 
bensverfolgungen sein Vaterland verlassen und sich zu Kf. begeben, welcher ihm ein 
Gut in der Neuraark, Neuendorf, in Pacht gegeben hatte. 

*) Gemeint ist die Zusammenkunft zu Berlin, Anfang Mai 1664 (s. Urk. u. 
Act. XI. S. 271 ff.). In einer Konferenz, welche v. H. mit dem G. Kanzler am 29. Januar 
16G5 abhält, behauptet dieser, Niemirycz wäre der allervertrauteste Freund Lubo- 
mirski's gewesen, hätte diesem alle seine Guter verschrieben, wäre dann unter dem 
Verwände eines exilii ins Reich gegangen und bei der Zusammenkunft des Kf. mit 
K.Sachsen zu den allergeheimsten Berathungen zugezogen worden, v. H. bestreitet 



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Audienz bei der Königin. Ende des Reichstaf^es. 249 

anderes vermothen können, als dass jener von dem G. Marschali, als dessen 
Vertrautester, sehr geheime Commissionen gehabt haben müsse. 

H. erwidert, er habe davon nicht das geringste penetrieren können, da er 
doch vielfältig mit ihm umgegangen. I^iemerycz hätte sich die ganze Zeit, 
als er bei Hof seines Arrendecontracts halber sich aufgehalten, in keinem Dinge 
geäussert, so Ihren Majestäten nachtheilig sein könnte. Sollte dieses geschehen 
sein, so würde Kf. es nicht verschwiegen, sondern darin ebenso wie bei des 
dänischen Reichshofmeisters Corfitz v. Ulefeld ') Vorträgen verfahren haben. 
Diesem Beispiel der Generosität des Kf. gegenüber, sagte die Königin, könnte 
sie nichts erwidern. Damit und mit Discursen über das Befinden der Kurfürstin 
und den neuen £hesegen endigte die Audienz. 



V. Hoverbeck an den Kurfürsten. D. Warschau 8. Januar 

1665. 

[Auflösung des Reichstages, Verschiebung der Angelegenheit des Kf. auf den nächsten 

Reichstag.] 

Der Reichstag hat sich in der letzten Nacht ganz fruchtlos, ohne dass irgend 8. Jan. 
ein Schluss erfolgt wäre, zerschlagen"), sie haben daher keine Hoffnung, in dem 
Hauptpunkt ihrer Negotiation etwas fruchtbarliches zu schaffen, da alle Sena- 
toren, welche sie besucht, erklären, El hing als ein Schlüssel des Landes könnte 
Kf. nicht tradiert werden, Geld zum Abtrage sei jetzt nicht vorhanden, ohne 
Einwilligung sämtlicher Stände dürfe aber keine Contribution gefordert wer- 
den, daher müsse diese Sache bis zu künftigem Reichstage, den der König gegen 
den 5. März aber nur auf zwei Wochen (es würden aber wohl ihrer Meinung 
nach zwölf daraus werden) haben wolle, verschoben werden. Trotzdem haben 
sie dem Könige vor angehendem Rathe ein Memorial übergeben^). 



dieses und sagt, N. habe damals nur bei der Tafel mit anderen Cavaheren aufgewartet, 
derselbe habe sich durch ein Schreiben der Königin bei Kf. Zutritt verschafft und 
ein Vorwerk, darauf er die Arrende auf drei Jahre vorausbezahlt, zur Wohnung er- 
halten. 

») S. ürk. u. Akt. IX. S. 717 ff 

'0 S. Kochowski III. S. 157. 

^ Kf. weist darauf (d. Custrin 9./[19.] Januar 1665) die Gesandten an, bis zum 
* nächsten Reichstage in Warschau zu bleiben und ihn von allem, was in Polen vorgehe, 
zu benachrichtigen. Dazu das PS.: „Weil Lubomirsky uns persönlich und ins- 
geheim zu sprechen verlanget, als wollet Ihr uns berichten, was nach der gefälleten 
Sentenz wider ihn derends weiter passiret, ob sich niemand seiner annimmt, ob man 
keine Nachricht aldort habe, wie am Kaiserlichen Hofe diese Sache genommen werde, 
was der U.Kanzler für Sentiment führe, wovon Ihr uns nicht allein ausführlich zu 
berichten, sondern uns auch Eure fernere Gedanken zu eröffnen, auch habt Ihr uns 
schleunigst zu advisiren, wann der U.Kanzler verreiset und wohin ersieh begeben,^ 



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250 in. Brandenburg und Polen. 1664—1673. 

V. Bonin an den Kurfürsten. D. Warschau 6./[16.] Januar 

1665. 

[Audienz beim Ronige.] 

IT). Jan. Er hat heute endlich beim Könige Audienz gehabt, derselbe theilte ihm 

rait, er habe den G. Kanzler und andere deputiert, ihnen zu sagen, was er gegen 
Kf. zu sprechen habe, und auch auf ihr Suchen zu antworten. Kf. würde nicht 
gutfinden, dass, wenn er in seinem Staate einen Menschen hatte, der denselben 
brouillieren wollte, er denselben härten und ihm den Rücken zu halten versprechen 
wollte. Als B. versichert, dieser Verdacht gegen den Kf. sei unbegründet, sagt 
der König, er hätte Kf. zu Bromberg gesehen, ihm alles gutes zugetraut, hätte 
aber erfahren, wie er nachmals mit dem Marschall, dem ü. Kanzler und anderen, 
die dem Marschall angehangen, unaufhörlich durch Hoverbeck, Goltz und 
durch Schreiben Communication gehabt. Vergeblich remonstriert B. dagegen, der 
König erklärt schliesslich, er wollte ein andermal mehr mit ihm darüber sprechen, 
und er musste so seinen Abschied nehmen. 

Die Commission, für den Marschall zu sprechen, werden sie bis zu allerletzt 
aufschieben müssen, da sie ihm damit nicht helfen werden und sich sonst in 
ihrer Negotiation dadurch schaden würden. 

Der König beklagte sich auch darüber, dass seine Intercession für Roth 
den er in seine Protection genommen, fruchtlos gewesen. 

V. Hoverbeck an den Kurfürsten. D. Warschau r2./[22.] Ja- 
nuar 1665. 

[Stand der Wahlangelegenheit.] 

22. Jan. Wegen des Wahlncgotii kann er soviel abnehmen, dass man sich wohl vor 

oder auch auf dem nächsten Reichstage nicht unterstehen wird, diese Materie 
zu treiben, weil solches zum Canonisieren des Marschalls ausschlagen dürfte. 
Wäre Pfalz-Neuburg mit Kf. einig, so würde sein Anhang wohl ungleich 
stärker sein als der des Duc d'Anghien, Kf. möchte daher, wenn er es erst 
seinem Staat zuträglich zu sein befinden werde, wohl damit durchdringen. In- 
dessen würde es auch nicht undienlich sein, wenn Kf. in Frankreich erfahren 
könnte, ob dem so sei, wie ein polnischer Oberst Krzecki'), der hier des 
Pfalzgrafen Inclusion in den Olivischen Frieden sucht, versichert, dass der König 
von Frankreich demselben diese Krone vor andern gönne. 

Wegen dessen, was zwischen H. und dem G. Marschall vorgegangen, äussert* 
man sich gegen ihn allein, oder wenn sie beide zusammen kommen, garnicht, 
gegen Bonin aber hat der König und der französische Gesandte darauf ge- 



^) Graf Kreuski, einer derjenigen polnischen Edelleute, welche mit der ersten 
Gemahlin des Pfalzgrafen, einer polnischen Prinzessin, an dessen Hof gekommen und 
auch später dort geblieben waren; er ist Kammerherr und Oberst. S. unten Hacke- 
bergs Bericht vom 14. August 1G66. 



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Stand der Wablangelegenheit. 2Ö1 

stichelt, woraus er schliesst, dass man sie gegen einander zu verhetzen und so 
vielleicht ein mehres zu penetrieren sucht. 



V. Bonin an den Knrfttrsten s. 1. et d. [Warschau 13./ 23. Ja- 
nuar 1665], 

[Aeusserungen des Königs gegen den C. Kanzler.] 

Der U.Kanzler hat ihnen gestern im Vertrauen eröffnet, dass er bei dem 23. Jan. 
Abschied den König zwei Dinge gefragt, eins, wie er sich bei künftigen Sey- 
miken und sonst wegen des Marschalls, und das andere, wie er sich wegen 
des Wahlnegotii nach des Königs Willen zu verhalten habe. Der König hahe 
ihm geantwortet, so viel das erste, den Marschall, anlange, möge er verhüten, 
dass wenn ja die Leute auf den Seymiken für denselben intercedieren wollten, 
sie bloss in terminis intercessionis bleiben und nicht verba coactiva brauchen 
möchten. Was die Wahl anlangt, hätte der König gesagt: ^Ich will hiemit 
declarieren, dass ich von der Wahl eines Successoris bei meinem Leben nicht 
will gesprochen, viel weniger etwas dabei gethan haben, und wenn es die Königin 
schon wollte und suchte, will ich es doch durchaus nicht". Er hahe dabei 
dem Könige beigebracht, dass diesem selbst die Wahl eines Successoris gamicht 
zuträglich wäre; wenn er einen solchen erwählt haben wollte, so dürfte der- 
selbe nicht älter als 6 oder 7 Jahre sein; der König habe dieses wohl ange- 
nommen. 



Der Kurftirßt an die Gesandten. D. Cöln 16./ [26.] Januar 

1665. 

[Sie sollen dort bleiben, nameotlich den Stand der Lubomirskiscben Sache zu ergrün- 
den suchen. Des Königs Aeusseruug über Rohde.] 
(Conc. 0. V. Schwerin.) 

Obwohl Kf. sieht, dass sie für diesesmal wenig für ihn werden ausrichten 26. Jan. 
können, so soll doch, wenn der König dort bleibt oder nur auf kurze Zeit ver- 
reist, wenigstens einer von ihnen, wenn auch unter dem Prätext der Unpässlich- 
keit dortbleiben. Sie sollen sich dann nicht scheuen, die ihnen aufgetragene 
SoUicitation *) beim König, der Königin und den anwesenden Senatoren mit 
gebührendem Fleiss und Nachdruck fortzustellen, ferner, wenn Balbitzky=*) 
dahin kommen sollte, auf seine Negotiation gut Achtung geben, ferner, da Kf. 
von einer Wirkung der ihm zugesagten französischen Verwendung noch nichts 
verspürt, den französischen Gesandten deLumbres darum ansprechen und ihm 
zu verstehen geben, dass Kf. sonst den König wieder aufs neue werde begrüssen 
müssen. Vor allem aber sollen sie sich bemühen, den rechten Grund zu er- 



1) S. oben S. 245 Anm. 1. 

^ Der schwedische Gesandte Mathias v. Palbitzki, s. oben S. 237. 



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252 in. Brandenburg und Polen. 1664 — 1673. 

fahren, was in der Krone vom Procoss wider Lubomirsky ^^eurtheilt und ob 
man's dabei so bewenden lassen, oder sich einige finden werden, die etwas haupt- 
sächliches für ihn thun wollten und könnten. Da anch sicher bald die Seymiken 
werden angestellt werden, sollen sie suchen in Erfahrung zu bringen, wohin 
man in dieser Sache die Instruction richten werde. Kf. ist verwundert, dass 
sie bisher so wenig von dieser Sache geschrieben, namentlich nicht, was der 
U.Kanzler darüber für Sentimente führe. 

PS. Was der König zu Bon in wegen des Roth gedacht*), kommt Kf. 
sehr fremd vor, er kann dergleichen niemand gestatten. Sie sollen sich daher 
darüber beim König und den Senatoren auf das höchste beschweren und vor- 
stellen, wie hoch sich dieser Roth an Kf., seinem Staat, ja an der Krone selbst 
vergessen, indem er, soviel an ihm, die pacta über einen Haufen zu werfen und 
seinen preussischen Staat in die höchste Verwirrung habe setzen wollen. Kf. 
wollte sich daher nicht versehen, dass man sich eines solchen Menschen, gegen 
den er gleichwohl nichts anderes vorgenommen, als dass er sich seiner Person 
versichert, den pactis und der aufgerichteten Freundschaft zuwider annehmen 
würde. 



Aus dem Diarium: 

[Audienz beim Könige und der Königin.] 

20. Jan. 26. Januar 1665 erhalten die Gesandten Audienz beim Könige, der am 

folgenden Tage eine Wallfahrt in die Nähe von Gnesen antreten will, um sich 
in eventum, wenn sie etwa vor seiner Wiederkunft abreisen müssten, von dem- 
selben zu verabschieden. Auf ihre Klage darüber, dass sie in ihrer Negotiation 
auf alle Punkte nur dilatorische oder fast abschlägige Resolutionen erhalten, 
entschuldigt er sich, dass er wegen Zerreissung des Reichstages nicht mehr hätte 
thun können, und versicherte, auf dem nächsten Reichstage sein Bestes bei der 
Sache thun zu wollen. Darauf berühren sie die ihnen vom Kf. anbefohlenen 
Punkte, erstlich die Vorenthaltung der märkischen und pommerschen entlaufenen 
ünterthanen und die an den Grenzen gegen des Kf. Unterthanen verübten Ex- 
cesse, erklären aber, sie wollten damit dem Könige nicht beschwerlich fallen, 
sie getrauten sich auf seine Verordnung bei dem G.Kanzler die Sache zu 
heben; sie hätten, um allem Unheil auf einmal abzuhelfen, danach getrachtet, 
die Draheimsche Sache zu Stande zu bringen, desshalb ein Ansehnliches ge- 
boten, auch gehofft, der König würde dem Feldherrn und dessen Gemahlin 
solchen Abtrag gethan haben, dass ohne deren Widerwillen sich Kf. seines 
Rechtes gebrauchen könnte. Der König erwidert darauf, man müsse damit 
warten, bis der Feldherr stürbe, und erbietet sich schliesslich wegen der Grenz- 
verletzungen auf dem künftigen Reichstage eine Commission, oder schon vorher 
eine Interimscommission zu bestellen. 

Darauf thun die Gesandten nach Inhalt des kurf. Rescripts vom 21./31.De- 
cember Vortrag betreffend die Restitution Lubomirski's. Der König hört den- 



') S. oben S. 250. 



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Audienz beim König und der Konigin. 253 

selben sehr gedaldig an and antwortet, man wüsste wohl, er sei von Natur 
mehr zur Güte als zur Schärfe geneigt, er habe dem G.Marschall, obwohl er 
schon seit lange dessen unersättliche Ambition gemerkt, viel Gnade ervriesen 
und sich wohl 30 mal von ihm aussöhnen lassen. Nachdem er aber gesehen, 
dass derselbe weder bei seinen Worten noch Schriften oder auch bei den Eiden 
zu halten, hatte er wider Willen zu anderen Mitteln greifen müssen, auch dabei 
aber hätte sich jener sehr trotzig gezeigt, sich auf seinen Anhang verlassend, 
wie es aber zum Process gekommen, habe man gesehen, dass derselbe sehr 
schlecht gewesen. Die Intercession nehme er von Kf. wohl auf, könne derselben 
aber nicht deferieren, bäte Kf., es ihm nicht zu verdenken und nicht weiter in 
ihn zu dringen. Zwei widerwärtige Vögel dienten in einem Nest nicht zusammen, 
wer den Marschall wollte in Polen revocieren, müsste sich resolvieren, ihn vor- 
her zu proscribieren. Kf. möchte doch bedenken, wie gefährlich es sei, sich 
eines anderen Rebellen anzunehmen. Weil Rode sich dem Kf. widersetzt, 
hielte dieser ihn noch jetzt gefangen, was wäre aber für ein Vergleich zwischen 
diesem und dem Märschall, der so ein gefährlicher Mann sei. Er versehe sich 
vielmehr, Kf. werde ihm halten, was er zu Bromberg mit einem Handschlage 
zugesagt, da er auf seine Klage, seine Polen wären wunderlich und er besorgte 
sich noch grösserer Widerwärtigkeiten von ihnen, zur Antwort gegeben, er wollte 
sich solchenfalls seiner treulich annehmen. Als die Gesandten bemerken, Kf. 
ziehe mehr des Königs und des Reiches Sicherheit und Wohlfahrt, da dasselbe 
noch in offenem Kriege mit Moscau stände, in Consideration, meint der König, 
es wurde desshalb keine Gefahr haben. 

Zuletzt legen die Gesandten auf Bitten der T hörn er Fürbitte für dieselben 
ein, dass das in dem Process derselben mit den Nonnen*) gefällte Urteil ge- 
mildert oder die Sache wieder zu gütlicher Handlung verwiesen werde, der 
König erklärt aber, dass es jetzt nicht mehr in seiner Macht stände, der Stadt 
in dem allergeringsten zu fügen. 

Darauf erhalten die Gesandten auch Audienz bei der Königin. Auf ihre 
Klage, dass sie mit so schlechter Expedition von hinnen reisen würden, ant- 
wortet sie in derselben Weise wie der König, wegen Draheim sagte sie, der 
Feldherr sei wegen der Drohung mit künftiger Depossedierung sehr alteriert, und 
es würde auch eine Ruptur sein, wenn dergleichen sollte vorgenommen werden, 
sie erkundigt sich dann, wie hoch die Summe wäre, welche auf Draheim ver- 
schrieben, und als sie erfährt, es seien ni/120Rthlr., behauptet sie, man wäre 
diese nicht schuldig, da Kf. die Völker nicht geworben, und als ihr remonstriert 
wird, diese Summe sei wegen Conjunction der Waffen wider Schweden und der 
darauf gewandten Kriegskosten verschrieben worden, behauptet sie, Kf. hätte 
den Feldzug nicht zu der Zeit, da man's gesucht, sondern erst, wie man dessen 
nicht mehr vonnöthen, gethan, moderiert sich aber schliesslich und erklärt, selbst 
auf künftigem Reichstage mit des Feldherm Gemahlin darüber verhandeln zu 
wollen. 

Auf die Proposition wegen des G.Marschalls fragt sie zuerst, wie sich der 



») S. oben S. 242. 



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254 in. Brandenburg und Polen. 1664—1673. 

König erklärt hätte, sagt dann, sie wollte, obwohl sie der König davor gewarnt, 
auch jetzt nicht unterlassen für den Marschall zu bitten, der König wäre aber 
sehr hart und wollte sich durchaus nicht lenken lassen. 

[Conferenz mit dem G. Kanzler.] 

29. Jan. 29./19. Januar 1665. Conferenz mit dem G.Kanzler. 

Hov. beschwert sich bei demselben wegen der gegen ihn selbst und Kf. 
erhobenen Anklage, mit Lubomirsky in geheimer Correspondenz zn stehen. 
Er habe L. auf seinem Erbgute Dombrowa besucht'), weil der Hofschatz- 
meister Rey dorthin gereist sei und er habe fürchten müssen, dass dieser, was 
bei der Hansdorfischen Commission vorgegangen, dem Kf. und dessen Com- 
missarien zum Nachtheil berichten und L. einzunehmen suchen würde, zugleich 
weil er erfahren, dass einige preussische Malcontenten L. ersucht hätten, königliche 
Völker ins Land zu schicken. Er habe bei dieser Gelegenheit auch des G.Mar- 
schalls Meinung wegen des Wahlnegotii zu sondieren gesucht, jener habe sich 
aber nicht geäussert, dass er einige Neuerung vorhätte oder auf den Fall des 
interregni sich mit solchen Gedanken trüge, als man nun davor hält, vielmehr 
hätte er deduciert, dass bei dem Zustande der Republik kein Einheimischer zur 
Krone gelangen könnte. 

Der G.Kanzler lässt sich darauf nicht weiter ein, kommt aber wieder auf 
Niemerycz*) und dessen Anwesenheit bei der Zusammenkunft zwischen Kf. 
und K. S achsen. Die Gesandten bestreiten, dass derselbe zn den Berathungen zu- 
gezogen worden sei. Der G. Kanzler behauptet dann, der König habe das Recht, 
sich, der Souverainität ungekränkt, der preussischen Stände anzunehmen, Kf. 
aber nicht Lubomirsky's, wogegen sie remonstrieren. 

Sie kommen dann auf ihre Geschäfte, bringen wieder die Draheimsche 
Sache vor, als der G. Kanzler sie auf den nächsten Reichstag vertröstet und er- 
klärt, er wolle sich bemühen, dass sie mit guter Vergnügung expediert würden, 
geben sie ihm zu verstehen, sie merkten, dass man sie nur hinhalten wolle, und 
fordern ihn auf, dahin zu wirken, dass das Misstrauen zwischen dem Könige und 
Kf. beseitigt werde. Er kommt dann auf die Wahlsache zu sprechen und be- 
schuldigt Kf., dass dieser dem Hause Oesterreich zu gefallen die von der 
Königin gewünschte Wahl des duc d'Anguin zu hintertreiben gesucht habe. 
Die Gesandten bestreiten dieses, v. Bon in sagt, er sehe nicht, was Kf. für Ur- 
sache hätte, der Wahl eines französischen Prinzen, wenn sie rechtmässig und 
ohne Veränderung des Staats in der Republik erfolge, zuwider zu sein, Kf. hätte 
deswegen freie Hände und wäre an Oesterreich nicht gebunden, doch würde er 
dem Kf. nicht rathen, ohne Ursache den Undank von Oesterreich auf sich zu 
laden, auch v. Hoverbeck versichert, Kf. habe mit Oesterreich keine andere Ver- 
bündnis als das foedus defensivum, das sie vor dem Holstcinschen Feldzuge ge- 
schlossen, doch konnten sie merken, dass dem G.Kanzler dadurch aller Zweifel 
nicht genommen war. H. beschwert sich daher um so mehr, dass dem Kf. 



«) S. Urk. u. Act. IX. S. 218flF. 
2) S. oben S. 248. 



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Gonferenx mit dem G. Kanzler. 255 

ohne Gnind viele Dinge beigemessen würden, so hätte man anf dem Reichstage 
1661 vorgeben dürfen, er, H., und Dobrzenski hätten m/70Rthlr. vertheilt, 
um die Wahl bei Lebzeiten des Königs zu hintertreiben, und noch jetzt werde 
behauptet, dass Kf. der confoederierten Armee seine Protection versprochen habe. 
Sie kommen darauf wieder auf ihre Sachen, klagen über die Grenzver- 
letzungen vom Drah ei m sehen aus und verlangen als bestes Mittel zur Schlich- 
tung der Streitigkeiten die Auslieferung der Starostei an Kf.; der G. Kanzler 
dagegen verlangt, Kf. solle sich gefasst halten, zum Frühling das veraccordierte 
Subsidium zu stellen, und klagt, dass dieses noch nicht bisher geschehen sei, 
ferner, dass Kf. durch Einrichtung der Fähre bei Mewe^) in die Regalien des 
Königs eingriffe, während die Gesandten behaupten, eine Fähre zu halten, sei 
res meri arbitrii und könne Kf. sich seines Rechtes nicht begeben. Der Kanzler 
holt dann einige Schaupfennige, so bei der Huldigung ausgeworfen worden, und 
von den letztgeschlagenen Oertem hervor und erklärt, es habe dem Könige und 
der Republik Nachdenken verursacht, dass Kf. sich dort des Titels Domini 
supremi et haeredis Prussiae bediene und nicht einen Herzogs- oder Kurhut, sondern 
eine geschlossene königliche Krone darüber führe; die Gesandten rechtfertigen 
dieses und geben ihrer Verwunderung Ausdruck, dass man dergleichen Dinge 
aus allen Winkeln hervorsuche, welche nur Kf. alterieren könnten. Er gesteht 
zu, es wären das Sachen von geringer Tmportance, zuletzt fragt er, ob Kf. ein- 
gewilligt habe, dass Pfalz-Neuburg in den Olivischen Frieden miteinge- 
schlossen werde, und erklärt, als die Gesandten wegen der Versammlungssache 
der Markgrafen von Culmbach und Ansbach erinnern, diese Sache 'gehörte 
auf einen ordentlichen Reichstag. Er empfiehlt ihnen dann noch einige Privat- 
angelegenheiten. Beim Herausgehen stellt er ihnen das Recreditiv des Königs 
und sein eigenes zu, nachher aber merken sie, dass bei dem Titel des Kf. 
Lauenburg und Bütow ausgelassen sind, sie schicken es daher zurück. 



V. Hoverbeck an den Kurfürsten. D. Warschau 30. Januar 

1665. 

[Aussichten Lubomirski^s. Verbalten des Wiener Hofes. Ob Kf. mit Lubomirski eine 
Zusammenkunft halten solle.] 

üeber das Verfahren gegen Lubomirsky ist noch alles bestürzt. Weil 30. Jan. 
aber alles unter dem Schein Rechtens geschehen, wird insgemein dafür gehalten, 
dass auch kein benachbarter Potentat sich der Sache wohl eher annehmen 
würde, bis die Sentenz ex capite nullitatis von den Ständen auf den Seymiken 
impugniert werden oder aber die Armee sich einmischen würde. Die Kosacken 
haben sich zwar verlauten lassen, wenn er zu ihnen käme, wollten sie Czar- 
necki liefern, aber auf dergleichen Volk ist nicht wohl Staat zu machen. Es 
wird also wohl alles darauf ankommen, wie sich die Seymiken und der künftige 
Reichstag anlassen werden. 



>) S. ürk. u, Act. IX. S. 5f. 



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256 in« Brftndenburg und Polen. 1664—1673. 

An den K.Vicekanzler, welcher bereits vor acht Tagen von hinnen nach 
Grosspolen gegangen, hat der G.Marschall geschrieben und ihm verwiesen, dass 
er durch seine consilia, indem er ihn alle weg ermahnt, sich dem Hofe zu accom- 
modieren, ruiniert wäre. Dasselbe hat zwar dem Hofe nicht missfallen, es hat 
ihm aber doch nicht mehr Vertrauen, als er vorhin gehabt, gestiftet. Derselbe 
wollte wohl herzlich gerne dem G.Marschall wieder aufhelfen, aber doch nicht 
anders, denn durch solche Mittel, die keine Extremität nach sich ziehen, aus 
Furcht, patria möchte zerrissen werden. 

Wie am kaiserlichen Hofe des Marschalls Sache genommen werde, da- 
von wird ungleich gesprochen, bei Hofe wird angegeben, der Kaiser habe weder 
dem Marschall noch seinem Sohn gestatten wollen nach Wien zu kommen, an- 
dere aber haben ihm berichtet, Lubomirsky's Sohn habe von Wien aus ge- 
schrieben, der Kaiser habe erklärt, dass er nicht allein ihn, sondern auch alle an- 
deren, die wegen Maintenicning der Freiheit des Vaterlandes leiden würden, schützen 
und nicht gestatten wolle, dass diese Krone unter einen absoluten Dominat gebracht 
werde, wesshalb man nicht geringes Missfallen gegen das Haus Oesterreich be- 
zeugt, aus Furcht, der gemeine Adel dürfte hiedurch um so viel mehr Muth zu 
fassen veranlasst werden. 

Eine persönliche Zusammenkunft mit Luboroirsky würde Kf. dienen 
können, 1) um der Krone Stärke und Schwachheit zu ersehen, 2) hinter die 
consilia zu kommen, welche hiebevor gegen Kf. geschmiedet worden, 3) abzu- 
fragen, welches die Malcontenten in Preussen gew^esen, die ihn mit der Armee 
ins Land gefordert. Es würde aber weniger Verdacht oder auch Offens geben, 
wenn Kf. geschehen Hesse, dass er Öffentlich komme, statt in geheim, was doch 
auch wohl gewiss nicht würde verschwiegen gehalten werden können. Könnte 
aber beides mit Manier eine Zeit lang aufgehalten werden, möchte es wohl am 
dienlichsten sein, doch darf der G.Marschall nicht auf die Gedanken gebracht 
werden, als trüge man Scheu vor ihm in seinem Unglück. 

Des künftigen Reichstags halber ist man in grosser Besorgnis. Sehr vor- 
theilhaft wäre es, wenn Kf. in Frankreich könnte penetrieren lassen, wozu 
man des Wahlnegotii halber entschlossen sei; denn vielen kommt es vor, als 
ob es nicht mehr so ernstlich wie früher gemeint sei. 



V. Bonin an den Kurfürsten. D. Warschau 30. Januar 1665. 

[Besorgnis vor feindlichen Absichten Polens gegen Kf., dagegen zu treflFende Vor- 

sichtsmaassregeln. Aussichten für den nächsten Reichstag. Aeusserungen über 

V. Hoverbeck. Drohende Aeusserungen des Königs gegen den Kf.J 

30. Jan. ^^s ^^^ kalten und unhöflichen Art, mit der sie hier behandelt werden, 

und anderen Dingen schlicsst er, dass man nicht allein wenig Freundschaft und 
Geneigtheit zu Kf. trägt, sondern dass man entweder demselben nichts gutes 
zutraut, oder dass man von ihrer Seite etwas böses mit demselben im Sinne 
hat. Er räth daher: 1) mit dem G.Marschall sich nicht zu sehr zu vertiefen, 
ihn aber auch nicht ganz hülf- und trostlos zu lassen, damit, wenn man Gefahr 



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Warnung vor feindlichen Absichten Polens. 257 

zn furchten hätte, Kf. nicht ihre ganze Macht allein aaf sich nehmen durfte, 
sondern man ihnen die Köpfe etwas von einander ziehen und den Polen mit 
Polen begegnen könnte. Man musste ihm durch jemand, aber nicht durch 
Niemeritz, welcher hier gar zu viel Wächter und Inspectores hat, sagen lassen, 
dass Kf., so lange er in Polen als jure victus angesehen würde und keinen An- 
hang hätte, nichts wirkliches für ihn thun könnte, wenn Kf. aber sehen würde, 
dass ihm etliche ehrliche Leute aus seinem Vaterlande beifallen möchten, die 
er als Zeugen seiner Unschuld oder der Ungerechtigkeit des gegen ihn geführ- 
ten Processes ansehen könnte, dann könnte er sich seiner annehmen und auch 
unter der Hand am kaiserlichen Hofe sein Interesse befördern. Dass Kf. ihn 
persönlich spreche, widerräth B. vor dem Reichstage auf das höchste, sonst sei 
hier alle Güte verloren und würde keine Entschuldigung angenommen. 2) Kf. 
möchte sich bei seinen Alliierten und 3) bei den befreundeten deutschen Fürsten 
für den Nothfall nach Hülfe umsehen, 4) suchen, was er noch mit seinen Stän- 
den aller Orten in Unrichtigkeit hätte, in Richtigkeit zu bringen, und sie dann 
fragen, ob er sich in der Zeit der Noth auf sie verlassen könnte, auch das 
allgemeine Aufgebot der Ritterschaft vorbereiten. 

V. Hoverbeck hält zwar dafür, dass diese Besorgnisse nicht genugsam 
gegründet seien, doch ist er der Meinung, dass zuviel Vorsicht nicht soviel 
schade wie zu wenig. 

Was ihre hiesige Ncgotiation anbetrifft, so meinen sie beide, dass Kf. auf 
dem künftigen Reichstage versuchen müsse, mit Geld etwas auszurichten. Er 
glaubt, der G.Kanzler müsse auf diese Weise gewonnen werden, doch ist keine 
Hoffnung, El hing, auch nicht einmal Draheim, höchstens den früher be- 
willigten Zoll zu erhalten. Fürst Radziwill und wohl auch andere sind der 
Meinung, dass Kf. sich in Polen durch Frankreich helfen und die Wahl des 
duc d'Enguin zu befördern versprechen solle, B. räth aber, jedenfalls sich nicht 
dazu anzubieten, sondern so lauge zu warten, bis Kf. gesucht werde und Cou- 
ditionen machen könne. Bei der gestrigen Conferenz mit dem G.Kanzler be-. 
klagte sich Hoverbeck wegen des gegen ihn geäusserten Argwohns^), als 
wenn erLubomirsky aufgereizt hätte, und verantwortete sich dagegen aufs neue, 
jener ging aber nicht darauf ein. Er bezeigte sonst kein böses Gemüth gegen 
Hoverbeck, sondern rühmte dessen Kluglieit und Geschwindigkeit und seine 
Kenntnis der polnischen Verhältnisse. Auch der König und die K ö n i g i n haben, 
wenn er zugegen gewesen, nicht merken lassen, dass sie Unwillen gegen ihn 
hätten, der französische Gesandte gedachte einmal, dass etliche Senatoren viel- 
leicht lieber einen anderen hier sehen wurden, aus Ursachen, wie er sagte: 
qu'il faut qu'ils soient toujours sur leurs guardcs en parlant avec qui a trop de 
cognaissance de leurs affaires, so dass also an v. Hoverbecks sowohl Annehm- 
lichkeit als auch Tüchtigkeit sowie an seiner eigenen Treue und Fleiss nicht 
der Mangel ist, dass des Kf. Sachen hier nicht nach Wunsch gerathen. 

Der') König hat Fürst Radziwils Edelraann gesai,'t, er wollte 

^ S. oben S. 250 254. 

*) Schon am 2. Januar hatten v. H. und v. B. dem O.Präsidenten v. Schwerin 

Mater, s. Gesch. d. G. Kurfürsteu. XII. 17 



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258 III. Brandenburg und Polen. 1664—1673. 

ihm, wenn er kommen würde, Briefe von Ew. Clif. I). sehen lassen, wegen 
welcher Sie sich noch einmal auf grüner Heide sprechen müssten, als er 
aber kommen, hat er davon keine weitere Erwähnung gethan; Ihr Fürst). 
Gn. wollten dieses wohl nicht gern sagen, könnten es gleichwohl auch 
der Pflicht nach nicht verschweigen. Fürst Radziwil besorget auch, 
dass, wenn sie mit Mosskau Friede hätten, Ew. Churf. I). Gefahr haben 
möchten; in dieser treuen Sorg ist es auch, dass Fürst Radziwil so 
fleissig rathet, dass Ew. Churf. D. auf den Frühling nicht in die Ferne, 
sondern nach Preussen reisen sollen. — 



V. Bonin an den Kurfürsten. D. Warschau 6. Februar n. st. 

1665'). 

[Stand der Wahiangelegenheit.] 

6. Febr. Die Wahiangclcgcnheit wird noch immer eifrig betrieben, die Koni gin hat 

sogar einmal gesagt, wenn dieses nicht geschehen sollte, würde sie dem Lande 
so feind sein, als sie es bisher geliebt hätte, und würde ihr weniger leid sein, 
wenn sie das ganze Königreich im Feuer sehe. Die neben der Konigin die Wahl 
snchen, sind die, welclie in der Zeit, ehe die Hoffnung etwa in Zweifel gerathen, 
sich hierin zu dienen verpflichtet und da?'auf Gnade und Beförderung empfangen 
haben. Anfangs war der vornehmste darunter der G.Marschall, welcher her- 
nach abgegangen, jetzt sind es der G.Kanzler, der Feldherr Czarnetzki, 
der Littauische O.Kanzler Paz, der Littauische ünterfeldherr Paz, der 
Königin Kanzler Rey, der Referendarius Morst ein, deren ein jeder wieder 
seinen Anhang hat, die neben der Beförderung ohne Zweifel schon französisches 
Geld empfangen haben und beides ins künftige noch mehr erwarten. Der Erz- 
hischof'-*) ist nicht in Consideration, der Bischof von Ermland') stellt sich 
auch, als ob er von dieser Partei sei, man consideriert ihn auch wegen seines 
Verstandes hoch, traut ihm aber nicht sehr, der Bischof von Posen*) depen- 

bericbtet, Fürst Radzi will hüttc ihnen mitgetheilt, dass , man hier dem Kf. nicht gut 
und dass leichtfertige Bändel obhanden seien*^, sie hätten erfahren, der schwedische 
Gesandle Palbitzki hätte hier bei einer Privataudienz von sehr gefahrlichen Machi- 
nationen des Kf. und K. Sachsens gegen des polnischen Königs Staat und Person 
gesprochen, und am O.Januar, durch Fürst Radzi will hätten sie erfahren, derselbe 
Palbitzki habe gesagt, die beabsichtigte Allianz des Kf. mit Schweden sei gegen 
Polen gerichtet, es sei aber zu merken, dass er diesos „aus Affecten" gethan, da er 
sich beschwert habe, es sei ihm wegen einiger Güter Unrecht geschehen. 

') Vgl. Pufeudorf IX. c. 87 (S. 632f.). 

-) W.enceslaus Lesczynski: vgl. über denselben Ludwigs XIV. Instruction 
für den Bischof von Boziers vom 26. December 1G()4 (Rccueil des Instructions 
donnees aux ambassa-ieurs de F*rance IV. S. ßO). 

^ Johann Stephan Wydzga, s. ebendaselbst S. 70. 

*) Steph an Wierzbo wski. 



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Stand der Wahlangelegenheit. 259 

diert vom Hofe, ist aber sonst im Königreich in schlechter Consideration. Auf 
diesen und ihren Helfershelfern besteht das Wahlnegotium, doch meinen sie am 
Hofe, dass die Partei in Littauen starker sei und dass, wenn sie nicht zu 
der Krone gelangen könnten, sie versuchen wollten, ob sie Littauen von der 
Krone trennen und schaffen könnten, dass Duc d'Anguin zum Grossfürsten 
erwählt würde. Dieses sind die Leute, die sowohl den Rath als auch die Miliz 
dirigieren, und man sollte daher wohl meinen, dass die Sache durch sie wohl 
könnte durchgeführt werden. Die Gegenpartei aber meint, dass zwar diese 
Leute in gewöhnlichen Geschäften stark und mächtig seien, in so extraordinären 
Dingen aber seien sie, die Gegenpartei, viel stärker, und es befänden sich auch 
bei jener Partei Schwachheiten: 1) der König selber sei in seinem Gemüthe 
zweifelhaft, und was er hiezu thue, geschehe nur, um sich von der Königin Ruhe 
und Frieden zu verschaffen; 2) seien sie unter sich nicht einig, ob, wenn die 
Sache nicht bonis modis und durch die Wahl könnte zu Wege gebracht werden, 
man dieselbe mit Kriegszwang suchen sollte, 3) sage man, der König in Frank- 
reich wolle zwar gern einen Franzosen in diesem Königreich haben, habe aber 
einige Bedenken gegen den Duc d'Anguin, er möchte von des Vaters Natur 
haben und sich ihm leicht widersetzen. Auch de Lumbres war eine Zeit bei 
der Königin übel angeschrieben und es wurde ihm vorgeworfen, dass er dem 
Hause Longueville viel mehr affectioniert wäre als dem Hause Cond^. 
Hauptsächlich aber fürchtet man sich in dieser Sache vor dem gemeinen Adel, 
so dass die Königin gemeint, der gefährlichste Griff, den der Marschall vorgehabt, 
sei gewesen, dass er sich zu der Wahl d'Anguins erboten, meinend, dass wenn 
dieses Erbieten angenommen wäre, man sie bei dem ganzen Lande würde ver- 
hasst gemacht haben. Der Bischof von Krakau'), der für einen sehr witzigen 
Mann gehalten wird, ist bisher der Sache offenbar zuwider gewesen, und meint 
man, dass die meisten von der Geistlichkeit mit ihm, absonderlich die Jesuiten, 
stark zuwider und wollen, nachdem sie auf Kf. nicht mehr gedenken dürfen, 
den catholischen Missethäter haben, der in Ungarn gewesen. Viele, wo nicht 
die meisten unter den Soldaten sollen noch auf Kf. gedenken. Der G.Feldherr 
in Littauen, Sapieha, soll auch eine gar starke Faction haben, welche alle der 
Wahl zuwider. 

B. glaubt nicht, dass Schweden an diesem Orte einen französischen Nach- 
bar wünschen und denselben einzusetzen sich bemühen wird. 

Aus allem schliesst er, dass für Kf. es nicht rathsam sei, das Wahlnegotium 
zu con sentieren, noch weniger es zu befördern. 

Ich halte das ganze Werk für eine weibisch Schwachheit und Irr- 
tum, und dass dieselbe kluge Polen, die es mit zu befördern suchen, 
die Augen mit Geld, Ehr und andern Gutthaten geblendet und der Ver- 
stand genommen sei, — melde nur dieses, dass Ew. Chf. D. (aber in höch- 
ster geheim, so dass es bis hieher nicht erschallen könne) den Mar- 
schall, bis dieser Reichstag vorbei, in Hoffnung halte, aber wirklich mit 



*) Andreas Trzebicki, s. ebendas. S. 69. 

17^ 



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260 nr. Brandenburg und Polen. 1G64 — 1673. 

ihm nichts thun möge, dass man vorher sehe, ob man in unserm nego- 
tium etwas ausrichten könne oder nicht*). — 



Resolution des Kurftlrsten für den Abgesandten Lubomirski's^). 
D. Coloniae ad Spream 7./[l7.] Februar 1665^. 

[Der nächste Reichstag ist abzuwarten. Kf. wird sich für Lubomirski verwenden. Be- 
vorstehende Ankunft de Goess\] 

17. Febi. Serenitas Sua Elect. invita plane porcepit, quae hactenns com D. Regni 

Mareschallo acta fuerunt, idque non saltom ob benevolum syncenimque, quo 
hactenns Regni Mareschallum prosecuta est affectum, sed quod ingens etiam 
Polonicae libertatis — detrimentum imo generalem reipublicae concussionem civi- 
lesquo motus causa liaec secum trahere posset. Praeterea Ser.t«» S.* El.*« non 
miratur, 0. Regni Mareschallam in iis quibuscum coullictatur augustiis opem et 
auxilia serio expetere, gratumque eidem accidit, quod singnlarem quoque prae 
aliis in Ser.t« S.» EI.» collocare fiduciam videatur. Cum vero praesentis ratio 
negotii summam praecautionem requirat, cumprimisque prospiciendum, ne in re 
tanti ponderis et momenti praecipitantia peccetur vel aliquid contra reip. ami- 
corumque Mareschalli vota etvolnntatem agatnr, consultum judicat Ser.t*« S.» El.««, 
ut exigui temporis moram usque ad comitia proxima patienter ferat. Apnd 
Regiam interea Majostatora Ser.™«» Elector reiterabit officia majorique quam 
hactenus cura restitutionem D. Regni Mareschalli lataeque sententiae abolitionem 
instantius urgebit, ncc minus Regi Christianissimo praegnantos exponi rationes 
curabit, quae ipsum, ut officia sua pro D. Mareschallo interponat et tranqnillitati 
publicae ea ratione consulat absque dubio raovebunt. Imprimis autem universis 

^) Ganz ähnlichen Inhaltes ist ein Bericht v. Hoverbecks über dieselbe An- 
gelegenheit von demselben Datum. Auch er glaubt, dass der König jetzt nicht in 
die Wahl willigen wolle, dass es den Künsten der Konigin aber doch gelingen werde, 
ihn umzustimmen. Der Bischof von Krakau sei der Meinung, der TTof werde, wenn 
der künftige Reichstag zum Schluss kommen sollte, eine Zeit lang glimpfliche Mittel 
versuchen und zu dem Ende den Herzog von Enghien ins Reich kommen lassen, 
sollte aber der Reichstag sich zerschlagen, so werde man das Werk mit den Waffen 
durchzutreiben suchen. Pfalz-Neuburg habe Anhang in Gross- und in Kleinpolen, 
würde auch wohl durchdringen, wenn er mit Kf. wohl stände, denn sie wollten gern 
so wählen, dass sie dadurch weder mit Oesterreich noch mit dem Kf. in Krieg 
gcriethen. 

2) Lubomirski hatte nach Empfang des Schreibens des Kf. vom 31. December 
160)4 (s. oben S. 244) im Januar an denselben den U.Kämmerer von Kiew Stephan 
Niemirycz (s. oben S. 248) gesendet, jetzt schickte er (Creditiv d. Wratislaviae 
7. Febr. 1G65) an denselben behufs näherer Information Vexilliferum Praemisliensem ; 
das Recreditiv des Kf für denselben ist Coloniae ad Spream 8./[18.] Februar 16(15 
datiert. Vgl. Pufendorf IX. c. 84 (S. 629). 

') Randbemerkung: „Diese Resolution ist des H. Lubo rairsky anhero geschick- 
ten Bedienten fürgeiesen aber nicht communiciret worden " 



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Resolution ffir den Abgesandten Lubomirski's. 261 

Regni statibus proximis comitiis ob oculos ponet ingens periculura certamque 
libertatis patriae iacturam ex iis, qaae hactenus gesta sunt, indubie timendum, 
nisi communibus sufiFragiis remedium tanto malo quaeratur. Non videt Ser.t«» 
S.a El.*8, quid hoc rernm statu ulterins polliceri queat, praesertim cum Caes.c* 
S.* Maj.*»s ablegare huius negotii gratia ad aulam hanc electoralem Baronem do 
Goes statuerit; communicabitur autera fideliter, quicquid cum illo agetur, nee 
dnbitat Ser.™»« Elector, haud impatienter iliud laturum D. Regni Mareschallum, 
cum satius sit ac tutias per amicabiles vias experiri prius ejusdem restitutionem, 
quam certissimo remp. malo ante implicari, quam de procerum ejusdem voluntate 
et suffragiis certior factus fuerit. — 



Der Kurfürst an v. Hoverbeck. D. Cöln 10./[20.] Februar 

1665. 

[auf die Relationen vom 30. Januar und 6. Februar. Neue Instruction.] 
(CoDC. 0. V. Schwerio.) 

Kf. kann aus den mit dem Reichskanzler und anderen geführten verdriess- 20. Febr. 
liehen Discursen nicht anders abnehmen, denn dass der König und einige der 
vornehmen Bedienten Ursache an ihm suchen mössten, er will sich aber von 
diesen Imputationen befreien, daher soll II. desswegen besondere Audienz be- 
gehren und dem Konige erklären, es befremde Kf. zum höchsten, dergleichen 
falsche Auflagen zu vernehmen, und er müsste demnach begehren, dass der 
König ihm das Schreiben, worauf sich derselbe gegen Fürst Radziwills 
Bedienten Morst ein bezogen*), vorzeige und die Personen, welche ihm ein und 
das andere von Kf. beigebracht, benenne, sonst müsste er auf dem nächsten 
Reichstage hierüber bei den sämtlichen Ständen Beschwer führen und dieselben 
ersuchen, den König zu disponieren, dass ihm darunter gefügt würde. Sollte 
er es nicht erlangen können, auch der König den Vorschlag, den er für sich zu 
machen hat, dass dieser in einem Schreiben an Kf. erkläre, dass demselben mit 
diesen Auflagen zu viel, geschehen und er daran unschuldig wäre, verwerfen, auch 
Vorstellungen bei dem Kanzler, dem Erzbischof und anderen vornehmen ministris 
nichts fruchten, dann soll H. bei nächstem Reichstage in öffentlicher Audienz 
darüber Klage führen und denselben ersuchen, beim Könige es zu vermitteln, dass 
dem Kf. das Fundament aller solcher Beschuldigungen zu seiner Verantwortung 
mitgetheilt werde. 

Wegen des G.Marschalls hat Kf. sein Judicium so lange suspendiert, bis 
er sehe, ob die wider ihn gefällte Sentenz auf künftigem Reichstage werde con- 
firmiert werden, doch will er, wie er dem Abgesandten desselben zugesagt 2), 
noch einmal für denselben beim Könige intercedieren, H. soll daher nebst 
üeberreichung eines zweiten Schreibens diese Intercession mit mehrerem Nach- 
druck als bisher ausführen und besonders remonstrieren, dass der König mit 



') S. oben S. 258. 
*) S. oben S. 260. 



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262 ni. Brandenburg und Polen. 1664—1673. 

der höchsten Reputation aus dieser Sache kommen könne, wenn er L. restituierte, 
und dass er andernfalls sich selbst und das Reich in die grösste Gefahr setzen 
werde. Sollte der König dem nicht deferieren, so müsste Kf. dieses alles den 
Reichsständen vorstellen und sie zur Vermittlung auffordern. H. soll in der 
That, wenn der König sich dazu nicht verstehen sollte, solches bei den Stän- 
den thun. 

In des Kf. Particularangelegenheiten soll H. in fleissigem Sollicitieren fort-- 
fahren, sich auf keinen ferneren Reichstag vertrösten lassen und ausdrücklich 
andeuten, dass Kf., wenn er jetzt keine Satisfaction erhalte, solches nicht anders, 
als eine öffentliche Contravention der Pacten nehmen könnte. Sollte H. verspüren, 
dass durch Verheissung eines mehrem, als er schon in Instruktion hat, etwas 
merkliches zu erreichen sei, so wird ihm solches anheim gestellt. Kf. ist es 
gleichviel, ob er seine Satisfaction durch Einführung eines Wasserzolles oder 
durch andere Mittel erhält. Wegen Draheim steht es in des Kf. freien Willen, 
es einzunehmen, H. soll daher dabei verbleiben, dass, wenn dem Feldherrn 
keine Satisfaction widerfahre und derselbe sein Anerbieten nicht annehme, Kf. 
sich seines Rechtes gebrauchen werde. An den König von Frankreich hat 
Kf. geschrieben^) und er hofft, dass dessen Gesandter bald andere Ordre erhal- 
ten werde. Er schickt H. ein neues Credenzschreiben ^) und zwar nur für ihn 
allein, da er vermuthet, dass v. Bonin^) schon abgereist sein werde. 



V. Hoverbeck an den Kurflirsten. D. Warschau 26. Februar 

1665. 

[Audienz beim Könige.] 

2G. Febr. Den 23. hat er beim Könige Audienz gehabt und ihn gebeten, es dahin 

zu richten, dass Kf. ohne weiteren Verschub auf dem vorstehenden Reichstage 

S. das Schreiben des Kf. an Ludwig XIV. vom 25. Januar 1665 (ürk. u. 
Act. II. 8.304). 

^ d. Coloniae ad Spream 10./20. Februar 1665; unter demselben Datum ist ein 
Schreiben des Kf. an den Konig von Polen ausgestellt, in welchem er sich darüber 
beklagt, dass ihm trotz seiner Bitten nicht durch Mittheilung des Briefes und Nennung 
der Personen die Möglichkeit, sich zu rechtfertigen, gegeben sei, und anzeigt, dass er 
auch in dieser Angelegenheit Aufträge an v. Hoverbeck ertheilt habe. 

3) Kf. hatte in einem Schreiben vom J^b""*^-! ^- Bonin angewiesen, sich 
vorläufig nach Pommern zurückzubegeben, diesen Befehl am 13./23. Febr. aber wider- 
rufen; am 6./16. März erneuert er denselben, inzwischen aber war derselbe schon ab- 
gereist, am g Mai^" berichtet er von Bublitz aus über seine Abschiedsaudienz 
beim Könige und der Königin, beide hätten sich dabei ganz ausnehmend gnädig ge- 
zeigt, welcher Wechsel in ihrem Verhalten wohl hauptsächlich durch die Nachricht 
vom Abschluss des Traktats zwischen Schweden und Russland, durch Streitigkeiten 
mit Frankreich, den Tod Czarnecki's und durch üble Nachrichten von den Seymiken 
veranlasst sei. 



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V. Iloverbecks Audienz beim Konige. 263 

in seinen Forderungen Satisfaction erlange. Der König erwiderte sehr gnädig, 
beklagte Czarnecki's Tod'). Als ihm H. vorstellte, ob er sich nicht der 
durch dessen Tod erledigten Starosteien zur Befriedigung des G. Feldherrn und 
so zur Beförderung der Satisfaction des Kf. bedienen wolle, erklärte er, dieses 
ginge nicht, da über dieselben schon im voraus verfügt sei. Als H. ihn darauf 
bat, den Verdächtigungen gegen Kf. keinen Glauben beizumessen, sondern, wenn 
er Scrupel hätte, dieselben frei zu entdecken und die angeblichen Original- 
schreiben des Kf. zu communicieren, damit man so auf den Grund der Sache 
kommen könne, wollte der König von dergleichen Schreiben nichts wissen, ge- 
stand endlich doch, dass ihm einiges, aber mündlich, von Crockows Tractatcn 
in Schweden, darinnen nachtheilige Dinge enthalten, beigebracht worden, worauf 
IL diese Tractate rechtfertigt. 

Der König sagte dann, da H. von Schreiben gedacht, müsste er erwähnen, 
dass ihm dieser Tage eines aus Grosspolen zugekommen, darinnen er berichtet 
werde, dass der G.Marschall incognito zu Kf. nach Berlin gegangen sei. H. 
versichert, dass er davon keine Nachricht habe, und erklärt, es müsse erdichtet 
sein, der König gestand, dass er es selbst nicht glaube, da er in jenem Schrei- 
ben viele Dinge gefunden, von denen er w^isse, dass sie falsch seien, so z. B. 
es stünde darauf, dass Kf. sich öffentlich zur catholischen Religion bekennen 
würde, und könnte man leicht erachten warum, ebendort werde auch gedacht 
von einigen Schreiben, so an den Moscowiter abgegangen, welches er auch 
nicht glaubte, wiewohl er vorm Jahre gehört, dass einige Correspondenz durch 
Schreiben, so über Curland fortgeschickt worden, vorgegangen. H. antwortet, 
dass, wenngleich Kf. der Commercien halber mit dem Moskowiter Correspon- 
denz unterhielte, oder auch für Reisende Intercessionale ertheilte, dasselbe ihm 
keineswegs verdacht werden könnte, er könne aber versichern, dass innerhalb 
der letzten anderthalb Jahre, da er stets bei Hofe gewesen, auch dergleichen 
nicht geschehen sei. Der König erklärte darauf, dass er das ganze Schreiben 
für ein unwerthes Geschwätz hielte, bat aber, Kf. möchte dem Marschall nicht 
trauen, noch ihm Werbungen in seinem Lande verstatten, erzählte darauf sehr 
weitläufig, w^ie derselbe in dem Wahlnegotio und gegen das Haus Oesterreich 
verfahren, „welches ein recht studierter Discurs zu sein schien". 

Zuletzt bringt H. vor, es sei Kf. sehr fremd vorgekommen, aus Benins 
Bericht zu erfahren, dass der König des R o h d e gedacht und dabei erwähnt, 
er hätte denselben in seine Protection genommen, dieses könnte Kf. niemandem 
gestatten, da es direct gegen die Pakten und die Souverainität liefe. Der König 
wurde hierüber wohl etwas alteriert, hörte es aber doch ganz geduldig an und 
antwortete ohne gar zu grosse Emotion, er hätte des Rohde gegen Bon in nur 
incidenter gedacht und gesagt, derselbe hätte Protection bei ihm gesucht, er 
hätte wohl seine Propositionen angehört, aber ihn niemals in seine Protection 
genommen. IL bezeugt seine Freude über diese Erklärung, weist aber darauf 
hin, dass Rohde selbst dem Kf. ein königliches Originalschreiben ausgeant- 
wortet, darin er ihn ermahnt, in seinem Vorhaben fortzufahren. Des Schreibens, 



') S. Kochowski IIL S. 167. 



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264 ni. Brandenburg und Polen. 1664—1673. 

sagte der König, wüsste er sich garnicht zu erinnern, es musste in der grossen 
Kanzlei expediert und ihm untergeschoben sein, kein Potentat könne vor der- 
gleichen Uebereilung gesichert sein, und versprach, sich seiner nicht anzunehmen, 
bat aber, Kf. möchte ihn, wenn er ihm in Königsberg nicht trauen könnte, von 
dort an einen anderen Ort wegbringen und auf freien Fuss setzen. H. berichtet, 
dass Rohde in der Lausitz nicht in einem Gefängnis nach polnischer Art, 
sondern in einem ehrlichen Gemach nur in custodia sei und gut verpflegt werde, 
er würde auch wohl mehr Freiheit erhalten haben,* wenn er sich nicht so trotzig 
zeigte. Der König sagt, er wolle dieses seinem Sohne, wenn dieser wieder um 
Intercessionalen anhalten würde, verweisen und ihn zu schuldigem Respect und 
Gehorsam an malmen, sonst aber sich seiner nicht annehmen. 



Aus dem Diarium. 

ll.iMärz. 11. März 1665. Audienz v. Hoverbecks beim Könige. Er erinnert 

denselben zunächst an sein früheres Versprechen, dass die Angelegenheiten des 
Kf. in die Reichstagsproposition gebracht und den Ständen auf das beste recom- 
mendiert werden sollten, der König sagt das auch aufs neue zu. Dann ubergiebt 
H. die ihm zugeschickten Greditive und verlangt auf Grund des Rescripts vom 
10./20. Februar*), dass der König die Schreiben, auf die er sich gegen Fürst 
Radziwills Bedienten bezogen, vorzeige und die Personen, die Kf. bei ihm 
verdächtigt hätten, benenne, sonst müsste Kf. auf dem Reichstage bei den Stän- 
den Beschwerde führen. 

Der König erklärt, er suche an Kf. keine Ursache, es sei aber menschlich, 
dass man sich über widrige Berichte alteriere, so wäre ihm heute von dem 
Starosten von Radom Podlodowski*), der geradesweges von Breslau von 
Lubomirski käme, hinterbracht worden, dass derselbe sich vornehmlich auf 
den Kaiser, den König von Hispanien, den Kurfürsten von Sachsen und 
Kf. vorliesse. Der Kaiser gestatte ihm Werbungen, der König von Hispanien 
werde Geld schicken, K.Sachsen aber und K.Brandenburg wollten Gross- 
polen und das Königl. Preussen angreifen, um durch solche Mittel einen Her- 
zog von Braunschweig zur Krone zu befördern; ferner werde er von Wien 
her berichtet, dass Baron de Goes zu Kf. abgeschickt werden sollte, um zu 
Überlegen, was bei dem Werke, so der Marschall vorhätte, zu thun sein möchte. 
Er, der König, wollte keinem Ursache geben, sollte er aber zu hart gedrungen 
werden, so müsste er sich wider seinen Willen zu wehren suchen. 



') S. oben S. 261. 

2) Kf. schreibt an v. Ho verbeck am 3./13. März, ihm sei referiert worden, der 
Starost von Radom sei bei Lubomirski gewesen und habe demselben namens der 
Königin grosse Advantagen versprochen, wenn er nur zu seiner Aussöhnung Conde's 
Intercession implorieren und sich in der Wahlangelegenheit besser erzeigen würde; 
U. soll dieses bei Gelegenheit dem Könige gegenüber als ein ganz unglaubliches und 
böswillig erfundenes Gerücht erwähnen. 



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Nene Audienz v. Hoverbecks beim Könige. 265 

H. weist darauf hin, wie unwahrscheinlich jene Nachrichten Podlo- 
dowski's seien, ebenso würde es wohl auch mit den anderen Spargementen 
und insonderheit mit den Schreiben, die dem Könige ans Schweden zugekommen, 
sich erweisen, wenn er dieselben nur vorzeigen- wollte.* Dass ihm Schreiben 
zugekommen wären, wollte der König durchaus nicht gestehen, mündlich hätte 
ihm Balbicki^) berichtet, dass Krokow nachtheilige Dinge für Polen nefeo- 
ciierte und eine Garantie contra quoscunque suchte. Nachdem H. diese Tractaten 
mit Schweden gerechtfertigt, sagt der König, es hätten ihm auch etliche geringe 
Dinge allerhand Nachdenken verursacht, erstens, dass Niemerycz-) sich bei 
des Kurfürsten von Sachsen Anwesenheit sehr zu thun gemacht hätte. H. 
erwidert, derselbe habe sich nur zufällig damals bei Hofe eingefunden, er hätte 
jenen Kurfürsten nur bei der Tafel zu sehen und seines "Wissens gamicht zu 
sprechen bekommen, womit sich der König zufrieden stellen Hess. Darauf erwähnt 
der König die Schickung, die vorm Jahr durch Kurland nach Mo sc au gegangen. 
H. erwidert, Kf. hätte beabsichtigt, um, wie ihm in den Brombergschen pactis ver- 
sprochen worden, in den Moscowitischen Frieden als perpetuus reipublicae foede- 
ratus eingeschlossen zu werden, einen seiner Unterthancn, den man den polnischen 
Oel schnitz nenne, zu den Friedensverhandlungen abzuschicken'), er selbst hätte 
die Instruction und Creditive für denselben aufgesetzt, es wäre aber keines darunter 
an den Zaren, sondern nur an die beiderseitigen Commissarien gerichtet gewesen. 
Der König erklärt sich auch darüber zufriedengestellt, erwähnt aber, es hätte 
ihm auch Nachdenken gemacht, dass Kf. die in den pactis versprochenen 
1500 Mann bisher nicht geschickt habe. Als H. auch dieses gerechtfertigt, sagt 
der König, er hätte nun alles, was ihm jemals auf dem Herzen gelegen, expec- 
toriert, so dass es nicht nöthig wäre, desshalb bei den Ständen etwas zu suchen, 
wie er's denn auch nicht gestatten könnte. Er wollte Kf. versichern, dass er 
nichts wider ihn habe, wenn er sich nur des Marschalls nicht annehme, denn, 
wenn solches geschehe, müsste er's für eine grössere Offens halten als alles an- 
dere, was zwischen ihnen vorgegangen; sollte auch des Marschalls halber etwas 
an die Stände gebracht werden, so würde er es nicht anders als für eine Auf- 
wiegelung oder Clarigationem aufnehmen können. H. erwidert, das wäre zu 
weit gegangen, wenn man des Kf. treugemeinte officia so missdenten wollte, es 
könnte Kf. nicht verdacht werden, wenn er dem Könige zum besten die Sena- 



S. oben S. 237. 

2) S. oben S. 248. 

^ Kf. hatte allerdings im Sommer 1C64 zu den damals zwischen polnischen und 
russischen Kommissaren geführten Friedensunterhandlungen einen Abgesandten, ur- 
sprunglich den im Dienste des Fürsten Kadziwill stehenden Hofrath JohannMier- 
zynski, dann auf den Rath des Fürsten den in früheren Jahren mehrfach zu Sen- 
dungen nach Polen (S. ürk. u. Act. I. S. 197, 265if., 320 ff.) verwendeten Geh. Rath 
Carl Friedrich v. Oelsnitz, zu schicken beabsichtigt, diese Sendung war aber 
dann, weil inzwischen jene Verhandlungen abgebrochen worden waren, unterblieben. 

Das für Mierzynski ausgestellte Creditiv (d. Cöln r^^^^ 1664) ist in der That an 

die beiderseitigen Kommissare gerichtet. 



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266 ni. Brandenburg und Polen. 1664—1673. 

toren und Stände ersuchte, seine Intercession zu secundieren. Der König be- 
zeugte hierüber grosse Alteration und stiess die Worte aus, es könnte solches 
nicht anders ausgedeutet werden,. als dass man ihn für einen Tirannen, dafür 
ihn der Marschall ausschreie, oder aber für einen blöden Herren hielte, dem 
man Vormunder setzen wollte ^ er würde aber wohl solchem Vorhaben zu be- 
gegnen wissen und, da es tentiert würde, es für eine Clarigation aufnehmen. 

H. stellte darauf dem Könige, obwohl ihm dieser mehrfach ins Wort fiel, 
die verschiedenen Motive und Rationen vor, warum er den Marschall zu resti- 
tuieren hätte. Schliesslich, um sich des weiteren Anhaltens auf einmal zu ent- 
schlagen, wies der König die Sache von sich ab, vorgebend, dass sie nunmehr 
nicht von ihm allein dependierte, sondern andere daran interessiert wären. Ge- 
rade deswegen, antwortet H., hielte Kf. dafür, dass, wenn man nur bei dem 
Könige einen Blick der Gnade gespürt hatte, die Interessierten durch die anderen 
zu einem Accommodement zu disponieren sein würden, und fährt fort in ihn 
wegen der Restitution Lubomirski's zu dringen. Der König sagt endlich, 
wenn er dem Marschall sehr viel Gnade erwiese, würde doch solches nicht wei- 
ter gehen als nur auf die Erbgüter und auf das, so er noch zur Zeit nicht ver- 
geben, den Marschallstab und das Generalat aber werde er ihm nicht wieder- 
geben, denn er könnte ihm weder auf Schriften noch Eide trauen. 

H. begehrt endlich zu wissen, was er denn an Kf. zu bringen hätte. Der 
König wollte aber haben, er möchte mit der Relation noch etwas an sich halten, 
bis er's mit seinen Leuten besser würde überlegt und, wie Kf. zu beantworten, 
geschlossen haben ■). 



V. Ho verbeck an den Kurfürsten. D.* Warschau 12. März 

1665. 

[Ergebnis der Audienzen bei dem Könige und der Königin und der neuen Conferenz 

mit dem G.Kanzler.] 

12. Mfirz. Er hat bei der Königin^) und dann auch bei dem Könige') Audienz 

gehabt, deren jede bei drei Stunden gedauert, heute auch mit dem G.Kanzler 
alles überlegt, der versprochen, das Schreiben an den Kf. so einzurichten, dass 
derselbe damit werde völlig zufrieden sein können^). Wenn der Littauische 
Kanzler^), der nur eitel Feuer speit, sich nicht dawider setzte, möchte dem Kf. 
die Unterhandlung zwischen dem Hof und dem G.Marschall deferiert werden, damit 
er dadurch abgehalten werde, sich mit demselben einzulassen. Es würde aber 

') Den Inhalt dieser Unterredung giebt kurz Pufendorf IX. c. 88 S G33 wieder. 
'^) Ueber die Audienz bei derselben liegt keine Aufzeichnung vor. 
3) S. oben S. 264 flf. 

*) II. sendet am 20^ März den Entwurf eines solchen Schreibens ein, an dem aber 
noch einiges geändert werden solle. 
5) Christoph Paz. 



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Verwendung für Lubomirski. 267 

wohl bedungen werden, dass Kf. vor allem von ihm Cavalierparole nehme, dass 
er während der Handlung nichts machiniere. 



ProtocoUum was mit dem Kaiserl. Abgesandten, H. Baron 

de Goiä^) negotiiret worden. 

1. Conferenz*), gehalten den 14. Martii a meridie hora 4. 

[Die Lubomirskische Angelegenheit. Vorgänge auf dem Regeuriburger Reichstage.] 

F.Anhalt ersucht den Gesandten, weil er nichts Schriftliches eingegeben, 24. März, 
die dem Kf. gethanene Proposition kurz zu wiederholen. Derselbe proponiert 
darauf, der Kaiser habe sich bemüht, den Plänen der Königin von Polen, den 
ducd'Enguin zur polnischen Krone quovis modo zu befördern und demselben 
Oppeln und Ratibor zu cedieren, vorzukommen; er hätte gehofft, nachdem die 
Confoderation entstanden, dass man am polnischen Hofe von diesem Wahlnegotio 
abstehen würde, allein nach gestillter Confoderation sei dieses mehr als jemals 
getrieben, nachdem die Königin sich vergeblich bemüht, Lubomirsky auf ihre 
Seite zu gewinnen, hätte sie ihn durch den bekannten Process zu verfolgen ge- 
sucht, so dass er sich in des Kaisers Lande habe retirieren müssen, der Kaiser 
habe nicht weniger thun können, als ihn tanquam principem imperii et'vasallum 
regni Hungariae aufzunehmen, er consideriere aber nicht so sehr seine Person 
als die allgemeine Ruhe und Unruhe, so aus diesem Werk entstehen könnte, 
bäte Kf., ihm seine Sentimente hiervon zu eröffnen. 

Nach genommenem Abtritt antwortet v. Schwerin, Kf. halte dieses pol- 
nische Unwesen, vornehmlich das Wahlnegotium, von sehr hoher Importanz, er 
habe daher durch Li sola, als dieser bei ihm gewesen'), den Kaiser ersuchen 
lassen, ihm seine Gedanken hierüber zu eröffnen, doch sei keine Resolution 
darauf erfolgt. Als nun inzwischen gegen Lubomirsky so wunderbarlich 
procediert worden, sei Kf. entschlossen gewesen, deswegen jemand an den 
Kaiser abzuschicken, da er aber vernommen, dass dieser Ihre Exe. herschicken 
würde, sei ihm solches um so lieber gewesen. Weil nun Lubomirsky zu 
verschiedenen Malen durch Schreiben und Schickungen Kf. versichert, dass der 
Kaiser ihm bereits Hülfe versprochen, darauf wirklich Geld gezahlt, Werbungen 
verstattet und dieselben durch Licentiierung einiger Truppen favorisiert, so er- 
suche Kf. den Abgesandten-, ihm alles, was mit demselben vorgegangen, im Ver- 
trauen zu eröffnen. Kf. habe bisher dem Lubomirsky keine andere Resolution 
ertheilt als, dass er sich zuförderst bei dem Könige in Polen per intercessionem 
seiner annehmen wolle; dieses sei auch geschehen, da es aber nichts verfangen, 

*) Derselbe war am V2.ß2. März in Berlin angekommen, hatte am 23. bei dem 
Kf. Audienz gehabt; zu den Conferenzen mit ihm waren vom Kf. Fürst Job. Georg 
von Anhalt und der O.Präsident 0. v. Schwerin deputiert worden. Vgl. über 
de Goess' Sendung Urk. u. Act. XL S. 597; XIV, 1 S. 199ff. 

>) Vgl. Urk. u. Act. XIV, 1 S. 203. 

») S. Urk. u. Act. XL S. 322ff. 



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268 in. Brandenburg und Polen. 1664-1673. 

hätte Kf. seine Gesandten beauftragt, mit mehr Nachdruck ihre Intercession zu 
verrichten und dem Könige anzudeuten, wenn er darauf nicht reflectieren wurde, 
könne Kf. nicht umhin, den Ständen auf öffentlichem Reichstage vorzustellen, 
was für Gefahr dem Reiche daraus erwachsen würde, der König habe sich hier- 
über sehr bewegt gezeigt und gesucht, Kf. von solcher Intention zu divertieren, 
dessen Mediation zwar angenommen, doch unter der Bedingung, dass Lubo- 
mirsky zuförderst versprechen sollte, indessen nichts zu tentieren und -ausser 
Reichs zu bleiben, er hatte auch zugesagt, ihm seine Erbgüter und ausser der 
Feldherrn- und der Marschallswürde seine übrigen Dignitäten zu lassen, da aber 
von dem Kurfürstl. Gesandten dieses als nicht zureichend nicht angenommen 
worden, hätte der König gebeten, hiervon keine Relation abzustatten, sondern 
die eigentliche Resolution bei künftiger Post zu erwarten, dabei habe er über 
den Kaiser und dessen Drohungen geklagt. 

de Goes antwortet, auch der Kaiser hätte sich bemüht, die Sache gütr 
lieh beizulegen, Lubomirsky dazu gerathen und, als er Graf Kinsky und 
nachher H. Meyer an den polnischen Hof geschickt, denselben befohlen, diese 
Sache per amicabilem compositionem beilegen zu helfen und dem Könige vor- 
zustellen, dass es ihm garnicht zuträglich wäre, das Reich in einen neuen Krieg 
zu involvieren, sich auch erboten, dass Lubomirsky sich dergestalt gegen 
den König bezeugen sollte, dass dieser Ursache haben würde, ihn wieder zu 
Gnaden aufzunehmen; Kinsky hätte Befehl, deswegen mit des Kf. Gesandten 
vertraulich zu communicieren. Als Lubomirsky vom Kaiser begehrt, er möchte 
einige Völker abdanken, damit er sie in seinen Dienst ziehen könnte, weil er 
gesonnen sei, armatus in Polen zu ziehen, hätte der Kaiser ihm davon abge- 
rathen, er hätte es auch für besser gefunden, dass der ü. Kanzler Graf Les- 
cinsky, dem Lubomirsky gerathen, sich auch zu retirieren, im Reiche bliebe. 
Also sehe er gerne, dass des Kf. consilia mit denen des Kaisers ganz überein- 
kämen. 

Iliemächst ist utrinque von dem Zustande in Polen und durch was Mittel 
die Königin zu ihrem Zweck zu gelangen Hoffnung haben könne, discurriert 
worden, wie auch, ob es dem Könige ernst sei, die Wahl zu befördern, oder ob 
er der Königin zu Gefallen sich es also nur annehme. 

Endlich hat der Kais. Abgesandte auch Meldung gethan, dass ein Theil 
im Fürstlichen Collegio contra morem consuetum andere Sachen in ihren votis 
berühren wollten, als was proponiert worden, und gebeten, Kf. möchte seinen 
Gesandten befehlen, dass sie, wie bisher, darüber hielten, dass dergleichen nicht 
zugelassen würde, wie auch, wann wegen des Wahltages etwas an Kf. gebracht 
würde, solches mit dem Kaiser zuförderst zu communicieren. 

Welches ad referendum angenommen und die Conferenz hiermit geendigt 
worden. 



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Conferenz mit de Goeas. 269 

V. Hoverbeck an den Kurfürsten. D. Warschau 24 März 

1665. 

[Das aufgefangene moskowitische Schreiben. Palbitzki's Aeusserungen. Vorgänge auf 
dem Reichstag. Aeusserungen des kaiserlichen Gesandten in der Lubomirskischen 

Sache.] 

Von dem Littauischen G.Kanzler hat er erfahren, dass in der That 24. März, 
ein moscowitisches Schreiben an Kf., wie jener behauptet, aas Versehen aufge- 
fangen sei, des Inhalts, Kf. möchte sich ja mit Polen nicht einlassen, sondern 
viel eher mit ihm zusammenhalten, weil die ungläubigen Tataren, durch welche 
Polen den Krieg führe, Kf. und dessen Landen künftig sehr schwer und gefähr- 
lich fallen würden. H. will anhalten, dass ihm das Original gezeigt oder Kf. 
zugesandt werde. Sonst hat ihm derselbe auch ebendasselbe bekannt, was der 
Konig von B a 1 b i c k i 's Traductipnen, betreffend des v. C r o c k o w Negotiation in 
Schweden, bei der Audienz-) entdeckt gehabt, so dass daran nicht zu zweifeln 
ist. Betreffend die preussischen Malcontenten hat H. von dem polnischen 
G.Kanzler nur herausgebracht, dass Bai bicki gegen ihn erwähnt, Kf. möchte 
sich ja der polnischen Rebellen nicht zu eifrig annehmen, es möchten sich auch 
wohl unter seinen Unterthanen mehr Rohden finden. 

Den Reichstag^) betreffend ist noch nicht die geringste Apparenz, dass 
er so bald zu einem einhelligen Schluss könne gebracht werden, da die dem 
G.Marschall Zagethanen darauf bestehen, es könne zu keiner Sache geschritten 
werden, bis vorher alle acta des vorigen Reichstages, welche nach dem gegen 
die Deputierung zu den Gerichten erhobenen Proteste einiger Landboten vor- 
gegangen, für nichtig erkannt und cassiert würden, wodurch nicht nur des 
G.Marschalls Restitution, sondern auch zugleich Abolition der Restitution 
Radzieowski's gesucht wird. Der Hof aber will nicht allein dieses nicht ge- 
statten, sondern auch nicht, dass durch die sämtlichen Landboten in corpore 
eine Fürbitte für den G.Marschall eingelegt werde, in Furcht, dass dieses 
namentlich in Frankreich einen grossen Stoss an der Reputation geben und 
daher der König und Prinz Conde in Auszahlung der Gelder, darauf die Sache 
jetzt besteht, desto säumiger würden. 

In den Consultationen mit dem kaiserlichen Gesandten^) hat er diesen 
Lubomirsky betreffend dahin zielend befunden, es dürfte demselben nicht 
öffentlich und mit Völkern geholfen werden, damit nicht etwa Frankreich 



^) S. oben S. 243. 

2) S. oben S. 265. 

^ üeber diesen am 12. März eröffneten Reichstag s. Kochowski III. S. 170ff. 
Schon am 20. Värz hatte H. über den ungünstigen Verlauf desselben berichtet und 
bemerkt, er glaube nicht, dass er dazu werde gelangen können, für Lubomirski in 
publice trium ordinum consessu in des Kf. Namen Intercession einzulegen, der König 
wolle dieses durchaus nicht gestatten und auch er selbst sei überzeugt, dass dadurch 
unter den jetzigen Umständen mehr Widerwillen als Gutes werde verursacht werden. 

*) GrafKinsky. 



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270 ni- Brandenburg und Polen. 16G4— 1673. 

und Schweden daher Anlass nähmen, sich mit in das Spiel zu mischen, son- 
dern nur mit Geld, damit er Mittel habe, ohne Beschwer der polnischen Stande 5000 
oder 6000 Mann an der Siebenbürgischen Grenze zu verpflegen und dadurch 
den hiesigen Hof im Zwange zu halten, bis es etwa Zeit sei zu agieren. Als H. 
ihn aufgefordert, diese Gedanken dem Kaiser zu überschreiben, erwiderte er, 
dass efs ohnerfordert nicht thun dürfte. H. glaubt auch, dass der Kaiser nicht 
gemeint sei, durch Baron Goes') dem Kf. seine Gedanken zu eröffnen, sondern 
die desselben zu sondieren, ehe er sich herauslasse. 



V. Hoverbeck an den Kurfilraten. D. Warschau 27. März 

1665. 

[Vorgänge auf dem Reichstage.] 

27. März. Die Landboten sind vor dem Könige erschienen und haben für den G.Mar- 

schall Fürbitte eingelegt, der König hat darauf erwidert, er wolle sich's über- 
legen und sich folgenden Tags declarieren. Darauf ist ohne grosse Contesta- 
tionen der Reichstag bis heute prorogiert worden, und sind diese Tage verschie- 
dene Consultationen gehalten worden, da aber die Landboten die Total resti tu tion 
Lubomirski's verlangen, der Hof aber nur durch eine Constitution ihm Hoff- 
nung machen will, zur königlichen Gnade gegen künftigen Reichstag zu gelan- 
gen unter der Bedingung, dass er sich in der Zeit ausser Landes halte, so ist 
schlechte Apparenz zur Versöhnung. Der König soll in öffentlicher Session drei 
aufgefangene Schreiben L.'s haben vorlesen und erklären lassen, er könne sich 
auf der Landboten Anhalten hei so beschaffenen Sachen nicht erklären, sondern 
müsse erst andere Zeichen der Reue und Besserung des Marschalls sehen, darauf 
sollen die Stände immerfort mit einander contestieren, indem die polnischen des 
Marschalls Sache vor allen Dingen accommodiert wissen, die Littauer aher davon, 
als einem Privathandel, der auf diesen Reichstag garnicht gehöre, nicht wollen 
reden lassen. 



V. Hoverbeck an den Kurfürsten. D. Waröchau 30. März 

1665. 

[Zerschlagung des Reichstages; kriegerische Aussichten: das consilium postcomitiale.] 

30. März. Nach sehr heftigen Scenen hat sich am 26. um Mitternacht der Reichstag 

fruchtlos zerschlagen'^); durch glimpfliche Mittel ist nun nichts zu schaffen, 
sondern alles kommt zu beiden Theilen auf den Ausschlag der Waffen an. H. 
hat sich sofort bei dem Könige und den Staatsministris angegeben und sie an 
ihre Zusage erinnert, dass sie, falls der Reichstag sich zerschlagen sollte, des 

») S. oben S. 267. 

») S. Kochowski in. S. 171f. 



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Vorgänge auf dem Reichstage. 271 

Kf. Interessen auf dem consilio postcomitiali befördern wollten, und soviel er- 
halten, dass des Kf. Satisfactionspunkt unter die Deliberanda gesetzt wor- 
den ist. 



Der Kurfürst an v. Hoverbeck. D. Cöln 20./[30.] März 1665. 

[Das Schreiben des Königs. Eröffnungen v. Reiffenberga über die französischen Ab- 
sichten. 

Mit dem übersandten Entwürfe des königlichen Schreibens ^) ist Kf. wenig 30. März, 
zufrieden, namentlich da alle Sincerationen auf die angehängte Condition wegen 
des Lubomirsky beschränkt sind. 

Sonsien lassen wir euch auch gnädigst wissen, dass ChurMayntz Ld. 
den Freiherrn von Reiffenberg') anhero geschickt, welcher uns unter 
anderen zu vernehnaen gegeben, dass Frankreich alles thun würde, was 
es vermöchte, umb vivente rege einen gewissen successorera zu denorai- 
niren «nd damit nicht bis auf den Abfall des jetzigen Königs zu warten, 
und ob wir ihm zwar remonstriren lassen, dass solches nimmer zu er- 
halten sein würde, so hat er doch beständig asseriret, dass der König 
sich von dieser Intention nicht würde dimoviren lassen, wobei er aber 
dieses angezogen, dass es ihm gleichviel sein würde, wer die Pf^rson 
wäre, wenn es nur durch seine, des Königs, Beförderung geschehe und 
der künftige König es Frankreich zu danken haben möchte, dass er zur 
Chron gelanget. — 



v. Hoverbeck an den Kurfürsten. U. Warschau 6. April 

1665. 

[Littauische Convocation. Neue Instruktion für die Commission zii den Friedens- 
tractaten mit Russiand. Ankunft des französischen Gesandten.] 

In dem Consilio postcomitiali ist beschlossen worden, dass auf den 4. Mai 6. April, 
eine Convocation der sämtlichen littauischen Stände in Gegenwart des Königs 
solle gehalten und dabei von Bezahlungsmitteln für die Armee und fernerer 
Verfassung zu Fortstellung des Krieges gegen Moscau gehandelt werden, die 
polnischen Senatoren, insonderheit der Castellan von Posen Grzy multowski 
haben vergeblich dagegen gesprochen. Des Kf. Satisfaction haben alle für höchst 
billig erkannt und ist den Kanzlern aufgetragen worden, mit IL zu überlegen, 
ob nicht auch ausser eines Reichstages zu des Kf. Befriedigung Mittel zu finden 
sein möchten. 

Wiewohl vermöge der Landverfassung keine Instruction zu Friedenstractaten 



') S. oben S. 264. 

2) S. ürk. u. Act. XL S. 417ir. 



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272 Brandenburg und Polen. 1664—1673. 

anders als auf einem Reichstage gemacht werden kann, hat der König doch 
eine ansehnliche Anzahl von littauischen Senatoren und Landboten nebst etlichen 
wenig polnischen deputiert, um nach geleistetem solennen Eide, dass sie alles 
geheim halten wollten, die auf dem letzten geschlossenen Reichstage den Com- 
missarien gegebene Instruction zu moderieren. H. hat davon soviel penetriert, 
dass man einen Anstand auf 20 Jahr zu machen und auch wohl Smolensk und 
Sewerien in der Moskowiter Händen zu lassen nachgeben will. Sollten aber 
diese eine ansehnliche Summe zu Bezahlung der Armee hergeben und societatem 
belli gegen des G. Marschalls Anhang eingehen wollen, möchten sie's ihnen auch 
wohl in perpetuum abtreten und wohl gar Kiew dazu lassen. 

Zwischen den Völkern des Obersten Brion, der mit seinem Regiment 
Stadt und Schloss Cracau besetzt hält, und denen des G.Marschalls soll es schon 
unfern der schlesischen Grenze zu einem blutigen Rencontre gekommen sein. 

Der französische Extraordinarambassadeur Bischof von Beziers') befindet 
sich schon seit 8 Tagen in der Stadt, hat auch bereits bei dem Könige, der 
Königin und dem Primas incognito Audienz gehabt, soll aber erst nach den 
Feiertagen seinen Einzug halten. 



Der Kurfürst an v. Hoverbeck. D. Cöln 3./[13.] April 1665. 

[auf die Relation vom 30. März. Neue Verhaltungsbefehle.] 

(Conc. 0. V. Schwerin.) 

13. April. — weil wir daraus so viel ersehen, dass die Sachen nunmehr zu 

einer gefahrlichen Ruptur daselbst gerathen — so habt ihr mit Fleiss 
zu sondiren, was für Resolution man in den Woiwodschaften nehmen, 
insonderheit auch, ob man auf die Gedanken kommen möchte, uns zu er- 
suchen, da.ss wir uns des Werks zu der Chron Besten annehmen möch- 
ten, gestalt uns dann lieb sein wird, wenn ihr es unvermerket dahin 
bringen könntet, dass solches geschehe. Ihr habt euch aber gegen den 
keyserlichen Abgesandten nicht merken zu lassen, dass wir uns in die 
Sache mischen wollten, damit man uns auch von der Seite hiezu requi- 
riren möge. Sonsten wollet ihr fleissige Acht auf der Schwedischen 
Negotiation geben und zu erfahren geflissen sein, ob Schweden neben 
Frankreich etwas mit fürzunehmen intcntioniret, wie man uns denn 
berichtet, dass die Königin fürhabend sein soll, Eibingen und Marienburg 
an Schweden zu überliefern, damit sie selbiger Hülfe zu Ausführung ihrer 
Intention desto mehr versichert sein möge. 

*) Pierre de Bonzi, Bischof Ton Beziers, vorher französischer Gesandter in 
Venedig, s. über dessen Gesandtschaft nach Polen Recueil des instructions IV. 
S. Ol ff. 



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Einfall Lubomirskrs. Neue Verwendung des £f. für denselben. 273 

Lubomirskfs wegen will Kf. nächstens einschreiben an den Könige) ab- 
gehen lassen und soll H. inzwischen bei Gelegenheit dem letzteren nochmals 
des Kf. Bereitwilligkeit zur Vermittlung eröffnen. 



V. Hoverbeck an den Kurfürsten. D. Warschau 14. April 

1665. 

[Furcht vor einer neuen Confoderation. Einfall Lubomirski's.] 

Der Hof fürchtet eine neue Confoderation der Armee*) und bemüht sich 14. April, 
vergeblich, Geld zur Bezahlung derselben aufzubringen. Aus Littauen sollen 
sich 22 Compagnieen von der Armee getrennt und nach Brzesc gewendet haben, 
man fürchtet, dass sie sich zu der Kronarmee begeben und die Confoderation 
verstärken werden. Auf die Nachricht, dass der G.Marschall mit 4000 Mann 
ins Reich eingefallen ') und sich in der Gegend von Czenstochau befinde, ist der 
König heute von Nieporent hieher zurückgekehrt. Man fürchtet, dass auch 
Tetera*) sich mit Lubomirski verbinden wird, welchem nicht nur die ge- 
horsamen, sondern auch die rebellischen Kosacken folgen dürften. 



V. Hoverbeck an den Kurfürsten. D. Warschau 25. April 

1665. 

[Audienz beim Eonige, Intercession für Lubomirski. Argwohn des Königs wegen 
angeblicher Rüstungen des Kf. Palbitzki.] 

Der König ist heute früh über die Weichsel nach Biala fortgegangen. Bei 25. April, 
der gestrigen Audienz, auf der H. ihm zu der bevorstehenden Reise Glück ge- 
wünscht, hat er Gelegenheit gehabt, des Kf. Auftrag wegen Lubomirsky^) aus- 
zurichten. Der König nahm den Rath zwar freundlich als wohl gemeint auf, 
erklärte aber, es wäre mit dem Marschall in einem ganz anderen Stande, als 
sich derselbe bei dem Kaiser und Kf. gerühmt hätte, man hätte sich keiner 
motuum zu befahren, denn ohne auswärtige Hülfe würde er, der König, ihm 
und allen , die sich seiner annehmen wollten , genugsam gewachsen sein. Er 
bemerkte, es mache ihm Nachdenken, dass, wie ihm ein vornehmer polnischer 



Kf. übersendet ein solches an IT. am 10./20. April mit dem Befehl, dasselbe 
„ohne einig Nachsehen und es möge der Zustand der Sachen beschaffen sein wie ihm 
wolle", zu überliefern und dem Könige diese Sache nochmals zu recommendieren. Von 
Reiffenbergs Mittheilungen (s. oben S. 271) solle er bei Gelegenheit und behutsam 
den Wohlaffectionierten Mittheilung machen. 

^ S. Kochowski III. S. 173. 

') S. Kochowski III. S. 174. 

*) Der Kosackenhetman. 

^) S. oben. 

Mater, x. Gesch. d. Q. Kurfürsten. XTT. 18 



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274 in. Brandenburg und Polen. 1064—1673. 

Beamter berichtet, Kf. seine Feldartillerie zum Feldzage znrüsten, auch seine 
Magazine und Zeughäuser stark versehen lasse. H. erwidert, dass dieses ganz 
leere Gerüchte seien, Kf. hielte seine Feldartillerie stets in völliger Bereitschaft, 
so dass nur die Pferde, die auch immerfort bereit standen, vorzulegen seien, 
die Festungen wären wenigstens auf 3 Jahre mit Proviant nnd Munition ver- 
sehen, die Magazine überfüllt, die Besatzungen so stark, dass Kf. einen guten 
Theil derselben ohne Gefahr herausnehmen und ins Feld führen könnte, auch 
wegen der Cavallerie hätte Kf. mit seinen Statthaltern und Generalen Capitula- 
tionen aufgerichtet, so dass es ihm nicht fehlen könnte, fünf auch wohl sechs- 
tausend Pferde innerhalb zwei oder höchstens drei Monaten ins Feld zu bringen 
^Wie ich so frei sprach, bestürzten Sie drüber und Hessen von weiteren Nach- 
fragen ab.** 

H. hat Balbitzky') noch nicht besucht, da derselbe ihm seine Ankunft 
nicht angezeigt hat. Mehrere Anzeichen lassen darauf schliessen, dass derselbe 
dem Hofe nicht solche Satisfaction giebt, als man wohl verhofft, und dass man 
mit ihm nicht zufrieden ist. Der Hof scheint zu merken, dass der Schweden 
Maximen und Principien nicht allerdings mit den ihrigen nnd den französischen 
übereinstimmen, Schweden soll auch durchaus nicht anstehen, dass mit Däne- 
mark grosse Vertraulichkeit gepflogen wird. 

PS. Obwohl sich der König bei der Audienz so muthig bezeugt, ist doch 
aus etlichen Umständen abzunehmen, dass er nicht nur, um sich der Arbeit zu 
entheben, sondern wohl vornehmlich, um der Gefahr zu entgehen, die Reise 
nach Littauen beschleunige. Der Primas, der K.O.Stallmeister'), des 
G.Marschalls Bruder, der Referendarius Morstein und andere gehen mit der 
Retirade nach Danzig um. 

Der kaiserliche Gesandte^) will in wenigen Tagen abreisen. 



^) Derselbe war damals aufs neue als Rchwedischer Gesandter in Warschau er- 
schienen. H. hatte schon am 18. April gemeldet, derselbe habe beim Konige Audienz 
gehabt und habe sich bei dem Ca.stel]an von Danzig Guldenstern über ihn beklagt, 
er hätte ihn angegeben, dass er bei seiner vorigen Anwesenheit dem Kf. böse officia 
geleistet, weshalb er von seinem Könige einen Verweis erhalten hätte. Am 28. April 
meldet H., B. habe sein böses Gemüth dadurch kund gegeben, dass er in einem 
Memorial wegen der Zölle oder Licenten, mit denen Kf. die Grosspolen beschwere, 
Klage geführt, der Littaui sehe Kanzler aber und andere, mit denen er, H., davon ge- 
sprochen, hätten nur darüber gespottet. „Ich nehme es aber nicht anders auf, denn 
dass diesen Leuten der Neue Graben missfällt und wissen nicht, wie sie Ew. Chf. D. 
Vorhaben hintertreiben sollen.** 

*) Fürst Alezande r Lubomirski. 

^ Graf Kinsky. H. meldet am 18. April, derselbe hätte in einem Memorial 
gegen die Cession von Oppeln und Ratibor an den Herzog von Enghien protestiert, 
dieser Protest werde die Königin höher offendieren als die Intercession für Lubo- 
mirski. 



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Abreise d. Königs nach Littauen. Angebl. Tractat Polens mit Frankreich. 275 

Der Karfürst an v. Hoverbeck*). D. Cöln a. d. Spree 
13./[23.] Juni 1665. 

[Gerüchte über einen polnisch-französischen Tractat] 
Nachdem uns von unterschiedenen Orten vertraute Nachricht zuge- 23. Juni, 
kommen, dass zwischen dem Polnischen Hof und Frankreich geheime 
Tractaten obhanden, kraft deren das König!. Preussen an Frankreich 
übergeben werden und die Krön Frankreich zu solchem Ende ehestens 
eine Flotte in die Ostsee schicken solle, so befehlen wir Euch hiermit gnä- 
digst, auf alle dergleichen Tractaten nicht allein genaue Achtung zu geben, 
sondern auch, wenn Ihr die geringste Apparenz darvon verspüren solltet, 
d^ König und andere getreue Patrioten in unserm Namen darvon 
treulich abzumahnen und die schädliche Consequentien, so daraus kom- 
men werden, aufs beste vorzustellen. — 



V. Hoverbeck an den Kurfürsten. D. Hohenstein 5. Juli 1665. 

[Wahrscheinlichkeit des französisch-polnischen Tractates.] 

Er hat keine bestimmten Beweise für die Existenz des angeblichen Trac- 5. Juli, 
tates zwischen Polen und Frankreich, hält diese Gerüchte aber doch für 
richtig, denn wozu sonst hätte man Marienburg, Elbing und Dirschau in 
französischer Leute oder doch solcher Gewalt gegeben, die nur ihr Absehen 
darauf haben? Die Königin würde das Land auch in der Schweden, Moskowiter 
oder Tataren Hand geben, wenn sie ihr Intent damit durchzutreiben sich ge- 
trauete. Bei denen, die jetzt am Hofe sind, ist dagegen nicht zu unterbauen, 
da sie alle von demselben absolut dependieren, wenn Kf. aber jemand hätte, 
der es anLubomirski mit guter Manier bringen könnte, würde es viel mehr 
verschlagen, und sollte es zu einem Reichstage kommen, so würde in dieser 
Materie was Fruchtbarliches zu schaffen sein*^). 



') H. hatte sich Anfang Mai 1G65 auf seine Güter in Preussen zurückbegeben, 
wo er bis zum April des nächsten Jahres g-eblieben ist. Er unterrichtet von hier 
aus fortgesetzt, hauptsächlich auf Grund der ihm von seinem in Warschau zurückge- 
lassenen Sekretär Scultetus zukommenden Mittheilungen, den Kf. über die Vorgänge 
in Polen. 

*) H. meldet 5. Sept. von neuen Gerüchten über Verhandlungen mit Frankreich 
wegen Verpfändung eines Theiles des Königl. Preussens gegen 2 Millionen poln. Gul- 
den, doch stosse sich die Sache daran, dass man bisher keine Mittel zu finden wisse, 
um nach Thorn eine königliche Besatzung zu legen. 

18* 



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276 III. Brandenburg und Polen. 1664—1673. 

c. Verhandlungen mit Lubomirski. August 1665 bis 

Februar 1666. 

Georg Lubomirski an den KnrfLirsten. D. in castris ad 
Boleslawiec. 27. August 1665. 

[Anzeige des Beginnes Ton Unterhandlungen mit dem Hofe. Bitte um Geldbülfe.] 
27. Aug. — hoc scripsisse sufficiat, me exercitumque' mihi assistentem pacis 

tractatusqae cum Regia Maiestate fundamenta iecisse^), sparsam quoqae 
per exercitum electionis sive successionis post sera fata S. Regiae Ma- 
iestatis in personam Ducis Angiensis quaestionem nonnullos eiere motus: 
quod me perculit graviter et eo magis, quod haec ab Illustri D. Succa- 
merario ') emanarit propositio, unde, cum eundom familiärem et domesti- 
cum Suae Electoralis Serenitatis sciam, an hoc ex mente eiusdem pro- 
cesserit, cuperem quantocius informari. Mihi nil magis cordi, quam 
deuota et dedita semel rationibus et interesse Suae Serenitatis vici- 
norumque et amicorum principum conformare vota et studia. Unde licet 
ex iustis perimentibusque causis eundem 111. D. Succamerarium una cum 
filio meo Capitaneo Scepusiense ') ad Sacram Reginalem Maiestatem ex- 
pediverim, quid tameu ipsis in mandatis dederim et ipsi vicissim quo- 
modo circumscripti a me, mitto in copia Suae Serenitati, ut et mea s}ii- 
ceritas et tota negotii constet Suae Serenitati ratio eiusdemque mentem 
scire possim, quod obnixe peto a Sua Serenitate. Protectionem vero a 
Serenitate Yestra Electorali mihi semel oblatam dementem tum et sub- 
sidium illud pecuniarium, cuius partemlll. D.Succamerarius mihi aduexerat, 
venerabundus et grate accepi, ita quoque eandem adpraesens imploro, 
dictique subsidii pro parte restante quem in locum, quo tempore trans- 
mittere debeam, (instante praesertim et urgente consolationem exercitu) 
ut sine mora scire possim, supplex a Vestra peto Serenitate*). — 



Ueber diese schliesslich erfolglosen Verhandlungen s. Eoehowski III. S. 181 f. 

^) Stephan Niemirycz 8. oben S. 248. Von demselben, der sich seit Anfang 
Juni bei Lubomirski befindet, liegen mehrere Briefe aus dieser Zeit an Rf. vor, 
in denen er über die dortigen Vorgänge berichtet. Am 12. Juni schreibt er aus dem 
Lager bei Biecz, L.'s Heer zähle 3000 Mann, auch habe sich der confoederierte Theil 
der polnischen Armee für denselben erklärt, doch glaube er, dass L., wenn die Re- 
publik und die Nachbarn ihn nicht unterstützen wurden, mit dem Hofe unter den von 
diesem gestellten Bedingungen Frieden schliessen werde, und auch er selbst habe ihm 
dazu gerathen, da die polnischen Edelleute lieber Sklaven als Freie sein wollten. 

^ Stanislaus Lubomirski, Starost von Zips. 

*) Rf. in seiner Antwort auf dieses Schreiben vom 7. September 1665 spricht 



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V^erhandlungen mit Lubomirski. 277 

Georg Lubomirski an den Kurfürsten. D. in castris ad 
Krzepice 30. August 1665. 

[Schilderung seiner bedrängten Lage, Bitte um Unterstützung.] 

— Quidquid aggreditur exercitus una mecum, cogente aggreditur 30. Aug. 
necessitate, praesertim cum nobilitas armis et potentia Regiae Maiestatis 
pressa siae oppressa caput eiferre, imo nee congredi agereque rem 
oppressae Reipublicae et propriae libertatis dod audet, ultione statim 
seqaente. Haec ipsa Regiae Maiestatis potentia in dies crescit et augetur, 
meae vero et exercitus vires in dies aut minuuntar aut in spe exterorum 
suffragiorum propriis deficientibus concidunt. Mihi quidem — dictos 
tractatas mens est trahere premereque pro possibilitate, ne quid erumpat 
tam patriae quam vicinis praeiudiciosum, ast protractio ista nonnisi in 
brevissimum tempus deficientibus mediis et suffragiis. Unde cum com- 
munis sit haec SerenitAtis Vestrae cum Republica causa, obnixe eandem 
— rogo, velit quantocius sufTragari parte aliqua exercitus neruoque. 
Sacra Caesarea Maiestas dudum id fecisset, sed suam respicit Sereni- 
tatem, ergo nihil restat amplius, nisi ut Serenitas Yestra Electoralis, cuius 
res vel maxime agitur, hoc in negotio tandem resolvere nodum hunc 
velit et adesse praesenti patriae necessitati missis copiis auxiliaribus 
promissoque neruo, sine quibus nos impares hello cum simus (quamuis 
non temnendas vires habemus) pacisci omnino necessum babebimus, jam 
vero si paciscemur et siue implicite siue explicite inuoluatur electio, qua 
non nisi mediante tractatus perfici possunt, si qua patriae, qua vicinis 
amicisque principibus aliquid sequetur praeiudiciosi, aequi bonique ut con- 
snlant omnes necesse erit, quia qui fecit, quod potuit, legem adimpleuit^). 



nur seine Freude über den Beginn der Friedensunterhandlungen und seine 
Wünsche für das Zustandekommen derselben aus. Unter demselben Datum 
schreibt er auch an König Johann Casimir und spricht demselben seine Freude 
darüber aus, dass derselbe Lubomirski und dessen Anhängern den Weg der Gnade 
eröffnet habe, auch er selbst habe Niemirycz beim Abschiede ermahnt, man möge 
sich aller gewaltsamen Massregeln enthalten und lieber durch Unterwerfung die Gnade 
des Königs zu erlangen suchen. 

^) Eine Antwort darauf scheint von Seiten des Kf. nicht erfolgt zu sein. 



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278 in. Brandenburg und Polen. 1664—1673. 

Stephan Niemirycz^) an den Kurfürsten. D. devant Piotrkow 
19. September 1665. 

[Nene Unterhandlungen. Ungünstiges Urtheil über Lubomirski.] 
19. Sept. On commence icy a traiter') par M. le Grand General Potocki, par 

M. TEvesque de Cracovie') et M. l'Evesque de Chelm*) et par les 
Commissaires de Tarmee, qu'ils iront dans le Camp de Sa Majeste 
aujourdhuy ou demain six en nombre, pour y traiter de la paix. Prae- 
liminaria haec sunt: Le Roy veut qu'on luy rend primierement tous les 
prisoniers petits et grands^ drapeaux, tiinbals, tiimbours; pour les dra- 
peaux et autres insignia il n'y avoit aucune dispute, mais pour les 
prisoniers on a long temps dispute, enfin M. le Grand Mareschal a obtenu 
de l'armee, qu'on les rendra devant le commencement de traitte. Les 
armees doivent camper pour le moins huict lieux l'une de Tautre dans 
des places que Sa Majeste ordonnera. Lubomirsky a commence traitter 
avec le Grand Chancelier de Lithuanie') par son cousin, qui est pri- 
sonnier dans nostre armee, mais il sera trompe* du Chancelier. M. le 
Grand Mareschal se doit retirer dans la Silesie et de dela doit demander 
la grace de Sa Majeste dont il est dejä fort content, ayant asseurance 
de ces Messieurs deux Evesques qu'il aura asseurement la grace de Sa 
Majeste. Si Lubomirsky gaigne, je croiray la predestination. II n'est 
pas hardy et il repousse avec deux mains la fortune. Quand il sera 
hors du Royaume on le declarera pour un ennemy de la patrie et apres 
ä la premi^re diete on fera Election, car le Roy veut quitter le sceptre 
asseurement, c'est pourquoy ie dis devant la faction de la Reyne, que 
V. Alt. n'est point contraire ä cette election, et devant Tautre faction 
autrement, me tenant pour un indiiferant, et qui ne suis point oblige a 
personne qu'au Roy et a Testat de Pologne. Vostre Alt. El. en usera 
comme Elle voudra. Lubomirsky ne m'a point permis venir pour un 
jour chez V. A. El. quoy que ie luy ay promis cy et cela de V. A. El. 
Je voulus expliquer de bouche ä V. Alt. El. ma fa^on d'agir pour le Ser- 
vice de V. A. El., car il est impossible d'escrire tant en chifre, et sans 
chifres ie n'ose point. Lubomirsky m'a accuse*) devant V. A. El., 

') S. oben S. 276. 

'-') üeber diese neuen im September nach der Niederlage der königlichen Trup- 
pen bei Czenstochau angeknüpften Verhandlungen s. Kochowski III. S. 193 ff. 

') Andreas Trzebicki. 

*) T homas Lezenski. 

^) Christoph Pac. 

ß) S. oben S. 276. 



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Verhandlungen mit Lubomirski. .279 

mais comme il n'est point secret, ie ne luy decouvre pas mon aifaire. 
Nostre armee ne veut point sortir de la confederation sans que la Diette 
ne leurs asseure Tamnistie, cependant ie croy fermement, qa'ils cederont 
cela encor et se contenteront de l'asseurance du Roy per senatus con- 
sultuzn, ce que ne les aydera point du tout, si Ie Roy les voudra chastier. — 



Georg Lubomirski an den Kurfürsten. D. Vratislaviae 
19. December 1665. 

[Der Friedensschluss. Neue Befürchtungen. Bitte um des Kf. Farsprache.] 
De pace*) Poloniae quoquo modo reddita iam fama Serenitati Vestrae 19. Dec. 
procul dubio attulit. — An vero haec stabilis et firma futura sit, Comitia 
proximo Martio celebranda sunt edoctura. Quamuis producta denuo e 
latebris odiosa electionis materia, tantorum seminarium malorum, vix 
ominari de longa tranquilitate concordibusque comitiis iubeat. Me quod 
attlnet, gratiam Suae Maiestatis, Domini mei clementissimi^ per instantias 
totius Reipublicae imploro et, quia benignissimae protectionis Serenitatis 
Vestrae gratia semper glorior, humillime peto, ut veluti superioribus 
comitiis Serenitas Vestra apud Suam Maiestatem Dominum meum sese 
interponere in causa mea est dignata^ ita etiath hocce protectionis suae 
pondus addere non dedignetur*). — 



Des vom Fürsten Lubomirsky Abgeschickten Collalto^) An- 
bringen s. d. [Februar 1666]. 

[Lage der Dinge in Polen. Lubomirski's Absichten. Bitte um Schutz und Unter- 
stützung. Warnung vor Niemirycz.] 

AI presente la repubblica di Polonia e in tal statte che senzaFbr.lf)66. 
Tellettione^) non pu6 sperare la pace, mentre la Maesta della Regina 

Ueber diesen am 8. November 1665 zu Palczyn abgeschlossenen Vergleich 
s. Kochowski III. S. 203f. 

^ Kf. in seiner Antwort darauf (d. Cliviae 3. Februar 1668) dankt für die An- 
zeige und sagt seine Intercession zu. 

') Kochowski III. S. 182 nennt unter Lubomirski's Anhängern auch: Colaltus 
Italus praeclara inimperio perfunctus militia. Lubomirski's Creditiv für denselben 
ist datiert Breslau 16. Januar 1666 (praes. 8. Februar), das Recreditiv des Kf. Cleve 
17. Februar 1666. Vgl. über seine Sendung Pufendorf IX. c. 85 S. 637. 

*) Ueber die damaligen Absichten des polnischen Hofes, mit Waffengewalt, mit 
Hülfe einer französischen Armee, an deren Spitze Conde und Engbien in Polen 



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280 in. Brandenburg und Polen. 1664—1673. 

poGGO fa ha mandato a sua Ecc. il sig. Principe Tultima dechiaraiione, 
che se vole hauere la restitutione delli honori e la pace, bisogna che 
conceda detta eliettione, ma piü, mentre la detta Maestä vedde, che la 
maggior parte della nobilta e contraria, et teme, che in queste piccole 
dietine che al presente si celebrano per tutte le prouincie il resto non 
sii per unirsi con li palatinati giä congionti col esercito confederato per 
la libertä et leggi della repubblica (mentre dalli sopradetti palatinati per 
via di lettere sono giä invitati ad unirsi insieme), vole, che Sua Ecc. il 
sig. Principe col medemo esercito, che ha sotto il suo commando, sforzi 
tutti quelli che fossero contrari a detta ellecione. La quäl cosa S. Ecc. 
il sig. Principe per la fede data alla patria per conservatione d'amicitia 
et pace frä Principi confinanti non pu6 in niuno modo concederla. 

Mons. Vescovo di Cracovia ultimamente ha scritto al s. Vice- 
canceliere dimostrandoli, che mentre il regno e cosi impouerito bisogna^ 
che sii fatta l'ellecione per hauer la pace. 

Li Suecesi si sono dechiarati per la libertä et leggi della Re- 
pubblica. 

L'ambasciator di Moscouia, che fü a Vienna s'abocco col secretario 
del £cc.°^^ S. Principe, il quäle disse, che il suo signore non interpretuava 
in bene questa ellecione. 

L'ambasciator di Francia hora e prodigo piii del ordinario nel 
sborsar denari a soldati o pure doue vide esser necessario per spuntar 
li loro intenti. 

La Corte mentre vede le contrarietä, che possono esser nell Ellecione, 
al presente fa levata di gente et tratta strettamente con tartari af&nche 
siino pronti per assister all' occorenza. 

Sua Ecc. il sig. Principe e giä resolute lasciar tutte le pretensioni 
sue si delli honori come d'altro et piü presto viver vita esule, aspettando 
altro tempo piü oportuno, che conceder Tellecione, solo suplica Sua Sere- 
nitä Elettorale che si degni farlo consapeuole, se, quando il bisogno lo 
richiederä, puo assicurarsi d'assistenza di Sua Ser. Elett. del che hum. 
la prega. 

Tutto quelle, che fa Sua Ecc. il s. Principe, lo fä solo per le raggioni 
sopranominate, perche per il suo particolare ancor hoggidi e in suo 
pottere haver la quiete, giä che la Maestä della Regina non ricerca altro 
dal medemo, solo che li dii una carta rasa sottoscritta con proprio pugno 



erscheinen sollten, die Wahl durchzusetzen, s. die Instruktion Ludwigs XIV. für Po m- 
ponne vom 19. December 1665 (Recueil des Instructions IV. S. 75ff. 94flf.). 



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Sendung Colalto's. 281 

et che mandi uno delli suoi figlioli in Francia, promettendo al detto sig. 
Principe ogni sodisfacione. 

Se pare a Sua Serenita Ell. promouer qualche d'uno a concorenza 
della Corte, potra conferirlo con Sua Ecc. il s. Principe per qualche altra 
persona. 

AI 8. Nimiricz, il quäle (non so se Sua 8er. Ell. sii informata) 
doppö il giuramento fatto al esercito procura di tirame parte in favore 
della Corte, ma vedendo che non li riuscivanO li di lui intenti come 
voleva, senza dir a Dio a persona se ne parti et hora pubblicamente 
dice che bisogna sii l'ellecione, l'ecc s. Principe prega Sua Ser. Ell. a 
non farli sapere cosa alcuna in questo negocio, perche lui come instru- 
mento della Regina subito lo paleserebe, in altro poi sua Ecc. prega 
Sua Ser. Ell. voler prottegerlo con le solite sue gratie. 

E pregata sua Ser. Ell. dal ecc. s. Principe che si degni farli la 
gratia promessa e principalmente hora supplica per la medema gratia, 
mentre e esule et tutti li suoi boni rovinati dal esercito inimico. 

Prego Sua Ser. Ell. che si degni di darmi presta espedicione et 
secreta dichiarando quäl sii la sua intentione dalla quäle Tecc™^ s. Prin- 
cipe totalmento depende e senza il voler di Sua Ser. Ell. non vol far 
cosa alcuna. 



Sachen, so mit des H. Lubomirsky Abgefertigten zu reden 
sein^. [Februar 1666.] 

1) Was vor Senatoren noch mit dem H. L. halten und wider dieFbr.1666. 
Election sein, ob auch einige Bischöfe mit H. L. halten. 

2) Ob man sich auf den Adel zu verlassen, dass er beständig blei- 
ben werde. 

3) Ob man zu fürchten, dass vor dem Reichstage von dem Hofe 
noch etwas gefahrliches geschehen werde. 

4) Ob die Schweden gewiss wider die Wahl sein werden. 

5) Ob H. L. nicht auf einiges Subjectum bedacht sei, weil der König 
der Krön los sein wolle. 

6) Ob H. L. noch einig eigen Volk anf den Beinen habe und wie- 
viel dessen sei. 



^) von T. Blumenthals Hand. 



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282 in. Brandenburg und Polen. 1664—1673. 

7) Ob wegen des Sapia*) Tod in Littauen auch einige Veränderung 
zu fürchten. 

8) Ob die confoederirte Armee noch bestandig kegen die Wahl sei. 



Des Fürst Lubomirsky Abgefertigten Nachricht auf die ihm 
vorgestellten Fragen. [Februar 1666.] 

Kbr. 1666. Ad 1 resp. Der Vicekanzler Leschinsky halte es mit dem H. L. 
wie auch der Castellan von Posen*), auf dessen universalen sich zwei 
Palatinate vereiniget, item der Castellan von Crackow Cracofsky') wie 
auch Nicolaus Podlodofsky*). Die Bischöfe seind nicht zu fürchten, 
weil sie ohne den Adel nichts thun dürfen, wann sie schon von ihnen 
selbst übel intentioniret wären. 

Ad. 2. Es sei kein Zweifel, sie werden ständig verbleiben, und sei 
der Königin hiefüro bange genug. 

Ad. 3. Von dem H. Lubomirsky dependire die Armee und also 
wurde derselbe, wenn er etwas zu besorgen hätte, lieber fürkommen und 
den andern auf die Hand gehen. 

Ad. 4. Der H. L. hat dessen S. Chf. D. einmal versichert und bleibt 
noch darbei, dass Schweden sich für der Krön Polen Gesetze und Frei- 
heit erkläret, diese bestehe aber darin, dass vivente rege von keiner Wahl 
solle gesprochen werden. 

Ad. 5. Der Fürst hab gesagt, dass er embarassiret sein würde, 
wenn der König Krön und Scepter niederlegen wollte, wem er die Krön 
am liebsten gönnen wollte, dennoch wüsste er keinen bequemeren als 
S. Chf. D. Ich antwortete, solches hinderte nebst andern Considerationen 
die Religion. Sagte er, der Fürst Samoisky*) ist meinem Herrn ab- 
gangen, und an selbigem hat er viel verloren. 

Ad. 6. Er hab zwei Regimenter Dragoner von 1200 Mann, nebst zwei 
Regimenter Reuter, weil er aber diese letzten Willens gewesen zu cassiren, 
werde er in deren Stelle wiederumb Dragoner geworben haben. Die 



') Paul Sapieha, Littauischer G.Feldherr, war 30. December 1665 gestorben. 
(Diar. Europ. XIV. S. 31.) 

^ Christoph Grzymultowski, vgl. Kochowski HI. S. 199. 

2) Stanislaus Warszicki, vgl. Kochowski III. S. 223. 

*) Starost von Radom. 

*) Johann Z am oyski, Woiwode von Sendomir, war 2. April 1665 gestorben. 



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Verhandlungen mit Colalto. 283 

polnische Reaterci, sowohl von den Confoderirten als des H. Lub. eigene, 
belaufe sich aaf 7000 Mann, so alsofort ins Feld gesetzet werden können. 

Ad. 7. Kann nichts positive berichten. Patz^) hab aldorten etwas 
zu brouilliren tentiret, es sei ihm aber, soviel ihm bewusst, nicht ge- 
lungen. 

Ad. 8. Bis in den Tod. Dieses könne er umb so viel mehr mit 
Bestand der Wahrheit sagen, weil er, der Abgeschickte, selbst aus ihrem 
Mittel sei. 



Otto V. Schwerin^) an den Kurfürsten s. 1. et d. [Februar 1666]. 

[Rf. darf um Lubomirski*s willen keinen Krieg anfangen, der Verlauf des polnischen 
Reichstages ist abzuwarten. Die Lnbomirski's Abgesandten zu ertheilende Antwort.] 

Dass E. Chf. D. dasjenige, was mit H. Lubomirsky in Polen vor-Fbr.1666. 
gegangen, wie sie sich dabei zu betragen und welchergestalt sie sich 
auf dessen Ansuchen zu erklären in reife Deliberation ziehen und des- 
falls dero Rhäte — Gutachten in Gnaden erfordern, solches ist billig 
E. Chf. D. weitberühmter Wachsamkeit und Sorgfalt vor dero Staats 
Conservation zuzuschreiben und zum höchsten zu rühmen. — Damit ich 
nun meine unterthänigste unvorgreifliche Gedanken desto besser eröffnen 
könne, so halte ich meinestheils nötig nachfolgende Fragen zu erörtern — 

1) ob dem H. Lubomirsky nicht anders denn durch auswärtige 
Hülfe und Krieg geholfen werden könne, 

2) ob des Reichs Libertät verloren zu halten^ wenn der H. Lubo- 
mirsky nicht wieder in vorigen Stand gesetzt werden sollte, 

3) ob S. Chf. D. zu rathen, sich seiner anzunehmen, 

4) auf was Weise solches geschehen solle, 

5) was dem jetzigen Abgeschickten vor Resolution zu ertheilen. 
Auf das erste zu antworten, so scheinet, dass alles, was vor seine 

Restitution ohne starke Hülfe und gewapnete Hand zu thun, albereit ge- 
schehen — welches alles aber so garnichts fruchten wollen, dass der 
König dennoch unbeweglich auf seiner Meinung verharret — und weil 
darauf alle Chargen schon an andere vergeben, Crakow von den König- 
lichen besetzet und mehr dergleichen Dinge vorgenommen, welche alle 

1) Der Littauische G.Kanzler Christoph Pac. 

') eigenhändig. Randbemerkung: Dieses ist S. Chf. D. also in Kegenwart des 
Fürsten von Anhalt, H. Cansteins und H. Kanzler Jena vorgelesen. — Inhalts- 
angabe dieses Schreibens, aber als Erwägungen des Kf., bei Pufendorf IX. c. 65 
S. 630 f. 



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284 in. Brandenburg und Polen. 1664—1673. 

Versöhnlichkeit ausschliessen, so dürfte wohl davor zu halten sein, dass 
in der Güte nichts mehr auszurichten sei. Wann ich aber — die Ur- 
sachen dieser wider H. Lubomirsky geführten Procedur betrachte, so 
dürfte ich wohl auf die Gedanken geraten, dass noch andere Wege sein, 
wodurch ihm — geholfen werden könne, ja dass er gar leicht durch 
fremde Kriegsmacht seines Zwecks verfehlen könne, denn — ursprünglich 
ist es die Königin allein, und zwar umb der französischen Wahl willen, 
die ihm diesen Handel machet, und ob zwar der König ihr zu Gefallen 
hierunter lebet, auch viele vom Hofe sich hierzu mit gebrauchen lassen, 
so würde doch solches alles mit einmal fallen, wenn die Königin mit 
Tode abgehen sollte, indessen ist H. Lubomirsky als ein treuer Patriot 
schuldig der Zeit zu weichen und lieber alles zu dulden als sein Vater- 
land seines Unglücks halber in einen Krieg zu stürzen. Wenn derselbe 
hierauf regeriren wollte, dass er nicht seinetwegen besondern der polnischen 
Libertät halber und damit die Wahl in seiner Abwesenheit nicht vor 
sich gehen möchte, dergleichen vornehme, so ist hierauf zu antworten, 
dass ihn nicht zustehe, solches ohne rechtmässige Requisition der übrigen 
Stände zu thun. — Wann auch also ist, was der H. v. Ho verbeck oft 

— constanter im Rat asseriret hat, dass im geringsten nicht zu fürchten, 
dass diß französische Wahl mit gutem Willen des Adels erhalten werden 
sollte, so sehen Ew. Ch. D. klärlich, dass er, ehe — der König gewalt- 
same Mittel zu Behauptung der Wahl gebrauchet, ohne Ursach einen 
Krieg anfangen und der andern Partei nur Anlass geben würde solches 
Wahlwerk, unterm Prätext, dem Könige zu assistiren, armata manu aus- 
zuführen. — Halte also bei diesem ersten Punkt unvorgreiflich davor, 
dass der H. Lubomirsky in Geduld abzuwarten, was andere Potentaten 
und E. Chf. D. Intercessionen vor ihm wirken, sonderlich aber wie die 
Respubl. sich auf bevorstehendem Reichstage seiner anzunehmen ge- 
sonnen sei. 

Bei der anderen Frage scheint es gleichergestalt fast ausser Zweifel, 
dass wann diese wider den H. L. geführte Procedur nicht geahndet und 
redressiret werden sollte, des Königes usurpirte potestas dadurch gleich- 
samb legitimiret werden und derselbe immer weiter zugreifen und hinfüro 
niemand sich unterstehen dörfte, dem Könige zu widersprechen. Allein 

— es ist kein Reich oder Land von solchen Satzungen und so grosser 
Libertät, dass nicht zuweilen ganz fremde, ungerechte und überaus grosse 
contraventiones der privilegiorum vorgehen sollten, und folget doch darumb 
nicht, dass damit alle Libertät aufgehoben, — halte also — davor, dass, 



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Gutachten 0. v. Schwerins. 285 

wenngleich diese an H. L. verübte gewaltthätige Process nicht auf solche 
Art, als H. L. jetzt Vorhabens ist, gerochen werden sollte, man eben 
darumb die Libertat des Reiches noch nicht verloren schätzen könne. — 
So kann man auch vor Ausgang künftigen Reichstages nicht sagen, ob 
der Process rechtmässig sei oder nichts besondem es dependiret solches 
allein von der Approbation oder Improbation der Reichsstände. 

Die dritte Frage betreffend, wenn man die correspondence, so zwischen 
E. Ch. D. und dem H. L. und seinen Freunden gepflogen und wie der 
König und Königin sich kegen E. Chf. D. bezeigen, erwägen will, und 
dass von dem Hofe deroselben fast öffentlich gedräuet, alle derselben 
actiones übel ausgeleget und ihre auch in den allerbiUigsten Dingen 
keine Satisfaction gegeben wird, so möchte man fast davor halten, dass 
hievon kein Zweifel zu machen. Aber — soviel mir von der correspon- 
dence bekannt, ist dieselbe dergestalt nicht beschaffen, und haben E. 
Chf. D. ihm niemalen solche Vertröstung gegeben, worauf er von E. 
Chf. D. begehren könnte, dass sie sich ihm zum besten zu einem Krieg 
wider seinen König, welcher bisher sustiniret und desfalls einen ziemblich 
starken Anhang hat, dass er justissimas condemnationis causas habe, 
erklären sollten. Es würde auch E. Chf. D. nicht reputirlich noch sicher 
genug sein, dass sie sich mit einem Unterthanen des Königs gleichsamb 
in ein foedus einlassen sollten, wenn auch H. L. verfiele, so würde die 
causa cessiren und E. Chf. D. blos und allein stehen, die üble Zufrieden- 
heit des Königs rührt auch allein daher, dass er E. Chf. D. in den Ver- 
dacht hält, als wollten sie sich des H. L. mit Gewalt annehmen — und 
zweifle ich nicht, dass E. Chf. D. gar leicht alle Missverstände mit dem 
König werden heben können. Auf allen Fall wäre es doch E. Chf. D. 
viel zuträglicher und sicherer, dass der König den Anfang wider E. Chf. 1). 
mit einiger Gewalt mache — . E. Chf. D. haben ferner — zu erwägen, 
was zum Kriege gehöret, wie vielerlei gefährliche Zufalle und diversiones 
dazu kommen können, was vor andere Potentaten, die nur auf solche 
Occasion lauern, zu E. Chf. D. höchsten Gefahr mit in dieses Spiel kom- 
men würden, E. Chf. D. würden die Republik durch solchen Krieg, als 
welche des Friedens begierig und die incommoda belli, vornehmlich die 
auswärtige Völker sehr hasset, zugleich hoch offendiren und die Affection 
und das Vertrauen, so sie zu derselben tragen, sehr alieniren, E. Chf. D. 
haben femer zu betrachten, dass die allererst mit Frankreich auf- 
gerichtete Freundschaft auf einmal niederfallen würde, weil es bekannt, 
mit was Eifer sich der König bisher dieses Werks angenommen, inson- 



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286 III- Brandenburg und Polen. 1664—1673. 

derheit wenn E. Chf. D. nebst dem Hause Oesterreich dieses Werk 
beginnen müssten. — 

Auf die vierte Frage nun zu antworten, so halte ich — davor, dass, 
damit £. Chf. D. dem Vertrauen, so der H. L. zu derselben traget, ein 
Onügen thun und anderen in der Republ. zeigen mögen, wie lieb E. 
Chf. D. die Conservation ihrer Freiheit sei, — E. Chf. D. fernere Instanz 
mit nachdrücklichen Worten beim König sowohl durch eigene Schreiben 
als auch durch die Gesandten zu thun hätten — ferner meritirte diese 
Sache wohl, dass E. Chf. D. jemands in Frankreich schickte und beim 
Könige anhielte, diese Sache in der Güte zu vermitteln, wobei dieses 
vorgestellet werden könnte, dass sonsten widrigenfalls das Haus Oester- 
reich einen grossen Vorteil daraus ziehen würde. Wann auch der Reichs- 
tag wieder angehet, könnten E. Chf. D. allen und jeden erscheinenden 
Senatoren und Landboten vorstellen lassen, was dem Reich hieraus vor 
Unheil erwachsen würde — und dass sie demnach den König zur Sühne 
disponiren — möchten. Würde durch dergleichen Mittel der Zweck er- 
halten, so hätte H. L. Ursache, zufrieden zu sein, wann nicht und dass 
das ganze Reich oder grosseste Teil desselben dem Könige beifällt und 
H. L. condemniret, so kann ich garnicht absehen, wie E. Chf. D. sich in 
einen Krieg impliciren können, da sie in ihrem Gewissen nicht versichert 
sein, dass er rechtmässig sei, und da die Krone ohne Zweifel sustiniren 
würde, dass sie sich aufs weinigste der jüngsten pactorum verlustig gemacht 
hätten, und würde sich E. Chf. ß. keiner Assistenz dero AUiirten ver- 
trösten können, weil ein jeder sagen würde, E. Chf. D. hätten den Anfang 
gemacht und Ursache gegeben. Sollte aber das Widerspiel erfolgen und 
die Stände insgesamt oder der grosseste Teil derselben nehme sich des 
H. L. an und improbirte durch einen Reichsschluss dasjenige, was vor- 
gegangen, alsdann könnten E. Chf. D. eine gemeine Sache mit der 
Republ. machen und sich nach derselben richten, wie und auf was Art 
dieselbe ihr geholfen wissen wollte, und wann auch auf diese Weise der 
Krieg erfolgen müsste, so rate ich doch — , dass E. Chf. 1). erwarten, 
dass sie dazu von denen, so sich des Krieges teilhaftig machen wollen, 
sollicitiret werden, worann dann E. Ch. D. nicht zu zweifeln haben, damit 
E. Chf. D. dabei gute conditiones machen mögen. — 

Und hieraus nun — können E. Chf. I). zum Theil die Resolution 
nehmen, so sie dem Abgeschickten zu ertheilen haben, insonderheit dieses 
dabei anziehen, dass ehe und bevor der Baron de Gois, welcher dieser 
Sachen halber anhero geschicket, angekommen und des Kaisers Meinung 



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Resolution an Oolalto. 287 

entdecket, E. Chf. D. nicht weiter gehen könnten. Ich halte mich auch 
versichert, dass der H. L. mit solchen Erklärungen sehr wohl zufrieden 
sein und ein mehrers mit raison nicht prätendiren wird. Ob auch gleich 
E. Chf. D. ein mehrers vor ihn resolviret hätten, so würde es doch nicht 
zu rathen sein zu melden, weil man gnugsamb siehet, dass nichts ver- 
schwiegen bleibt, besondern der König alles erfahrt. — 



Resolution so deni Colalti naUndlich gegeben^), s. 1. et d. 
[Cleve, Februar 1666]. 

S. Chf. D. beklagete gar sehr, dass es in Polen zu solchen Extremi-Fbr.1666 
täten gekommen, dass entweder kein Friede zu hoffen, oder in eine Wahl 
wider des Reichs Gesetze und Freiheit gewilliget werden müsste, und 
dass indessen der Fürst Lubomirsky so viele Widerwärtigkeit leiden 
und ausstehen müsste, und wünschte inniglich, dass sowohl der König 
als auch das Reich die Gefahr, so ihnen allerseits vor Augen stünde, be- 
denken und die Erhaltunge des Friedens allein zum Zweck haben möch- 
ten, S. Chf. D. hätte bisher keine, andere consilia gefähret, denn das 
Reich bei Frieden und ihrer Libertät erhalten werden möchte, und sich 
keines Dinges, so dawider liefe, theilhaftig machen wollen, müsstcn aber 
beklagen, dass sie dem unerachtet nicht ohne Beschuldigung bleiben 
können, die Liebe, so S. Chf. D. vor dieses Reiches W^ohlstand hätten^ 
wäre so gross, dass, wenn sie einigen Rath wüssten, wodurch dasselbe 
nebst Conservirung der Libertät bei Frieden erhalten werden könnte, sie 
denselben ungescheut ertheilen wollten, es möchte auch von einem oder 
andern Theil ausgeleget werden, wie es immer wollte, allein die ferne 
Abwesenheit und dass sie den Zustand so eigentlich nicht wissen könn- 
ten, verhinderte sie daran, denn ob ihnen der Fürst einige Nachricht 
von dem Zustande in Polen geben lasse, so wäre doch bekannt, dass 
sich daselbst alles so geschwinde änderte, dass man auf nichts fest bauen 
könnte, wie denn schon nach des H. Colalti Abreise sich viel geändert, 
S. Ciif. D. wolle dannenhero nicht zweifeln, es würden getreue Patrioten 
den besten Rat bei sich selbst nehmen und denselben allein auf die 
beständige Wohlfahrt des Reiches fundiren. 

Dass Sie sich von der Krön Schweden nichts als alles gutes zu 
getrösten, vernehmen S. Chf. D. sehr gem^ hätte auch selbst bisher nicht 
anders vernommen, und weil S. Chf. D. mit selbiger Krön in vertraulicher 

') von O.V.Schwerins Hand. 



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288 ni. Brandenburg und Polen. 1664—1673. 

Freundschaft stüode, wollte sie ferner dahin trachten, dass die Krön 
Schweden bei solchem guten Vorhaben verharren möchte. 

Dass H. Nemeritz sich nicht am besten betragen haben sollte, 
wäre S. Chf. D. nicht lieb zu vernehmen, wollten hoffen, er würde sich 
wieder begreifen, denn er S. Chf. D. immerhin starke Versicherunge von 
seiner Beständigkeit gebe, doch wollte S. Chf. D. dieser des Fürsten 
Warnung eingedenk verbleiben. 

Der übrigen proponirten Punkten halber wollte S. Chf. D. förderlichst 
jemands an den Fürsten schicken und vertraulich mit demselben daraus 
reden lassen. 

Wünschte, dass derselbe bei seinem Unglück Standhaftigkeit und 
Geduld beweisen und auf Gott und des Königes Gnade sein Vertrauen 
continuiren wollte. 



d. Gesandtschaft v. Hoverbecks. März 1666 bis 
October 1668. 

Memorial, wornach S/ Churf. Durchl. — Geheimer Rath und 
Gesandter Johan von Hoverbeck — sich bei dem vorstehen- 
den Reichstage zu achten und seine Negociation einzurichten 
haben wird'). D. Cleve 6. März 1666. 

[Satisfaction desKf., Verwendung färLubomirski. Erhaltung der Verfassung derRepublik.] 
(Conc. 0. V. Schwerin.) 

C). März. 1- Nachdem bei den zwei letzten fruchtlos zerschlagenen Reichstagen von 

den in der Instruktion vom December 1664 enthaltenen Punkten nur wenige 
haben expediert werden können, so ist dieser Instruktion, soweit es bei jetziger 
Veränderung in der Krone angehen wird, nachzugehen. 

2. H. soll dem Könige nochmals die Verdienste, welche sich Kf. um ihn 
und die Republik erworben, und den schlechten Dank, den er dafür erhalten, 
vorstellen und verlangen, dass Kf. endlich nicht nur wegen Elbing, sondern 
auch was ihm sonst nach den Pakten zusteht Satisfaction erlange. 

3. Etwaige Einwendungen des Königs dagegen hat er mit gebührendem 
Respect abzulehnen und zu widerlegen. Sollte der König dagegen erklären, 
dabin wirken zu wollen, dass Kf. die auf Elbing verschriebene Summe ohne 
weiteren Verzug ausgezahlt erhalte, so soll er bei dieser Gelegenheit sich für 
die Begnadigung des G.Marschalls verwenden. 

4. Da dem Kf. am meisten daran gelegen, dass der Staat in Polen nicht 
geändert, sondern die Republik bei ihrer alten Verfassung und Freiheit erhalten 

') Randbemerkung: Lectum in consilio den 6. Martii 1666 in praes. S. Churf. D., 
Fürsten von Anhalt, Graf von Donah, H. v. Canstein und meiner 0. v. Schw. 



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Instruction für v. Uo verbeck. 289 

werde, so soll er mit bescheidenen Erinnerungen und guter Anleitung bei recht- 
schaffenen Patrioten dahin arbeiten, namentlich dass die leichte Münze abge- 
schafft und die Besatzungen aus den preassischen Städten abgeführt würden. 

5. Sollte es zu einer öffentlichen Proposition bei allen Ständen kommen, so 
ist dieselbe nach dieser Instruktion einzurichten, vorher aber die Gemüther 
sorgfaltig zu präparieren ^). 



V. Hoverbeck an den Kurfürsten. D. Warschau 11. April 

1666. 

[Ankunft in Warschau. Vorgänge auf dem Reichstage. Der junge Rohde. Oberst 

V. Kalckstein.] 

Wegen bösen Weges ist er erst heute hier angelangt. 11. April. 

Der LandbotenmarschalP) hat zwar auf einhelligen Beschluss aller Depu- 
tierten an den König die Bitte gerichtet, derselbe möchte vor allen Dingen die 
Republik in Ruhe und Sicherheit setzen, der König aber hat darauf auch nur 
in generalibus geantwortet. Morgen wird man ad particularia schreiten und 
um des G.Marschalls Restitution, wie auch Abführung der Besatzungen anhalten. 

Der Hof stellt an allen Orten grosse Werbungen an und bezeugt grossen 
Eifer bei seinem Vorhaben, will auch von völliger Aussöhnung nichts wissen. 
Die hieher berufenen Regimenter Brion und Bockum hat er auf das Ver- 
langen der Stände wieder ins Ermeländische zurückgehen, auch die mit grossem 
Gepränge aus dem Zeughause aufs Schloss gebrachten Stücke wieder abführen 
lassen müssen. 

Der junge Rohde') befindet sich hier und hat bei den Ständen wegen der 
Verhaftung seines Vaters klagen wollen, ist aber vom polnischen G.Kanzler ab- 
gewiesen und sein Vater für einen Rebellen gescholten worden. 

Der Obriste Kalckstein*), des Generallieutenants Sohn, ist dieser Tage 

*) Von demselben Datum sind die Creditive für v. Hoverbeck an den Konig 
von Polen, die gesamten Stände, den Erzbischof von Gnesen, den G.Kanzler und den 
U.Kanzler. Kf. übersendet (d. Cleve 9. März 166G) H. diese Schreiben und theilt ihm 
mit, dass er ihm auf seinen Wunsch den Charakter eines legatus ertheilt hätte, er 
sollte sich, wenn die fremden Gesandten von dem Reichstage excludiert werden soll- 
ten, nicht abweisen lassen, mit Palbitzky, obgleich derselbe ihm das vorige Mal 
seine Ankunft nicht habe mittheilen lassen, verkehren, Lubomirski's in den von 
ihm selbst aufgesetzten terminis in seiner Proposition Erwähnung thun, sollten aber 
der Kaiser und Schweden sich desselben mit grosserem Nachdruck annehmen, des- 
gleichen thun. 

*) Johann Odrowaz Pieniazek, Starost von Oswiecim. Vgl. über diesen 
von Kochowski garnicht erwähnten Reichstag Diar. Europ. XV. S. 67if. 214 fP. 
Lengnich, Gesch. Preussens VII. S. 313. 

^) Der Sohn des vom Kf. in Haft gehaltenen Konigsberger Schöppenmeisters 
Hieronyrous Rode. 

*) Christian Ludwig v. Kalckstein, der seit 1G61 in polnischen Diensten 

Mtttcr. t. Gesch. d. G. Kurfürsleu. XII. 19 



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290 in. Brandenburg und Polen. 1664—1673. 

hier gewesen, wie er vorgab, um seinen Abschied zu fordern und ins Reich zu 
gehen, als ihn aber etliche Littauer von Adel wegen verübter Gewalt belangen 
wollten, hat er sich nicht lange aufgehalten. 



V. Hoverbeck an den Kurfürsten. D. Warschau 20. April 

1666. 

[Lage der Dinge, voraussichtliche Zerreissung des Reichstages. Audienz beim Konige.] 

20. April. Die Senatoren, besonders die Staatsministri , scheuen das Colloquium mit 

den Deputierten der Ritterschaft in Abwesenheit des Königs, weil sie furchten, 
es dürfte daraus ein Blutbad entstehen. Die Deputierten aber wünschen nur 
eine Aussöhnung, um dann insgesamt vor den König zu treten und um Lubo- 
mirsky's völlige Restitution anzuhalten. Gerade dieses aber, dass es das An- 
sehen gewinne, als ob sich die ganze Republik desselben annehme, suchen die 
Anhänger des Hofes zu vereiteln, da man zu oft, um von Frankreich desto eher 
Subsidien zu erhalten, dorthin geschrieben hat, dass L. ganz unter die Fasse ge- 
treten sei und man es mit dem Wahlwerk so weit gebracht habe, dass es nur 
auf dem Losdruck bestehe. 

Za einem glucklichen Schluss des Reichstages ist fast keine Apparenz. 
Die Stände wollen sich ohne vorgehende Restitution des G.Marschalls dazu nicht 
verstehen, der Hof bezeugt zwar in publico und bei Privataudienzen der vor- 
nehmen Bischöfe, dass er nicht ungeneigt sei, ihm alles ausser dem Generalat 
wiederzugeben, in Wirklichkeit aber will man ihn auch nicht in den adlichen 
Stand und seine Eigengüter restituieren, ausser wenn er sich verreserviere, zwei 
oder drei Jahre ausserhalb des Vaterlandes zu leben. Ausserdem verlangen die 
Stände sofortige Abschaffung der kupfernen Münze und Abführung der Be- 
satzungen und wollen auch in eine Gontribution nicht eher willigen, bis sie ge- 
sichert seien, dass ihre eigenen Gelder nicht gegen sie selbst werden employiert 
werden, welches alles den Interessen des Hofes so zuwider, dass derselbe lieber 
zwei Reichstage zerschlagen lassen als nur in eines dieser Stücke willigen möchte. 
Dazu wünscht der Hof der Wahl wegen (welches das primum mobile aller Con- 
sultationen ist), weil auf diesem Reichstage darüber bei Lebzeiten des Königs 
keine Constitution gemacht werden kann, einen anderen in kurzem anzusetzen, 
was nicht practicabel sein würde, wenn man diesen zu einem glücklichen Schluss 
gedeihen Hesse. So überlegen beide Theile, wie ihre Intention durch Macht der 
Waffen zu erreichen sei. 

Er hat bei beiden Majestäten Audienz gehabt und auch die vornehmsten 
Staatsministri besucht. Der König bezeugte sich in betreff der postulata des 
Kf. ganz willfährig, die Instanz für den G.Marschall nahm er zwar ganz freund- 
lich und sogar ehrerbietig an, erklärte aber, dass er ihm nicht eine, ja nicht eine 

gestanden hatte,jjS. Hirsch, Zur Geschichte Christian Ludwig v. Kalcksteins in For- 
schungen zur brandenb. und preussischen Geschichte 111, 1 S. 2 18 ff. 



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Vorgänge auf dem Reichstage. 291 

halbe Charge wiedergeben könnte, es wäre besser, sich jetzt mit ihm zu ver- 
suchen, wo er, der König, noch gutes Volk auf den Beinen, feste Plätze in 
Händen und gute Freunde zu Hülfe hätte, als solches bis dahin zu sparen , da 
er von allem entblösst sein möchte. Den Paltzinischen Frieden aber, in dem 
sich der Marschall aller solcher Chargen, als man jetzt für ihn bedingen wolle, 
gänzlich begeben, wollte er halten. Als H. die ihm in seiner früheren Instruk- 
tion an die Hand gegebenen Motive vorbringen wollte, bat ihn der König, damit 
innezuhalten, weil ihm die Haare zu Berge ständen, wenn er nur L.'s Namen 
hörte. 



V. Ho verbeck an den Kurfürsten. D. Warschau 27. April 

1666. 

[Ungünstige Aussichten. Zwietracht des Hofes und der Confoederierten, beiderseitige 

Absichten.] 

Er hat in des Kf. und dessen Vaters Diensten schon 36 Jahre den Reichs- 27. April, 
tagen beigewohnt, aber niemals gefunden, dass die Reichssachen mit grösserer 
Kaltsinnigkeit und Unachtsamkeit als bei dem jetzigen tractiert worden sind. 
Der Hof will lieber etliche Reichstage zerreissen lassen als den G.Marschall 
völlig restituieren, die kupferne Münze abschaffen und die Besatzungen aus den 
Städten abführen, die Stände aber wollen ohne diese drei Stücke von keinem 
Schluss wissen, und beide Theile suchen nur die Schuld von sich abzuwälzen 
und dem anderen aufzubürden. Der Hof lässt zwar zu, dass die unterhandeln- 
den Bischöfe dem G.Marschall die Restitution in den vorigen Stand, in seine 
Erbgüter und die Woiwodschaft Sendomir anbieten, aber nur unter der Bedin- 
gung eines triennalis exilii. Die Majestäten lassen auch verlauten, sie könnten 
geschehen lassen, dass die Stände der Wahl halber so scharfe Constitutionen 
abfassten, als sie nur wollten, sie wären auch bereit die Besatzungen abzuführen 
und die neugeworbenen Völker abzudanken, aber nicht eher, als der Bund 
dissolviert und die Conföderierten unter ihren und des G.Feldherm Gehorsam 
gebracht seien. Die Stände geben vor, durch Constitutionen könnte der Repu- 
blik keine genügende Sicherheit geschafft werden, sie müssten ihre Sicherheit 
contra arma armis suchen und dazu müsste dem G.Marschall das Generalat 
wiedergegeben werden. 

Die unversöhnlichen Feinde des G.Marschalls suchen auf jede Weise eine 
Aussöhnung desselben mit dem Könige zu verhüten, sie schlagen vor, der König 
möchte nur den Reichstag sich zerschlagen lassen und seine Völker zusammen- 
ziehen, würde sich dann des Marschalls Partei im Felde stärker als er zeigen, 
so wäre es noch Zeit genug, in die völlige Restitution desselben zu willigen, 
wäre man ihm aber überlegen, so könnte man ihn ganz dämpfen und darauf 
mit der Wahl durchdringen. 

Die Stände halten es für sich für vortheilhafter, jetzt als nach einigen 
Wochen von hier fort und zu Felde zu ziehen, da Schweden wtpigstens dieses 
Jahr dem Hofe keine Hülfe leisten werde, ebensowenig die Tataren; von 

19* 



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292 HI. Brandenburg und Polen. 1664—1673. 

Kosacken würde derselbe schwerlich mehr als 4000 erhalten. Wenn dem 
Hof aber Zeit gelassen werde, so würde er sich durch Werbungen verstärken, 
die littauische Armee und auch die 6000 Mann, welche den G.Staaten zu Hülfe 
geschickt worden'), jetzt nach dem Abschluss des Friedens mit dem Bischof 
von Munster heranziehen. 

II. will mit dem vorgestern angekommenen K.V.Kanzler, welcher um das 
Grosse Siegel anhält*), aber so thnt, als ob es ihm gleich wäre, ober es erhielte 
oder nicht, alles vertraulich überlegen. 

PS. Der kaiserliche Gesandte beabsichtigt nicht, des G.Marschalls hal- 
ber etwas in pleno consessu zu proponiereu, II. zweifelt daher, was bei der 
Sache zu thun sei, will es auch mit dem V.Kanzler überlegen. Derselbe soll 
sich über den G.Marschall beschweren, dass er zuweilen zu viel nachgebe, 
zuweilen aber auch es gar zu hoch spanne. 



V. Hoverbeck an den Kurfürsten. D. Warschau 4. Mai 1666. 

[Erbietungen des französischen Gesandten. Audienz bei der Konigin.] 

•t. Mai. Um alle HofiTnung auf Wiedereinsetzung Lubomirski's in das Generalat 

abzuschneiden, hat der König vorgestern dasselbe Sobieski^) übertragen, die 
bisherigen Unterhändler verzweifeln jetzt und lassen die Hände sinken, der 
V.Kanzler aber, der heute zur Beerdigung seines Bruders, des Erzbischofs 
wieder abreist, hat noch einige Hoffnung. 

Die Schreiben des Königs von Frankreich*) hat IL übergeben, der fran- 
zösische Gesandte*) hat das des Kf. mit allerhöchstem Respect angenommen 
und treffliche Contestationen seiner Dienstgewärtigkeit gethan, auch sich über 
die Befugnisse des Kf. aus den Olivischen und Brombergischen pactis infor- 
mieren lassen. 

PS. Heute hat er bei der Königin Audienz gehabt und dieselbe darauf 
hingewiesen, dass sie aus dem Schreiben des Königs von Frankreich werde 
• ersehen haben, dass sie bei Beförderung des Interesses des Kf. zugleich das 
jenes Königs befördere. Sie erwiderte, daKf. unlängst gagen verschiedene Per- 
sonen sich beschwert, er wäre von ihr betrogen worden, so müsste sie, zumal 
da sie in allem, dessen sie sich angenommen, sehr unglücklich sei, Bedenken 
tragen, des Kf. Interesse zu treiben, sie wolle aber dessen Angelegenheit mit 



*) Das französische Corps unter General Pradcl, welches Ludwig XIV. den 
nollandern gegen den Bischof von Münster zu Hülfe geschickt hatte. 

*) Nach dem am 1. April 1666 erfolgten Tode des Erzbischofs von Gnesen 
Wenzel Lesczynski war der bisherige G.Kanzler Nicolaus Prazmowski dessen 
Nachfolger geworden, s. Kochowski III. S. 220 f. 

') Der bisheripre K. Fähndrich Johann Sobieski, welchem bald darauf auch 
das durch Czarnecki's Tod eriedigte Amt des K. U. Feldherrn übertragen warde. 

*) S. Urk»u. Act. XL S. 706. 

^) Pierre de Bonzi, Bischof von Bezier». 



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Zerreissung des Reichstages. 293 

ihren Wiinschen begleiten. H. erwiderte, Kf. würde nach dem Respect, den er 
den Damen zutrage, solche Worte nimmer gebraucht, aber sich wohl beklagt 
haben, dass sie sich seiner Angelegenheit nicht ihrem Ansehen und Vermögen 
gemäss angenommen hätte, an welcher Impression er wohl durch seine Berichte 
Schuld habe. II. schliesst aus diesen Expostulationen (welche doch bei Damen 
nicht so schlimm und nachtheilig als wie Indifferenz zu achten), dass sie nicht 
ihm, sondern nur dem französischen Gesandten das mcritum gönnen will. Im 
Herausgehen hat er in der anticamera diesen gefunden und demselben das bei 
der Audienz Vorgefallene berichtet, der sich zu aller möglichen Assistenz er- 
boten. 



V. Hoverbeck an den Kurfürsten. D. Warschau 7. Mai 1666. 

[Auflosung des Reichstages, gegenseitige Beschuldigungen, Rüstungen.] 

Wie sehr sich auch einige Patrioten bemüht, den jetzigen Reichstag zum 7. Mai. 
glücklichen Schluss zu befördern, so hat sich derselbe doch gestern fruchtlos 
zerschlagen*). Der Hof misst die Schuld den Landboten bei, welche dos G.Mar- 
schalls halber solche Dinge praetendiert hätten, welche ohne Verletzung des 
Respects, ja ohne Gefahr des Königs und des Staats nicht hätten gewilligt wer- 
den können, die Landboten dagegen beschuldigen den Hof, dass er die Repu- 
blik zu trennen und den Staat über einen Haufen zu werfen gesucht, indem 
man in Abwesenheit von 14 Woiwodschaften negotia publica tractiert hätte, auch 
wären die Declarationen wegen der Restitution des G.Marschalls aufschrauben 
gestellt gewesen. 

Verschiedene Woiwodschaften sollen sich schon zum Feldzuge rüsten, der 
Hof deliberiert auch in consilio postcomitiali, wie aller Gefahr vorzubeugen. 



V. Hoverbeck an den Kurfürsten. D. Warschau 17. Mai 1666. 

[Die Angebereien Rohde's und Wiequeforts. Durch den französischen Gesandten mit- 
getheilte Aeusserungen der Königin.] 

Da, soviel er hat penetrieren können, die Beschwerden der Königin von 17. Mai. 
den Angebereien des jungen Roh de und Wiequeforts herrühren, so hat er 
um dergleichen Impressionen bei jetziger Conjanctur, da der äusserste Versuch 
geschieht, vermittelst der französischen Verwendung dem Kf. Satisfaction durch 
den Hof zu verschaffen, zu beseitigen, den französischen Gesandten darauf 
hingewiesen, wie unzuverlässig die Berichte dieser beiden Leute seien. Der- 
selbe hat dieses der Königin hinterbracht und ihm bei der Revisite gemeldet, 
dieselbe habe ihre Freude darüber geäussert, dass sie an des Kf. Affection nicht 
zu verzweifeln hätte, ihm aber zugleich vertraulich mitgetheilt, es habe ausser- 



») Vgl. Diar, Europ. XV. S. 222f., Lengnich VH. S. 313. 



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294 ni. Brandenburg und Polen. 1664—1673. 

dem bei derselben grosses Nachdenken erregt, dass nach Colberts*) Bericht 
Kf. sich wegen des Wahlnegotii sehr kaltsinnig gegen denselben geäussert habe. 
Er hat geantwortet, auch dieses müsste auf einem Missverständnis beruhen, da 
nach dem Bericht des O.Präsidenten Colbert die polnische Sache überhaupt 
garnich t erwähnt hätte. Als der f r a n z ö s i s c h e Gesandte ihm darauf vertraulich 
zu verstehen gegeben, dass Kf., wenn er sich des Wahlwerks halber etwas ge- 
neigter gegen die Königin erklären wollte, nicht nur völlige Satisfacti^n sondern 
auch noch andere grosse Vortheile erlangen könnte, hat er erwidert, er könnte 
von der Zuneigung der Königin zu Kf. nicht eher sich versichern, bevor die- 
selbe durch eine Wirklichkeit bezeugt hätte, dass sie künftig anders als bisher 
zu verfahren Vorhabens sei, womit jener zufrieden gewesen. 



V. Hoverbeck an den Kurfürsten. D. Warschau 17. Mai 1666. 

[Couferenz mit den polnischen Kommissaren. Geldzahlungen Frankreichs.] 

17. Mai. Am 14. hat der König mit ihm eine Gonferenz halten lassen über die Mittel, 

die sich etwa ausser eines Reichstags zu Befriedigung der Forderungen des Kf. 
finden möchten; dort wurden verschiedene von den schon 1661 vorgebrachten =) 
Gegenforderungen wiederholt, aber von ihm so widerlegt, dass die polnischen 
Kommissare endlich nachgeben mussten und versprachen, dem Könige Bericht 
zu erstatten und anderweit wieder zu conferieren, er kann sich aber keine grosse 
Hoffnung auf etwas Notables machen^). 

Der König von Frankreich hat^) zu der letzten Campagne IV2 Millionen 
Polnisch durch seinen Gesandten vorschiessen lassen, zu der jetzt bevorstehen- 
den, besonders um die littauische Armee zum Einmarschieren zu bewegen, hat 
der Gesandte sich erboten, 340 000 Gulden vorzustrecken, der Littauische Kanz- 
ler vorlangt aber 800000. 



*) Charles Colbert-Croissi; über dessen Gesandtschaft (Ende Januar — 
Anfang Mai 1666) zum Kf. infolge des Münsterschen Krieges s. Urk. u. Act IL 
S. 320 ff. In den dort mitgetbeilten Berichten desselben ist nur in dem vom 20. Fe- 
bruar 1666 (S. 356 f.) von einem üospräch über die polnische Wahlangelegenheit mit 
dem O.Präsidenten v. Schwerin die Rede, wobei aber auch ein früheres Gespräch 
ober dieselbe Angelegenheit mit dem Kf. erwähnt wird. 

3) S. Urk. u. Act IX. S. 189. 205. 

') H. meldet 30. Mai von Vorschlägen des Littauischen G.Kanzlers Pac, den Kf. 
durch Erlass eines Tbeiles der Subsidien, Lieferung von Salz und Zahlung ?on 
l'/a Millionen Schillinge, die im littauischen Schatze lägen, aber von der Armee nicht 
angenommen würden, zu ihrem wahren Geldwerthe (225 000 Rthlr.) zu befriedigen, 
Kf. weist (d. Cleve 10./20. Juni 1666) dieselben zurück. 

*) Ueber die Geldzahlungen Ludwigs XIV. an Polen s. dessen Instruktion 
für Millet vom 25. November 1664 (Recueil des Instructions IV. S. 46fr.). 



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Französisch -polnische Anschläge. 295 

V. Ho verbeck an den Kurfürsten. D. Warschau 31. Mai 1666. 

[Absicht des Königs im Feldlager abzudanken, Verhandlungen mit Frankreich.] 
— von vertrauter gewisser Hand vernehme, dass der König in Polen 31. Mai. 
viel eher als man wohl vermuthe, und zwar sobald nur seine Völker 
werden zusammengezogen sein, im Feldlager resigniren wolle, da sich 
dann niemand würde widersetzen können, dass nicht alsofort zur Wahl 
geschritten werde. Die französische Faction würde solchenfalls wegen 
der ihr zu Dienst im Felde stehenden Armee sehr grossen Vortheil vor 
allen anderen haben. Herr — *) hat in commissis, umb eine fran- 
zösische Armee zu sollicitiren, wann er von den [Vortheilen] der franzö- 
sischen Wahl kegen Vertraute gesprochen, hat er versichert, dass ein 
pactum gemacht, amissa zu recuperiren, unter welche er Churfürstliches 
Preussen und Liefland vornehmlich rechnet. Dieses ist wohl anitzo 
eines von den allerschädlichsten subjectis, welches Gott stürze. — 



V. Hoverbeck an den Kurfürsten. D. Warschau 7. Juni 1666. 

[Befriedigung des Kf. vermittelst einer französischen Anleihe. Massregeln zur Be- 
setzung \)raheims.] 

So lang als H. Colbert^) sich an Ew. Churf. D. Hofe aufgehalten 7. Juni, 
und dieser Hof Hoffnung gehabt, Ew. Chf. D. in seine Interessen der 
Wahl halber zu engagiren, ist es ihnen, soviel als ich abmerken können, 
ein Ernst gewesen, deroselben nach Möglichkeit Satisfaction zu schaffen. 
Wie sie aber erfahren, dass derselbe zurückgegangen sei, wird mir so 
von dem französischen Gesandten als Ministris Status zu erkennen gegeben, 
dass man nicht wisse sichere Mittel zu finden als durch ein Anlehn von 
Frankreich, dazu sich der König in Frankreich ohne ein pactum der 
hiesigen Wahl bloss vermittelst einer engeren Alliance mit Ew. Chf. D. 
wohl würde willig finden lassen. Dass ich also bei jetzigem Zustande, 
da sich tagtäglich die Sachen zu Extremitäten mehr und mehr anlassen, 
— nicht absehen kann, wie durch meine Wenigkeit zu Ew. Chf. D. 
Diensten etwas Notables geschafft werden könnte. — 

FS. Vor anderthalb Jahren hat Kf. im Rath geschlossen, die Starostei 
Draheim nach dem Tode des G. Feldherrn selbst einnehmen zu lassen. Da 
dieser Fall sich noch zutragen könnte, während Kf. entfernt ist') (Potocki ist 

>) Die Chiffer ist nicht aufgelöst. 

^ S. oben S. 294. 

^ Kf. hielt sich damals in Cleve auf. 



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296 ni. Brandenburg und Polen. 1664 — 1673. 

schwer erkrankt), so möge Kf. verordnen, dass dieser Schluss auf Bericht von 
hier unerwartet fernerer Ordre ausgeführt werde '). 



Der Kurfürst an v. Hoverbeck. D. Cleff 16. Juni 1666. 

[auf die Relation vom 31. Mai. Der Vergleich mit Pfalz-Neuburg. Beförderung der 

Wahl desselben.] 

16. Juni. — weil wir daraus ersehen, dass nicht allein das Wahlnegotium zu 

hogstem Nachtheil der Freiheit der Republicq noch immerhin poussiret 
wird, sondern auch dabei wegen Recuperirung der amissorum solche 
nachtheilige und gefährliche Desseinen formiret werden, so habt Ihr darauf 
ein wachendes Auge zu haben und unser Interesse und Sicherheit sorg- 
faltig und fleissig zu beobachten, auch alles widrige äusserster Müglich- 
keit nach zu divertiren. 

Sonsten lassen wir euch auch gnädigst wissen, dass wir uns mit des 
Herrn Pfaltzgrafen zu Neuburg Ld. nunmehr völlig verglichen'), weil 
wir nun vernehmen, dass man auf dieselbe für andern sonderbare Re- 
flection anitzo in Polen nehmen soll, wir uns auch daneben erinnern, 
dass für diesem ein und andere Senatoren uns zu verstehen gegeben, 
dass, wann das obstaculum wegen des Jülischen Successionsstreits aus 
dem Wego geräumet wäre, die Wahl für andern auf Jh. Ld. wohl fallen 
möchte, gestalt wir auch Ihrer Ld. die Chron für andern, jedoch ver- 
mittelst einer ordentlichen Wahl und salvis per omnia juribus et libor- 
tate roip. wohl gönneten, so habt ihr mit Fleiss zu sondiren, was einer 
oder ander hiezu für Inclination habe, auch bei Gelegenheit Ih. Ld. in 
dieser Sache alle gute und dienliche ofücia zu prästiren, auch weil wir 
dafür halten, dass verschiedener und euch zum Theil schon bekannter 
Ursachen halber uns und unserm Hause aus dieser Sache ein sonderbarer 
Vortheil und Sicherheit zuwachsen könnte, so habt Ihr hierin keine 
Arbeit zu sparen — Ihr habt dabei zu erwähnen, dass wir dafür hielten. 



*) Kf. in seiner Antwort darauf (d. Cleve 23. Juli 1666) weist den Vorschlag, 
dass er Geld von Frankreich erhalten solle, zurück. Wegen Draheims solle H. ein- 
tretenden Falls dem Feldmarschall Sparr und dem G.Lieutenant v. d. Goltz Nach- 
richt geben, ersterer habe Befehl, fnr den Fall der Noth einige Truppen in Bereitschaft 
zu hatten, letzterer, sofort ?on Draheim Besitz zu ergreifen. 

''') S. über die damaligen Verhandlungen des Kf. mit dem Pfalzgrafen Philipp 
Wilhelm Urk. u. Act. XI. S. 732if., den Vertrag wegen der polnischen Königswabl 
vom 10. Juni S. 748 ff. Vgl. über diese Wendung in der polnischen Politik des Kf. 
Hirsch, Zur Geschichte der polnischen Königswahl von 1669 S. 8f. 



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Der Vertrag mit Pfalz-Neuburg. Instruction Hackebergs. 297 

die Repab)icq würde auf diese Weise ihre Libertät am besten und sicher- 
sten conserviren, welche sonsten bei der frantzösi sehen Wahl sehr peri- 
clitiren werde, solche wäre auch der Chron Schweden zuwider, welche 
hingegen die Wahl des Herrn Pfaltzgrafen approbiren und secuudiren 
würde, wovon wir gewisse Nachricht hätten*). So konnte auch der 
Pfaltzgraf selbst der Republicq mit einigem considerablen Nachtruck zu 
Hülfe kommen^ wir hätten sonsten auch Nachricht, dass die Frantzosen 
eine Flotte in die Ostsee gehen zu lassen intendiren. Ihr habt aber 
dieses alles aufs beste zu secretiren. — 



Iiiötructiou^), wonach unser — Bedienter JaUas Hackeberg 
sich zu achten. D. Cleve 12. Juni 1666. 

[Aufträge an Lubomirski.] 

H. soll sich sofort nach Breslau begeben and sich daselbst erkundigen, 12. Juni, 
wo Labomirsky sich aufhält, sich aber nicht für einen Kurförstl. Be- 
dienten oder Abgeschickten, sondern für einen Studenten oder Kaufmann aus- 
geben. Er soll dann sich zu L. begeben, ihn allein zu sprechen suchen, ihm 
selbst sein Creditiv übergeben und ihn ersuchen, dasjenige, was er ihm vor- 
bringen werde, zu secretieren, ebenso wie Kf. es mit dem, was L. ihm durch 
seinen Bedienten Colalto^) habe sagen lassen, gehalten habe. 

Da Kf. von diesem vernommen, dass L. dafür halte, weil der König selbst 
es so oft begehrt, dass bei dessen Lebzeiten die Wahl geschehen möchte, so 
fände er zwar dabei viele Inconvenientien , doch könnte auch er, wofern der 
Hof darauf beharrte, das projectierte Dessein durchzufuhren, kein ander Mittel 
finden, als contraria contrariis zu curieren. H. solle daher von ihm vernehmen, 
wohin man bei der Republik und Ständen hierunter ziele, und wenn L. sich 
dahin äussern sollte, dass der Republik am besten durch die Wahl zu helfen, 
auf was für ein Subjectum er am meisten reflectierte, Kf. seinerseits bedaure, 
dass die indigenae regni und so auch er und die Seinigen per publicam regni 
Constitution em davon excludiert wären, würde denselben sonst diese Würde vor 
anderen gern gönnen. Von einem französischen Herren wollte man dem 
Anschein nach nicht gerne hören, weil man befürchtete, es würde hoc rerum 
statu eine solche Wahl der Freiheit der Republik und der gemeinen Wohlfahrt 
des Vaterlandes sely gefährlich sein. Was die teut sehen fürstlichen Häuser 
betreffe, so wären bei esterreich keine Subjecta vorhanden, und wären also, 

*) S. V. Crockows Berichte aus Stockholm vom 27. Februar, 9. März und 
14. April 1666 (ürk. u. Act. IX. S. 813flf.). 

*) Derselben liegt ein von 0. v. Schwerin am 27. Mai 1666 aus Iselstein ein- 
geschicktes Memorial zu Grunde. Vgl. über Hacke bergs Sendung, welche nach 
Verabredung mit Pfalz-Neuburg geschehen ist, Urk. u. Act. XL S. 744 ff. 

^ S. oben S.279f. 



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298 ni. Brandenburg und Polen. 1664—1673. 

welche dem Kf. beigefallen, noch äbrig: 1) der Herzog von Lothringen'), der- 
selbe werde aber als ein Vasall anderer Potentaten auf dieselben allzu grosse 
Keilexion nehmen müssen, hätte auch nicht die nöthigen Qualitäten und £x- 
perienz, und auch die Krone Schweden würde seine Wahl nicht gern sehen; 
2) der Herzog zu Mecklenburg-Schwerin'), der aber ganz von Frank- 
reich dependierte, 3; und 4) der Herzog zu Braunschweig-Hannover') 
und der Markgraf von Baden*), dieselben wären ünvermögenheit halber zu 
keinen Fatiguen und Travaillen capabel, von dem Markgrafen habe man es auch 
übel empfunden, dass er durch ein in offenem Druck ausgegangenes Scriptum 
sich selbst recommendieren wollen, 5) der Pfalzgraf von Neuburg. Sollte L. 
äussern, dass ihm dieser am besten anständig wäre, so soll er erklären, dass 
auch Kf. denselben wegen seiner Qualitäten und Experienz dafür am geeignetsten 
hielte, ausserdem habe derselbe bereits grosse Affection in Polen, wäre schon 
an das Jagelionische Geblüt verheirathet gewesen, stände wohl mit dem Kaiser 
und allen Reichsständen, hätte keine fremde Dependenz, jedoch soviel Affection 
bei der Krone Frankreich, dass der König ihm endlich diese Wahl nicht miss- 
gönnen werde, auch Schweden würde ihm, als einem aus dem Hause Pfalz 
entsprossenen, die Krone gewiss vor anderen gönnen. Derselbe habe immer 
grosse Affection für die polnische Freiheit und Aestim für L.'s Person gehabt; 
er hätte zwar viele Kinder, dieselben wären aber theils schon mit geistlichen 
Beneficien versehen, theils könnte er sie mit seinen deutschen Landen accommo- 
dieren, die ihm auch die Macht gewährten, die etwa auf ihn gefallene Wahl zum 
Effect zu bringen, aber doch nicht so formidabel wären, dass die Republik davon 
Ombrage zu nehmen brauchte; Kf. habe auch, um derselben alle Ombrage wegen 
der zwischen ihnen beiden der Jülichschen Succession halber geführten Diffe- 
rentien zu benehmen, sich mit ihm gänzlich verglichen *) und gönne die Krone 
niemand lieber als ihm. Kf. halte für nöthig, dass man auf alle Fälle ratione 
subjecti sich vorher verständigte, und wünsche daher L.'s Gedanken darüber 
zu erfahren, femer wie dieses Werk zu incaminieren , ob und mit wem des- 
falls Communication zu pflegen und ob auch Auswärtige zu engagieren. 

Sollte man nun auf des Pfalzgrafen Person vor anderen reflectieren und die 
Wahl dann auf diesen fallen, und die Noth erfordern, dass der Republik darunter 
wider diejenigen, welche sie desfalls beeinträchtigen wollten, succnrriert werden 



Prinz Karl von Lothringen, der Neffe des regierenden Herzogs Karl IV. 
von Lothringen. 

^ Herzog Christian Louis von Mecklenburg, s. Urk. u. Act IX. S. 646. 

') Herzog Johann Friedrich von Hannover; über den schon früher geheg- 
ten Plan, demselben die polnische Krone zu verschaffen, s. Urk. u. Act XI. S. 566, 
Kecueil des Instructions IV. S. 83. 

*) Markgraf Ferdinand Maximilian von Baden-Baden, s. Recueil des 
Instructions IV. S. 94. 

^) Kf. hatte schon in einem Schreiben vom 15. Mai 1666 Lubomirski den 
Abschluss des Friedens mit Münster und des Vergleiches mit Pfalz-Neuburg 
angezeigt und denselben um Nachrichten über den Stand der Dinge in Polen 
ersucht. 



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Sendung Hackebergft zu Lubomirski. 299 

müsste, solchenfalls wollte Kf. neben dem Pfalzgrafen derselben mit einer Armee 
von 10, 12 oder mehr tausend Mann zu Hülfe kommen. Der Pfalzgraf hätte 
ihm auch versichert, dass er L. und dessen Hause alle darunter prästierende 
Hülfe nach seinem eigenen Wunsch vergelten würde. 

Er soll ihm ferner melden, dass Kf. ihm 2000Ducaten, worüber er die 
Wechsel hiebei auf Königsberg und Danzig zu empfangen, übersende mit Ver- 
sicherung, dass zu seiner Subsistenz ein mehres von ihm folgen und dass sich 
auch der Pfalzgraf in diesem Stück zu seinem Contentement bezeigen werde. 

H. erhält auch Creditive für den Unterkanzler Lesczynski und H. Nie- 
miricz, soll aber erst, wenn L. es billigt, mit denselben sprechen. Er soll 
nichts Schriftliches von sich geben. 



J. Hackeberg an den Kurfürsten. D. Feldlager drei Meilen 
von Cujaz 10./20. Juli 1666. 

[Ankunft. Unterredung mit Lubomirski. Friedensunterhandlungen.] 

Er ist glücklich am 16. in Begleitung Los che' s*) im Lager eingetroffen, hat 20. Juli, 
durch dessen Vermittlung an demselben Abend bei Lubomirski Audienz 
gehabt und am folgenden Tage demselben die befohlenen Eröffnungen wegen 
Anstellung einer freien Wahl gemacht. L. antwortete, dass ihn diese Proposition 
um so mehr freue, da der polnische Hof ausgesprengt habe, Kf. habe sich mit 
Frankreich zur Ausführung ihrer Desseins in Polen verbunden, Kf. habe gar 
wohl penetriert, wodurch die Republik am besten retabliert werden könnte, der 
Hof betriebe die Wahl noch immer mit Eifer, wäre auch vielleicht nie näher 
bei seinem Intent gewesen, als jetzt, da er alle Mittel, dasselbe mit Gewalt 
durchzuführen, in Händen und von der Republik, die von aller Welt verlassen 
sei, wenig zu fürchten habe. Wenn sie nicht bald Hülfe erhielten, so würde 
der Adel, ermüdet von allen Miserien, endlich geschehen lassen, was er allein 
nicht ändern könnte; es wäre nicht so schwer, ihnen zu helfen, Cavallerie 
hätten sie genug, nur thäten ihnen 3 — 4000 Dragoner Noth, er hoffe, Kf. werde 
ihnen dazu verhelfen. Auf die Proposition könnte er nicht allein und sofort 
antworten, die Sache müsste erst überlegt werden, dazu brauchte er ein paar 
Tage. H. bat, ihn nicht lange aufzuhalten, und beruhigte ihn wegen der an- 
geblichen Verbindung des Kf. mit Frankreich; wegen der Assistenz wäre Kf. 
von der Republik nie angesprochen worden. 



Wladislaus Los, Truchsess von Ploczk (s. Koche wski IIL S. 171), Ver- 
trauter Lubomirski' s, den dieser zu Anfang des Jahres 1666 an den Pfalzgrafen 
von Neuburg und nach Schweden geschickt hatte. (S. Mem. de Pomponne II. 
S. 141 ff., oben S. 167 ff.). H. war, wie er aus Breslau am 3. Juli meldet, dort mit demselben 
zusammengetroffen; am 16. Juli berichtet er vom Lager 4 Meilen von Gadiz aus über 
das für die königlichen Truppen so unglückliche und verlustvolle Treffen an der Netze 
(8. Koch wski III. S. 232 ff., Kluczycki, Acta Joannis Sobieski I. S. 245 ff.); Lubo- 
mirski's Armee werde auf 12 000 Mann geschätzt, darunter ein gut Theil Adlige, doch 
nur ein Regiment deutsche Dragoner. 



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300 ni. Brandenburg und Polen. 1664—1673. 

Betreffend die jetzt wieder angeknüpften Friedenstractaten ') soll von dieser 
Seite begehrt werden, dass der König nochmals die Rechte und Privilegien der 
Stände eidlich bestätige, besonders dass bei seinem Leben nicht mehr von der 
Wahl solle geredet werden, und dass er Lubomirsky per totum restituiere, 
woraus zu ersehen, dass man zu der Wahl keine grosse Lust hat, wie er auch 
sonst gemerkt. Der König aber besteht darauf, L. solle auf 3 Jahre ins £xil 
gehen, seine Chargen verlieren und der Adel solle nexui renuntiieren, ehe er auf 
den Reichstag kommt. Der kaiserliche Gesandte') treibt sehr zum Frieden, 
auch auf diese oder noch härtere Bedingungen, wie Lösche behauptet, weil 
der Kaiser jetzt der Wahl Pfalz-Neuburgs ganz zuwider seL 

Zu Niemiritz und Lesczynskizu gehen, hat L. ihm widerrathen, ersteren 
habe er in der Wahlsache nicht zu gewinnen vermocht, letzterer sei auch 
beaucoup moUifie. würde sich von allen Affairen abthun und in Danzig in quiete 
leben, wohin er jetzt gegangen wegen einiger Gelder, die er von seinem Bruder 
geerbt. 



J. Hackeberg an den Kurfürsten. D. Jannowiz 15./25. Juli 1666. 

[Die Friedensunterhandlungen. Neues Gespräch mit Lubomirski, dessen ?erdäcbtiges 

Verhalten.] 

.Juli. Lubomirski treibt die Friedensunterhandlnngen, wie er vorgiebt, aus 

Vaterlandsliebe, mit solchem Eifer, dass er keine widrige Remonstrationen hören 
will. Was aber sowohl er, als vielmehr der Kaiser darunter suche und ob sie 
nicht vieUeicht den kurzem ziehen dürften, falls sie dadurch Lothringen zu 
der Krone zu verhelfen beabsichtigen, wird die Zeit aufweisen, allezeit macht 
sich L. der äusseren Apparenz nach sehr verdächtig, als wenn er schon in Frank- 
reichs Interessen stecke. 

Trotz vielfachen Mahnens hat er erst am 22. Nachmittags mit L. wieder 
sprechen können, derselbe sagte zu ihm: Nous parlerons asteur de toutes choses 
et vous dirai au premier lieu, que Testat des affaires ne permette pas pour ä 
present une election, puisque le roi s'est declare, quMl veut promettre de nou- 
veau par un diplome et le confirmer par un serment, que durant sa vie il ne 
scra plus parle d'aucune election, et je croi, qu'on se contentera pour asteur de 
cela, puisque c'est sur ce fondement, qn'on va conclure la paix, qui est fort 
necessaire ä la Pologne. Pourtant si le roi voulait de force entreprendre quel- 
que chose sur nos privileges et sur notrc liberte, nous irons sans doute faire 
une autre election. H. erwiderte, Kf. werde, wenn auch sein Einrath dabei nicht 



S. Kochowski Hl. S. 2a9f. 

Schon ?on Breslau aus hatte U. am 3. Juli berichtet, der Kaiser habe auf des 
Königs Requisition einen seiner Käthe auf hiesigem Amt, Pauschner, an Lubo- 
mirski gesendet, um denselben zum Accommodement mit dem Hof zu ermahnen 
und die Mediation zu versuchen, auch der schwedische Gesandte Liliehoeck bepaübe 
sich auf L.''s Ansuchen darum. 



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Hackebergs Sendung zu Lubomjrski. 301 

nöthig geachtet worden, damit zufrieden sein, wenn nur dabei Sicherheit vor- 
handen ; der Konig könnte leicht den Eid wieder brechen und Vorwände finden, 
die Wahlsache doch wieder auf die Bahn zu bringen. L., der jetzt bei dem 
Adel solchen Credit habe, möchte ihnen dieses vorstellen und nicht von der 
guten Partei ahfallen. Darauf aber wurde, wie es schien verabredetermaassen, 
ihr Gespräch durch den Eintritt des kaiserlichen Gesandten unterbrochen. An 
den nächsten Tagen hat er trotz aller Bemühungen L. nicht weiter zu sprechen 
bekommen. Als dann die Commissarien von dem Könige zurückkamen und des 
andern Morgens dem Adel und der Armee im freien Felde Relation thaten, 
er auch vernahm, dass der Friede so gut wie geschlossen sei, wiewohl der Adel 
und die Annee ihre Diffidenz gegen L. an den Tag gehen und oflfen sagen, 
sie wären von ihm verkauft, ihrer viele auch darauf begannen nach Hause zu 
gehen, hat er beschlossen, des Kf. Respect nicht weiter also zu prostituieren; 
er ist zu L. gegangen und hat ihm mitgetheilt, dass er es für unnütz halte, sich 
länger aufzuhalten, da der Friede so gut wie geschlossen sei und er wahr- 
genommen, wie wenig Reflexion man auf des Kf. Abschickung und dessen etwa 
führende Gedanken gemacht, und daher abreisen wolle. L. bestritt allerdings, 
dass der Friede vor sich ginge, hielt ihn aber nicht weiter zurück, rieth ihm 
aber, der Sicherheit wegen bei dem Heere zu bleiben, bis es die Weichsel über- 
schritten habe. H. will dies auch thnn; er ist zur Abreise entschlossen, da er 
L. so disponiert gefunden, dass er des Kf. Abschickung so kalt angenommen, 
daher er nicht anders urtheilen kann, als dass derselbe entweder mit dem Hofe 
unter einer Decke liege oder aber des Kaisers Interessen, des Kf. Intention zu- 
wider, zu sehr amplectiere, daneben der Adel wegen des Friedenswerkes und 
der schlechten Conditionen denselben jetzt so verdächtig hält, dass er zweifelt, 
ob er jetzt bei ihnen grossen Credit finden wird. 



J. Hackeberg an den Kurfürsten. D. Breslau 3./13. August 1666. 

[Unterredungen mit Lubomirski, dessen Erklärungen zu gunsten Pfalz-Neuburgs. 

Mittheilungen Krenski's.] 

Er ist heute hier angekommen, gedenkt morgen nach Cleve weiter zu reisen. 13. Aug. 
Er hat am 28. Juli mit der Armee die Weichsel passiert und hat am nächsten 
Tage seinen Rückweg antreten wollen, am Abend aber hat L. mit ihm eine 
Unterredung gehalten, versichert, dass er beständig bei der guten Partei ver- 
bleiben würde, und in ihn gedrungen, da Kf. ihm durch ColaJto habe ver- 
sprechen lassen, ein Subject zur Krone vorzuschlagen, und H. sicherlich darauf 
instruiert habe, seine noch übrige Commission zu eröffnen. Er hat darauf auch 
genau nach seiner Instruktion Pfalz-Neuburg als den geeignetsten empfohlen. 
Auch L. erklärte sich für denselben, frug ihn aber zunächst anf sein Gewissen, 
ob auch alle Streitigkeiten zwischen demselben und Kf. ganz gehoben seien, 
und, nachdem er dieses versichert, ob Pfalz- Neuburg auf allen Fall mit 
Allianzen versehen wäre, und was der Kaiser und Schweden dazu sagen 



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302 in. Brandenburg und Polen. 1664—1673. 

wurden. Auf das erste theilte H. ihm mit, dass Kf. sich mit demselben ver- 
glichen, falls eine ordentliche Wahl auf den Pfalzgrafen fallen und es nothig 
sein sollte, die Republik gegen einige Beeinträchtigung wegen dieser Wahl zu 
schützen, 10 — 12 000 Mann oder noch mehr ihr zur Hülfe zu schicken. Wegen 
des Kaisers zweifle er nicht, dass derselbe dem Pfalzgrafen die Krone nicht 
missgönnen werde, falls derselbe nicht etwa selbst jemand anders dazu vor- 
schlüge, wovon er noch nichts gehört, worüber L. ihm aber am besten werde 
Eröffnung thun können. Von Schweden sei Kf. versichert, dass es dem 
Pfalzgrafen die Krone Polen nicht missgönnen werde. 

L. erklärte darauf, Kf. möchte sich seiner Treue, bei der guten Partei zu 
verharren und dieses Intent zu Werke zu bringen, gänzlich versichert halten 
und im übrigen sich an nichts kehren, was auch für Zeitungen und Geschrei 
von ihm käme; der polnische Hof würde sich wohl bald mit ihm vergleichen, 
das würde ihn aber nicht ändern, Kf. möge ihm verstatten, weil das Gegentheil 
alle mögliche finesse gebrauchte, dass auch er es so mache und die masque 
mit vornehme, die Correspondenz zwischen Kf. und ihm sollte in Secret blei- 
ben. Er hoffe, dass er wegen der Wahl Pfalz-Neuburgs ehestens eine 
solche Ligue aufrichten werde, die genug sein sollte, dieses Werk zu behaupten, 
er werde deswegen wieder jemand nach Wien, Schweden, zu Kf. und dem 
Pfalzgrafen schicken und insonderheit Lösche als Residenten bei Kf. und dem 
letzteren lassen, Kf. müsste aber auch ferner Hand anlegen, namentlich Schwe- 
den bei ihrer jetzigen Meinung zu gunsten des Pfalzgrafen zu erhalten sich 
bemühen und am kaiserlichen Hofe desfalls wirken, Kf. möchte sofort jetzt, wo 
Balbitzky als schwedischer Gesandter am kaiserlichen Hofe wäre, jemand 
vertrautes dorthin senden. 

Als H. ihn dann fragte, ob er meine, dass Fürst Rad zi will hierunter bei 
den Littauem zu statten kommen könnte, bejahte er dieses, da dessen Credit 
dort sehr gross sei, doch hätte R. sich früher für die französische Wahl erklärt 
und durch seinen Residenten am Kgl. Hofe Mohrstein, den Bruder des 
Sccretarii status, würde ohne Zweifel alles an die Königin auskommen, daher 
habe er, L., lange keine Correspondenz mit ihm gehalten ; Kf. möchte denselben 
durch Hoverbeck sondieren lassen und ihm Nachricht geben, wie er befun- 
den worden, er würde doch bald nach Danzig reisen müssen und dann mit jenem 
Abrede nehmen können. 

H. theilte ihm darauf mit, dass Pfalz -Neuburg bereit sei, ihm seine 
Dienste zu vergelten, und überreichte ihm dessen Schreiben, L. zeigte sich darüber 
sehr erfreut. 

Am 31. forderte ihn L. wieder zu sich, gab ihm sein Recreditiv und ein 
Schreiben an den Pfalzgrafen, sagte ihm, man würde in 8 Tagen Frieden haben '), 
und rechtfertigte den Abschluss desselben damit, dass das Land sehr ruiniert sei 

*) Am 31. Juli wurde zu Legonice der Frieden abgeschlossen, s. Kochowski 
HL S. 243ff. Diarium Europ. XHL App. S. 297 ff. Lubomirski zeigt (d. Bres- 
lau 25. August 1660) dem Kf. den Abschluss an und erklärt, demselben nächstens 
durch einen Kxprcssen Näheres mitt heilen zu wollen. 



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Sendung Hackebergs an Lubomirski. 303 

und sich bei den Seinigen in kurzer Zeit der grosste Mangel würde eingestellt 
haben, er hätte den Adel nicht beisammen halten können und es hätte ihm an 
Infanterie gemangelt, so dass er nicht zur Bataille mit dem Könige hätte kom- 
men und also des Krieges Ende nicht absehen können, er hätte sich auf andere 
innerliche Hülfe verlassen, die aber der Hof durch seine Künste und Geld ihm 
abwendig gemacht (worunter er auf Fürst Wischnowicz^) zielte, dem der 
Hof 40 000 Ungar. FI. gesandt, damit er still sitzen möchte), er werde sich be- 
mühen, dem zu remedieren und sich auswärtige Hülfe, vom Kaiser und Schweden, 
zu sichern. Sie alle würden zwar nach erfolgtem Frieden nach Hause gehen 
und still sitzen, allein 7 Palatinate blieben mit ihm in fester Verbindung und 
würden sich bemühen, allmählich die anderen Palatinate auf ihre Seite zu ziehen, 
er werde von diesen Palatinaten Vollmacht erlangen, die Ligue zu gunsten des 
Neuburgers zu formieren und mit demselben de futura successione völlig zu capi- 
tulieren. Auch wieder Truppen zu sammeln erklärte er gamicht für schwierig, 
das machte ihm nicht soviel Sorge als die grosse lenteur bei dem kaiserlichen 
Hofe und dass sie da so wenig was rechtes rosolvieren könnten. Er sprach 
die Hoffnung aus, die Hülfe vom Kf. würde nicht eher kommen, als man sie 
rufen würde. Er kam dann auf seine eigenen ganz ruinierten Verhältnisse zu 
sprechen und erinnerte an die Versprechungen, welche Kf. ihm gemacht, H. er- 
klärte ihm darauf, er habe vorläufig 2000 Ducaten mitgebracht, welche zu seiner 
Disposition in Breslau stünden, L. bedankte sich dafür und bat, Kf. möchte ihn 
auch ferner in seiner Dürftigkeit nicht verlassen, schlug vor, weitere für ihn 
bestimmte Gelder an Prinz Radziwill auszahlen zu lassen. 



P. S. Breslau 4./14. August 1666. 

Er hat den hier befindlichenGrafen Crensky ^), Pfalz-Neuburgischen Kammer- 14. Aug. 
herrn und Obristen, besucht und von demselben erfahren, dass Lösche dem 
Pfalzgrafen nicht allein die erste Vocation zur Krone gebracht, welche Lubo- 
mirski namens der damaligen Conföderierten, der Castellan von Posen') wegen 
der Grosspolen unterschrieben, sondern dass auch unter ihnen schon verbandelt 
worden, wie viel Volk und welche Summe Geldes der Pfalzgraf parat halten 
müsste, welche auch wirklich von ihm parat gehalten w^ürden. Es sei verab- 
redet worden, dass sie zum König senden, demselben die Contra ventionen, welche 
durch die vorseiende Wahl gegen ihre Gesetze begangen würden, vorstellen und 
andeuten lassen sollten, weil ja ein successor vivo rege sein sollte, so wollten 
sie einen undzwarPfalz-Neuburghiermit benennet haben, der Pfalzgraf sollte 
zu Behauptung dieses Intents um Ostern bereits seine Truppen nach Polen 
marschieren lassen, mit den Schweden aber wäre es so durchgestellet gewesen, 
dass Wrangel schon Ordre gehabt, seine Truppen zu den Pfalz-Neuburgischen 



') Fürst Demetrius Wisniowiecki, Woiwode von Beiz. 

») S. oben S. 250. 

3) Christoph Grzymultowski. 



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304 Brandenburg und Polen. 1664—1673. 

stossen zu lassen; nachgehends aber sei noch nicht rathsam befunden worden, 
in der Sache auf die Weise zu verfahren, sondern noch etwas zu verzögern; 
inzwischen aber sei der Pfalzgraf in aller guten Hoffnung hingehalten worden, 
bis diese unvermuthete Zeitung vom Frieden nun erfolge. Crensky sagt, dass 
er noch wenige Tage vor H.'s Ankunft im Lager auch dort gewesen und alles 
noch gut gefunden, bis der kaiserliche Gesandte Pauscher angekommen, darauf 
er eine so notable Aenderung in allen Gemüthem befunden, dass er sich auch 
deswegen öffentlich beklagt habe und davon gezogen wäre. Sie hätten ihm 
dann aber durch einen Expressen die Victoria bei Taepadly) anzeigen und ihn 
auffordern lassen, sich bereit zu halten, sie würden ihn ehestens wieder an den 
Pfalzgrafen senden. H. hört übrigens in Breslau, Crensky habe im Lager mit 
Reden oder sonst sich versehen, weswegen er sich bei Nacht habe salvieren 
müssen. 



J. Scultetus^) an v. Ho verbeck. D. Warschau 13. Angust 

1666. 

[Rückkehr des Königs. Unzufriedenheit der Königin mit dem Frieden. Lubomirski's 
Abreise. Gespräch mit Liliehoeck.] 

13. Aug. Der König ist am 11. Abends hier angekommen und, wie man bisher 

ominiert, von der Königin mit vielen Vorwürfen wiegen des disreputierlichen 
Friedens empfangen worden. Am meisten wird dem Könige verdacht, dass er 
Lubomirski nach geschehener Deprecation ') mit den Worten: ^Ich weiss, 
dass dem Herrn so heiss gewesen als uns" angeredet und so zu erkennen ge- 
geben habe, dass er in grosser Gefahr gestanden und gleichsam den Frieden aus 
Noth habe machen müssen. Lubomirski soll disgustiert von dem Könige weg- 
gegangen sein, da man die formula juramenti nicht so gelassen, als vorher ver- 
abredet war. Die Einladung des G. Feldherrn zum Banquet hat er nicht an- 
genommen, sondern ist sogleich, von 1000 Pferden begleitet, wieder zurück- 
geritten; hieher zur Königin hat er nur zwei seiner Söhne geschickt, welche 
gemeldet, dass er schon nach Laudshut verreist sei und in wenigen Tagen die 
Reise über "Wien nach Italien, nach Loreto antreten würde. 

Die meisten am Hofe sagen, dass sie an diesem Tractat zweifeln und dass 
die Ruptur des künftigen Reichstages denselben aufheben und Anlass zu einem 
noch blutigeren Kriege geben werde. 

Gestern hat er den schwedischen Gesandten Liliehoeck*) aufgesucht, um 
zu penetrieren, was derselbe jetzt nach geschlossenem Frieden zu thun gesonnen 
sei und ob er den Reichstag abwarten werde. Jener sagte, er sei beauftragt. 



») S. oben S. 299. 

2) Sekretär v. Hoverbecks, den dieser, der Anfang Juni wieder vorläufig nach 
Preussen gegangen war, in Warschau zurückgelassen hatte. 

3) S. Kochowski IlL S. 249f. 

**) S. über dessen Sendung nach Polen Memoires de Pomponnell. S. Ulflf. 




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Unzufriedenb. d. poln. Hofes mit dem Friedeu. Verhältnis zu Schweden. 305 

eine starke Allianz mit dem Könige und der Republik aufzurichten, er wollte 
jetzt nach der Rückkehr des Königs die Sache vorbringen, sollte sich aher der 
Hof ferner so stellen wollen, als ob ihm nicht viel daran gelegen sei, wurde er 
sich wohl nicht lange aufhalten, doch müsste er Antwort auf seine Schreiben 
aus Schweden abwarten. Von diesem Frieden glaubte er, dass derselbe nicht 
lange bestehen würde; er fragte Sc, was auf solchen Fall, wenn der bevor- 
stehende Reichstag wieder zerrissen werden und der Hof die Wahl mit Gewalt 
durchzusetzen suchen sollte, Kf. thun wollte. Er hat erwidert, er wüsste das 
nicht, glaubte aber, Kf. würde warten, was Schweden und andere Nachbaren 
thun würden. L. antwortete, Kf. hätte vor allen Nachbaren einen grossen Vor- 
theil im Besitz von Memel und Pillau, wenn Schweden dieselben hätte, dürfte 
es sich wohl bald erklären, worauf er lachend erwiderte, wenn Kf. Riga und 
Liefland hätte, dürfte er sich wohl auch zu einer solchen Erklärung finden 
lassen*). L. klagte sonst, dass er von vielen Senatoren sehr frigide behandelt 
werde, und wünschte sehr mit Hoverbeck zu communicieren,- 



V. Hoverbeck an äen Kurfllrsten. D. Warschau 19. Angust 

1666. 

[Rückkehr nach Warschau. Geheime Artikel mit Lubomirski scheinen nicht abgemacht 
zu sein. Verhältnis Polens zu Schweden.] 

Er ist hieher zurückgekehrt und hat sich bemüht, zu ergründen, ob etwa 19. Aug. 
in dem neulichen Friedensschluss noch ein geheimer Artikel enthalten, in wel- 
chem die in dem Hanptinstrument nur der Gnade des Königs anheimgestellte 
Restitution Lubomirsky's, wenigstens in gewissen Stücken, caviert wäre und 
dieser dagegen versprochen hätte, sich nicht zu widersetzen, dass bei Lebzeiten des 
Königs von einem successor gehandelt werde, er hat aber nichts merken können 
und glaubt es um so weniger, da die Forderungen, welche L. durch seine Söhne 
hat vortragen lassen, wegen Restitution seines Salzberges und der beiden 
Starosteien Krakau und Chmielnik abschlägig beschieden sind. 

Seit Schweden die Handlung des Grafen Tott mit Frankreich wieder 
umgestossen und dagegen eine engere Allianz mit England aufgerichtet, ist man 
hier selir misstrauisch gegen dasselbe gewesen, was durch das vorjährige Schrei- 
ben des Königs und die mit Lubomirsky und den Grosspolen gepflogene 
Correspondenz noch vermehrt worden^), seitdem aber durch Graf Königsmarcks 
Sendung') das Vertrauen zwischen Frankreich und Schweden wiederhergestellt 
ist, richtet sich dieser Hof auch danach und caressiert Liliehoeck sehr, da- 



^) v. Hoverbeck bemerkt dazu, es sei daraus zu ersehen, dass Schweden zwar 
das gemeine Interesse bei dem Wahlnegotium gerne beobachtet sehen, aber die des- 
wegen vom Hofe zu erwartende Feindschaft für sich verhüten und anderen aufbürden 
wolle. 

») Vgl. M^m. de Pomponne II. S. Ulif. 

») S. ebendaselbst S. 89. 

Mater, s. Gesch. d. G. Kurfürsten. XII. 20 



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306 ni. Brandenburg und Polen. 1664—1673. 

gegen klagen L üb o mir sky 's Anhänger, dass ihnen Schweden wirkliche Assistenz 
versprochen, als es aber zum Treffen hätte kommen sollen, dieselbe platt ab- 
geschlagen habe, und sie glauben, dass auch dieser Gesandte zwei conträre 
Ordres gehabt habe. 



V. Hoverbeck an den Kurfürsten. D. Warschau 27. August 

1666. 

[Audienzen bei der Königin und dem Könige, gunstige Erklärungen des letzteren. 
Gerüchte vom Reichstage.] 

27. Aug. Am 21. August hat er zuerst bei der Königin und dann bei dem Könige 

Audienz gehabt, wobei er denselben den Glückwunsch des Kf. zu dem abge- 
geschlossenen Vergleiche ausgesprochen, sie um Förderung der Interessen des- 
selben gebeten und ihnen die Geburt des Prinzen') angezeigt hat. Von beiden 
wurde er sehr gnädig empfangen, der König zeigte sich sehr erfreut darüber, 
dass H. den Friedensschluss als für ihn besonders vortheilhaft bezeichnet hatte, 
er lobte Lubomirsky, dass derselbe bei dem Deprecieren sich bescheiden ge 
zeigt, klagte dagegen über die Frechheit des Castellans von Posen Grzymol- 
towski. Wegen Draheims bat er Kf. noch eine Weile in Ruhe zu stehen, der 
Alte ') könnte es ja nicht mehr lange treiben, und nach dessen Tode sollte Kf. 
unfehlbar Satisfaction erhalten, er wollte auch auf dem jetzt bevorstehenden 
Reichstage denselben dahin zu disponieren suchen, dass er gutwillig abstände, 
wegen der Elbingischen Summe wollte er dem Kanzler befehlen, dass er diese 
Sache sowohl in den Kreisausschreiben als auch in der Reichstagsproposition 
den Ständen auf das beweglichste vortrüge. Zum Schluss fragte der König 
ebenso wie vorher auch die Königin nach dem Regensburger Reichstage, ob H. 
davon gehört, dass von einem Römischen Könige geredet werde und dass 
K.Sachsen mit den Evangelischen eine Liga machen wollte, um durchzusetzen, 
»dass die Protestierenden mit den Katholischen am Kaiserthum alternieren sollten; 
H. hat erwidert, dass dieses angesichts der Majorität der Katholischen im Kur- 
fürstencoUegium schwer zu practicieren sein würde. 



V. Hoverbeck an den Kurfürsten. D. Warschau 6. September 

1666. 

[Neue Krbietungen des Königs. Unterhandlungen mit Lubomirski.] 

6. Sept. Der König, bei dem er vor dessen Abreise zur Jagd eine neue Audienz 

gehabt, hat sich dort aufs neue erboten, des Kf. Interessen auf dem nächsten 
Reichstage zu befördern, man scheint wirklich dem Kf. zwar nicht völlige Satis- 

*) des Prinzen Ludwig, geb. 28. Juni 1666. 
*) Per K.G.Feldherr Stanislaus Potocki. 



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Freundlicheres Verhalten des Hofes gegen Ef. 307 

faction aber einen Theil seiner Forderungen bewilligen zu wollen, um ihn da- 
durch von dem gefassten Unwillen und Misstrauen gegen die Königin abzu- 
bringen und zu deren Willen zu disponieren. Aus des Königs Discursen schliesst 
n., dass derselbe dem Frieden nicht traut, sondern eine neue grössere Con- 
foderation furchtet und an dem Schluss des Reichstages zweifelt. Das Miss- 
trauen gegen Lubomirsky rührt daher, dass derselbe ^) plötzlich nach Breslau 
gereist ist und seinen Anhängern geschrieben hat, ihre Truppen nicht abzu- 
danken, sondern mit denselben in seinen Erbgütern stehen zu bleiben. Der 
K. Referendarius ^) hat sich unter dem Vorwande privater Geschäfte auch dort- 
hin begeben, ohne Zweifel im Auftrage der Königin, um durch das Anerbieten 
seiner Salzberge und der Starosteien Cracau für seinen ältesten Sohn und 
Chmielnik für ihn selbst Lubomirsky für die Partei der Königin zu gewinnen, 
doch wird er schwerlich, am wenigsten gleich bei diesem ersten Anwurf, etwas 
erreichen, wie denn überhaupt die Königin durch Ungeduld und Eilfertigkeit 
meist ihre Sachen verdirbt. 



V. Hoverbeck an den Kurfürsten. D. Warschau 1. November 

1666. 

[Aerger der Königin und der Anhänger derselben über den Erbvergleich mit Pfalz- 
Neuburg.] 

Er hat, um das Notificationsschreiben wegen des Erbvergleiches mit Pfalz- l.Nov. 
Neuburg') zu übergeben, bei dem Könige und der Königin Audienz gehabt; 
beide sprachen ihre Freude über denAbschluss des Vergleiches aus, von der 
Königin aber weiss er, dass sie sich nur dazu gezwungen, dass ihr seit langer 
Zeit nichts Unangenehmeres vorgekommen als dieses, und dass auch verschiedene 
Senatoren je nach ihrer Parteistellung theils mit Freude theils mit Leid davon 
gesprochen, dass Pfalz-Neubnrg jetzt erst als Candidat auftreten könne ^). 



S. Kochowski III. S. 252. 

2) Andreas Morstein. Vgl. Pufendorf IX. §91 (S. 635f.). 

3) Kf. hatte (d. Cleve 14./24. September 1666) H. den am 9. September mit dem 
Pfalzgrafen abgeschlossenen Erbvergleich (s. ürk. u. Act. XI. S. 762) und ein Noti- 
ficationsschreiben an den König zur Uebergabe an den letzteren zugeschickt. 

*) H. berichtet am 5. November, der G.Kanzler hätte geäussert, dieser Vertrag 
wäre ein Vorbote der künftigen Wahl, Kf. werde nunmehr die polnische Krone nie- 
mand lieber gönnen als dem ihm jetzt so befreundeten Pfalzgrafen, und höhnisch 
hinzugefügt, man behaupte, Kf. wolle, um dessen Wahl mit mehr Nachdruck zu be- 
treiben, zu dessen Gunsten der Souveränetät über Preussen entsagen. Am 3. Decem- 
ber meldet er noch weiteres über dessen feindselige Aeusseningen, auch die Bischöfe 
von Chelm und Cracau, welche sich sonst dem Pfalzgrafen günstig gezeigt, hätten 
die Mittheilung von dem Vergleich sehr kaltsinnig aufgenommen, bei Hofe hätte diese 

20* 



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308 HL Brandenburg und Polen. 1664—1673. 

Memorial des von Lubomirsky abgeschickten Secretarius Bar- 
tholomaeas Pcejazecky*). D. Coloniae ad Spream 1. Decem- 

ber 1666. 

[Mittheilung der vom Hofe mit Lnbomirski wegen der französischen Wahl geführten 

Verhandlungen. Anfrage, ob der Reichstag abgebrochen und die Wahl Pfalz-Neuburgs 

rorgenommen werden solle. Bitte um Hülfe.] 

I. Dec. Lubomirski lässt dem Kf. mittheilen, die französische Partei betreibe die 

Wahl mit dem grössten Eifer, es seien mit ihm deswegen*) drei Conferenzen 
durch Mor stein und den Capitan von Rad cm gehalten und es sei ihm von dem 
französischen Gesandten, dem Bischof von Beziers, ein französisch abgefasster 
Tractat vorgelegt worden, welchen er, wenn Kf. es wünscht, demselben mit- 
theilen will. Danach habe sich der König von Polen entschlossen, auf dem 
jetzigen Reichstage abzudanken, unter der Bedingung, dass ein Franzose sein 
Nachfolger werde ; L. solle sich durch diesen Tractat verpflichten, die Wahl eines 
Franzosen mit allen Kräften zu befördern, zur Belohnung dafür werde ihm ver- 
sprochen: das Palatinat Cracau, das Obercommando über das Heer, die Zurück- 
erstattung der Salinen und einiger Capitanate, femer für jetzt 100 000 Goldstücke 
und später weitere Summen, auch für seine Söhne grosse Verheissungen , Be- 
denkzeit werde ihm bis zum 25. November gelassen. L. habe eigentlich die 
Absicht gehabt, die Franzosen zu täuschen, durch scheinbare Zustimmung und 
Verpflichtung zur Beförderung der französischen Wahl den König zur Abdan- 
kung zu bewegen und dadurch die Republik in den Stand zu setzen, einen ihr 
genehmen König zu wählen. Da er sich aber habe schriftlich verpflichten sollen, 
selbst die Wahlangelegenheit wieder vorzubringen, und ihm dieses sehr bedenk- 
lich geschienen, so habe er es verweigert und dadurch haben sich die ganzen 
Tractaten zerschlagen. Er bitte nun Kf. um Rath und Hülfe: 

1) ob der Reichstag abgebrochen oder gestattet werden solle, dass es zum 
Schlüsse desselben komme. L. selbst räth, ihn abzubrechen, sonst werde der 
Hof Steuern und die Befugnis zum Münzenschlagen haben, in der Zwischenzeit 
würden die jetzigen Generale, Potocki und Sobieski, die beide im fran- 
zösischen Dienste ständen, ihr Ansehen beim Heere befestigen und die gut ge- 
sinnten Elemente aus demselben entfernen. 



Nachricht unversöhnlichen Hass gegen Kf. erzeugt, man suche jetzt demselben alles 
mögliche zuwider zu thuu, so dass der V.Kanzler ihm gerathen, vorläufig mit der 
Negotiation an sich zu halten. Vgl. Pufendorf X. § 60 (S. 699). 

^} Lubomirski's Creditiv für denselben ist Breslau 27. November 1666 aus- 
gestellt. Schon im October war Los (s. oben S. 299) bei dem Kf. in Cleve gewesen, 
wie das Creditiv Lubomirski ^s für denselben (d. Breslau 14. September 1666) und 
das Recreditiv des Kf. (d. Cleve 17. September 1666) beweisen, doch sind Aufzeich- 
nungen über die mit demselben geführten Verhandlungen nicht vorhanden. Auch 
ein Sohn Lubomirski's muss damals, wie ein Dankschreiben desselben (d. Bensburg 
15. October 1666) beweist, beim Kf. und bei dem Pfalzgrafeu gewesen sein. 

'0 S. Pufendorf IX. § 91 (S. 635f.). 



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Sendung Pcejazecky's zu Kf. 309 

2) sofort bei Abbreclmng des Reichstages müsse man den französischen 
Anschlägen entgegentreten und zwar müsse nach der Abdankung des Königs, 
zu welcher dieser fest entschlossen sei, die Erhebung des Neuburgers vorge- 
nommen und Schweden mit dazu herangezogen werden. Ferner müsste eine 
Militärconfoederation geschlossen werden, der sich auch der Adel anschliessen 
werde. 

Der Fürst bitte Kf. ihn zu unterrichten, was er davon halte und welche 
Hülfe und Mitwirkung von ihm zu erwarten sei. 



Acta conferentiae ^) mit des Fürst Lubomirsky Abgeordneten. 

22. Novembris 
Bei der am k,-j^ r— y 1666 mit Pcejazecky gehaltenen Conferenz 2. Dec. 

hat derselbe anfanglich, wie von ihm die communicatio tractatus Gallici begehrt 
ward, dieselbe versprochen und nähere Mittheilungen über den Inhalt desselben 
gemacht, zugleich versichert, dass trotz aller Drohungen und Versprechungen 
der Königin und der Franzosen der Fürst fest in seinen einmal gefassten Maximen 
bleibe. Derselbe höre zwar ihre Vorschläge und conferiere amice mit ihren 
Abgesandten, aber nur, um desto besser ihre Pläne kennen zu lernen, man 
möchte Staat auf seine Beständigkeit machen, ehe sollte seine Hand verdorren, 
als dass er solch einen Vergleich unterschreiben würde, doch müsse man sich 
seiner und der guten Partei annehmen, sonst würde die Republik Noth leiden 
und er selbst ruiniert werden, der Adel sei des Krieges überdrüssig und würde 
endlich lieber in des Hofes Begehren einwilligen als sich und das Ihrige in die 
grösste Gefahr setzen. 

Wie ihm darauf vorgestellt wird, es wären von L. auch allerhand ungleiche 
Sachen divulgiert, versichert er, dass man dergleichen nur bei Hofe erfinde, 
um ihn ausser Credit und in Verdacht zu setzen, man könnte sich aber sicher 
auf ihn verlassen. Sonst wäre der König zwar zur Abdication geneigt, er würde 
solche aber nicht thun, wäre er nicht von L. versichert, dass derselbe die fran- 
zösische Wahl befördern würde. 

Auf dasjenige, was er in seinem Memorial wegen des Reichstages propo- 
nierte, wird ihm erwidert, auch Kf. halte es für besser, wenn der Reichstag un- 
verrichteter Sache sich zerschlüge. Es wird ferner de modo subveniendi prin- 
cipi et reipublicae geredet und ihm vorgestellt, ob es nicht dahin zu bringen 
sei, dass der Fürst soviel Freunde und Patrioten an sich ziehen könnte, die 
apud exteros etwas sub nomine et specie reipublicae thun und Hülfe suchen 
könnten, er erwidert, dies könne und solle geschehen und solle Kf. im Namen 
der Republik um Hülfe requiriert w^erden. Sie sind damit sehr zufrieden und 
eröffnen ihm darauf, dass Kf. bereits seit lange mit Schweden dieser Sache 

*) von Meinders' Hand, welcher zusammen mit dem O.Präsidenten v. Schwerin 
diese Conferenz mit Pcejazecky gehalten hat. 



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310 ni. Brandenburg und Polen. 1664—1673. 

halber tractieren lasse, und lesen ihm das Schwedische Generalproject ') vor, er 
zeigt sich darüber sehr erfreut, noch mehr über die Mittheilung, dass Kf. auch 
mit Pfalz-Neuburg wegen der polnischen Sache einen Vergleich gemacht 
und dass beide darin für einen Mann stehen würden. Er erwähnt darauf, der 
Kaiser schiene für Pfalz-Neu bürg gute Intention zu haben, Fürst Lob- 
kowitz hätte gesagt, er könne sich dessen fest versichern, wofern er es nur 
selbst an sich nicht ermangeln Hesse. Sie sagen darauf, Kf. wolle mit dem 
ehisten jemand nach Wien schicken, um dieses Werk zu secundieren. Als sie 
ihm vorstellen, ob es nicht besser wäre, wenn L. in Polen wäre, erklärt er, 
derselbe wünsche dieses selbst, er habe aber in Polen keine Sicherheit und 
dürfe sich bei solchen Coi^nncturen nicht dorthin wagen. 

Wegen der persönlichen Entrevue mit Kf. sagen sie, solche sei Kf. nicht 
zuwider, wenn man etwa nach geendigtem Reichstage auf den Neumärkischen 
Grenzen zusammenkommen könnte, welches er mit demüthigem Respcct accep- 
tierte. Auf ihre endliche Frage, was die Moscowiter und Tartaren von 
dieser Sache hielten, meinte er, sie würden beide nicht gerne sehen, dass ein 
Franzose zur Krone käme'). 



V. Hoverbeck an äen Kurfürsten. D. Warschau 17. December 

1666. 

[Warnung vor Ausführung der von Schweden gemachten Vorschläge.] 

17. Dec. Die von Schweden intendierte') öffentliche Recommendation des Pfalz- 

grafen zur polnischen Krone würde nicht nur diesem, sondern auch denen, 
welche ihm patrocinieren, schädlich sein, die guten Patrioten, welche es bisher 

S. oben S. 175. 

^ Laut einer Quittung Pcejazecky's vom 7. December hat derselbe von Kf. 
1000 Ducaten für Lubomirski erhalten. L. sendet dem Kf. (d. Breslau 14. Decem- 
ber 1666) den Vertragsentwurf (Articles accordez entre la Ser. Reine de Pologne et 
de Suede et M. Tevesque de Besiers — d'une part et M. Morstein Referendaire du 
Royaume et M. Podolosky Gouverneur de Radom, plenipotentiaires de M. George Lubo- 
mirski d'autre part, touchant Telection d^un successeur ä la couronne de Pologne d. 
Varsovie 20. Septembre 1666) und einige Briefe Morste ins im Original zu. Diese 
Originale sendet Kf. (d. Coloniae 12./[22.] December 1666) wieder an L. zurück, doch 

sind Abschriften derselben zurückbehalten worden. Kf., der am -=-^— ; — dem 

7. December 

Pfalzgrafen Philipp Wilhelm von den Verhandlungen mit Pcejazecky Nachricht 

gegeben, schreibt demselben (d. Cöln 12./[22.] December 1666), er werde durch 

Blas peil erfahren, was Kf. von Lubomirski wegen der zwischen diesem und den 

Franzosen inbetreff des Wahlnegotiums vorgegangenen Handlung erfahren, er selbst 

glaube, dass man nach einer solchen Probe sich L.^s fest zu versichern habe imd 

keine Apparenz sei, dass derselbe sich jemals werde vom Hofe gewinnen lassen. 

') S. oben v. Crockows Relationen vom 28. Juli und 7. November und das 

Rescript des Kf. an denselben vom 8. September 1666 (S. 175 ff., 186). 



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V. Hoverbecks Warnungen. 311 

für unstatthaft erklärt, dass vor erledigtem Thron von einem Successor geredet 
oder gar gehandelt werde, wurden dadurch alieniert. Dass sich Frankreich 
auf andere Gedanken sollte bringen lassen, hält er, nachdem es so ansehnliche 
Summen zum Unterhalt der preussischen Besatzungen und zu den zwei letzten 
Campagnen hergegeben, für sehr unwahrscheinlich, bei diesem Hofe aber würde 
auch ein Engel vom Himmel in dieser Materie nichts schaffen können. Auf 
Kf. haben die Stände eine Zeit lang wie auf ihren Schutzherm gesehen, gerade 
weil er bei dieser Sache kein besonderes Interesse verfolgt, diesem aber würde 
viel abgehen, wenn Kf. sich der ausser eines interregni ganz fruchtlosen Recom- 
mendation theilhaftig machen wollte. 

Es will ihm auch nicht anstehen, dass sich Schweden erst des Subjecti 
halber mit Kf. verbinden und dann erst durch den Feldmarschall Würtz ab- 
handeln will, was ihr Interesse bei der Sache betrifft, denn, wenn dieser Ver- 
gleich nicht nach ihrer vorgefassten Meinung vor sich ginge, könnten sie die 
ganze Sache übergeben und, nachdem sie des Kf. Intention und modum gerendi 
kennen gelernt, zu dem Gegentheil, das ihnen wohl das ganze Herzogthum zum 
Recompens willigen dürfte, übergehen. 

Er räth daher, die Sache so lange als möglich zu dissimulieren, inzwischen 
aber nach Möglichkeit zu unterbauen^). 



Der Kiirfüret an v. Hoverbeck. D. Cölii 24./14. December 

1666. 

[Dem Könige, der Königin, dem französischen Gesandten u. a. wegen der Wahl eines 
Nachfolgers zu machende Eröffnungen.] 

(Conc. 0. V. Schwerin.) 

Was uns bei der jüngsten Post aus Schweden*) wegen des Pol- 24. Dec. 
nischen Werks für Nachricht zukommen, solches thun wir euch hiebei 
gnädigst communiciren und dabei anbefehlen, weiln dieses Werk nun- 
mehr so weit esclatiret und ruchtbar worden, auch der Orten Gelegen- 
heit zu suchen, mit guter Manier und so weit ihr es sowohl zu Beför- 
derung der Sache als Beibehaltung Glimpfs und Freundschaft werdet 
diensamb ermessen, ein und anders sowohl dem Könige und der 
Königinne selbst als auch dem französischen Abgesandten, wie auch 
andern furnehmen ministris davon zu offenbaren, damit man uns hier- 
nächst nicht reprochiren möge, als wenn wir hinter dem Könige und der 

Ganz ähnliche Rathschläge ertheilt er in der folgenden Relation vom 20. De- 
cember auf Grund von Besprechungen mit den Castellanen von Posen und Radom. 
Vgl. Pufendorf X. § 60 (S. 699). 

2) S. V. Crockows Relation vom 7./[17.] November 1666 oben S. 186. 



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312 UI. Brandenburg und Polen. 1664—1673. 

Republicq her in dieser Sache etwas gethan und dieselbe ganz fürbei- 
gegangen, wie wir dann auch die von Schweden nacher Frankreich ver- 
anlassete Schickung werkstellig zu machen im Werk begriffen, ingleichen 
auch den Freiherrn von Blumenthal zu solchem Zweck nacher Wien 
abordnen werden — . 

Auf was Weise und wie weit ihr nun von diesem negotio bei ein 
und anderm etwas entdecken wollet, solches müssen wir auf eure uns 
bekannte Dexterität ankommen lassen und werdet ihr nach Veranlassung 
der Conjuncturen und der Zeitläufte selbsten judiciren, wie weit ihr darin 
zu gehen, hauptsächlich hättet ihr euch gegen den König und die 
Königin herauszulassen, dass weil alle Welt judicirte, dass die Unruhe 
in Polen einzig und allein von dem Wahlnegotio und dass man einen 
frantzösischen Fürsten zur Chron befordern wollte, herrührete — also 
könnten wir — nicht unterlassen, Ihren Königl. Maytt. offenherzig für- 
zustellen, dass wir nicht abzusehen vermogten, auf was Weise aus diesem 
dessein etwas gutes für jemand zu hoffen, zwar hielten wir nicht unge- 
reimbt, sondern vielmehr zu Beruhigung der Republicq und Erhaltung 
des gemeinen Wohlstandes fürträglich, ja nöthig, dass man von einen 
und andern subiectis, welche dermaleins Ihrer König!. M. succediren und 
der Republicq mit Nutzen fürstehen könnte, bei Zeiten rede, damit es 
nicht dermaleins zum gefahrlichen interregno kommen möge, wir ver- 
meinten aber dabei zum högsten nöthig zu sein, auf ein solches sub- 
jectum zu reflectiren, welches beides der Republicq (als deroselben man 
billig in libera electione nichts fürschreiben könnte) und denen benach- 
barten Potentaten, insonderheit Ihrer Key. M. und den Schweden an- 
ständig wäre. Wir könnten demnach — nicht umbhin, Ihrer Königl. M. 
treulich und wohlmeinend zu ratheu, durch Abandonnirung dieses Desseins 
der Republicq dermaleins, ja ihnen selbst Ruhe zu schaffen. Es würde 
zwar hin und wieder spargiret, als sollte man den Allerchristl. König 
mit in dieses Dessein zu engagiren suchen, ja dass bereits zwischen 
demselben, der Königinne und H. Lubomirski einige Tractaten desfalls 
entworfen oder aufgerichtet sein, wir könnten aber solches nicht glauben. 
— Wenn wir sonsten wissen mögten, wohin Ihrer Königl. M. Senti- 
menten bei denen candidatis gingen, so wollten wir uns darin ganz nach 
Möglichkeit ihnen accommodiren. — Bei dem frantzösischen Abge- 
sandten hättet ihr sonderlich dieses fürzustellen, in was für Gefahr und 
unerschwingliche Kosten sich Ihre K. M. durch dieses Werk stecken 
würden, wenn sie sich darin einmal engagirten — insonderheit habt ihr 



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Neue Instruction für v. Hoverbeck. 313 

ihm die Gedanken zu benehmen, als wenn wir mit dem Kaiser dieses 
Werks halber etwas concertiret hätten. — 

Was ihr bei ein und andren ministris und Senatoren von dieser 
Sache anzubringen, solches stellen wir eurem Gutfinden anheimb und 
werdet ihr solches mit sothaner Dexterität zu thun geflissen sein, damit 
auf einer Seite die Aflfection gegen Pfalz-Neuburg wie auch die Aver- 
sion gegen einen frantzösischen Prinzen erhalten und vermehret werde, 
andern theils auch es nicht das Ansehen gewinnen möge, als wenn wir 
der Republ. in ihrer freien Wahl fürgreifen oder uns in Dinge, so uns 
nicht angingen, mischen wollten — ^). 



V. Hoverbeck an den Kurfürsten. D. Warschau 24. December 

1666. 

[Besprechung mit dem schwedischen Gesandten, dessen Aufträge. Bevorstehende 
Sprengung des Reichstages.] 

Nachdem der Cerimonienstreit mit dem schwedischen Gesandten Li liehe eck 24. Dec. 
beigelegt worden, haben sie sich gestern die Visiten abgelegt und sich mehrere 
Standen lang unterhalten. Nach seinen Auslassungen scheint dessen Commission 
dahin zu gehen, die Wankenden zu stärken und den Kaltsinnigen Math zu 
machen, damit sie sich nicht zur Unzeit accommodieren, sondern die Unruhe 
bis zum Interregno oder sede vacante fomentiert werde. Den ihm ertheilten 
Auftrag, die Wahl Pfalz-Neuburgs öffentlich zu empfehlen, bezieht er nur 
auf den casum abdicationis. Wegen Evacuierung der Thorn- und Elbingschen 
Besatzung hat er nicht für rathsam gehalten etwas anzuregen, dem französi- 
schen Gesandten hat er, wie er behauptet, vorgestellt, dass es unmöglich sein 
würde, die Wahl eines französischen subjecti durchzubringen, derselbe hätte 
berichtet, sie hielten sich der meisten Senatoren, vieler unter der Ritterschaft 

Beiliegend: NB. Dieses ist das Rescript, worauf H. Hoverbeck die Noti- 
ücation getban. 

Not. Dass darin zu drei Malen in sein Gutfinden gesetzet wird, ob und wie weit 
er einige Notification zu thun, auch wem. 

^) Dass ihm befohlen wird, er möchte des Königes und der Königinnen Senti- 
menten vernehmen, wohin sie wegen der Wahl zieleten, welches S. Chf. D. nach Mög- 
lichkeit secundiren wollten. 

3) Es würde soviel von der frantzösischen Wahl gesprochen und dass man des- 
falls Tractaten gemacht, S. Chf. D. hofften nicht, dass solches sich also verhielte, und 
remonstrirten dabei die incommoda. 

4) Des Pfaltzgrafen zu Neuburg wird nicht mit einem Wort darin gedacht (nur 
einmal in fine in Ziffern) viel woniger darin befohlen, dass man dessen Person recom- 
mendiren oder sagen soll, es wären pacta mit ihm gemacht, dass man in casu abdi- 
cationis oder sonsten ihm zur Cbron verhelfen wolle. 



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314 III. Brandenburg und Polen. 1664—1673. 

und auch der Armee versichert, er glaube aber nicht, dass die franzosische 
Partei so stark sei. 

Nicht gefallen hat H., dass Liliehoeck behaupten wollte, der Vorschlag 
wegen Pfalz-Neuhurgs sei zuerst von Seiten des Kf. an seinen König gebracht 
worden ') (sie scheinen so die Offens bei Frankreich von sich ab und auf Kf. 
bringen zu wollen'^)), und dass derselbe nichts davon hören wollte, schon so- 
gleich mit dem kaiserlichen Gesandten zu verhandeln, sondern, wie in dem 
Project angegeben, erst nach Abschhiss der Allianz zwischen Kf. und Schweden 
demselben sowie dem französischen Gesandten Notification thun will. 

Obwohl die Landboten beschlossen haben, auf den cum protestatione abge- 
zogenen H. Lukomski bis auf den letzten Feiertag zu warten, wird doch 
der Reichstag schon fast von allen für zerschlagen gehalten''). 



Der Kurfürst an v. Hoverbeck. D. Cölii 17. /27. December 

1666. 

[auf die Relation yom 17. December. Erneuter Befehl, die Wahlsache zu gunsten 

Pfalz-Neuburgs zur Sprache zu bringen.] 

(Conc. 0. V. Schwerin.) 

27. Dec. H. wird aus dem Rescript vom 14./24. *) ersehen haben, dass and wesshalb 

Kf. dafür hält, das Dessein dürfe weder gegen Frankreich noch gegen Polen 
länger dissimuliert werden. Ob und wie er dort etwas von der Sache zu ent- 
decken habe, soll er mit dem schwedischen Gesandten überlegen. Wenn er 
erhebliche Bedenken haben sollte, gegen den König davon zu gedenken, so soll 
er doch dahin sehen, dass man keine Gelegenheit, den Pfalzgrafen bei den 
Wohlafifectionierten zu recommendieren, verabsäume. Kf. glaubt, wenn man er- 
fahren werde, dass Pfalz-Neuburg von ihm und Schweden unterstützt 
werde, dass man sich dann gegen die Wahl des französischen Prinzen desto 
mehr entgegensetzen und desto grössere Reflexion auf Pfalz- Neu bürg nehmen 
werde. H. meint zwar, es wäre besser, die Sache ganz zu differieren, bis der 
Thron durch Resignation oder Tod des jetzigen Königs erledigt sei, da aber 
der König seine Absicht zu resignieren nur, um den Prinzen von Conde oder 
dessen Sohn zur Krone zu befördern, aufgegeben hat und, da er dabei obstacula 
gefunden, mit der Resignation gewiss einhalten wird, die Königin auch nicht 
ruhen wird, ihr Dessein zum Effect zu bringen, und es schon dahin gebracht 
hat, dass die vornehmsten Stände, namentlich die Geistlichkeit, auf ihre Seite 
getreten und auch der Adel schon ermüdet ist und lieber den Hof nach seinem 
Willen mit der Wahl handeln lassen als sich wieder in die früheren Ungelegen- 

Vgl Mem. de Pomponne II. S. 295f. 
») Vgl. oben S. 305. 

3) H. meldet am 27. December, dass der Reichstag sich wirklich zerschlagen 
habe, vgl. Kochowski 111. S. 253. 
*) oben S. 311. 



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Erneuter Befehl an v. Ho verbeck. 315 

heiten setzen lassen will, so hält Kf. nicht für gerathen, jetzt still zu sitzen und 
zu dissimulieren und den anderen Theil allen Vortheil wegnehmen zu lassen, 
vielmehr hält er es für nöthig, dem Adel und anderen die Meinung zu benehmen, 
als wenn nach erfolgter Wahl eines französischen Prinzen alles in der Republik 
zur Ruhe kommen werde, ihnen vielmehr vorzustellen, dass dadurch das Uebel 
nur ärger werden, die Bedrückung des Adels und der gemeinen Freiheit erst 
recht angehen und das ganze Reich dadurch in endliche Desolation und Ruin 
gestürzt werden dürfte, und zugleich die Auswärtigen sich um so eifriger der 
Sache annehmen, eine ihnen so widerwärtige Wahl quovis modo zu hintertreiben 
suchen und dass daraus endlich Kriege und Extremitäten entstehen würden. 

Gegen Schweden Misstrauen zu hegen, hat Kf. bisher keinen Grund, 
er wünscht daher, dass H. mit Zurücksetzung aller überflüssigen Hinderungen 
mit dem schwedischen Gesandten zusammenkomme und vertraulich communiciere. 

Seine eigenen Prätentionen wünscht Kf. jetzt nicht mit besonderem Eifer 
betreiben zu lassen, wenn nur das Fundament derselben fest bleibt, da er die 
Republik jetzt in solchen Beschwerden stecken sieht, dass er lieber ihre Affection 
beibehalten als derselben mit allzu rigoureuser Anmahnung beschwerlich fallen will. 



V. Hoverbeck an den Kurfürsten. D. Warschau 6. Januar 

1667. 

[Polnisches Hülfsgesuch gegen die Tataren und Türken.] 

Der König hat heute zu ihm zwei Senatoren, den Woiwoden von Pom- 6. Jan. 
m ereilen, Bakowski, und den Castellan von Oschwietzin, Stokowski, ge- 
schickt, um bei der von den Tataren und auch von den Türken drohenden 
Gefahr*) des Kf. Hülfe zu erbitten. Er hat geantwortet, er zweifelte nicht, 
dass Kf. dazu geneigt sein würde, obwohl ihm gegenüber die Brombergischen 
Pacta noch nicht erfüllt seien, zunächst aber müsste demselben durch Tradition 
Elbings Satisfaction geleistet, ferner ihm Mittel zur Verpflegung seiner Truppen 
gezeigt werden, er hat es dann aber übernommen, dieses Hülfegesuch dem Kf. 
zu hinterbringen. Zugleich ist ihm auch ein denselben Gegenstand betreffendes 
Schreiben des Königs^) an den Kf. eingehändigt worden »). 



') Nachdem die Tataren Ende 16G6 in Podolien eingefallen waren und dann ver- 
vereint mit den Kosacken das in der Ukraine stehende polnische Heer unter Ma- 
ch owski vernichtet hatten, wurde für das nächste Jahr ein neuer Einfall derselben 
und zugleich auch bei den bedrohlichen Rüstungen in der Türkei ein Tnrkenkrieg 
gefürchtet, s. Kochowski III. S. 253 IT. 

'^ D. Varsoviae 7. Januar 1667, darin wird Kf. gebeten, selbst Hülfe zu 
leisten und auch die Kreise und Fürsten des Reiches zur Ilillfeleistung zu bewegen. 

') Kf. weist darauf H. an (d. Cöln 7./17. Januar 1667), gegenüber der Forderung 
des subsidii weiter auf jenen beiden Bedingungen zu bestehen. 



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316 in. Brandenburg und Polen. 1664 -- 1673. 

V. Hoverbeck an den Kurfürsten. D. Warschau 7. Januar 

1667. 

[Audienz bei der Königin. Entrüstung derselben über die ihr gemaciiten Eröffnungen, 
ihr Gespräch mit dem G.Kanzler.] 

7. Jan. Auf Grund des Rescripts vom 14./24. December') und auf den Rath des 

schwedischen Gesandten hat er 2) zunächst in einer Audienz der Konigin 
mitgetheilt, dass Schweden und Kf. den Pfalzgrafen von Neu bürg zur polni- 
nischen Krone gerne erhoben sehen möchten und dass desshalb eine besondere 
Schickung an den König von Frankreich geschehen würde. 

Ihre M. die Königin hörten solchem alles dergestalt an, dass sie 
sich zwungen, kein Zeichen einigen Widerwillens an Gebehrden zu geben, 
aus den Reden aber werden E. Ch. D. genugsam abzunehmen haben, wie 
sie dadurch afficirt worden. Zuforderst bedankten sie sich, dass es E. 
Ch. D. zu wissen machen wollen, wunderten sich aber darüber, dass 
fremde Potentaten, als Schweden, Brandenburg und Frankreich, 
solche Ding unternehmen und mit einander zu überlegen sich anmassten, 
so den polnischen Ständen allein zukämen. Dann was hätte wohl 
Frankreich, das so weit entlegen, mit der Sach zu thun? Sie hätte 
sich alle weg gehütet, dergleichen an Fremde kommen zu lassen. Dass 
E. Ch. D. und Schweden der Sachen einig wären, dasselb war sehr 
gut, man hätte es aber auch dem Rom. Key ser (wie ich berichtete) nicht 
vorenthalten sollen, dann, wann alle drei benachbarten Potentaten dieser 
Wahl halber einig wären, würde solches umb so viel grösseren Nach- 
druck haben. 

Als ich darauf zu erkennen gab, dass es durchaus die Meinung nicht 
liätte, die Stände in ihrer freien Wahl zu beeinträchtigen, sondern nur 
allein officia zu leisten, nach welchen denselben zu thun und zu lassen, 
wie sies gut finden, heimb gestellt sein würde. Ich könnt aber nicht 
wohl dazu kommen, dass ich die sowohl vor Ihre M.* selbst als vor die 
Republique führende gute Intention recht vorgestellt hätte, weil sie zu 
unterschiedenen Malen wiederholte, dass sies gut finde und ihr ganz in- 
different sei, wer zu der Crohn gelangen möchte, ihres Theils gedächte 
sie auf die Wahl nicht mehr, der König hätt es auch verschworen und 
würde gewiss deswegen nichts auf die Bahn bringen, es wäre denn Sach, 
dass es die Stände aus eigner Beweguuss movirten. Der König sollte 

S. oben S. 311 ff. 

2) Vgl. Pufeudorf X. § 02 (S. 700), Mem. de Pomponne H. S. 361, 
Hirsch, Zur Gesch. der polnischen Königswahl von lGC>y S. 10 f. 



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V. Hoverbecks Audienz bei der Konigin. 317 

wohl wÜDscheD jemand zu finden, der ihm die Regierungslast in etwas 
enthiebe, ihr sollt auch wohl nichts lieber sein, dann dass sich ein solcher 
finde, der vor den König zu Felde ziehen und der Republique bei vor- 
stehender Noth und Gefahr kegen des Türken überaus grosse Macht mit 
Volk und Gelde helfen könnte, dasselb würde sich alles bei dem Her- 
zoge zu Neuburgk wohl finden, dann Schweden und E. Chf. D. würden 
ihm mit allem aushelfen, besser aber könnt alles von statten gehen, 
wenn auch der Rom. Keyser mit dazu gezogen würde. Sobald sie gehört, 
dass E. Ch. D. mit Pfalz-Neuburgk einen Erbvergleich gemacht, hab 
sie ihr wohl einbilden können, dass secret Artikel der polnischen Wahl 
halber dabei sein müssten. Wiewohl ich sie versicherte, dass dergleichen 
nicht vorgangen, sondern seit der Zeit erst E. Chf. D. umb dero officia, 
da es dermal einst dazu kommen sollte, ersucht worden, war ihr doch 
solches nicht aus dem Sinn zu bringen, und gab sie vor, blieb auch 
beständig drauf, sie wüsste gar wohl, dass der Vorschlag mit des H. 
Pfalzgrafen Person nicht von Schweden kommen, sondern von E. Ch. I). 
an Schweden gebracht worden, und dass nicht Schweden, sondern E. Chf. 
I). an Frankreich deswegen schicken wollte. — Zuletzt bestand sie fest 
darauf, es stecke gewiss der Herr Lubomirsky in diesem W^erke mit, 
so ich doch auch nicht zustehen könnt, sie wünschten aber, dass er dem 
Herzog zu Neuburgk besser Wort halte, als er wohl ihr gethan. — 

Auf etliche mal wiederholte Frag, was E. Chf. D. ich zu hinter- 
bringen hätt, erhielt ich nichts anders, als dass sie sich der Nachricht 
halber bedankte, brachte darauf unterschiedene Discurse sowohl von 
Reichs- als auswärtigen Sachen auf die Bahn. — 

Wie schwer Ihrer M.', wie wohl sies so hoch dissimulirt, diese 
Nütification auf dem Herzen gelegen, ist auch nach der Zeit darob ab- 
zunehmen gewesen, dass sie also gleich, wie ich aus dem Cabinet gangen, 
den Crohn Grosscantzler^) zu sich erfordert und von demselben zu 
wissen begehrt, ob in dem Wahlnegotio zwischen E. Chf. D. und ihm 
was vorgangen war, als er solches nicht anders zugestanden, dann dass 
er nur der Zeit mit E. Chf. D. von derselben geredt, wie sie ihm eine 
Instruction unter der Hand gegeben, dass er wegen des Churprinzeu 
Dchl. mit derselben handeln sollt. Von dem Erbvergleich mit Pfalz- 
Neuburgk hätt E. Chf. D., nachdem sie den Frieden zwischen den 
Niederlanden und Bischöfe von Münster gestiftet gehabt, ihm Nach- 

Der bisherige K.U. Kanzler Johann Lesczynski, der inzwischen die Wurde 
des G.Kanzlers erhalten hatte. 



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318 in» Brandenburg und Polen. 1664—1673. 

rieht gegeben, aber keiner Wahldesseine dabei gedacht. Hie fiel sie ihm 
ins Wort und sagte, nicht E. Chf. D. sondern der König in Frankreich 
hätt denselben Frieden gestiftet, diesem nach berichtete sie, was ich 
ausgebracht, und verwundert sich darüber, dass Schweden und E. Chf. D. 
ihnen vorgenommen, den König in Frankreich auf Neuburgks Seite 
zu bringen, es wurden auch wohl der Reipublicae Stände begreifen kön- 
nen, dass dieser Herr in der Noth, darinnen sie sich befinden, ihnen 
wenig oder nichts helfen könnte. — 



V. Hoverbeck an den Kurfürsten. D. Warschau 10. Januar 

1667. 

[Klagen der Königin. Audienz beim Könige. Die Türkenhulfe. Sendung Morsteins 
zu Lubomirski und nach Frankreich.] 

10. Jan. So sehr auch die Konigin sich bei der ihm ertheilten Audienz gezwungen 

hat, kein Zeichen ihres Widerwillens über die ihr gemachte Notification zu geben, 
so ist sie doch hernach um so heftiger, sogar mit Thränen losgebrochen. Sie 
und die Beförderer der französischen Wahl suchen sich dadurch zu rächen, 
dass sie das zwischen Kf. und Schweden Vorgegangene auf das ärgste zu miss- 
deuten suchen. 

Bei dem Konige*) hat er gestern Audienz gehabt und demselben auf das 
glimpflichste die Notification in der Form gemacht, dass er angab, auf die 
Kunde von der Absicht des Königs, der Krone zu entsagen, habe der Pfalzgraf 
sich bei Schweden und dem Kf. beworben, dass seine Person besonders der 
Republik bei der Wahl recommendiert werde, und Kf. hätte sich darauf mit 
Schweden dahin geeinigt, dass zunächst die Sache mit dem Könige von 
Frankreich in gutem Vertrauen überlegt, vor allem aber dem Könige und 
der Königin mitgetheilt und deren Sentiment darüber vernommen werden 
solle. Der König erwiderte, er kenne den Pfalzgrafen, seinen Schwager, sehr 
wohl, er könne aber wegen ' des Versprechens, das er den Ständen der Wahl 
wegen gegeben, die Sache nicht treiben, es könnte auch dahin gedeutet werden, 
als wenn man diesen nur darum proponierte, damit es mit dem anderen durch- 
getrieben werde, die Sache bedürfe weiteren Nachdenkens, es wäre daher nöthig, 
dass der Vortrag schriftlich übergeben würde. Doch hat H. dieses abgelehnt. 
Der König sprach dann mit ihm wegen der Türkenhulfe und äusserte, 
er habe sich wohl gedacht, dass H. mit der Forderung wegen Elbing kommen 
würde, er könnte darin ohne Consens der Stände nichts thun, wollte aber bei 
dem bevorstehenden Reichstage des Kf. Interessen nach Kräften befördern. 
, Der Hof und dessen Vertraute glauben, dass die jetzige Conjunctur, wo 

i die Stände in ihrer Noth fremde Hülfe suchen müssten, sehr günstig sei, um 

•) Vgl. Pufendorf X. § G2 (S. 700f.). 



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y. Hoverbecks Audienz beim Könige. 319 

die französische Wahl durchzutreiben, solche Hülfe sei von niemand ansehn- 
licher und auf generösere Manier zu erwarten als von Frankreich, das zwölf- 
oder fünfzehntausend Mann unter dem Prinzen von Cond^ schicken und auch 
wohl mit Geld aushelfen werde, während von dem Kaiser, Schweden und Kf. 
keine Hülfe zu erwarten sei. Die dem Kf. wohlaffectionierten Patrioten wün- 
schen und rathen daher, dass Kf. und die anderen Nachbaren, wenn Frankreich 
Truppen schickte, ebenfalls solche möglichst stark sendeten, damit man den 
Franzosen die Wage halten könne. Man hofft auch noch im Gegensatz zu dem 
Hofe, dass der türkische Krieg werde vermieden werden können. An Pfalz- 
Neuburg soll wie an die weltlichen Kurfürsten der Vetter des Bischofs von 
Cracau geschickt werden, und wäre dem Pfalzgrafen zu rathen, dass auch er 
Hülfe leistete. 

Zu der Gesandtschaft nach Frankreich, welche Fürst Radziwill abgelehnt, 
ist der Kronreferendar Mor stein ausersehen, derselbe nimmt seinen Weg über 
Breslau, jedenfalls um einen letzten Versuch zu machen, Lubomirski zu ge- 
winnen. Wenn dieses nicht gelingen sollte, sagt der französische Gesandte, 
würde man ihn zu achten haben, als wenn er nicht mehr unter den Lebenden 
wäre, welche Worte von etlichen gar seltsam wollen gedeutet werden. 



Der Kurfürst an v. Hoverbeck. D. Cöln 7./[17.] Januar 1667. 

[auf die Relation vom 7. Januar. Mahnung zu vorsichtigem Verhalten.] 
— Dass^) Ihr nun so weit gangen und der Königinnen ganz ro- 17. Jan. 
tunde zu erkennen gegeben, wir wollten Pf altz -Neuburg gern zur 
Chron befordert sehen, hätten uns desswegen mit der Chron Schweden 
bereits verglichen und woHten eo nomine eine Schickung in Frank- 
reich thun, — solches müssen wir zwar dahin gestellet sein lassen und 
dafür halten, dass Ihr hierunter nichts gethan, als was zu Beförderung 
der Sache und unserer Euch bekannten Intention erspriesslich und 
diensamb gewesen, wiewohl Euch sonsten bekannt, dass solche von 
Euch furgegebene Dinge theils noch zu keiner völligen Richtigkeit ge- 
bracht, theils auch auf gewisse conditiones und gradus gerichtet sein und 
wir in Frankreich und zu Wien selbst nicht eins sagen werden, dass 
wir uns mit Schweden dergestalt verglichen haben sollten, sondern 
unsere Intention nur dahin gehet, ümb zu sondiren, ob sie nicht selbsten 
auf des H. Pfaltzgrafen Person kommen würden, auch endlich pro ex- 
tremo dieses fürzustellen, dass uns von beiden Orten Ihre Ld. selbst für 
diesem furgeschlagen worden, Ihr werdet Euch aber hiebei wohl in 
Acht zu nehmen wissen, dass Ihr nicht Anlass geben möget, dass man 

^) S. oben S. 313 Anm. 1. Pufendorf X § 60 (S. 701). 



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320 IH- Brandenburg und Polen. 1664—1673. 

uns mit Fag dasjenige reprochire, was wir und andere für diesem am 
Hofe getadelt, und dass man bei der Republiq unsere bishero conservirto 
gute — Reputation nicht schwäche. — Es befrembdet uns auch, dass 
der Schwedische Abgeordnete sich so gar still bei dem Werk bezeige, 
da Ihr bereits so weit gangen, und können nicht ermessen, aus was 
Ursachen er so sehr an sich halte, ob etwan einige Veränderung in 
Schweden in den consiliis furgangen — oder ob man uns alle Missgunst 
und böse Nachrede allein auf den Hals zu reden suche? Zum weinig- 
sten werdet Ihr beflissen sein, hierin rechten und beständigen Grund 
zu erlangen. — 



Der Kurfürst an v. Hoverbeck. D. Cöln 14./ 24. Januar 

1667. 

[Nachricbten aus Schweden. Zn machende begütigende Erklärung.] 

24. Jan. Mittheilung der Nächrichten v. Crockows^) über die in Schweden ein- 

getretene Sinnesänderung. 

Aus diesem allen sehet Ihr nun, dass es besser gewesen, wenn Ihr 
mit der an den König und Königin gethanen Proposition noch etwas an 
Euch gehalten und so weite Ouvertüre von dem Werk und insonderheit 
von dem Vergleich zwischen uns und Schweden, als welcher, wie Euch 
wohl bewusst, noch nimmer zu einiger Perfection gekommen, — nicht 
gethan hättet, nunmehr aber und nachdem solches geschehen, befehlen 
wir Euch gnädigst an, ein und andern Orten mit guter Manier und behoriger 
Dexterität zu verstehen zu geben, wir wären wegen des Herzogs von 
Neuburg weder mit Schweden noch sonst jemand engagiret, alles 
was wir gethan ginge nur dahin, dass wir nebst Schweden dem Könige 
von Frankreich und dem polnischen Hofe widerrathen wollten, auf die 
Wahl, wie bisher geschehen, nicht zu dringen und dadurch die Stände 
zur Desperation zu bringen, wir hätten sonsten freie Hände, diejenige 
consilia zu befördern, so zu des Königes und der Republik Besten ge- 
führt würden, damit durch dergleichen — Discursen die Gemüther 
einigermassen praepariret werden mögen, dass, wofern wir ja wegen der 
Schweden Aenderung auch unsere consilia ändern müssten, solches mit 
guter fa^on geschehen — möge, dann Euch selbsten bekannt, dass, wo- 
fern Schweden sich mit Frankreich in diesem negotium zu nach- 

1) S. V. Crockows Relation vom 2. Januar 16G7 oben S. 189flF. 



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Missbilligimg des Verfahrens v. Hoverbecks. 321 

drücklicher Ausführung dieses Werkes einigen möchte, wir auch nicht 
umhin können, auf andere mesures und consilia bedacht zu sein. — 



V. Hoverbeck an den Kurfürsten. D. Warschau 4. Februar 

1665. 

[Audienz bei der Königin, deren Aeusseningen über die Empfehlung Pfalz-Neuburgs 
und über die Turkenhülfe.] 

Infolge des ihm in dem Rescript vom 14./24. Januar ertheilten Auftrages 4. Febr. 
hat er heute von der Königin eine neue Audienz erbeten und derselben zu- 
nächst mitgetheilt, Kf. hoffe zwar, dass der Türkenkrieg noch werde abgewandt 
werden können, sei aber im Nothfall zur Hülfeleistung geneigt, dann aler ihr 
vorgestellt, wie unrecht dem Kf. geschehe, wenn ihm vorgeworfen werde, er 
wünsche, mehr der Republik Zergliederung als ihr Aufnehmen, und er hätte, 
nachdem wegen Pfalz-Neuburgs mit Schweden schon völlig geschlossen gewesen, 
durch H. als von einer Sache, die erst auf die Bahn gebracht worden wäre, 
Notification machen lassen, er könne versichern, dass noch bis jetzt Kf. sich 
weder mit Schweden noch mit sonst jemand in dieser Sache engagiert hätte. 
Die Königin erwiderte, dass Kf. mit Schweden nicht engagiert sei, wolle sie wohl 
glauben, da dieses dasselbe versichere, aber sie hätte Nachricht, dass Kf. mit 
dem Kaiser darin einig sei, es würde aber dabei gemeldet, der gute Herzog 
wüsste selbst nicht, wie ihm geschehe, denn man gebrauche sich zwar seines 
Namens und Person, um ein französisch Subjectum zu excludieren, es sei aber 
auf einen anderen als auf ihn gemeint. — Sie behauptete, nachdem Pfalz- 
Neuburg von H. recommendiert worden, hätten sich alle, mit denen sie davon 
gesprochen, so gezeigt, dass sie daraus hätte abnehmen können, sie wären dem- 
selben zuwider. 

Die Königin kam dann auf die Turkenhülfe zu sprechen und erklärte 
auf H.'s Aeusserung, er zweifle nicht, dass Kf. eine ansehnliche Hülfe schicken 
würde, wenn nur zureichende Mittel des Unterhalts halber angeschafft würden, 
Unterhalt fordern sei so viel als die Hülfe gänzlich abschlagen , das Land sei 
ganz erschöpft, wenn sich nicht ein so mitleidiger christlicher Potentat finden 
würde, der seine zu Hülfe geschickten Völker selbst mit Munition und Proviant 
bis zum neuen Jahre versehe, so würde es in diesem Jahre mit der Republik 
ganz aus sein. Der Hofschatzmeister») wird bei Kf. um 3000 Mann zu Fuss 
und, dass Kf. dieselben auf drei Monate selbst verpflegen und mit Munition ver- 
sehen möchte, anhalten. 



Johann Gninski. 



Mater, s. Gcacb. d. G. Kurfürsten. XII. 21 



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322 ni- Brandenbnrg und Polen. 1664—1673. 

Der Kurfürst an v. Hoverbeck. D. Cöln 28. Januar/ 7. Februar 

1667. 

[Missbilligung des Verfahrens v. Hoverbecks, Widerlegung der gegen Kf. ausgestreuten 
Verdächtigungen. Der geheime Vertrag mit Lubomirski.] 

7. Febr. H. wird selbst einsehen, dass es besser gewesen wäre, des von Kf. vorge- 

schlagenen subjecti halber auf andere Weise als vermittelst einer solchen so- 
lennellen Notification zu gedenken, namentlich dass er von pactis zwischen 
Kf. und Schweden oder Pfalz-Neuburg gesprochen, ist ganz gegen des 
Kf. Willen und hat nur bewirkt, dass des Kf. Intention ganz zur Unzeit und 
zu höchstem Nachtheil der Sache selbst ausgebrochen und der anderen Partei 
desto mehr Ursache und Praetext gegeben worden ist, ihre consilia ins Werk zu 
setzen und ihn zu verdächtigen. H. soll sich bemühen, diese Verdächtigungen zu 
diluieren, daher an allen dienlichen Orten erklären, Kf. wünsche, dass der König 
noch lange regieren möge, und sei bereit, wenn es einmal zu einer Thronver- 
änderung kommen sollte , die Republik bei ihrer freien Wahl , ihren Rechten 
und Privilegien conservieren zu helfen. Er soll sich dazu auch des beifolgen- 
den mit Lubomirski abgeschlossenen Traktats') und des Schreibens Mor- 
st eins, welches diesen Traktat und die dabei führende Intention ausführlich vor- 
stellt', bedienen. Die Originale beider Stucke sind dem Kf. von Lubomirski 
seihst mitgetheilt worden, Kf. hat zwar demselben damals versprochen, sie 
nicht zu divulgieren , jetzt aber nach dessen Tode ') ist er dieser Zusage ent- 
schlagen, doch soll H. diese Sache nicht gemein machen, sondern daraus ein- 
zelnes zur Rettung der Unschuld des Kf.' und klaren Demonstration der Ab- 
sichten der anderen Partei den Wohlintentionierten vorstellen und dem Littaui- 
schen Kanzler und dessen Genossen vorhalten, wie unrecht es sei, dem Kf. 
Schuld zu geben, als wenn er dem Könige zur Abdication gerathen, und ihnen 
zu erklären, Kf. beabsichtige zwar nicht, diese Dinge zu divulgieren, wenn man 
ihn aber auch ferner noch mit allerhand unerfindlichen Auflagen gravieren werde, 
so müsse er alles thun, damit seine gute Intention und Conduite der ganzen 
Welt kund werde. 



S. oben S. 310. 

^ Lubomirski war am 31. Januar 1667 zu Breslau in Folge eines Schlag- 
anfalls gestorben, s. Kochowski IlL S. 2G2. Stephan Niemirycz (s. obenS.248) 
meldet dem Kf. (d. Breslau 1. Februar 1667), L. sei gestern gestorben, er habe dem- 
selben die Augen zugedrückt, nachher mit dem kurz vorher angekommenen Castelian 
von Posen Grzymultowski conferiert und diesen entschlossen gefunden, für die 
Erhaltung des Vaterlandes zu denken und zu handeln, er selbst werde bald mit Auf- 
trägen desselben zu Rf. kommen. 



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Luboniirski's Tod. 323 

V. Hoverbeck an den KarfUrsten. D. Warschau 7. Febraar 

1667. 

[Lubomirski's Tod. Gespräch mit dem französischen Gesandten. Geföbriicbe Lage.] 

Nachdem gestern die gewisse Nachricht von Lubomirski's Tode ange- 7. Febr. 
kommen, hat') der Hof seine Freude darüber offen kundgegeben, die Königin 
hat sogleich den französischen Gesandten zu sich rufen lassen. Nachmittag 
gab derselbe ihm (H.) die Revisite, zeigte ihm an, dass seinem Könige eine 
Prinzessin geboren sei, sprach dann von Lubomirski^s Tode, welcher die 
Republik wieder in Ruhe setzen könnte, und von der beabsichtigten Sendung 
des jungen Freiherrn von Schwerin nach Paris'), er meinte, Schweden und 
Kf. schienen nicht sowohl eine unversöhnliche Aversion gegen das französische 
Dessein zu hegen, sondern nur zu glauben, dass die Ausführung desselben un- 
möglich sei, und er fragte, wenn Schweden und Kf. sich dem Hof und seinem 
Könige fugten, ob dann nicht auch der Kaiser würde nachgeben müssen. H., 
um ihn zu veranlassen, sich desto mehr herauszulassen, erwiderte, er traute 
diesen drei Mächten viel zu, da sie aber doch sicherlich nicht mit Waffenge- 
walt einen Successor aufzudringen beabsichtigten, so wäre es auch nöthig zu 
wissen, was sie für Subsidia hätten und worauf sie sich vornehmlich verliessen. 
Darauf rühmte jener sich, sie hätten die Geistlichen, den ganzen weltlichen 
Senat (ausgenommen etwa vier), alle Feldherren und die Vornehmsten der 
Armee für sich, er könnte das mit deren eigener Unterschrift beweisen. H. er- 
widerte, darauf könnte man sich hier in Polen, wo ein einziger einen ganzen 
Schluss über den Haufen zu werfen imstande sei, nicht verlassen, es geschehe 
oft, dass solche, welche selbst unterschrieben hätten, einen Widersprecher an- 
stifteten, und wies darauf hin, dass der gemeine Adel bisher grosse Aversion 
bei der Sache bezeigt habe. Jener meinte, das wäre nicht aus Misstrauen 
gegen die Nation, sondern nur aus Misstrauen gegen die Königin geschehen, 
und das würde, wenn es nur zum actu electionis käme, sich ändern. Könnte 
Kf. sich mit seinem Könige einigen, so müsste bedacht werden, wie alles zu 
des Kf. Ehre, Sicherheit und Satisfaction eingerichtet würde, H. möchte dem 
Kf. dieses und in welchem Stande sich jetzt die Sache befinde recht vor- 
stellen. 

H. ist in grosser Besorgnis. So lange als möglich, glaubt er, erfordern 
des Kf. Interessen, sich der Wahl eines französischen Subjecti zu opponieren, 
sollte aber Schweden sich Frankreich fügen, so sieht er grosse Gefahr. 
Der Castellan von Posen schreibt zwar an den G.Kanzler, er habe nicht 
de republica zu desperieren, doch fehlen noch nähere Nachrichten. 

Um das Concept des Hofes, Kf. bei den Ständen zu decreditieren, zu ver- 
eiteln, räth H., Kf. möchte statt der begehrten 3000 Mann 6000 oder noch 
mehr anbieten, aber unter einem so hohen Capite, dem es nicht anständig 



') Vgl. Puf endorf X. § 63 (S. 701). 
») S. unten Abschn. VI. 

2V 



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324 nr. Brandenburg und Polen. 1664—1673. 

wäre, unter polnischen Feldherren zu stehen, und unter dem Vorwaude, dass 
sich grosse corpora besser conservieren als kleine. 



V. Hoverbeck an den Kurfürsten. D. Warschau 18. Februar 

1667. 

[Dank des Königs für die angebotene Hülfeleistung. Geschenk für Podlodowski. 
Anerbietungen der Kosacken.] 

18. Febr. Der König, dem er das Antwortschreiben des Kf. ') übergeben und dessen 

Bereitwilligkeit zur Hülfeleistung angezeigt, bedankte sich sehr und erklärte, 
sein Wunsch ginge nur dahin, dass Kf. seine Truppen bereit hielte, dieselben 
würden nicht vor dem Juli einzumarschieren brauchen. Anstatt des schwer 
mitzuführenden Proviants bat er, dass Kf. Munition und ausser den 3000 Mann 
zu Fuss noch 1000 Reiter sende. 

PS. 1. Der Starost von Radom Podlodowski 2) hat ihn wegen der ihm 
versprochenen 200 Ducaten erinnert, wenn derselbe soll beibehalten werden, 
so muss das Geld ihm während des Reichstages geschickt werden, doch bittet 
er, dass es im geheimen geschehe und namentlich Niemieritz nichts davon 
erfahre. 

PS. 2. Die Kosacken 3) haben sich zu verschiedenen Malen durch ihre 
Geistlichen bei ihm angegeben und gebeten, Kf. möchte sie in seinen Schutz 
nehmen, es solle ihnen nichts lieber sein, als unter einem evangelischen Herren 
zu sein, da sie den Päpstischen durchaus nicht trauten. H. hat mit Fleiss alle 
Gelegenheit, sie zu sprechen, verhütet, zumal er gemerkt, dass sie noch bei 
Lebzeiten des Königs ihr Vornehmen ins Werk zu richten beabsichtigen, wenn 
er sie nur des Kf. Protection auf den Fall versichern könnte, wenn sie alles 
bis nach Thorn überwältigt hätten <). 



') d. Coloniae ad Spream 1 4. /24. Januar 16G7 (gedruckt bei Zaluski, Epistolae 
bistorico-fanaiiiares I. S. 99f.}, darin erklärt Kf., er glaube allerdings nicht, dass die 
Gefahr für Polen so gross sei, doch sei er im Nothfall zur Hülfeleistung bereit, in der 
Hoffnung, der König werde um so mehr dafür sorgen, dass die zwischen ihnen ab- 
geschlossenen Verträge gehalten und ausgeführt würden, und zugleich in dem Ver- 
trauen, dass die nothigen Lebensmittel für die Hülfstruppen würden geliefert werden. 
Betreffend die Hülfe der Reichsstände mochte der Konig sich zunächst an den Kaiser 
wenden. 

*) H. hatte schon am 10. December 1666 gerathen, denselben, der auch vom 
Kaiser eine jährliche Pension von 2000 Rthlr. beziehe, durch ein Gratial von 100 oder 
200 Ducaten vorläufig an der Hand zu halten. 

») Vgl. Pufendorf X. § 63 (S. 702). 

*) Kf. erwidert darauf (d. Cöln 15./25. Februar 1667), er wünsche nähere Nach- 
richt, von wem und auf wessen Befehl und Vollmacht diese Anträge erfolgt seien, 



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Polnisches Hülfsgesuch. 325 

Andreas Olszowski*), K.U.Kanzler an den Hofschatzmeister 
Gninski. D. Warschau 28. Februar 1667 0. 

[Die vou Kf. angebotene Hülfe. Forderung des Verziclites auf die Elbingei* Pfandsumme.] 

Sobald der König von Krakau zurückgekommen, hat ihm H. v. Hover- 28. Febr. 
back einen Brief des Kf. ') überreicht, dessen Copie beiliegt. Der König kann 
nicht anders als diese Offerte mit Dank annehmen, zumal dieselbe schon durch 
ganz Polen praeconice ausgerufen ist und H. hier bei Hof von dieser Favenr 
des Kf. viel Rühmens macht. Der König befiehlt daher Gn. ex Senatusconsulto, 
dem Kf. für seine gute Affection zu danken und ihn zu bitten, dass diese 
Verheissung möge werkstellig gemacht werden, jedoch ohne Entgeltung und 
unter den in Gn.'s suppletoria instructione enthaltenen Bedingungen. Es wird 
wohl ein grosses sein, wenn ihnen Kf. ex gratuita liberalitate subsidia chari- 
tativa giebt, daran er sehr zweifelt und es nicht eher glauben wird, bis es ge- 
schieht. 

Es wurde dienlich sein, wenn Kf. diese Auxiliarvölker aus dem Herzog- 
thum Preussen schickte, doch bittet er, dass dieser Marsch nicht auf Löbau*) 
gerichtet werde. Bis nachKaminiec hin sollen die Truppen aus den unterwegs 
befindlichen Magazinen verpflegt werden, von da an aber werden sie von ihren 
eigenen Mitteln, dem ihnen ans der kurfürstl. Kammer auf 6 Monate zu zahlen- 
den Solde, zehren müssen und haben sie sich auf weiter nichts zu verlassen. 
Ob Gn. mit solcher Proposition selbigem Hofe angenehm sein wird, kann er 
nicht wissen. Es folgt aber noch eine andere, welche wohl noch mehr zuwi- 
der sein dürfte. Gn. soll nach erhaltener Declaration auf das Ansuchen einer 
freigebigen Hülfe noch eine andere Function, und zwar cum titulo legati auf 
sich nehmen und Kf. ersuchen, dass er seine Praetention auf Elbing oder viel- 
mehr auf die Summe der 400,000 Rthlr. abstehen wolle, denn von Elbing 
muss nicht einmal gedacht werden. Gn. soll in seinem Discurs (aber nicht 
schriftlich) als raison anführen, wenn Elbing in des Kf. Hände käme, so müsste 
die Republik beständig Besatzungen in Marienburg, Stuhm, Dirschau und Mewe 
halten, zudem würde das argwöhnische Danzig in stetem Alarm stehen und 
grosse Spesen desshalb thun müssen. Hoverbeck hat ihm zwar, als er in 
discursu dieses vorgebracht, erwidert, Kf. wäre ein guter Nachbar und Freund 

H. solle die Kosacken nur im allgemeinen seines guten Willens versichern, am lieb- 
sten würde ihm sein, wenn dieselben sich mit der Krone verglichen und ihn zum 
Garanten des Vergleiches begehrten. 

^) Andreas Olszowski, Bischof von Culm, welcher soeben anstelle des zum 
G.Kanzler erhobenen Joh. Lesczynski zum K.U.Kanzler ernannt worden war, s. 
Kochowski III. S. 266. 

*) Dazu die Kanzlei notiz: „Diese Abschrift ist von H. Wiehert [dem damaligen 
Residenten des Kf. in Warschau] von Warschau anhero im Januar 1672 übersandt, 
so wohl aufzuheben. '^ Die Instruktion für Gninski s. Zaluski, Epistolae historico- 
familiares 1. S. Ulf. 

») S. S. 324 Anm. 1. 

*) Löbau in Westpreussen, die Residenz des Culmischen Bischofs. 



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326 ni. Brandenburg und Polen. 1664—1673. 

der Republik, von dem keine Gefahr zu befürchten wäre, er hat aber geant- 
wortet, nach der Mode der jetzigen Zeit mösste ein jeder Potentat seine eigene 
Securität beobachten, Ef. machte es Schweden und dem Kaiser gegenüber 
ebenso. Der modus tractandi wird darin bestehen, dass Gn. zunächst gratuitam 
et totalem condonationem summae praetensae verlange und dabei die erwiesenen 
officia anführe, namentlich, mit welcher Candeur und Aufrichtigkeit der König 
ohne Tergiversation dem Kf. die Souveränität in Preussen per solemiem com- 
missionem überlassen habe, nicht allein ex obligatione pactorum sondern viel- 
mehr ex affectu et studio fraterao gegen Kf., obwohl er sowohl wegen Brauns- 
bergs als auch wegen der ausgebliebenen Hülfe zu prätendieren gehabt hätte. 

Der zweite gradus tractandi besteht darin, dass Gn. für diese Summe die 
Hälfte der Subsidien*) in perpetunm abstehen soll, worüber er eine Vollmacht 
von dem Könige und dem gegenwärtigen Senat erhält. Er wird dieser Nego- 
tiation halber eine Zeit lang am kurfürstl. Hofe residieren müssen und schadet 
es nichts, wenn er deshalb etwas später nach Schweden kommen sollte, denn 
hierdurch würde der Republik ein grosser Dienst geschehen. Man wird frei- 
lich wohl dieses negotium zu vollenden Hoverbeck anbefehlen, doch weiss 
dieser bishe? davon nichts, sie sehen auch, dass derselbe nicht candide geht 
und nur sein datum darauf gosetzet hat, ihnen nach seiner Art und Gewohn- 
heit Elbing aus den Händen zu spielen, woraus aber unter seiner Amtsführung 
nichts werden soll. 

Dafern nun der Churfürst weder ohne Entgelt noch für die Hälfte 
der Auxiliarvölker die Prätention auf Elbing oder die obbenaelte Geld- 
summe nicht nachlässt, so wird die Republik alsdann die Augen auf- 
thun und die Aifection in den Gemüthern erkalten, auch werden seine 
Partisanen den Credit verlieren, endlich so wird auch die Republik auf 
dem Reichstage ihr selbst diesfalls Rath schaffen müssen, et sie ars 
deludetur arte. Auch wird von nöthen sein, dass M. H. demselben Hofe 
zu verstehen gebe, dass wir auch arcaniora penetriren und gar wohl 
wissen, wie dass der Churfürst durch seinen Ministrum Mons. Krakau 
mit dem Könige in Schweden wegen der Garantie in Preussen einen 
Tractat aufgerichtet und dergleichen auch mit Dennemark, Holland und 
dem Lüneburgischen Hause negotiiren lasse. 

Die Pienipotenz vom Könige und den Senatoren soll Gn. erst, wenn er bei 
der anderen Conferenz ad secundum gradum instructionis gekommen, producieren 
und sich dann herauslassen, dass er in commissis habe, tausend Mann gegen die 
Elbingische Summe abzustehen. Gn. soll von dort nicht abreisen, bis er die 
letzte Proposition gethan hat, obgleich leicht zu ermessen, dass man darauf 
keine decisive Antwort ohne Zuziehung Hoverbecks ertheilen und diesen 
beauftragen wird, darüber ultimario mit ihnen in Warschau zu verhandeln. 
Es kann auch nicht schaden, dass dem Kf. anzuhören gegeben werde, dass er. 



J) S. oben S. 240. 



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Sendung Gninski's. 327 

als er per pacta Regiomontana 1656^) vom Schwedischen Könige die Souverä- 
nität in Preussen erhalten, der Krone Schweden 1500 Mann z. F. nnd 500 z. R. 
versprochen, die er seihst unterhalten sollte. 

PS. Gn. erhält ein zweifaches Creditiv, das eine mit dem Titel von Lauen- 
burg und Bütau, das andere ohne denselben; falls das letztere angenommen 
wird, kann er mit dem ersteren zurückhalten, wo nicht, so kann er den Titel 
ganz geben, indessen wird er (der Kanzler) in der metrica regni eine Mani- 
festation einlegen, weil dieser erzwungene Titel in den pactis nicht zu finden, 
dass er keineswegs gemeint sei, dem Kf. über das, was ihm vermöge der pacta 
expresse zukommt, ein jus oder speciale dominium zu attribuieren. 



Der Kurfürst an v. Hoverbeck. D. Cöln 22. Februar/[4. März] 

1667. 

[Verhandlungen mit Gninski.] 

Der polnische Gesandte Job. Gninski') ist vorigen Sonntag [17./27 Febr.] 22. Febr. 
hier angekommen und hat bei der am folgenden Tage gethanenen Proposition ') 
nur der Hülfe wider den Türken gedacht, dieses auch nachher in der Con- 
ferenz mit den Geh. Käthen wiederholt, Kf. hat ihm darauf beifolgende Reso- 
lution*) ertheilen lassen, er hat sich auf der Gonferenz, als ihm mitgetheilt 
worden, dass Kf. sich zu einer so zahlreichen Hülfe erbieten wolle, ganz be- 
stürzt gezeigt, hat auch die Antwort darauf unter dem Vorwand, vorher seine 
Instruktion einsehen zu müssen, differiert. Auf die Remonstrationen, die Kf. 



*) In dem Labiauer Vertrage vom 10./20. November 1656 hatte sich Kf. dem 
Könige von Schweden gegenüber, falls derselbe in dem konigl. Preussen angegriffen 
werden sollte, zur Stellung von 2500 Mann zu Fuss und 1500 Reitern Sulfstruppen 
auf eigene Kosten verpflichtet. 

*) V. Hoverbeck schreibt über denselben am 17. Januar 1667: „dieses Sub- 
jecti Qualitäten seind ausser Zweifel Ew. Chf. D. vorhin bekannt; bei den Reichs- 
ständen ist er vor allen anderen verdächtig und verhasst, bei dem Könige und Königin 
aber ist keiner iu grösseren Gnaden und Gstime als eben er. Was er vor sich con- 
cipirt, wird denen Kanzlern schlechterdings vom Könige zum Siegeln uberschickt. 
Da es Ew. Chf. D. also gnädigst gefallig war, möcht es nicht undienlich sein , den- 
selben hoch zu ehren und caressiren, aber durcht^us ihm nichts zu vertrauen, als wohl 
des Hofes Faction wissen mag." Vgl. über diese Sendung desselben Pufendorf X. 
§ 61 (S. 699f.), Mem. de Pomponne II. S. 390. 

>) S. Zaluski, Epistolae historico-familiares I. S. 101. 

*) ebendaselbst S. 104. Darin verspricht Kf., ein Hülfscorps von mindestens 
8000 Mann zu schicken, das er, wenn möglich, selbst führen, dem er Sold auf 3 Mo- 
nate zahlen und das er auch mit der nöthigen Artillerie versehen werde. — Dem Pfalz- 
grafen von Neuburg theilt Kf. schon im voraus (d. Cöln 13./23. Febr. i667) diese 
Offerten, welche er dem polnischen Gesandten machen wird , um dadurch ihre rechte 
Intention zu penetrieren, mit und fragt an, in welcher Starke derselbe bei dieser 
Gelegenheit erscheinen könnte. 



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328 ni. Brandenburg und Polen. 1664—1673. 

ihm wegen der nicht geleisteten Satisfaction hat machen lassen, hat er zwar 
SQstinieren wollen, Kf. habe den pactis kein Genügen geleistet, es ist ihm aber 
das contrarium nachgewiesen worden. 

Was Kf. ihm wegen dessen, was bei der von H. abgelegten Proposition 
vorgegangen'), hat remonstrieren lassen, hat er endlich alles mit einem Miss- 
verstande entschuldigt und versichert, man wäre jetzt mit Kf. ganz zufrieden 
und hege keinen Argwohn gegen ihn. Bei einer gestern erfolgten neuen Audienz 
hat er für das Schreiben des Kf. an den König ^) in puncto subsidii gedankt, 
den Frieden mit Moscau^) notificiert, endlich^) die Verzögerung der Satisfaction 
entschuldigt und dabei gebeten, Kf. möchte solchen Anspruch aus Liebe gegen 
die Republik gar fahren lassen, Kf. hat aber dagegen remonstriert, die Repu- 
blik könnte ohne Nachtheil, ja zu ihrem eigenen Besten ihn contentieren , der 
König und die Republik wären auch dazu geneigt, und es würde nur durch 
einige ihm üebelaffectionierte verhindert. 



V. Hoverbeck an den Kurfürsten. D. Warschau 4. März 

1667. 

[Tod Potocki's. Geltendmachung der Ansprüche des Kf. auf Draheim.] 

4. März. Der K.G.Feldherr Potocki ist am 1 2. /22. Februar gestorben^), das Ober- 

generalat ist Sobieski angetragen und derselbe aufgefordert worden, hieher 
zu kommen, um ihn mit dem Fürsten Dimitr Wischnowitz auszusöhnen, 
den man durch die ünterfeldhermcharge zu gewinnen hofft. Die Woiwodschaft 
Cracau ist vorlängst dem K.Schwertträger Zebrzydowski zugesagt worden, 
man giebt aber zu verstehen, dass der jetzige K. G. Kanzler *) praeferiert werden 
dürfte, wenn er dagegen das Siegel abgeben wollte. Da H. bei beiden Majestäten 
wegen ünpässlichkeit nicht hat Audienz erhalten können, so hat er den fran- 
zösischen Gesandten, sowie den Gross- und den Vice-Kanzler ersucht, zu ver- 
hüten, dass die dem Kf. zur Hypothek verschriebene Starostei Draheim an- 
derweitig vergeben werde, die beiden ersten haben sich günstig erklärt, der 
V.Kanzler') aber behauptete, der Ort könne nicht ohne Possessor sein und Kf. 
werde bar bezahlt werden, worauf er geantwortet, allem würde auf einmal ab- 
geholfen werden, wenn Kf. sich seines Rechtes gebrauchte, Kf. würde, wenn 
die Republik die Auslösungssumme herbeischaffte, den Ort wieder abtreten. 



') S. oben S. 316flF. 

3) S. oben S. 324. 

3) Am 30. Januar 1667 war zu Ändrussow der dreizehnjährige Stillstand zwischen 
Polen und Russland abgeschlossen worden, s. Kluczycki, Acta Joannis Sobieski I. 
S. 564«f. 

*) S. Zaluski I. S. 102f. 

^) S. kochowski m. S. 263f., Pufendorf X. § 64 (S. 702). 

^) Johann Lesczynski. 

^) Andreas Olszowski, Bischof von Culm. 



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Die Draheimer Angelegenheit. 329 

Dem V.Kanzler scTieinen zu der Zeit, da er in Lobau residiert, von den 

preussischen Malcontenten allerhand widrige Impressionen wegen der jara des 
Kf. gegeben zu sein. 



V. Hoverbeck an den Kurfürsten. D. Warschau 12. März 

1667. 

[Krankheit der Köuigin. Unterstützung der Anhänger Lubomirski's durch den Kaiser 

und Pfalz- Neuburg.] 

Mit dem König hat es sich merklich gebessert, bei der Königin aber 12. März, 
lässt sich eine inflammatio pulmonum spüren, dazu stete Mattigkeit und eine 
Geschwulst, die der Wassersucht nicht unähnlich. 

Der Castellan von Posen ^) schreibt an den G.Kanzler, der Kaiser sei 
entschlossen, die hiesigen gemeinen Interessen nachdrücklich zu secundieren. 
Lubomirski hätte für sich allein lOOOOORthlr. jährliche Pension und für 
seinen geistlichen Sohn'-*) zwei Bisthümer prätendiert, er aber habe alles in des 
Kaisers Discretion gestellt, darauf seien ihm öOOODucaten zur Zehrung auf 
diesen Reichstag geschickt, für L.'s Eidam'), der den vorigen Reichstag habe 
zerreissen lassen, wären 5000 Rthlr. verordnet. Pfalz-Neuburg habe ihm, 
dem Castellan, lOOODucaten ins Haus geschickt, wieviel für die Armee ver- 
ordnet ist, wird nicht gemeldet, der Pfalzgraf wird wohl bis 100 000 Ducaten 
hergeben. 

PS. Der K. Hofmarschall ^) hat ihm bei der heutige Revisite den Zustand 
der Königin als sehr gefährlich geschildert, die Aerzte hofften noch, dass die- 
selbe durch Genuss von Eselsmilch sich etwas werde erholen können. 



Der Kurfürst an v. Hoverbeck. D. Cöln 4./14. März 1667. 

[Gninski's letzte Anträge, die darauf ertheilte Resolution. Sendung Stratmanns nach 

Polen.] 

H. erhält beifolgend die dem Gninski auf seine letzte Instanz^) ertheilte 14. März, 
endliche Resolution®), wobei wir dann wahrgenommen, dass er diese 
Sache fast mehr und fleissiger als die gesuchte Hülfe getrieben, auch 
endlich soviel zu verstehen gegeben, dass er nichts anderes suchte, als 



Christoph Grzymultowski. 

^) Der Malteserritter Hieronymus Lubomirski. 

^) Felix Potocki, Sohn des verstorbenen G. Feldherrn Stanis laus Potocki. 

*) Clemens Branicki. 

*) S. Zaluski I. S. 106 vom 5. März. 

^ vom 2./ 12. iiärz 1667, darin wird die weitere Verhandlung nach Warschau 
verwiesen. 



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330 III. Brandenburg und Polen. 1064—1673. 

durch dergleichen Tractaten uns allgemach an den Hof wieder zu en- 
gagiren und von der Republik abzuziehen, wobei er dann auch die 
Schwäche des Hofes gnugsamb zu verstehen gegeben und allerhand 
Advantagen in sonderbaren submissen tertninis oflferiret, wofern wir uns 
mit dem Hof und zwar cum utraque Regia Maiestate wieder reconciliiren 
wollten. 

H. soll mit Graf Kresky^) vertraulich cominunicieren , ihm aber rathen, 
in der Wahlangelegenheit nicht zu weit zu gehen. Pfalz-Neu bürg hat seinen 
Rath Straetman'-') zu Kf. geschickt, welcher sich zu dem bevorstehenden Reichs- 
tage begeben und mit Kresky zusammen dem Könige und der Republik Hülfe 
anbieten soll, Kf. wird mit demselben dieses negotii halber die nöthige Abrede 
nehmen und durch denselben H. seine eigentliche Meinung wissen lassen. 



Der Kurfürst an v. Hoverbeck. D. Cöln 4y[14.] März 1667. 

[auf die Relation vom 4. März. Besitzergreifung von üraheim. Bedinguugen, unter 
denen Kf. auf die Elbinger Schuld verzichten will] 

li. März. H. solP) bei dem König um Audienz anhalten und demselben mittheilen, 

Kf. hätte angcordet, dass die Starostei Draheim für ihn in Besitz genommen 
werde, er hoffte, der Konig werde damit zufrieden sein und ihn dabei schützen 
helfen, auch soll er den vornehmsten Ständen Nachricht davon geben und diesen 
die Bewandnis der Sache auseinandersetzen. Er beabsichtigt, nicht eher die 
Possession zu ergreifen, bis er erfahren, wie man sich auf diese Proposition 
bezeigen werde; sollte er bei dem Könige keine Audienz erhalten, so soll er 
die Sache per memoriale vorstellen. 

PS. Aus den dem polnischen Gesandten ertheilten Resolutionen wird H. 
ersehen, dass Kf. bereit ist, falls man wegen der Hülfe und der Schuld ferner 
mit ihm zu handeln gedenkt, von den auf Elbing verschriebenen m/400 Rthlr. 
drei Viertel fallen zu lassen unter den Bedingungen: 

1) dass die übrigen m/100 Rthlr. zu den auf Draheim haftenden m/r20 
geschlagen und ihm dagegen diese Starostei erblich überlassen werde, 

2) dass ihm von den der Republik zu leistenden Subsidien wenigstens die 
Hälfte erlassen, 

3) dass ihm und seinen Nachkommen das Indigenat conferiert werde, worum 
H. sich besonders zu bemühen hat, 

4) dass im übrigen die pacta in plenissimo robore bleiben. 

Den modus zu finden, wie diese Handlung aufs beste zu incaminieren, wird 
H. anheimgestellt. 



») S. oben S. 250. 

2) S. ürk. u. Act. XIV. 1 S. 300f. 

3) Vgl. Pufendorf X. § 64 (S. 702). 



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Die Draheimer Angelegenheit. 331 

V. Hoverbeck an den Kurfürsten. D. Warschau 19. März 

1667. 

[Die Draheimer Angelegenheit.] 

Er hat bei dem Könige Audienz gehabt. Derselbe nahm des Kf. Reso- 19. März, 
lution wegen der Türkenhüife sehr dankbar auf, spracli aber den Wunsch aus, 
Kf. möchte lieber nur die Hälfte schicken und den Unterhalt derselben auf 
6 Monate auf sich nehmen. 

Als dann H. dieDraheimsche Sache anregte, sagte der König, er wünschte 
gern Kf. befriedigt zu sehen , es müsste aber vorher mit mehreren Senatoren 
überlegt werden. Er beklagte sich dann, dass H. mit dem Fürsten Wischno - 
witz') sonderliche Confidenz zu stiften gesucht, mit demselben in dem Wahl- 
negotio und anderen Sachen gegen des Königs Interesse negotiiert und ihm eine 
jährliche Pension von 200000 Gulden angeboten habe, gegen welche Behaup- 
tungen, als unwahr und verleumderisch, H, auf das lebhafteste protestiert hat. 

Obwohl ihm sowohl von einigen Senatoren als auch vom Könige selbst 
Hoffnung gemacht worden, dass Kf. wegen Draheim Satisfaction erlangen würde 
hat er doch sichere Nachricht, dass dasselbe sowohl dem Castellan von Posen 
als auch dem Fürsten Wischnowitz angetragen worden ist; der erstere lässt 
selbst dem Kf. rathen, sich je eher je lieber in Possession zu setzen -'). 



Der Kurfürst an v. Hoverbeck. D. Cöln 18./28. März 1667. 

[ßescbiuss der Besitzergreifung von Draheiin.J 

Da er ersehen, dass man ihm die Starostei Draheim nochmals aus den 28. März 
Händen zu spielen sucht, so hat er nicht dienlich gefunden, mit der Besitz- 
ergreifung derselben länger anzustehen. Er hat v. WedeP) dorthin abgefertigt, 
sollte Opposition dagegen versucht werden, so wird er sich licitis et omni iure 
permissis modis et mediis bei seinem Recht zu maintenieren suchen, H. soll 
dort sein Interesse beobachten und allem Widrigen begegnen, namentlich aber 
bei der Republik auf allen Fall Beistand suchen. 



*) Fürst Demetrius Wiszniowiecki, Woiwode von Beiz. 

2) H. meldet am 22. März, dass trotz des Widerspruches mehrerer Landboten 
Draheim dem Fürsten Wiszniowiecki, obwohl sich derselbe selbst lange dagegen 
gesträubt habe, übertragen worden sei. 

') Der Hof- und Kammergerichtsrath Adam Hassov. Wedeil s. ürk. u. Act. 
IX. S. 54. 



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332 in. Brandenburg und Polen. 1664—1673. 

V. Hoverbeck au den Kurfürsten. D. Warschau 29. März 

1667. 

[Antwort des Königs auf die Anzeige der beabsichtigten Besitzergreifung von Draheim.] 

29. März. Was Kf. ihm in dem Rescript vom 4./14. März') anbefohlen, hat er ver- 

richtet. Der König') erwiderte, wegen El hing könnte er nichts thun, H. sollte 
sich an die Stände halten, wegen Draheim hoffte er nicht, dass Kf. ihm zar 
Beschimpfung davon Besitz ergreifen werde. Auf H.'s Remonstrationen erklärte 
er schliesslich, er für seine Person hätte nichts gegen die Besitzergreifung ein- 
zuwenden, wusste aber der Sache nicht zu helfen, da die Starostei dem Fürsten 
vergeben, H. möchte privatim mit den Ständen sprechen, dass sie es nicht übel 
deuteten. H. remonstrierte, der König könnte wohl an den Fürsten schreiben, 
dass er sich der Possession enthielte und andere Satisfaction erwarte, was er 
auch zusagte. H. kommt diese Willfährigkeit verdächtig vor, daWischnowitz 
schon seine Leute mit einigen Dragonern dorthin geschickt haben soll, doch 
will er darum anhalten. 



Der Kurfürst an v. Hoverbeck. D. Cöln 22. März/1. April 

1667. 

[Veränderter Bescbluss wegen Draheims.] 

1. April. Obwohl') er genugsam befugt wäre, sich seines Rechts an Draheim zu 

gebrauchen, so will er doch bei jetzigen Conjuncturen, zu Beibehaltung des 
Glimpfs und der Stände Affection nicht mehr bei der Sache thun als aus der 
beifolgenden Instruction für den dorthin abgefertigten Kammerrath v. Wedeil*) 
zu ersehen. Kf. erwartet Nachricht, ob H. wegen der auf Elbing haftenden 
Summe die ihm jüngst mitgetheilte '^) Erklärung gethan, und wie man sich 
darauf resolviert habe, er hat besonders dahin zu sehen, dass auch die Repu- 
blik von des Kf. Offerte Nachricht und Information erhalte®). 



') S. oben S. 330. 

^ Vgl. Pufendorf X. § 64 (S. 702). 

3) Vgl. Pufendorf a.a.O. 

*) Dieselbe ist in den Akten nicht vorhanden. 

5) oben S. 330. 

«) Kf. sendet (d. Coln 5./15. April 1667) H. die [fehlende] Relation des nach 
Draheim geschickten v. Wedeil und theilt ihm mit, er habe demselben befohlen, bei 
dem Gronescben Landgericht die nöthige Protestation einzulegen und sieb dann auf 
den Landtag nach Scbroda zu begeben, um dort den Rath und die Unterstützung der 
grosspolnischen Ritterschaft einzuholen, Wiszniowiecki's Diener in Draheim habe 
erklärt, sein Herr werde leicht zur Abtretung zu bewegen sein. 



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Die Drabeimer Angelegenheit. 333 

V. Hoverbeck an den Kurftlrsten. D. Warschau 16. April 

1667. 

[Yerhandlimgen wegen der Wablangelegenheit auf dem Reichstage. Schreiben des 

schwedischen Königs.] 

Der G. Kanzler, der Castellan von Posen, der K. Oberstallmeister') und 16. April. 
derK. üntertruchsess Potocki*), haben dieser Tage einander mit körperlichen 
Eiden angelobt, beisammen zu halten und in die französische Wahl nicht zu 
willigen, auch eine Schrift, um andere zu verbinden, unter einander aufge- 
richtet. 

Gestern') hat der Starost von Oschwietzim Pieniatek*) unter dem 
Schein, als wollte er des Hofs schädlichen Desseins durch eine scharfe Constitu- 
tion vorbeugen, des Wahlnegotiums gedacht, wie man meint, damit der Hof bei 
solcher Gelegenheit sondieren könnte, wessen er sich zu versehen und wie 
stark etwa seine Partei sei. Es haben sich aber viele Widersprecher gefunden 
und ist beschlossen worden, von sämmtlichen Senatoren einen Eid zu fordern, 
dass sie das Wahlnegotium jetzt und auch künftig nicht treiben wollten, wozu 
sich auch die Landboten bereit erklärt haben. 

Ehegestern ist der Schwedische Gommissarius wieder angelangt und hat 
dem Könige ein Schreiben übergeben, welches dieser so gedeutet, als wenn 
Schweden gegen alle und jeden Hülfe angeboten hätte, worauf auch bei Hof 
die Rede erschollen, sie könnten ihrer Sache um so mehr trauen, da Schweden 
m/12 Mann an Frankreich zu überlassen sich erboten, beides ist aber aus dem 
Schreiben selbst garnicht zu erzwingen*). 



Der Kurfürst an den Pfalzgrafen von Neuburg. D. Magde- 
burg 24. April /[4. Mai] 1667. 

[Milets Anbringen. Mittheilung desselben nach verschiedenen Seiten hin.] 

Ein französischer Abgesandter Mil et ^) ist hier auf der Reise zu ihm gekom- 4. Mai. 
men und hat namens seines Königs um Durchzug für eine nach Polen be- 
stimmte französische Armee unter Conde's Führung gebeten. Er wünscht in 
dieser auch mit Rücksicht auf das bekannte Dessein sehr bedenklichen Sache 

') Füret Alexander Lubomirski, Bruder des verstorbenen K.G.Marschalls. 

^ Felix Potocki, Schwiegersohn Georg Lubomirski's. 

^ Ueber diese Vorgänge auf dem seit dem 7. März in Warschau tagenden Reichs- 
tage 8. Kochowski III. S. 267, über den Schluss des Reichstages ebendaselbst 
S. 270. 

*) Johann Odrowaz Pieniazek. 

^) Ueber die damaligen Verhandlungen zwischen Schweden und P o 1 e n s. M e m. 
de Pomponne II. S. 354ff. 

6) Vgl. ürk. u. Act. IL S. 427 ff.; Pufendorf X. §65 (S. 703); Hirsch, Zur 
Gesch. der polnischen Konigswahl von 1669 S. 12f. ; unten Abschn. VI. 



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334 III- Brandenburg und Polen. 1664—1673. 

des Pfalzgrafen Meinung zu erfahren. Er hat, um Zeit zu gewinnen, den Ge- 
sandten vermocht, nach Berlin zu gehen und dort auf ihn zu warten, hat in- 
zwischen an verschiedenen Orten in Polen dieses Anbringen bekannt gemacht, 
welches den Wohlafifectionierten nicht geringe Ombrage machen und die- 
selben zu anderen und vigoureusen Resolutionen erwecken dürfte, er hat auch 
deswegen an Graf Wrangel, den Herzog von Braunschweig-Celle, sowie 
an K. Mainz und K. Cöln geschrieben, auch dem Baron de Goes*), welcher 
sich eben, wie der französische Gesandte zu ihm gekommen, auch bei ihm be- 
funden, ausführliche Nachricht davon gegeben und demselben dabei remonstriert, 
wie grosse Inconvenientien dadurch verursacht wurden, dass man am kaiser- 
lichen Hofe so retiriert in allen Dingen ist und über keine Sache des Kaisers 
eigentliche Sentimenten eröffnen will, was er auch hat zugestehen müssen. 

In Schweden fangen die Sachen an, besser zu gehen, Näheres wird 
Stratman berichten-). 

V. Hoverbeck an den Kurfürsten. D. Warschau 10. Mai 

1667. 

[Tod der Königin.] 

10. Mai. Der G. Kanzler hat sich dieser Tage dahin bereden lassen, ausführlich 

an Pfalz- Neu bürg zu schreiben und denselben seiner Devotion zu versichern. 
Nun steht es darauf, dass nebst ihm und dem Castellan von Posen der 
Castellan von der Wilde und G. Feldherr Pac') (der H. versichert, dass er 
mit seinem Vetter, dem Littauschen G. Kanzler gar nicht einig sei), der Ge- 
neral Starost in Samaiten Hlebowicz, wie auch die Woiwoden von Polotzko, 
Kopei, von Smolensk,Przedberecki, der Castellan von Samaiten, Hör da, der 
Littauische U.Kanzler Marustewicz, der Feldschreiber Polnbienski, der 
Littauische Küchenmeister Siesicki, alle die Herren Sapieha und des ver- 
storbenen Bischofs von der Wilde Bialozoren Vetter ein Bündnis gegen des 
Hofs Vorhaben und Praktiken unterschreiben, und werden ihrer mehr wohl 
jetzt dazu treten, nachdem die Königin*) diesen Morgen halb sechs Uhr ge- 
storben, worüber fast wenig Betrübnis sowohl bei Hofe als bei den Standen 
verspürt wird. Auch vom König hofft man, dass er sich in kurzem über die- 
sen Verlust trösten lassen werde. Etliche Tage aber dürfte er doch wohl 
dissimulieren so in äusserlichen Gebehrden als in consiliis, damit es nicht das 
Ansehen gewinne, dass er sich von der Verstorbenen ganz hätte regieren lassen. 
Was H. früher wegen Draheim geschrieben, wird sich jetzt nach der Königin 
Tod desto besser und sicherer practicieren lassen. 



Vgl. ürk. u. Act. XIV. 1 S. .302. 

^) Pfalzgraf Philipp Wilhelm in seiner Antwort (d. Grimblingbausen 12. Mai 
16G7) verweist auf seine Stratman ertheilten Auftrage. 

^) Michael Pac, Nachfolger Sapieba's als Littauischer G. Feldherr. 
*) S. Kochowski III, S. 272. Vgl. Pufendorf X. § 65 (S. 703). 



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Sendung Millets. Tod der Königin. 335 

Der Kurfürst an v. Hoverbeck. D. Cöln 8./ 18. Mai 1667. 

[auf die Relation vom 10. Mai. Anweisung, wie die durch den Tod der Konigin 
eingetretene günstige Gelegenheit zu benutzen sei. Empfehlung der Pfalz-Neubur- 
gischen Prinzessin.] 

— zweifelo nicht, Ihr werdet Euch dieser Conjuncturen in pflicht- 18. Mai. 
massiger Beobachtung unsers Interesse bestermassen bedienen und au 
allen Orten was zu Beförderung des Euch bekannten Desseins gereichen 
kann, nichts verabsäumen. Für allen Dingen hielten wir nötig, jemand 
von der contrari Parthei zu gewinnen, der beim König in Credit wäre 
und durch welchen man Ihrer K. M. Geraüth allgemehlich von der bis- 
herigen Conduite ab und auf andere consilia bringen könnte. Sollte 
man sich auf einigerlei Manier des Litthauschen Gross Cantzlers Pacen 
versichern können, würde solches ausser Zweifel sehr zuträglich sein und 
haben wir davon unsere Gedanken auch an Fürst Radzivils Ld., welcher 
nun aldort bereits vielleicht wird angelanget sein, geschrieben. 

Weil *) man auch ausser Zweifel von ein oder andern Heirath 
wieder sprechen wird, so müsstet Ihr äusserst geflissen sein, nach aller 
Möglichkeit vorbauen zu helfen, damit Ihrer K. M. Inclination nicht an 
einen solchen Ort falle, davon man sich dergleichen Widerwärtigkeiten 
als bisher zu befahren hätte, könnte man durch einige Confidenten und 
Favoriten des H. Pf. zu Neuburg ältiste Princessin') in Vorschlag brin- 
gen und dem König dazu einige Propension erwecken, solches würde zu 
Erreichung des bekannten Zwecks am all ersichersten sein. Es ist sel- 
bige Princessin bereits ins 16. Jahr und nicht allein von Natur mit Ge- 
sundheit, Schönheit und andern Perfectionen reichlich begäbet, sondern 
auch durch des H. Vätern sorgfältige Education in Sprachen, Manieren 
und andern fürstlichen Tugenden dergestalt geübet, dass ihr darin wohl 
weinig gleichen möchten. — 

PS. Kf. theilt ihm ein Schreiben an den G.Kanzler Lescinzky mit und 
beauftragt ihn, demselben 1000 Rthlr., die er ihm zuschickt, zuzustellen, ihm 
von der dem Franzosen ertheilten Resolution ^) Nachricht zu geben und ihm zu 
rathen, dass er des Königs Gemuth zu gewinnen und zu einiger Confidenz 
zu bewegen suchen möge. Auch den Bischof von Cracau soll H. sich bemuhen 



') Vgl. Pufendorf X. § 66 (S. 704). 

') Eleonore Magdalene Therese, älteste Tochter des Pfalzgrafen aus seiner 
zweiten Ehe mit Elisabeth Amalia von Hessen-Darmstadt, geb. 6. Januar 
1655, also damals eben erst 12 Jahre alt. 

») S. ürk. u. Act. 11. 8. 432flF. 



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336 III- Brandenburg und Polen. 1664—1673. 

wieder zu gewinnen. Wegen der Heirat soll H. auch mit Graf Kresky com- 
municieren *). 



V. Hoverbeck an den Kurfürsten. D. Warschau 13. Mai 

1667. 

[auf ein Rescript vom 22. April. Der von Frankreich geforderte Durchzug. Vor- 
schlag wegen Drabeiros.] 

13. Mai. Er hat^ den Wohlaffectionierten von dem an Kf. gestellten Verlangen des 

Königs von Frankreich, einer französischen Armee unter Conde's Führung 
den Durchzug nach Polen zu gestatten, Nachricht gegeben, dieselben meinten, 
Kf. könne denselben desshalb versagen, weil man von keiner Türkengefahr 
dieses Jahr etwas wüsste, sie wollten indessen für sich selbst und durch die 
Landboten insgesamt darum anhalten, dass der König an Kf. schriebe, er möchte 
den Pass nicht verstatten. Da er von dem Könige wegen der Trauer keine 
Audienz erhalten hat, so hat er durch den K. Oberkämmerer Grafen Dönhoff 
demselben Nachricht davon geben und anfragen lassen, was der König in sol- 
chem Falle vom Kf. gethan sehen möchte, er hat aber nur zur Antwort er- 
halten, der König habe allerdings, als er von dem Türken überzogen zu werden 
gefürchtet, wie an andere christliche Potentaten, so auch an den König von 
Frankreich um Hülfe geschickt 3), wessen sich derselbe darauf erklärt, wisse er 
nicht, auch nicht, wasMillet bei Kf. suchte, es wären aber diese und andere 
Subsidia nun, da der Krieg nicht vor sich ginge, unnöthig. 

Die Leiche der Königin soll nach Cracau übergeführt und dort im Sep- 
tember die solennen Begräbniscerimonien abgehalten werden. Die von dersel- 
ben zum Leihgeding gehaltenen Starosteien und Oeconomien wünscht der König 
ein Jahr unvergeben zu gemessen, H. hat durch den Oberkämmerer dem Könige 
den Vorschlag machen lassen, diese Gelegenheit zu benutzen, um dem Fürsten 
Wischnowitz eine der erledigten StarOvSteien zu conferieren und dem Kf. 
Draheim zu tradieren. 

PS. Die französische Partei sucht den König bei den vorigen consiliis der 
Abdication zu halten, der König lässt sich auch so verlauten, doch glauben die, 
welche um ihn sind, dass spätestens in sechs Wochen sich viele Dinge ändern 
werden. Zur anderweitigen Heirath werden vorgeschlagen*): die verwittwete 



*) H. erwidert 4. Juni, nach Krenski's Aussage sei die Prinzessin erst 13Jahre 
alt, zu einer so jungen werde der König sich schwerlich verstehen, wenn die älteste 
kur ländische Prinzessin katholisch wäre, so würde der Konig an diese vor allen denken. 

3) Vgl. Pufendorf X. § 65 (S. 703). 

^ S. über die Sendung des K. Referendarius Andreas Morstein nach Frank- 
reich ürk. u. Act. IL S. 432f. 

*) Vgl. M^m. de Pomponne IL S. 389. 395; Krebs, Vorgeschichte und Aus- 
gang der polnischen Königswahl von 1G69 (Zeitschr. der hislor. Gesellschaft für die 
Provinz Posen. IH.) S. 176. 



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Sendung Millets. Pläne inbetreff der Verm&blung des Königs. 337 

Kaiserin, die verwittwete Königin von Schweden, die älteste Prinzessin 
von Curland und die von Tirol. 



V. Hoverbeck an den Kurfürsten. D. Warschau 16. Mai 1667. 

[Audienz beim Könige, dessen Anklagen gegen v. Hoverbeck.] 

Et hat heute bei dem Könige Audienz gehabt und nach verrichteter 16. Mai. 
Gondolenz demselben den schon durch den 0. Kämmerer gemachten Vorschlag 
wegen Draheim wiederholt. Der König Hess sich denselben wohl gefallen, 
begehrte aber etwas Zeit zu weiterer Ueberlegung. Als H. dann des durch 
Mille t vom französischen Könige verlangten Durchzuges für franzosische 
Truppen erwähnte, sagte der König, da man sich dieses Jahr nichts scheine 
vom Türken zu befahren zu haben, so erachte er es für unnöthig, sich wegen 
des Dnrchlassens zu declarieren, er hätte sich aber nimmer dessen versehen, 
dass man ihn mit seinen Ständen zu committieren suchen würde, er hätte H. 
immer hoch aestimiert und nicht geglaubt, dass derselbe einige Landboten zu 
sich entbieten und dieselben unter Vorzeigung des Originalrescripts des Kf. an- 
treiben würde, diese Sache in publice congressu zu exaggerieren. H. erwidert, 
er hätte jene Landboten gamicht gekannt, ihnen auch das Rescript des Kf. nicht 
gezeigt, dieselben hätten bei dem kaiserlichen Gesandten den Brief des Baron 
de Goes gelesen. Was H. durch den O.Kämmerer dem Könige vorgetragen 
habe, sei nicht auf Befehl des Kf. sondern aus seiner eigenen Veranlassung ge- 
schehen, den Landboten hätte er abgerathen, der Sache in publice congressu zu 
gedenken. Der König stellte sich dadurch völlig zufrieden, sagte aber, er hätte 
gehört, dass H. an Kf. geschrieben, er, der König, hätte die Tataren ins Land kom- 
men lassen. Auch dagegen aber sowie gegen einige andere von Mille t dem hie- 
sigen französischen Gesandten gegenüber geäusserte Anklagen gegen H. hat sich 
dieser zu rechtfertigen gesucht, und, wie ihm von vertrauter Seite zugekommen 
ist, hat der König auch diese Information bei sich stattfinden lassen. 



Der Kurfürst an v. Hoverbeck. D. Cöln 6./[16.]Mai 1667. 

[Zurücksendung eines Schreibens des Königs von Polen.] 

Er hat ein königKches Schreiben') erhalten, schickt dasselbe aber wegen 16. Mai. 
mangelhafter Titulatur *) zurück ; H. soll dasselbe sowie ein beifolgendes Schrei- 
ben an den U.Kanzler abgeben und dabei erinnern, dass künftig keine solche 
errores in der Kanzlei begangen würden. 



') vom 20. April, s. Zaluski, Epistolae bist -familiäres I. S. 3. 

^ In demselben war der Titel von Lauenburg und Butow und die Bezeiclmung 
„Bruder^ ausgelassen; schon in dem Schreiben an Gninski (oben S. 327) hatte der 
neue K.Ü.Kanzler Olszowski seine Absicht, denselben dem Kf. streitig zu machen, 
kundgegeben. 

Mater, s. Qesch. d. G. Kurfürsten. XII 22 



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338 in. Brandenburg; und Polen. 1664—1673. 

V. Hoverbeck an den Kurfliraten. D. Warschau 20. Mai 

1667. 

[Durch Millet gegen ihn verbreitete Verleumdungen.] 

20. Mai. Als er dieser Tage den französischen Gesandten besucht, um demselben 

wegen des Todes der Königin zu condolieren, hat derselbe auf Grund zweier 
von Millet*) empfangenen Schreiben mit ihm zum höchsten expostnliert, ihm 
vorwerfend, er wäre derjenige, welcher dem Kf. widrige Impressionen sowohl 
wegen Frankreich als auch wegen dieses Hofes gebe. H. hat auf alle einzelnen 
Beschuldigungen eingehend repliciert. Zuletzt wurden sie mit einander wieder 
gute Freunde, nur sprach jener seine Verwunderung darüber aus, dass H.'s 
Reden mitlfillets Bericht nicht übereinkämen, worauf H. erwiderte, dies könnte 
er leicht erklären, wenn er sich dessen heftigen Sinn vorstellte, welcher den 
Kf. entweder nicht recht verstanden oder aber in seiner Aufregung im Schreiben 
bald was zu-, bald abgethan habe. 

Der französische Gesandte hat nach dem Tode der Königin den Muth 
sehr fallen lassen, dieses wird hoffentlich noch mehr geschehen, wenn das erste 
Leid bei dem Könige vergangen sein wird. Die Franzosen sollen schon, falls 
der König wieder zu heirathen gedenken sollte, der Königin jüngste Base'), 
welche sehr unruhigen Sinnes sein soll, vorgeschlagen, der König aber, weil sie 
sehr jung, sie sofort verworfen haben. 

PS. Bei einem Besuche, den er dem V.Kanzler gemacht, hat jener 
ihm dieselben Dinge, wie der französische Gesandte, vorgerückt, ebenfalls auf 
Grund der Schreiben Millets, er hat aber alles noch viel gründlicher als 
jenem gegenüber widerlegt'). 



Der Kurfarst an v. Hoverbeck. D. Cöln 13./[23.]Mai 1667. 

[Anklagen Hillets gegen v. Hoverbeck.] 

23. Mai. Millet hat den Ministern des Kf. gegenüber behauptet, H. habe vor mehr 

als zwei Jahren dem Bischof von Beziers zu verstehen gegeben, Kf. werde, 
wenn Frankreich ihm nur gute Bedingungen offerieren würde, für die fran- 
zösischen Pläne gewonnen werden können, und als jener erwidert, Kf. habe 
dazu, namentlich Lessein^) gegenüber, garkeine Inclination gezeigt, repliciert. 



') S. Urk. U.Act. II. S. 448f. 

^ Benedieta Henriette, Tochter des Pfalzgrafen Eduard, geb. 1652, die 
spätere Gemahlin des Herzogs Jobann Friedrich von Hannover. 

*) Kf. befiehlt H. (d. Cöln 17./27. Mai 1667), sich gegen diese Beschuldigungen 
sowohl dem Bischof von B^ziers gegenüber zu verantworten, als auch in einem 
französischen Schreiben an jemand seines Hofes, welches Millet gezeigt werden könne, 
dasselbe zu thun. H. richtet demzufolge ein solches Schreiben an den Fürsten von 
Anhalt. 

*) S. Urk. u. Act. IL S. 233ff., IX. S. 599ff. 



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Millets Anklagen gegen v. Hoverbeck. 339 

dieser hätte keine Avantagen proponiert, wenn dem Kf. vortheilhafte Bedin- 
gungen angeboten würden, könnte er leicht anf andere consilia gebracht werden. 
Im vorigen Jahre, als Colbert*)" bei Kf. gewesen, hätte H. sich bei Beziers 
über diesen beklagt, dass er in jener Sache so wenig Eifer gezeigt, auch der 
Königin gerathen, mit Kf. deswegen zu verhandeln, aber Vicquefort*), als 
dem Kf. zu odieus, verbeten. Darauf hätte H. der französischen Partei und 
dem Hofe wieder dadurch zu guter Hoffnung Anlass gegeben, dass er behauptet, 
Kf. hätte dem jungen Freiherrn v. Schwerin') günstige Aufträge an den König 
von Frankreich gegeben und gerathen, man möchte nur das tempo in Acht 
nehmen und sich des Kf. gänzlich zu versichern bemüht sein. Alles dieses sei 
nach und nach von dem Bischof an den Hof und noch unlängst an Millet 
nach Hamburg überschrieben worden. Kf. kommen diese Discurse ganz fremd 
vor und theilt er sie H. zur Verantwortung mit. 



Dieses hat der französische A